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Gießener Zeifung

Bezugspreis 25 Pfg. monatlich

-

( Neneste Nachrichten)

terteljährlich 75 Pig., vorauszahlbar, fret ins Haus. bgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig. ausgabeftellen vierteljährlich 60 Pfg. Erscheint Mittwoche und Samstags. Redaktion: Selters. veg 88. Für Aufbewahrung oder Stücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Berlag ber Gießener Zeitung" G. m. b..

Nr. 99.

"

Telephon: Nr. 362.

Giessener Ortskrankenkasse

contra Aerzte.

Um eine Jrreführung der öffentlichen Meinung zu Derhüten, sieht sich der Verband der Kassenärzte für die Provinz Oberhessen gezwungen, inbezug auf den Bericht Der Ortstrantentasse Gießen über ihre Hauptversamm= Lung( Gießener Anzeiger vom 8. Dez.) nachfolgende wichtigstellende Aufklärungen zu geben. Die Gießener Distrantentasse spricht von einem drohenden Aerzte= Streif. Die Aerzte protestieren entschieden gegen diese Bezeichnung des in Aussicht stehenden einfach vertrag= Losen Zustandes zwischen Aerzten und Krankenkassen. Die Merzie werden auch nach Ablauf der Verträge am Januar 1914 je dem Rassenmitglied je de erfor­berliche Hilfe zu jeder Zeit gewähren. Wo ist da Die Rede von einem Aerzte- Streif? Tatsache ist ledig dh, daß die Verträge mit sämtlichen Krankenkassen im Deutschen Reiche am 1. Januar 1914 ablaufen. Sie mußten infolge der veränderten Bestimmungen der Reichsversicherungsordnung gekündigt werden. Die gro= Ben Betriebskrankenkassenverbände, welche auch die Orts­Frankenkassen mit vertreten, haben durch den Abbruch der Berhandlungen den Abschluß von neuen Verträgen ver­eifelt, durch welche der Deutsche Aerztevereinsbund all­gemeine für Deutschland gültige Vertragsbedingungen mit der Verpflichtung der Regelung von Streitigkeiten durch Schiedsspruch vereinbaren und damit ein dauern­bes, friedfertiges Zusammenarbeiten erzielen wollte. Micht die Aerzte- Honorarfrage brachte die Verhandlungen zum Scheitern, nein aur das Verlangen der Kassen nach der Macht über die Merzte. Deshalb wollten die Krankenkassen keine Ver­

wahl. Der einzelne Arzt sollte in seiner Existenz ab­

|

Expedition: Seltersweg 83.

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Mittwoch, den 10. Dezember 1913.

volle dieser erhöhten Leistungen zu Gunsten der Kassen­mitglieder an, doch erwächst bei solchen Möglichkeiten der Kasse auch die Verpflichtung, den Aerzten für die Leist­ungen ihres schweren Berufes das Honorar einiger­maßen entsprechend zu erhöhen. Wenn wir erwähnen, daß das aus der Pauschalvergütung auf die einzelnen Leistungen der Aerzte( Besuche bei Tag und Nacht) ent­fallende Honoraranteil sich nur auf wenige Bruchteile einer Mark beziffert, so wird wahrlich niemand in der Forderung einer mäßigen Erhöhung eine Unbilligkeit er­blicken können, um so weniger als selbst nach deren Er­füllung damit bei der Kassenbezahlung noch nicht ein­inal die den Aerzten in der Gebührenordnung 1815, also vor 100 Jahren zugebilligten Sätze erreicht

werden.

vor

Die Gießener Ortskrankenkasse hat nun weiter be­schlossen, bei dem Oberversicherungsamt die Genehmig­ung zur Anwendung des§ 370 der Reichsversicherungs­ordnung zu beantragen. Dieser Paragraph sieht vor, daß, wenn eine Kasse keinen Vertrag mit einer ausreich­enden Zahl von Aerzten zu angemessenen Bedingungen oder wie jetzt vielleicht vorerst überhaupt keinen Vertrag schließen kann, sie widerruflich ermächtigt werden kann, statt der erforderlichen freien ärztlichen Behandlung den Kassenmitgliedern eine bare Leistung bis zu zwei Drit­teln des Durchschnittsbetrages ihres gesetzlichen Kran­kengeldes zu gewähren. Die Aerzte sind dann allerdings nicht verpflichtet, da sie mit den Stassen in keinerlei Ver­tragsverhältnis stehen, den Kassen die als Ausweis die­nenden Krankenscheine auszustellen. Daß aus solchen Zustand auch der Gießener Ortskrankenkasse ge­waltige Schädigungen ihrer Finanzen entstehen, bedau­ern die Aerzte selbst sehr. Sie waren und sind heute noch bereit, einen allgemeinen ehrenvollen durch

vereitelten Frieden abzuschließen, während lokale

einem

die

ge sofort u. gewissenhaage mit Aerzteverbänden, beshalb teine freie Arzt- Machtgelüfte des großen Betriebskrankenkassenverbandes Nähmaschinen- und wingig gehalten werden von dem Kassenvorstand, wäh- einbahrungen abgelehnt werden müssen. Die Aerzte be­Industrie Giessen en die Aerzte wünschen und verlangen, frei und un­abhängig durch die sie umfassenden Organisationen die Kirchenplatz Berträge abzuschließen und die Bedingungen zu verein baren, unter welchen sie ihre Tätigkeit den Kassemmit

dauern selbst den ihnen aufgezwungenen Solidaritäts= kampf um die Unabhängigkeit ihres Standes und gegen die Schädigungen, die ihnen aus Bestimmungen der R.-V.-D. drohen, führen zu müssen.

on 80 P/ g. aber auf widmen haben, das hindi din trei der Vorstand des Berbandes her Kaſſenärzte

ebersee, nds Welthandel, Marinewesen

onnement auf das

GER BLATT

Nordwestdeutschlands

besitzenden Kreise

Beilagen, u. a.

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Inserate im Jahre 1912

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( Fortgesetzt steigend)

will es dünken, daß gerade Mitglieder der Odstrankenkassen dafür wahrlich Verständnis haben olltert.in

dieses

Wenn nun ferner die Gießener Ortskrankenkasse in hrem Bericht behauptete, daß die gestellten Forderum­gen der Aerzte mit einem Beitragssage von 4 Prozent, Das ist mit einer Erhöhung um Dreiviertel Prozent ,, bei weitem nicht bestritten werden könnten", so ist nad 2 Richtungen hin unzutreffend. Denn er­ens sind der Gießener Ortskrankenkasse selbst Honorar­foderungen überhaupt noch nicht gestellt worden, zwei­ens erforderten die in Aussicht stehenden einzelnen an­ten Krankenkassen bekanntgegebenen Wünsche um Er­hung der Aerztehonorare bei der Gießener Ortsfran­lease nicht eine Steigerung um Dreiviertel Prozent, all auf 4 Prozent der Beiträge, sondern sie können mit nur Einviertel Prozent Erhöhung der Beiträge Du und ganz erfüllt werden, was wir zahlenmäßig weisen fönnen. Die von der Gießener Ortskranken­1ae angedeutete Erhöhung ihrer Beiträge auf 4 Proz. tung! Ihr Kassenmitglieder. D. Red.) hat an= ere Gründe.

Im Interesse der minderbemittelten Kassenmitglie­der würden wir den Fortfall der Familien- Versicherung bedauern. Andererseits mutet uns das starke Betonen Des petuniären Standpunktes bei der Gießener Orts= Irantenkasse sonderbar an, der es möglich war, in den elen 3 Jahren allein über 100 000 Mark( vergl. Gie­ner Anz. vom 12. Juni 1913), im Jahre 1912 so­36 000 Mt.( vergl. Jahresbericht 1912) über die gesetzlich obliegenden Verpflichtungen hinaus aus­weben. Wir erkennen voll und ganz das Verdienst­

biri

für Provinz Dr. Kaeß. do

Zur Erinnerung an das seltene Datum

Donnerstag 11.

Dezember 12.

1913

13

halte ich sehr schön ausgeführte Postkarten heute und morgen zum Verkauf. Der aufgedruckte Vers: Erst in hundert Jahren

wer fann da warten! Sind wieder möglich solche Karten. Drum soll man auch nicht geizen Mit einem Kärtchen: 11, 12, 13, sagt, wie selten und wertvoll diese Karte später erst wird. Besonders die Karten- Sammler dürf­ten diese nie wiederkehrende Gelegenheit nicht vor­übergehen lassen, in ihre Sammlungen auch eine solche Karte einzureihen. Es sei noch speziell darauf hingewiesen, daß die Karte erhöhte Kuriosität be­kommt, wenn man sie um 11 Uhr zur Post gibt, damit auch der Stundenstempel 11-12 der Karte aufgedrückt wird.

Safe

Soweit der Vorrat reicht, halte ich diese Karten zum Verkauf. Albin Klein, Papier- u. Schreibwarenhandlung. Seltersweg 83.

Tel.-Nr. 362.

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Telephon Nr. 362.

25. Jahrg.

Politische Rundschau.

Deutschland.

* Der Kaiser sprach dem Reichskanzler sein volles Vertrauen aus, nachdem der leitende Staatsmann in Donaueschingen seinen Vortrag beendet hatte. Laut Tägl. R." wird in unterrichteten Kreisen angenommen, daß in der nächsten Zeit ein kaiserlicher Willensatt erfolgen wird, der das Vertrauen des Kai­sers für den Kanzler in aller Oeffentlichkeit ausdrückt. Es scheint damit angedeutet zu werden, daß Herrn von Rethmann Hollweg die Grafentrone verliehen werden soll.

* Berlin, 8. Dez. Aus Anlaß der Zaberner Vorgänge und der Ergebnisse der Debatte im Reichs­tag waren von dem sozialdemokratischen Parteivorstand in ganz Deutschland Protestversammlungen einberufen. In Berlin und Vororten fanden gestern 17 statt, in denen sämtlich gleichlautende Resolutionen angenommen wurden. Zu Zwischenfällen fam es nicht.

ein­

* Straßburg i. E., 8. Dez. In einer von 6000 Personen besuchten Protestversammlung, die stür­misch verlief, sprachen gestern die Reichstagsabgeordne ten Böhle und Peirotes. Eine Resolution, die stimmig angenommen wurde, verlangt den Rücktritt des Generals v. Deimling, des Reichstanz= lers und des Kriegsministers. Aehnliche For­derungen wurden in Versammlungen gestellt, die in Köln, Frankfurt, Offenbach und anderen Städten ab= gehalten wurden.

* Das Infanterie- Regiment Nr. 99 ist Samstag nachmittag gegen 3 Uhr unter klingendem Spiel a us 3abern ausgezogen. Trotz des strömenden Re­gens wohnte eine zahlreiche Menschenmenge dem Ab­marsch bei. Oberst v. Reutter führte das Regiment

nicht, sondern hatte sich vorher unter Begleitung von vier Gendarmen nach dem Bahnhof begeben. Mit dem zweiten Bataillon hat auch Leutnant v. Forstner 3abern verlassen. Während alle Offiziere den Helm tru­gen, erschien v. Forstner in der Müze. Das ist jeden­falls darauf zurückzuführen, daß sich v. Forstner seit einigen Tagen frank gemeldet hat. Es fanden bei dem Auszuge des Militärs nicht die geringsten Demonstra­tionen statt, auch nicht, als v. Forstner sichtbar wurde. Es wird berichtet, daß v. Forstner selbst erzählt habe, daß er aus der Armee so gut wie entlassen sei, und daß er sich auf das Abiturientenexamen vorbereiten wolle.

** Die Stärke der Reichstag- Frat­tionen nach dem Stand vom 4. Dezember ist fol­genderdim I Low

Sozialdemokratie

Zentrum

Nationalliberale

Konservative Vollspartei Polen

110

88

46

43

43

18

12

Elsaß- Lothringer

9

Wirtsch. Vereinigung

7

5

Reformpartei

Wilde.

3 8

Reichspartei

Welfen

Erledigt sind zurzeit 5 Mandate( Leob= schütz, Rosenberg, Offenburg, Jerichow und Köln- Land). Seit dem Zusammentritt des Reichstags haben bis jetzt 24 Ersatz wahlen stattgefunden, und zwar 15 infolge des Todes des bisherigen Inhabers( Trae­ger, Bachmeier, Dr. Will- Schlettstadt, v. Normann, För ster, Will- Stolp, Dr. Schädler, v. Kaphengst, Freiherr v. Thünefeld, Frhr. v. Malsen, Kaden, Graf von Ka­nitz, Kohl, Dr. Lender und Bebel),( 5 infolge Man­

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