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Gießener Zeitung
( Neueste Nachrichten)
Bezugspreis 40 pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen
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Erscheint Redaktion:
oierteljährlich 1,20 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 90 Pfg. Dienstags, Donnerstags, Samstags. Seltesameg 83.- Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Berlag der ,, Gießener Zeitung" 6. m. b. H.
Nr. 187.
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Telephon: Nr. 362.
Staatliche Hilfe gegen die Teuerung.
Die ungewöhnliche Dürre dieses Jahres, von der
bei uns kein Gebiet verschont geblieben ist, läßt einen Mangel an Futtermitteln befürchten, wie er nur selten dagewesen ist. Wiesenheu, Klee und Luzerne versprechen nur ganz dürftige Erträgniffe, und die Landwirte haben zum Teil den Kopf verloren und verkaufen ihr Vieh zu verlustbringenden Preisen. Das Landwirt schaftsministerium ist, wie die„ Deutsche Tageszeitung" erfährt, entschlossen, den außerordentlichen Zuständen Rechnung zu tragen. Die Veröffentlichung eines Not standstarifes für Futtermittel, Torfstreu und Torfmull für den Gesamtbereich des preußischen Staat 8 steht unmittelbar bebor. Schon jetzt aber erließ der preußische Landwirtschaftsminister, Freiherr von Schorlemer, ein Rundschreiben an sämtliche Landwirtschaftskammern, in dem nachdrücklich die Notwendigkeit der Aufrechterhaltung der Viehzucht und möglichste Ausdehnung der Schweinezucht und Schweinehaltung empfohlen wird.
Zwar habe, so heißt es in dem Schreiben, das verstärkte Angebot an Schweinen 1910 ein beträchtliches Nachlassen der Schweinepreise auf den Fettviehmärkten im Gefolge gehabt, auch die Schweinefleischpreise seien gesunken, wenn auch die Spannung zwischen den Prei sen für Schweinefleisch im Kleinhandel und den Schlacht. gewichtspreisen für Schweine meist sehr erheblich ge stiegen set, die Schweineausfuhr habe zugenommen, und schon seien Zweifel an der Rentabilität der Schwei nehaltung aufgestiegen, aber gerade die Sweinehaltung werde durch langanhaltende Trockenheitsperioden, wie in diesem Jahre, am wenigsten beeinträchtigt, da für die Schweinefütterung die Verabreichung von Rauhund Grünfutter kein dringendes Erfordernis set. Selbst wenn, was bei eintretenden Niederschlägen kaum zu befürchten stehe, die Kartoffelernte nur geringe Erträge liefere, sei ein Zwang zur Einschränkung der Schwelnehaltung nicht gegeben, da die Schweinemast mit gleich günstigem Fütterungs- und finanziellem Erfolge mit anderen Futterstoffen betrieben, und die Aufzucht durch möglichste Heranziehung sonst in der Regel nicht oder doch nur teilweise benutter Fütterungsgelegen. heiten( Stoppelweide, Waldweide, nicht abernte Stleeschläge) wesentlich erleichtert und berbilligt werden könne.
Die Entwicklung der Rindbiehzucht, so heißt es dann in dem Erlaß weiter, habe leider immer noch und neuerdings wieder mit mehr Schwierigkeiten zu fämpfen. Die Landwirte seien bestrebt gewesen, die durch die geringe Anzucht des Jahres 1908 entstandenen Rücken in ihrem Vichbestande auszugleichen, indes stellten sich leider diesem Bestreben der schwere Maul- und Klauen seuchezug, der gegenwärtig Deutschland ebenso wie seine Nachbarländer heimsuche, und ein infolge der langanhaltenden Dürre drohender Futtermangel als erschwerende Umstände in den Weg. Infolge der langanhal. tenden Dürre scheinen Klee, Luzerne und Wiesenheu im zweiten Schnitt faum noch nennenswerte Erträge zu versprechen, hier und da werde auch schon über Not verkäufe von Vich berichtet. Immerhin fönne doch die Lage nicht als Hoffnungslos angesehen werden. Um einem Ausgleich zwischen den in der Futterernte noch einigermaßen begünstigten und den schwerer heimge suchten Landesteilen möglichst die Wege zu ebnen, so heißt es in dem Rundschreiben weiter, ist die Staats regierung in Erwägungen über eine vorübergehende Herabsegung der Eisenbahntarife für Futter und Streumittel eingetreten. Die Hauptsache aber ist, daß die Landwirte nicht den Mut verlieren, vielmehr ihren Vichbestand selbst unter zeitweiligen abgesehen Opfern zu halten versuchen, wozu die zum Teil befriedigende Ernte von den Futtermitteln fie vielleicht in den Stand sehen wird. Es wird sich im wesentlichen darum handeln, dahin zu wicken, daß die noch aus früheren Jahren vorhandenen Rauhfutterbestände tunlichst ausschließlich als Viehfutter nutzbar gemacht, und das zur Einstreu andere geeignete Ersatzstoffe verwendet werden. Sofern sich ein dringendes Bedürfnis für den Bezug von Waldstreu aus staatlichen Forsten herausstellen sollte, würde der Minister eine wohlwollende Prüfung der eingehenden Anträge ein treten lassen, wie es auch bisher in Notzeiten stets der Fall gewesen ist.
Ein möglichst weitverzweigtes Nachrichtennetz würde unter Zuhilfnahme bestehender oder schleunigst ins Leben zu rufender Bezugsorganisation die Vermittlung der Futtermittel wesentlich erleichtern und verbilligen. Für den außersten Notfall würde auch das Ausland zur Lieferung von Futter in Betracht kommen. Bet spielsweise habe sich die landwirtschaftliche Vertretung
dor Großherzoglichen Bürgermeisterei
des Großherzoglichen Polizei Amtes sowie vieler anderer Behörden Oberheffens Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.)
Dienstag, den 22. August 1911.
( Gießener Tageblatt)
Anzeigenpreis 15 Pfg.
die 44 mm breite Inseraten zeile.- Stellens gesuche und Familienanzeigen 10 Bfg.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pis.- Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Nabatt kommt bei Ueberschreisung des Sablengszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bet Konkurs in Wegfall. Plagvorschriften ohne Verbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Seitung" G. m. b..
Telephon: Nr. 362.
23. Jahrg.
dazu erboten. des österreichischen Kronlandes Steiermark vor kurzem, Johanneskirche marschiert. Pfarer Adolf hielt eine
Es würde ferner erforderlich werden, die viehhal tenden Landwirte durch Aufstellung und möglichste Verbreitung geeigneter Futterrationen darüber zu belehren, welche Futtermittel fich zum Ersatz fehlenden Raub futters besonders eignen und nach der Marktlage zur Ergänzung des Ausfalls an Rauhfutter und Rüben zweckmäßigerweise herangezogen werden können. Endich würde den Landwirten mit Ratschlägen an die Hand zu gehen sein, wie die Einbuße im Futteretat durch nachträgliche Aussaat von Grünfutterpflanzen möglichst ausgeglichen werden fönne, fofern baldigft eintretende Niederschläge noch einen Erfolg erwarten
lassen.
des Tages würdige Predigt, die den alten Veteranen ihre Tage des Kampfes noch lebendiger in Erinnerung brachte. Dann die einfache und doch immer wieder schöne Feier
Der
des ehrnden Gedächtnisses für die gefallenen und ver storbenen Kameraden auf dem alten Friedhof. anwesende älteste Offizier von unserem Kaiser- Regiment legte hier im Namen des Regiments einen Kranz am Denkmal der deutschen Krieger nieder; seine damit verbundene kernige Ansprache klang in dem Wunsch aus, daß Deutschland allezeit die 1870-71 eroberte Einigkeit Der Vorsitzende des Veteranenvereins, festigen möge. Sorense dk, legte dann im Auftrag der Militär- Vereine je einen Kranz am Denkmal der Deutschen und am Denkmal der in der Gefangenschaft verstorbenen französi Zum Schluß ersucht der Minister die Landwirt- schen Krieger nieder. Nach einem weiteren Choral der schaftskammern dringend, im Einvernehmen mit den Regimentskapelle ging es dann mit Musik zum MarktVerwaltungsbehörden, insbesondere den Bandräten, die platz, wo mit einem Hoch auf Kaiser und Großherzog sen Aufgaben ihre volle Aufmerksamkeit zuzuwenden und Niederlegung eines Kranzes am Denkmal die Feier und durch ihre Vertrauensmänner, durch die Vereine, ihren offiziellen Schluß fand. durch Genossenschaften, Wanderlehrer und Tierzuchtbe. amte mittels persönlicher Einwirkung und durch Flug schriften aufklärend, beratend, helfend und fördernd zu wirken und damit zur Abwendung einer Gefahr beizu tragen, deren Bedeutung für die deutsche Landwirtschaft nicht hoch genug eingeschäßt werden könne.
Im Anschluß hieran sei erwähnt, daß die sächsische Regierung bereits n voriger Woche mit den zuständigen wirtschaftlichen Störperschaften in ähnlicher Weise in Verbindung getreten ist.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 22. August 1911.
* Uebertragen wurde dem Lehrer Wilhelm Weigel zu Ulrichstein, Kr. Schotten, eine Lehrerftelle an der Gemeindeschule zu Lollar, Kr. Steßen.
* Landtagswahlen. Das Hessische Staatsministerium hat die Vornahme der Abgeordnetenwahlen zum 34. Landtag nunmehr endgültig auf Freitag, den 3. November, festgesetzt. Die Offenlegung der Listen erfolgt von Donnerstag, den 14. September, bis Mittwoch, den 27. September, beide Tage einschließlich.
* Großfeuer. Die Stallungen und Scheunen der Hofreite des Dekonomen Sievers in der Marburger Straße brannten Sontag abend vollständig nieder. 40 Stück Schweine und eine Anzahl Hühner verbrannten, das Rindvieh und die Pferde konnten mit großer Mühe gerettet werden. Das Feuer entstand, wie festgestellt, auf folgende Art: In dem Gehöfte suchten zuweilen Obdachlose Unterkunft und hierbei kam es vor, daß den Als Knechten auch Kleinigkeiten entwendet wurden. gestern abend der Knecht Jung nach Hause kam, begab er sich mit einner Laterne in eine Scheune, um diese nach nach Obdachtlosen abzusuchen. Er stellte dabei die Laterne auf der Tenne hin, diese fiel um, der Petroeumbehälter ging dabei entzwei und das Petroleum fing Feuer. Da sich Stroh nnd Heu in unmittelbarer Nähe befand, war ein sofortiges Ablöschen nicht möglich.
* Unser Regiment Kaiser Wilhelm ist gestern früh in zwei Sonderzügen ins Manöver nach Dietz a. d. Lahn abgerükt. An demselben Tage ging auch das Regiment 115 von Darmstadt dahin ab. Die 81 er treffen am 23. August in Idstein ein. Am 28. fährt das Pionierbataillon 25( Mainz) nach Dietz, das Regiment 168 von Butzbach und Offenbach nach Limburg. Das Butzbacher Bataillon fährt über Gießen und der Sonderzug hat von 8 Uhr 50 Min. bis 9 Uhr 07 Min. vormittags hier Aufenthalt.
* Bad Nauheim, 21. Aug. Das Luftschiff Schwaben", das am Freitag den angesagten Besuch unseres Bades wegen Gewitterbildung unterlassen hatte, wird nach einer Mitteilung der Deutschen LuftschiffahrtsAktiengesellschaft mit Bestimmtheit bei einem demnächstigen Aufenthalt in Frankfurt das Versäumte nach holen und einen Abstecher hierher unternehmen.
t. Bad Nauheim, 22. Aug. Die hiesigen Milchproduzenten und Milchhändler erhöhten vom 20. August an den Milchpreis auf 24 Pfg. für das Liter.
-l- Lollar, 21. Aug. Verschwunden ist seit Mittwoch morgen der 30 Jahre alte Bahnarbeiter Albert Meier. Er ist verheiratet und hat 2 Kinder. n. Grünberg, 21. Aug. Bei der am Sonnabend stattgefundenen Bürgermeister wahl wurde der Kaufmann Kaspar Sanft gewählt.
* Darmstadt, 21. Aug. August Euler bersuchte vorige Woche auf dem Truppenübungsplatz in Darmstadt zum ersten Male einen nach ganz neuen Gefichtspunkten von ihm konstruierten Eindecker, der beim ersten Versuch zur vollsten Zufriedenheit wie ein ansprobierter Apparat flog. Die Flugmaschine hat zum Unterschiede von den bisher bekannten Systemen ein doppelt abgefedertes Anfahrgestell unter dem Motor und dem Führersiz, sodaß ein Bornüberkippen oder ein plötzliches Aufschlagen des Schwanzes beim Abfahren bezw. beim Landen ausgeschlossen sein dürfte. Außerdem besitzen die Tragflächen gar keine Wölbung und find nur einfach bespannt. Der Euler- EindeckerSteuerung fliegt mit der gewöhnlichen Euler- ZweideckerSteuerung, bei der unter Vermeidung jeglicher Fußsteuerung der Apparat nur mit der Hand gelenkt wird.
* Rüsselsheim, 21. Aug. Eine gewaltige Feuerbrunft vernichtete in der Nacht zum Sonntag den größten Teil des 25 Morgen umfassenden Fabrikkomplexes der Firma Gebr. Opel. Der Brand nahm solche Dimensionen an, daß bei der herrschenden Trockenheit die Gefahr bestand, die Häuser der Hauptstraße würden von dem Flammenmeer ergriffen. Dank der energischen und rechtzeitigen Eingreifen der verschiedenen Wehren wurde das Feuer auf die von ihm ergriffenen Fabrikgebäude beschränkt, die allerdings bis auf die Umfassungsmauern niederbrannten. Der Schaden beläuft sich auf ca. 2 Millionen Mark. Verbrannt sind 30000 Nähmaschinen und 20000 Fahrräder.
Literarisches.
* Das Ende der alten Frachtbriefe. Die Frist für Dem ersten Hefte, mit dem das rühmlichst beden Aufbruch der veralteten, in der Eisenbahn Verkehrs- tannte Familienjournal„ Das Buch für Alle" soordnung vom 26. Oktober 1899 vorgesehenen Fracht- eben seinen siebenundvierzigsten Jahrgang eröffnet, briefmuster läuft dieses Jahr ab. Den Frachtnehmern entnehmen wir folgende Rotiz:" Eine Million Dollar für eine Erfindung. wird daher empfohlen, sich rechtzeitig die neuen, seit einer runden Million Dollar- vier Millionen Mark- dem 1. April 1909 eingeführten Muster zu beschaffen. Wegen der Unzuträglichkeiten, die aus dem wahlweisen erwartet den glücklichen Erfinder, dem es gelingt, einen Gebrauche beider, in wichtigen Punkten von einander Apparat herzustellen, der den Schmelzhüttenrauch verabweichenden Muster leicht entstehen, kann eine Verzehrt. Derartige Vorzüge werden ja schon mit Erfolg längerung der Aufbruchsfrist nicht zugestanden werden.
* Das elektrische Licht wird billiger. Die Stadtverwaltung wird demnächst bei der StadtverordnetenVersammlung beantragen, oen Preis für elektrisches Bicht vom 1. Oftober an zu ermäßigen.
-n Gießen. Die Gravelottefeier der vereinigten Militär- Vereine unserer Stadt am vergangenen Sonntag legte wieder Zeugnis ab, daß der ruhmvollen Tage von 1870-71 von den ehemaligen Soldaten noch dankbar gedacht wird. Die Beteiligung war wieder eine große. mit den Fahnen voran wurde zum Gottesdienst in die
Der Preis von
in großen Städten angewendet, aber in allen diesen Fällen kommt der Rauch von einfachen Oefen her, die nichts als Kohle oder Holz verbrennen. Schmelzhüttenrauch jedoch enthält Gase, die von Schmelzen der Metalle herrühren, und bis jetzt ist es dem menschlichen Verstande nicht gelungen, ein Mittel zu finden, das die giftigen Wirkungen des Rauches aufhebt, der die Atmosphäre um ein jedes Schmelzwerk herum verpeftet." Das Weitere möge man in dem Hefte, das in jeder besseren Buchhandlung oder Zeitschriftenerpedition um den billigen Preis von nur 30 Pfennig zu haben ist, selbst nachlesen.


