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( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 25 Pfg. monatlich vierteljährlich 75 Pfg., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig ausgabestellen vierteljährlich 60 Pfg.- Erscheint Mittwochs und Samstags. Redaktion: Selters­weg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der., Gießener Zeitung" G. m. b. p.

Nr. 45.

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Telephon: Nr. 362.

Politische Rundschau.

Der Kaiser hielt am 2. Juni die übliche

um

Expedition: Seltersweg 83.

Mittwoch, den 4. Juni 1913.

dustrie Frühjahrsparade der Berliner Garnison in Gegenwart druck, daß es gelingen möge, die schweren Wolken, die

der Kaiserin, von Prinzen und Prinzessinnen ab, die wegen der großen Hize in nur einmaligem Vorbei= Chenplatz 9 marsch der Truppen bestand.

*

Berlin. Die mit dem Regierungs- Jubiläum Kaiser Wilhelms verbundenen Festlichkeiten beginnen be­reits am Sonntag, 8. Juni, und zwar werden sie ein­ens geleitet mit der Einweihung des Stadions im Grune= wald, der die Jubiläums- Regatta in Grünau folgt. Vertreters, Bm übrigen setzt sich das Programm folgendermaßen zusammen: Freitag, 13. Juni, 2 Uhr nachmittags: Hul­nd Umgeh digungsfahrt der Automobilisten; Uhr: Jubiläums­

turnier des Kartells für Reit- und Fahrsport.- Sonn­asso) wird abend, 14. Juni, 11 Uhr vormittags: Empfang der Ab­-Provisionen, ordnungen und Deputationen. Sonntag, 15. Juni, te. Geeignete 10% Uhr vormittags: Feldfestgottesdienst auf dem Tem­von Neugeschi pelhofer Felde; Gottesdienst in der Garnisonkirche in gebeten. Botsdam und anschließend Kranzniederlegung im Pots cherung damer Mausoleum. Montag, 16. Juni, 8 Uhr mor­n Wiesbad gens: Großes Weden; Uhr Morgenständchen der Gemeindeschüler Berlins; 10 Uhr: Gratulations cour im 3. Weißen Saale; 12 Uhr: Empfang der Kaiserkompagnie; 12% Uhr: Paroleausgabe im Zeughause; 6 Uhr: Ga­latafel; 8 Uhr: Festvorstellung im Opernhause.

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Kolonial­gewähre ngen. orstrasse

Nr. 45.

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Dienstag, 17. Juni, abends: Fackelzug der Studenten­chaft.

Unter den Gratulanten zum Regierungs­Jubiläum des Kaisers wird sich außer den Vertretern der deutschen Universitäten auch eine Deputation der Technischen Hochschulen befinden. Die deutschen technischen Hochschulen beabsichtigen, dem Kaiser eine Adresse zu überreichen. Der Sprecher wird in einer fur­Zen Rede dem Kaiser die Mitteilung machen, daß sämt­liche elf deutschen Hochschulen ihn zum Dr. Ing. h. c. ernannt haben.

* Berlin. Am Dienstag ist mit den Arbeiten r Mall ir die Ausschmückung der Straßen zum Regierungs­biläum des Kaisers begonnen worden. Große Ehren­nd Umgegend forten werden errichtet. enehme Tätig sieren).

* Berlin. Eine bemerkenswerte Aeußerung des Brinzen Heinrich enthält ein Telegramm, das er an den orderlich. Henglischer Automobilklub gerichtet hat. Aus Anlaß der umgehend selbernen Hochzeit des Prinzen Heinrich hatte der Klub nisse einsende in Telegramm gesandt. Das Danktelegramm schließt haft m. b. mit den Worten: Laßt uns zusammen für Friede und Freundschaft wirken.

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s Darmstadt, 3. Juni. Die heutige Sitzung Der Zweiten Kammer wird durch Vizepräsident Köhler

Die Nachbarn vom Heideland.

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Roman von Ludwig Blümde. ( Nachdruck verboten.) Hans schaute zu Boden und meinte: Aus Furcht t mehreren er or blauen Bohnen bliebe ich ganz gewiß nicht zurück. serven es würde mir schwer werden, hinter dem Ofen zu hok­

en, wo meine Kameraden sich mit den Franzosen

n Wettbewer neuesten Kodlagen." ren bei niedrige

Eure patriotische Gesinnung achte ich," fuhr der

nen großen Forte Arzt fort, beiden die Hand schüttelnd. Es ist ein

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Glück, daß viele so denken, sonst ginge es uns schlecht Ha diesem Kriege. Es sollte eben nur ein Vorschlag zur Güte sein. Wie sind Eure Ernteaussichten?"

Gut, recht gut in diesem Jahr!" rief der alte Recke aus. Es hat viel Heu gegeben, und seit zehn Jahren

Breslau Batte ich noch keinen Roggen wie diesen Sommer. Wenn Telefon 11188cht noch Hagel kommt oder sonst ein Unglück, dann Boffe ich zum Herbst einige Schulden abzahlen zu kön= hen."

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Sie schritten dann durch die Ställe, da der Doktor sich für die Landwirtschaft sehr interssierte und sprachen von diesem und jenem.

Als der alte Hausfreund sich verabschiedet hatte und mit langen Schritten zum Schulhaus schritt, um auch bei Holms einmal hineinzugucken, da folgte Stine hm leichtfüßig, holte ihn auf halbem Wege ein und jah recht verlegen aus. Er strich ihr über die Wange und fragte: Na, Mädel, was hast Du denn auf dem berzen? Mal raus mit der Sprache."

Ach, Gott, Herr Doktor," kam es zaghaft und in abgerissenen Säßen über ihre Lippen. Ste haben doch immer so großen Einfluß auf Hinrichsens gehabt. Re­den Sie doch ja zu, daß rechtzeitig reklamiert wird. ans fann doch nicht forb! Wenn er da in Frankreich otgeschossen würde, was sollte dann werden? Setn Bater hatte erst vorgestern wieder einen von seinen

( Gießener Tageblatt)

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Telephon Nr. 362.

Oesterreich.

25. Jahrg.

Wien, 3. Juni. Heute nachmittag trafen der Prinzregent und Prinzessin Ludwig von Bayern zum offiziellen Besuche des Kaisers hier ein. Auf dem Bahn­hofe fand offizieller Empfang statt.

Wien. Am Sonntag fanden auf dem Wiener Zentralfriedhof Demonstrationen am Grabe des ehemaligen Obersten Redl statt.

11 Uhr mit einem furzen Hinweis auf die schwie­rige Lage im hessischen landwirtschaftlichen Genossen= schaftswesen eröffnet. Er gibt dabei der Hoffnung Aus­über dem landwirtschaftlichen Genossenschaftswesen schwe­ben, zu beseitigen, um das berechtigte Vertrauen der Be­völkerung zu den Genossenschaften wieder herzustellen. Es wird dann der Antrag Osann, Brauer, Reh, Ulrich und Genossen beraten, betreffend die Zentralkasse der hessischen landwirtschaftlichen Genossenschaften, indem ge­fordert wird, daß die Regierung eine Vorlage macht, nach der der neu zu gründenden Zentralkasse der hessi schen landwirtschaftlichen Genossenschaften ein verzins= liches Darlehen aus der Staatskasse gewährt wird. Hierzu kommt der Antrag Winkler und Genossen, der den zu gewährenden Zuschuß auf eine Million Mark festgesetzt wissen will und weiter die dringliche Anfrage des Abg. Winkler und Genossen, in der die Regierung um Auskunft gebeten wird, ob sie bereit sei, auch deren notleidenden Genossenschaften direkt Staatshiife zusammentreffen. bewilligen.

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Preußische Landtagswahlen. Frankfurt a. M. Stadtrat Dr. Karl Flesch und Redakteur Rudolf Deser, beide fortsch. Volksp., sind gewählt.

Wiesbaden( Stadt), Untertaunuskreis. Bart­ling( Natl.) mit 327 Stimmen gewählt. Fortschrittler und Sozialdemokraten enthielten sich der Abstimmung. Wiesbad- Land- Höchst. Bürgermeister a. D. Wolff- Biebrich( Natl.) mit 275 Stimmen wiederge­wählt.

Obertaunusfreis. Amtsgerichtsrat v. Bü­low( Natl.) mit 88 Stimmen wiedergewählt.

Hanau( Stadt und Land). Baurat Wohlfarth ( Natl.) mit 194 Stimmen gewählt.

Marburg. Der seitherige Abgeordnete Prof. Dr. Bredt wiedergewählt.

Fulda. Amtsgerichtsrat Rheil( 3tr.) mit 183 Stimmen gewählt.

Hünfeld Gersfeld. Rechnungsrat Drin­nenberg( 3tr.) mit 129 Stimmen gewählt.

Wetzlar. Krüger( Natl.) mit 142 Stimmen ge­wählt, von Bodelschwingh( Konserv.) erhielt 73 Stim­

men.

Rheigaukreis, Meisenheim. Im ersten Wahl­gang erhielten Geil( 3tr.) 159, von Berg( Freikons.) 135, Burgeff( Vpt.) 32 und v. Kloeden( Bbd.) 30 Stimmen. Im zweiten Wahlgang wurde Geil( 3entr.) mit 186 Stimmen gewählt. Auf v. Berg( Freikons.) enifielen 164 Stimmen.

Schwindelanfällen, so daß er am hellen Tag die Lampe anzünden wollte und nicht wußte, wo er war. Und mit meinem Vater ist garnichts mehr los, der ist ganz schwermütig geworden und kann nichts mehr leisten."

Der Arzt schaute dem schönen Mädchen fest in die großen, klaren, bittenden Augen. Kind, wie ich schon sagte, an mir soll es nicht fehlen", sprach er nach einer. Weile. Aber viel zureden darf ich da nicht. Es würde auch nichts nüßen. Uebrigens ginge ich am liebsten selber mit so wie damals anno 48. Gräme Dich nur nicht um Hans. Jede Kugel trifft ja nicht."

Ste Ach, das schien Stine ein schlechter Trost. konnte die Tränen nicht zurückhalten und schluchzte, daß es dem Doktor ins Herz schnitt. Er faßte ihre Hand und suchte sie durch ein paar Spässe aufzuheitern. Komm mit zu Holms, die werden Dich trösten," sagte er dann, und das tat sie auch-

Acht Tage später war die Kriegserklärung da. Hans Hinrichsen und außer ihm drei andere Reservisten aus Arendrup erhielten ihre Order, und Hals über Kopf galt es bei Nacht und Nebel aufzubrechen. Her­mine schien der Trennungsschmerz wahnsinnig gemacht zu haben. Sic wollte ihren Bräutigam nicht loslassen, hängte sich an seinen Hals und weinte und jammerte und schrie, daß die Leute auf der Landstraße stehen blieben.. ihre Liebe mußte groß sein! Nie hatte er das deutlicher empfunden als in dieser Scheidestunde. Oder sollte doch etwas Komödie bei diesem Gebaren sein? Die Tränen saßen ja bei Hermine immer ebenso lose wie bei ihrer Mutter. Weinen konnten die beiden auf Kommando. Bleib mir auch treu!" Das waren des unglücklichen Mädchens letzte Worte, wie Hans sich von ihrer Umarmung Losriß und hastigen Schrittes davonlief, da es höchste Zeit war.

Sein Vater, Stine und der alte Lorenzen fuhren mit ihm bis zur Bahnstation. Es wurde nicht viel ge­sprochen auf dem Wege. Der Riese vom Eichhof saß

Budapest. In militärischen Kreisen zirku­liert das Gerücht, daß der Generalstabschef Graf von Hötzendorff dem Kaiser seine Demission angeboten habe.

Italien.

Die italienische Königs- Yacht ist nach Kiel abgegangen. Das italienische Königspaar reist mit der Bahn nach Kiel und begibt sich von dort an Bord der Yacht nach Stockholm. Auf der Rückreise wird das ffalienische Königspaar mit Kaiser Wilhelm zu­

Frankreich.

* Für die gestern am 2. Juni eröffnete Kammer­debatte über das Gesetz betr. die dreijährige Dienst zeit in Frankreich waren bereits 51 Redner eingetragen und an 7 Gegenentwürfe sowie 130 3usazanträge an­gemeldet.

*

Zur Balkan- Frage.

Offiziell wird gemeldet, daß bei der in 3 ari­brod stattgefundenen 3 usammenkunft zwischen Paschitsch und Geschow beschlossen wurde, die territorialen Fragen in einer gemeinsamen Konferenz der Ministerpräsidenten der vier Balkan- Verbündeten zu regeln. Von privater Seite verlautet, daß die Begeg­nung feine genügende Grundlage zur Beseitigung der bestehenden Schwierigkeiten ergeben habe.

Die letzte Botschafter- Konferenz be= schäftigte sich hauptsächlich mit einer eingehenden Erör­terung des Statuts für Albanien. Jm Allge= meinen schien eine Ansicht zugunsten der Ernennung eines Oberkommissars vorhanden zu sein. Auch zeigte sich eine optimistische Auffassung hinsichtlich der Abgren­zung Albaniens und des Schicksals der Aegäischen In­seln.

Saloniki, 3. Juni. Das griechische Pan­zerschtff Aweroff" ist gestern im hiesigen Hafen einge­troffen. Die Einfahrt gestaltete sich zu einem wahren Triumph. Alle im Hafen vor Anker liegenden Schiffe hatten geflaggt. Die am Quai versammelte Menschen­mende begrüßte das Schiff mit stürmischen Hochrufen.

gerade wie ein Licht auf dem Strohsacke und gab sich Aber das verzweifelte Mühe, heiter zu erscheinen. Zucken um seinen Mund verriet nur zu deutlich, daß er es nicht war. Lorenzen stierte, wie immer in der legten Zeit, vor sich hin, als ginge ihm das alles nichts an, was in der Welt passiere.

Stines liebliches Gesicht war bleich und trug deut­lich die Spuren der Tränen, die sie im Stiüen ver­gossen. Hans wußte nicht, wie ihm geschah, als er ihre Hand in der seinen fühlte, nachdem ihn sein Vater um­armt und ihm das letzte Lebewohl gesagt, kurz und herzlich. Ich werde für Dich beten und immer an Dich denken," hauchte sie, tapfer die Tränen zurück­kämpfend. Ja, er wußte nicht, wie ihm dies geschah, was so übermächtig an sein Herz griff. Aber er tonnte nicht erwidern. Er wollte sagen: Du gutes Wesen, vergib mir, daß ich oft schlecht gegen Dich war." Es tam nicht über seine Lippen. Doch einen Kuß drückte er ihr auf ihre leuchtende, weiße Stirn, so innig, daß er wie ein Feuermal brannte. Niemand fand etwas dabet. Es schien so rein natürlich. Aber als Müller Thorö, dem es die Leute erzählt, hernach Hermine das Ungeheuerliche mitteilte, da nannte sie das einen Treu­bruch, einen Verrat.

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Lange, lange standen die vom Eichhof noch am Bahnhof und schauten dem davondampfenden zuge nach. Jetzt konnte Stine ihre Tränen nicht länger hal­ten, fie rannen wie heiße Bächlein über die bleichen Wangen, während sie mechanisch mit dem Taschentuch schwenkte. Auch das erfuhr Hermine wieder.- Am Abend des Abschiedstages hätte es Hermine niemand angemerkt, wie viele Tränen sie heute früh ver­gossen. Sie lachte und scherzte mit den Gästen wie im­mer, ließ sich von Thorö den Hof machen, und hörte mit offenen Ohren seine Schmeicheleien an.

( Fortseßung folgt.)