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( Neueste Nachrichten)

vierteljährlich 75 Pig., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig. ausgabestellen viertelfährlich 60 Pfg.- Erscheint Mittwoche und Samstags. Redaktion: Selters. weg 88. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

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Nr. 89.

Telephon: Nr. 362.

Der Einzug in Braunschweig. Am Montag morgen hat das Herzogpaar Ernst ugust die Garnisonstadt Rathenow verlassen und inen Einzug in Braunschweig gehalten.

In Velpke, an der Landesgrenze, empfingen die is dorthin entgegengefahrenen Mitglieder des Staats­Linisteriums das im Lande mit großer Spannung er­partete Herzogspaar. Staatsminister Hartwig hielt me turze Ansprache, die sich jeder politischen Anspielung nthielt und dem Herzogspaar lediglich in kurzem, war­ten Worten den Willkomm des braunschweigischen Lan­es ausdrückte. Nach wenigen Minuten setzte sich der Jug wieder in Bewegung und fuhr ohne weiteren Auf­nthalt bis Braunschweig.

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08.

In Braunschweig harrte man des neuen Herrn in Leberhafter Spannung. Ganz begeistert schreibt man uns Fus Braunschweig:

900 Jahre lang ist Braunschweigs zäher nieder­ächsischer Menschenschlag mit dem welfischen Fürsten­ause in Freud und Leid verbunden. Gar mancher auhe Sturm hat das reckenhafte Geschlecht der Welfen erzaust, geknickt, gebrochen. Und in all den langen Fahrhunderten ist nicht eine Generation ohne Kampf nd Ungemach geblieben. Aber immer wieder hat sich as zähe Geschlecht erholt, immer wieder sich behauptet nd sich durchgesetzt. Wie der gewaltige Ahnherr des pauses, Heinrich der Löwe, nach Jahre langer Acht nd Bann aus der Fremde zurückkehrte in seine Burg, mbesiegt und ungebeugt, so mehr als sechs Jahrhun­erte darnach der Herzog Friedrich Wilhelm von Braun­hweig- Dels, der mit Recht als Heldenherzog" im Ge­ächtnis jedes Braunschweiger Kindes fortlebt in Wort nd Lied und in den Herzen. An jenem urdeutschen

Expedition: Seltersweg 83.

Mittwoch, den 5. November 1913.

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Recken scheiterte die Macht des Hohenstaufen, und in die sem der Uebermut des Korsen. Anders des Welfen Sieg im Jahre des Heils 1913! Nicht das Schwert, nicht blutiger Waffengang hat diesem den Erfolg ge­bracht; nein, Bande des Herzens waren es, die den jetzt 27 Jahre alten jugendlichen Herzog Ernst Au gust den Weg in das Schloß seiner großen Ahnen ge­öffnet haben. Was vor wenigen Jahren noch unmöglich schien, ist jetzt zur Tat geworden; das ange­stammte Herrscherhaus fehrt zurück auf den Thron, der vor 28 Jahren durch den Tod des letzten Welfen aus der älteren Linie verwaist dastand."

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Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 15 Pfg.

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Telephon Nr. 362.

25. Jahrg.

| Aufwartung erschienen. Der Herzog und die Herzogin traten unter dem Jubel der Bevölkerung ihren

Der in diesen Zeilen zum Ausdruck kommenden Fe­stesstimmung entsprach am Montag das Aeußere der herzoglichen Haupt- und Residenzstadt Braunschweig. Die alte Löwenstadt hatte ein Prachtgewand angelegt von unvergleichlicher Schönheit, würdig der alten aristo­fratischen, reichen Hansestadt. Alle Häuser, selbst die fleinsten in den entlegensten Straßen und Gassen trugen reichen Schmuck von Tannengrün, Girlanden, Kränzen und Fahnen, Flaggen und Wimpel in deut­schen Reichs- und preußischen und braunschweigischen Landesfarben wehten lustig flatternd im Winde. Ganz besonders waren die Straßen reich und prächtig ausge­schmückt, durch die das junge Herzogspaar seinen Ein­zug hielt. Für die Ausschmückung der kaum anderthalb Kilometer langen Einzugsstraße sind von der Stadt 25 000 Mk. und vom Staate noch weit mehr ausgege­

ben worden.

Um 12 Uhr 37 Min. mittags trafen der Herzog und die Herzogin Viktoria Luise zu Braum schweig und Lüneburg auf dem Hauptbahnhof in Braunschweig ein. Auf dem Bahnhof waren die Ver­treter der staatlichen Behörden, die Hofstaaten usw. zur

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feierlichen Einzug

in die neue Residenz an. Auf dem Friedrich- Wilhelm­plazze wurde das junge Paar von den städtischen Körperschaften empfangen. Oberbürgermeister Retemeyer trat an den Schlag heran und hielt die Begrüßungsansprache, in der er der Freude darüber Ausdruck gab, daß Braunschweig sein angestammtes Herrscherhaus wieder in seinen Mauern begrüßen könne. Er schloß mit einem stürmisch aufgenommenen Hoch auf das Herzogspaar.

Man sah, wie Herzog Ernst August einige Male beugte sich zum Oberbürgermeister, dem er leise dankte. zum Sprechen ansetzte. Schließlich faßte er sich und Dann trat, mit einem ungeheuren Rosenstrauß bewaff net, die Tochter des Bürgermeisters Meyer an die Herr­schaften heran. Die Herzogin lachte und freute sich, und drückte der Kleinen die Hand. Langsam ging es dann weiter. Gegen 1 Uhr 30 Min. traf das Herzogpaar im Schlosse ein, wo die Vorstellung der Hofstaaten erfolgte. Hieran schloß sich die

Verlesung der Thronrede. Es heißt darin:

Mit Dank zu Gott, der aus tiefstem Herzen kommt, begrüße ich, zugleich namens der Herzogin, meiner Ge­mahlin, Sie, meine Herren, hier in meinem Residenz- schlosse. Den Jubel der Bevölkerung bei unserem Ein­zuge ins Land und die Residenz betrachten wir als sichtbares Zeichen der Liebe und des Vertrauens, welche uns die gesamte Einwohnerschaft des Landes entgegen­bringt. Es wird mein ständiges Bestreben sein, die Re­gierung so zu führen, daß jeder, ohne Unterschied der

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Nach dem Sturm.

Erzählung von Emil Frank. ( Nachdruck verboten.) Rappel vergist, daß er durch und durch naß ist, daß Basser, Schweiß und Blut ihm über das Gesicht rinnen. Hots denkt er außer das eine: Metn! Ach, war das te Seligkeit!

Der Graf der die Pferde einem Diener übergeben atte, trat eben ein, als Edgar Kappel seine Tochter Bte. Erstaunt bleibt er stehen. Aber schließlich über­og doch die Freude das Erstaunen. Und als die bet­Liebenden des Vaters Anwesenheit merkten, ließen fich los. Jadwiga blieb an des Geliebten Seite stehen. er Baron ging auf den Grafen zu. Wohl selten ist nter eigentümlicheren Umständen ein Herzensbund zu­ordegekommen; denn Graf Warminski sagte mit renden Ja und Amen, ging doch auf diese Weise sein Weblingswunsch in Erfüllung.

Jetzt erst besah Jadwiga sich den Geliebten näher, bemerkte das rinnende Blut auf seiner Wange und tote es ihm ab. Edgar Kappel zog sich für eine Weile urid, er mußte sich umziehen, waschen.

Als er wieder fam, erzählte er: Wir standen im hube eines Hauses, das uns ganz sicher zu sein schien. machte Dr. Sojka darauf aufmerksam, daß dieses us inmitten der Trümmer heil bleiben würde, denn asser drückte mehr nach der entgegengesetzten tte Natürlich standen wir- Dr. Sojka und ich an die Knie im Wasser, aber gegen Feuchtigkeit war allmählich mehr oder weniger unempfindlich gewor= et. Ich verließ meinen Bosten nicht, denn es gab ja uch manches zu hergen, was sonst unfehlbar vom Was­fortgespült worden wäre, und die Menschen hatten tal den Kopf verloren. Mit einemmale merkte ich, aas das Wasser stärker drückte. Es mußte wohl zu­ans erhalten haben. Eben wollte ich genauer prüfen, a brach auch schon das Haus zusammen. Dr. Sojka lod nieder. Ich hatte ibn instinktiv an der Hand ge­ast, wurde aber nitgerisien. Ein Balken war neben me niedergeschlagen und hatte den Doktor getroffen. Fol bün mit einem Schmiß davongekommen. Sojka en aber mehr abbekommen. Wir zogen ihn bewußt­

Los aus dem Wasser und ich ließ ihn bewußtlos nach Hause tragen. Schließlich machte ich mich auch fort. Es gab nichts mehr zu retten. Dreiundzwanzig alte Häuser im Unterdorf sind zusammengefallen, die neuen find fest. Die armen Leute!"

Der Morgen dämmerte. Baron Kappel Iteß den Wagen anspannen und brachte den Grafen und Jad­wiga selbst nach Schloß Krzemien. Er wollte bei die­ser Gelegenheit nach dem Doktor sehen, denn in dem Tumult und in dem ersten Schrecken hatte er sich da= mit begnügt, aus der nächsten Stadt den Arzt zu be­rufen. Der Graf und Jadwiga gingen mit in das Haus des Verwalters. Der tam ihnen mit fummervollem Gesicht entgegen. Er las in ihren Augen die Frage nach dem Befinden seines Sohnes und sagte: Ich glaube, es geht schlecht. Er ist noch immer bewußtlos." Ste gingen alle in das Krankenzimemr. Der Doktor war bleich; durch eine weiße Binde, die um die Stirn geschlungen war, sickerte Blut. Baron Kappel flüsterte dem Verwalter zu, daß er telephonisch den Arzt aus Siedlec bestellt habe. Sojka blickte ihn dankbar an. Schon wollten sie sich entfernen, da schlug der Doktor die Augen auf. Er blickte erstaunt von einem zum an= dern. Als er Jadwiga an der Seite des Barons sah, huschte ein feines Lächeln um seinen Mund. Doch flüsterte er, dann schloß er die Augen, und schon in furzer Zeit merkte man an den gleichmäßigen Atem­zügen, daß er schlief.

" Ich glaube nicht," meinte der Baron, daß die Verlegung gefährlich ist, er war sehr erschöpft und der Schlag war ziemlich schwer. Aber er hat eine träftige Konstitution. Wir kommen jedenfalls bald wieder."

Sie verließen das Haus. Der Tag war da. Zer­rissene Wolkenfeßen flogen, vom Sturm getrieben, über den düsteren Himmelsgrund. Die Bäume bogen sich unter der Gewalt des Windes und ächzten, als empfän­den sie Schmerzen. Aber der Regen hatte nachgelassen und der Wind fam von Osten.

Ich glaube, es gibt anderes Wetter," meinte der Graf, und Baron Kappel nickte zu. Er war unsäglich müde und manchmal war es ihm, als ginge ein läh= mender Strabl durch seinen Körper. Mit seiner eiser­nen uskreft awana er die Müdigkeit nieder. Jad­

wiga hatte gebeten, eine Tasse Kaffee mit ihnen zu nken, und er war so glücklich, in ihrer Nähe sein zu diti fen.

Slawa war voll Angst im Schloß zurückgeblieben. Der Schreckensschret der Schwester, die Schilderungen der Diener hatten sie im höchsten Grade erregt. Der Schlaf war wie weggewischt. Rastlos wanderte sie in dem großen Gemach auf und ab. Ihre Gedanken be­wegten sich in seltsamen Kreisen.

Seit fenem Septemberfest hatte sie mit Wladimir nicht mehr unter vier Augen gesprochen, und hatte die Empfindung, als weiche er ihr aus. Sie konnte doch unmöglich die Gelegenheit zu einer Aussprache, wie sie nach dem Ereignis im Park doch unvermeidlich war, herbeiführen. Wladimir war liebenswürdig, lustig, aber er plauderte mit Fräulein Linrowsta geradeso häufig wie mit ihr. Sollte die Szene im Bark etwa nur ein Scherz gewesen sein? Immer und immer mußte sie daran denken: sie hatte an seiner Brust geruht, er hatte sie gefüßt und von Liebe gesprochen, und sie- hatte sich geziert und gesträubt wie ein Kind. Und da= bei liebte sie ihn doch, o, sie wußte das erst jetzt so ganz genau. Warum in aller Welt gab er sich auf einmal feine Mühe, sich Gewißheit zu verschaffen? D, wenn sie sich doch vor irgend jemand hätte aussprechen können. Aber sie schämte sich. Jadwiga hatte so ein eigenes Lächeln, sie lachte sie aus, und auf Fräulein Linrowska war sie ein wenig eifersüchtig. Sie wußte ja nicht, daß auch Marias Herz in Liebe glühte, allerdings nicht für Wladimir. So trug sie allein ihre Last, thre Zweifel und lernte erfahren, daß es keine Liebe ohne Leiden gibt.

Diese Gedanken zogen auch in der Schreckensnacht durch ihre Seele. Fräulein Maria hatte sich früh zu Bett begeben müssen, denn sie war erfältet, Jadwiga und der Vater hatten Hals über Kopf Krzemien ver= lassen, um trotz Sturm und Wogendrang nach Kocha­now zu reiten. Die Einsamkeit ängstigte sie, das Heu­len des Sturmes machte sie bange. Sie trat ans Fen­ster und blickte binaus in den dämmernden Tag, in das Heulen und Toben der entfesselten Gemente.

( Schluß folat.)