Ausgabe 
18.2.1911 Zweites Blatt
 
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anal( Gießener Tageblatt)

Bezugspreis 50 Pfg. monatlich Enthält alle amil. Bekanntmachungen Anzeigenpreis 15 pig.min

vierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­nusgabestellen vierteljährlich 1,20 Mt. Erscheint

jeden Werktag früh. Die Humoristischen Blätter" liegen wöchentlich einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung micht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin Klein& Otto Fischer.

Nr. 42. dad( 2. Blatt.)

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der Großherzoglichen Bürgermeisterei

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hi die 44 mm breite Petitzcile oder deren Raum, auswärts 19020 Pfg.; die 90 min breite Petitzeile im e fiameteil

des Großherzoglichen Polizei- Amtes 50 Pig, auswärts 60 Pig.: Tabellen mit 50%, Auſſchlag. sowie vieler anderer Behörden Oberhessens Erpedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.) si mods!

Samstag den 18 Februar 1911

lich, von jemanden den Wahrheitsbeweis für eine Be­hauptung zu verlangen, aber in demselben Atemzug, also ohne den verlangten Wahrheitsbeweis abzuwarten, von bewußter unwahrer Verdächtigung zu reden?!! stionspolias Ob das in direkter oder indirekter Form geschieht, hat

Die Abonnentenzahl der Gießener Zeitung steigt täglich! Nicht allein auf dem Lande, sondern auch in der Stadt Wetzlar selbst hat die Zeitung an sehr vielen Stellen eine freundliche Aufnahme gefunden. sind infolgedessen größere Räume für die Redaktion und Expedition notwendig geworden und haben wir nunmehr die Wetzlarer

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in dem vorliegenden Fall nur eine strafrechtliche Be=

deutung. Halten Sie es ferner für höflich und anstän= dig, einen Brief mit gebührender Achtung" zu schließen, wobei das Wörtchen gebührend" in dem bekannten be­leidigenden Sinne gebraucht wird?! Wenn Sie das

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anständig und höflich nennen, dann beneide ich Sie wirklich nicht um Ihre D. H. H."- Bildung, auf die Sie selbst sich ja so viel einzubilden scheinen. Jedenfalls sollten Sie so bescheiden sein und auf Briefe, welche die gekennzeichneten Merkmale Ihrer Hochschulbildung Geschäftsstelle sido offensichtlich zur Schau tragen, keine direkte Antwort odod 17m von denjenigen erwarten, an die sie gerichtet sind. Was mich veranlaßt, eine Antwort auf Ihren of= fenen Brief zu schreiben, ist die Sorge, es könnte der Zwischenruf des Abg. Behrens" sich zu einem ähnlichen Ungeheuer auswachsen, Abstimmungen der

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Neubauten

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Ertrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahhings zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder! Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlich ein. по блогосф Gesamtleitung: Albin Klein.

Telephon: Nr. 362.

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23. Jahrg.

fen worden sind, in soziales Hinsicht vielfach haben, das haben sich ihre Urheber, zu denen auch der Reichstagsabgeordnete Behrens gehört, nicht flar gemacht. Aus den Kreisen der Büglerinnen, Wäscher­innen und ähnlichen Berufen bis hinein in die Rei­ihen der Arbeiter, fleinen Handwerker und Geschäfts= leute vernimmt man jetzt fortgesetzt Klagen darüber, daß sie von vielen Familien des Mittelstandes, Ge­werbetreibenden wie Beamten nicht mehr wie seither zu Arbeiten herangezogen werden und große A u s- fälle in ihrem Verdienst haben. Denn infolge der durch die neuen Steuern erhöhten Preise be so π- ders für Kaffee und 3ündhölzer suchen to viele Hausfrauen dadurch mit dem ihnen vom Manne bewilligten Haushaltungsgelde auszukommen, das sie viele Arbeiten, die sie früher z. B. durch die Büglerin oder die Wäscherin tun ließen, jetzt selbst verrichten oder durch das Hausmädchen verrichten lassen. Auch bei anderen Ausgaben schränken sich die Familien ein, so daß auch den kleinen Geschäftsleuten mancher Ver­dienst verloren geht, und ebenso hört man aus den

Alle unſere geſch. Abonnenten, Inserenten, Mit- christlich- sozialen Abgeordneten beim Kaffeezoll und beim Streifen der Candleute Klagen, daß sie Geflügel- und arbeiter, Gönner und Freunde wollen davon Kennt­nis nehmen und im Interesse unsrer guten Partei­sache für immer bessere Verbreitung der Gießener Zeitung" sorgen.

Der Verlag.

Offene Antwort

auf den Offenen Brief an Herrn Reichstagsabgeordne­en Behrens" von Herrn R. Henrich, Geschäftsfüh­der Nationalliberalen Partei des Reichstagswahl mijes Wetzlar- Altenkirchen.

Sehr geehrter Herr Henrich!

In Nr. 5 der Vaterländischen Blätter" vom 3. Fe­fr. Schwabe. mar haben Sie einen Offenen Brief" an Herrn Reichs­Matthäus- Gesabgeordneten Behrens gerichtet. Veranlassung zu Schlosser. filem Brief hat Ihnen ein Vorgang aus der Reichs­izung vom 11. Januar gegeben, in welcher Herr erten männli. Lattmann nationalliberalen Parteisekretären den wurf machte, sie bekämpften fortgesetzt in r: Versammich är fst en Weise die 3 und holzsteuer, ohne nde. zustimmende Stellung ihrer Partei zu dieser Steuer Uhr im Mat: erwähnen. Herr Abg. Behrens hat nun, wie Fie reiben, durch den Zwischenruf Henrich in We- 3 Uhr: Verden Vorwurf des Herrn Abg. Lattmann aus­end der Mar- idlich auf Sie bezogen. Sie bemerken dazu in Ihrem fenen Brief": 58 Uhr im er Apostelge Schloffer.

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Bei meiner Kritik der Reichsfinanzreform habe ich nich stets darauf beschränkt, darzulegen, daß um dessentwillen zu verurteilen sei, weil ihr das Mo­mert der ausgleichenden sozialen Gerechtigkeit, die cll­gemeine Besitzsteuer fehle, habe aber niemals einen heh daraus gemacht, daß auch die national­liberal e Partei bereit war, den größeren Teil des Bedarfs durch Verbrauchssteuern aufzubrin­gen, eben unter der Voraussetzung, daß zunächst ein ßerer Teil durch eine wirkliche allgemeine Besitz­euer aufgebracht wurde. Auf eine Kritik der einzel­en Verbrauchssteuern habe ich mich sehr selten ein­glajen, in Bezug auf die Zündholzsteuer sogar den ren bekannten Standpunkt des Abgeordneten Osann angenommen." An diese Bemerkung knüpfen Sie die Drohung: Machdem Sie meinen Namen genannt, erwarte ich

the flipp und flare Antwort, wann und wo ich im Sinne der Ausführungen des Abg. Lattmann in der habe". barssten Weise die Zündholzsteuer bekämpft fall 5 Sie nicht in der Lage sind, den Beweis Ihre Behauptung zu erbringen, stehe ich nicht an, Jhre unter dem Schutze des Reichstages abgegebene Glärung als eine bewußte unwahre Ver­ichtigung meiner Person zu bezeichnen und Ihren Balplern zur gehörigen Kenntnis zu bringen." Ich nehme an, daß Herr Abg. Behrens weder Zeit Muſt hat, sich mit Ihnen in einen offenen Brief­

djel einzulassen. Sie sollten einen Reichstagsabge­Sie neteen nicht zumuten, auf Briefe zu antworten, ehr: die einfach sten Regeln des Ansandes d deer Höflichkeit vermissen lassen, wie Ihr of=

ramentalische Brief. Oder nennen Sie es anständig und höf=

.in Gießen.

Vereinsgesetz und könnten wie diese zur Verhetzung und Verwirrung der Wählerschaft und zu weiterer Vergift­ung des politischen Kampfes im Kreise Wetzlar benutzt werden, der ja Dank der fortgesetzten Anzweiflung der Wahrheitsliebe des Herrn Abg. Behrens durch Ihre ,, Vaterländilchen Blätter" und die nationalliberalen und freisinnigen Redner schon auf ein bedauerlich tiefes Niveau herabgesunken ist. Ich wage zu hoffen, daß Sie durch die Lektüre der nachstehenden Betrachtungen zu der Einsicht gelangen werden, daß Ihr offener Brief besser nicht geschrieben worden wäre. Auf alle Fälle werden aber die Wähler des Herrn Behrens in dieser Antwort Material genug finden, um einer offenbar be­absichtigten Ausnutzung Ihres" offenen Briefes gegen Herrn Behrens wirksam begegnen zu können.

Sie, Herr Henrich, sind verantwortlicher Redakteur der Vaterländischen Blätter" und machen sich als sol­cher alle darin enthaltenen Artikel und Notizen zu eigen.

Wenigstens haben Sie gelegentlich der Ansicht Ausdruck gegeben, daß ein verantwortlicher Redakteur für alles, was sein Blatt enthält, nicht nur dem Gesetz gegenüber verantwortlich sei, sondern, daß er auch persönlich für alle Einzelheiten so einstehen müsse, als wenn er der Verfasser wäre. Sie werden sich daher auch wohl gerne gefallen lassen, daß die Artikel der Vaterländischen Blät­ter" als Ihre eigene Sprache betrachtet und be­wertet werden. Ich habe leider noch nicht das Ver= gnügen gehabt, Sie reden zu hören, kann daher auch nur nach Ihrem gedruckten Wort urteilen und da raus mein Material nehmen.

Nun zur Sache. Untersuchen wir, wie es mit Ihrer B! merkung zu dem Zwischenruf des Herrn Behrens be­stellt ist. Sie wollen also niemals einen Hehl da­raus gemacht haben, daß auch die Nationallibe= rale Partei bereit war, bei der Reichsfinanzreform den größeren Teil des Bedarfs durch Verbrauch s= steuern( nämlich: Zündholzsteuer, Kaffeesteuer, Tee­steuer, Tabaksteuer, Biersteuer, Branntweinsteuer) aufzu­bringen, und inbezug auf die Zündholzsteuer wollen Ste den Standpunkt des Herrn Abg. Osann eingenom­men, d. h. ein Monopol gewünscht haben. Greifen wir aus dem reichlichen Material folgende 7 Beispiele her­рима

aus:

1. Die Nr. 31 1909 der Vaterländischen Blätter" ent­hält einen Artikel: Leichtfertige Steuergesetzgebung". Da­rin wird in der schärfsten Weise die Zündholzsteuer be­fämpft. U. a. lesen wir da:

Zur Sache selbst aber verweisen wir hier nur auf die Zündhol 3 steuer, mit der der schwarze Block das deutsche Volk gesegnet hat. Diese unbedachte Ge­setzesklitterung hat zur Folge gehabt, daß die deut­schen Zündholzfabriken in die allerschwerste Bedräng: nis geraten sind und einer noch schwereren Krisis ent­gegensehen."

Erzeugnisse viel schwerer in den Städten ab­setzen können. Dies ist recht bedauerlich, zumal der Winter vor der Tür steht und in dieser Jahreszeit die Angehörigen der obengenannten Berufe andere Arbeit und anderen Verdienst nicht finden können. Deshalb ergeht an alle Hausfrauen und auch Haus­Herren die Bitte, die Einschränkung der Ausgaben lieber auf einem anderen Gebiete, z. B. dem der Ver­gnügungen und ähnlichen, vorzunehmen und den fleinen Mann oder die arme Wäscher= in nicht für die Sünden derjenigen büßen zu lassen, die sich zwar christ= lich und sozial nennen, aberweder das eine noch das andere in Wahrheit sind."

In diesem Hezzartikel wird der Eindruck erweckt, als ob der christlich- soziale Abgeordnete Behrensan der der Reichsfinanzreform folgenden, schwarz in schwarz gemalten Teuerung der besteuerten Verbrauchsgegen= stände schuld sei, während er in Wahrheit gerade gegen die in dem Artikel genannten Steuern auf Zündhöl­zer und Kaffee und außerdem gegen die Tabak­steuer gestimmt hat. Von der zustimmenden Stellung der Nationalliberalen zur Zündholc­steuer und zu den meisten übrigen Verbrauchssteuern ist dagegen auch hier mit keinem Wort die Rede.

3. Jn Nr. 29 1909 der Vaterl. Blätter" ist folgende Notiz aus der sozialdemokratischen Oberh. 3tg." ab= gedruckt:

" Herr Franz Behrens ließ im Wetzl. Anzeiger" fund und zu wissen tun, wie er bei den einzelnen Steuervorlagen abgestimmt hat. Er scheint damit seine Haltung zur sogenannten Finanzreform recht= fertigen zu wollen. Bei verständigen Leuten dürfte er damit kein Glück haben, denn es geht daraus her­vor, daß er als getreuer Knecht der Pfaffen und Jun­fer den Arbeitern und Gewerbetreibenden aller Art ungeheuere Lasten aufbürden half. Zum Beispiel stimmte er für die Bier- und Brannt­weinsteuer und auch für die verrückte Kotierungs steuer, die schwindelhafter Weise vom konservativ- an­tisemitisch- zentrümlichen Steuerblock als Besitzsteuer" vorgeführt wird. Bei der Erhöhung des Kaffeezolles, wovon gerade die ärmere Bevölkerung ganz em= pfindlich getroffen wird, hatte Behrens nicht den Mut, ja oder nein zu sagen, sondern drückte sich und enthielt sich der Abstimmung. Zur nächsten Wahl werden die Wähler Herrn Franz Behrens hoffentlich den Dank abstatten."

Zu dieser Notiz schrieben Sie, Herr Henrich, nicht etwa wie es richtig gewesen wäre daß die Nationalliberalen für die Bier:, Brandwein, Kaffee, Thee, Tabak: und Zündholz- Steuer einzutreten bereit waren, sondern Sie bekräftigten die verhetzende Notiz des sozialdemokratischen Blattes noch durch die Bemerkung:

Sachlich trifft sie aber durchaus das Richtige."

In dem Artikel ist die zustimmen de Stellung der Nationalliberalen zur Zündholzsteuer mit keinem Wort erwähnt, auch das von Ihnen gewünschte Mo­02. Mr. 46 1909, haben Sie sich von einem Le- findet sich ein Eingesandt" des Herrn Heinrich

nicht.

2. Jn fer" folgendes schreiben lassen:

Welche schlimmen und bedenklichen Folgen die neuen Steuergesetze, die in so unverantwortlicher Ueberhast­ung von der konservativ- klerikalen Mehrheit geschaf=

4. In der Nummer 37 1909 der Vaterl. Blätter" Rözel, Jhres ständigen Mitarbeiters, das folgende Stelle enthält:

,, Niemals zuvor haben es die Parteien im Parla­mente bewiesen, welche das Wohl des Volkes, be­

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