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Braunwald( Schweta) nament Roerig gelungen ist, mit tner von ihm hergestellten Ralflösung eine Reihe von tttrigen Gewebseinschmelzungen zur Hellung zu brin­gen, die teilweise bisher feder Behandlung getrost ha­ben. So hat er zerfallenen Krebs, der nicht mehr ope­rierbar war, sowie veraltete Hautgeschwüre zur Ver­narbung gebracht und versucht fest, anscheinend mit Er­folg, die Tuberkulose zu bekämpfen. Bedenkt man, daß die Medizin Krebs und Tuberkulose, den beiden furcht= barsten Boltsfrankheiten, machtlos gegenübersteht, so­fern es sich nicht um die allerersten Anfänge handelt, ja daß auch dann häufig jede Theorie vergebens ist, so bedeutet diese Erfindung eine Errungenschaft, deren Tragweite noch nicht zu übersehen ist.

Aus den Gerichtssälen.

Unschuldig verurteilt. Die Straffammer in Essen bob am Dienstag ein im Februar d. J. gefälltes Urteil auf, durch das ein Arbeiler aus Gelsenkirchen zu et nem Jahr Gefängnis und ein zweiter zu anderthalb Jahren Gefängnis wegen Diebstahls verurteilt wor­den waren, und sprach betde fret. Die Verurteilung war auf Grund der Aussage eines Schußmanns er= folgt, der in den Angeklagten mit aller Bestimmtheit die Diebe wiederzuerkennen glaubte. Später wurden die wirklichen Täter ermittelt. Alle Auslagen, die den lett Freigesprochenen entstanden sind, werden durch die Staatskasse übernommen, außerdem werden die beiden\ von Staatswegen entschädigt werden.

Vermischtes.

Ein faiserliches Geburtstagsgefcent. Der Katser hat der Frau des Schneidermeistes Schulz in Klezke, einem Dorfe bei Rathenow, zu ihrem 80. Geburtstage ein Kuvert mit einem Hundertmarkschein überreichen laffen. Die Ursache zu dem Geschent ist dem Berl. Tagebl." zufolge eine kleine Begebenheit aus dem Jahre 1848 gewesen, bet der Kaiser Wilhelm I. und das fetzige Geburtstagskind eine Rolle spielten. Frau Schulz war in ihrer Jugend bei einem Pfarrer Quikow be­dienstet. An einem Spätabend, als der Pfarrer ab wesend war, flopfte es an der Haustüre. Das Mäd­chen öffnete, fah draußen mehrere Herren stehen und bat die Fremden, näher zu treten. Es tochte ihnen Kaffee und fette ihnen ein ländliches Abendbrot vor, das den Gästen ausgezeichnet mundete. Der eine der fremden Herren plauderte dabet freundlich mit dem Mädchen und amüsierte sich köstlich über die urwüchsigen Antworten. Als der Pfarrer zurückkehrte, erfuhr das Mädchen, daß die Gäste Prinz Wilhelm von Preußen und seine Begletter gewefen waren. Dem Neffen des großen Kaisers war diese Geschichte der Achtzigjährigen mitgeteilt worden.

Nach der Trauung verhaftet. Eine sehr unange­nehme Ueberraschung wurde vor einigen Tagen einem Kaufmann in Hannover zuteil. Gegen ihn war ein vollstreckbarer Schuldtitel über zusammen 30 000 Mark erwirkt. Die Schuldvollstreckung gestaltete sich außer= ordentlich schwierig, der Mann bezahlte nicht, fam aber trob wiederholter Ladung auch nicht zur Leistung des Offenbarungseides. Der Gläubiger erwirkte Haftbefehl gegen den Schuldner, aber auch dieser fonnte monate­lang nicht vollstreckt werden, well der Schuldner ant­gebitch beständia aui Reisen war und sich weit von Han­nover befand. Schließlich erfuhr der Gläubiger, daß die Tochter des Schuldners am vorigen Freitag in der Gartenkirche getraut werden sollte. Er begab sich mit einem Gerichtsvollzieher zu der Trauung, und nach de­ren Beendigung wurde der Kaufmann, bevor er seine zur Abfahrt bereitstehende Droschke besteigen fonnte, vom Gerichtsvollsteher verhaftet.

Der große Berliner Boftraub ist jetzt in allen Ein­zelheiten aufgeklärt. Der ganze Plan ging von dem Bostillon Wendt aus, der het felnen Rennwetten fast Immer verlor. Punft 8% Uhr abends stand Cavello mitt der Beißzange an der Ecke der Leipziger- und Kur­ftraße. Einige Minuten später kam Wendt mit dem Wa­gen. Im Handumdrehen war der Wagen geöffnet. Die Postbehörde, welche 4000 Mart für die Ergretfung der beiden Räuber und Wiederherbetſchaffung des ge­stohlenen Gutes zu verteilen beschloß, ist noch damit beschäftigt, die genaue Summe der gestohlenen Werte festzustellen.

Ein fetter Konkurs. Vor einigen Tagen wurde der Konkurs der Meraner Installationsfirma Wis­necky beendet. Den Gläubigern stand ein große Ueber= raschung bevor, denn die Quote, auf Grund welcher die Verteilung der Bestände der Firma vorgenommen wurde, war 0,001258. Um ein Rechenbeispiel anzufüh= ren, wie viel dies, in flingender Münze umgefeßt, dar= stellt, kann die Forderung einer Innsbrucker Firma gelten, die fich mit einem Guthaben von 86 Kronen 30 Heller dem Konkursverfahren anschloß. Diese Firma erhielt nun nach Beendigung des Konkurses die Summe von sechs Hellern zugewiesen, und gleichzeitig fam die Spesenrechnung des Advokaten mit, der als Maffever­walter fungierte. Diese Spesenrechnung betrug für die Firma 12 Kronen 8 Heller.

Majewski warf sich in die Brust. Allerdings, tch bin Kunsttischler, habe die Realschule bis Tertia be= fucht, manches gelernt und viel gelesen. Aber wie soll man wieder auf einen gritnen Zweig kommen, wenn man erst ein paarmal im Rittchen gewesen ist? Das ist schwer, sehr schwer, das kann ich Ihnen versichern. Dann ist einem überall die Polente auf den Ferfen." ,, Sie meinen, Sie wurden von der Polizet ver­folgt? Ste find doch aber in der letzten Bett nicht be­belligt worden."

" Ja, seitdem ich mich unangemeldet aufgehalten habe, das ist richtig. Aber vorher war's schlimm."

Hm. Sie hatten also die Absicht, sich durch einen Einbruch Geld zu verschaffen?"

" Irgend so etwas schwebte mir unklar vor. Ich bachte nun, es wäre vielleicht dort in dem Beatricen­Heim etwas zu machen. Deshalb sprach ich dort vor. Da war ich zufällig Zeuge eines Telephongesprächs

,, Das kenne ich bereits," fiel Herr von Scharffen­stein ein. Und Sie hatten sofort Ihren Plan fertig?"

Ja, wie ein Blitz durchfuhr es mich: Das ist ein Wert des Schicksals! Ich etlte au meiner Freundin, veranlaßte fie, sich dort als Krankenpflegerin zu mel­den, und bestellte dann telephontsch in dem Helm ab." " Woher hatte Ihre Freundin die Tracht?" " O, sie ist ein sehr geschicktes Mädchen, das kann tch Ihnen sagen, und machte sich am Abend noch alles zurecht. Es stimmte zwar nicht ganz genau, aber das bat feiner gemerkt."

" Ihre Freundin sollte Ihnen bei der Ausübung der Zat helfen?"

Beileibe nicht! Ste sollte nur die dortigen Ver­bältniffe genau ausfundschaften und mich auf den rech­ten Bettpunkt aufmerksam machen."

Wärs nicht einfacher gewesen, Ihre Freundin mahm selber das Geld?"

Millionenschäden durch das franzöfifche B- Pulver. Die jetzt beendete Vernichtung der für die Sicherheit der französischen Kriegsschiffe als gefährlich befundenen Pulvermassen gibt Anlaß zu folgender Statistik: Ins Wasser versenkt wurden Pulvermengen im Gesamt­werte von 20 Millionen Mark. Hierzu kommt der durch das verderbliche Pulver verursachte Verlust des Schlachtschiffes" Liberté" mit 42 Millionen und die zu= grunde gegangene Ausrüstung dieses Schiffes mit 8 Millionen. Hierbel sind nicht die noch genauer zu be= ziffernden Millionen für die Reparaturen der bet je­ner Katastrophe schwer beschädigten Kriegsschiffe, fo­wie fitr Zerstörung des Liberté"-Wracks in Rechnung gezogen.

Folter in einem russischen Gefängnis. Der russische Justizminister hat eine Untersuchung gegen den Direk­tor des Gefängnisses in Krasnojarst eingeleitet, dem die Folterung von Gefangenen vorgeworfen wird. Ver­wandte eines Untersuchungsgefangenen richteten ein Telegramm an den Minister, worin fie berichteten, der Gefängnisdirektor habe vier Gefangene auf alühende Reffel feßen lassen, angeordnet, daß sie mit glühenden Nadeln gestochen würden, ihnen die Glieder recken laf­fen und ähnliche Greuel mehr verübt. Ein Untersu chungsgefangener set infolge der Folterungen gestor­ben, ein anderer set trrsinnig geworden. Der Minister entsandte einen Beamten des Ministeriums nach Kras­nofarst der die Untersuchung führen wird.

Unfall bei der Landung der Schwaben". Bet der Landung des Luftfchiffes Schwaben" vor der Luft­schiffhalle in Baden- Oos am vergangenen Montag aab es einen Unfall, der noch gut ablief. aber leicht hätte fchlimmere Folgen haben können. Als der Luftkreuzer um 4 Uhr landen wollte, wurden Selle niedergewor fen, die von Angestellten ergriffen wurden, um den Ballon niederzuziehen bezw. festzuhalten. Blößlich ging das Luftschiff wieder in die Höhe, dret Mann wurden, an den Seilen hängend, mit hinaufgezogen, Iteßen dann in 10 Meter Höhe die Seile los und stürzten ab. Giner erfitt einen Handgelenkbruch und wie es heißt, innere Verlegungen, die beiden anderen leichte Ber­legungen. Das Luftschiff steuerte dann nach Sandweler zu, fehrte um und konnte um 4 1hr 20 Minuten lan= den, während die Verbringung in die Halle um 4 Uhr 40 Min. beendet war.

Gin Barinäicer Selbstmärker. Der Maurer Wil­helm Hener in Belgern a. d. Elbe, der in fortwähren­dem Unfrieden mit feiner Frau lebte, tam dieser Tage von einer Meise nach Leipzig nach Belgern zurück und fand feine Wohnung leer: feine Frau batte ihn verlas= fen und fich eine andere Wohnung gemietet. In feiner maßlofen Wut zerstörte er die gesamte Wohnungsein­richtung. ftecfte ein großes Messer an sich und beaab ftch in die Wohnung seiner Frau. Hler wurde ihm der Eintritt verweigert. Da er vor der Wohnumgatitr drohte, seine rau tot aut stechen, nahm die Boltzet ihm auch noch in Berwahruna. Nach einigen Tagen wurde er entlassen; mit einem Degen bewaffnet, fuchte er aber miederum in die Wohnung seiner Frau zu dringen. A18 er fah, daß es ihm nicht gelingen würde, versuchte er sich die Bulsadern zu durchschneiden, was nicht recht aliickte. Triefend von Blut Hef er dann nach der Elbe, mo er sich durch Ertränken das Leben nehmen wollte. Ein Wiesenouffeher ava thn aus dem Wasser und ver­band thn. Am nächsten Mornen aber fand man ihn erhängt in feiner Wohnung. Norber hatte er noch ver­fucht, sich den Hals zu durchschneiden.

Im Münchner Sofbränhans, Gast( zu feinem Tischnachbar, der ihm foeben aus der Bettung fiber die nenten Kriegsfchiffe vorgefefen hat): Seh'n S', mas mir von die nenen Kriegsschiff' am besten g'fallt, dös 18 die große Waffernerdrängung."

carna. Sabe die Ehre, Frau Wirkliche Ge­helme riensrat mit dem Range 1. Klasse!" Guten Maraen, Frau charakterisierte Mator zur Disposition in Wiederverwendung!"

Ter Dottillon auf dem Renuplak.

Die Beranbuna etnes Postmagens auf offener Strake ist für deutsche Verhältnisse noch ein feltenes Gretants. n Berlin hat der erste Verfuch mit der Ergretfung der Täter geendet, und es bat fich heraus­gestellt, daß der Hauptübeltäter der Postillon war, der den Wagen gelenkt hatte. Der Plan zu der Beraubung Iteat, wie gemeldet, schon längere Zeit zurück, und der Grund zur Tat ist in der Geldverlegenheit des Bostir­Ions zu fitchen, der ein leidenschaftlicher Spieler auf Pennplähen war. Er hatte mit feinen Wetten menta Glück, verfchuldete und fann daher auf eine Sanie­rung" aroßen Sils. Wir haben hier, so urteilt dte Tal. Rosch." über dieses aukeraemähnliche Vorkomm­nts, einen neuen Beweis für das von uns schon öf­ters beflante 1mfichareifen der Spielsucht. Mit der Arbeit fann man nicht mehr vorwärt8fommen fo heißt es heute in meiten Kreifen. Es ist ja heute fo bequem gemacht das Wetten fann mit den fleinsten Mitteln durch Hilfe einer Inmasse von Agenten be= trieben merden. Mohl am häuffaften sind aerade kleine

,, Wie ich schon andeutete Herr Untersuchungsrichter, paßt sie nicht dazu. Das wollte sie auf keinen Fall über­nehmen. Und da blieb mir eben nichts wetter übrig, als es selbst zu tun."

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,, Ind Sie hatten von Anfang an die Absicht, jeden niederzustoßen, der Ihnen in den Weg fam?" Der Verbrecher blickte halb erschrocken, halb un­willig auf. Ich weiß nicht, wie man bazu-" stotterte er ängstlich. Herr von Scharffenstein warf ihm einen tronischen Blid zu. Oder gehörte der Mord vielleicht auch zu dem Unbewußten, von dem Ste vorhin fprachen?"

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Matewatt hatte seine Faffung wieder gewonnen. Ich habe überhaupt niemand getötet, Herr Unter­fuchungsrichter. Sehen Sie, das ist ja eben das Schrec­Itche, daß man denkt-"

,, Ach was!" schnauzte thn der kleine Herr schroff an. Machen Sie doch keine faulen Ausreden! Gestehen Ste doch lieber von Anfang an alles, dann ist die Sache für uns viel rascher erledigt und auch für Sie viel vortell­hafter."

Aber wenn ichs Ihnen doch sage, Herr Unter­suchungsrichter! Ich kann doch nichts weiter gestehen als die reine Wahrheit." Er sprach es in flehendem Ton, felne Stimme zitterte, und dann fing er an zu schluchzen. Ich bin ja etn Verbrecher, fa, ich habe ge­stohlen, ein Dieb bin ich und will auch die verdiente Strafe tragen, aber ich bin kein Mörder! Niemals wirde ich einen Menschen umbringen, ich schwöre es Ihnen bet allem, was mir hellig ist-"

Wer stiehlt, Iügt auch."

,, Ach nein, Herr Untersuchungsrichter, nicht immer. Ich schwöre es Ihnen beim Andenken an meine Mutter, die mtr immer Iteb und teuer war, und die ich leider viel zu frith verloren habe. O, sie war so gut zu mir, und wenn sie länger gelebt hätte, wäre ich gewiß kein schlechter Mensch geworden!"

Leute" dem Spielteufel verfallen und schließen in Met nen Wirtschaften Wetten ab. Der Postillon Wendt tſt feine Ausnahme. Er war, wie so viele Wettende, nicht mehr der Ansicht, daß alles Einkommen durch Arbeit verdient und erworben sein solle.. So wenig nun auch dieser Grundsatz in seiner ganzen Strenge durchgeführt werden kann, so sollte man doch die Gefahr nicht ver­fennen, die darin besteht, daß weite Schichten der Be­völkerung daran verzweifeln, durch Arbeit vorwärts fommen zu können. Wo dieser Glaube aber verloren geht, da sinkt die Achtung vor der Arbeit und die Ar­beitsleistung eines Volkes. Deshalb verdienen solche traurigen Zeichen der Bett die ernsteste Beachtung.

Italiens geheime Absichten.

In den letzten Tagen machte ein Interview in Rom viel Aufsehen, welches ein Redakteur eines in Genua erscheinenden Blattes mit einer hochgestellten militärischen Persönlichkeit" hatte. Der Journalist war mit diesem Herrn zufällig auf der Reise von Rom nach Genua zusammengetroffen und hatte sich ihm nicht nur als Redakteur, sondern zugleich als Verwandter eines bekannten in Tripolis stehenden oder besser eines auf dem dortigen Luftschiffe fahrenden Offizters vorgestellt. Möglicherweise hat diese Verwandtschaft dem" hoheit Militär" besonderes Vertrauen eingeflößt, so daß er, vielleicht, auf die Diskretion des Journalisten rech nend, diefem manches erzählt hat, was er unter anderen Umständen wohl verschwiegen hätte. Aber der Redak­teur war nicht diskret, und so erfahren wir aus dem Munde des hohen Militärs allerlei recht interessante Dinge. Zunächst wird uns mitgeteilt, daß der italient­fche Generalstab. speziell der der Marine, schon seit acht Jahren ganz geheim einen Kertea gegen die Türkek und eine ihr wahrscheinlich verbindete Macht" vorbe rettet, daß zu diesem Zwecke Admiral Aubry unter der Maske eines amerikanischen Touristen auf einer Jacht zu verschiedenen Malen Vergnügungsreifen nach Salo­nift, Smyrna, den Dardanellen und dem Hafen von Konstantinopel unternahm, während General Caneva als reicher Getreidehändler in langen Zwischenräumen Tripolis, Benghaft. Derna und Tobruf besuchte. Die nengebackenen hiesigen Nationalisten, meinte der hohe Militär, hätten demnach sehr unrecht, wenn sie sich als die einzigen Urheber der Eroberung von Tripolts auf­fpielten" Die jetzige militärische Attion fet langer Hand vorbereitet worden, und wenn sie gerade fetzt in Szene gefetzt wurde, so fet dies dem deutsch= französischen Konflikt wegen Marokko zuzuschreiben, well tollen nicht zwischen den um den afrikanischen Boden streitenden zwei Parteten die Rolle des Dritten fpielen wollte, der dabei den Kürzeren zieht. Der erste Aft der tettaen militärischen Arton, so erfahren wir wetter, hätte sich eigentlich nach dem Plan des Gene= ralftabs in den Dardanellen, und zwar vor Konstantinopel abinielen follen, und das set nutr nicht geschehen aus Rücksicht auf die großen finan­ziellen und kommerziellen Intereffen einer Macht", de­ren Preffe talten jetzt das ritchfichtsvolle Vorgehen mit so viel Undant lohnt. Aber aufneschoben sei nicht aufgehoben! 1nd sicher verde der Akt, mit dem das tentge militärische Drama beoinnen wollte, diefes be= schließen und der Rug nach den Dardanellen und Kons stantinopel die herrliche Krönung eines großen Unter­nehmens bilden.

Die Friedensbedingungen der Türket.

Der türkische Geschäftsträger übermittelte dem eng­Iifchen Auswärtigen Amte eine amtliche Note der tür fifchen Reaterung zur Kenntnis, in der mitgeteilt wird, daß die Türkei nur unter Aufrechterhaltung der vol= Ien Souveränität in Tripolis zu Waffen= stillstandsrerhandlungen berett ist.

Mono Chriftenmorde in Thing.

Aus der französischen Provinz Cochinchina fommen Meldungen über mehrere Europäermorde. Aus Sofoon, der Hauptstadt der Provinz, meldet der Draht darüber: In der Umgegend von unanfu wurde der Miffionar Castenet ermordet. Der lofsit des apoftolischen Vitars wurde geplündert. Acht Chriften, die sich darin aufhielten, wurden getötet.

Maßnahmen der fremden Mächte.

Da fich die Lage der Fremden in China immer unsicherer gestaltet, haben die Mächte Vorsichtsmaß­regeln getroffen. Holländische Marinemannschaften sind in Schanghai gelandet worden und befinden sich auf dem Wege nach Nanting, wo die Lage noch immer am bedrohlichsten ist. Britische Entfaßtruppen sind von Tientsin nach Hifianfu in Weftchina, wo fürzlich Frem­den- Niedermeßelungen stattgefunden haben, abaeaan­gen. Auch die deutsche Regterung hat ein Truppen­detachement in die am meisten gefährdete Gegend ent= fandt. Nach einer telegraphischen Meldung aus Berlin find 200 Mann von der Besaßung des Schutzgebietes Kiautschou nach Tientsin abgegangen. Ste bilden zu­nächst eine militärische Reserve in der Brovinz Tschilt.

Der große starke Mann meinte wie ein Kind. Dicke Tränen quollen aus seinen Augen und liefen thm über die fahlen Wangen.

Herr von Scharffenstein betrachtete thn mißtrautsch von der Seite. Spielte dieser Kerl Komödie? Nein, das schien wtrklich nicht der Fall zu sein. Das war feins von jenen verstockten, Hinterfiftigen Individuen, deren er schon zahlreiche vor sich gehabt hatte. Er schlen Ge­mlit zu haben, wie feine Tränen und sein Hinweis auf die Mutter verrieten. Aber kam es nicht häufig vor, daß selbst hartgefottene Verbrecher ein welches Gemüt besaßen? Satte es doch schon Mörder gegeben, die nicht den Mut hatten, einen ihn Itebgewordenen Hund zu töten, und sich durch diese Weichmittigkeit in die Hände der verfolgenden Bolizel geliefert hatten! Nein, dieser Mensch mußte erst noch eingehender beobachtet werden, ehe man ihm Glauben schenken konnte.

Mitten in diesem Nachdenken wurde der alte Herr durch die Meldung eines Polizisten gestört. Er nickte nur, und gleich darauf wurde eine Dame in Diakonissen­tracht hereingelaffen. Es war die schlanke, vornehme Schwester Marte.

Verzeihen Sie, wertes Fräulein," wandte sich Scharffenstein Höflich an dte zögernd Eingetretene ,,, daß tch Sie herbemüht habe. Wir bedürfen Ihrer nur we nige Minuten. Bitte, schauen Sie sich einmal diesen Mann da an! Erkennen Sie ihn wieder?"

Majemati hatte sich rasch die Tränen, deren er sich offenbar vor einer Dame schämte, abgewischt und sah mit gerunzelter Stirn zur Erde.

Die Schwester warf einen scheuen Blick nach ihm hin und schüttelte dann den Kopf. Ich entsinne mich nicht, ihn gesehen zu haben."

( Fortsetzung folgt.)