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13.3.1912 Erstes Blatt
 
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Neue italienische Kriegspläne?

Mailänder Blätter lassen sich aus Nom die Nachricht melden, daß die Regierung augenblicklich gemeinsam mit ben Chefs des Generalstabes der Armee und der Ma­rtne ein neues Afttonsprogramm für den Feldzug ge­gen die Türket ausarbeite. Dieses neue Programm werde in folgende dret Etappen geteilt sein: 1. Dte Ot fupation der türkischen Inseln im Aegätschen Meere, 2. die Blockade von Smyrna und Saloniki(!) und 8. einen Angriff auf die Dardanellen und Konstantino­pel( 1). Dtefe dret Teile des Programms sollten nach­einander zur Ausführung gelangen, die Attton gegen die Dardanellen wird bis zuletzt zurückgehalten wer­den.

Soweit die Mitteilungen der mailändischen Blätter. Ob und inwieweit sie zutreffen, wird die nächste Bett erweisen. Zum mindesten dürfte Punkt 2 des Aktions­programms höchst zweifelhaft sein; die dort in Aussicht gestellte Blockade von Smyrna und Saloniki würde nicht nur den Levantehandel der neutralen Mächte aufs empfindlichste stören, sondern auch aus politischen Grün­ben den Widerspruch mindestens einzelner Mächte, wie Desterreich- Ungarns und Frankreichs, hervorrufen. Ob die ttaltentsche Flotte außerdem wirklich dem Wagnis einer Forcierung der jetzt mit Geschüßen und im Ernst­falle auch mit Seeminen gespickten Meerengen ausge­setzt werden soll, bleibt abgesehen von politischen Be benten erst recht abzuwarten.

Jm Kriegshafen von Spezzta ist man augenblicklich mit der Konstruktion einer Luftschiffhalle in Schiffsform beschäftigt, die imftande sein soll, der Flotte zu folgen. In militärischen Kretsen Italiens ist man angeblich der Ansicht, daß bet etnem Angriff auf die Dardanellen lenk­bare Luftschiffe gute Dienste leisten würden.

Ueber die Friedensaktion"

fünf Stunden zwölf Minuten zurückgelegt, wobei er zwei Zwischenlandungen vornahm. Die durchschnittliche Geschwindigkeit soll 180 kilometer in der Stunde be­tragen haben.

schluß gebracht werden. Wie in parlamentarischen Kret- Bau nach Coubleaz bei Paris mit einem Eindecker tn fen verlautet, sollen zwischen dem Reichsschatsekretär und den Finanzministern einiger füddeutscher Bundes­staaten lebhafte Meinungsverschiedenheiten über die Art der Deckung der neuen Wehrvorlagen geherrscht haben. Der Reichstanzler trägt sich nach wie vor mit der Absicht, dem Reichstage eine Befizsteuer vorzuschla= gen. Dieser Vorschlag hat Preußen und Bayern Be benten äußern lassen. Wie verlautet, soll aber eine Et­nigung der einzelnen Ansichten nahe bevorstehen. Kon­fum und Verkehrssteuern werden als Deckung für die Webrvorlagen nicht in Betracht kommen.

wird heute aus Parts gemeldet: Die Großmächte streben zunächst einen Waffensttustand an, währenddessen über den Frieden verhandelt werden kann, und fordern die Zusicherung Italiens, vorläufig von jeder Flottenaktion an der türkischen Küste abzusehen. Dagegen verlautet aus bester italienischer Quelle, Italten hätte die Mächte vertraulich verständigt, daß eine träftige Flottenaktion an der türkischen Küste unvermeidlich fet, falls die in Vorbereitung befindliche Friedensvermittlung schettern fonte.

Rundschau vom Cage. Politisches.

Bon einem nenen sozialdemokratischen Hofgänger wird aus München folgendes berichtet: Der sozialdemo­tratische zweite Vorstand des Münchener Gemeinde­tollegiums Wittt mit Namen, ist mit der städtischen Abordnung, bestehend aus den beiden Bürgermeistern und dem Vorstand der städtischen Kollegien, zur Be­glückwünschung des Prinzregenten zu Hofe gegangen. Der Regent unterhielt sich mit allen Herren in seiner bekannten Liebenswürdigkett. Wittt hat kürzlich auch das Glückwunschtelegramm der städtischen Kollegien zur Verlobung des Prinzen Georg von Bayern mit unter­zetchnet.

Die Kaiserfahrt nach Korfu. Aus Korfu wird ge­meldet, daß der Kaiser dort am 29. Mära mit Gefolge, hundertfünfatg Köpfen, erwartet wird. Die Kaiserin folgt in den ersten Tagen des April nach. Im Achilleton werden große Vorbereitungen getroffen. Wie ein Mat­länder Blatt aus bester Quelle erfahren haben will, wird König Bittor Emanuel bei seiner bevorstehenden Begeg= nung mit dem deutschen Kaiser weder vom Ministerprä­fidenten, noch von irgend einem anderen Minister be­glettet sein.

Zur zweiten Beratung des preußischen Kultusetats hat die nationalliberale Fraktion des Abgeordnetenhau­fes den Antrag gestellt, die Staatsregterung zu ersuchen, im Interesse des Volksschulwesens Einrichtungen zu treffen, durch welche Volksschullehrern eine bessere Mög­Itchkeit zu einer wissenschaftlichen Fortbildung an preu­ßischen Universitäten zum Zwecke der Vorbereitung auf den Dienst an Wittelschulen, in der Leitung von Volts­schulen, in der Lehrerbildung und Schulaufsicht gewährt wird.

Neue Kämpfe in China. Bei den gestrigen Kämpfen zwischen den neueingestellten Truppen und den Aufständischen in kanton jollen angeblich über zweihundert Bersonen getötet oder verwundet worden ein. Die Koniuln haben angeordnet, daß sich die Frem­den nach Hongkong begeben.

Brinzregent Luitpold von Bayern vollendet am Dienstag fein 91. Lebensjahr. Ein gütiges Geschick, so fchreibt die Nordd. Allgem. 8tg.", verlieh dem ehr­würdigen Fürsten ein gesegnetes Alter in voller get­sttger Frische und körperlicher Rüstigkeit. Bringt die Bevölkerung Bayerns wiederum dem Haupte thres Kö­nigshauses eine Kundgebung treuer Anhänglichkeit dar, so schließt sich auch ganz Deutschland in freudigem Ge denten der schönen Heter an, die dem erhabenen Sentor im Kreise der deutschen Bundesfürsten und dem hoch­verdienten Förderer des Reichsgedankens gilt. Der Brinzregent hat anläßlich feines Geburtstages aus dem Kapital der Luitpold- Jubiläumsspende für Ju­gendfürsorge 60 000 Mazur Unterstüßung von bestehen­den und zur Errichtung von neuen Lehrlingsheimen geftiftet.

Kleine Nachrichten.

Unter Mordverdacht verhaftet. In Aachen ist etn polnischer Hausterer unter dem Verdacht, furz vor Weihnachten in der Nähe von Heerlem in Holland einen Gutsbesitzer ermordet und beraubt zu haben, verhaftet und den holländischen Behörden ausgeliefert worden. Der älteste Oberammergauer, der Rentner Le dermann, der in allen Bassionsspielen sett 1830 mitge spielt hat, ist heute, 98 Jahre alt, gestorben.

Der Berliner Oberbürgermeister bleibt im Amte. Oberbürgermeister Kirschner in Berlin empfing Mon­tag nachmittag in seinem Amtszimmer eine Deputation des Berliner Magistrats, die dem Oberbürgermeister das volle Vertrauen des Magistrats aussprach und ihn bat, seine Rücktrittsabsichten aufzugeben. Oberbürger­meister Kirschner erwiderte darauf, daß er sich den ge= wichtigen dargelegten Gründen, die für sein ferneres Verbleiben im Amte sprächen, nicht entziehen könne und deshalb sein Rücktrittsgesuch bis auf weiteres ver­schiebe.

Ein Schulgebände eingestärzt. In dem Dorfe Ko­schütz bei Schneidemühl fürzte ein Teil eines Hauses ein, in welchem die zweite Klasse der Dorfschule unter­gebracht ist. Glücklicherweise erfolgte der Einsturz die­fes Hauses nicht während des Unterrichtes, sonst wäre ein großes Unglück entstanden.

Der Deutsche Flottenverein tritt noch einmal auf den Plan, jetzt, wo es gilt, flarzulegen, warum und wo­zu uns die Verstärkung unserer Wehr zur See not tut. In einer Broschüre Deutschland set wach!" werden neue Betrachtungen über Rüstungsfragen und Weltpo­litik angestellt. Es wird u. a. die Lage Deutschlands gegenüber den Ententen erörtert, der Wahn der Ab­rüstungsenthusiasten beleuchtet und zum Schluß eine sehr umfassende und sorgfältige Zusammenstellung über das Wachsen der deutschen Seeintereffen sett 1904 sowie eine bis zur neuesten Zeit durchgeführte zusam­menstellung der Streitkräfte der größten Seemächte ge­geben. Insgesamt gibt das Werkchen einen geschichtlt­chen Ueberblick, wte England feine Suprematte zur See erworben und mit allen Mitteln allzeit erhalten hat, wa­rum wir uns diese unbedingte" Suprematte nicht ge­fallen lassen können und wollen, was für uns auf dem Sptel steht, und wie es zurzeit mit unserer Seerüstung aussieht.

Die Verhandlungen über die Deckungsfrage der Wehrvorlagen werden im Laufe dieser Woche zwischen den einzelnen Bundesstaaten wahrscheinlich zum Ab­

18)

Unter Feinden.

Roman von Karl Matthta 3.

( Nachdruck verboten.)

Brinzessin Luise unter Kuratel.

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Die Nachricht, daß die Gräfin Lonyay, die frühere Brinzessin Stefanie, vor dem Pariser Zivilgericht be­antragt hat, man möge über die Prinzessin Luise von Belgien, ihre Schwester, eine Vormundschaft einsetzen, wird von der gesamten belgischen Preffe bestätigt. Wie der Korrespondent eines Berliner Blattes erfährt, tst die Vormundschaft für die Prinzessin geradezu zur Not­wendigkeit geworden, und die Prinzessin soll darin ein­gewilligt haben, um so aus der prefären Lage, in der sie sich befindet, herauszukommen. Sie könne dies aber nur, wenn ihr Verhältnisse von anderer Seite ein für allemal arrangiert werden.

Schweres Unglüd bei einem Gerlisteinsturz. Auf der niederrheinischen Hütte bet Duisburg ist Montag nachmittag ein 30 Meter hohes Gerüst am Hochofen zu­sammengestürzt. Steben Arbeiter kamen unter die Trümmer zu liegen. 1 Arbeiter war sofort tot, 2 sind Hoffmunasins, 3 schwer, 1 leicht verletzt.

Den Prozeß, den sie gegen den Nachlaß thres ver­storbenen Baters, König Leopold II., geführt hat, hat sie nicht mit dem eigenen, sondern mit dem Gelde ihrer Gläubiger geführt. Die Kosten des Prozesses belaufen sich auf etwa 1 Weillion Franken. Die Gläubiger waren nun sehr enttäuscht, daß die Prinzessin mit all threr Ansprüchen abgewiesen wurde. In der Begründung des Urteils wird ausführlich erklärt, daß die vielen Millionen, die König Leopold in Stiftungen angelegt hat, dem belgischen Staat als Besitz anheimfallen müß­ten. Es handelt sich um Objekte im Gesamtbetrage von etwa 80 Millionen Franken. Der belgische Staat hat den dret Töchtern des Königs Leopold eine Entschädi­gung von je 2 Millionen Franken angeboten. Die Brin­zessin Clementine ist, bisher die einzige, die von den dret Schwestern den Vermittlungsvorschlag freiwillig ange= nommen hat. Die zweite Schwester, Gräfin Konyay, hat sich verpflichtet, ebenfalls diesen Vergleich anzuneh­men, wenn ihre Schwester Luife darauf eingeht.

Beim Kartenspiel erstochen. In der Steinstraße zu Hamburg aerieten zwet Freunde beim Kartenspiel we= gen eines Einsabes von 30 Pfennig in Wortwechsel, in dessen Verlauf der eine dem anderen einen Messerstich in die Herzgegend beibrachte, der ihn sofort tötete. Der Täter wurde verhaftet.

" Bu Befehl. Die Gefangenen marschteren beretts unter Bedeckung von Unteroffizier Lauterbach und sechs Mann nach dem Soutien. Die Mitrailleusen sind un­brauchbar gemacht. Sobald Pferdekräfte vorhanden, kön­nen Sie gleichfalls zurückgebracht werden."

Bergmannslos. Auf der Zeche Hannover" bel Bochum stürzte der Bergmann Heckmann in einen Auf­bruch. Er war sofort tot. Auf der Zeche Präsident" wurde ein Pferdejunge von einer herabstürzenden Kappschtene erschlagen. Dem Unglücklichen wurde der Kopf vom Rumpfe getrennt.

,, Brillant! Hier ging es recht munter zu. Wir ha ben Verluste gehabt. Aber Sie haben, scheint mir, auch etwas abbekommen. Von Bedeutung?"

Drei mit glühendem Metall gefüllte Gußpfannen lösten sich auf dem Hüttenwerk in Hingen in Lothrin­gen von der Lokomotive los, liefen die steilen Gletſe hinab und stießen mit einer anderen Lokomotive zusam= men. Bei dem Zusammenstoß wurde der Maschinen­führer, der Heizer, der Zugführer sowie ein italieni­fcher Arbeiter getötet.

,, Danke gehorsamst, nein, Herr Hauptmann." ,, Um so besser. Heute fällt fitr jeden etwas ab. Mein Bein fängt auch an zu brennen. Aber ich weiß, es tst nur ein Fleischriß. Donnerwetter, die Bayern schießen wie die Götter. Sehen Sie, wie die Franzosen aus­rlicken. Na, auf Wiedersehen! Aber hier wird es warm," fuhr er, auf die brennenden Gebäude blickend, fort; ,, wir wollen doch hinaus aus dem Bratofen. Lassen Ste Ap­pell blasen, Tyrolt; wir wollen sehen, wer von unseren braven Schüßen übrig geblieben ist."

Die Gläubiger der Prinzessin Luise haben einge­sehen, daß auf dem Wege des Prozesses aegen den Nach­lag des verstorbenen Königs nichts zu erzielen ist. Das belgische Ministerium ist bereit, der Prinzessin zu el­nem Arrangement zu verhelfen. Graf Lonyay, der Schwager der Brinzessin Luife, wellte in legter Zeit wiederholt in Paris und Brüffel und hat nicht nur mit ber Brinzessin, sondern auch mit den Hauptgläubigern und dem Ministerpräsidenten in Brüssel verhandelt. Man will nun wissen, daß ein Abfommen auf folgender Grundlage zustande gekommen ist: Die Prinzessin wird unter Kuratel gestellt. Es werden nicht nur alle Schul­den bezahlt, sondern zugleich wird ihr auch eine le­benslängliche Rente garantiert. Ste fann mit der Apa­nage, die ihr gefchiedener Gatte, Brinz Philipp von Ko­burg zablt, nicht auskommen. Der belgische Staat würde dafür Sorge tragen, daß sie etwa 2 Millionen Franken fährlich zit verzehren hat.

Die Sungersnot in Rußland nimmt einen erschref= fenden Umfang an. Einem Telegramm zufolge hun­gern im Gouvernement Samara neuntausend Verso­nen. Storbut und Hungertyphus haben sich bereits eint= gestellt. Die Hilfe der Nachbargouvernements hat sich als zu gering erwiesen.

Er trat, von einem Soldaten unterstützt, in den Obstgarten zurück; feine Leute folgten ihm. Tyrolt be­ellte sich, dem Befehle nachzukommen. Aber er taumelte mehr, als er ging; die Schulter schmerzte furchtbar.

Der verurteilte Mönch Macoch entflohen. Der in der vorigen Woche wegen Mordes und Diebstahls in Petrifau verurteilte Paulanermönch Macoch ist aus dem Gefängnis entflohen und bis jetzt spurlos ver­schwunden.

Unter einemt überhängenden Ziegeldache der näch= ften Scheunc, das sich bedenklich zum Sturze netgte, stand ein blutjunger Tambour und bearbeitete unaufhörlich fein Kalbfell mehr aus zornigem Kampfeifer als auf Befehl irgend eines Vorgesetzten. Er wußte nicht, wie der Kampf stand, auf thn ging Tyrolt zu.

Eine neue französische Flugleistung macht die Runde durch die Blätter. Der Flieger Tabuteau hat am Montag die 720 Kilometer betragende Strecke von

Das machen wir alleene und sehr scheene," sagte der Tambour, die Schlägel zwischen die Uniformknöpfe steckend. Meinen Kameraden haben sie totgeschossen, da hab' ich sein Horn geerbt."

,, Sammeln blasen, 9. Kompanie, befahl er, sich an einem Wandpfosten festhaltend. Suche schnell einen Hornisten!"

Verschärfung der Streiflage im Ruhrgebiet.

Er setzte das Instrument, welches über dem Tor­nister hing, en die Lippen und bließ das geforderte Signal nicht sehr rein, aber laut und deutlich. Dann trommelte er gelassen wetter, blies wieder und so fort, ohne zu ermüden.

Der Ausstand der Bergleute im Ruhrgebiet hat seit Monica mitaa ortschritte gemacht. Der Prozentjazz der Ausständigen ist stellenweise beträchtlich höher. Die Ursache liegt tellweise in der Behinderung der Arbeits­willigen durch Ansammlungen der Frauen und Kinder beim Belegschaftswechsel. Bei der Nachmittagsschicht am Montag mußten einfahren 109 884 Mann; cinge­fahren sind 46 971 Mann. Es sind also 57,25 Prozent ausständig. le es scheint, laffen sich die Mitglieder des christlichen Gewerfvereins nicht mit in den Stretf hineinreißen. Wie die Sache sich in der Folgezeit ge­stalten wird, darüber läßt sich allerdings sicheres noch nicht sagen. Man tut gut daran, zunächst die Entwick lung der Dinge abzuwarten, die nicht mit dem Maß­stabe der früheren Bergarbetterausstände gemessen werden können. Der jetzige Streit tritt unter ganz an deren Verhältniffen ins Leben, als der des Jahres 1905. Diesmal batte man Zeit, sich auf die kommenden Dinge vorzubereiteit. So haben vor allem die Gas­und Elektrizitätswerke der Ruhrrevierorte die Gele­acnbett wahrgenommen, sich große Vorräte zuzulegen. Wie sich die Lage für die großen Eisen- und Hütten­werfe gestalten wird, darüber läßt sich noch nichts be= stimmtes sagen. An Kots wird es den Werken auf längere Zeit hinaus nicht mangeln, da auf den Zechen noch wettere große Bestände, die allerdings zum Teil schon einige Jahre lagern und wohl an Güte verloren haben, vorhanden sind. Es wird sich nun darum han­deln, ob sich die zum Betrieb der Hochöfen erforderlt­chen Kohlen beschaffen lassen. Man rechnet bestimmt damit, daß der Streit in den nächsten Tagen weiter an Umfang zunehmen werde.

Von allen Seiten kamen die Leute herbet, in Scha­ren und einzeln, pulver- und brandgeschwärzt, blutend, unverletzt, ohne Kopfbedeckung, mit verbundener Stirne, hinkend und hüpfend, aber alle in fröhlicher Laune, un= ter lautem Zuruf und lustigem Willkommen. Wo sich Lücken in der Front befanden, rückten die Uebriggeblte= benen dichter aneinander. Der Feldwebel erschien nicht, auch sein Stellvertreter blieb aus. Sie lagen beide un= ter dem Schutt der brennenden Meteret. Ein alter Ser­geant übernahm die Zählung.

,, Siebenundneunzig Mann zur Stelle," meldete er mit ernstem Gesicht. Der Hauptmann biß sich auf die Lippen. Sein Blick überflog die Unteroffiziere, die vor der Front standen. Auch von ihnen fehlten sechs Mann.

,, Heute morgen waren wir noch einhundertundsieb­zig. Die Hälfte der Kompanie ist gefallen," wandte er sich zu rolt, der mit Aufbietung aller Kräfte an seiner Sette ansharrte. Haben Sie nicht Leutnant von Scharn und Langhofen bemerkt?"

Der Gefragte schüttelte das Haupt. Als des Haupt­manns Blic fragend über die Kompante streifte, er­tönte keine Antwort. Alles blickte stumm vor sich zu Boden.

Ihr wieder Kräfte habt, sobald es vorwärts heißt. Die Unverlegten sollen indessen mit Sergeant Dankelberg nach den Kameraden sehen, die unter den Trümmern des Hauses Itegen."

3u teuer erfauft, sprach Bergeström, aber um so ehrenvoller ist der Sieg. Nun, Ihr Leute, labt Euch mit Wasser, verbindet Eure Wunden und ruht aus, daß

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Dreißig Leute drangen in das zerstörte Gebäude ein, um zu sehen, ob irgend einer der Verschütteten noch zu retten set. Allein ste richteten nichts aus, da der Brand wette um sich griff. Indeß sie wenigstens die Letchen ihrer Kameraden in Sicherheit brachten und ein Korporal mit sechs Mann das Totengewirre an der Gartenmauer Itchtete, blieben die Offiziere zurück.

,, Entschuldigen Ste, daß ich mich fezze," sagte Berget ström, sich umwendend, zu seinem Leutnant. Aber der hörte thn nicht. Er lag der Länge nach im Grase, denn er war ohnmächtig geworden.

Das fehlte noch," brummte der Hauptmann er schrocken; auch der letzte meiner Offiziere will mir um die Ecke gehen, und ich selbst kann mich kaum aufrecht erhalten."

Indem er sich auf einen umgeknickten Obstbaum niederließ, blickte er Hilfesuchend umher. Sein Auge traf das ängstliche Gesicht des Schützen Neumann, der gleichfalls etwas zu suchen schten. " Entschuldigen Sie gütigst, Herr Hauptmann," sagte der Soldat falutterend. Haben Sie meinen Leutnant nicht gesehen?"

Der Brave trug einen Krug mit Milch und einen Topf, mit Wasser gefüllt. Dem Hauptmann flebte vor Durst die Zunge am Gaumen. The er antwortete, richtete er einen sehn­süchtigen Blick auf die Milch.

" Die ist für meinen Leutnant," sagte der Soldat, den Wunsch seines Vorgesetzten erratend. Wenn Ste aber befehlen, Herr Hauptmann?"

Nein, ich danke! Leutnant Tyrolt tst verwundet, ohnmächtig, dort tst er hingesunken; tühlen te feine Bleffur und aeben Sie ibm zu trinken."

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