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Gießener Zeitung

Bezugspreis 25 pig. monatlich

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( Neueste Nasrichten)

Birczeljährlich 75 Big.. vorauszati bat, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition cher in den Zweig ousgabeitellen vierrellärlid 60 Bfg.- Erscheint Redaktion: Selters­Mittwoche und Samstage. Für Aufbewahrung oder Müdsendung weg nicht verlangter Manuftriste wird nicht garantiert. Verlag der Gießener Zeitung" G. m. b.§.

Nr. 46.

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Telephon: Nr. 362.

Politische Rundschau

Deutschland.

Der Kaiser machte gestern nachmittag bei dem leichskanzler einen längeren Besuch.

Berlin, 6. Juni. Die Budget- Kommission es Reichstages beschloß gestern, den Wehrbeitrag vom Jermögen von 0,15 vom Hundert bis 1,5 vom Hun­ert zu staffeln und Vermögen unter 50'000 mt. ab­abenfrei zu lassen, wenn nicht ein Einkommen von min­estens 3000 Mark vorhanden ist.

* Berlin. Wie die Nordd. Allg. 3tg." mit­ilt, gingen zu den freiwilligen Wehrbeiträgen bei der Reichs hauptkasse 388 565 Marf ein.

Der Bund der Landwirte und die Kon­ervativen haben einen Antrag an die Staatsregierung ingebracht, daß den zum dreijährigen Dienst eingezo­jenen Mannschaften des stehenden Heeres eine einma­ige angemessene Entschädigung als Ersatz des Entgan­es von Arbeitsverdienst und des entstehenden Mehr­swandes gewährt wird.

Braunschweig, 6. Juni. In der Thron olgefrage im Herzogtum Braunschweig veröffentlichten ie Braunschweigischen Anzeigen eine Erklärung der Bandes- Regierung in der gesagt wird, daß am 31. Mai ine Sigung des Ausschusses der Landesversammlung tattgefunden habe. In dieser Sizung habe der Staats­minister Hartwig mit Zustimmung des Reichskanzlers en Mitgliedern des Ausschusses vertrauliche ausführ= liche Mitteilungen über die Versammlungen gemacht, die zwischen dem Reichskanzler und dem Staatsminister wegen der politischen Zukunft des Landes stattgefunden jaben. Alle Vorgänge von politischer Bedeutung für die Regelung der Thronfolge im Herzogtum erfolgen inter Mitwirkung der herzoglichen Landesregierung.. * Wie die Tgl. Rundsch." erfährt, werden die reichsländischen Abwehrgesetze bestimmt dem Reichystage zugehen. Sachsen werde im Bundesrate für die Vorlagen stimmen.

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Für die Reichstags Ersakwahl in Walded Pyrmont proklamierten die Nationalliberalen Stimmenfreigabe.

Dte zurzeit in Breslau tagende kolonial= gesellschaft wählte als Ort der Hauptversammlung im nächsten Jahre Danzig.

Die Nachbarn vom Heideland.

28)

Roman von Ludwig Blümde. ( Nachdruck verboten.)

Am nächsten Morgen kam der Makler Nathan aus Flensburg, dem die Hypothek des Eichhofs gehörte und in dessen Schuld Hinrichsen ziemlich tief stand, machte viele Redensarten wegen der schlechten Zeiten und be­thwor hoch und hellig, daß er sich in größter Geldverle genbelt befände. Er müßte die Hypothek tündigen, wenn er nicht statt der bisherigen 4 Prozent in Zukunft 6 Brozent erhielte.

Wohl oder übel mußte fich der Eichhofer zu diefer theblichen Mehrausgabe bereit erklären. War es der Berdruß hierüber, war es die Sorge um seinen Sohn, won heute an wiederholten sich die Anfälle von Gedächt­nisschwächt häufiger als sonst und hielten tagelang an. Bohl vermochte Hinrichsen dabei zu arbeiten, aber er litt an regelrechten Wahnvorstellungen und mußte von Lorenzen und Stine in allem, was er tat, scharf beob= achtet werden. Merkte er, daß man acht auf ihn hatte, dann wurde er zornig und eigensinnig, so daß niemand in ihm den friedfertigen Mann, für den er immer ge­golten, wiedererkannte. Hatte er sich in solchen An­fällen früher schon öfters betrügen lassen, so sollte er jezt einmal einem Gauner in die Hände fallen, der ihn, von Thorö dazu angestiftet, ganz gehörig ausmußte. Kam da ein eleganter Herr aus Hamburg, trant eine Flasche Wein bei Mathiesen und lernte Hinrichsen, der auch gerade dort seinen Grog trant, tennen,

Von Thorö, mit dem er sehr befreundet war, hatte Ahlborn, sc nannte er sich, bereits alles über den Eich­hofer ganz genau erfahren, was er aber nicht merken lie B. Man sprach natürlich von dem Krieg, und Hin­richsen berichtete mit funkelnden Augen, daß sein Hans dei Vionville die Feuertaufe erhalten, fich hervorgetan und mit heiler Haut davongekommen wäre. Heute war

Erpedition: Seltersweg 83.

Samstag, den 7. Juni 1913.

Ein Zwischenfall in der Hessischen Kammer. Am 1. Juni kam es zwischen dem Finanzminister und dem Landtagspräsidenten zu einem heftigen Zu sammenstoß. Der Minister verbat sich, vom Präsident ten unterbrochen zu werden. Der Präsident bestand je doch auf seinem Recht, auch einen Regierungsvertreter zu unterbrechen, gab aber zu, daß er nicht das Recht habe, ihm einen Ordnungsruf zu erteilen, was er auch nicht beabsichtigt habe. Darauf vertagte sich die Kam­mer auf unbestimmte Zeit.

Das Schicksal der Hess. Besoldungsvorlage besiegelt.

mit

Don

Die Fraktion des Bauernbundes hat ihre einstim= mig gefaßten Beschlüsse zur Besoldungsordnung der wirtschaftlichen Vereinigung, der 29 ländliche Abgeord­nete aus allen Parteien der Zweiten Kammer, Ausnahme der Sozialdemokratie und des Freisinns an­gehören, unterbreitet. Dieselben sind auch dort ein= stimmig gebilligt worden und lauten folgendermaßen: 1. Wir lehnen die unterschiedliche Verhandlung & Stadt und Land( Wohnungsgeld) auf das entschie­denste ab. 2. Wir fordern, mit der neuen Besoldungs­ordnung, die den Beamten Gehalte von annähernd gleicher Höhe wie in Preußen und im Reiche bringen wird, die Einführung der preußischen Grundsätze über Ruhegehalt und Hinterbliebenenversorgung. 3. Wir stehen nach wie vor auf dem Standpunkte, daß der Grundsaz gleiche Vorbildung, gleiche Bezahlung" zur Durchführung gelangt. 4. Wir bedauern, daß die von der Hessischen Volksschullehrerschaft erstrebte volle Gleich berechtigung mit den mittleren Finanzbeamten 3. 31. aus finanziellen Gründen nicht erreichbar ist. 5. Wir sind bereit, die von der Regierung zu Besoldungszwek­len angeforderten Mittel zu bewilligen, insoweit dies ohne Erhöhung der Staatssteuer geschehen kann.

Oesterreich.

* Prag, 6. Juni. Die Bohemia meldet, daß zum Nachfolger Redls der Oberst des Generolstabs, L. Sündermann, zum Generalstabschef im 8. Armee- Korps

ernannt wurde.

Es verlautet, der Kaiser werde den Grafen Tisza mit der Kabinettsbildung betrauen, wobei alle Ressortminister des Kabinetts Lukacs über­nommen würden.

Frankreich.

Jaures brachte in der heutigen Kammersiz­ung seinen Gegenentwurf gegen die Regierungs­vorlage über die dreijährige Dienstzeit ein. Jau res beantragte: 1. Vom 1. Oktober 1914 angefangen,

der Brief eingetroffen. Den fremden Herrn, der frü­her preußischer Offtzter gewesen sein wollte, interes­fterte das anscheinend ungemein. Er schwazte viel, und freundete sich mit dem Eichhofer, der heute den steifen Grog nicht so gut vertragen konnte wie an normalen Tagen, dermaßen an, daß dieser thn in seine Verhält= nisse ganz und gar einweihte, ihm auch von den 6 Pro­zent Zinsen und von dem Makler Nathan allerlei erzählte.-

" Ist ein großer Spizzbube, dieser Flensburger Handelsmann," meinte Ahlborn." Würde ihm sein Geld ruhig auszahlen. Auf eine Musterwirtschaft, wie der Eichhof sein soll, findet man jeden Tag eine neue Hypothek zu geringeren Zinsen, trop der Kriegszeiten oder gerade deshalb. Jezt möchte jeder Kapitalist sein Vermögen sicher wissen. Könnte Ihnen selber die fünf­tausend Taler, um die es sich handelt, geben." Hinrich­sen wurde immer aufgeräumter und vermutete auch nicht die mindeste Hinterlist, sah vielmehr in dem fet­nen Herrn mit den ritterlichen Manieren, die dieser namentlich Hermine gegenüber zeigte, einen rettenden Engel.

Nun trat auch Thorö ein. Gewöhnlich pflegte der Eichhofer sofort zu verschwinden, wenn dieser ihm so widerliche Mensch erschien. Merkwürdig, heute blieb er ruhig ſizen. Der Müller begrüßte Herrn Ahlborn devot als einen vornehmen Kavalier, den er kennen zu lernen, früher bereits die Ehre gehabt," wie er äu­Berte. Mit Herr Major" titulierte er ihn.

Ein preußischer Major a. D., das war in des Eich­hofers Augen etwas ganz ungewöhnlich Hohes und Vornehmes. Uebrigens begrüßte Thorö ihn auch Itebenswürdig, als wären fie gute Bekannte, fragte nach Hans und äußerte seine Freude über die gute Nach­richt. Schon des Herrn Majors wegen durfte Hin­richsen die Gesetze des guten Tones nicht verlegen. Da­rum biß er in den sauren Apfel und ließ seinen Groll

( Gießener Tageblatt)

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Telephon Nr. 862.

25. Jahrg.

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dauert die aktive Tätigkeit nur 18 Monate. 2. Die jungen Leute von 17 bis 21 Jahren sind bei Einbe rufung der Militärbehörde verpflichtet, jeden Monat eine eintägige militärische Uebung abzuleisten. 3. Die Re­servisten werden außer der durch das Gesetz von 1905 bestimmten Dienstübung jedes Vierteljahr zu zweitägigen militärischen Uebungen einberufen. 4. Vom Oktober 1916 angefangen, dauert die Militärdienstzeit ein Jahr und vom Oktober 1918 angefangen sechs Monate.

* Der Kriegsminister brachte in der Kam­mer eine Kreditforderung von 52 500 Francs zur Er­richtung einer besonderen Abteilung für Luftschiffahrt und Flugwesen im Kriegsministerium ein. In der Begrün­dung heißt es, die Entwickelung der Militärluftschiff= fahrt und des Flugwesens sowie die besondere Zusam­mensetzung des Luftschiffahrt und Fliegerpersonals rechtfertige durchaus die Errichtung dieser Abteilung.

England.

* Der Prinz von Wales wird am 1. Juli zu einem 6wöchigen Besuch nach Deutschland kommen und den größten Teil seiner Ferien beim Großherzog von Mecklenburg- Strelitz verbringen. Ferner plant der

Prinz eine Automobiltour durch Norddeutschland.

Italien.

König Viktor Emanuel von Italien be suchte am Mittwoch das Flugfeld von Bracciano und machte an Bord des Luftschiffes P. 4" eine Fahrt von 45 Minuten in der Umgegend von Bracciano. Danach wohnte er Wursversuchen bei, die mit Bomben von Luftschiffen aus gemacht wurden.

Belgien.

er

* Der König von Belgien besuchte gestern die deutsche Abteilung in der Weltausstellung in Gent. Geführt vom Präsidenten des deutschen Komitees, Pro­fessor H. Becker aus Frankfurt a. M., besichtigte sämtliche Sektionen, namentlich die Abteilung für Kunst­gewerbe eingehend und äußerte seine Befriedigung über Ge= das Geschaute. Er erklärte, demnächst mit seiner mahlin, der Königin, wiederkommen zu wollen.

Türkei.

Konstantinopel, 6. Juni. Hiesige Han­delskreise erwägen den Plan, aus Konstantinopel einen Freihafen zu machen. Die Ergebnisse der Studien, die hierüber angestellt werden, werden der Regierung bin­

nen furzem unterbreitet.

nicht merken. Frau Mathiesen und Hermine hatten schon öfter auf ihn eingeredet, doch vernünftig zu sein und sich mit dem Müller auf guten Fuß zu stellen. Der Mann hätte ja nur, was Lorenzens anbetraf, nach dem strengen Recht gehandelt. Wäre er etwas zu hart ge­wesen, so hätte Ewald sich ja doch schwer genug dafür an ihm gerächt.-

Heute tam dem Eichhofer auf einmal der Gedanke, die beiden hätten nicht so ganz unrecht und der Haß wäre etwas recht Unchristliches. Es kam dann im Laufe des Abends zu einer regelrechten Versöhnung der bet den so grundverschiedenen Männer.

Wegen der Hypothet wollte der Herr Major mor­gen, nachdem er den Eichhof genau besichtigt, weiter mit Hinrichsen reden. In gehobenster Stimmung tehrbe dieser sehr spät am Abend erst heim. Eorenzen und Stine waren längst zu Bett gegangen. Das Abendessen stand auf dem Tisch. Er verspeiste es mit einem guten Appetit, rauchte noch eine Pfeife und stellte Betrach­tungen über den Segen der Freundschaft an. Am näch­sten Morgen dachte er zwar etwas anders darüber, aber daß er sich mit Thorö vertragen, schien thm doch recht vernünftig. Wie er Lorenzen und Stine alles er­zählte, da schwiegen die beiden still und mochten ihm nicht widersprechen. Das reizte Hinrichsen zum Zorn.

" Ja, ja, hassen bis in den Tod, nur nicht vergeben fönnt Ihr!" brauste er dann auf und wollte das 3tm= mer verlassen. Da sagte Lorenzen ruhig und gelassen in seiner langsamen Art: Freund, unsere Gesinnung fennt niemand besser als Du. Du weißt, daß ich überhaupt nicht hassen kann, daß ich stets versöhnlich war. Aber mit einem Menschen wie Thoro würde ich mich an Det ner Stelle nicht eingelaffen haben. Einem gefährlichen, hinterlistigen Raubtier geht man am besten aus dem Wege. Wenn er sich mit Dir anfreundet, so hat er ganz gewiß seine Hintergedanken dabet."( Forts. folgt.),