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Deutscher Reichstag.

Im Reichstage wurde am Mittwoch zunächst noch die Aussprache über die volkspartetliche Zündwarenftenerinters pellation fortgesetzt. Ste trug, da zur Sache selbst nichts Neues mehr gesagt werden konnte, zumeist den Charakter der Polemit. Die Regierung fand daher auch keine Veran­laffung, nochmals in die Debatte einzugreifen. Den Reigen der Redner eröffnete der sozialdemokratische Abgeordnete Schöpflin mit etner anfangs recht humorvollen Polemik gegen die Väter" der Zündwarensteuer. Wer ist denn et gentlich schuld an dieser verderblichen Steuer? so fragte der Redner. Keiner will's gewesen sein. Auch hier zetge sich wieder die Wahrheit des Wortes: Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr! Wir haben keinen Teil an dem mißratenen Kinde. Das Zentrum trägt die Haupt schuld daran, daß die armen Zündwarenarbeiter, die ar­beitslos geworden sind, keine Entschädigung erhalten haben. Der reichsparteiliche Abgeordnete Gamp bemühte sich etnen Weg zu zeigen, auf dem Abhilfe zu erreichen ist. Er wies darauf hin, daß die Mitglieder seiner Fraktion nie beson= dere Freunde der Zündholzsteuer gewesen sind, vielmehr eine Besteuerung der Genußmittel wünschten. Eine Reme­dur der Schädigungen in der Zündholzindustrie kann da­durch geschaffen werden, daß man das Kontingent wie beim Branntweinsteuergesetz an den vorhergehenden Bedarf an= schließt. Auch müssen die Ersatzmittel mehr belastet werden. Darauf stimmte der Pole Kulerski ein Loblted auf seine Partet an, die stets gegen die Streichholzsteuer gewesen set. Herr Lattmann von der Wirtschaftlichen Vereinigung sah allein bei den Liberalen den Sündenbock. Wer eine Steuer aufheben will, muß auch für den dadurch eintretenden Aus­fall Ersaz schaffen. Damit haben sich aber die Interpellan­ten gar nicht befaßt. Die Vorschläge der Industrie zur Besserung ihrer Lage sollte man prüfen. Die National­liberalen hätten die Zündholzsteuer angenommen, wenn eine ausreichende Besitzsteuer mit zur Annahme gelangt wäre. Nach einer kurzen Erklärung des Volksparteilers Heckscher war Gott sei dank die Rednerliste erschöpft und das Haus wandte sich anderen Dingen zu, die aber auch nur von geringem allgemeinem Interesse waren. Es waren Denfschriften und Rechnungsfachen. Bet der Besprechung wurden auch der Schatzsekretär Wermuth und der preußische Kriegsminister von Heeringen auf den Plan gerufen, um die Vorwürfe zurückzuweisen, daß die Regierung die Vete­ranen im Stiche lasse und die Militärverwaltung bei den Pensionen die Offiziere den Mannschaften vorziehe.- Am Donnerstag kommt die zweite Lesung der Novelle zum Strafgesetzbuch an die Reihe.

Das Urteil im Moabiter Prozeß.

Im Moabiter Landgerichtsprozeß wurde am Mittwoch nachmittag das Urteil verkündigt. Die auf 2 Uhr zu diesem Zwecke anberaumte besondere Sitzung wurde erst um 4 Uhr eröffnet. In den Korridoren und im Gerichtssaale machte fich eine fieberhafte Erregung bemerkbar. Die Pressettsche retchten für die zahlreichen Bericherstatter nicht aus. Im Buschauerraum und im Saale hielten sich zahlreiche Krimi­nalbeamte auf. Die Anklagebänke waren von unifor­mierten Schußleuten flankiert. Als endlich kurz vor 4 Uhr die verhafteten Angeklagten in den Saal geführt wurden und zu gleicher Zeit die Staatsanwälte thre Plätze einnah­men, stteg die Spannung aufs höchste. Als das Gericht er­schien, erhielten noch einige Angeklagte das letzte Wort. Hierauf zog sich das Gericht nochmals zur Beratung zu= rück und verkündete nach kurzer Zeit

das Urteil.

Es wurden verurteilt Bock, der Schutzleute durch Messerstiche verlegt hatte, zu Jahren Gefängnis, Tie­demann zu 1% Jahren Gefängnis, Meyer, Heide und Wandt zu je 9 Monaten Gefängnis und Raschtut 8 8 Monaten Gefängnis. Pilz wurde im Hauptfalle frei­gesprochen, im Nebenfalle zu 3 Monaten Gefängnis verur­teilt. Die übrigen Angeklagten erhielten Gefängnisstrafen von einem bis zu sechs Monaten, einige andere Geldstrafen von 40 und 50 M. Sämtlichen Verurteilten wurden erheb­liche Teile der Untersuchungshaft angerechnet; bei mehreren wurde die Gesamtstrafe als durch die Untersuchungshaft berbüßt erachtet. Insgesamt wurden 31 Angeklagte ver­urteilt, drei, darunter zwei Frauen, freigesprochen.

Die Urteilsbegründung

führt u. a. aus: Die Straftaten, deren die Angeklagten schul­dig sind, stehen sämtlich in unmittelbarem Zusammenhange mit dem Streif bei Kupfer u. Co., und die Ereignisse in Moabit wiederum sind veranlaßt worden durch diesen Streif. Es ist nicht Aufgabe des Gerichts, zu entscheiden, ob der Streif berechtigt war oder nicht, es muß aber fest­gestellt werden zugunsten der Angeklagten, daß diese und die Bevölkerung von Moabit davon ausgehen konnten, der Anspruch der Kupferschen Arbeiter auf Lohnerhöhung sei be= rechtigt. Das Gesetz gibt den Arbeitern das Recht, sich zu vereinigen zur Verbesserung ihrer Lohn- und Arbeitsbe dingungen; das Gesetz verlangt aber, daß sie dabei die Rech= te der anderen achten, und das ist hier nicht geschehen.

Die Urteilsbegründung gibt dann eine ausführliche Begründung des Tatbestandes, wie er sich auf Grund der Beweisaufnahme ergeben hat, und gelangt dabei zu folgen­

Der Familienschmuck der Wallutjeffs.

Kriminalroman von Freifrau G. v. Schlippenbach. Nachdruck verboten.

4)

Er prüfte scharf die Häuser in der Nachbarschaft. Ah, dort wird es gut sein," murmelte er und ging quer über die schmale Straße. Eine bescheidene Gastwirt­schaft lag dort.

Einen Schoppen Wein und einen Imbiß, Frau Wir­tin", rief er der behäbigen Inhaberin des düsteren Lokals zu. In die dunkelste Ecke setzte er sich und holte eine ele­gante Börse hervor, ihren Inhalt zählend. Unzufrieden schüttelte er den Kopf. Erst als er einen in Papier ge­wickelten fleinen Gegenstand herausholte, glätteten sich sei­ne Züge. Ich muß es noch heute besorgen", sagte er leise zu sich selbst, gut, daß ich die Adresse des Italieners lenne, der mir den Ring abkauft. Unter uns Brüdern ist er seine 300 M wert. Natürlich werde ich nicht so viel dafür erhalten; einerlei, es wird immerhin genug sein, um mich neu auszustaffieren. So schäbig darf ich mich nirgends zeigen.

Gierig und trank er. Dabei behielt er das Fenster, durch das man den Juwelierladen sehen konnte, immer im Ange.

Ungefähr eine halbe Stunde mochte vergangen sein, da erhob der Fremde sich plötzlich, zahlte seine Zeche und ging. Er blieb im Schatten des vorspringenden Schweizer­daches stehen und beobachtete scharf, was auf dem jen­seitigen Bürgersteig vor sich ging.

Die Riesengestalt eines Mannes war soeben an den Laden des Juweliers herangetreten. Er mochte etwa 50 Jahre alt sein. Grau meliertes, einst blondes Haar kräu­selte sich um seinen Kopf, ein nach russischer Sitte ver­schnittener mächtiger Vollbart umgab das Kinn. Er trug eine dunkelgrüne mit Goldligen verbrämte Livree, auf den Knöpfen war die neunzintige Grafenkrone zu be= .merten

den Ergebnissen: Daß die Poltzet zu scharf vorgegangen fet, ist durch die Beweisaufnahme nicht erwiesen. Es mag als erwiefen gelten, daß scharfe Maßnahmen vorgekommen find, es ist aber vor allen Dingen die Frage, ob diese Fälle pereinzelt vorgekommen find oder nicht, und das war für pie Strafbemeffung zu beachten. Der Vorsitzende führt dann weiter aus, daß im Laufe der Verhandlungen oft bte Zeugen sich in Widersprüche verwickelt hätten. Bei der langen Dauer des Prozesses aber set das verständlich. Na­türlich habe jeder Zeuge ein Anspruch darauf, vor Gericht vernommen zu werden. Ueber die Stellungnahme der Bürger zu den Krawallen, sagt der Vorsitzende, daß bei dem Bekanntwerden dieser Krawalle eine große Uebereinstimm ung in der Verurteilung bestanden habe. Der Gerichtshof hat die Ueberzeugung gewonnen, daß Mißgriffe fettens der Polizeibeamten vorgekommen sind, und daß die Polizisten thre Befugnisse überschritten haben. Der Gerichtshof hat aber nicht die Ueberzeugung gewonnen, daß bet den Polizet­beamten Rohheit vorlag. Die Zeugen haben nur einen Tell der Vorgänge beobachtet, sie wußten also zumeist nicht, wes­halb die Schläge erfolgt sind. Es ist aber außerdem zu be= rücksichtigen, daß ste in großer Erregung waren und einen Haß gegen die Polizei in sich trugen. Dazu ist noch zu be­achten, daß die Vorgänge eine Bettlang zurückliegen, und daß nicht genau auseinander gehalten werden konnte, was in den Werkstätten, in den Wirtshäusern oder in den Woh­nungen geredet, oder was wahrgenommen worden war. Der Gerichtshof ist sich klar, daß die Polizeibeamten eine sehr schwere Arbeit in solchen Tagen haben, und daß sie ges nötigt waren, das Eigentum zu schüßen, die Ordnung und die Staatssicherheit aufrecht zu erhalten. Von diesem Ge­fichtspunkte aus sind die Strafen verhängt worden. Bei der Strafzumeffung ist erwogen worden, daß die Angeklagten fich in großer Erregung befanden, und daß sie zumeist noch jugendlich find, ferner, daß sie den weniger gebildeten Klas­fen angehören, anderseits mußte aber berücksichtigt werden, daß die Staatssicherheit und der öffentliche Friede fast eine ganze Woche lang gefährdet waren im Stadtteil Moabit, und daß viel Eigentum beschädigt wurde. Der Vorsitzende er­wähnt sodann noch die Behauptung, nach der in Moabit etn polizeiliches Lockspitelsystem bestanden haben soll. Es mag dahingestellt sein, ob dies in früheren Jahren der Fall ge wesen ist, erwiesen sei es nicht. Völlig haltlos dagegen fet die Behauptung, daß die Gesamtleitung der Polizei die Vors gänge gewünscht oder gar provoziert hätte. Hier müsse da­rauf hingewiesen werden, daß in den Tagen der Vorfälle alle Zeitungsberichterstatter, sowohl solche, die ihre Berichte dem Vorwärts", wie an die Kreuzzeitung" liefern, dieser Ansicht völlig fernstanden. Im weiteren Teile der Be­gründung werden alsdann die einzelnen Fälle besprochen.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Der erste Vizepräsident des Reichstags Abg. Dr. Spahn ( 3entrum) ist nach einer Meldung der Köln. Volksztg." erkrankt und bis zu seiner Wiederherstellung beurlaubt worden. Auf Anordnung des Arztes muß er zunächst das Bett hüten. Herr Spahn hat sich die Infektion durch eine fleine Wunde am Fuße, die durch das Scheuern des Strum= pfes entstanden war und anfänglich nicht beachtet wurde, zugezogen.

Durch den Tod des Reichstagsabgeordneten Köhler­Langsdorf, der der Deutschen Reformpartei angehörte und zugleich Mitglied des hessischen Landtags war, wird eine Ersahwahl im Reichstagswahlkreise Gießen- Nidda, den er von 1893 bis 1903 und wieder seit 1907 vertrat, nötig. 1903 gelang es dem Nationalliberalen Heyligenstädt, Köh­ler aus dem Mandat zu verdrängen. Das Mandat ist ein start umstrittenes. Bei der letzten Reichstagswahl erhielt Köhler als deutsch- sozialer Kandidat 9017 Stimmen, wäh­rend der nationalliberale Gegenkandidat Heyligenstädt 7484 und der Sozialdemokrat Krumm 6396 Stimmen be­kamen. In der Stichwahl siegte dann Köhler mit 11 543 Stimmen über Heyligenstädt, der 10 575 Stimmen auf sich vereinigte. Die Entscheidung lag bei der Sozialdemokra­tie. Unter den heutigen politischen Verhältnissen haben die Nationalliberalen einige Aussicht, das Mandat wieder zu erobern.

Die Zentrumsfraktion des Deutschen Reichstages feierte am Mittwoch den vierzigjährigen Gedenktag ihres Bestehens. Unter dem 11. Januar 1871 veröffentlichte nämlich die einen Monat vorher begründete Zentrums= fraktion des preußischen Abgeordnetenhauses einen Aufruf zu den Reichstagswahlen, der bereits das Programm der Zentrumsfraktion des Reichstages enthielt. Am 3. März 1871 fanden die Wahlen zum ersten Deutschen Reichstage statt. Am 21. März 1871 trat der Reichstag in Berlin zu­sammen. Sofort versammelten sich im Reichstage 67 Mit­glieder und bildeten die Fraktion des Zentrums im Reichs­tage.

Gegen die Wanderlager sollen gesetzliche Bestimmun­gen erlassen werden. Die konservative Fraktion des preu­ßischen Abgeordnetenhauses beantragte, die königliche

Der Fremde ging unbefangen an dem Diener der Gräfin Wallutjeff vorbei, als solchen hatte er den Hünen sofort erkannt. Einen Moment stand Andrei im Anschauen des Familienschmudes vertieft, dann trat er in den Laden Häuserlings ein. Mit weit vorgestrecktem Halse_beobach­tete der Mann mit dem coten Bart die Türe. Ein Vor­übergehender streifte ihn hart, der Passant hatte den Re­genschirm aufgespannt und eilte sehr." Pardon", sagte er höflich.

Das Licht der Bogenlampe fiel voll auf das Gesicht des Kotbärtigen. Zwei scharfe Augen musterten es eine kurze Weile, dann trat der Herr mit dem Regenschirm ebenfalls in Häuserlings Laden.

Wahrscheinlich ein später Käufer," dachte der Rot­bart. Wahrscheinlich lugte er nach dem Fenster hin, der Schmuck war fortgenommen worden.

,, Aha, er wird verpackt und dem Diener eingehändigt," so dachte der Rotbärtige folgerichtig. Soll ich es heute schon wagen, oder soll ich bis morgen warten?"

Grübelnd zog er die buschigen Brauen zusammen. ,, Leicht wird es nicht sein," fuhr er in seinem Selbst­gespräch fort. Der Russe ist sehr stark, und ich komme nicht gegen ihn auf; es bedarf anderer Mittel. Aha! da ist er, er wird fahren."

Andrei war auf die Straße getreten. Er rief eine vorüberfahrende Droschke an und stieg ein. Ueber die Schulter des Dienes lief ein starker Riemen, an dem eine Tasche aus rotem Juchtenleder befestigt war; sie mußte den Schmuck der Grafen Wallutjeff bergen.

Hotel National," rief Andrei dem Kutscher mit stark russischer Aussprache zu.

Ich dachte es," murmelte der Rotbart, der im Schat­ten eines Torweges stand. Seine Katzenaugen funkelten lüstern.

Häuserling und der Herr mit dem Regenschirm waren jetzt in die Ladentür getreten.

., Glüdliche Reise," rief der Juwelier dem Diener

Staatsregierung zu ersuchen, bei der Reichsregierung einen Gesezentwurf über Ergänzung der Gewerbeordnungsbe stimmungen betreffs der Wanderlager anzuregen. Im we fentlichen handelt es sich um eine Beschränkung der Auf­enthaltsdauer und um ein Genehmigungsrecht der Orts­behörden.

Die Feindschaft zwischen Deutschtum und Polentum ist in Beuthen( Oberschlesien) während eines Gottesdienstes start hervorgetreten. Obwohl deutsche Messe angesagt war, fang die Menge polnisch. Als der Geistliche wiederholt vom Altar rief: Es ist deutscher Gottesdienst, bitte deutsch zu singen," da verließen sämtliche Polen ostentativ die Kirche.

An der serbisch- bosnischen Grenze ereignete sich kürz­lich abermals ein Zwischenfall. Bauern wurden auf bos­nischem Gebiete von serbischen Grenzsoldaten gewaltsam am Holzfällen gehindert. Ein Bataillon österreichischer Infanterie mit einer Maschinengewehrabteilung wurde herbeigerufen und schlug die Serben in die Flucht. Auf Seite der Serben waren mehrere Verwundete zu ver­zeichnen.

In der portugiesischen Republik sind neue Schwierig­keiten entstanden. In einer Versammlung der Eisenbahn­angestellten, denen die Verwaltung einen Teil ihrer For­derungen bewilligt hatte, wurde beschlossen, die bisher ge machten Zugeständnisse abzulehnen und in den Ausstand zu treten. Der Verkehr der internationalen Züge soll je< doch nicht verhindert werden. In Lissabon sind auch die Handlungsgehilfen in den Ausstand getreten, um eine Bes­serung ihrer Lage zu erzwingen. Zahlreiche Geschäfte mußten deshalb geschlossen bleiben. Der Minister des In­nern verhandelte mit den Ausständigen, bisher aber ohne Erfolg.

Persien will jetzt Hilfe bei Amerika suchen. Die Neu­yorker Blätter melden, Persien suche in Amerika Hilfe ge­gen England und Rußland in Gestalt einer Anleihe von 70 Millionen, um die englischen und russischen Schulden abzulösen und dadurch den beiden Mächten den. Vorwand zur Einmischung zu nehmen.

Kleine Nachrichten.

Prinz August Wilhelm von Preußen hat Mittwoch vor­mittag seine Tätigkeit als Gerichtsreferendar am Potsdamer Amtsgericht aufgenommen. Er wohnte mehreren Verhand­lungen bei.

Das deutsch- brasilianische Kabel steht vor der Vollend­ung. Der Kabeldampfer Stephan" der Norddeutschen See­kabelwerke Nordenham ist am Mittwoch in See gegangen, um die dritte und letzte Tetlstrecke nach Monrovia- Pernam­buko der deutsch- brasilianischen Kabelverbindung von 3460 Kilometer Länge zu legen. Der Betrieb des Kabels wird wahrscheinlich Ende März aufgenommen werden.

Für die Goldbohrungen in der Eifel ist bei dem Eifel­ort Iveldingen mit der Aufstellung einer Bohrmaschine im Werte von 200 000 M begonnen worden. Mit dieser Ma­schine sollen die unteren Schichten auf ihren Goldgehalt untersucht werden.

Der verstorbene amerikanische Senator Elkins hat ein auf 20 Millionen Dollars geschäßtes Vermögen hinterlassen. Fünf Jahre nach seinem Tode darf der Nachlaß erst zur Verteilung kommen. Die Witwe des Senators hat eine fährliche Rente von 25 000 Dollars zu erhalten, während die übrigen Einkünfte den Kindern zufallen.

Ein großer Erdeutsch ist gegenwärtig in Mölsheim bei Worms im Gange. Es sind große Erdspalten entstanden, und die Weinberge haben sich völlig zusammengeschoben. Insge sam sind 8 Morgen Weinberggelände und 100 Meter des Weges fortgerutscht. Das Gelände, eine gute Weinberg­lage, ist völlig zerstört.

Auf die Spur eines Millionenschwindels mit wertlosen Anteilscheinen einer böhmischen Goldminengesellschaft ist die Dresdener Polizei gekommen. Die Scheine werden durch eine Anzahl Agenten vertrieben und dafür verschiedene Liegenschaften und Hypotheken erworben. In diese Sache sind Agenten in Prag, Schlesien und Dresden verwickelt.

Eine große Rattenplage herrscht in der Stadt Tilsit. Die Polizeiverwaltung hat daher angeordnet, daß am 17. Ja­nuar in jedem Hause der Stadt und der Vororte gleichzeitig Phosphorlatwerge ausgelegt werde, um die gefräßigen Na­ger auf einmal gründlich zu beseitigen.

Ein Opfer seines Berufs wurde in Hannover vor eini­gen Tagen der am städtischen Krankenhause angestellte Assistenzarzt Dr. med. Kühne. Er starb an den Folgen einer Diphtherie- Infektion, die er sich bei einer Operation im Krankenhause zugezogen hatte.

Eine Hochzeit unter merkwürdigen Umständen fand im Zuchthause zu Sonnenburg in der Neumark statt. Ein Ge­fangener aus Elberfeld, der noch vier Jahre zu verbüßen hat, wurde mit seiner Braut, die gleichfalls aus Elberfeld stammt, mit ministerieller Genehmigung in der Anstalt ge= traut, und zwar wurde dem Bräutigam gestattet, Zivilkleid= ung anzulegen. Die Hochzeitsfeier kann also erst in vier Jahren stattfinden.

nach; dann fügte er zu dem Herrn, der neben ihm stand, gewendet, hinzu:

Ich bin recht froh, den Schmuck los geworden zu sein. Es ist eine große Verantwortung, ein solches Stück, das viele Tausende von Rubeln wert ist, in Verwahrung zu haben.

Warum stelltest Du den Schmuck aus?" fragte der Herr. Es lag etwas wie Tadel in den Worten.

,, Warum sollte ich es nicht? Wir tun es immer." ,, Und doch würdet ihr es besser unterlassen; die Beute gier irgend eines Strolches könnte dadurch gereizt wer*.n." Ah! Du siehst überall Diebe und Mörder, lieber Junge, das liegt Dir so im Blut," versetzte Häuserling la­chend. Du siehst jeden Menschen darauf hin an."

Der Verspottete erwiderte nichts. Ueber sein kluges Gesicht glitt ein seltsamer Ausdruck.

Sobald die beiden Sprechenden im Laden verschwun­den waren. trat die Gestalt des Mannes im unscheinbaren grauen Anzuge aus dem Torwege.

,, Glückliche Reise", dachte auch er und ein böses Lä­cheln teilte seine Lippen. Eilig ging er davon unter dem strömenden Regen, der ihn durchnäßte.

II.

Luzern, 24. Oktober 1900. Mein geliebter Sohn!

Morgen tritt unser treuer Diener Andrei die Reise nach Rußland an, um Dir den Familienschmuck der Wallut­jesss zu bringen. Ich habe ihn hier von einem sehr tüch­tigen, mir warm empfohlenen Juwelier umfassen lassen. Soeben hat Andrei ihn abgeholt. Er liegt vor mir und ich freue mich über das herrliche Feuer der Steine, über den edlen Glanz der Perlen. Der Anblick des Geschmeides ruft tausend lichte Erinnerungen in mir hervor. Damals lebte mein treuer Gatte, Dein guter Vater noch. ( Fortsetzung folgt.)

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