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Landwirtschaftliches.
Im Rampfe gegen bie Maul- und Klanenfeuche macht Amterat Bödeder- Retnshof bet Göttingen beachtenswerte Borschläge. Neinshof gehört sett längerer Bett zu dem Beobachtungsgebiet. Bet etnem normalen Hornviehbestande von 120 Stück hat der Pächter von Reinshof zu den gesetzHtchen Zwangsmaßregeln freiwillige hinzugefügt. Bödecker empfiehlt folgenden Weg, um der Seuche wirksam begegnen au können: Jeder tierärztlich beamtete Entdecker eines neuen Maul- und Klauenseuchefalles ist berechtigt und verpflichtet, in derselben Stunde telephonisch oder telegraphisch mindestens in 10 bis 12 Ortschaften der nächsten Umgebung den betreffenden Ortsvorstehern die Unheilkunde zur Renntnis zu bringen, ebenso den benachbarten Sentralmolferelen. Die benachrichtigten Stellen sollen dann wie derum in derselben Stunde den Eingesessenen das Ereignis fofort bekanntmachen und die erforderlichen Maßnahmen anordnen. Mindestens 24 bis 28 Stunden früher würde auf diese Weise der Seuchenfall bekannt werden, wodurch unendlich viel gewonnen wäre. Ein gewarnter Mann ist halb gerettet!" Um der Seuche für etwas spätere Beit gründlich und dauernd Herr zu werden, empfiehlt Bödecker weiter eine öffentliche staatsseitige Ausbietung von minbestens einer Million für die Erfindung eines bewährten und zuverlässigen Impfmittels. Diese Prämte wird dem Erfinder eines Impfmittels zugesichert. Das Impfen würde unter exakter Kontrolle obligatorisch zu machen sein. Allein Im Königreich Preußen wurden 11 250 000 Stück Hornvieh 18 000 000 Schweine, 6 000 000 Schafe gezählt. Allein für das Rindvieh würde bei. 10 Betsteuer die Summe von 1 200 000 M Herauskommen. Solche Steuer ist im Vergleich zum Verluste von Milliarden, um die die Seuche in mentgen Jahren die Landwirtschaft zu schädigen vermag, kaum nennenswert. Alle in Betracht kommenden Gelehrten und Fachmänner aber würden angesichts einer solchen hohen Belohnung über ein wirklich brauchbares Impfmittel weit gründlicher nachdenken wie bisher.
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Aus den Gerichtssälen.
Eire romantische Entführungsgeschichte fand jetzt vor dem Dresdener Landgericht ihren Abschluß. Es erregte vor zwei Jahren Aufsehen, als in einem Erpressungsprozeß ge= gen den Kaufmann Hoffmann und dessen Ehefrau die seltsamen Abenteuer eines 60jährigen Dresdener Kommerzienrates aufgerollt wurden. Bald darauf knüpfte die Geliebte des Kommerztenrats, die 17jährige Gertrud Hoffmann, etn Verhältnis mit dem Ingenieur Schöne an, bis endlich das verwahrloste Mädchen in einer Erziehungsanstalt untergebracht wurde. Die H. führte sich gut und wurde als Pfle= gerin in einem Krüppelhelm angestellt. Aus diesem verschwand fie einige Stunden nach threm Dienstantritt und entwich mit ihrem Geliebten nach Böhmen. Hier wurde fie jedoch bald ergriffen und nach der Arbeitsanstalt in Dresden zurückgebracht. Um sie aus der Anstalt zu befreten, ließ fie Schöne in einem Prozesse vor dem Amtsge= richt Radeberg als Beugin laden. Als der Transporteur mit der Geliebten über den Markt' n Radeberg_ging, kam Schöne in einem Autombil angefahren, das Mädchen sprang in den Wagen, und ehe sich der Transporteur von seinem Schrecken erholt hatte, waren beide in dem Automobil da= von gefahren. Die Flucht des Liebespaares ging nach der Schweiz bis zum Genfer See. Schöne erhielt von seinen Freunden reiche Geldsendungen und beide lebten auf gro= Bem Fuße. Nach mehreren Wochen kehrte das Paar nach Dresden zurück und nahm in einem Landhause bet Dres den Wohnung. Die Polizei erlangte hiervor Kenntnis und nahm das Liebespaar sest.„ Er" fam in Untersuchungshaft und Ste" ins Arbeitshaus zurück. Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen Entführung einer Minderjährigen und Gefangenenbefretung zu sechs Monaten Gefängnis.
Vermischtes.
Verhaftung zweier Gerichtsbeamten. In dem hessennassauischen Kreisstädtchen Kazenelnbogen kam es zu der Verhaftung zweier Gerichtsbeamten, eines 25jährigen Gerichtsaktuars und eines zehn Jahre älteren Gerichtsschreibers. Nachdem sich bei einer eingehenden Revision der dortigen Gerichtskasse Fehlbeträge herausgestellt hatten, erschien der Revistonsbeamte gestern wieder auf dem Amts= gericht und verlangte den Kassenbericht. Unter allerlei Ausflüchten suchten die beiden Verdächtigen nun, eine weitere Revision des Kontrolleurs bintanzuhalten, unter dem Vorgeben, daß sich der Kassenschlüssel nicht finden lasse, während einer von ihnen inzwischen Deckung für die Fehlbeträge anzuschaffen versuchte. Alle diese Manöver mißlangen aber, und die Verfehlungen wurden dann genauer festgestellt. Die weitere Untersuchung ergab denn auch noch, daß der Aftuar eine gegen ihn wegen unlauteren Wettbewerbs eingereichte Klage unterdrückt hatte. Beide ungetreue Beamten wurden in Haft genommen.
Die Unterschlagungen bei der Berliner Stadthaupttasse. Der bei der Berliner Stadthauptkasse angestellte Magistratsbureauassistent Borchert ist, wie gemeldet, nach Unterschlagung von 4000 M flüchtig geworden. Borchert. hat auch Freunde und Kollegen sowie Verwandte durch Aufnahme von Darlehen um mehr als 20 000 M geschädigt. Borchert war seit einigen Jahren in der Stadthauptkasse beschäftigt. Er war ein liebenswürdiger Mensch von verbindlichen Formen, so daß er sich viele Freunde erwarb. Zu seinem Unglück huldigte er aber noblen Passionen und fehlte nirgends, wo man sich amüsierte. Auf den Rennbahnen Berlins war er ständiger Gast, wettete hoch und Schloß auch Wetten auf französische und englische Rennen bei den Buchmachern ab. Dazu reichte sein Gehalt natürlich nicht. Er war denn auch ständig in Geldkalamität und lieh sich in seiner ganzen Bekanntschaft, auch bei den Kollegen im Rathause Geld, wo er es immer bekommen konnte. Als diese Quellen versiegten, vergriff er sich an der ihm anvertrauten Kasse, der er amtliche Gelder entnahm und unterschlug. Diese Verfehlungen wurden bald entdeckt; Borchert flüchtete nun und konnte bisher nicht ermittelt werden. Eine Revision seiner Kasse ergab einen Fehlbetrag von 4000 M. Ob es bei dieser Summe sein Bewenden hat, muß erst festgestellt werden. Als die Eltern von den Verfehlungen ihres Sohnes hörten, erboten sie sich, das veruntreute Geld zu ersetzen, wenn von einer Strafanzeige Abstand genommen werde. Sie wollten ihr Legtes opfern, um den Sohn vor dem Gefängnis zu bewahren. Der Magistrat erstattete aber Anzeige, und zurzeit wird der Flüchtige gesucht. Man glaubt, daß er sich in Berlin verborgen hält.
Er hatte
Mordversuch im Gefängnis. Der Arbeiter Lamenta verübte gestern im Amtsgerichtsgefängnis zu Brandenburg a. H. einen Mordversuch an seinem Wärter. einen Mitgefangenen überredet, mit ihm gemeinsam den Gefangenenaufseher niederzuschlagen und zu entfliehen. Der Mithäftling verriet jedoch den Plan, und Lamenta sollte in Einzelhaft gebracht werden. In dem Augenblick, als sich der Wärter in die Zelle begab, stürzte sich Lamenta auf ihn, warf ihn zu Boden und würgte ihn, so daß er bewußtlos liegen blieb. Hinzueilende Beamte rissen den wild um sich schlagenden Lamenta von seinem Opfer.
Auf der Tragbahre zum Schafott. Dienstag früh um 7 Uhr wurde auf dem Gefängnishofe zu Posen der Raubmörder Artist Dudzynski, der den Fleischermeister Kos cielski am 11. August vorigen Jahres in einem Walde bei Posen durch einen Revolverschuß getötet und dann beraubt hatte, von dem Scharfrichter Schwiek aus Breslau hingerichtet. Der Hinrichtungsaft, der auf 6 Uhr anberaumt war, mußte auf 7 Uhr verschoben werden, da der Delinquent in selbstmörderischer Absicht sich eine Fußverletzung beigebracht hatte. Sein Transport zum Schafott erfolgte mit der Tragbahre. Er simulierte mehrfach Ohnmachtsanfälle, allerdings ohne Erfolg. Der Gleichmut, den er bei der Ankündigung des Vollstreckungstermins zur Schau trug, wich vor dem Hinrichtungsakt großer Aufgeregtheit. Den Beistand eines Geistlichen hatte er abgelehnt.
Mit dem Großherzog ist gut Kirschen essen. Vor dem alten Schloß in Gießen war am Sonnabend Wochenmarkt. Der am Fenster wellende Großherzog beobachtete das geschäftige Treiben vom Fenster seiner Wohnung aus, da bemerkte er vor dem Gebäude einen 9-10 Jahre alten Knaben, der ihn freundlich grüßte, wobei er sein Käppchen lüftete. Der Landesherr beauftragte einen Diener, auf den Markt herunter zu gehen, zwet Pfund Kirschen einzukaufen und den Knaben mit ins Schloß zu bringen. Hochrot stand das Bübchen vor dem Hessenfürsten und gab diesem auf seine Fragen treuherzige Antwort. So erfuhr Ernst Ludwig, wer die Eltern des kleinen Mannes find und daß dieser noch ein Schwesterchen besitzt. Auf die Frage des Großherzogs ob Hannes( so war der Name des Knaben) in diesem Jahre schon Kirschen gegessen hat, erkärte dieser: Nein, die Mutter sagte, für arme LeutsKinder seien die Kirschen noch zu teuer. Mit den roten Früchten beschenkt und dem Auftrag, diese daheim mit dem Schwesterchen zu teilen und mit einem schönen Gruß an die Mutter wurde der Knabe von dem Fürsten entlassen. Freudestrahlend erzählte er, zu Hause angekommen, der erstaunt aufhorchenden Mutter, wie er zu den Kirschen gekommen und versicherte, unser Großherzog set ein lieber Mann. Als der Vater mittags heimkam und hörte, was seinem Söhnchen passiert war, da meinte er: Ja, mit unferm Großherzog tst out Kirschen essen.
Der Kampf gegen die Trunksucht der Kinder. Aus Moskau wird der Inf." geschrieben: Die Trunksucht nimmt im Laufe der Jahre derartig zu, daß man die Kampfmittel gegen dieses Laster bedeutend verstärken muß. Selbst in den Kreisen der Jugend, der schulpflichtigen Kinder, ist die Trunksucht in einem so hohen Grade zu konstatieren, daß man sich genötigt sah, die Duma um Hilfsmittel im Kampfe gegen dieses Laster anzurufen. Die Statistik hat über die Trunksucht der Kinder furchtbare Zahlen angegeben. Es tranken notorisch von 18,134 Schulknaben 12,152, also 68 Prozent. Von 10,404 Schulmädchen tranken 4783, also 46 Prozent. Die Kinder, denen man die Trunksucht nachweisen fonnte, befanden sich im Alter von 8 bis 15 Jahren. Dabei handelt es sich feineswegs um Kinder aus den Arbeitertreisen oder der ärmeren Bevölkerung überhaupt, es waren hauptsächlich Gymnasiasten und Gymnasiastinnen, öte man als Trinker und Trinkerinnen nennen konnte. Die Liebe zum Alkohol haben sie gewöhnlich von Alters- oder Schulgenossen übernommen.
Der Selbstmord mit der Zigarre. Auch die Geschichte des Tabaks und des Rauchens weist thre Helden auf, Sonderlinge, die es sich zum Ehrgeiz gemacht haben, auf diesem Gebiete Massenrekords aufzustellen. Aber diese wunder
lichen Heroen der Pfeife und de r3tgarre werden doch in den Schatten gestellt von den Selbstmördern, die die 3tgarre oder die Zigarette mit Geduld und Eifer zu einer Todeswaffe erhoben haben. Die„ Stampa" erzählt von einem seltsamen Kauz, einem Dänen, der seinem inhaltslosen Leben durch Rauchen ein Ende machen wollte. Er schmauchte fortan täglich 300 Zigaretten, hatte nach 27 Monaten nicht weniger als 125 000 in Dampf verwandelt, wurde dann Paralytiker und starb wenige Wochen später. Aehnlich vollbrachte ein Mitglied der Ofen- Pester Aristokratie Selbstmord. Er war überschuldet, dabei Oberhaupt einer zahlreichen Familie, kaufte sich in eine Lebensversicherung ein und begann nun wie ein Schlot zu rauchen. Es gelang ihm, Tag für Tag 56 Bigarren in Asche zu verwandeln. Nach zehn Monaten erreichte er auch sein Biel: der Tod erlöste ihn von seiner Pflicht. Er hatte in den letzten zehn Monaten seines Lebens nicht weniger als 17 000 Bigarren ge raucht.
Grad aus dem Wirtshaus..... Avtattker( kommt etwas angerauscht aus der Kneipe und steht sein Flugzeug): „ Ich hatte doch einen Eindecker, und jetzt ist es auf einmal ein Doppeldecker."
Mutterstolz. Gutsbesitzerin( die ihren Sohn besucht hat, der als Referneleutnant in der Residenz eine Sommerübung mitmacht): Sie glauben gar nicht, Frau Kantor, wie beliebt mein Sohn als Offiater ift: alle Soldaten grüBen ihn!
Das Zeremoniell bei der englischen Königskrönung.
Das Krönungszeremoniell der englischen Könige, das viele Jahrhunderte alt ist, ist jetzt aus Anlaß der bevorstehenden Krönung König Georgs amtlich veröffentlicht worden und zeigt nur geringe Aenderungen gegen den tausendjährigen Brauch. Der Vorgang bei der Krönung ist demnach folgendermaßen:
Die Krönung erfolgt in der Westminsterabtel, in der der Erzbischof von Canterbury Platz genommen hat. Sowie das Königspaar die Kirche betreten hat, erfolgt die Vorführung des Königs vor das Volk. Zu diesem Zwede begeben si chder Lordkanzler, der Lord Constable und der Lord Marschall unter Führung des Erzbischofs nach allen vier Himmelsrichtungen der Kirche und sprechen von dem König, der vor dem Throne steht, abgewendet, zu dem Volke folgende Worte:„ Es wird Euch König Georg, der echte König des Landes vorgestellt. Erweist ihm Eure Ehrerbietung!" Das Volk ruft dabei:„ Gott segne den König!" Dies ist ein eigenartiger englischer Brauch, der auf angelsächsische Volksfitten zurückgeht. Es folgt darauf die Salbung des Königs in der Westminsterabtet. Sie wird durch eine furze Predigt des Erzbischofs eingeleitet, bei deren Schluß der Erzbischof von dem Könige den Eid abverlangt, parlamentarisch und gesetzmäßig zu regieren. Er fragt: ,, Schwörst Du feierlich, die Geseze der Völker der Vereinigten Königreiche zu beobachten und nach ihnen sowie nach den Satzungen des Parlaments zu regieren? Versprichst Du, den wahren Glauben zu befolgen und Gottes Geseze zu beachten?" Darauf erwidert der König:„ Ich verspreche und schwöre, alles zu tun."
Es folgt nun der große Eid, der der Salbung direkt vorangeht. Für die Salbung werden folgende Vorbereitungen getroffen: Der König und die Königin knieen por dem Thron nieder. Von den Lords wird dem König der rote Sammetmantel abgenommen, den er bisher getragen hatte. Von vier Rittern des Hosenbandordens wird ein goldener Schirm über dem Königspaare gehalten. Der Lord von Westminster trifft die weiteren Vorbereitungen zur Krönung. Er übergibt das Salbungsöl und den geweihten Salbungslöffel dem Erzbischof, der den knieenden König auf der Stirn, auf der Brust und auf beiden Händen salbt. Der König erhält nun von den Lords die Krönungsinfignien, den Krönungsmantel, das Krönungsszepter, das aol
dene Schwert und die goldenen Sporen. Die Krone nimmt er aus der Hand des Erzbischofs entgegen. Das goldene Schwert letg der König auf den Altar wieder hin, um es in einer symbolischen Handlung für 100 Schilling wieder zurückzukaufen. Während dieses Teiles der Zeremonie, also während der Anlegung der Gewänder und der Königszeichen, siht der König auf dem sogenannten Stein des Schicksals, der den schottischen Königen als Krönungsstuhl gedient haben soll. Daraufhin nimmt der König die Huldigung des Erzbischofs und aller anderen Großen seines Reiches entgegen, die unter der Führung des Prinzen von Wales vor dem Throne des Königs niederknieen. Die Huldigung von seiten der Größen des Landes erfolgt in der Reihenfolge ihrer Rangordnung. Damit hat die Krönung des Königs den eigentlichen Abschluß erlangt.
Es erfolgt nun die Anlegung der Gewänder bei der Königin und ihre Salbung durch den Erzbischof von Canterbury. Er setzt ihr zum Schluß die Krone aufs Haupt und gibt ihr das goldene Szepter in die Hand, woraufhin die Königin sich zu ihrem Gemahl begibt und diesem durch Kniebeugung huldigt. Die Königin ist von einer Anzahl von Damen des Hochadels umgeben. Dann verläßt das Königspaar mit der Krone auf dem Haupt im Schmude von Purpurmänteln die Westminsterabtei, um sich in den Staatstarossen in großer Auffahrt nach dem Palast zu begeben.
Die zweite Etappe des Rundfluges.
Im Deutschen Rundflug um den B. 3.- Preis der Lüfte stiegen am Dienstag zur zweiten Tagesstrecke Magde burg- Schwerin( 176 Kilometer) sechs Flieger in Magdeburg auf: Wiencziers, Linopaintner, König, Büchner, Laitsch und Dr. Wittenstein. Von ihnen sind Wiencaiers, Lindpaintner und König nach glänzendem Fluge ohne Zwis schenlandung in Schwerin eingetroffen und vom Großherzogspaare begrüßt worden. Abends traf auch der Flieger Wittenstein in Schwerin ein. Beim Abstieg, den er in zwei Runden ausführte, stoppte er den Motor zu spät ab und fuhr noch mit etwa 400 bis 500 Propellerumdrehungen di= rekt auf die Menschenmassen zu. anmittelbar auf die auf dem freten Plate stehenden Plätze des Hofes. Einen Au genblick schien ein Massenung! üd unabwendbar Glücklicherweise stand das Werkzeug- Automobil Wienczier vor deffen Hangar. Daran verfing sich die rechte Fläch des Aeroplans. Das Flugzeug wurde im rechten Winke herumgerissen und schlug gegen die Leinenvorhänge des Hangar. Nach näherer Prüfung ergab sich, daß die Beschä digungen nicht allzu groß find. Fünf Streben des rechten Flügels sind gebrochen und einige Drähte sind zerrissen. Wittenstein war anscheinend sehr niedergeschlagen. Als man sich noch um ihn bemühte, erschten der Zweidecker Büch ners am Horizonte und ging vier Minuten nach Wittenstein in elegantem Fluge auf dem Plazze nieder. Durch Burufe gewarnt stoppte er frühzeitig ab und vermied dadurch einen ähnlichen Unfall. Alle Flieger klagten, daß der Platz zu unübersichtlich, zu hügelig und zu klein set. Büchner meinte:„ Wenn ich nur erst von diesem Platz wieder herunter wäre." Er mußte einen Teil der Tragflächen abmontieren, da der Hangar zu schmal war, infolgedessen wird er keine Schauflüge ausführen. Büchner erzählte, daß er unweit Schwerin in Gewitterwolfen geraten set und größere Höhen aufsuchen mußte. Der Flieger Laitsch hatte sich verflogen und ist ins Braunschweigische vertrieben worden. Heute finden Schauflüge in Schwerin statt. Am Donnerstag beginnt die dritte Etappe Schwerin- Hamburg.
Drabtnachrichten und neuestes.
Der Kaiser auf dem Döberizer Uebungsplatz. Döberitz, 14. Juni. Der Katser traf heute vor mittag 6 Uhr auf dem Truppenübungsplatz ein und ererzterte die Kavalleriedivision. Bei einer Gefechtsübung wurde die feindliche Division durch das Kürassierregiment Nr. 6 gebildet. Später fand ein Gefecht statt, währenddessen zwei Militärflieger über dem Platz schwebten, die unter Feuer genommen wurden.
Tödlicher Unfall eines Bonner Universitätsprofeffors. Bonn, 14. Junt. Gestern abend stürzte der Profeffor der Universität Bonn Dr. Solmsen bet Mahlem aus einem Zuge. Er gertet dabei unter einen aus entgegengesezter Richtung kommenden Zug und wurde sofort getötet.
Bergmannslos.
Duisburg, 14. Juni. Auf der Zeche Westende wurden drei Bergleute verschüttet. 3wet blieben tot, einer wurde schwer verletzt.
Das Ergebnis der österreichischen Reichsratswahlen. 0 Wien, 14. Juni. Bis 9 Uhr vormittags war das Ergebnis sämtlicher Wahlen bekannt. 241 Wahlen sind endgültig entschieden, während in den übrigen Wahlbezirken Stichwahlen stattzufinden haben. Die Christlich- Sozialen erhielten 61 Size, die Sozialdemokraten 43, der Tschechenflub 34, die Deutsch- Nationalen 48. Die kleineren Parteien weisen nur unbedeutende Veränderungen auf.
Wahlausschreitungen in Wien.
Wien, 14. Junt. Im 20. Bezirk fam es nach der Verkündigung des Wahlresultats zu schweren Ausschreitungen. Sozialdemokraten griffen zwei Polizeibeamte an und warfen sie zu Boden. Die einschreitende Wache wurde von der Menge mit Steinen beworfen, worauf die Be amten blank zogen. Im Handgemenge wurden vier PoItzeibeamte verlegt. Von den Demonstranten wurden gleichfalls vier, unter ihnen einer schwer, durch Säbelhiebe verwundet. Fünf Personen wurden verhaftet.
Große Feuersbrunst in der Türkei. Konstantinopel, 14. Juni. Ein mächtiger Brand ist nach Sonnenuntergang in Stutari ausgefommen und zerstörte bisher in dem nordöstlichen, am Bosporus gelegenen Viertel des asiatischen Stadtteils mehr als 40 Häus ser. Einzelheiten fehlen noch.
Handel und Verkehr.
Gaffel, 13. Juni. Schlachtviehpreise: 1. Rinder. A. Ochfen: a) vollfleischige angemästete höchsten Schlachtwerts, die noch nicht gezogen haben( ungejocht) Schlachtgewicht 89 bis 91 M, b) vollfleischige ausgemästete im Alter von 4 bis 7 Jahren 87-88 M, c) junge fleischige, nicht ausgemäftete und ältere ausgemästete 82-84 M. B. Bullen: a) vollfleischige ausgewachsene höchsten Schlachtwertes M, b) vollfleischige junge 82-84 M. C. Färsen und Kühe: a) vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes 86-87 M, 6) vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwerts bis zu 7 Jahren 83-84 M, c) ältere ausgemästete Kühe und we nig gut entwickelte jüngere Kühe und Färien 80-82 M, 5) mäßig genährte Kühe und Färsen 72-76 M. 2. Kälber: a) Doppellender feinster Mas Lebendgewicht' M, 6) feinste Mastfälber M, c) mittlere Mast- und beste Saugfälber 54-57 M, d) geringere Mast- und gute Saugfälber 51-53 M, e) geringere Saugfälber 48-50 M. 3. Schafe: A. Stallmastschafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthammel Schlachtgewicht M. b) ältere Mafisammel, jüngere Mastlämmer und gut genährte junge Schafe 85 M. 4. Schweine: a) Fett schweine über 150 Kilogr. Schlachtgewicht M. 6) vollflet schige von 120-150 Kilogr. 58-59 M, c) vollfleischige von 100-120 Kilogr. 56-57 M, d) vollfleischige von 80-100 St Iogr. 52-55 M, e) vollfleischige unter 80 Kilogr. M, f) un reine Sauen und geschnittene Eber 50-53 M.
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