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Hamburg- Altonaer Kaisertage.

Den Abschluß der Festlichkeiten aus Anlaß des Rat­Jerbefuchs in Altona bildete am Sonnabend

die Baradetafel für das 9. Armeekorps. Beim Einzuge der Majestäten ließ die Kapelle des In­fanterieregiments Hamburg Fanfaren für altdeutsche Trompeten und Bauten ertönen. Der Statser toastete auf das 9. Armeekorps, wobei er dem fommandieren­ben General von Plettenberg seinen Glückwunsch aus Sprach fir die vorzügliche Verfassung des Korps. Die Parade set das Resultat harter, anstrengender Arbett gewesen und zeugte von Hingabe, Disziplin und Man­neszucht. Der Kaiser schloß: Daß das Korps, seinen Traditionen entsprechend, im Frieden und im Striege fich so betätigen wird, wie ich es von ihm erwarte, da­raufhin will ich mein Glas leeren." Nach der Tafel be­gaben sich die Majestäten nach dem Altonaer Rathause, von einer ungeheuren Menschenmenge mit Jubel em pfangen. Der Staiserplatz war mit buntem Feuer be leuchtet, farbig illuminierte Fontänen sprangen, die Beete waren mit leuchtenden Blumengewinden burch­zogen und sämtliche anliegenden Häuser waren über­reich illuminiert. Die Spielleute mit Sobotsten des 9. Armeeforps, denen sich die Kapelle des 1. Seebataillons angeschlossen hatte, marschterten mit Magnesiumfaceln zum großen Zapfenstreich an. Die Majestäten hörten ben Bapfenſtretch vom Balkon des Rathauses und fehr­ten dann zu der Hohenzollern zurück. Am Sonntag vor­mittag 11% Uhr war

Feldgottesdienst auf dem Heiligen Geiftfelde

darstellt. Wenn ich den Ausdrua der Begeisterung der Hamburger richtig verstanden habe, so glaube ich an­nehmen zu können, daß es ihre Absicht ist, unsere Flotte auch fürderhin zu verstärken, so daß wir sicher sein können, daß uns niemand den uns zustehenden Platz an der Sonne strettig machen werde.

Rundschau vom Tage.

Politisches.

Bom Krankenlager des Prinzregenten Luitpold. Bayrische Zeitungen melden, daß die offiziell zugege­bene leichte" Erkrankung des Brinaregenten ernste Befürchtungen erregen müsse. Die rheumatischen Schwellungen felen bereits vor Wochen aufgetreten und Inzwischen nur durch Anwendung ärztlicher Mittel zu­rückgegangen. Ihr Wiederauftreten werde von ärzt­Itcher Sette als bedenklich angesehen, weshalb man zu der bisher hartnädig abgelehnten Ausgabe eines amit­Itchen Bulletins sich gezwungen gesehen habe. überraschend gekommene Bulletin habe den Zweck, die Deffentlichkeit auf weitere Nachrichten vom Krantenla­ger des greisen Prinzregenten vorzubereiten.

in Hamburg. In der Mitte des Feldes war der Altar errichtet, der mit militärischen Emblemen geschmückt war und um den die Feldzeichen des Armeekorps auf­gestellt waren. Die Truppen hatten im Halbkreis Auf­stellung genommen, ein Teil bildete Spalter vom Liege= platz der Hohenzollern bis zum Felde. Außer der Ge­neralttät des 9. Armeekorps und den Offizieren des Standorts waren erschienen die anwesenden General­feldmarschälle, die fremden militärtfchen Gäste und das Kaiserliche Hauptquartier. Als das Kaiserpaar einge­troffen war, wurde die Feter mit dem Niederländischen Dankgebet eröffnet. Die Ansprache hielt der Militär­oberpfarrer des 9. Armeekorps Konsistorialrat Wiehe. Es folgte der Ambrosianische Lobgesang, und nach Gebet und Segen schloß die Andacht mit dem Choral: Ich bete an die Macht der Liebe. Der Kaiser nahm den Borbet­marsch der beteiligten Truppentetle in Zügen ab und tehrte dann mit der Kaiserin zur Hohenzollern zurück. Nachmittags besuchte das Kaiserpaar die Rennbahn in Großborstel, wo der Hamburger Sport- Club ein

Kaiser- Parade- Jagdrennen

Das

Kleine Nachrichten.

Die Tenerung der Lebensmittel bat den Landrat des naffauischen Kreises usingen veranlaßt, auf die Einschränkung der Vereinsfestlichkeiten hinzuweisen Die Erlaubnis zu Tanzbelustigungen soll nur beschränkt erteilt werden.

Eine 1000jährige Linde, die bei Schieming am Ufer des Chiemsees stand, ist einem Orfan zum Opefr ge fallen. Die unter dem Baume stehende Kapelle blieb wunderbarerweise unversehrt.

Neuen Steuerhinterziehungen in Bayern auf der Spur. Im Anschluß an die Bekanntgabe der Summe der von dem verstorbenen Reichsrat August von Elemm Hinterzogenen Steuerbeträge teilt die Fränkische Ta gespost" mit, daß man den Steuerhinterziehungen eines anderen sehr bekannten Reichsrats augenblicklich auf der Spur set.

Staatssekretär v. Kiderlen- Wächter hielt sich am Sonnabend auf französischem Boden, nämlich in Cha­monix am Fuße des Montblanc, auf und ist abends nach Genf abgeretst. Vor seiner Abreise hatten Ver­treter verschiedener französischer Blätter die Gelegen­heit benußt, um den Staatssekretär auszufragen über den gegenwärtigen Stand der Marottoverhandlungen. Dabei soll Herr v. Kiderlen- Wächter dem Vertreter des Excelsior" folgende Erklärung abgegeben haben:" Ich bente, daß alles arrangiert werden fann. Wir werden die Unterhandlungen auf neuer Grundlage fortsetzen. Es sind Aussichten vorhanden, die Unterhandlungen zu einem guten Ende zu führen und einen Krieg zu ver­meiden. Weder Frankreich noch Deutschland wünschen einen solchen. Wir haben nur unsere wirtschaftlichen Intereffen in Marokko im Auge und wünschen keine Gebietserwerbung. Wenn Frankreich das Abkommen von Algeciras mehr beachtet hätte, so wäre alles vor­züglich verlaufen." Auch dem Vertreter des Echo de Paris" erklärte Herr v. Kiderlen- Wächter angeblich, daß er gute Hoffnung habe, die Unterhandlungen zu einem guten Ende zu führen und versicherte ihm, daß die biplomatischen Verhandlungen eine friedliche Lösung er­warten Iteßen.

angesetzt hatte, für welches der Kaiser einen Ehrenpreis, bestehend aus einer Garnitur von Manövergebrauchs­gegenständen für einen Offizter, gestiftet hatte. Bet dem sehr schönen Wetter war die Rennbahn übervoll besucht. Um 3 Uhr nach dem zweiten Rennen erschienen der Kaiser und die Kaiserin und Prinzessin Viktoria Luise im Automobil, von stürmischen Hochrufen begrüßt. Gegen 4 Uhr fehrten der Kaiser und die Kaiserin wieder nach der Hohenzollern zurück. Abends begaben sich die Majestäten im Automobil nach Hamburg, um der Ein­ladung des Hamburger Senats zu einem Festmahl im Rathause zu folgen. Bet dem Festmahl brachte der Präsident des Senats Bürgermeister Dr. Predöhl einen Trintspruch auf die Majestäten aus, worauf der Katser mit einem Toast auf Hamburg erwiderte. Nach der Tafel trug der Hamburger Lehrergesangverein einige Pteder vor.

Eine Kaiserrede in Hamburg.

Schredliche Folgen eines Scherzes. In dem kobur­gischen Dorfe Stoppach legte der Steinbruchbefizer Get­ger im Scherz auf eine Schar Kinder an. Das Gewehr entlud fich. Das einjährige Kind eines Arbeiters wurde sofort getötet und ein anderes Kind schwer verlegt. Get ger erschoß sich nach der Tat mit seinem eigenen Gewehr. Opfer der Volkswnt. In Paris versuchte eine wit tende Boltsmenge zwei Männer zu lynchen, die verdäch tig sind, einen achtjährigen Knaben ertränkt zu haben. Der eine war der Bater des Kindes, der andere fein Better. Den Gerichtspersonen und der Polizei wurde dabei übel mitgespielt.

Zwischenfall in einer alldeutschen Versammlung. In einer Versammlung des Aldeutschen Verbandes in Worms, in der ein Redner über das Thema Marokko eine deutsche Macht- und Ehrenfrage," sprach, erklärte der Vorsitzende, Deutschland habe 1866 etne starte Re­gterung, aber ein schwaches Bolt gehabt, tett fet es um­gekehrt. Wir hätten ein starkes Bolt, aber eine schwache Regierung. Bet diesen Worten erhoben sich sämtliche anwesenden Offiziere, der Oberft des 118. Infanterie­regiments an der Spizze, und verließen den Saal.

Auf dem Sonntag abend zu Ehren des Kaisers ge= sebenen Festmahl des Hamburger Senats führte der Raiser u. a.aus: Hat die Stadt Hamburg am vergange­nen Tage mit Begeisterung einen Teil des Heeres be­grüßt, der nun schon lange hat den Frieden erhalten helfen, so hat sie recht daran getan, denn sie weiß, daß unter des Friedens Schirm sie ihrer Arbeit nachgehen kann. Für eine Nation ist es so notwendig, wie für den menschlichen Körper zu atmen, um zu leben. Wir dürfen uns nicht darüber wundern, daß das Au f= streben des Handels in unserem jung geeinten Vaterlande manchem in der Welt unbequemlich= fetten macht. Ich meine jedoch, die Konkurrenz ist auch auf kommerziellem Gebiete gesund, sie ist für Staa­ten und Völker notwendig, um anzuspornen und zu neuen Leistungen anzuregen. Die Konkurrenz der Nationen unter sich, vermag im Frieden ausgedehnt zu werden. Der Schutz für Handel und Seefahrt tst durch das deutsche Volk in den letzten Jahrzehnten ge­schaffen worden, in der mächtig sich entwickelnden und allerwärts durch ihre Manneszucht und Disziplin sich auszeichnenden deutschen Kriegsmarine. Ste ist es, welche den Willen des deutschen Volkes zur Seegeltung

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Wefferwolken.

Roman von M. v. But ch.

( Nachdruck verboten.)

Ein furchtbarer Brand hat die Kleinasiatische Stadt Aidin verheert. 1500 Häufer, 250 Kaufläden, zwei Mo scheen, drei israelitische Tempel und zwet Schulen find ein Raub der Flammen geworden Auch mehrere Menschen sind bei dem Brande ums Leben gekommen.

Die Marokkofrage vor der Lösung. Die gesamte Wiener politische Presse bespricht in längeren Artikeln den gegenwärtigen Stand der Marokkofrage. Einstim mig wird der Ansicht Ausdruck gegeben, daß, wenn auch noch immer Differenzen zu beseitigen sind, doch konsta Hert werden könne, daß Angebot und Forderung nicht mehr weit auseinandergingen und daß, wenn keinerlet neue Zwischenfälle cintreten, die Marokkofrage vor einer friedlichen Lösung stehe.

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Katastrophe in einem amerikanischen Kinematos graphentheater. In Cannonsburg( Pennsylvania) er­eignete fich während einer Vorstellung finematographi scher Bilder eine Explosion. Die Menge feilte fich auf der zur Straße führenden Treppe fest, viele Personen wurden niedergetreten, andere erstickten im Gedränge. Die Zahl der Toten beträgt 25, außerdem kamen zahl reiche Verletzungen vor.

Unseres Ansehens willen. Der Leiter der Saale­Bettung berichtet in seinem Blatte über ein Interview, das ihm kürzlich ein inaktiver Staatsmann( in dem un­schwer Graf Posadowsky aut erraten ist) gewährt hat. Die Schlußfäße dieses Berichts sind von großem allge­meinen Interesse. Der Ausfrager fragte am Schlusse der Unterhaltung: Sollen wir Maroffo wegen- Krieg führen? Der Gefragte zögerte einen Augenblick mit der Antwort; dann antwortete er ruhig und fest: Marokkos wegen nicht, aber um unseres Ansehens und unserer Zukunft willen vielleicht doch!"

Die erlauchte Erzellenz sah vor sich hin. " Und ich glaube doch, daß er sie liebt," meinte er. Wenn man nur witßte, wie man thn an sie fesseln könnte. Denn ist er gefesselt, schweigt er, und muß er schweigen. Der Preuße hat eine so feine Nase," fuhr er fort. Hin und wieder hat doch wohl auch einer der Sekretäre von den Aften, die in dem Geheimarchiv Ite= gen, Wind bekommen. Das ists, was mich ein wenig beunruhigt."

Aus den Gerichtssälen.

Aus Sehnsucht nach dem tranfen Bater zum Diebe geworden. Mit einer fragischen Diebesaffäre hatte sich Bas Kriegsgericht der 1. Garde- Division in Berlin zu beschäftigen. Der Füsilter Offenkopf von der 9. Kom­pante des 4. Garde- Regiments hatte die Nachricht er halten, daß sein Vater bedenklich erkrankt set. Er wollte ihn nun gern besuchen, doch fehlten ihm die Mittel zur Reise. Da sah er eines Nachmittags, wie das Spind eines Kameraden offen stand. Er stahl daraus 20 Mt. Obwohl der Diebstahl bald darauf bemerkt wurde, ver ließ der Angeklagte die Kaferne und fuhr heim. Nach dret Tagen traf er wieder ein und händigte dem Kame raden den Rest des Geldes aus. Die Anzeige war aber inzwischen bereits erstattet, und so hatte sich D. wegen Diebstahls und wegen unerlaubter Enfernung vor dem Kriegsgericht zu verantworten. Mit Rücksicht auf die Begleitumstände erkannte das Gericht nur auf 25 Tage Mittelarrest. Von der Verhängung der Ehrenstrafe der Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes wurde Abstand genommen.

Ein Strafverfahren gegen Liebknecht. Auf Grund der von der Staatsanwaltschaft eingeforderten Aus­fagen von Versammlungsteilnehmern an der letzten fozialdemokratischen Versammlung in Karlsruhe, in der der Abgeordnete Liebknecht eine die höchsten Retchs­stellen scharf angreifende und die Passivität des Volkes in einem etwaigen Kriege fordernde Marokkorede hielt, ist nunmehr gegen den Abgeordneten Liebknecht etn Strafverfahren eingeleitet worden. Voraussichtlich gehen dte Aften der Untersuchung an das Reichsgericht.

Gastro wieder in Venezuela? Ein Brüsseler Blatt erhält von dem früheren venezolanischen Generalkonsul in Belgien, der Beziehungen zu Gastro unterhält, die Nachricht, daß Castro auf der Halbinsel Goajira ge­landet fet und daß er die Festung St. Christobal nahe der columbtschen Grenze ohne Widerstand eingenommen habe. Castro rücke nunmehr auf die venezolanische Hauptstadt Caracas vor.

Mein Freund, ich rate Ihnen gut, halten Sie sich die Nervosität vom Leibe," rief die Gräfin. Sowie Sie nervös sind, ist Ihre Herrschaft zu Ende," und sich in einen Sessel werfend und mit einem Spizenfächer Keith lung zuwehend, fuhr sie fort: Nehmen Sie sich ein Bet­spiel an mir. Niemand hat es mir angesehen oder an gemerkt, was für einen unangenehmen Auftritt ich vor her im Garten mit dem Sekretär Menzel hatte. Un­glücklicherweise hat die kleine Gartenpforte von der Fischergasse her offen gestanden," schaltete sie ein. Doch sprechen wir nicht mehr davon. Ich habe genug von dieser rithrseltgen Familienkomödie."

Garten zu einem ungezwungenen Tete- a- tete verhelfen müssen, und die Sache hätte sich am Ende doch arran­giert. Ich gebe Ihnen den Rat, sich Stesen preußischen Baron als Schwiegersohn einzufangen, meine Liebe, es lohnt sich wahrlich der Mühe."

" Apropos!" rief Brühl, Sr. Majestät bat die Aal­pastete vortrefflich gemundet, und als ich ihm sagte, daß mir mein österreichischer Lakat nicht nur dieses, sondern auch noch andere Rezepte aus der kaiserlichen Hoffütche in Wien geliefert, schien er nicht übel Lust zu habent, den Burschen in seinen Dienst zu nehmen. Ich habe bies natürlich ganz dem Ermessen Seiner Majestät an­heimgestellt. Doch, um noch einmal auf die Affäre mit Malzahn zurückzukommen, meine Liebe, so darf ich Ihnen einen kleinen Vorwurf nicht ersparen. Sie hät­ten Ihre Tochter zwingen milssen, zur heutigen Tafel zu erscheinen. Donn hätte man den tunaen Leuten im

Die Gräfin seufzte.

Vermischtes.

Ein peinliches Versehen passierte am Donnerstag, wie aus Bernburg gemeldet wird, in einem Bernburger Krankenhause. Als die Angehörigen eines verstorbenen Obereisenbahnassistenten in der Leichenhalle versammelt waren, und sich den Sarg noch einmal öffnen ließen, be­merkten sie zu ihrem Schrecken, daß der im Sarg befind liche Leichnam nicht der ihres Angehörigen war. Er war von einem Krantenwärter versehentlich mit einer nach Magdeburg zu überführenden Leiche verwechselt worden. Nach telegraphischer Reklamation wurde die Leiche des Eisenbahnassistenten in einem Automobil nach Bernburg zurückgebracht und dann beerdigt.

,, Beate hat mir immer Sorge gemacht. Als Kind war sie beständig leidend, und jetzt als junges Mädchen besitzt sie keine Spur von Koketterie. Sie hat wenig Erfolge im Ballfaal, und ehrgeizig ist sie auch nicht."

Um so notwendiger ist es, daß Ste für das Kind sorgen," meinte der Graf, sich von seiner Gemahlin ver­abschiedend und ihr die Fingerspitzen füffend. Aut revoir. Sehen Sie sich jetzt nach Ihrer Tochter um."

Drama in einem Ostseebade. In dem fleinen etwa 3 Meilen von Kolberg entfernten Ostseebade Deep hat sich Freitag frith beim Baden ein entsetzliches Unglüd zugetragen, dem die in Berlin wohnende Witwe des Oberpfarrers Herold, thr erwachsener Sohn und ihre Tochter zum Opfer gefallen find. Von der Familie blieb nur ein 12jähriger Knabe übrig. Frau Herold be­suchte in Begleitung ihrer etwa 20 Jahre alten Tochter das Damenbad, während der Sohn gleichzeitig nach dem Herrenbade ging. Plötzlich hörte der Sohn Hilferufe seiner Mutter und schwamm unverzüglich in das Da­menbad hinüber. Er kam gerade in dem Augenblick an, als feine Mutter in den Wellen verschwand, und tauchte sofort, um sie zu retten. Ohne Zweifel hat in der Tiefe ein erbitterter Kampf zwischen belden stattgefun­den, der damit endete, daß beide untergingen und nicht wieder an die Oberfläche famen. Während dieses Vor­ganges befand sich die Tochter halb angekleidet in der Badekabine. Mit einem lauten Aufschret stitrate fie sich ins Wasser, um ihrer Mutter zur Hilfe zu eilen,

Durch den stillen Park, der vorhin den Auftritt ge seben, der die Gräfin in höchst unangenehmer Weise echauffiert, wandelte jetzt ein junges Paar.

Franz Glasau und Annchen Menzel.

Der Mond leuchtete, die Augen der beiden Men­schenkinder glänzten.

Annchen hatte sich in den Arm des jungen Mannes geschmiegt, der sie mit heißen Lippen füßte. Sie aber attterte am ganzen Körper. Ihr Atem fam und ging heftig.

" Franz," flüsterte sie mit angstvoller Stimme, " Franz, was soll werden?"

Da lachte er frivol auf.

ist nicht mein Fall. Schau, ich habe gesehen, wie die großen Herrn es treiben. Sie sind nicht flüger, nicht besser als ich. Was sie können, kann ich am Ende auch. Was gehört dazu? Geld, nichts als Geld! Und darum will ich es erwerben, das ist mein ganzes Bestreben. Wenn ich reich bin, tue ich es den Vornehmen nach." " Bist Du ehrgeizig?" fragte sie erschreckt. Er pfiff durch die Zähne.

Kind, wie soll ich das wissen? Ich liebe Dich, was weiter? In Wien gab es genug Mädchen, die mich ins Ehejoch spannen wollten. Ihnen bin ich noch glütd­lich entschlüpft. Nun fängst Du das Spiel von neuem an. Närrchen, Du! So haben wir doch nicht gewettet." " Franz", schluchate fie, mein Vater, ich bin sein einziges Kind. Wenn Du ihm alles gestehst... er hat ein bißchen gespart

Schon gut," machte er, sie streichelnd, Deinen Ba­ier in Ehren, aber ein armer Schlucker ist er doch. Das

Ein bissel ehrgeizig müssen wir halt alle sein." " Und wenn Du daran zugrunde gehst?" Er zuckte die Achseln.

" Bugrundegehen oder vorwärtskommen, ein Drit tes gibt es für mich nicht."

3. Kapitel.

Beate von Brühl stand in threm Zimmer und schaute über die blauschimmernde Elbe, über die es wie Abendduft schwebte. Und je mehr der Duft wuchs und fich au feinen grauen Schleiergespinsten verdichtete, je größer, je shensüchtiger wurden die Augen des jungen Mädchens.

Die Komtesse war eine anmutige Erscheinung, groß und schlank gewachsen, dunkelhaarig und dunkeläugig, dazu ein Gefichtchen, das mit seinen zarten weißen und roten Farben an eine Apfelblüte erinnerte. Vielleicht waren die Farben so zart, weil das Blut, das die Wan­gen malte, gar zu schnell zum Herzen strömte und drängte. Und dann war noch eins, was Erwähnung verdient, glücklich sah die junge Komtesse nicht aus.

Plötzlich pochte es an die Tür, und dann öffnete sich diese, und ein schwacher Lichtschein fiel in das dunkle Zimmer. Gleich darauf wurde der Leuchter, der auf dem Tische stand, entzündet. Beate drehte sich herum. Bist Du es, Martha?" fragte sie. Nein, Martha war es nicht, die Lichtbringerin war Annchen, die Jungfer ihrer Mutter.

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