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( 8.1)
der geheimnisvollen Affäre zu erzielen. Wie festgestellt werden konnte, ist der Brief von dem betreffenden NiederOlmer Notar im Beisein seines Gehilfen und eines Lehrlings mit der genannten Summe versehen, versiegelt und nach Mainz abgesandt worden. Um Porto zu ersparen, war der Brief jedoch nur auf 600 Mart deklariert.
Ueberfall auf einen Geldbriefträger. In Dresden wurde Montag vormittag ein Ueberfall auf einen Geld= briefträger verübt, der lebhaft an die bekannten Berliner und Leipziger Fälle erinnert. Wie darüber gemeldet wird, wurde furz nach 8 Uhr im Hause Christianstraße 28 der Geldbriefträger Einert von einem etwa 28 Jahre alten Radfahrer, der schon einige Zeit auf den Geldbriefträger gewartet hatte, überfallen. In dem dunklen Flur stürzte sich der Räuber auf den Beamten und versetzte ihm mit einem großen Holzhammer, wie sie Klempner verwenden, zwei Schläge auf den Kopf. Der blutüberströmte Brief= träger wehrte sich und schrie u mhilfe, so daß der Räuber die Flucht ergriff, bevor es ihm gelungen war, die volle Geldtasche zu brauben. Da der Verbrecher sich sofort auf Sein Rad geschwungen hatte und in schnellem Tempo davonfuhr, ist er entkommen. Die Verlegungen des Briefträgers find nicht lebensgefährlich.
Gottlieb weiß sich zu helfen. Ein schlichtes Bäuerlein ans Thüringen hatte in Blankenburg in Thüringen Geschäfte zu besorgen und kehrte bei dieser Gelegenheit in einem Gasthof ein. Im Drang der Reise bemerkte er erst auf der Rückfahrt im Eisenbahnfoupee, daß er im Gasthof seinen Rudsad liegen gelassen hatte. Das Unglück wollte es, daß er weder den Namen des Gasthofs noch den des Besitzers fannte, aber der Waderer wußte sich zu helfen. Er schrieb eine Postkarte mit der Adresse:„ An das große Haus mit den grünen Fensterläden über der Brücke drüben, wo Gottlieb Heumann aus Schwarzenburg seinen Rudsad hat liegen lassen, in Blankenburg." Und die findige Post brachte richtig die Karte in das Haus mit den grünen Fensterläden und am nächsten Tag war Gottlieb wieder im Besitze seines Rucsaces.
Der„ Leutnant" von Bordeaux. Ein Seitenstück zu dem Streich des Schuhmachers Wilhelm Voigt lieferte in Bordeaux der Kaufmann Gratereau. In einer Leutnantsuniform promenierte er durch die Straßen, hielt unterweas einen Korporal an, der nicht vorschriftsmäßig gegrüßt hatte, machte ihm strenge Vorhaltungen und begab fich nach der Kaserne, wo er sich die Urlauberliste aushänbigen ließ, und in die Register eine Randbemerkung eintrug. Auf Grund dieser Bemerkung erstattete der wachthabende Sergeant Rapport beim Hauptmann, und so fam bie Unechtheit des schneidigen Leutnants an den Tag.
Ungeheurer Moorbrand in England. Aus London wird geschrieben: Ueber sieben Meilen lang und fünf MeiIen breit erstreckt sich in der schönen Provinz Yorkshire ein melancholisch- malerisches Torfmoor. Eine holländische Aktiengesellschaft hatte eine Konzession zur Ausbeutung erworben und große Kolonien holländischer Arbeiter dort angelegt. Während der letzten Wochen mit ihrem ausdörrenden Ostwind und Sonnenschein sind die riesigen zum Trodnen aufgespeicherten Torfvorräte zwar sorgsam vor Entzündungen bewacht worden, trotzdem gerieten sie am Freitag aus unbekannter Ursache in Brand, und eine unabsehbare Fläche steht in Flammen.
Molttes berühmteste Zigarre. Am 24. April sind es 20 Jahre her, daß Moltke seine Augen geschlossen hat. Es Jei darum aus Anlaß dieses Tages an eineEpisode erinnert, bie sich zwischen Moltke und Bismard im Kriege 66 vor ber Schlacht von Königgräz abspielte. Moltke war bekanntlich ein leidenschaftlicher Raucher. Eine Zigarre Moltkes darf aber den Anspruch machen, als historisch angesehen zu werden. Bismard selbst erzählte bei einem Diner, an bem auch Moltke und Roon teilnahmen, im Rauchzimmer mehreren Parlamentariern und Generälen die Geschichte dieser berühmten Zigarre. Es war am Tage von Königgrät, in jenen Stunden, in welchen die Schlacht stillstand, und die Preußen nicht vorwärts und nicht rüdwärts fonnten. Ein Adjutant nach dem anderen ging ab und feiner fehrte zurück. Auch wurde keine Nachricht von dem Herannahen des Kronprinzen gebracht. Bismard erzählte, daß ihm jetzt heillos schwül zu Mute wurde. Dabei wandte er sich zu dem dabeisitzenden Moltke und sagte:" In diesem gefährlichen Augenblick suchten meine Augen Sie, mein lieber Moltke, da ich sehen wollte, von welcher Stimmung Sie beherrscht seien. Auf Ihrem Gesicht wollte ich das Schicksal des Tages ablesen. Ich drehte mich um und sah Sie tatsächlich wenige Schritte von mir auf dem Pferde halten. Mit dem gleichgültigsten Gesicht von der Welt sahen Sie in das Schlachtgetümmel und rauchten dabei fehr zufrieden einen Zigarrenstummel. Das heiterte mich fofort auf. Denn ich sagte mir, wenn Moltke mit solcher Seelenruhe seinen Stummel raucht, dann ist es sicher mit uns noch nicht so ganz schlecht bestellt. Sie taten mir aber leid, daß Sie sich mit ihrem Stummel so abquälten. Ich ritt auf Sie zu und bot Ihnen meine Zigarrentasche an, in der sich zwei Zigarren befanden, eine gute und eine Schlechte. Sie nahmen mit dem Feldherrnblick, der Sie auch hierin auszeichnete, die gute. Ich selbst habe am Abend die schlechte Zigarre geraucht. Ich kann Ihnen aber, meine Herren, versichern, daß mir noch nie eine Zigarre in meinem Leben geschmeckt hat wie diese." Moltke konnte sich anfangs an diese Geschichte nicht erinnern. Erst, als Bismard mit großer Lebhaftigkeit alle Einzelheiten wiedergab, fam ihm die Erinnerung daran wieder. Bismard aber erklärte, daß er Moltkes berühmten Zigarrenstummel niemals vergessen werde.
Die Kaiserbroschen der Brüsseler Blumenhändlerinnen. Ein hitziger Streit unter den Brüsseler Blumenhändlerinnen ist jetzt durch gerichtliche Entscheidung zu einem vorläufigen Abschluß gekommen. Man erinnert sich, daß bei dent Besuch des deutschen Kaiserpaares im alten Brüsseler Rathause die Blumenhändlerinnen, die auf dem schönen alten Plaze ihren historischen Standplay haben, der Kaiserin und Prinzessin Viktoria Luise Blumensträuße überreichten. Die beiden Frauen erhielten als Dank- und Erinnerungszeichen zwei schöne Broschen mit dem perlengeschmückten Widmungszuge der Kaiserin. Leider erregte bas Geschenk den Neid der übrigen Brüsseler BlumenhändTerinnen so sehr, daß sie zum Kadi liefen und den beiden Frauen, die im Auftrage aller Blumenhändlerinnen ge= handelt hatten, das Recht auf die Broschen abstritten. Man wollte, daß die Schmuckstücke verteilt oder zurückgegeben werden. Die beiden Glücklichen fämpften energisch um thren Besitz und boten einen entsprechenden Geldbetrag als Ersay an. Darauf gingen die anderen nicht ein, denn thnen war es nicht um Geld zu tun, sondern um die Ehre. Der Richter legte den beiden Beklagten den Eid auf, daß teine Abmachungen bestanden haben, wonach sie den übrigen Blumenverkäuferinnen gegenüber verpflichtet gewesen Jeien, etwaige Belohnungen zu teilen. Da dieser Eid ge
leistet wurde, so wies der Richter die Klägerinnen ab, und die beiden Frauen bleiben im Besitz ihrer Broschen. Doch ist bei der Prozeßleidenschaft der Marktfrauen sicher zu erwarten, daß die Angelegenheit auch die zweite Instanz beschäftigen wird.
Bestrafte Leichtgläubigkeit. Seine Leichtgläubigkeit hat ein Landwirt aus einem Dorfe bei Wittstock in der Mark Brandenburg schwer büßen müssen. Vor etwa einem halben Jahre kam zu ihm ein Mann, der in seinem Aussehen vollständig einem Bummler glich. Er trug ganz zerrissene Klei= dung und besaß keine Stiefel. Dieser Bummler redete nun dem Landwirte vor, das Reisen nach Art der Handwerksburschen mache ihm Vergnügen, obwohl er das gar nicht nötig hätte; denn er besitze ein Vermögen von 20 000 Mark, das auf der Kreiskasse in Pritwalk liege. Im Laufe der weiteren Unterhaltung erklärte sich der Landwirt bereit, den reichen Handwerksburschen auf Lebenszeit zu sich zu neh= men, wofür er die 20 000 Mark erben sollte. Der Handwerksbursche erhielt nun auf Kosten des Landwirts neue Kleidung und lebte ein halbes Jahr lang herrlich und in Freuden. Da kam dem Landwirte der Wunsch, die 20 000 Mark wenigstens einmal zu sehen. Man pilgerte also ge= meinsam zur Sparkasse, in die der Handwerksbursche auch hineinging, während der Landwirt sich draußen postierte. Er wartete und wartete, aber sein Schüßling kam nicht wieder; er hatte einfach die Kaffe auf der entgegengesetzten Seite wieder verlassen, und der Landwirt war um die Kosten für die Kleidung und den halbjährigen Unterhalt des Strolches geprellt.
Die verwechselten Osterbräute. Wie alljährlich haben auch im letzten Osterfest zahlreiche Trauungen im Osten und Südosten Londons stattgefunden. Seit langer Zeit feiern die Bewohner jener Stadtteile mit besonderer Vorliebe ge= rade zu Ostern Hochzeit. In einigen Kirchen wurden am Ostersonntag in der kurz bemessenen Pause zwischen dem Vor- und Nachmittagsgottesdienst mehr als 40 Paare ge= traut. Natürlich mußten immer sechs bis zehn Paare auf einmal antreten. In einer dieser so sehr in Anspruch genommenen Kirchen ereignete sich nun, wie jetzt bekannt wird, am 1. Osterfeiertag eine etwas peinliche Verwechslung, die leicht unangenehme Folgen hätte haben können. Vierzig liebende Paare wollten durch Priesterspruch fürs Leben vereinigt werden und wie es in England Sitte ist harrten in der einen Sakristei die vierzig Bräute, in der anderen ihre zukünftigen Daseinsgefährten des weihevollen Augenblicks, da sie vor dem Altar den Treueschwur ablegen sollten. Eine der bräutlichen Jungfrauen in der ersten Gruppe fühlte plötzlich eine Ohnmacht nahen und um sich zu erholen, trat sie aus der Reihe und ließ sich auf einen Stuhl sinken. Die übrigen Bräute schlossen die Lücke und das Resultat war, daß mehr als 30 Männer in der Aufregung den falschen Bräuten angetraut wurden. Nach Beendigung der Beremonie suchte jedoch jeder der neugebackenen Ehemänner seine richtige Liebste heraus, und trotz der unleugbaren Tatsache, daß Mrs. Smith eigentlich Mrs. Brown geworden war, unterzeichnete man sich im Kirchenregister, als ob fein Irrtum vorgekommen wäre. Der von einem Zeitungsbe= richter befragte Küster meinte seelenruhig. das sei weiter nicht schlimm, ein solches Versehen könne schon einmal mit unterlaufen.
Wahres Geschichtchen. Beim Appell wird auch der Befehl vom Herrn Oberst verlesen, dahin lautend, daß die Mannschaftszimmer gut geheizt und nicht unter 15 Grad haben sollen. Zwei Tage darauf revidiert der Oberstabsarzt dte Stuben. Gleich bei der ersten dröhnt ihm die in vorschriftsmäßiger Haltung abgegebene Meldung entgegen: Stube 16, 1 Gefreiter, 12 Mann, 1 Mann im Revier!" Wie viel Grad Wärme haben Sie hier?" fragte der ge= strenge Oberstabsarzt. 15 Grad, Herr Oberstabsarzt!" Wo ist das Thermometer?" ,, Wir haben keinen, Herr Oberstabsarzt!- 3um Donnerwetter, woher wissen Sie dann, daß es hier 15 Grad hat?" Ist Regimentsbefehl, Herr Oberstabsarzt!" war die lakonische Antwort des Gefreiten.( Aus der Münchener„ Jugend".)
Vergnügungssüchtig. Dame( bei der Kaffeeschlacht): O, das können Sie mir glauben, was Vergnügungssüchtigeres als diese Meiers gibts nicht gleich wieder! Jebt wollten sie sich scheiden lassen da haben sie das Geld, was es kosten würde, genommen und zusammen wieder eine Autoreise nach Nizza gemacht."
Auf dem Vergleichsweg. Dorfpolizist( einem ihm wieder entwichenen Stromer nachrufend):„ Geh, laff' Di' erwisch'ni zahl' Dir nacha a' Maß!"
Aus dem Reiche der Technit.
Das Telephonieren vom fahrenden Zuge. Die Schwierigkeiten, die sich bisher der Telephonte aus fahrenden Eisenbahnzügen entgegenstellten, scheinen jetzt durch die erfolg= reichen Bemühungen des Ingenieurs Hans von Kramer überwunden zu sein. Das von ihm erfundene System besteht im wesentlichen aus einem Rahmen elektrischer Drähte, der unter den Fußbrettern um den Eisenbahnwagen läuft. Bu gleicher Zeit sind längs der Schienenstrecke in angemessener Entfernung Drähte gelegt, die entweder auf niedrigen Posten in der Luft dahinlaufen oder einfach unterirdisch placirt sind. Diese Drähte find an den Leitungen der Signalapparate, der Telegraphendrähte und der Telephondrähte angeschlossen. Wenn man im fahrenden Zuge in den Apparat hineinspricht, überträgt sich der Schall von dem Drahtrahmen unter den Trittbrettern auf die neben der Schienenstrecke dahinlaufenden Drähte, die ihn an die gewöhnlichen Telegraphen- oder Telephonleitungen weitergeben, und so eine direkte Verständigung mit allen Telephonstellen des Landes ermöglichen. In der gleichen Weise werden eintreffende Gespräche oder Meldungen vom Zuge aufgenommen. Das System aber ermöglicht nicht nur eine Verständigung vom Zuge aus oder zum Zuge, sondern auch die Möges gewährt lichkeit, zwischen zwei fahrenden Züge Gespräche und Meldungen auszutauschen. Eine besonders sinnreiche Einrichtung gewährt sogar noch weitere Vereinfachungen: die Züge können automatisch den Stationen ihre Stellung mitteilen, wodurch man bei Nebel und Nacht eine wertvolle Beihilfe und Erleichterung des Signaldienstes erzielt. Eine kurze Eisenbahnstrecke ist bereits vor einigen Wochen in England mit diesem Telephonsystem ausgerüstet worden. Nun ist man dazu geschritten, auch auf einer größeren Eisenbahnstrecke den praktischen Beweis für die Zuverlässigkeit und Brauchbarkeit des Systems zu erbringen. Die von Stratford on Avon nach Kineton führende Bahnlinie ist mit dem Kramerschen Telephon ausgerüstet worden, und dieser Tage hat man die Einrichtung feierlich eingeweiht. Der Bürgermeister von Stratford nahm im Zuge Platz, während in einer Entfernung von mehreren Hundert Metern von der Bahnlinie auf offenem Felde in einem Zelte der andere Apparat aufgestellt war. Eine Anzahl hoher Eisenbahnbeamter und elektrotechnischer Fachleute wohnte der Eröffnung dieses telephonischen Verkehrs mit fahrenden Zügen bei. Es zeigte sich, daß die Verbindung gut funktionierte, und daß sowohl die vom Zug kommenden, als die zum Zug gehenden Meldungen und Gespräche an den betreffenden Empfangsstationen mit aller wünschenswerten Deutlichkeit und Klarheit aufgenommen werden konnten. Nach dem günstigen Resultate dieser Versuche wird voraussichtlich das Gros der großen britischen Eisenbahngesellschaf= ten dies Telephonsystem auf allen Hauptstrecken Englands einführen. Es müssen wohl doch noch beweiskräftigere Versuche angestellt werden, ehe man an die praktische Verwirklichung der Erfindung in großem Maßstabe denken fann.
Der Kaiser als Archäologe.
Zu den Ausgrabungen auf Korfu.
Aus Hoffreisen wird der„ Inf." geschrieben: Der Kat ser hat durch Uebernahme der Kosten für die Ausgrabun gen auf Korfu aufs neue sein Interesse für die Archäologie bewiesen. Er hat schon früher mehrfach archäologische Aus grabungen eifrigst gefördert und durch Geldmittel unterstützt. So wurde auf Befehl des Kaisers vor zwei Jahren der Oberstleutnant von 3glinicki vom Großen Generalstabe, der einer unserer besten Topographen ist, nach Numantia in Spanien gesandt, wo große Ausgrabungen vorgenom men wurden. Oberstleutnant von 8glinicki hatte den Auftrag, dort nach den Grundsätzen des Großen Generalstabes eine Karte aufzustellen, die eine Uebersicht über die Aus grabungen bei Numantia gewähren sollte. Im Auftrage des Kaisers wurden die Ausgrabungen von dem Erlanger Archäologen Professor Schulten geleitet, und der Kaiser hat auch dafür Mittel aus seinem Dispositionsfonds zur Verfügung gestellt. Diese Ausgrabungen in Numantia hatten zugleich militärisches Interesse, da hier die Belagerungskunst der Römer um das Jahr 140 v. Christi durch viele Ueberreste anschaulich gemacht wurde. Bekanntlich befanden sich um Numantia die Lager des Scipio, der die Stadt ungefähr 10 Jahre lang belagerte. Es wurden eine große Anzahl Scipionischer Lager bereits zu Tage gefördert. In einer Tiefe von 2 bis 3 Metern wurden die Fundamente der Baulichkeiten, die innerhalb der Jahre während der Belagerung errichtet wurden, bloßgelegt, sodaß man sich ein vollständiges Bild von den Bauten machen kann. Für die Kenntnis der Kriegskunst der alten Römer find demnach diese Ausgrabungen von größtem Interesse. Man kann z. B. ganz deutlich zwischen den Wohnungen der Offiziere, den Lagern der Mannschaften und Intendanturgebäuden unterscheiden. Aehnlich wie in Korfu sind auch in Numantia eine große Menge feramischer Funde gemacht worden, denen ein großer Kunstwert innewohnt. Man konnte fernerhin feststellen, daß sich im siebenten Lager, das als das umfangreichste und bedeutendste anzusehen ist, das Hauptlager Scipios befand, in dem er und seine Offiziere Unterkunft fanden. Auch bei anderen archäologischen Forschungen hat sich der Kaiser vielfach betätigt, und entweder selbst Mittel dazu hergegeben, oder er hat es verstanden, von Kunstken= nern und Förderern Mittel zu beschaffen. Es sei nur an die umfangreichen Studien des Professors Delitzsch erinnert. die ihren Niederschlag in den Schriften üben Babel und Bibel" fanden. Es ist noch in aller Erinnerung, daß durch diese Schriften das Interesse der Allgemeinheit in Deutschland und in anderen Kulturstaaten für die alten asiatischen Kulturstätten aufs neue geweckt wurde.
Drabtnachrichten und neuestes.
Die Nachwahl im 4. Berliner Landtagswahlbezirk. Berlin, 25. April. Bei der gestrigen Nachwahl im vierten Berliner Landtagswahlbezirk sind insgesamt 275 freisinnige und 215 sozialdemokratische Wahlmänner gewählt worden. Die Sozialdemokraten haben in der zweiten Abteilung 16 und in der dritten Abteilung fünf Wahlmännerstimmen gewonnen. Der freisinnige Kandidat Kreitling wird demnach mit einer Mehrheit von etwa 50 Stimmen gewählt werden.
Kriegsstimmung im fernen Osten.
Petersburg, 25. April. Nachdem am Sonnabend eine wichtige Sitzung des Ministerrats in der chinesischen Angelegenheit stattgefunden und Stolypin gestern dem Zaren Vortrag gehalten hat, verlautete abends, der Kriegsminister und der Marineminister würden Sonnabend mit Generalstabsoffizieren zur Besichtigung der Truppen nach Sibirien, dem Amur- und Küstengebiet abreisen. Die Lage wird als ernst angesehen. China dränge zum Krieg, beschleunige seine Vorbereitungen und überſtürze die russenfeindliche Bewegung. Rußland könne dem nicht weiter in Ruhe zusehen.
Entfeßliche Mißhandlungen eines Kindes.
Berlin, 25. April. Grauenhafte Einzelheiten aus der Leidensgeschichte eines Kindes famen gestern in einer Strafkammerverhandlung zur Sprache, die zur Verurteilung ei= ner Arbeiterfrau zu neun Monaten Gefängnis führte. Als die Mißhandlungen der Mutter damals bekannt geworden waren, hatte sich vor dem Hause eine gewaltige Menschenmenge angesammelt, die sie lynchen wollte. Die empörte Menge hatte die Türen eingeschlagen und die Frau verprügelt. Der Staatsanwalt hatte eine Gefängnisstrafe von neun Monaten beantragt.
Zum Dresdener Ballonunglüc. Dresden, 25. April. Die Leiche des Hauptmanns von Didtmann, der am Ostersonntag bei dem verunglückten Aufstieg des Ballons Nordhausen tödliche Verletzungen erlitt, ist jetzt ſeziert worden. Neben einem ausgedehnten Schädelbruch und zahlreichen Blutergüssen in die Schädelhöhle und Gehirn war der rechte Stirnlappen des Gehirns an seiner Basis in großer Ausdehnung mehrere Bentimeter tief vollständig zerstört. Wäre der Offizier auch am Leben geblieben, so hätte er doch einen geistigen Defekt zurückbehalten.
Abermals ein Waldbrand in Westfalen. Essen, 25. April. In Holzhausen brach ein Waldbrand aus, bei dem tausend Morgen vernichtet wurden.
Furchtbarer Selbstmord.
Elberfeld, 25. April. Eine Arbeiterfrau übergoß sich mit Petroleum und zündete sich an, nachdem sie ihre Kinder zu Besorgungen fortgeschickt hatte. Sie starb an den Brandverlegungen.
Eine Mutter mit ihren drei Kindern in den Tod gegangen. Paris, 25. April. In Gleden bei Brest ertränkte sich eine Frau, die des Kindesmordes verdächtig war, mit ihren drei Kindern, zwei Mädchen von 16 und 14 Jahren und einem Knaben von 7 Jahren.
Angriff auf einen französischen Bischof.
o Paris, 25. April. Als der Bischof Agen sich nach der Ortschaft Blume begab, wo er predigen wollte, wurde sein Wagen mit einem Steinhagel überschüttet. Die Glasscheiben wurden zertrümmert und der Diener des Bischofs erheblich verletzt. Der Bischof setzte seine Reise unter Gendarmeriebegleitung fort. Die Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung eingeleitet.
Drei Begleiter König Alfons bei einem Antomobilunfall tödlich verlegt.
Madrid, 25. April. Bei der Rückkehr von Carabandchel, wo König Alfons eine drahtlose Telegraphensta= tion eingeweiht hatte, wurden der General Marva und zwei Offiziere, die den König begleiteten, durch einen Automobilunfall tödlich verletzt.
Caruso und seine Stimme.
London, 25. April. Caruso ist mit dem Dampfer Kaiser Wilhelm II. Hier angekommen und klagt über Stimmbänderlähmung, die ihm 300 000 Mart foste. Er will angeblich den Sommer über in Florenz ausschließlich der Wiederherstellung seiner Stimme leben.
Grubenkatastrophe in Amerika. Elfgarden( Wstvirginia), 25. April. Durch eine Explosion sind in der Ott- Rohlenzeche 28 Bergleute eingeschlossen. Man vermutet, daß alle umgekommen sind.
Dampferkatastrophe in den chinesischen Gewässern. Shanghai, 25. April. Sonntag nachmittag follidierten 100 Meilen südlich von Schanghai die beiden chinesischen Dampfer Awanglee und Meefoo. Der Meefoo wurde buchstäblich in zwei Teile zerschnitten und sank innerhalb weniger Minuten. Ueber 40 Chinesen sind ertrunken. Alle ausländischen Passagiere des Dampfers find aerettet.


