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Gießener Zeitung

( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 50 pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen

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oierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mt. Erscheint Mittags 3 Uhr. Die Illustr. Weltrundschau" liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.. Verlag der ,, Gießener Zeitung ,, G. m. b. H.

Nr. 139.

Telephon: Nr. 362.

Die Weltportotrage.

Bei der Beratung des Postetats im Deutschen Reichs­tage wurde auch die Frage der Weltportoreform wieder aufgerollt. Der Briesportosatz von 25 Centimes( 20 Pfg.) im Weltverkehr, der für einfache Briefe seit 36 Jahren unverändert geblieben, ist nicht bloß zu teuer; er ist auch längst wegen seiner Höhe durch die billigeren Sondertarife der zahllosen Sonderpostvereine innerhalb des Weltpostvereins durchbrochen worden, aber ganz willkürlich und ohne Regel. Nach vielen fremden Welt­teilen zahlt man nur 10 Centimes oder 1 Penny oder 10 Pfg., nach angrenzenden Nachbarländern dagegen noch oft 25 Centimes oder Pence oder 20 Bfg. Manche Länder versenden die Hälfte oder gar drei Vier­tel ihrer Auslandsbriefe zum billigen Pennysatz, bei an­deren gilt wieder nach außerhalb nur der teure Welt­postvereinstarif( 25 C.), oder gar in vielen Fällen ein doppelt so hohes Porto( z. B. aus Südamerika mit sei­nen Seeportozuschlägen). Und die verschiedene Gewichts. einheit, bald 15, bald 20, bald 28 Gramm( 1 Unze), schafft weitere Unterschiede, so daß ein wahrer Tarif­wirrwarr herrscht. Ein und derselbe Brief von gleichem Gewicht kann so unter Umständen hier 10 Centimes( 8 Pfennig), dort 40 oder 50 Centimes und dort sogar 80 oder 100 Centimes kosten. Eine einheitliche Neurege­lung des Weltbriefportos tut also aufs dringendste not. Und der neue Tarif kann nur der Penny- Tarif oder das 10- Centimes- Porto sein; das Weltporto muß allgemein bis auf den Inlandsatz ermäßigt werden, was Stephan schon vor 25 Jahren für sein Jdeal erklärte. Bei gründ­licher Kenntnis der Portoverhältnisse aller Länder könn­ten Handel und Industrie diese Reform übrigens da durch beschleunigen, daß sie einfach ihre Massenbriefe stets von dem Lande abschicken, wo es am billigsten ist; wo sie nur 10 statt 25 oder 50 oder gar 100 Centimes bezahlen. Denn wenn der einheimischen Post der Por toertrag zu Gunsten des Auslandes ganz entgeht, würde sie schon geneigter sein, die Taxen zu verbilligen. Aber einstweilen können die Postverwaltungen noch ruhig sein, weil Handel und Industrie sich die Mühe solcher Por­tokriegslisten in der Regel nicht machen und die gefähr­lichen Reformschriften mit den Sondertaxen aller Län der, wie überhaupt die meiste Verkehrsliteratur, in wei­teren Kreisen gewöhnlich unbekannt bleiben.

Im Deutschen Reichstage, wo die Weltportoreform erneut zur Sprache fam, wies neulich der Abg. Eickhoff auf die außergewöhnlich günstige Finanzlage der Reichs­post hin, die 1909 wegen der Gehaltsaufbesserung der Beamten mit einem Fehlbetrag abschnitt, 1911 aber schon wieder mit einem Ueberschuß von etwa 100 Mil­lionen Mark rechnen kann, so daß das vorübergehende fleine Risiko, welches das Weltpennyporto brächte, nicht in Betracht kommt. Die interparlamentarische Konferenz in Brüssel Ende August 1910, aus Parlamentariern aller Länder zusammengesetzt, sei auch für das billige Weltporto eingetreten und habe es den Abgeordneten der verschiedenen Staaten zur Pflicht gemacht, in ihren hei­mischen Parlamenten dieses Problem erneut aufzurollen und die Regierungen dafür zu gewinnen.

Da Deutschland schon mit Nordamerika das billige Porto eingeführt habe, wäre der nächste Schritt doch eine gleiche Verbilligung im Verkehr mit den Nachbar­ländern. Auf dem bevorstehenden nächsten Weltpostkon­greß( 1913) sollte die Regierung darum energisch für das allgemeine Weltpennyporto, dieses Ideal Stephans,

eintreten.

Auch andere Abgeordnete empfahlen das internatio­nale Pennyporto.

und

Recht beachtenswert war die Antwort des Reichs postministers, des Staatssekretärs Kraetke. Er wies da­rauf hin, daß auch andere Staaten, so Amerika England, aus finanziellen Gründen noch zögerten. Aber er sagte wörtlich: Was die Vereinheitlichung des Por­tos im Weltpostverein anbetrifft, so verstehe ich den da­hingehenden Wunsch vollständig, und ich nehme nicht Anstand, zu erklären, daß mir das viele Flickwerk am Weltpostverein nicht sehr sympathisch ist." Unbedingt not­wendig ist jetzt nur, daß Handel und Industrie, Presse und Publikum aller Länder das ihrige dazu beitragen, um die wissenschaftlich spruchreife Reform tatkräftig zu fördern, die bereits williger werdenden Postverwaltun­gen moralisch zu stützen und die fiskalischen Widerstände baldmöglichst zu überwinden.

Reichstagswahlvorbereitungen.

* Worms, 15. Juni. Wie die Wormser Vksz." mitteilt, beabsichtigen nationalliberale Kreise in Worms­

der Großherzoglichen Bürgermeisterei

des Großherzoglichen Polizei Amtes Behörden Oberhessens

sowie vieler anderer Expedition: Seltersweg 83.

|

( Haus Brüder Schmidt.)

Freitag, den 16. Juni 1911.

Heppenheim- Wimpfen dem Reichstagsabg. Freiherrn v. Heyl bei der nächsten Reichstagswahl einen Gegenfan­didaten in der Person eines angesehenen Mitgliedes der nationalliberalen Partei gegenüberzustellen. Dieses Vor­gehen erfolgte im Einverständnis mit einer größeren An­zahl von Parlamentariern der nationalliberalen Partei.

*

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 16. Juni.

Zur Großherzoglichen Tafel im hie­igen Schlosse hatten folgende Herren am Mittwoch Ein­ladungen erhalten: der Rektor der Landes- Universität Geh. Justizrat Dr. Biermann, der Provinzialdirektor Dr. Usinger, der Präsident des Landgerichts der Provinz Oberhessen Dr. Güngerich, der Oberst von Trotta gen. Treyden, die Mitglieder der 1. Kammer der Stände Geh. Kommerzienrat Gail und Geh. Justizrat Dr. Schmidt, sowie der Oberbürgermeister Mecum.

* Uebertragen wurde dem Schulamtsaspiran­ten Hermann Kreiling aus Heuchelheim eine Leh­rerstelle an der Gemeindeschule zu Steinheim.

( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 15 Pfg.

die 44 mm breite Inseratenzeile. Stellen: gesuche und Familienanzeigen 10 Pfg.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pfg. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs­zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Plazzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. S.

Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

| ausübte. Der dritte Teil enthielt einen vom Obermusik­meister Löber komponierten Walzer: Auf Glückes Wogen!", der eine beachtenswerte Leistung darstellte.

Alles in allem brachte der Abend den Musikfreun­den volle Befriedigung, was bei der sorgfältigen Vor­bereitung des Programms vorauszusehen war.

Ein Kommando des Generalstabes des 18. Armeekorps, das sich aus Offizieren aller Re­gimenter dieses Korps zusammensetzt, befindet sich auf einer Uebungsreise durch das Manövergelände. Es be­steht aus 30 Offizieren, 2 Unteroffizieren, 56 Mann und 54 Pferden. Gestern nachmittag Uhr traf das Kom­mando hier ein. Dem Vernehmen nach bleibt es bis

Anfang der nächsten Woche hier. Bei dem Kommando

befand sich auch ein Schweizer Offizier.

Der Absatz 1 des§ 13 der Verordnung, den Vorbereitungsdienst und die Fachprü- fung der Finanzamtsgehilfen betr., vom 17. Juli 1907 wird durch folgende Vorschriften ersetzt: " Für die einzelnen Arbeiten, sowie für jedes Prüfungs­fach wird das Ergebnis durch folgende Noten festge= stellt: 1 sehr gut, 2 gut, 3 genügend, 4 teilweise ge­nügend, 5 ungenügend. Zwischen den aufgeführten No­ten können Zwischennoten erteilt werden. Die Kommis­

zeichnen, wenn das durchschnittliche Ergebnis sämtlicher Prüfungsfächer die Note genügend" nicht erreicht.

* Die Einteilung des Rheines. In einer Prozeßfache wegen unlauteren Wettbewerbes war es von Bedeutung, festzustellen, wo der Niederrhein" beginnt. In Schiffer- und Reeberkreisen wurde von Düs­seldorf aus eine Umfrage veranlaßt. Die Mainzer In­teressenten haben sich dahin ausgesprochen, daß der Nie­derrhein bei Düsseldorf anfange. Danach hat man also bis Mannheim von Ober-, bis Düsseldorf von Mittel­und bis zur Nordsee von Niederrhein zu sprechen.

* Der 3 weiten Ständekammer sind fol­gende Drucksachen zugegangen: 1. Bericht des Zweitension hat die Prüfung stets als nicht bestanden zu be­Ausschusses über den Antrag des Abg. Köhler, betr. Ausdehnung und Anwendung des revidierten Polizei strafgesetzbuches vom 10. Oktober 1871 auf den Ver­fehr mit Automobilen; 2. die Vorstellung des Hessi schen Automobil- klubs, betr. Antrag des Abg. Köhler, die Ausdehnung und Anwendung des revidierten Polizeistrafgesetzbuchs vom 10. Oft. 1871 auf den Verkehr mit Automobilen vom 12. August 1910. Der Ausschuß beantragt Ablehnung des Köhler schen Antrags und Annahme des 2. Antrages. 2. Bericht des Dritten Ausschusses über die Ersatzwahl eines Abgeordneten für die Provinzialhauptstadt Gießen. Da nach Prüfung der Wahlaften formell alles in Ord­nung, auch innerhalb der gesetzlichen Frist keine Rekla mation gegen die Wahl eingelaufen ist, beantragt der Ausschuß: die Wahl des Abg. Grünewald für gül­tig zu erklären. 3. Regierungsvorlage, betr. Nachtrag zu Kapitel 15 des Hauptvoranschlags für 1911 Aus­wärtige und Bundesverhältnisse.

Heute sind 40 Jahre verflossen, seitdem unsere siegreichen Truppen in die Heimat zurückkehrten. Am glänzendsten gestaltete sich der Einzug der preußi­schen Garde und der Abordnungen des gesamten deut­schen Heeres durch das Brandenburger Tor in die neue Reichshauptstadt Berlin.

der

vom

Dem gestrigen 1. Abonnements konzert unserer Infanteriekapelle in Steins Garten fann man einen schönen Erfolg buchen. Wegen der küh­len Witterung mußte das Konzert im Saal stattfinden. An der Spitze der Vortragsordnung stand der aktuelle Marsch von Kommallein: Die Deutschen in der Luft voran! Ihm folgte die Bach'sche Fantasie Nachruf an Karl Maria von Weber". Eine Reihe der schönsten Me­lodien aus den Werken des großen Komponisten 30g am Ohr der Zuhörer vorüber. Daran schloß sich die Duverture zur Oper Tannhäuser". Im nun folgenden Stücke stellte sich der Solist des Abends vor: Cornet a Piston Virtuos Louis Kümmel Großh. Hoftheater in Darmstadt. Der Sprechgebrauch der Gegenwart kennt einen doppelten Begriff des Vir tuosen". Das Wort enthält einmal das höchste Lob, wenn es sich formell auf die technische Fertigkeit des Spie­lers bezieht, und zum andern den herbsten Tadel, wenn es ideell das künstlerische Empfinden oder dessen Man­gel kennzeichnen soll. Die von dem Künstler zu Gehör gebrachten Stücke verrieten aber neben der p hän o= menalen technischen Beherrschung des In strumentes überall echte warme Empfindung und intui­tives Erfassen des Stimmungsgehaltes. Ganz besonders gefiel neben der großen Fantasie Heralda", die Herr Kümmel selbst komponierte, die Cantabile a. d. Oper Samson und Dalila" von Saint- Saens. Ungemein weich und zart flossen die Töne durch den Saal. Leider störte ein Teil des Publikums durch seine laute Unter­haltung den Vortrag der Stücke. Hoffentlich gewöhnt man sich diese üble Angewohnheit, die auch bei den übrigen Programmnummern sehr störend empfunden wurde, bald ab. Der zweite Teil brachte die Peer Gynt Suite des trefflichen Skandinaviers Edward Grieg. Die vier kleinen Genrestücke( nach einem Jbsenschen Drama) mit ihrem musikalischen Raffinement wurden geradezu mustergiltig von unserer Infanteriekapelle zu Gehör ge­bracht. Namentlich war es" Anitras Tanz", diese spru­delnde pikante Erfindung, die einen eigenartigen Reiz

Friedberg, 16. Juni. Am Neubau un­seres Bahnhofes sind zurzeit viele Arbeiter be­schäftigt, darunter eine größere Anzahl Italiener.

Friedberg, 16. Juni. Gestern nacht erfro­ren im Burgfelde sämtliche Bohnen, Kartoffeln und Gurken.

Alsfeld, 15. Juni. Der Frost in den letzten Nächten hat unsere Pflanzen in den Gärten empfindlich mitgenommen. Hauptsächlich sind die Bohnen und Gur­fen fast alle erfroren.

Marburg, 16. Juni. Aus den Gebirgslagen der Kreise Frankenberg, Biedenkopf und Wittgenstein laufen fortgesetzt Meldungen über Frostschäden ein. Die Bohnen-, Gusen- und Kartoffel- Pflanzungen haben schwer gelitten. Vielfach sind sogar zugedeckte Pflanzen erfroren. Man befürchtet, daß der Frost dem in Blüte stehenden Roggen gefchadet hat.

-)( Frankfurt, 16. Juni. Unser Zoologischer Garten ist von einem bedauerlichen Mißgeschick betroffen worden. Das Wisentkälbchen ist nach faum acht­tägiger Lebensdauer der Maul- und Klauen= se u dh e zum Opfer gefallen. Sechs ältere Tiere sind leicht erkrankt. Ein kleiner Teil des Gartens mußte ab­gesperrt werden.

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Germania, Lebensversicherungs- Aktien- Gesell­schaft zu Stettin. Nach Genehmigung des Rechnungs­abschlusses von der am 20. Mai d. Js. abgehaltenen Generalversammlung erhalten die mit Gewinnanteil Ver­sicherten der Germania mehr als 95 Prozent des Ueber­schusses mit fast 9,06 Millionen Mark zur fünftigen Ver­teilung von Dividenden. Aus den Gewinnreserven und dem Dividendenergänzungsfonds der Versicherten im Betrage von nahezu 30 Millionen Mark wird den mit Gewinnanteil Versicherten bei Plan A eine Dividende von 31 Prozent der maßgebenden Prämie gegen 20 - und bei Plan Prozent im Anfange dieses Jahrzehnts Beine Dividende bis zu 88 Proz. der einzelnen Prä­mien vergütet. Die neuen Anträge des Jahres 1910 liefen über 80 Millionen Mark Kapital, d. i. Mil­lionen Mark mehr gegen das Vorjahr. Der Versicher­ungsbestand stellte sich Ende 1910 auf 213 096 Ver­sicherungen über 856 907 896 Mark Kapital und 11 387 813 Mt. Leib- und Invalidenrente. Hierin ein­geschlossen sind 24 143 Invaliditätsversicherungen über 126,08 Millionen Mark Kapital und rund 8,33 Mill. Mark jährliche Invalidenrente. Die Sicherheitsfonds der Germania betrugen 382,2 Millionen Mark Ende 1910. Die Germania betreibt die Lebens-, Invaliditäts-, Aus­steuer-, Leibrenten-, Unfall- und Haftpflicht- Versicherung Ver­unter den vorteilhaftesten Bedingungen für die sicherten.