Ausgabe 
18.2.1911 Zweites Blatt
 
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Riaffen zu fördern. jetzt bei dem neuen Steuergesetze. Niemals wird es der nationalliberalen Partei und den bei­den freisinnigen Parteien vergessen werden, daß sie bis zur letzten Stunde gegen dieses un­gerechte Steuergesetz mit aller Energie ge­fämpft haben, aber leider war ihre Zahl zu schwach. Durch dieses Steuergesetz liegt unsere Industrie, Han­del und Verkehr darnieder und tausende Arbeiterfami­lien, welche brotlos werden, seufzen in Not u. Elend. Dabei müssen über 90 Prozent der ganzen Bevölker­ung an dieser unübersehbaren Last tragen und die Großagrarier, diese ostelbischen Junker, welche nicht wissen, wie sie in Saus und Braus ihr Leben ver­schönern sollen, sie wollen dem Staate nichts geben und ebenfalls ihren Arbeitern nicht, sie wollen nur ein mittelalterliches Sklaventum wieder schaffen und dazu hat ihnen jetzt der neue Block geholfen und ist schonend an ihnen vorübergegangen."

Weiter heißt es da:

,, Auch haben es jetzt alle Wähler erfahren, was die hochwohllöbliche christlich- soziale Partei zum Wohle ihrer Wähler getan hat. Herr Behrens hat teilweise für die Verbrauchssteuern gestimmt und bei Kaffee und Teezollerhöhung sich der Stimme ent­halten. Wie stimmt dieses zu einem Generalsekretär der christlich- sozialen Arbeiterschaft? Es ist ihm an­geschrieben und ist nicht wieder auszuwischen."

Zu diesem Eingesandt" haben Sie, Herr Redakteur, eine 20 Zeilen lange Ergänzung geschrieben, jedoch die Mitteilung, daß die Nationalliberalen be= reit waren, 400 Millionen Verbrauchs­steuern zu bewilligen, suchen wir vergeblich. Sie lassen vielmehr die Meinung bestehen, daß die Na­tionalliberalen von vornherein mit aller Energie die Ver­brauchssteuern bekämpft hätten, aber leider zu schwach waren, um zu verhindern, daß, 90 Prozent der gan­zen Bevölkerung" unübersehbare Lasten" aufgebürdet wurden.

5. In den Vaterl. Blättern" Nr. 35 1909 veröffent­lichen Sie einen Artikel: Wie man lügt" aus den W.

4. R. Catin the Spurteien, welche die Licht- und Zundholzsteuer 2c. bewilligten. Wörtlich heißt es da:

"

Alle Achtung! Müssen doch all die Industriellen, Kaufleute und Handwerker eigentlich Schafsköpfe sein, die nicht längst herausgefunden haben, daß die den Geldverkehr verteuernden und hemmenden steuerlichen Maßnahmen, daß Licht- und Zündholzsteuer und alle anderen Lasten mehr allesamt nur dazu da sind, den flotten Gang von Handel und Wandel zu fördern." Auch hier fehlt jde Bemerkung, daß die Na= tionalliberalen die Zündholzsteuer be­willigen wollten.

6. Ein Eingesandt" der Vaterl. Bl." Nr. 15 1910 enthält folgende verhetzenden Sätze:

Darum ihr deutschen Frauen, tut eure Pflicht als Gattin und Mutter, vermahnt in dieser ernsten Zeit eure Gatten und Söhne, daß sie für das politische Leben die Hände nicht müssig in den Schoß legen und sich auch nicht den Fraktionen anschließen, welche die Interessen derer mit Füßen treten, welche in dem Schweiße ihres Angesichts ihr Brot essen müssen. Denn wie Napoleon 1. einst der Welt die Augen geöffnet hat durch sein blutdürftiges Ringen nach Ländergier, so hat der schwarz- blaue Block bei dem letzten Steu­ergesetze und bei der Wahlrechtsvorlage allen Wählern die Augen geöffnet."

Auch hier fehlt jeder Hinweis, daß die Natio­nallib. bereit waren, für die Verbrauchsste u ern( Kaffee, Tee-, Tabak-, Bier-, Branntwein- und um die ,, die Interessen Zündholzsteuer) zu stimmen und damit Sprache des Einsenders zu benutzen derer mit Füßen zu treten, welche im Schweiße ihres Angesichts ihr Brot essen müssen.

7. Schließlich will ich Sie, Herr Henrich, noch an einen Artikel Ihrer Vaterl. Blätter" Nr. 30 1909 er­innern, der die verheißungsvolle Ueberschrift trägt: Lügen haben kurze Beine" und worin folgende Stellen vorkommen:

Eingesandt.

Die Vaterl. Blätter", das Organ der national­liberalen Partei des Wahlkreises Wetzlar, veröffentlichen in ihrer Nr. 5 bom 3. Februar d. Js. eine ihnen von einem Parteifreunde aus Altenkirchen, Kreis Weglar, übersandte Zuschrift, in welcher behauptet wird, Herr Pfarrer Na ce in Altenkirchen habe zu einer Erinnerungs­feier an die Reichsgründung eingeladen, diese Feier sei alsdann zu einer konservativen Parteiversammlung ausgestaltet bezw. mißbraucht, und dabei durch konser. batives Freibier und Zigarren versucht worden, die Erschienenen für den konservativen Kandidaten. Etchel zu beeinflussen.

Diese Angaben find unwahr, die Tatsachen viel mehr folgende:

Der konservative Kreisverein Wetzlar hat bom 20. Januar bis zum 8. Februar etwa 50 Be­

sprechungen und Versammlungen im Kreise Wetzlar abgehalten, um den Wählern seinen Kandidaten v. Eichel borzustellen und diesem andererseits Gelegenheit zu

geben, die Wähler und die Verhältnisse des Kreises

fennen zu lernen. Nicht in einer einzigen dieser Ver­anstaltungen ist von konservativer Seite oder von seiten des Kandidaten auch nur ein Glas Freibier oder eine

Zigarre gespendet worden, auch nicht in Altenkirchen,

Kreis Wetzlar.

"

Die haben nie einen Zweifel gelassen, daß sie die jür den Bedarf des Reias wendigen Verbrauchssteuern bewilligen wollten. D wären aber nie 400 Millionen gewesen."

Weiter ist darin gesagt, daß nach dem Steuerp gramm der Liberalen

,, an Verbrauchssteuern nur höchstens 350 Mi lionen nötig gewesen wären."

Und nun vergleichen Sie damit, was der nation liberale Parteiführer, Abgeordneter Bassermann, dem Berliner Delegiertentag am 4. Juli 1909 führte:

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21

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Die nationalliberale Partei ist bereit, d Reich zu geben, was es braucht, die 500 Millione und zwar 400 Millionen Konsumsteuern 100 Millionen Besitzsteuern."

Der Widerspruch zwischen den beiden Zita ist nicht zu übersehen und bedarf keiner weiteren Er

ung.

Die vorstehenden Beweise dürften genügen, Jh Offenen Brief" ins rechte Licht zu rücken. We Sie in dem Ihnen hier vorgehaltenen Spiegel eigenes Bild betrachtet haben, werden Sie hoffent nicht mehr den Mut besitzen, Herrn Abg. Behrens bewußten unwahren Verdächtigung zu zeihen. L könnte ich Ihnen an Hand des obigen Beweismateri den Vorwurf der bewußten unwahren& richterstattung" machen. Jch tue es nicht, weil ich Gepflogenheiten Ihrer Baterl. Blätter", bei jeder senden und unpassenden Gelegenheit die Wahrheitsli des politischen Gegners anzuzweifeln, in tiefster E hasse. Ich sage nur, daß in den von Ihnen gierten Vaterl. Bl." über die Reichsfinanzreform wahr berichtet worden ist und die Berichte Ihre Blattes ein wahrheitsgetreues Bild über die Reid finanzreform nicht ergeben.

| der Nachbardörfer eingeladen habe. Eingeladen waren speziell die Kriegervereine seines Kirchspiels, die Krieger. bereine anderer Dörfer hatten telephonisch um Erlaub­nis gebeten, auch fommen zu dürfen. Andere Vereine" waren garnicht eingeladen. Wer aber Pfarrer Nade fennt, weiß, daß er für die Bewirtung bei Ge meindefeiern persönlich aufzukommen pflegt; vou seiner Gastfreundschaft haben die Erschienenen, etwa 150 an der Zahl, Gebrauch gemacht und ganze 100 Flaschen Bier getrunken uud 190 3igarren geraucht.-Unwahr ist die Behauptung: Herr Grund habe eine fonserva­tive Parteibersammlung eröffnet, unwahr ist, daß irgend welche andere als patriotische, von jeglicher Parteipoli­tif freie Töne, an jenem Feste erflungen seien; unwahr die Behauptung: Herr Grund habe am nächsten Abend in Hohensolms von Thränen der Begeisterung" Anfang bis zu Ende, Zon und Art der Darstellung aber derart, das die unwahrhaftigkeit der Schilderung Baterl. Bl." wäre es ein Beichtes gewesen, sich Ge­

Die konservative Versammlung in Altenkirchen ( Nr. Wetzlar) fand am Sonntag den 22. Januar, abends 17 Uhr in der Hartmann'schen Gastwirtschaft statt. Im Verlaufe der Besprechung teilte Herr Partei Winters in Altenkirchen 1 oder 2 weitere Versammlungen abhalten würde, um die Stellung der konservativen Partei zu den politischen Tagesfragen darzulegen.

sekretär Grund mit, daß er noch im Laufe des

An demselben Sonntag, abends 9 Uhr, fand dann

in dem auf dem Pfarrhofe gelegenen Saale des Ge meindehauses die bereits erwähnte Erinnerungsfeter

zu ihr hatte Herr an die Reichsgründung statt. Pfarrer Nacke die Einladungen erlassen, und eine solche auch Herrn v. Eichel und Herrn Grund übermittelt. Herr Pfarrer Nacke sprach über das Thema:" Wie wurde das Reich gegründet?", Herr v. Gichel über

Wie wird das Reich erhalten?" Herr Pfarrer Nacke hatte Herrn v. Eichel vor der Versammlung darauf hingewiesen, daß Angehörige aller bürgerlichen Bar­

teten und Konfessionen anwesend sein würden und da her bei den Ansprachen alles Parteipolitische und Dementsprechend Konfessionelle auszuscheiden set.

ohne weiteres zu erkennen war. Der Redaktion der

wißheit zu verschaffen, wie die Dinge sich in Wahrheit zugetragen haben.

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Ferner sage ich auf Grund des vorstehenden weismaterials, und damit greife ich den eingangs wähnten Vorwurf auf, daß die Vaterländischen Blät die Zündhol 3 steuer in der schärfsten Weise b kämpft haben, ohne die zustimmende Stell der Nationalliberalen zu dieser Steuer zue wähnen. Das werden Sie nun wohl selber mehr leugnen wollen. Jedenfalls wird eine solche L nung feinen Eindruck machen auf diejenigen Kreise, das vorliegende Material kennen. Die Aktion offenen Briefes" ist also verunglückt. Mein Beileid!

Die Baterl. Blätter" fügen der Zuschrift thres Par tcifreundes dann noch einen Nachsatz an. Sie verschwei: gen darin aber wohlweislich, daß in jener Hörnsheimer Versammlung, in welcher Herr Rechtsanwalt Dormann veranlaßt werden mußte, den Saal zu verlassen, Herr ben Gichel die Erschienenen gebeten hat, hinunter zu gehen, Herrn Dormann anzuhören und sich selbst ihr Urteil zu Die Baterl. Blätter" empfehlen weiter: alle Besucher von Versammlungen möchten fich von Hern v. Eichel Freibier und Zigarren versprechen lassen. Hern v. Eichel Freibier und Zigarren versprechen laffen. Für unsere Versammlungen ist ein solcher Rat unan­gebracht. Gehört die Spendung von Freibler und 3i­len, bezw. der Vaterl. Blätter"., wie es ja der von

bilden

garren zu den Ueberredungsfünften der Nationalliebra­

ihnen den Wählern erteilte Rat vermuten läßt, so wol. len und können wir die Herren Nationalliberalen da­rin nicht hindern. Bei den Konservativen herrschen der rin nicht hindern. Bei den Konservativen herrschen der artige Gebräuche nicht. Unser Kandidat lehnt es ent schieben ab, sich derartiger Mittel zu bedienen. Herr v. Gichel ist der Ansicht, daß es auch für den ärmiten

und kleinsten Wähler geradezu eine Kränkung und Be

leidigung sein würde, anzunehmen, seine politische Mei­nung und Ueberzeugung sei für Freibter und Zigarren oder irgendwelche matertelle Vorteile zu erfaufen.

Daß die nationalliberalen Vaterl. Blätter" es wa

wurde auch gehandelt. Die Ansprache des Herrn| gen, den Wählern des Wahlkreises Wetzlar- Altenkirchen b. Eichel klang aus in die Worte: Das Reich wird erhalten durch Gottesfurcht, Königstreue, Baierlands liebe und Pflichterfüllung!"

Wir fragen: hätte ein nationalliberaler Redner zu einem anderen Schlusse kommen fönnen?

Wir fragen: ist es etwa einem fonservativen Mann berboten, gelegentlich einer patriotischen Feier auch zu seinen Mitbürgern anderer Parteten zu sprechen?

"

Unwahr ist die Behauptung des Parteifreundes der Vaterl. Blätter": ein konservativer Generalstab aus Wetzlar set mit erschienen gewesen; außer Herrn v. Eichel und Herrn Grund war fein Konservativer aus Weglar erschienen. Unwahr ist auch die Behauptung, daß Herr Pfarrer Nade die Krieger- und andere Vereine

einen solchen Rat zu erteilen, ihnen derartiges zuzu­muten, beweist nur aufs neue, wie wenig sie den Cha rakter und das Ehrgefühl der Bewohner des Wahlkret­ses zu schätzen und zu beurteilen vermögen.

Im übrigen möchte ich Sie, sehr geehrter Herr rich, noch freundlichst bitten, nicht zu vergessen, daß

und Bündholzsteuer gestimmt hat. Abgeordneter Behrens gegen die Tabak, Kaf

Die Konservativen lehnen solche Mittel und eine Art der Kampfesweise, wie sie aus der Zuschrift und dem Nachsatze der Vaterl. Blätter, spricht, ein für alle­mal ab.

Heinrich Grund

Parteisekretär des konservativen Provinzial­vereins für die Rheinprovinz.

Mit vorzüglicher Hochachtung! H. Sch.

Nervosität.

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