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1.3.1913 Erstes Blatt
 
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ferner bei Jacob III., W. Semmler

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Gießener Beifung

( Reneste Nachrichten)

Bezugspreis 25 Pig. monatlich pirateljährlich) 75 Pig., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgebolt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 60 Pig- Erscheint Mittwochs und Samstags. Medaktion: Felters­weg 83. Für Aufbewahrung oder Rüdiendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantieri. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. 6.

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Nr. 18.

( 1. Blatt).

Vom Balkan- Krieg.

In der Lage der Krieg führenden, als auch in der bulgarischen Streitfrage ist ein Ausgleich der Ge­gensätze bisher nicht erfolgt. Eine Einigung über die Abgrenzung des selbständigen albanischen Staates ist ist bisher keineswegs erzielt.

Griechenland dirigierte 40 000 Mann von Saloniki über Karaferia und Gorica nach Janina.

Der König von Montenegro ist im Begriff, zum letzten Male bei dem Kaiser von Rußland dagegen zu appellieren, daß Skutari Albanien zugesprochen

werde.

*

Sofia. Der Großwesir ließ durch den Kon­stantinopeler russischen Botschafter bei Bulgarien fragen, ob es zu einem Friedensschlusse bereit sei, wenn die Türkei auf Adrianopel verzichte und in eine Grenz­linie Jnadia- Enos einwillige. Die bulgarische Regier­ung ihrerseits besteht aber auf einer Grenze Midia­Rodosto, doch sei man allgemein der Ansicht, daß auf der Mittellinie Midia- Enos eine Verständigung erzielt werden könne.

* Wien, 28. Febr. Aus diplomatischen Kreisen wird bekannt, daß Rußland bereits dem österreichischen Verlangen, daß Stutari bei Albanien verbleibe, stimmte.

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* Wien. Die Politische Korrespondenz" meldet aus London: Der Verlauf des Meinungsaustausches mit den führenden türkischen Persönlichkeiten, die zu= nehmende Erstarkung des Wunsches nach Frieden in Konstantinopel und der Stand der Dinge auf dem Kriegsschauplatz rufen in diplomatischen Kreisen den be­stimmten Eindruck hervor, daß das Ende des Balkan­frieges nahe gerückt sei. Die Bereitwilligkeit zu einer Verständigung der kriegführenden Parteien ist zu einer solchen Reife gelangt, daß die Zustimmung der Pforte zu den Ratschlägen der Mächte und die Eröffnung der Friedensverhandlungen in aller Form bald zu erwar­ten ist.

* Wien. Die Chancen für einen baldigen Be­ginn der Friedens- Verhandlungen in den letzten Tagen sind gewachsen.

*

Politische Rundschau

Berlin. Der Kaiser begab sich gestern abend nach Wilhelmshaven. Er wird von dort nach Helgoland fahren und über Wilhelmshaven am Mitt­woch nach Berlin zurückkehren.

*

Die deutsche Kaiserin traf mit der Prinzes in Viktoria Luise heute Samstag nachmittag in Gmun vergeblich auf den ein. Der Aufenthalt dauert voraussichtlich zwei bis drei Tage. Am Donnerstag traf das Großherzogs

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Das Glückskind.

Roman von reve von Hellmutg. ( Nachdruck verboten.) Da fühlte sie plötzlich ihre Hände umflammert, vor ihr liegt ein Mann auf den Knien, ein liebes Ant­liz birgt sich in ihrem Schoße, und eine Stine sagt zärtlich ihren Namen: Röschen".-

Ist es ein Traum, ist es herrliche, Heglückende Wirklichkeit fast weiß sie es nicht!

Ach, daß sie immer so träumen fönnte, fe fürchtet, wagt sich nicht zu rühren.

Schotth. 71 daß das Traumbild in nichts zerrinren möchte und

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Ein Zittern erfaßt sie, als die Stinime, die ihr immer, auch in den bängsten Stunden in den Ohren geklungen, wieder anhebt mit bebender und doch so be­strickendem Klang: Röschen, Du einzig Geliebte, fannst Du mir verzeihen, daß ich Digy mit einem ent­würdigenden Verdacht kränken foncte, daß ich ohne zu prüfen, auf den bloßen Schein in Dich in meinem Herzen verurteilte, und Dich zu sem Gemeinen warf, während nicht der leiseste Flecken, nicht der Schein einer Schuld Dich treffen dürfte?"

Röschen nickte bloß. Sie konnte nicht sprechen.

Doch ihm scheint das Lächein, das auf dem schönen Geficht liegt, zu genügen. ie elektrisiert springt er empor, und schlingt mit einem Jubelschrei seine Arme am die bebende, schlanke Gestalt, und füßt den süßen Mund heiß und innig.

Dann sißen die beiden eng aneinander geschmiegt, an feligem, nie geahntem Entzücken sich in die Augen bidend, auf der kleinen Bank, und Dr. Gerhard Mall­far erzählte der erstaunt aufhorchenden, wie ihn damals im Walde, als fener Freche es gewagt, seine holde Blu­te zu füffen, Verzweiflung erfaßte über thren schein­baren Verrat, wie er geflohen von der Stätte, wo er aum elendeſter aller Menschen geworden, fort

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Expedition: Seltersweg 83.

Samstag, den 1. März 1913.

paar von Mecklenburg- Schwerin und am Freitag das Prinzenpaar Max von Baden in Gmunden ein.

* Berlin. Aus Anlaß der Anwesenheit des Königs von Dänemark in Berlin, wurde am 27. Fe­bruar eine Gefechts übung gemischter Waffen ab­gehalten, wozu die Potsdamer Garnison ausgerückt gehalten, wozu die Potsdamer Garnison ausgerüdt war. Nach 11 Uhr endete das Gefecht, währenddessen auch Flugzeuge und das Zeppelinluftschiff Sanja" über dem Bornstedter Felde erschienen. Der Kaiser ritt da= rauf mit dem König an der Spitze des 1. Garde- Re­giments zu Fuß in die Stadt Potsdam ein. Ein zahl reiches Publikum bereitete dem Kaiser und dem König von Dänemark herzliche Kundgebungen. Im Laufe des Nachmittags besuchte der König von Dänemark den Reichskanzler, dem er den Elefanten- Orden ver­lieh. Den Tee nahm das Königspaar bei der Kron­prinzessin, ebenso fand Abendtafel bei der Kronprinzes­sin statt, an welcher das Königspaar teilnahm.- Den Abschluß der Festlichkeiten zu Ehren des Königspaares von Dänemark bildete ein Hofkonzert bei dem Kaiser= paar im Kgl. Schlosse. Während der Pause hielten die Majestäten Cercle. An das Konzert schloß sich ein Souper an einzelnen Tischen an. An dem Tisch des Kaisers hatte die Königin, an dem Tisch der Kaiserin der König Platz genommen. Das Fest endete gegen 12 Uhr.

s Darmstadt. Dem bisherigen außerordent= lichen Gesandten und bevollmächtigten Minister am Großherzoglich hessischen Hofe, Freiherrn v. Jenisch, wurde anläßlich seines Uebertritts in den Ruhestand der Charakter als kaiserlicher Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz" verliehen.

* Wie verlautet, ist anstelle des zum Gesandten in Brüssel ausersehenen Gesandten in Sofia, v. Below­Saleske, der derzeitige Gesandte in Rio de Janeiro, Wirklicher Geheimer Rat Dr. Michahelles, für den Gesandtenposten in Sofia in Aussicht genommen.

* Die unter Führung der Reichsbank und der Kgl. Seehandlung( Preußische Staatsbant) gebildeten Konsortien übernahmen von den Finanzverwaltungen 50 Millionen Mark Reichsanleihe und 100 Millionen Mark preußische Staatsanleihe, beide mit 4 Prozent ver­zinsbar und bis 1925 unkündbar. Die öffentliche Zeich­nung findet am 7. März zum Kurs von 98,60 statt. Die sozialdemokratische Mehrheit des schwarz= burg- rudolstädtischen Landtages erklärte sich grundsätz- lich für die Annahme des Etats. Bei der Einzelberat­ung wurden die Dotation des Fürsten in Höhe von 300 000 Mark und die Beamtengehälter bewilligt. Es wurde ein Antrag angenommen, bei der Verleihung von Orden besondere Abgaben einzuführen.

*

ein gehetztes Wild-, zum zweiten Male hinaus in die weite, ihm so öde erscheinende Welt.

Daß er wiedergekehrt, das war das Werk des gu­ten treusorgenden Försters. Der hatte nicht gerastet, noch geruht, täglich hatte er bei Leberecht nachgefragt, ob feine Kunde von dem Fernen eingelaufen set.

Und als endlich nach langem vergeblichen Warten die erste Nachricht im Seeschlößchen anlangte, als der brave Mann erst einmal wußte, wohin der Flüchtige sich gewandt, da wanderte ein langer, eng beschriebener Brief ihm nach in das ferne Land. Wie löste sich da der Schmerz von dem gequälten Herzen, als es erkannte, daß die Erwählte nicht falsch, nicht treulos war, sondern daß sie immer nur ihn geliebt hatte, wie aus dem Brief deutlich genug hervorging.

Zwar mußte er die Geliebte dennoch als für ihn verloren betrachten, da er kein Recht an sie hatte; aber dessen ungeachtet, beschloß er sogleich, die Rückreise an­zutreten. Und da traf thn dann die Nachricht von dem jähen Tode jenes frechen Uebeltäters, den Gottes Straf­gericht ereilte, ehe die irdische Gerechtigkeit ihn für seine Berbrechen strafen konnte.

Dies alles berichtete Dr. Malljar in fliegender Haft. Röschen hatte von den Unternehmungen des On­kels nicht die leiseste Ahnung gehabt. Jedenfalls wollte er ihr nicht vergebliche Hoffnungen machen. Im Forst­hause hatte man übrigens noch keine Ahnung von der Rückkehr Malljar's, die erst in der vergangenen Nacht erfolgt war.

Und nun, die Du die Sonne meines Lebens bift," schloß der überglückliche Mann feinen langen Bericht, mum fann nichts mehr trennen, teine Macht der Erde foll schwer errungene Glück rauben-, bald find 1 und für immer vereint." Röschen ttelte tu furchtbarer Berzweiflung den schönen Kopf.

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Telephon Str. 342.

25. Jahrg.

* Die Wahl des Dr. Becker als Reichstagsab= geordneter für Wzey- Bingen wurde mit 159 Stimmen gegen 158 Stimmen bestätigt.

* Berlin. Die Wahlprüfungsl'ommission be­antragte die Wahl des Abg. von Kröcher( fons.) in Salzwedel- Gardelegen für ungültig.

*

Nord- Amerika.

Washington. Die Regierung arbeitet mit der Regierung von Nicaragua an einem Vertrage, der den Vereinigten Staaten jemals gestattet werden soll, der den Bau von einem Schlachtschiff, sechs Zerstörern einen die beiden Meere verbindenden Kanal durch das Gebiet von Nicaragua zu führen.

* Washington. Das Repräsentantenhaus hat den amendierten Flottenetat angenommen, angeblich bestimmt, daß keiner anderen Nation als und vier Unterseebooten vorsicht und zur Deckung 111 Millionen Dollars anweist.

Aus aller Welt.

o Auerbach. Hier wurde ein Villenbesitzer, welcher die Gewohnheit hatte, nachts seine Hunde mit in das Schlafzimmer zu nehmen, von einem neuge= fauften Hunde angefallen und an Hals, Arm und Bei­nen erheblich verwundet.

::: Cöln, 24. Febr. Aus Anlaß der 100jährig. Zugehörigkeit zur Krone Preußens beschlossen die Ver­einigten Turn- und Sportvereine Cölns für das Ju­biläumsjahr 1915 große nationale Wettkäm­pe, zu denen sämtliche deutschen Sportverbände ein­geladen werden sollen, abzuhalten. Nicht besser könnte die Erinnerung an dieses denkwürdige Jahr geweckt werden, als durch eine derartige sportliche Veranstalt­ung, die zeigen soll, zu welcher Blüte deutsche Kraft und deutsche Art im friedlichen Wettkampf der Ver= bände erwachsen sind.

::: Gelsenkirchen. Wegen Kindesmord ist die Ehefrau Kelch verhaftet worden. Sie hat ihr neu­geborenes Kind unmittelbar nach der Geburt im Keller zerhackt und die Leichenteile dann im Küchenherd verbrannt.

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: Wien. Die Batronenhülsenfabrik auf dem Steinfelde brennt. Der Brand nimmt eine immer größere Ausdehnung an und gefährdet die in unmittel­barer Nähe sich befindliche Munitionsfabrik, Munitions­objekt Nummer 16, wo die Pulvervorräte eingelagert mit sind. Das Militär und die Feuerwehr arbeiten gröster Aufopferung an der Bewältigung des Bran­des.

Soll ich den befleckten Namen, den ich doch einmal tragen muß, und dem Hunderte von armen, betrogenen Menschen ihren Fluch nachsenden, soll ich diesen Namen mit dem reinen fleckenlosen, den Sie mit Stolz zu tragen berechtigt sind, verbinden? Nimmermehr! Das fluchwürdige Verbrechen, das jener Mann begangen, wird ewig trennend zwischen uns und unserem Glücke stehen, ich muß entsagen, und kostet es mein Leben."

Malljar lächelte. So glaubst Du törichtes Kind, daß ich mir um solchen Grund, der hinfällig wird, so­bald ich mit meinem überflüssigen Mammon die Schuld jenes Unseligen gefühnt habe, mein Glück noch einmal entreißen lassen werde? Wenn Du mich liebst, dann bist Du mein,- mein auf ewig, ich lasse Dich nicht mehr, Du bist rein von jeder Schuld, niemand darf es wagen, metne holde Blume anzutasten. Aber etwas anderes ist es, das mir noch auf dem Herzen liegt. Wirst Du es aushalten, immer hier zu leben? Oder wird es Dir zu langweilig, zu einsam in dem stillen Schlößchen? Denn ich ich möchte mein Weibchen für mich ganz allein haben, und nie, nie mehr nach der Welt da draußen zurückkehren, die mich anefelt, wenn ich threr gedente. Hier in dem stillen Winkel möchte ich nur uns selbst und unserem Glücke leben. Sag Geliebte, wird es Dir nicht gehen, wie jener unglücklichen, der es auch hier zu einfam wurde, und die der Volksmund weiter leben läßt auf dem Grunde des Sees dort?" Seine Augen hingen in banger Frage an dem Ge ficht der Heißgeliebten.

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Mit glücklichem Lächeln sagte sie: 3u elusam, hier, und mit- Dir vereint? Was sollte ich mir Bek feres wünschen, wo sollte ich größeres, schöneres Glüc finden? Ich tönnte die Welt wohl auf und ab mandern und würde doch vergebens fuchen.

( Schluß folat)