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Deutscher Reichstag.

finnung, die tr: der Gottesfurcht, der Treue zum Herr scherhause und der Liebe zum Vaterlande wurzelt. An die Feter schloß sich ein Rundgang durch die Räume des Rathauses an, wobet sich auch die Majestäten in das goldene Buch der Stadt tel eintrugen. Gegen 12% ühr verließen die Majestäten und die übrigen Fürst­Itchfetten unter Fanfarentlängen und Hurrarufen der Bevölkerung das Rathaus und begaben sich an Bord der Deutschland".- Der Katser hat dem Fürsten zu Castell- Castell vom Vorstand des Deutschen Flottenver­eins den Roten Adlerorden 1. Klasse verliehen.

Am Freitag wurde die Marokkodebatte fortgesetzt. Abg. Wiemer( fortschr. Vp.) übte eine scharfe Kritit. Ihm folgte der Vizepräsident Schulz( Rp.), der for­berte, daß Lloyd George seine Ausfälle gegen Deutsch­land öffentlich zurücknehme. Dann ergriff der Reichs­tanzler v. Bethmann Hollweg abermals das Wort und wandte sich scharf gegen den Abg. Bassermann( natl.), dem er zum Vorwurf machte, daß er sich dte undeutsche Behauptung zu etgen machte, Tripolis set etne Folge von Agadir, und sodann gegen den Abg. Dr. v. Heyde­brand( tons.), dem er vorwarf, mit seiner Rede die Intereffen des Reiches geschädigt und Wahlmache ges trieben zu haben. Am Schlusse der Sizung erwiderte Abg. Dr. v. Heydebrand in einer von ihm verlesenen Erklärung der fonservativen Partet auf die Rede des Reichskanzlers, daß die ganze tonservative Partet nach wie vor hinter ihm stehe. Auch der Abg. Bassermann wies den Vorwurf, undeutsch gehandelt zu haben, zu­rück. Am Sonnabend führte der Reichstag die Debatten über die Marokkoverträge zu Ende und überwies die Verträge mit den dazu gestellten Anträgen an die Bud­getfommission. Die Debatte brachte feine besonderen Momente mehr, obwohl noch acht Redner das Wort er griffen hatten.

Die Attion im Aegäischen Meer.

Nach einer Athener Meldung glaubt man bestimmt, daß die Verlegung des Kriegsschauplates nach dem Aegätschen Meere und die Eröffnung der Feindseltg­tetten daselbst in dieser Woche zu erwarten sind. Die ttalienische Flotte, zwei Geschwader und eine kleinere Flotille unter der Führung des Herzogs der Abruzzen, im ganzen 18 Linienschiffe und Panzerkreuzer, 4 Tor­pedojäger, 6 Unterseeboote und Krankentransportschiffe werden binnen furzem zur Aktion bereit sein. Es ver­lautet, daß Italien beabsichtige, die Insel Lemnos zu besetzen, und falls die Türfte nicht innerhalb einer be­stimmten Frist den Frieden schließe, die Insel endgül­tg dem italienischen Reich anzugliedern.

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Der Kronprinz hat am Sonnabend abend Berlin Das verlassen und ist nach Danzig zurückgekehrt. fronprinzliche Hofmarschallamt ist am Montag, den 13. November von Potsdam nach Danzig- Langführ ver­legt worden.

| nachgewiesen worden. Es will durch einen Film, ge­nannt Das vergiftete Mittagessen", den es in einem Kinematographentheater fah, auf die ihm jest selbst un­faßbar erscheinende Tat gebracht worden sein.

Der Bundesrat hat eine Aenderung des Einfuhr­scheinsystems beschlossen. Mehrere Berliner Blätter wollen wissen, daß die Verwendungszeit auf dret Mo­nate herabgesetzt und ihre Verwendbarkett auf Kaffee und Petroleum aufgehoben werden solle.

Herr v. Heydebrand nach den Debatten. Zu der am Sonntag abgehaltenen Hauptversammlung des konser= vativen Kretswahlvereins in Frankfurt a. D. war auch Herr von Heydebrand erschienen. Er kam mit feinem Wort auf dte lehttägigen Verhandlungen im Reichstag zu sprechen, sondern riet den bürgerlichen Parteien alle Händel zu vergessen und sich zusammenzufinden in patriotischer Gesinnung.

Selbstmord eines Regimentskommandenrs. Der Kommandeur des 102. Infanterieregiments in Zittau, Oberst v. Linsingen, wurde am Freitag in seinem 3im mer tot aufgefunden. Er hatte sich durch einen Ne volverschuß in den Mund getötet. Man nimmt an, daß die Tat in einem plötzlichen Anfall geistiger Umnach­tung verübt wurde.

Sturmverheerungen in Amerika. In den Staaten Wisconsin und Illinois wütete am Sonnabend ein hef tiger Orkan, der außerordentlichen Schaden anrichtete, In Jonesville sind während des Sturmes neun Pers sonen getötet worden. Die in der Stadt Virginia( N Itnois) angerichteten Verheerungen sind besonders groß. Dret Personen, die dort in einer Kirche Zuflucht ge sucht hatten, wurden durch einstürzende Trümmer ge­tötet.

Ans Anlaß der bevorstehenden Reichstagswahlen hat der preußische Minister des Innern am 9. Novem­ber an die Oberpräsidenten und Regierungspräsidenten eine Rundverfügung erlassen. Danach soll bet Abgren= zung der Wahlbezirke die Bildung zu kleiner Wahlbe­zirke möglichst vermieden werden durch Zusammenie­gung benachbarter Ortschaften. Ferner soll auf Berett­stellung genügend großer Gefäße als Wahlurnen Be­dacht genommen werden. Um die Möglichkeit eines willkürlichen Aufeinanderschichtens der Wahlkuverts auszuschließen, sind Gefäße anzuwenden. bei denen die Umschläge mit dem Stimmzettel durch einen Spalt im Deckel eingeworfen werden, und die bis zum Schluß der Wahlhandlung geschlossen zu halten sind. Wahlvorstand muß aus mindestens dret Beisitzern ne­ben dem Wahlvorsteher und dem Protokollführer zu­sammengesetzt sein. Die Wählerlisten sind acht Tage lang zu jedermanns Einsicht und zum Abschreiben aus­zulegen. Schließlich werden noch Maßnahmen zur Ver­hütung von Wahlfälschungen und von Verzögerungen in der Erledigung von Wahlanfechtunaen angeordnet.

In Saloniti herrscht kriegerische Stimmung. Der Hirtische Marineminister ordnete deshalb dringend an, bie zweckmäßigsten Verteidigungsmaßregeln sofort zu ergreifen und besonders dafür Sorge zu tragen, daß die Unterseeminen richtig funktionierten. Er fordert den Kommandanten der Befestigungen auf, die Vertet­digung im Falle eines Angriffes so energisch als mög­lich zu gestalten und bis zum Aeußersten auszuhal­ten. Die türkischen Truppen brennen darauf, etnen Waffengang mit den Italienern zu machen, indessen ist faum anzunehmen, daß es dazu kommen wird. Wenn fich die Jtaltener schon eine Beschießung der Forts er­lauben sollten, so bleibt doch unwahrscheinlich, daß ste einen Landungsversuch machen werden. Gelänge es thnen, diese Befestigungen zum Schweigen zu bringen, stände der Einfahrt der italienischen Kriegsschiffe in den Hafen von Salonikt allerdings kein Hindernis ent­gegen, es fragt sich nur, ob die anderen Mächte diesem Vorgang zustimmen würden. Ein Angriff der Italie­ner auf die Stadt Salonikt scheint deshalb auch unwahr­fcheinlich, well hter zu viele internationale Interessen zusammenlaufen.

Die neuesten Meldungen

lauten: Die türkische Regierung setzt die Entsendung von Truppenverstärkungen nach den Inseln im Aegät­schen Meer sowie nach den bedeutensten Punkten der Dardanellen und nach Smyrna und Salonikt fort. 5000 Reservisten sind bereits auf der Insel Rhodus an­gekommen, wo man einen italienischen Angriff befürch­fet. Die muselmanische Bevölkerung der Insel hat sich in aller Haft geflüchtet. Ebenso wird von anderen In­feln im Archipel berichtet, daß die muselmanische Bevöl­ferung diese mit großer Eile verläßt.

Bom Kriegsschauplatz in Tripolis

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Auf dem Zechenfriedhof in Radbod wurde am Sonntag, am dritten Jahrestag des Unglücks, etn Denkmal für die Opfer der Katastrophe enthüllt. Die Sammlungen zugunsten der Hinterbliebenen der 350 Verunglückten haben einen Betrag von rund zwei Mil­Itonen Mark ergeben. Von diesent Geld werden gegen­wärtig 235 Witwen, 626 Halb- und 17 Vollwatsen un terstützt.

Bei den Landtagswahlen in Rudolstadt, die am Freitag stattfanden, war ein starkes Anwachsen der so­ztaldemokratischen Stimmen zu verzeichnen. Gewählt wurden sechs bürgerliche Abgeordnete, davon vier von den Höchstbesteuerten, und neun Sozialdemokraten ge­gen sechs im alten Landtage.

Itegen Meldungen über besondere Ereignisse nicht vor. Am Sonnabend haben einige bedeutungslose Schar­müßel stattgefunden, wobei auch von türkischer Artille­rie einige Schüsse abgegeben wurden, die indessen ket­nen Schaden anrichteten. Wie es heißt, haben die Tür­fen vor Tripolis größere Streitkräfte mit Feld- und Gebirgsartillerte zusammengezogen. Auch über dret Maschinengewehre verfügen sie, sollen aber wenig oder gar feine Munition haben.

Rundschau Dom Cage.

Politisches.

Auf dem Flugplatz Johannistal startete am Sonn­tag nachmittag, kurz nachdem die Schwaben" aufgestie­gen war, das Luftschiff P. 6 zu einer einstündigen Pas fagterfahrt nach Berlin. An der Fahrt beteiligten sich Brinz Friedrich Sigismund von Preußen, der älteste Sohn des Prinzen Leopold und sein Begleiter Ritt­meister v. Schmidt. Der Prinz bediente zeitweise selbst das Settensteuer.

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Ein schwerer Straßenbahnunfall ereignete sich am Sonntag in der Seestraße zu Berlin. Die Pferde eines Wagens, auf dem sich ein Grundbefizer mit Frau, Loch­ter und einem Sohn befand, scheuten plötzlich vor einem Automobil und gingen durch. Der Wagen tippte um und die Insassen wurden in weitem Bogen auf den Fahrdamm geschleudert. Sie wurden sämtlich schwee verletzt. 800

Zwölf sozialdemokratische Versammlungen fanden am Sonntag mittag in Berlin statt, in denen gegen den italienisch- türkischen Krieg als neue Bedrohung des Weltfriedens protestiert wurde. Die Polizei, die anscheinend Straßendemonstrattonen erwartete, hatte große Vorkehrungen getroffen. Es ist aber nirgends zu Störungen gekommen. In den Versammlungen sprachen neben deutschen sozialdemokratischen Abgeord­neten Abgeordnete aus Brüssel, Paris, London und Wien. Die ausländischen Redner betonten sämtlich in den verschiedenen Versammlungen die volle Einig­keit des internationalen Proletariats in dem Protest gegen den Arteg.

Das Kaiserpaar wohnte am Sonntag mittag ber Einweihung des neuen Kieler Rathauses bet. Bet ber Feter htelf der Oberbürgermeister eine Ansprache, worauf der Kaiser erwiderte und mit den Worten schloß: Möge das neue Rathaus sein allezeit eine Stätte ernster Arbeit, unermüdlicher Pflichterfüllung und liebevoller Fürsorge für die geistigen und leiblichen Bedürfnisse der Bürger, eine Stätte echter deutscher Ge=

23)

Aus Eifersucht.

Roman von Mar Hoffmann. ( Nachdruck verboten.)

Der Zentralansschuß der fortschrittlichen Volks­partet trat am Sonntag im Reichstag zusammen. Er war von zahlreichen Vertretern der Organisationen aus dem ganzen Reich beschickt. Außer der Besprechung der lebttägigen Reichstagsdebatten stand die Festseßung des Wahlaufrufs im Vordergrund des Interesses.

Kleine Nachrichten.

Wissenschaft, Kunst und Eiteratur.

3ur Diphtherie- Forschung. Aus Braunschweig wird berichtet: Die zahlreichen Diphtherie- Erkrankun­gen, die seit dem Ende des Jahres 1910 bis weit in den diesjährigen Sommer hinein unter den hiesigen Schulkindern geherrscht und mehrere Todesfälle verur­sacht haben, haben zu der wichtigen Erkenntnis ge­führt, daß nicht die in der Umgebung des Kranten be= findlichen Gegenstände den Ansteckungsstoff beherber­gen, sondern der Erkrankte selbst. Vor allem hat sich die wichtige Tatsache ergeben, daß er auch dann noch an­steckungsfähig für andere ist, wenn er selbst die Krank­heit bereits überstanden hat. Untersucht man den Hals­schleim solcher Personen, so finden sich in der Regel noch lange Zeit, selbst bis zu sechs Wochen nach erfolg­ter Heilung, Diphtheriebazillen in ihm vor. Der Ge­heilte ist also noch Träger von Diphthertebazillen, mit denen andere Personen angesteckt werden können. Da­nach ist also ein von Diphtherte genesenes kind noch nicht ohne weiteres als schulbesuchsfähig anzusehen.

Landrat Prinz Friedrich Wilhelm von Brenßen. Nach einer Meldung der Deutschen Tagesztg." ist Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen nunmehr zum Landrat ernannt; ihm ist, wie bereits bekannt war, das Land­ratsamt im Kreise Frankenstein übertragen worden.

Millionenerbschaft der Stadt Dresden. Die Hinter­lassenschaft des verstorbenen Direktors der Dresdner Bant, des Geheimen Kommerztenrats Arnstädt, in Höhe von fünf Millionen, fällt, wie aus Dresden gemeldet wird, zum größten Teil der Stadt Dresden zu.

Das habe ich ja alles dem Fräulein Emmt auch schon gesagt," versicherte die Alte verlegen, aber ste meinte, das wäre übertrieben. Was gehen uns die Leute an? sagte sie. Meine Eltern tun das, was ich haben will, und ich will haben, daß Herr Doktor Wal­bom wieder bet uns verkehrt, denn ich muß ihn sehen und sprechen, und dann hat sie noch was ganz Beson­deres hinzugefügt."

" Was war das?"

" Ich weiß eigentlich nicht, ob ichs sagen darf, Herr Doktor," gestand dte besorgte Frau zögernd.

Drei Personen von einer Maner erschlagen. Im Weiler Koneberg in bayerisch Schwaben sind ein Mau­rermeister, ein Landwirt und dessen 17fähriger Sohn von einer einstürzenden Mauer erschlagen worden. Der Maurer hinterläßt eine Witwe mit acht unmündigen Kindern.

Geheimer Medizinalrat Fraenkel, der bekannte Berliner Kehlkopfspezialist, ist in der Nacht zum Sonn­tag im Alter von 77 Jahren sanft entschlafen.

Giftmordversuch eines jugendlichen Dienstmädchens. Ein 15jähriges Mädchen in Geestemünde, das bet einer dortigen Herrschaft seit längerer Zeit bedienstet ist, ver­suchte diese durch Kleefalz zu vergiften. Dem Mädchen, das verhaftet wurde, sind bis jetzt dret solcher Versuche

Warum wollen Sie mich auch noch mit Vermut­tungen quälen, wo ich schon so viel zu leiden habe?" Na, das ist ja wahr, und da will ichs Ihnen nur fagen. Also fte sagte: Ich kann nicht leben, wenn ich thn nicht bald wieder spreche."

Der Doktor blickte sie strahlend an und ergriff dank­bar thre Hand. Es fehlte nicht viel, so hätte er diese gefüßt. Das- das hat sie gesagt?" brachte er ver­

10 Tegen heraus.

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,, Tun Ste das, Herr Doktor! Es wird allen zum Segen geretchen!"

Aus den Gerichtssälen.

Auch eine Vertreterin des schwachen Geschlechts". Sonderbare Eheverhältnisse kamen in einer Verhand­lung vor dem Schöffengericht Königsberg zur Sprache, vor dem sich eine Ehefrau wegen Mißhandlung ihres Mannes zu verantworten hatte. Die Angeklagte zählt zwar schon 60 Jahre, wollte aber noch einmal thr Glück in der Ehe versuchen. Durch ein Heiratsinserat lernte ste einen 48 Jahre alten Landwirt kennen, der Ge­schmack an ihr fand und ihr nach der Hochzeit sogar sein Vermögen in Höhe von 12 000 M. verschrieb. Sobald die Angeklagte das Geld in den Händen hatte, begann für den Mann eine Leidenszeit. Die Frau ließ einem Nef­fen alles mögliche zukommen, faufte ihm ein Geschäft und gab ihm Leckerbissen, während der Mann kaum die notdürftigste Nahrung bekam. Wenn er sich beklagte, wurde er abwechselnd von der Frau und dem Neffen barbarisch geprügelt. Die Nachbarn hörten ihn oft laut um Hilfe schreien. Schließlich wurde es ihm aber doch zu viel. Er ließ sich von einem Arzte bescheinigen, daß er wieder einmal blutig geschlagen worden sei und er­stattete dann Anzeige. In der Beweisaufnahme wur­de die Schuld der Frau, neben der sich auch der Neffe zu verantworten hatte, unzweideutig festgestellt. Der Antrag des Staatsanwalts lautete auf je neun Monate Gefängnis. Das Gericht sah aber von einer Gefängnis­strafe ab und erkannte gegen die Frau auf 500 M., für den Neffen auf 100 M. Geldstrafe.

Sie war faum aus dem Zimmer, als sich der Dok­tor mit einem Freudensprung vom Stuhl erhob. Also ste war ihm treu geblieben! Ste glaubte nach wie vor an ihn und liebte thn! O, dann war ja alles gut, dann fühlte er sich stark genug, den Kampf mit der ganzen Welt aufzunehmen und siegreich durchzuführen.

" D, und wenn sie von Ihnen spricht, dann leuchten thre Augen so glückselig, Herr Doktor! Herr Doktor, da haben Sie eine treue Seele gefunden. Das ist das Glück Thres Lebens, das lassen Sie sich nicht entgehen! Und Sie werden Justizrats besuchen, nicht wahr

Er sah sie zerstreut an. Schon gut, Itebe Frau Schulze, tch werde's mir überlegen."

Der folgende Tag ließ sich von Anfang an gut an. Schon am Vormittag fanden sich im Sprechzimmer nach­einander sechs Patienten ein, und dann wurde der Dok­tor zu mehreren kranken Kindern bestellt. Er betrachtete das alles als ein gutes Vorzeichen, daß sein Besuch bet Heinroths, den er vorsichtshalber schriftlich ange­meldet hatte, günstig verlaufen würde, und sah mit Un­geduld dem Abend entgegen. Am Spätnachmittag wurde er wieder unschlüssig, etne gewisse Verzagtheit kam über ihn, und er überlegte bang, ob er sich wirk­Itch noch bet anderen sehen lassen dürfe. Aber Frau Schulze kam herein, bürstete draußen den schwarzen Ge­sellschaftsanzug ab und hängte und stellte alles für ihn bereit, vom glänzend aufgebügelten Zylinderhut bis zu den Lackstiefeln, so daß er sich von der Fürsorglich­keit der treuen Seele beschämt fühlte und sich rasch ankleidete.

Netn, nicht erst lange überlegen," bestimmte ste energisch. Ich muß es bestimmt wissen, denn tch will doch dem Fräulein vorher einen Wink geben, wann Ste tommen." ,, Nun, so werde ich morgen hingehen."

der zu Heinroths in gar keiner verwandtschaftlichen Be­ztehung stand, aber doch bet allen Festlichkeiten daber war und kurzweg Onkel Muche genannt wurde, und was Waldow besonders freudig sah Marleben mit Felicia.

Punkt sieben Uhr betrat er das Haus des Justiz­rats und war überrascht, als ihm aus der Wohnung festliche Klänge entgegenschalten.

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Die beiden jungen Damen saßen am Flügel und spielten ein Musikstück, das sie aber sofort abbrachen, als Doktor Waldow von dem Justizrat auf das liebens­würdigste hereingeführt wurde.

Ausetts begrüßte man den Erwarteten und sagte thm mehr oder weniger gut gelungene Komplimente über sein gutes Aussehen nach der überstandenen Krank­helt. Wovor Waldow besonders gebangt hatte, das ge­schah nicht: von der anderen Geschichte und seiner Ver­wicklung in diese fiel nicht ein Wort.

Justizrat Heinroth hatte ihm auf Veranlassung seiner flugen Tochter eine Art Genugtuung verschaffen wollen und einen kleinen Krets geladen, der bis auf ihn bereits vollzählig war. Da war der robuste, bissig aus­sehende Rechtsanwalt Dorinkel mit seiner blutjungen Frau, der lange, hagere Gymnastaldirektor, Profeffor Sauermann, samt seiner thm merkwürdig ähnlich sehen­den Gattin, Tante Hermine, die Schwester der Frau Justizrat, dann ein kleiner, gebitckt gehender alter Herr,

Direktor Professor Sauermann, der sich offenbar sehr gern sprechen hörte, erzählte mit jugendlicher Be­geisterung von den neuesten Ausgrabungen in Meso­potamien, bis er schließlich durch den Rechtsanwalt un­terbrochen wurde, der ihm teck ins Gesicht schleuderte, daß die modernen Fragen in Politik, Kunst und Wissen schaft viel wichtiger feten als jener alte Kram.

Der Professor war entrüstet über diese Pietätlosig fett gegen das graue Altertum. Kram? Erlauben Ste mal, Herr Rechtsanwalt! Es sind das Kultur­reste einer Epoche, die der unsrigen in vielem überlegen war-"

Sehr richtig!" fiel Ontel Muche ein.

,, D," behauptete der Rechtsanwalt, der einfache Ar­beiter lebt heutzutage bequemer als einer der Großen zur damaligen Zeit. Ihm stehen Beförderungsmittel, Licht, Heizung und andere Dinge in einer Vervoll­tommnung zur Verfügung, von der selbst ein König in fenen dunklen Zeiten keine Ahnung hatte. Wie mußte sich dieser in mancher Hinsicht abquälen!"

,, Das ist freilich wahr!" benterkte Onkel Muche.

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