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Belgten eine Stiftung überwiesen habe, deren jährliche Re­venten 11 500 Dollars betragen, die Hilfeletstenden oder deren Erben zugute kommen sollen.

Drahtlose Telegraphie im Warenhaus. Einen regel­rechten Dierst für Telegraphie ohne Draht haben die Waren­häuser von John Wannamaker in Philadelphia und Neu­york eingerichtet, der ihren Stunden gratis zur Verfügung fteht.

Generalstreik in Uruguay. In Montevideo ist der Ge­neralstreif erklärt worden. 38 Handwerkerverbände haben fich den Ausständigen angeschloffen. Die Straßen sind ohne Verkehr. Es ist bereits zu Ruheſtörungen gekommen. Große Unterschlagungen eines Stadtkämmerers. Die Unterschlagungen des vor einigen Tagen verhafteten Stadt­taffterers Klever in Mülheim a. d. Ruhr sind bedeutend höher, als anfangs angenommen wurde. Sie belaufen sich auf über 200 000 Mart; fie begannen schon vor fünf Jah­ren. Die letzte Unterschlagung von 45 000 Mart beging der Verhaftete am 19. April.

Bei einer Explosion von Sprengstoffen in Schlebusch bet Göln wurde gestern ein mehrere Zentner schwerer Kesseldeckel durch das Dach geschleudert. Er richtete große Verwüstungen an. Glüdlicherweise war in dem Raum, in dem die Explosion stattfand, niemand beschäftigt, so daß kein Menschenleben zu beklagen ist.

Beim Reinigen eines Gewehrs getötet. In der Rheint­schen Metallwaren- und Maschinenfabrik in Düsseldorf war der Anschußmeister Jakob Kreutz mit dem Reinigen et­nes neuen Militärgewehrs beschäftigt. Dabet entlud fich das Gewehr. Kreutz sant tot zu Boden.

Einem schweren Brandunglück ist die 25jährige Ehe­frau des Kaufmanns Buchheister in der Husitenstraße in Berlin zum Opfer gefallen. Als sie abends im Dunkeln ein Streichholz anzündete, fingen ihre Kleider Fener und sie wurde so schwer verletzt, daß sie von der Feuerwehr nach dem Krante Laus überführt wurde, wo sie bald darauf starb.

Blutige Meuterci fibirischer Gefangener. Neunzehn Gefangene, die zu Bauten für die Amurbahn bestimmt waren, haben am 19. Mat im Bahnzug die Wachtsoldaten überfallen und einen Fluchtversuch unternommen. Vier von den Gefangenen wurden getötet im Wagen aufgefun­den. Sechs wurden bei der Verfolgung getötet und acht schwer verwundet. Von den neun sie begleitenden Sol­daten sind acht tödlich verwundet worden.

Die eigene Schwester ermordet. In Angers in Frank­reich hat ein wohlhabender Mann Eugene Lhermitte seine Junge Schwester Amalie Lhermitte, eine begabte Malerin, durch Arthiebe und Dolchstiche ermordet. Man glaubt, daß er die Tat im Wahnsinn begangen hat.

Ein furchtbares Drama zwischen zwei Eisenbahnange= stellten hat sich gestern in Cosenza in Süditalien abgespielt. Der Oberinspektor der Staatsbahn, Ingenieur Ginuta hatte den Bauinspektor und Ingenieur Tanconi strafver­setzen lassen. Darauf suchte Tanconi seinen Chef im Amts­zimmer auf, tötete ihn durch mehrere Schüsse, stürzte sich dann aus dem Fenster und blieb mit zerschmetterten Glie­dern liegen. Die Frau des ermordeten Oberinspektors wurde, als sie von dem Vorgang erfuhr, vor Verzweiflung wahnsinnig.

Volkswirtschaftliches.

Die Großmächte der Welt. Eine in Paris dieser Tage veröffentlichte Statistik stellte interessante vergleichende Be­trachtungen an über das Anwachsen der Bevölkerung der Großmächte von 1851-1909. Es hatten Rußland in den Jahren 1851 69 min., 1909 140 Mill.; Frankreich 35 Mill., 39 Mill.; Deutschland 35 Mill., 65 Mill., Desterreich- Ungarn 30 Mill., 50 Mill.; England 27 Mill., 44 Mill.; Italien 24 Mill., 34 Mill.; Nordamerika 28 Mill., 90 Mill.; Japan 20 Mill., 49 Mill. Nach diesen runden Ziffern, bei denen man in Betracht ziehen muß, daß Deutschland, Italien und Desterreich seit 1851 th Territorialgebiet geändert haben, geht hervor, daß mit Ausnahme von Frankreich alle Stan­ten einen ungeheueren Bevölkerungszuwachs zu verzeich­nen haben. Frankreich allein muß sich mit wenigen Pro­zenten begnügen, die anderen Staaten haben teilweise bis zu 70 Prozent Nordamerika und Rußland sogar noch be= deutender zugenommen.

Aus den Gerichtssälen.

Ein großartiger Erbschaftsschwindel brachte den Fab­rifarbeiter Otto Besenius und seine Ehefrau aus Pletten­berg vor die Hagene Straffammer. Es ging dem Ehe­paare, da der Mann Monate hindurch krank gewesen war, Herzlich schlecht. Völlig mittellos wanderten sie nach Lü­denscheid, um dort Arbeit zu suchen. Zwar sanden sie beide solche, doch wurde der Mann seines Lebens nicht froh. Um ihn aufzufraßen", kam die Frau auf den Gedanken, ihm eine große Erbschaft vorzuschwindeln. Wenn einmal, bann ordentlich," dachte die Frau und überraschte eines Ta= ges ihren Mann mit der frohen Botschaft, daß sie in aller Kürze von einer reichen Erbtante eine halbe Million Mark zu erwarten habe. Natürlich war nun eitel Freude im Hause Besenius. Der Mann war fein ungläubiger Tho­mas, was daraus hervorgeht, daß er sich seinen Anspruch auf eine Unfallrente mit 300 Mark ablösen ließ. In Er­wartung der reichen Erbschaft, die übrigens nach und nach auf 1800 000 Mark anwuchs, hing Besenius die Arbeit an den Nagel und führte auf Pump ein Leben herrlich und in Freuden. Zwei gefälschte amtliche Briefe mußten da= zu beitragen daß die Leute auf deren Kosten das Ehe­paar vergnügt lebte dem Schwindel Glauben schenkten. Endlich aber kam der Schwindel an den Tag und die Mini­onentante entpuppte sich als ein armes Dienstmädchen in Berlin. Besenius erhielt wegen schwerer Urkundenfäl= schung und Betrugs 3 Monate Gefängnis zudiftiert, wäh­rend seine Frau wegen fortgesetzten Betrugs 1 Jahr hinter Kerfermauern zubringen soll.

Empfindliche Strafe für Baumfrevel. Fünf Taglöhner hatten sich vor der Frankenthaler Straffammer wegen der Beschädigung von Obstbäumen zu verantworten. Ste hat­ten in einer benachbarten Ortschaft ziemlich ergiebig gezecht und dann von der an der Straße stehenden Bäumchen mit Zaunlatten, die sie von einem Gartenzaun genommen, die Aeste heruntergeschlagen und 21 Bäumchen abgeschnitten. Der Schaden wurde auf etwa 300 Mart berechnet. Das Gericht erkannte auf Gefängnisstrafen von 10 Monaten bis zu 1 Jahr 3 Monaten.

Vermischtes.

Nachklänge von den Cölner Kaisertagen Der Kaiser zeigte sich bei seinem Besuch in Cöln von überraschend guter Laune. Auf seine Anordnung erfolgte die Rund­fahrt im Automobil in sehr langsamem Tempo. Wieder­holt ermahnte der Kaiser den Chauffeur: Langsam, lang= fam fahren!" Auf der Hohenzollernbrücke wurde der Kai­ser durch den Cölner Männergesangverein begrüßt. Det Kaiser meinte scherzend zu den Sängern:" Ihre Stim­men haben sich wundervoll frisch erhalten, wie ich höre. Wir danken Ihnen. Sie haben prächtig gesungen. Ich habe mich gefreut, Sie wieder einmal zu hören." Später sagte der Kaiser zu dem Dirigenten: Der Wein ist doch ein wundervolles Schmiermittel für die Kehle. Bleiben Sie dabei." Nach dem Festmahle im Gürzenich nahm der Kaiser die Huldigung der Handwerker entgegen. Dabei fagte er zu dem Vorsitzenden der Handwerkskammer, einem Schuhmachermeister: Sie sind die Herren vom Leder."

Auf die Vorstellung des Obermeisters der Uhrmacherin­nung meinte er scherzend: Den Glücklichen schlägt keine Stunde." Durch die Pracht der Illumination war der Kai­ser sichtlich überrascht und äußerte zu seiner Umgebung: ,, Die Cölner verstehen, Nachtfeste auf dem Rhein zu feiern."

Entschädigung für die Opfer des Essener Meineids­prozesses. Dem aus dem Meineidsprozeß Schröder und Genossen bekannten Hauptangeklagten Berginvaliden Lud­wig Schröder ist von Staats wegen eine Entschädigung von 5250 Mark bewilligt worden als Ersatz für den Vermögens­schaden, der ihm durch die unschuldig erlittene Unter­suchungshaft und die an ihm vollstreckte Zuchthausstrafe entstanden ist. Für die Untersuchungshaft werden 510 M, für die Strafe 4740 M gewährt. Der Bergmann Fried­rich Thiel, der im Schröderprozeß wegen fahrlässiger Ver­letzung der Eidespflicht zu sechs Monaten Gefängnis ver­urteilt worden war, erhielt eine Entschädigung von 1000 Mark. Die Entschädigung für die übrigen Verurteilten, die bekanntlich im Wiederaufnahmeverfahren zu Anfang dieses Jahres sämtlich freigesprochen wurden, ist noch nicht geregelt. Der Bureaubeamte Johann Meyer, der in dauerndes Siechtum verfallen ist, beansprucht eine Entschä= digung von 50 000 Mart.

Die Leichenfeier für den französischen Kriegs­minister Berteaux wird sich zu einer großartigen Ehrung des so jäh Verstorbenen gestalten. Die ganze Pariser Gar­nison nimmt an ihr teil, außerdem werden mehrere Pro­vinzregimenter herangezogen. Fallieres, Loubet und alle Minister, die Botschafter und Gesandten werden ihr bei­wohnen. Sie wird keinerlei firchlichen Charakter tragen. Der Ministerpräsident Monis hat die Nacht zum Dienstag gut verbracht. Morgens murde ihm vom Tode des Kriegs­ministers Mitteilung gemacht. Monis rief mehrere Male unter Tränen aus: Mein armer Freund! und widmete dem Dahingeschiedenen marme Worte des Lobes.

Wüste Szenen auf einem französischen Flugplaze. Die Disziplinlosigkeit des französischen Publikums, die am Sonntag den schweren Unfall auf dem Flugfelde von Issy­les- Moulineaur verschuldete, ist gestern auf dem Flugfelde von Angoulême in wüste Ausschreitungen ausgeartet. Die Menge riß die Zäune aus und machte sich daran, das ganze Feld zu zerstören. Die kleinen roten Wimpel, die überall ausgestedt waren, wurden heruntergerissen und es bildete sich eine Menschenmenge, die mit den kleinen roten Fahnen unter Absingung der Internationale um das Feld zog. Schließlich wurden an einigen Stellen Fahnen in Brand gesteckt. Die Verwaltung konnte mit vieler Mühe die Menge nur durch das Versprechen beruhigen, daß der Ein­tritt zum Start der Flieger unentgeltlich sein sollte.

Im Rausch. Ein betrunkener Fuhrmann fuhr in Straßburg mit seinem Wagen in eine Gruppe spielender Kinder. Drei der Kinder murden niedergeworfen und ka­men unter das Fuhrwerk. Während zwei Kinder im Alter von drei und sieben Jahren tödliche Verlegungen erlitten, lonnte das dritte noch im lekten Augenblicke von einer geistesgegenwärtigen Frau unter den Rädern hervorge= zogen werden. Der Kutscher, der sofort verhaftet wurde, fonnte von den Polizisten nur mit Mühe vor der wüten­den Volksmenge geschütt merden. die ihn Innchen wollten.

Bewunderswerte Erfolge eines Polizeidiensthundes. Auf dem Dominium Maschnitz bei Trebnik in Schlesten waren in letzter Zeit wiederholt schwere Einbrüche in den Schüttboden verübt worden, bei denen erhebliche Mengen von Futtermehl usw. gestohlen wurden Nach Verübung des letzten Einbruchs wurde vom Gutsinspektor der Polizei­hund ,, Luchs v. d. Eiche," ein deutscher Schäferhund, vom Polizeipräsidium in Breslau erbeten. Der Hund erhielt an der nach dem Schüttboden führenden Leiter, die von den Dieben benutzt worden war, Witterung und führte als­bald in ein hinter dem Dominium liegendes Haus, aus dem er nach kurzem Suchen zurückkam, ohne verwiesen oder verbellt zu haben. Er führte vielmehr auf der Spur weiter. In diesem Augenblick fuhr ein Wagen vorüber. Sofort brachte Luchs den Kopf hoch, holte anscheinend Wind vom Wagen her, sprang auf den auf dem Wagen sitzenden Kutscher zu und verbellte ihn. Der Kutscher wurde zunächst grob, gestand aber schließlich, als Luchs nicht abging, einer der Einbrecher zu sein. Er wollte aber nichts gestohlen haben. Luchs wurde nun nochmals auf die Spur gesetzt und führte nach der entgegengesezten Seite über ein ausgedehntes Feld, um vor einer Feldscheune Halt zu ma= chen. Dann stürzte er sich in das dort lagernde Stroh hinein, grub und wühlte, so daß nur noch ein wenig von ihm zu sehen war, und deckte schließlich das gesamte ge­raubte Gut auf. Da aller Wahrscheinlichkeit nach noch ein Helfershelfer beteiligt gewesen sein mußte, wurde Luchs zum dritten Male angesetzt. Er führte diesmal sofort in einen Pferdestall, in dem fünf Personen standen, beachtete aber feinen von diesen, sondern stellte und verbellte einen Kutscher, der im Hintergrunde ein Pferd abschirrte. Nach furzem Leugnen gestand auch dieser Mann, am Diebstahle beteiligt gewesen zu sein. Obwohl dauernd eine größere Anzahl Personen den Dominialhof überquert hatten, hielt Luchs die Spur ununterbrochen fest. Dabei waren seit der Entdeckung des Einbruchs gegen 20 Stunden verflossen.

Ein allzu realistischer Traum. Aus Kanada wird der Frff. 3tg. geschrieben: Als am vergangenen Mittwoch der von Vancouver nach Montreal fahrende Expreßzug der fa­nadischen Pazifitbahn nachts die Station Regina verließ, waren die daselbst anwesenden Personen nicht schlecht über­rascht, als ein Fenster des Schlafwagens in tausend Stücke ging und durch das Fenster ein Mann im tiefsten Negligee auf den Bahnsteig hinabstürzte, wo er blutend liegen blieb. Während der Zug weiterfuhr, brachte man den Verwunde ten schleunigst nach dem Hospital und ließ ihm dort die sehr notwendige ärztliche Pflege angedeihen. Es stellte sich dann bald heraus, daß der Verwundete, ein Herr Lincoln aus Calgary, welcher Verwandte in der Provinz Quebec be suchen wollte, so deutlich geträumt hatte, der Schlafwagen stehe in hellen Flammen, daß er in seiner Angst das Fen­ster zerschlug und sich durch Herausspringen aus dem be­reits fahrenden Zuge vor dem vermeintlichen Verbrennen bei lebendigem Leibe zu retten suchte. Herr Lincoln wird längere Zeit im Hospital bleiben müssen, und bis seine im Traum erhaltene Wunden geheilt sind, werden wohl auch die Kleidungsstücke des Träumers, welche inzwischen nach Osten weitergefahren sind, wieder in Regina einge­troffen sein. Die Bahngesellschaft beabsichtigt nicht, den so schwer förperlich bestraften Herrn Lincoln für den zuge­fügten Materialschaden verantwortlich zu machen!

Ueber ein Attentat auf einen französischen General wird aus Paris gemeldet: Jn Constantine in Algerien hat ein aus der Armee entlassener Remontenunteroffizier Her­vel ein Revolverattentat auf den dortigen komandieren­den General Mercier Milon verübt. Als der General in Begleitung eines Ordonnanzsoldaten am Pulverturm vor­beiritt, stellte sich ihm Hervel entgegen und bat ihn, ihm

ein Reisezertifikat zu bewilligen. Der General lehnte dies mit dem Bemerken ab, Hervel gehöre nicht mehr der Ar­mee an und könne daher auf ein solches Zertifikat keinen Anspruch machen. Dann bleibt mir nichts übrig, als Dich zu töten!" erwiderte der Unteroffizier, zog einen Re­volver und schoß auf den General; dieser machte jedoch eine rasche Wendung mit seinem Pferde, so daß der Schuß fehl ging.

" Echt amerikanisch." Aus Neuvork wird der Frfft. 3tg." geschrieben: Gewöhnlich sind die Histörchen, welche man mit der Spitzmarke Echt amerikanisch" in europäischen Blät tern findet, Phantasieprodukte; nachstehender Bericht hat aber den allerdings sehr zweifelhaften Vorzug, buch stäblich wahr zu sein: Eine Frau W. H. Wall aus Atlanta ( Georgia), die eine Dame der Gesellschaft" sein soll, unters nahm eine Reise nach Cincinnati. Dort wurde sie von solcher Sehnsucht nach ihrem-Papagei erfaßt, daß sie sich durch Fernsprecher mit ihrer, tausend Kilometer fernen Wohnung verbinden ließ, um mit Polly" trauten Zwie­gesprächs pflegen zu können. Der Vogel benahm sich se intelligent und führte eine so fesselnde Konversation, daß das Gespräch sich ausdehnte, bis Frau Wall dreißig Dollars an die Telephongesellschaft entrichten mußte. Eine bessere Anlage für 125 Mark in bar wird man sich schwerlich denken fönnen als diese Unterhaltung mit dem Papagei.

Mild und zuverlässig. Die Münchener Jugend" bringt folgenden Scherz: In einem ostpreußischen Grenadierregt­ment gibt ein Leutnant Unterricht und fragt den Grena­dier Grigoleit: Grenadier Grigoleit, was machen Sie, wenn Sie auf dem Schlachtfeld einen schwer, sehr schwer verwundeten feindlichen Soldaten gefangen nehmen?" Grenadier Grigoleit antwortet nach furzem Besinnen: Da trät ich ihm doot, Herr Leitnant!"" Nein," erwidert der Leutnant, das ist ganz falsch, das tut ein braver Soldat nicht; war machen Sie, Grenadier Schneidereit?" Grena dier Schneidereit denkt, er will nicht so grob sein, und meint:" Ich tweel'( quäle) ihm erst noch e bißchen!"" Nein," erwidert wieder der Leutnant, das ist auch ganz falsch- was machst Du, Karzmarek, Pollacs?"" Ich rüff dem Herrn Oberstabsarzt!"" Richtig, und dann?"" Dann tritt der Tod von sälbst an ihm heran!"

Todessturz eines deutschen Fliegers.

Bei den Straßburger Schauflügen anläßlich des am Sonntag in Baden- Baden begonnenen Zuverlässigkeits­fluges am Oberrhein hat sich ein tödlicher Unfall ereignet. Der Flieger Laemmlin stürzte mit seinem Apparat ab und blieb sofort tot. Ueber den tragischen Unfall wird aus Straßburg ausführlich gemeldet:

Die Schauflüge am Dienstag begannen um 6 Uhr früh mit der Bewerbuns um den Eröffnungspreis. Den ersten Preis errana Hirth, den zweiten Jeannin, den dritten Brunhuber. Bet der zweiten Preisbewerbung für den fürzesten Anlauf, für welche auch ein Rundflug von min­destens einer Runde vorgeschrieben war, stürzte Laemmlin plötzlich aus 60 Meter Höhe herab. Laemmlin wurde gea tötet, das Flugzeng zertrümmert. Das Publikum verhielt fich musterhaft. Die Leiche Laemmlins wurde nach der Stadt gebracht. Die Schauflüge wurden sofort eingestellt. Von berufener Sette wird zu dem Todessturz des Flies gers Laemmlin mitgeteilt: Beim Ausweichen vor dem über ihm fliegenden Hirth versagte die Steuerung Laemmlins und brehte nach Westen ab, so daß er mit einem Flügel in einer Pappel hängen blieb. Der Flieger stürzte mit dem tm Geäst start beschädigten Flugzeuge zu Boden und wurde mit einem Schädelbruch sowie mehreren Bein- und Rippenbrüchen tot unter dem Apparat hervorgezogen.

Straßburg. 24. Mat. Prinz Heinrich von Preußen hat der Witwe des verunglückten Fliegers Laemmlin ein in herzlichen Worten gehaltenes Beileiostelegramm zus gehen lassen.

Drabtnachrichten und neuestes.

Selbstmord einer ungetrenen Beamtin. Berlin, 24. Mai. Die Fahrkartenverkäuferin Mi­chaelis, die, wie gemeldet, auf dem hiesigen Görlizer Bahn­hof Beruntreuungen begangen hatte, hat sich in einem Hotel in Thale im Harz vergiftet

Ueberschwemmung im Odergebiet.

Breslau, 24. Mai. Nachdem die Oder bei Ratibor auf über sieben Meter gestiegen war, ist sie etwas gefallen. Da sich aber neuerdings Regen eingestellt hat, ist weiteres Steigen zu befürchten. Die ganze Oderniederung bildet einen riesigen See; der angerichtete Schaden ist enorm. In Niebotschau und Buckau sind zwei Arbeiter im Hoch­wasser ertrunken. Ferner ertranken der Gendarm Müller aus Mährisch- Ostrau und zwei andere Personen. In Trop­pau ist ein Haus eingestürzt Schwerer Eisenbahnunfall. Mehz, 24. Mai. Auf der Grenzstrecke Audun­Longuyon bei Hayingen stießen zwei Güterzüge zusammen. Etwa 30 Wagen wurden vollständig zertrümmert. Ein Bahnmeister wurde getötet, zwei Heizer lebensgefährlich verletzt. Wen die Schuld an dem Zusammenstoß trifft, ist noch nicht festgestellt.

Revolverattentat auf einen Rechtsanwalt.

Essen, 24. Mai. In Mörs wurde der Rechtsan­walt Springob von dem Arbeiter Möwis überfallen und durch mehrere Revolverschüsse schwer verletzt. Bei Möwis war auf Veranlassung des Anwalts eine Pfändung vorge­nommen worden.

Eine gefahrvolle Ballonfahrt.

Ingolstadt, 24. Mai. Ein mit einem Offizier bes mannter Ballon riß sich infolge eines heftigen Windstoßes Ios. Da die Reißleine nicht funktionierte, kletterte der Offizier an dem Tauwerk in die Höhe, um den Ballon aufzustechen. Dies mißglückte jedoch, und der Ballon stieg bis zu 5000 Meter Höhe. Schließlich sank er bei Freising. Der Insasse sprang auf einen Baum und fam unverletzt davon. Der Ballon ist stark beschädigt.

Gandel und Verkehr.

Cassel, 23. Mat. Schlachtviehpreise. 1. Rinder: A. Och sen: a) vollfleischige angemästete höchsten Schlachtwerts, die noch nicht gezogen haben( ungejocht) Schlachtgewicht 89-91 Mark, b) vollfleischige ausgemästete im Alter von 4 bis 7 Jahren 81-85 M, c) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 76-78 M. B. Bullen: a) voll­fleischige ausgewachsene höchsten Schlachtwerts Schlachtge= wicht 83-86 M, b) vollfleischige junge 80-82 M, c) mäßig genährte jüngere, gut genährte ältere 73-75 M. C. Fär­sen und Kühe: a) vollfleischige ausgemästete Färsen Höch­sten Schlachtwerts Schlachtgewicht 84-88 M, b) vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwerts bis zu 7 Jahren 79-82 M, c) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut ent­wickelte jüngere Kühe und Färjen 75-78 M. 2. Kälber. a) mittlere Mast- und beste Saugkäiber 55-57 M, 6) ge= ringere und gute Saugfälber 49-52 M, c) geringere Saug­fälber 44-48 M( Lebendgewicht). 3. Schafe. a) Mastlämmer und jüngere Masthammel 86-88 M, 6) ältere Masthammel, geringere Mastlämmer und gut genährte innge Schafe 83 bis 85 M( Schlachtgewicht). 4. Schweine. a) vollfleischige von 120-150 g. 57-58 M, b) vollfleischige von 100-120 Kg. 56-57 M, c) vollfleischige von 80-100 g. 55-56 M, 6) voll­fleischige unter 80 Kg.- M, e) unreine Sauen und geschnit tene Eber 54-55 M( Schlachtgewicht).