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Gießener Zeitung
( Neueste Nachrichten)
Bezugspreis 50 pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen
oierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mr.- Erscheint Mittags 3 Uhr. Die„ Illuftr. Weltrundschau" liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.
Verlag der ,, Gießener Zeitung ,, G. m. b. H.
Nr. 135.
Telephon: Nr. 362.
Jubiläum der Fortschrittspartei.
der Großherzoglichen Bürgermeisterei
des Großherzoglichen Polizei Amtes
sowie vieler anderer Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83.
( Haus Brüder Schmidt.)
Montag, den 12. Juni 1911.
Aus Stadt und Land.
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Gießen, den 12. Juni.
* Parlamentarisches. In dieser Woche werden wieder zwei Ausschüsse der 3 weiten Kam mer Beratungen abhalten. Morgen kommt der dritte Ausschuß zusammen, der sich u. a. mit der Vorstellung der Privatarchitekten inbetreff der Vergebung der Privatarbeiten, ferner mit der Vorstellung von Landwirten in Ulrichstein, inbetreff der Aufforstungen daselbst, und mit der Ersatzwahl für die Provinzialhauptstadt Gi e= Ben beschäftigen wird. Der erste( Finanz-) Ausschuß kommt am Mittwoch zusammen und wird sich u. a. mit der Vorstellung der staatlichen Unterbeamten, betreffend die Gewährung einer Teuerungszulage, den Anträgen Bach, betreffend die Reliktenversorgung der Volksschullehrer und die Pensionierung von Staatsbeamten, ferner mit dem Antrag Dr. Osann, betreffend Wasser schaden und den Anträgen der Abgeordneten Molthan, Reh und Ulrich, betreffend den Eisenbahn- Gemeinschaftsvertrag, beschäftigen.
Zur Feier der Gründung der deutschen Fortschrittspartei vor 50 Jahren versammelten sich am Freitag abend im Krollschen Etablissement in Berlin mehr als 1000 Personen. Um 9 Uhr fand im großen Theatersaal ein Festakt statt, den Abg. Kopsch eröffnete und der namens der Berliner Parteiorganisation den Versammelten ein Willkommen zurief, insbesondere den beiden Senioren der Partei Abg. Träger und Prof. Günther- München. Sodann hielt Geh. Justizrat Träger die Festrede, in der er einen historischen Rückblick auf die letzten 50 Jahre warf. Er ging auf die verschiedenen politischen Fragen, insbesondere auf das preußische Wahlrecht ein und forderte auf:„ Mit Mut, Rücksichtslosigkeit und Ausdauer den alten Jdealen nachzujagen". Sodann sprach Prof. Dr. Günther mit jugendlichem Feuer. Er gedachte der schweren Kämpfe der Partei und der alten Kämpfer. Abg. Kämpf beleuchtete sodann die Wirtschaftspolitik der letzten Jahrzehnte und forderte zum Kampfe gegen das Hochagrariertum auf und zum Selbst vertrauen und Mut für den Wahlkampf. Geh. JuſtizDer 3 weiten Ständekammer sind u. rat Dove mahnte, die individuellen Interessen zurückzua. folgende Drucksachen zugegangen: 1. Bericht des setzen. Abg. Justizrat Gyßling- Königsberg wies darauf Ersten Ausschusses über die Vorstellung des Stadtvor: hin, daß die Wiege der Fortschrittspartei in Ostpreußen standes zu Alsfeld, betr. die Linienführung der Bahn gestanden habe. Der neue Wahlkampf müsse zur Zu- Alsfeld- Niederaula und die Erbauung einer Bahn Alsrückeroberung der alten Heimat dienen. Als letzter Red- feld- Loshausen; 2. Bericht des Zweiten Ausschusses ner betonte der Führer der Fortschrittlichen Reichstags= über den Antrag des Abg. Dr. Glässing, betr. Verein fraktion Abg. Dr. Wiemer, die Partei sei stolz darauf, fachung von Meßbriefarbeiten; 3. Bericht des Vierten als erste die deutsche Fahne entfaltet zu haben. Die Par- Ausschusses über die Vorstellung der deutschen konzes tei werde den Fürsten Bülow nicht vergessen, daß sionierten Abdeckereibesitzer, betr. Aenderung des Entversucht habe, als konstitutioneller Staatsmann zu re= wurfes zum Erlaß eines Gesetzes die Beseitigung von gieren. Abg. Kopsch überreichte sodann als Gabe der Tierkadavern. Partei Geheimrat Träger eine Plakette mit dem Bildnis des Geehrten in Gold und verlas sodann die zahlreichliche kaufmännische Angestellte. Der hie eingelaufenen Glückwunschtelegramme. Um 11.30 Uhr begann in den beiden Nebensälen der Kommers unter Leitung des Abg. Struve und des Prof. Dr. Orth.
Lö=
In Hagen i. W. wurde am 50. Gründungstage der Deutschen Fortschrittspartei, der Grundstein zum Eu= gen Richter Turm gelegt in Anwesenheit der Abgeordneten Cuno und Müller und des Landtagsabge ordneten Bilstein, sowie von Vertretungen der Bezirksverbände Rheinland und Westfalen und der Kreiswahltomitees. Der Vorsitzende des Arbeitsausschusses, senbeck, hielt die Weiherede. Der Eugen Richter- Turm wird sich auf einem 285 Meter hohen Berge dicht vor der Stadt Hagen gegenüber dem mit einem BismarckTurm geschmückten Goldberg erheben. Bismarck Eugen Richter werden sich, wie so oft im Leben, hier gegenüberstehen. Die Höhe des Eugen Richter- Turmes wird bis zur Plattform 20 Meter, von da bis zur Kuppel 6,5 Meter, die Breite des viereckigen Turmes 12,7 Meter betragen. Für eine im Erdgeschoß des Turnes unterzubringende Gedenkhalle ist eine Größe von 4,8 Meter mal 4,8 Meter bestimmt. In dieser wird Bronzebüste Eugen Richters Aufstellung finden.
Der Deutsche Rundtlug.
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Gestern früh um 5 Uhr nahm der große deutsche Rundflug, für den über 400 000 Mark an Preisen zur Verfügung stehen, in Johannistal seinen Anfang. We nige Minuten nach 5 Uhr hob sich Lind paintner mit Passagier elegant auf seinem Farman- 3weidecker in die Lüfte. Dann kam Vollmöller mit der„ Taube" und ebenfalls einem Passagier. Büchners Apparat fing Feuer. An seine Stelle trat der Wrightflieger Robert v. Moßner. In kurzen Zwischenräumen folgten ohne Passagier Reichardt, Karl Müller und R. Thelen. Kurz vor 7 Uhr mußte wegen der heftigen Böen eine Pause eintreten. Um 7½ Uhr ging die frohe Kunde ein, daß Lindpaintner glücklich in Magdeburg gelandet sei. Vollmöller flog bis Potsdam und ging am Hafenufer wegen eines Motordefektes nieder, er will heute weiter fliegen. Reichardt unternahm eine Zwischenlandung bei Güsen hinter Burg wegen böigen Südwestwindes. Schauenburg nahm in unmittelbarer Nähe von Brandenburg eine Landung vor, bei der die Flugmaschine beschädigt wurde. Müller landete bei Genthin. König landete sehr glatt bei Gollwitz, westlich von Genthin wegen starker Böen. Thelen ging hinter Burg bei Magdeburg in einem Kornfelde nieder, wobei auch sein Apparat beschädigt wurde. In Johannisthal sind nachmittag noch aufgestiegen: Jeannin, Büchner, Wittenstein und Laitsch.
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Fortbildungsschulzwang für weib
sige Verein weiblicher kaufmännischer Angestellter hat bei der Großh. Bürgermeisterei die Einführung des Fortbildungsschulzwanges für die im Handelsgewerbe tätigen weiblichen Angestellten beantragt. Von der Großherzoglichen Bürgermeisterei über diesen Antrag zu einer gutachtlichen Aeußerung aufgefordert, erhebt die H a n- delskammer nach einem ausführlichen Referat des Syndikus die nachstehende Erklärung zum Beschlusse: Die Handelskammer erkennt die Notwendigkeit einer besseren Aus- und Fortbildung für die im Handelsgewerbe tätigen weiblichen Angestellten im Interesse des gesam ten Kaufmannsstandes an. Sie ist der Ansicht, daß dieses Ziel in wirksamer Weise durch Einführung des Fortbildungsschulzwangs erreicht werden kann. Unter ausführlicher Begründung soll im Sinne dieses Beschlusses an die Großh. Bürgermeisterei berichtet werden. * Das 28. Deutsche Radfahrer Bun= desfest. Die größte sportliche Sorporation der Radfahrer der Welt, der Deutsche Radfahrerbund, so schreibt uns unser Frankfurter Spezial- Korrespondent, hat für sein diesjähriges 28. Bundesfest die alte Kaiserstadt Frankfurt a. M. bestimmt. Das Programm für das Fest liegt nun vor und wird dasselbe nicht, wie es sonst bei den Radfahrerbundesfesten üblich ist, sich auf einige Tage erstrecken, sondern über eine ganze Woche. Es wird wohl manchem unserer Leser interessant sein, das genaue Programm für die kommenden Frankfurter Fest
( Gießener Tageblatt)
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23. Jahrg.
vom Taufstein über Schotten, Laubach nach dem Schloßgarten zu Lich. Die 40,2 Kilometer wurden von Mitgliedern des Turnvereins, von Soldaten des Regiments Nr. 116 und Schülern in der sehr guten Zeit gelaufen. Es beteiligten sich 151 Läufer. Der zu be von 1 Stunde, 36 Minuten, 6 Sekunden überreicht, der ihn mit großer Freude entgegen nahm. fördernde Eichenzweig wurde dem Großherzog
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== Unglücksfall. Gestern abend Uhr wurde in der Rodheimerstraße ein Schriftsetzer von der Biebertalbahn der eine Unterschenkel abgefahren. Der Verunglückte wurde durch die Sanitätsabteilung nach der Klinik verbracht, wo er heute vormittag seinen schweren Verletzungen erlegen ist.
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Ronneburg fest. Auf der zwischen Hanau und Büdingen auf einem Bergkegel malerisch gelegenen und weithin sichtbaren Ronneburg veranstalten die Zweigvereine des Vogelsberger Höhenklubs Frankfurt a. M., Offenbach, Hanau, Büdingen und Gelnhausen am 25. Juni d. J. ein Burgfest. Es kommt dabei ein historisches Festspiel zur Aufführung, verfaßt C. Steininger, Mitglied des Frankfurter V. H. C., bei welchem 115 Personen, alles Mitglieder der genannten Zweigvereine, auftreten. Der jetzige Besitzer der Burg, Se. Durchl. der Fürst Friedrich Wilhelm von Asenburg und Büdingen zu Wächtersbach, hat hierfür die Burg zur Verfügung gestellt und den Ehrenvorsitz für das Festspiel, zu dem auch die übrigen Linien des burgischen Hauses eingeladen sind, übernommen. Das Stück führt den Titel" Im Glauben stark, in Treue fest" und spielt in der ersten Zeit des 30jährigen Krieges. Die Aufführung findet nachmittags 3 Uhr im inneren Burghof statt und währt etwa 2 Stunden. Jm äußeren Burghof ist Konzert, Landsknechtlager und Volksfest. Bei eintretender Dunkelheit Beleuchtung der Burg.
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-)(- Bad Nauheim, 12. Juni. Zwei Damen Kutscher wollte beim Türschließen behilflich sein, als sich bestiegen in der Terassenstraße einen Landauer. in demselben Augenblick die Pferde in Bewegung setzten. Der Fensterflügel der Kutschentüre kam einem Baumast zu nahe, wurde aus den Angeln gehoben und fiel flirrend zu Boden. Durch das Geräusch erschreckt, gingen die Pferde durch. Zwei Droschten wurden angeDroschke kam unter seinem Wagen zu liegen, ohne jedoch rannt und schwer beschädigt. Der Kutscher der einen Schaden zu nehmen. Kurz vor dem eisernen Tor der Terrasse kamen die scheu gewordenen Pferde zu Fall. Abgesehen von dem Sachschaden kamen alle Beteiligten mit dem Schrecken davon.
Darmstadt, 12. Juni. Seit Anfang März war der verheiratete Kasernenwärter Fell in der Nacht spurlos verschwunden, nur mit Hemd und Hose bekleidet. Trotz aller Bemühungen gelang es nicht, eine Spur zu finden. In der vergangenen Woche wurde nun seine schon stark in Verwesung übergegangene Leiche bei einer Kanalreinigung unter dem zirka einen Zentner schweren
Kanaldeckel in dem Kanal entdeckt.
Marburg, 12. Juni. Bierbrauereibesitzer Bopp, der 10 000 Mark zur Unterstützung seiner Arbeiter und ihrer Angehörigen gestiftet hat, hat weitere 20 000 Mark der Stadt Marburg für eine Stiftung
tage zu erfahren, und wir werden dasselbe deshalb so überwiesen, deren Zinsen zum Ankauf von Altertümern, fort, nachdem es endgiltig feststeht, bekanntgeben.
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== Die gestern hier bei günstigem Wetter auf der Lahn stattgefundene 16. Regatta des Süddeutschen Ruderverbandes war von 9 Vereinen Frankfurt a. M., Offenbach, Mainz, Limburg, Kastel und Gießen mit 33 Booten und 157 Ruderern belegt. Aus den einzelnen Rennen sind folgende Vereine als Sieger hervorgegangen: 1. Begrüßungs- Vierer: Ruderflub Germania"-Kastel, 2. Junior- Einer: Ruderklub „ Hassia"-Gießen, 3. Anfänger- Bierer: Rudersportverein Amicitia"-Frankfurt a. M., 4. Senior- Vierer: Ruderflub„ Hassia"-Gießen( Ehrenpreis der Stadt Gießen, Wanderpreis); 5. Junior- Vierer: Ruderklub von 1907 in Limburg; 6. Senior- Vierer, wobei der Verbands= wanderpreis zum 1. Male ausgefahren wurde: Rudersportverein„ Amicitia" in Frankfurt a. M.; 8. Einer flub„ Hassia"-Gießen; 9. Senior- Vierer: Ruderklub„ Has( Lahnpokal," Hassia"-Herausforderungspreis): Ruder= sia"-Gießen; 10. Ermunterungs- Vierer: Ruderklub von 1907 in Limburg( wurde in schöner Form gewonnen); 11. Trost- Vierer: Mainzer Ruderklub; 12. Achter( Ehrenpreis des Prinzen Heinrich von Preußen) wurde mit drei Längen und schönem Ruderschlag vom Ruderklub „ Hassia"-Gießen gewonnen.
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insbesondere auch alten Marburger Bürgertrachten, Verwendung finden sollen.
-n- Weilburg, 12. Juni. Unser romantisch gemehr als Sommerfrische aufgesucht; auch Touristen, Aulegenes Lahnstädtchen wird von Jahr zu Jahr immer tomobil- und Radfahrer sind tägliche Gäste in unserer Stadt. Das alte Schloß des Stammhauses Nassau mit Schloßgarten, welch letzterer vom Grafen Johann Ernst in den Jahren von 1703-1713 angelegt wurde, macht mit seinen herrlichen Anlagen, den Denkmälern des Grafen Johann Ernst und des letzten regierenden Herzogs von Nassau, sowie den alten seltenen Bäumen und Gewächsen einen schönen Eindruck. Sehenswert ist auch die evangelische Kirche, in welcher sich die Gruft der nassauischen Familie befindet.
*) Herborn, 12. Juni. Etwa 50 Feuerwehrleute von hier und den umliegenden Ortschaften wurde das Abzeichen und Diplom für 25jährige 3ugehörigkeit zur Feuerwehr überreicht. Worms, 12. Juni. Eine Dame mit riesen= großem Hut verletzte auf dem Martinsplatz mit den lanzenartigen Nadeln des Hutes einen vorbeigehenden Mann erheblich im Gesicht. Der Mann riß darauf, in rasender Wut, der Dame den Hut vom Kopf und zer
Stafettenlauf. Der hiesige Männerturn verein unternahm gestern einen Staffettenlauftrat ihn zu einer unförmlichen Masse.


