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Gießener Zeitung

Bezugspreis 40 pfg. monatlich

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( Neueste Nachrichten)

verteljährlich 1,20 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 90 Pfg.- Erscheint Mittwochs und Samstags. Redaktion: Selters­weg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

Nr. 2.

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Telephon: Nr. 362.

Säuglingsfürsorge im Reichstag.

Der Reichskanzler hat im Oktober v. Js. dem Reid; stag den vom Bundesrat beschlossenen Entwurf eines Gesetzes über Kindersaugflaschen vorgelegt. Nach §1 des Entwurfes dürfen Kindersaugflaschen mit Rohr oder Schlauch, sowie Teile zu solchen Flaschen weder gewerbstmäßig hergestellt, noch zum Verkauf vorrätig gel; alten, verkauft oder sonst in Verkehr gebracht oder aus dem Ausland eingeführt werden. Zuwiderhand= lungen werden nach§ 2 mit Geld- oder Haftstrafe und mit Einziehung der Gegenstände bestraft.

Aus der Begründung des Entwurfes sei folgendes mingeteilt: Unter den Ursachen des Todes der Kinder im ersten Lebensjahr stehen die Krankheiten der Ver­dauungsorgane an erster Stelle. So entfielen nach der amtlichen Statistik der Todesursachen beispielsweise wäh­rend des Jahres 1907 auf je 100 gestorbene Säuglinge 28 Todesfälle im ersten Lebensjahr allein auf Magen-, Durmtatarrh und Brechdurchfall. Es muß mithin nahe­zu der dritte Teil aller Todesfälle der Säuglinge auf Krankheiten der Verdauungsorgane zurückgeführt wer­den, und es ergibt sich ohne weiteres die Wichtigkeit der Aufgabe, dem zartesten Kindesalter alle schädigenden Einflüsse fernzuhalten, die mit der Ernährung im Zu­sanimenhang stehen. Als ein Gegenstand, der solche Schädigungen zu veranlassen besonders geeignet ist, werden von den Aerzten allgemein die Kindersaugfla schen mit Rohr oder Schlauch angesehen. Es sind das Flaschen von verschiedener Form und Einrichtung, denen das gemeinsam ist, daß den Kindern die Nahrung beim Saugen durch eine Leitung zufließt, die aus starren Rehren oder Gummischläuchen oder einer Verbindung beider besteht. Die starren Rohre werden meist Glas oder Metall, seltener aus anderen Stoffen, wie Knochen, gefertigt. Diese Flaschen sind anerkannter= maßen schwer zu reinigen und feimfrei zu halten. Die Gefahr, die sich hieraus für die mit solchen Flaschen aufgezogenen Kinder ergibt, besteht darin, daß Milch erst in den Rohren und Schläuchen haften bleibt, hier gerinnt und zur Sammelstätte von Mikroben verschie dener Art wird. Diese zersetzen die Milch, die ein leicht veränderliches Nahrungsmittel ist, und wirken, da sie mit der Milch beim Saugen fortgeschwemmt wer= den und in den kindlichen Organismus gelangen, auch unmittelbar schädigend auf diesen ein. Auch sterilisierte Milch ist solcher 3ersetzung ausgesetzt.

aus

Die Begründung des Entwurfes gibt zweifellos die Notwendigkeit reichsgesetzlicher Maßnahmen, als Er gänzung der sonstigen Bestrebungen, die namentlich durch eine unermüdliche Aufklärungsarbeit die Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit zum Ziel hat. Es ist ein er­freuliches Zeichen für das wachsende Verständnis für

Das Glückskind.

Roman von Frene von Hellmuth. ( Nachdruck verboten.)

D, bitte, bitte," unterbrach sie der Angeredete mit einer Stimme, wie sie Röschen noch selten gehört zu baben glaubte, ich bin es, der um Entschuldigung zu bitten hat. Ich habe Sie gestört und verspreche Ihnen, daß es nie wieder geschehen soll, ich bin ungeschickt ge= wesen,- nicht Ste!"

Um der Mund spielte nun doch ein Lächeln, welches Das Gesicht ungemein verschönte, so daß Röschen jezt hon gar nicht mehr begriff, warum sie vorhin davon­gelaufen.

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Wenn Sie, woran ich nicht mehr zweifle, der neue Bestzer jenes Schlößchens find," begann sie nach kurzer Pause, so habe ich mir noch obendrein etwas ange= eignet, was Ihnen gehörte, und dann habe ich vor­hin-", ste stockte verlegen, ,, meinem Onkel gegenüber auch noch Andeutungen über Ste gemacht, Die Sie wohl gehört haben, und die ich zu zeihen bitte." Nun streckte die Sprecherin die Hand aus, die jener Haftig ergriff und mit letsem Drucke wieder Iosließ. Rost wußte nicht, wie es geschah, aber plößlich saß sie auf der Bank neben dem Manne und plauderte mit thm, wie mit einem alten Bekannten.

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Sie erzählte von dem geliebten Onkel, von Tante Therese, von allen möglichen Dingen. Er lauschte wte ein wißbegieriges Kind, nur selten unterbrach er die Erzählerin durch eine Frage.

Doch mit einem male wurde das liebliche Gesicht ganz blaß, den Waldweg daher kam der Förster- Onkel und da fiel Röschen ein, es mußte ja längst Mittag vorüber sein. O, wie hatte sie das nur vergessen können! Nun fürchtete fie, Tante Therese, die nichts so sehr haß­te, als die Unpünktlichkeit, würde wohl sehr böse sein und schelten.

Expedition: Seltersweg 83.

Samstag, den 4. Januar 1913.

( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 20 pig.

die 44 mm breite Inseratenzeile.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pfg.- Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs­zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Druck der Gießener Verlagsdruckerei.

Telephon Nr. 362.

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25. Jahrg.

zu verschaffen. Nach einem Gebet wurde der Sarg in das Grab gesenkt.

Desterreich.

* Wien, 3. Jan. Staatsminister Dr. Sydow

die Bedeutung der Säuglingsfürsorge, daß sämtliche Redner, die im Reichstag zu der Vorlage das Wort ergriffen, die Notwendigkeit eingreifender Maßnahmen betenten. Es wurde sogar scharf gerügt, daß der Ent­wurf erst jetzt dem Reichstag vorgelegt worden ist, wäh­rend das in der sozialpolitischen Gesetzgebung im all ist hier eingetroffen. gemeinen so rückständige Frankreich ein Gesetz ähnlichen Inhalts bereits seit einigen Jahren hat. Die Vorlage ist zunächst einer aus 14 Mitgliedern bestehenden Kom­mission zur Beratung überwiesen worden. Hoffentlich werden die Arbeiten dieser Kommission schnell vorwärts schreiten, so daß das Gesetz bald in Kraft treten und sterblichkeit werden kann. zu einer guten Waffe im Kampf gegen die Säuglings­

Politische Rundschau

Deutschland.

* Der Großherzog von Baden mußte wegen eines Influenza- Anfalles dem Neujahrsempfang fernbleiben.

Karlsruhe, 3. Jan. Der Großherzog ver­lieh dem preußischen Staats- und Finanzminister Dr. Lenze das Großkreuz mit Eichenlaub des Ordens vom Zähringer Löwen.

* Die Finanzminister Bayerns, Sachsens, Württembergs, Badens und Hessens, die zu den am Samstag stattfindenden Beratungen über die Ge­staltung eines Besizsteuergesetzes nach Berlin kamen, hielten eine Vorbesprechung ab.

Italien.

Die italienische Nationalshigspende hat die ansehnliche Summe von vier Millionen Mark erge= ben. Dieselbe soll fast ausschließlich zum Bau von Mi­litärflugzeugen verwendet werden.

Frankreich.

In diesem Jahre wird Paris mindestens 3 offizielle Besuche von Monarchen erhalten. Das Datum des Besuches des Königs von Spanien wird so­fort nach der Präsidentenwahl festgesetzt. Dann wer­den der König und die Königin von England und endlich noch der König von Dänemark nach Paris kommen. Letztere machen ihre offizielle Antritts visite. Der neue Präsident wird seinen Gegenbesuch in Ma­drid im Laufe des Jahres 1913 und die beiden an­decen Besuche im Laufe des Jahres 1914 erwidern.

Rußland.

Ein von Rußland an die österreichisch- ungarische Regierung gestelltes Ersuchen, beiderseits eine Demo= bilisierung vorzunehmen, hat nicht den gewünsch­ten Erfolg gehabt. Seitens der Wiener Regierung soll erklärt worden sein, daß man an eine Demobilisierung nicht eher herantreten könne, bis die Frage der alba­nischen Grenzregulierung erledigt sei. Ruß­lano wird daher die augenblicklich zurückgehaltenen Re­sernen noch weiter unter den Fahnen belassen.

Rumänien.

* Stuttgart, 2. Jan. Unter zahlreicher Be­teiligung des Publikums wurde heute vormittag der Staatssekretär v. Ki derlen- Wächter zu Grabe getragen. Hinter dem Leichenwagen schritt zu= nächst der Reichskanzler mit seinem Adjutanten, ihm foigte der bayerische Ministerpräsident Freiherr v. Hert­ling als Vertreter des Prinz- Regenten, dann eine Reihe von Staatssekretären und Ministern sowie Vertretern Rumänien hat, wie in Regierungskreisen ver­der Diplomatie, dann viele aktive und Reserve- Offiziere sichert wird, seine ersten Forderungen von der hier garnisonierenden Regimenter. Die Angehörigen Bulgarien für seine Neutralität während des Krieges selbst waren mit dem Prediger nach dem Friedhofe ge- bedeutend ermäßigt. Während es anfangs fahren. Vor Ankunft des Leichenzuges waren schon der einen Hafen am Schwarzen Meere, Varna, von Bul­König, die Herzöge Philipp Albrecht, Rogarien haben wollte, fordert es jetzt nur eine gering= bert, Ulrich, und der Herzog von Ura ch auf fügige Grenzregulierung und den Besitz von Sili= dem Friedhofe erschienen. Von acht Unteroffizieren wurde tria. Diese Stadt hält es zum Schuße des Dobrud­der Sarg in die Kapelle getragen. Hier hielt Prälat scho- Tales für unbedingt notwendig, nachdem millio­von Kolb die Leichenrede über den 90. Psalm( Herr, nen rumänischen Geldes und rumänischer Arbeitskräfte du bisi meine Zuflucht für und für). Er hob hervor, dieses Tal in eine fruchtbare Ebene verwandelt haben, daß es dem Verewigten nur kurze Zeit vergönnt war, und in dem reiche Petroleumquellen rumänischer Ge= sein verantwortungsvolles Amt zu bekleiden, aber diese sellschaften liegen. Sodann verlangt Rumänien noch Zeit habe genügt, das Vertrauen auf ihn zu rechtferti- die Sicherstellung der Freiheiten der Kuzo­gen und seinem Namen Achtung und hohe Schätzung wallachen in dem von den Verbündeten eroberten

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" Ja, Du Wettermädel, wo bleibst Du denn eigent­Itch?" hub der Alte denn auch schon von ferne an, wtr warten mit dem Essen, Suppe und Braten, alles wird talt, und die Tante brummt, so daß ich fortgelaufen bin, Dich zu holen, und Du sizest richtig noch da." Ich ich wußte gar nicht, daß es bereits so spät ist," stotterte Röschen, indes die Männer sich mit einander bekannt machten.

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Es verging fast noch eine Viertelstunde, ehe man fich trennte. Das junge Mädchen schritt schweigend ne­ben dem Onkel hin, den Hut in der Hand tragend.

Es tat Röschen ordentlich leid, die gute Lante ernstlich erzurnt zu haben, und doch war dies nicht ihre Schuld.

Onkel Franz schien indessen sehr heiter, hin und wieder streifte setn lächelnder Blick setne stille Beglet­tertn, um den Mund zuckte es wie Schelmeret.

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" Nun kannst Du essen, was übrig ist," sagte der Alte in scheinbar ernstem Ton, und Tante Therese na, die wird Dir eine Strafpredigt halten," graute sich hinter den Ohren und erst, wenn ich ihr sage, daß Du mit dem, mit einem ganz fremden Manne im Walde saßest, pas mal auf, die wird Augen machen, schickt sich übrigens auch gar nicht für ein junges Mädel.

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Röschen traten die Tränen in die Augen, während der Förster nur mühsam das Lachen verbiß.

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" Ach, Onkel," stammelte Röschen, völlig verschüch­dte tert, ich, ich kann wirklich nichts dafür, Zeit verging so schnell, und der Mann tat mir leid, er sah so traurig aus, und außerdem- Schon gut, schon gut, fleine Here," platzte der Förster heraus, was habt ihr denn auch so Wichtiges verhandelt, daß Du das Heimgehen darüber vergessen hast?"

Er sprach nicht viel, aber ich um so mehr; ich habe Dich such tüchtig bei ihm angeschwärzt, Onkel. Herr Malljär hält Dich test für das, was Du in Wirklichkeit

bist für einen ganz großen Bösewicht, der seine arme, tletne Rosi gar nicht mehr Iteb hat."

Mädel-, Du Du-

Weiter tam der Alte nicht. Nasch hatte Röschen die Arme um seinen Hals geschlungen; dabet mußte fie sich auf die Behenspizen stellen, weil sie dem stattlichen Mann nicht einmal bis an die Schultern reichte.

Er hob das leichte Ding wie etne Feder empor und tüßte den kleinen Mund, dann sagte er in nedendem Lon:' 8 ist auch Besuch gekommen heute."

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Befuch?" fragte Roft verwundert, und welcher, Ontel?"

Wird nichts verraten, Kleine, denn Strafe muß fetn."

Du bist wirklich abscheulich heute," schmollte Roft, der plöglich ein Schrecken durch die Glieder fuhr. Doch nicht etwa mein- Vormund?" fragte sie stockend. Etne finstere Falte lag auf der cetnen Stirn.

Ich sage nichte, Du wirst ja jehen." " Ontel, nur seine sage mir, ist es Böhler?" Nein."

Röschen atmete auf. Aber wer denn sonst?" Als die beider am Forsthause ankamen, hörten Re von der Laube her eine frische Stimme und filberhelles Lachen, aber beides war Röschen nicht bekannt.

In der Haustür stand Frau Therese, die sich ohne Erfolg bemühte, böse auszuschauen. Ste begnügte sich, dem auf sie zustürmenden Liebling mit dem Finger zu drohen.

Das Mädchen flog ihr an den Hals. Bürne mtr nicht, liebe Tante, daß ich mich so versäumt habe, ich wills gewiß nicht wieder tun." Die Stimme tlang so wetch, so zärtlich bittend, wer konnte da wohl wider­stehen?

Therese nahm das Mädchen an der Hand. Komm und sieh, was wir für lieben Besuch haben."

( kortfeBuna folat.)