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Gießener Zeifung

Bezugspreis 25 Pfg. monatlich

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( Neueste Nachrichten)

pierteljährlich 75 Bfg., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig. Erscheint ausgabestellen pierteljährlich 60 Big. Mittwochs und Samstage.- Redaktion: Selters­Für Aufbewahrung oder Rücksendung weg 83. nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Berlag ber, Gießener Zeitung" G. m. b. s.

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Nr. 54.

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Telephon: Nr. 362.

Uom neuen Balkankrieg.

Wien. Die Neue Fr. Presse" meldet aus So= fia: Die erste serbische Drinadivision, die als südlicher Flügel der serbischen Hauptarmee bei Köprülü stand, it unter schweren Verlusten gegen Uestüb zurückgewor­fen worden. Damit ist die Um flammerung der jerbischen Hauptar me e vollzogen worden. Eine Bestätigung bleibt abzuwarten. D. Red.

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Die Stellung der Bulgaren bei Rajoevobrda nördlich von Kotschana, die mit 100 Geschützen besetzt ist, ist von den serbischen Truppen eingenommen und dadurch die Schlacht gewonnen worden. Die Bul­gaten fliehen in der Richtung nach Kotschanh.

Soffia. Ein Telegramm des Präfekten von Kü­stendil besagt, daß serbische Infanterie und 2 Schwadronen Kavallerie und Artillerie die bulgarische Grenze bei Tzernok überschritten und 10 Kilometer von

Küstendil an der Straße von Wassilowgrad ein Bi wat aufgeschlagen haben. Diese Nachricht bestätigt sich.

Sofia, 4. Juli. Bis gestern mittag sind 25 Offiziere und 3000 Soldaten der serbischen Timokdivi­sion mit 6 Feldgeschützen und zwei Gebirgsgeschützen ge­fangen genommen worden.

Am 4. Juli wurde der Kampf bei Kilkitsch in sehr en- Industri ftigem Maße aufgenommen. Die griechischen Diviji onen erstürmten nacheinander die befestigten Stellungen sen der Buigaren, die sich in ihre befestigte Stellung 6 bis 7 Kilometer vor Killitsch zurückzog. Auf dem äußersten Kirchenplatz 9 Hrrien Flügel eroberte eine griechische gemischte Abteilung nad schwerem Kampfe Gewgheli; die Bulgaren flohen in Unordnung gegen das östliche Wardaufer. Auf dem rechten Flügel besetzten die griechischen Truppen Lygo­pani. Während des Vorgehens bei Lygovani und La­Shana erbeuteten die Griechen drei Schnellfeuergeschütze und drei Kruppfanonen.

Tof. Erico

edeut. f. d. Wissensch. sovie

eilung der Genorrhöe( Ham hrenausfluss) und Syphilis

Auf dem äußersten rechten Flügel wurde Ni- eschlechtskrankerita besetzt. Die griechischen Truppen rück ten nach Norden vor und verfolgten den Feind. Auf der Flucht verwandelten die Bulgaren Nigrita und die Ine Quecks., ohne Einsp., galtze Umgebung in rauchende Trümmerhausen und er­ine Berufsst., ohne Rüd- mordeten Greise, Frauen und Kinder. Die 7. Division ll, Aufkl., Brosch. 5 dis meldet, daß sie ein ganzes bulgarisches Bataillon ge= erschl. M. 1.20. Spezial fangen genommen hat. r. med. Thisquen's, hemisches Heilverf en, Frankfurt a. M., Kr

Der griechische Kriegsminister erhielt folgendes Te­menstr. 45, Köln a. gramm aus dem Hauptquartier: Unsere Truppen sind Sachsenhausen 9. Berit Sigrita eingedrungen und fanden es von den Bul­T. 8, Leipzigerstrasse garen in Brand gesteckt. Die Bulgaren massa rierten die fliehenden Einwohner von Nigrita, ebenso die Einwohner von Bogdanza. auungen in Englan orgt: Brock's Ltd. 188, The Gre mersmith, London W.Gesetras.

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Nach dem Sturm. Erzählung von Emil Frank. ( Nachdruck verboten.)

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Der Frühling hatte es auch in diesem Jahr nicht fonderlich eilig mit seinem Einzug. Das war man in btefem entlegenen Teile Galiziens nicht besser gewöhnt. Der Winter ließ sich hier nicht so leicht aus dem Felde schlagen und der arme Lenz mochte sich erst anstrengen wie er wollte, mochte schüchtern oder drohend auf den Kalender verweisen, in dem seine Herrscherrechte ver­brieft standen. Der Winter fümmerte sich einfach nicht darum, und wenn ihm das Drohen und Drängen zu langweilig wurde, packte er den armen Schelm mit einen groben Fäusten und schüttelte ihn durcheinander, daß ihm Hören und Sehen verging. Da wurde aus dem mißhandelten Knaben ein Kampffroher Geselle, und er ging hin und warb Bundesgenossen. Den heißen Strahl us Himmelshöhen und den lauen Wind, der die Erde pie mit Sammetpfötchen streichelte. Da gab es ein Raunen und Staunen, ein Recken und Strecken, ein chtes Gähnen, und fort war der Schlaf. Grollend zog er Winter ab und ließ den Lenz schalten und walten. Ind jetzt war die Zeit der tausend Wunder gekommen, po Tag und Nacht an der Erde Hochzeitskleid gear­eitet wurde, wo lustige Musikanten in allen Tonarten es Frühlings Einzugsmarsch pfiffen und sangen, wo Burm und Käfer erwachten, wo die Mücken im Reihen­anz sich drehten. Ja, das war der Lenz. Freilich für as abgelegene Krzemien war ihm nicht allzuviel von einen Gaben geblieben. Hier war die Erde herb und pröde wie eine trauernde Witwe. Große Wälder rängten sich ganz nahe an die Wohnstätten der Men­Hen heran, und die Gärten, Aecker und Wiesen waren

Expedition: Seltersweg 83.

Samstag, den 5. Juli 1913.

( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 15 Pfg.

die 44 mm breite Petitzeile für Auswärts 20 Pfg. Die 90 mm breite Reklame geile 50 Pfennig Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs. zteles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beirveibung oder bef Konkurs in Wegfall. Plazzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Druck der Gießener Verlagsbruckerei, Albin Klein.

Telephon Nr. 862.

25. Jahrg.

In Saloniti herrscht unbeschreiblicher Jubel Recht geben, die daran festhalten, daß die rumäni­über das siegreiche Vordringen der Griechen. sche Politit in ihrer Grundtendenz der Politik des Dreibundes entspricht.

Das griechische Hauptquartier telegraphierte an den Ministerpräsidenten: Nach lebhaftem dreitägigem Kampfe eroberten wir Kilkitsch. Wir verfolgen den Feind und halten Fühlung mit ihm. Der Getst der Truppen ist vorzüglich.

In Uesküb find 12 000 Mann montene= grinische Infanterie eingetroffen und teilweise schon zu den Serben nach der Front abgegangen.

In Konstantinopel scheint man sich sehr zu überlegen, ob man in den Krieg eingreifen soll. Die aus dem jungtürkische Presse meint, daß die Türken Kriege der Balkanverbündeten Nutzen ziehen könnten.

Griechenland ersuchte die sanzaife Regierung im Falle eines Krieges mit Bulgarien den Schutz der auf bulgarischem Gebiet lebenden Griechen zu übernehmen. Frankreich hat diesem Ansuchen Folge gegeben.

Sofia: Das Kabinett Dr. Danew hat de­missioniert. Es soll durch ein Konzentrationskabinett mit General Petrow an der Spitze und dem Genera­liffimus Sawow als Kriegsminister abgelöst werden. Katso Dimitriem soll den Oberbefehl über die Armee übernehmen.

Bukarest. Die rumänischen Eisenbahnen haben den gesamten Personen- und Frachtverkehr auf einen 3ug täglich in jeder Richtung eingeschränkt. Der Thron­folger wird zum Generalissimus der Armee er= nannt. Vorläufig ist die Aufstellung von 450 000 Mann binnen einer Woche geplant.

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Rumänien scheint in den Agitationskreis von Rußland und Frankreich hineingezogen zu sein. In Berlin fast man die Situation aber wesentlich opti­mistischer auf. Die Mobilisierung Rumäniens einen Wink nach Belgrad und Athen wie nach Sofia. Andererseits könne das mobile rumänische Heer eine Art Rückendeckung für Bulgarien bedeuten.

Diese Auffassung gewinnt um so stärkeren Halt, als sich jetzt in Bulgarien ein Wechsel der Regierung vollzogen hat, der in eingeweihten Kreisen, als für eine Verständigung zwischen Rumänien und Bulgarien gün­stig angesehen wird. Ministerpräsident Danew ist be= seitigt, dessen Persönlichkeit ein starkes Hindernis für ein Eingehen Bulgariens auf die Wünsche Rumäniens dar­stellte. Die Entwickelung der Dinge dürfte allen denen

flein und gaben wenig Ertrag. Da war es wohl kein Wunder, daß die Menschen im Dorf nur wenig auf des Lenzes Treiben achteten. Ste hatten einfach keine Zeit, harte Arbeit wartete ihrer, und der sinkende Tag fand die Bewohner von Krzemien meist noch an der Arbeit. Es war ein herbes, hartes Ringen um ein targes Stück­letn Brot. Die meisten schafften als Taglöhner auf Graf Warminskis Rittergut, und in der Zwischenzeit oder nach Feierabend bearbeiteten sie ihr eigen Stück Land. Aber das alles brachte nicht genug Brot ins Haus, anderen Verdienst gab es in Krzemien nicht, und so wohnte bei den meisten von ihnen die liebe Not. Da­rum waren im Laufe der Zeit die Menschen stumpf und gleichgiltig geworden gegen alles, unwissend lebten fie dahin, und ihr einziges Vergnügen suchten sie im Schnaps.

Im Park von Krzemien hörte man frohes Lachen. Jadwiga und Bronislawa Warminski, die kleinen Kom­tessen, hatten ihr allerliebstes Ponypaar aus dem Stalle getrieben und tummelten sich nun mit den possierlichen Tieren um die Wette auf den weiten Rasenflächen des Parkes.

Flott voran," rief Jadwiga, die ältere der beiden Komtessensie zählte 12, Slawa 9 Jahre- ,, wir müssen sehen, daß wir aus dem Bereich des Fräuleins kommen, sonst ist es mit unserer Freude zu Ende!"

Slawa sah das natürlich sofort ein. Das Lernen war ja schon an und für sich eine ungemütliche Sache, heute bei diesem wunderbaren Frühlingswetter war es doppelt lästig. Fräulein Benken, die glückliche Gou­vernante der beiden Mädchen, war ja an und für sich seelengut, aber schließlich mußte sie doch ihre Pflicht er­füllen, die kleinen Komtessen sollten doch auch etwas lernen, dazu war sie da. Ihre beiden Schülerinnen aber schmeichelten ihr unter allerhand Vorwänden die Erlaubnis ab, eine kleine Erfursion in den Park zu unternehmen, und waren sie erst außer Sehweite, so

Die Wiener Neue Freie Presse" meldet aus S0­fia: 3 wischen Bulgarien und Rumä= nien werden unter Vermittlung der österreichisch- un= garischen Monarchie eingehende Verhandlungen über einen Ausgleich betreffend die abzutretenden Ge­biete geführt. Es heißt, daß diese Verhandlungen zw einer grundsätzlichen Annäherung geführt haben.

Politische Rundschau.

Deutschland.

Kriegsminister v. Heeringen ist in An­erkennung der großen Verdienste, die er sich in vierjäh= riger, aufreibender Tätigkeit um die Armee im allge­meinen und insbesondere durch die energische und er­folgreiche Vertretung der Wehrvorlage erworben, zum Generalinspekteur der 2. Armee- Inspektion( Berlin) ernannt worden. Als weiteres Zeichen dieser Anerken­nung habe der Kaiser dem General v. Heeringen außer­dem sein Bildnis in Del verliehen. Der Nachfolger des Generals v. Heeringen als Kriegsminister ist noch nicht ernannt. Die zweite Armee- Inspektion in Berlin, zu deren General- Inspekteur der bisherige Kriegsminister v. Heeringen ernannt wurde, hatte Generalfeldmarschall v. d. Goltz, der bekannte Instrukteur des türkischen Hee­res, inne. Die Ernennung Heeringen's bedeutet also gleichzeitig die Verabschiedung des Freiherrn v. d. Golz, dessen Rücktritts absichten bereits vor Wochen und Mo­naten gemeldet wurden.

* Der bekannte Führer der Konservativen Gr a f Kaniz, ist im Alter von 72 Jahren gestorben.

Italien.

Der italienische Botschafter in Ber­lin teilte einem Korrespondenten des Berl. Tgl." in Kiel mit, daß in einer dreistündigen Beratung zwischen dem Reichskanzler, dem Staatssekretär des Aeußern, dem Marquis di San Giuliano und dem italienischen Botschafter Bollati alle wichtigen politischen Fragen er­Auf die Frage des Korrespondenten, ob man das Ergebnis charakterisieren könne, erwiderte der Botschafter: Das Bestehen einer vollkomme­nen Uebereinstimmung der Auffassung über die politische Lage ist bei den herzlichen Beziehungen der Verbündeten selbstverständlich.

örtert wurden.

tonnte sie sicher sein, daß sie sobald nicht wieder tamen; denn der Park war ein kleines Reich, zwar ar verwil­dert, aber gerade darum den Mädchen doppelt theb. Ster brauchte man sich nicht so furchtbar in acht zu nehmen, wie in Tulnow, dem Nachbargut, wo der Gärtner dem fleinen Volt allemal so scheel nachblickte und manchmal mit einem Machtwort ihrem Tun ein jähes Eude be­reitete. So war es in Krzemien gottlob nicht. Hier fümmerte sich kein Mensch um den Part. Bapa batte teine Lust und Zeit, und Mama verließ nur selten die Bimmerflucht in dem alten, verfallenen Schloß, das nach Tagen des Glanzes mit dem Geschlecht der Grafen War­minsti verfiel.

So waren Jadwiga und Slawa auch heute threr Lehrerin entflohen, und anstatt Französisch zu treiben, wie es eigentlich Pflicht war, trollten sie hier im Part herum. Die beiden Pferdchen hatten anscheinend ein gewaltiges Vergnügen an der fühnen Springerei, fie flogen nur so dahin, und Jadwiga und Slawa hatten alle Mühe, mitzukommen. Schon längst waren ihnen die langen schwarzen Flechten losgegangen und flogen im Winde wie wallende Mähnen. Jugendlust blitzte aus den dunklen Mädchenaugen. Sie jauchzten um die Wette. Wie war der Lenz doch schön!

Längs der verfallenen Barkmauer führte ein schat­tiger Weg. Außerhalb des Parkes, dicht an der Mauer, stand Pappel an Pappel, alle hoch aufgeschossen, die furzen, fahlen Arme traurig zum Himmel erhoben; innen waren breitästige Linden gepflanzt, die ihre Kronen hinauf zu den ragenden Pappeln reckten, als wollten sie sich hinauslehnen aus dem Park und einen Blick tun in die weite Ebene, zum Dörfchen mit seinen Hütten, die gar so armselig aussahen, zu den Wäldern mit ihren vielen Wundern und ihrem Märchenzauber.

( Fortsetzung folgt.)