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Hinaus auf die Straße aus Verzweiflung über die Vor­witrfe, bie thr von ihren Geschwistern wegen ihrer Teil nahme an dem Schönheitswettbewerb gemacht wurden und war sofort tot.

Exfultan Abdul Hamid amffiert sich. Zur Unter­haltung seines Harems hat er ein Grammophon mit 200 Blatten angeschafft. Auch ein Stinematographentheater wurde aus Parts bezogen und in der Villa Allatini in einem geeigneten Raume aufgestellt. Grammophonplat­ten und Lichtbildfilms wurden vor der Ablieferung an den Ersultan von drei Bensurausschüssen geprüft.

Der Große Belt von einem Deutschen überflogen. Der deutsche Flieger Robert Thelen hat am Sonnabend den Großen Belt von Korför aus überflogen. Er hat die zwanzig Kilometer Entfernung bei einem Gegen­wind von sieben Meter Stärke in zwanzig Minuten zurückgelegt. Bei der Ankunft auf dem Flugplaße von Nyborg bereitete eine vieltausendköpfige Menge dem Flieger lebhafte Huldigungen.

Schwere Fliegerunfälle in Frankreich. Der franzö fische Flieger Nieuport, der als Reservist an den Maz növern des 6. Korps teilnahm, hat sich im Augenblic ber Landung mit seinem Flugapparat überschlagen und schwere Verlegungen erlitten. Er ist am Sonnabend ge­torben. Auch der Flieger Vedrines hat während ber Manöver einen Unfall erlitten; er stürzte aus be­trächtlicher Höhe ab und trug mehrere Nippenbrüche da von. Sein Zustand ist sehr ernst.

Schwere Eroloftonstatastrophe in Berlin. Auf dem ausgedehnten Fabrikgrundstück der Berliner Allgemet­nen Elektrizitäts- Gesellschaft in der Sickingerstaße, wo sich die Glühlampen- und Nernst- Lampenfabrik der Fabrik befindet, hat sich am Sonnabend eine schwere Explosionsfatastrophe ereignet, bei der drei Personen, ein Ingenieur, ein Monteur und ein Bauarbeiter ge­tötet, dret Personen schwer und dret weitere leicht ver letzt wurden. Das Unglück erfolgte bei der Prüfung einer neuen Gasanlage dadurch, daß sich in dem Schorn­tein Wasserstoffgafe mit atmosphärischer Luft vermischte, sich hierdurch in Senallgas verwandelte und explodierte. Durch die Gewalt des Luftdruces wurde an der Mün­dung des Schornsteins ein Teil des Mauerwerks aus­einander gesprengt und aus beträchtlicher Höhe auf die unten stehenden Ingenieure und Arbetter hinabgeschleu bert. Obgleich sofort Hilfe zur Stelle war, konnten dret von den Mauerstücken getroffene Personen nur als Leichen geborgen werden. Die übrigen Verletzten wur ben teils in das Krankenhaus Moabit, tells in thre Wohnung geschafft.

Ein anständiger" Dieb. Auf dem Poftamt Laun bet Brür verschwand dieser Tage ein Postbeutel mit 86 000 Stronen. Die Ermittlungen führten dazu, daß wet Postbeamte fuspendtert wurden. Jest wurde der Bostbeutel auf dem Amte, an der Türklinte des Brief­trägerzimmers hängend, wiedergefunden; er enthielt noch 34 100 Kronen.

Die Erneuerung des verunglückten M 3.

Wie der Inf." mitgeteilt wird, ist ein völliger Neubau des im Kaisermanöver verunglückten Luftschtf­fes M. 3" voraussichtlich nicht notwendig. Es hat eine Prüfung der übriggebliebenen Luftschiffteile statt­gefunden. Diese hat ergeben, daß die Gondel, Motore und übrigen festen Tette des Luftschiffes mit Ausnahme der Luftschiffhülle nicht völlig unbrauchbar_ge= worden sind, fondern sich noch werden verwerfen lassen. Der Neubau des" M. 3" wird sich hauptsächlich auf Wie­derherstellung der beschädigten Konstruktionsteile und auf Erneuerung der Hülle beziehen. Man fann anneh= men, daß das Luftschiff denselben Namen beibehält. Im Anschluß daran set darauf hingewiesen, daß über die Ergebnisse der Verwendung von Flugzeugen im Ratfermanöver bisher noch ein endgültiges und abschließendes Urteil nicht gefällt werden kann, da die maßgebenden Stellen noch mit einer Prüfung der Gr­gebnisse beschäftigt find. Es wird bestättat, daß die Gr gebnisse sehr günstig gemefen sind. Von dem Ausfall der Prüfung wird es abhängen, in welchem Maßstabe im fommenden Jahre die Ausgestaltung unserer Flug­zeugflotte vor fich gehen wird. Einzelheiten darüber las= fen sich augenblicklich noch nicht mitteilen.

Auf der Flucht vor den Lavaltrömen.

As die glühenden Ravaströme Bet dem jüngsten Ausbruch des Aetna die am Fuße des Berges Ifegenden Ortschaften mit Vernichtung bedrohten, vermochten fich die Bewohner in ihrer Mehrheit nicht zu entschließen, Man dem gefährdeten Heint den Rücken zu fehren. hoffte noch immer, durch Gebet und Kasteiungen das Schlimmste abzuwenden. Aber unaufhaltsam nahten die Tod und Verderben spelenden Ströme. Was taten ste Bauern von Linguagloffa? Sie fletterten, wie ein Aut­genzeuge eines ttalienischen Blattes schreibt, auf die Obstbäume und pflückten zunächst die Früchte ab, ehe fie an die Flucht dachten. Fast wären sie bei diesem Ge­schäft von den Lavaströmen überrascht worden. Mit den

Der König gab hierauf keine Antwort. Er wies auf das auf dem Tablette befindliche Dejeuner und sagte: Eins will ich wissen. Heraus mit der Sprache! War Er es, der mir heute diesen Trank hier bereitet hat?" Heute," stotterte Glasau, heute,.." Unsicher blickte er auf den König.

In den wunderbaren großen blauen Augen des Herrschers, dte scharf und durchdringend auf ihn gerich= tet waren, las er das verratene Geheimnis. Er sah, daß der König alles wußte. Und als Friedrich jetzt unge= duldig wiederholte: Hat Er mir die Schokolade beret­tet?" da stürzte er vor dem König auf die Ante und flehte mit zitternder Stimme:" Gnade, Majestät, Gnade."

Meint Er wirklich, daß Er dieser wert set?" er­widerte der König hart. Da irrt Er sich. Gegen einen Verbrecher wie Ihn nehme ich keine Rücksichten, auch nicht," und dtes sprach er ein wenig leiser, auch nicht für Seinen Auftraggeber, wäre nicht von der Seite, da man den Stoß wider mich führte, dieser zugleich pariert worden. Darum wird die Sache vorläufig mein Ge­heimnis bleiben. Aus meinen Augen, Erbärmlicher! In den Kasematten Spandaus mag Er über Sein Ver­brechen nachdenken. Noch Eins. Ist er Sachse?"

Da bekannte Glasaut alles. Er erzählte, daß er Desterretcher, gewissermaßen im Auftrage des Grafen Kaunis nach Dresden gekommen sei und von hier, nach= dem er zuerst beim Grafen Brühl in Dienst gestanden, diesen mit dem beim Könige von Polen vertauscht habe. Warum Er nach Dresden geschickt worden sei?" " Man habe Dresden gewissermaßen als Durch­gangsstation nach Potsdam betrachtet, Graf Kaunitz Habe am Hofe des Königs von Preußen einen verläß­lichen Kundschafter haben wollen."

Röntg Friedrich fragte nicht weiter. Er wußte, was er hatte erfahren wollen...

schweren Obstfäcken auf dem Rücken machten fie fich nunt auf die Flucht und mußten die Last schließlich liegen laffen, um dem Unheil zu entgehen. Andere Bauern schlugen mit den Aerten die Aeste von ihren Kastanien­bäumen herunter, in der Sorge, die schönen Aeste tönnten sonst ein Raub der Lavaströme werden. Mit den Aesten auf dem Rücken floh man eine Strede, um auch diese Last dann wegzuwerfen. In dem historischen Tal von Alcantara, wo der Aetnawein besonders gut gedeiht, dachte man zunächst an die Rettung der Wein­ernte. Schleunigst wurden die Trauben gepflückt, ge preßt und der Inalt in Fässer gegossen. Aber als es an die Flucht ging, ließ man die Fäffer steben und nahm in der Haft und Angst die hölzernen Stützen für die Reben mit. Bahnarbeiter fuchten die Gleise der Aetna Rundbahn zu retten, als die Gluten schon in gefahr­drohende Nähe kamen. Beim Ruf: tette sich, wer tann!" ließen die Arbeiter ihre bei der Arbeit abgeleg ten Kleider im Stich und liefen mit einigen Bohlen und Eine Eisenstangen von fragwürdigem Wert davon. Menge betender und weinender Frauen stürzte barfit­Big in wilder Flucht auf einen fleinen Hügel hinauf, auf dem ein wundertätiges Kreuz steht. Sier, ja hier, würde unfehlbare Rettung sein! Die Flammen könn­ten dem Kreuze des Heilandes nichts antun. Aber die Rettung fam nicht. Glühende Sprißer schlugen schon von der nahenden Lavamasse ins Gesicht der vor dem Kreuz Knieenden. Nun gings endlich an die Flucht.

Die Ausbrüche des Aetna dauern fort. Die Stadt Catania ist in großer Aufregung, und die Bevölke rung veranstaltet Bittprozessionen. Seit Freitag hat die Heftigkeit der Ausbrüche etwas abgenommen. Die ganze Stadt ist zentimeterhoch mit Asche bedeckt.

Bagrow und sein Opfer.

Der Attentäter Bagrow galt der politischen Bolt­zet in Rußland als ein nüßlicher Geheimagent, da alle feine Angaben bestätigt wurden. Dadurch erwarb er fich großes Vertrauen des Chefs der Kiewer Geheim­polizet Kulfabfo. Wie Bagrow aussagt, wollte er den Ministerpräsident Stolypin auf der Gesellschaft der Kaufleute am Tage vor dem Attentat töten, und er wartete lange auf eine günstige Gelegenheit, um nie­mand aus dem Publikum zu verlezen. Als sich ihm die Gelegenheit bot, verließ ihn der Muf, auf Sto­Inpin zu feuern. Am nächsten Tage, wo die Theatervor­stellung stattfand, schwankte er bis zum zweiten Zwi­fchenatt, tam aber dann zu der Ueberzeugung, daß er eine beffere Gelegenheit nicht finden würde. Er näherte sich dem Ministerpräsidenten, welcher völlig unbewacht war, holte aus der Hintertasche einen Revolver, wel­cher samt der Hand durch ein großes Programm verdeckt war, und gab zwei Schüsse ab. Darauf Itef er gebückt auf den Korridor, in der Hoffnung, in der allgemeinen Bestürzung zu entkommen. Außer einer Kopfwunde, die Bagrow durch einen Säbelhieb beigebracht worden ift, find ihm zwei Zähne ausgeschlagen worden. Ez verlautet, daß die Revolutionäre, als sie mit Bestimmt­hett erfahren hatten, daß Bagrow ein Verräter war, thm vorgeschlagen haben, er solle sich durch die Ermor­dung Stolypins rehabilitieren. Hierauf set Bagrow eingegangen. Die Kunde von der Tat hat auf den Chef der Kiewer Geheimpolizet Kulajbko einen erschüt= ternden Eindruck gemacht. Zum Verhör eladen, bat erschluchzend um die Erlaubnis, feine Aussagen schriftlich machen zu dürfen. Das Kriegsgericht wird am 20. September stattfinden. Bagrow, der seiner­zeit Mitglied des Studentenausschusses war und gleich­zeitig der Geheimkolizei diente, erfreute sich großer Bo­pularität unter den Studenten, und diese Pupularität ausnugend, zetote er viele Studenten und Gymnastasten an. Auf dem Wege zur Festung bat Bagrow den be­alettenden Polizeibeamten um eine Bigarette, indem er Hinzufügte, diese ganze Geschichte abe ihn furchtbar aufgeregt, er fönne bts test noch nicht zur Besin­nung fomment.

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Nach den neuesten Meldungen aus Stem hatte Bag­rom nach seiner Rückkehr aus Petersburg dem Kiewer Polizeichef mitgeteilt, daß etne Revolutionärin, genannt na Alexandrowna, in Begleitung eines Re­volutionärs vom Zentralkomitee für die Reise Kiew bestimmt worden wäre, um den Ministerpräsiden­ten Stolypin und den Unterrichtsminister Casso zu= ten. Der Boltzeichef hätte darauf Boorow den Schuh Stolppins übertragen. Man erkennt hternach das Dop­pelspiel des Attentäters. Bagrow gehörte übrigens nicht der Kampforganisation der foztalrevoluttnären Partet, sondern einer neugegründeten Revolutt­onsgruppe an, deren Devise: Terror auf allen Ge­bieten des Staatslebens, nicht nur Attentate gegen ein­zelne Hochgestellte! lautet.

Im Befinden Stolypins

ung einge

ist Sonntag eine Verschlechterung eingetreten, doch besteht nach Meinung der Aerzte zurzeit kein Grund zu ernsten Befürchtungen. Der Sonntag nach­mittag ausgegebene amtliche Krankheitsbericht befagt: In der Nacht ist eine Verschlimmerung in dem Zustande

Vollkommen begriff er, daß er, der König, von der Gräfin Brühl gehaßt wurde, und ebenso, daß diese thren Haß in die Tat umzusehen beabsichtigt hatte. In threr Hand war Glasaut ein williges Werkzeug gewesen. Und ein geschicktes obendrein. Fretlich, in der letzten Mt­nute und wider alle Berechnung war der feine Plan zer­stört worden.

Was mochte man ihm versprochen haben, daß er zum Mörder hatte werden wollen?

MA Auch das gestand Glasau ein. Ihn hatte nichts an­deres verlockt als das, was fett Hunderten von Jahren die Menschen blendet, was Treue und Liebe wanken macht, was Etde und Schwitre bricht, das Gold. Ein Vermögen war ihm zugesagt worden, er hätte sich da­von Wappen, Namen, eine Grafschaft kaufen können! Wie hätte er nicht zugreifen sollen, wo thm Gold über Gold versprochen wurde?

An Deinem Ehrgeize gehst Du zugrunde," hatte thm einst ein blondes Mädchen zugerufen, ein Mädchen, das er zugrunde gerichtet, und das nun längst in fühler Erde ruhte. Sie sollte recht behalten.

Glasau, der den König hatte vergiften wollen, wurde in die Kasematten von Spandau abgeführt. Fried­rich wahrte das Geheimnis in verschwiegener Brust, später erst hat die Welt darum erfahren.

8. Kapitel.

Baß Dir die Zeit nicht lang werden, ich sehe Dich bald wieder," hatte Malzahn zu Beate von Brühl betm Abschiede gesagt. Darauf hatte sie traurig gelächelt und eine Antwort gegeben, die er nicht verstanden hatte. Sie fühlte, daß sie frank werden würde.

Unaufhörlich dachte Malzahn an ste.

Bereits am Morgen in aller Frühe hatte er sich nach threm Befinden erkundigen wollen, allein dazu

des Ministerpräsidenten Stolypin eingetreten. Die Wunde der Eingangsöffnung wurde in gutem Zustande befunden. Unterhalb des Schußkanals an dessen hin teren Ende wurde der Sitz des Geschosses festgestellt, die Kugel wurde entfernt. Der Kranke überstand die Entfernung des Geschosses in völlig befriedigender Weise. Bei dem Ministerpräsidenten, der bet vollem Bewußtsein ist, weilt unablässig seine Gemahlin. Das Hospital wird fortwährend von Personen aufgesucht, die ihre Teilnahme befunden; viele bringen Heiligenbild= chen mit der Bitte, sie dem Kranten zu übergeben. Der Bischof von Tschigirin überbrachte selbst ein Heilt­genbild.

Kiew, 18. September. Gestern abend wurde über das Befinden des Ministerpräsidenten gemeldet, daß die Bauchfellentzündung fortschreitet. Die Tempe ratur beträgt 36,6, Puls 116-120, Atmung 28. Der Zustand des Patienten ist sehr ernst.

Niew, 18. September. Heute vormittag hat sich der Zustand des Ministerpräsidenten abermals ver schlimmert. Bei niedriger Temperatur beträgt der Puls 140. Die Atmung ist furz. Die aus der Wunde ent fernte Kugel zeigt eine Deformation, weil sie auf dent Wladimirorden, den Stolypin trug, aufgeschlagen ist.

Blutige Straßenfrawalle in Wien.

In Wien fanden am Sonntag vormittag sozial­demokratische Sundgebungen gegen die Lebensmittel­teuerung und das Fleischeinfuhrverbot statt, an denen fich etwa 40 000 Personen beteiligten. Während die Versammlung selbst ruhig verlief, fam es nach Schluß derselben zu schweren Rutheftörungen. Als die Menge aus dem Versammlungslokal abzog, verbreitete sich plötzlich panikartig das Gerücht, daß aus den Fenstern des Verwaltungsgerichtshofes auf die Demonstranten geschossen worden set. In blinder Wut stürmte die Menge in den Verwaltungsgerichtshof und zertrüm­merte sämtliche Fenster. Infanterie und Kavallerie rückte an und trieb die Menge auseinander. Ein zer­sprengter Bug gelangte auf den Hof des Kriegsminis fteriums, wo es gleichfalls zu großen Demonstrationen tam und ein Zug Husaren in die Menge hineinretten mußte. Inzwischen war es in der Josefstädter Straße zu einem Zusammenstoß gekommen. Dort versuchte die Menge einen Viktualtenladen zu plündern. Der Wider­stand, den die Plünderer fanden, steigerte die Aufregung und es begann ein nunnterbrochenes Steinbombarde= ment, bei dem sämtliche Fensterscheiben zertrümmert, eine Anzahl Geschäftsläden geplündert und die Laden­einrichtungen demoliert worden waren. Einige Stras ßenbahnwagen, die nicht rasch genug vom Blaze kamen, wurden umgeworfen, mit Petroleum begoffen und ant gezündet. Dragoner und Husaren rückten sofort an und stürmten in die Menge. Am Hoferplatz stürmte die Menge das Schulgebäude und warf Türen, Fenster und fämtliches Lehrmaterial auf die Straße und zündete es an. Die Flammen griffen auch auf das Schulgebäude über. Das anrückende Militär wurde mit Steinwürfen empfangen. Dieses ging mit Bajonettangriffen vor und eine große Anzahl der Demonstranten erlitten dabei Verlegungen. Die Straßen sind von starken Infanterie­patrouillen besetzt, die Zudringende mit gefälltem Ba­fonett zuritdhalten. Abends herrschte tiefe Finsternis, da die Demonstranten die Gas- und elektrischen Lam­pen zertrümmert hatten.

Wien, 18. September. Behördlich wird bekannt gegeben, daß bei Wiederholung der Krawalle in Wien das Standrecht verkündet werden würde. Für heute abend wurde angeordnet, daß die Haustore um 8 Uhr und die Wirtschaften um 9 Uhr geschlossen sein müssen. Heute vormittag herrschte überall Ruhe.

Die Opfer der Krawalle.

Während der offizielle Bericht von einem Toten und 60 Verwundeten spricht, gab es zuverlässigen Pri­vatnachrichten zufolge bis 9 Uhr abends 4 Tote, 30 Schwer und 100 Leichtverletzte. Unter den Verwun­deten befinden sich auch drei sozialdemokratische Abge­ordnete. Zahlreiche Soldaten und Polizisten wurden durch Steinwürfe verwundet. Ueber hundert Personen wurden verhaftet.

Drabinachrichten und neuestes.

Vom Automobil überfahren und getötet. Nürnberg, 18. September. Gestern abend über­fuhr der amerikanische Erfinder Edison mit seinem Ait­tomobil bet Laus einen zwölffährigen Knaben, der so­fort tot war.

Todessturz eines englischen Militärfliegers. 028ien, 18. September. Ein Aufruf der sozial­demokratischen Parteileitung fordert unter Hinweis da­rauf, daß nach ruhiger Arbeiterdemonstration disziplin­Lose Elemente Kämpfe mit Militär und Polizet begon­nen, die Arbeiter auf, sich jeder weiteren Rundgebung zu enthalten.

0 London, 18. September. Gestern abend stürzte der Leutnant Cammel bei einem Höhenflug zu Boden und wurde sofort getötet.

fand sich wirklich keine Zeit. Er wurde mit Geschäften überhäuft. Sollte er seinen Diener schicken? Es wider­strebte ihm; außerdem wurde das Palais Brühl von preußischen Truppen überwacht, und die Sendung seines Boten würde vielleicht Anlaß zu Mißdeutungen geben.

So wartete Malzahn, bis es ihm endlich gelang, ein Stündchen Beit zu erübrigen, und da war es Abend geworden..

Als er in das Palais tam und seinen Namen nannte, führte man ihn zu dem Flügel, der der Gräfin zum Aufenthalt diente. Soldaten wiesen ihn zurecht. Das prächtige Schloß stand bereits unter dem Betchen des Verfalls. Das wundervolle Treppenhaus war öde, die Zimmer thres reichen Inhalts, ihrer Kunstschäze beraubt. Das alles machte einen so traurigen Eindruck, daß sich Malzahn eines Gefühls des Bedauerns über die Berstörung nicht erwehren fonnte. Die alte Herr­Itchkeit war hin, dem wundervollen Hause fehlte das Leben. Auf den Marmortreppen, wo die in den Brühl­schen Farben gekleideten Rafalen jedes infes thres Herrn gewartet, schlenderten jetzt preußische Soldaten.

Malzahn dachte an das Diner, das einst Brühl den polnischen Majestäten gegeben, das taum ein Jahr zu­rücklag, wo hier ettel Glanz und Bracht geherrscht, wo nichts als Lust und Freude gewesen war.

Vanitas vanitatum, dachte er.

Nach vielem Suchen und Fragen gelangte Malzahn in ein Vorzimmer, das zur Wohnung der beiden Da­men gehörte. Ster fand er eine Dienerin, die feine An­meldung bei der Gräfin übernehmen wollte. Romtesse Sie hatte Beate set frant, sehr tranf. Man fürchte fagen wollen: das Schlimmste, allein ste sprach es nicht aus. Dann begab sie sich zur Gräftn.

( Schluß folgt.)