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Vermischtes.

Große Waldbrände in Kanada. Nach einer Meldung aus Winnipeg wüten in den unermeßlichen Wäldern von Nord- Manitoba und Saskatchewan riesige Waldbrände, die sich besonders entlang der nordkanadischen Bahn mit großer Geschwindigkeit ausbreiten. Sechs größere Ortschaf ten sind vom Feuer bedroht. Die beiden Städte Dauphin und Swan River in Nord- Manitoba sind von einem voll­ständigen Flammengürtel umzingelt. Ihre Bewohner flüchteten. Swan River gilt als verloren. Auch im Prinz Albert- Distrift von Sastatschewan stehen ganze Waldhänge in Brand. Große Holzvorräte, die nach Nor amerika ausgeführt werden sollten, sind in Brand geraten.

Eine Kleine Köpenidiade suchte ein fremder Gauner in Mörgen in Bayrisch Schwaben auf der Post durchzuführen. Er fam in Abwesenheit des Postagenten zu dessen Frau, um als Poftrevisor die Kasse und die Markenbestände zu fontrollieren. Als die Frau um einen Ausweis bat, legte der Herr Revisor ein großes Messer auf den Tisch! Zum Glüd kamen gerade ein paar Männer auf die Post zuge gangen. Als das der Gauner sah, stedte er rasch sein Mes­ser ein und verschwand.

Der Theaterbrand in Edinburg stellt sich als viel ver­hängnisvoller heraus, als man anfänglich glaubte. Bereits find acht Leichen unter den Trümmern gefunden, und man fürchtet, daß die Anzahl der Opfer noch größer ist. Unter den Toten befindet sich der Taschenspieler Lafayette, außer­dem wurden noch die Leichen von vier Mitgliedern seiner Truppe refognosziert. Die übrigen Leichen sind noch un refognosziert. Auch Lafayettes Tiere: ein Löwe, ein Pferd und ein Hund verbrannten. Der Taschenspieler opferte sein Leben für die Tiere, die er liebte. Er war bereits draußen, stürzte jedoch auf die brennende Bühne zurück, um sie zu retten, und kam dabei um. Man fand gestern die verkohlten überreste der Tiere und neben ihnen verkohlte menschliche Ueberreste. Ob jemand vom Publi­fum sein Leben verlor, steht noch nicht fest. Als das Feuer auf der Bühne ausbrach, war die Vorstellung fast zu Ende. Der Direttor stürzte auf die Bühne, ließ die National­hymne spielen und den Feuervorhang herabsenken. Das Publikum verließ das Haus in guter Ordnung innerhalb vier Minuten. Auf der Bühne spielten sich jedoch aufre gende Szenen ab. Teppiche hatten verhindert, daß der Feuervorhang fich bis ganz auf den Boden sentte, und ein furchtbarer Zug durch die Oeffnung fachte das Feuer auf der Bühne reißend an. Der Löwe, der in der letzten Szene die Löwenbraut" verwandt werden sollte, würde beim Anblick der Flammen rasend und versperrte den Aus­gang der Bühne. Schreckliche Szenen spielten sich ab. La­fayette versuchte wahrscheinlich, den Löwen fortzureißen und fam dabei um. Die Ursache des Brandes ist noch nicht festgestellt. Das Theater ist total zerstört, eine Ausbrei­tung der Feuersbrunst auf die ringsumstehenden Gebäude wurde nur mit große Mühe verhindert.

Eine ergögliche Geschichte berichtet der in Rosenheim in Oberbayern erscheinende Wendelstein". Ein Bauer von Ratzingerhöh fam abends schwer geladen nach Hause. Als er andern Tags nicht aufstand, sah ein Bub nach und bemerkte zu seinem größten Schreden, daß der Vater tief unter den Decken lag und nur einen Arm straff zum Bette heraushängen ließ. Zu Tode erschrocken, eilte der Knabe in die Wohnstube und teilte seine Wahrnehmung der Mut­ter mit, und meint, daß der Vater tot sei. Die Mutter hatte nichts eiliger zu tun, als sofort zum Geistlichen einen Boten zu schicken, damit die Beerdigung während des vormittägigen Gottesdienstes noch verkündet werden könne. Weiter fümmerte man sich um den Bauern nicht. Als man eben in der Stube sich beschäftigte, die Verwandten zusam­menzuzählen, die zur Beerdigung geladen werden sollten, kam der totgeglaubte Bauer, noch schlaftrunken und göh­nend zur Tür herein. Nun mußte abermals ein Eilbote abgesandt werden, um die Beerdigung schleunigst wieder abzusagen.

Ein unangenehmer Trauzeuge. Eine Unterbrechung, die der Tragikomit nicht entbehrt, erfuhr jüngst, wie aus Genf geschrieben wird, eine Trauung in Berthoud, einem fleinen Städtchen der französischen Schweiz. Erschien da dieser Tage vor dem Standesbeamten ein Pärchen, das den Bund fürs Leben schließen wollte. Die Papiere waren in Ordnung, nur ein Zeuge fehlte. Man wählte jedoch nicht lange und nahm den Erstbesten, der zu erreichen war. Zum Unglück für die Zukünftigen war es ein Schuhmann des Ortes. Kaum vernahm dieser beim Verlesen der Tcau­urkunde den Namen der demnächstigen schlechteren The­hälfte", als er höflich, aber energisch dem noch nicht perfekt gewordenen Ehemann die Hand auf die Schultern legte und ihn für verhaftet erklärte. Der unglückliche Ehekan­didat war nämlich ein längst gesuchter Steckbriefling. Wäh­rend die aus allen Himmeln gerissene Braut weinend nach Hause eilte, brachte man den famosen Bräutigam in eine Zelle, wo er genug Zeit haben wird, über seines Schicksals Tücke nachzudenken.

Die Dachshündin als Fuchsamme. Eine hübsche Ge­( chichte aus dem Tierleben, die den Vorzug hat, wahr zu fein, spielte sich in dem in der Wachau gelegenen Revier eines bekannten Wiener Jagdherrn ab. Ein Jagdherr hatte eine Fehe schwer angeschossen, die aber noch die Kraft fand, in den Bau zu fahren. Es wurde nun eine scharfe Dachshündin in den Bau gelassen, die auch nach kurzer Zeit die verendete Fehe herausschleppte, gleich darauf aber wieder in den Bau schoß. Die Jäger warteten und war­teten und schließlich blieb nichts anderes übrig, als zu gra­ben. Nach einiger Mühe fand man den Kessel. Es zeigte sich nun, daß vier junge lebende Füchse darin waren und von der Hündin, die vor kurzem ihre Jungen verloren hatte, mit allem Eifer einer wirklichen Mutter- gesäugt wur­den. Man brachte sie mit den Jungen in die Wohnung ihres Besizers, wo sie jetzt in einer Ofennische haust.

Die 24- Stundennhr in Frankreich. Bekanntlich ist in Frankreich vor kurzem die einheitliche Normalzeit zur Ein­führung gelangt. Nun trägt man sich mit dem Gedanken, für die Eisenbahnen zur Vereinfachung des Dienstes und der besseren Uebersicht wegen auch die bereits in Italien durchgeführte Einteilung der Tageszeit in 24 Stunden ein­zurichten, d. h. z. B. 8 Uhr abends einfach mit 19 Uhr 30 Min. zu bezeichnen. Der Minister für öffentliche Ar­beiten veranstaltet nun eine Rundfrage bet sämtlichen Han­delskammern, wie weit die Durchführung dieser neuen Beitbestimmung die Gewohnheiten des öffentlichen Lebens beeinträchtigen könnte.

Die Bierproduktion der Welt. Die letzten Statistiken über die Bierproduktion der Welt zeigen, daß Deutschland seinen bisherigen ersten Platz als Bier produzierendes Land in der Welt an die Vereinigten Staaten abgetreten hat und erst an zweiter Stelle zu finden ist. Im Jahre 1907 führte Deutschland mit einer Produktion von 7788 486 000

Litern, 1909 produzierten die Vereinigten Staaten 7 491 875 380 Liter, während die Produktion in Deutschland auf 7 259 005 340 Liter zurüdging. Im gleichen Jahre brauten: Großbritannien 6 012 520 580 Liter, Desterreich­Ungarn 2007 695 800 Liter und Frankreich 1162 350 200 Liter.

Wünschelrute und Feuerversicherung. Daß die Wün­schelrute im Zusammenhang mit Wasser steht, ist eine be­fannte Tatsache; daß sie aber auch Beziehungen zum Feuer hat, ist viel weniger bekannt. Den Vermittler bei diesem scheinbaren Widerspruch bildet die Elektrizität, und zwar in der Form des Blizzes. Der Rutengänger v. Graeve­Osterode veröffentlicht jetzt im Zentralblatt der Bauver­waltung" seine Beobachtungen über den Zusammenhang der Blitzschlagstellen mit unterirdischen Wasserläufen. Er hat nämlich festgestellt, daß die Stellen, an denen meistens der Blizz einschlägt, über Kreuzungen von unterirdischen Wasserströmungen liegen. Diese Kreuzungspunkte fann natürlich der Rutengänger feststellen. So hat v. Graeve bei­spielsweise mitten im unbebauten Land eine Stelle ermit­telt, wo der Blitz vor neunzehn Jahren in ein damals bestehendes Gebäude einschlug. Außerdem hat er dret be­nachbarte Stellen aufgefunden, an denen tatsächlich kurze Bett vorher drei Blitzschläge herabgekommen waren. Da nun die Zahlungen von Entschädigungen für durch Blitz­schlag verursachte Brandschäden sich auf Millionen belau­fen, so werden die Feuerversicherungsgesellschaften wahr­scheinlich sich diese Fähigkeiten der Rutengänger zu Nutze machen, indem sie Gebäude oder Gegenstände, die sich über blitverdächtigen Stellen befinden, nicht in die Versicherung aufnehmen.

Wenn du eine Bitte abzuschlagen haft. Im Tagebuch" seines Heimgarten" gibt Peter Rosegger folgende Mah­nung:" Wenn du schriftlich eine Bitte abzuschlagen hast, fo tue es nicht gleich. Warte einige Tage, laß den Bittenden hoffen, so lange es möglich ist, aber warte nicht so lange, daß er dein Säumen als rücksichtslos und teilnahmslos empfindet. Auch ist der abschlägige Bescheid leichter zu er= tragen, wenn man durch Harren sachte zu zweifeln gelernt, als wenn gleich anfangs das frische Erwarten zerstört wird. Laß hoffen, so lange es sein kann. Das Hoffen ist oft beglückender als die Erfüllung. Es ist überhaupt das Beste, was uns beschieden, und der größte Teil unseres Mutes und unserer Lebenskraft gedeiht in den langen Bet­ten des Hoffens. Ist die Erfüllung da, muß sofort ein neues Hoffen einsehen, wenn die Seele freudig wach blei­ben soll. Wir können leichter ohne Erfüllung froh sein als ohne Hoffnung. Wenn du aber einem Bittsteller hel­fen fannst und willst, so tue es gleich, so lange das Mitleid noch glüht und deine Aufmerksamkeit nicht von einem an­deren Hilferuf zerstreut wird."

Eine Brücke als Kapitalistin. London baut eine neue Brücke, aber eigentlich ist es nicht London, das sie baut, sondern die alte Brücke selbst. Denn die Mittel für die Errichtung ihres Sprößlings stammen aus der Zeit, da der fromme Pilger gern einen Teil von Hab und Gut der Brücke überließ, weil sie ihm so tapfer bei seinen Pilger­fahrten geholfen hatte. Es war ein Priester, der sie zuerst im Jahre 1176 aus Stein erbaute, von milden Gaben, die er überall erbettelt hatte. Dann kam einer, Henry Fizaylwin, von dem es heißt, daß er der erste Bürgermeister von Lon­don gewesen sei, der hinterließ der Iteben Brücke ein festes Einkommen aus Grundstücken. Im zwölften Jahrhundert und während der nächsten hundert Jahre kamen fast all­fährlich Legate von Land und Häusern dazu, sodaß die Brücke jetzt, im zwanzigsten Jahrhundert, über ein jährli ches Einkommen von 1800 000 M verfügt. Eines der eigen­tümlichsten Vermächtnisse das ihr zuftel, war das Patro natsrecht über die Kirche zu Stoneham im Jahre 1828. Das große Vermögen wird von dem Brückenhaustrust" der Londoner Munijipalität verwaltet. Wenn man über die Verwunderung hinaus ist, daß eine Brücke so retch sein fann, vernimmt man gewiß mit Rührung von den kleinen Spendern, die ihr aus großer Liebe von Zeit zu Bett thre Gaben darbrachten. Da ist z. B. ein Kaplan im Jahre 1271, der den Gottesdienst in der Kapelle versah, die zu jener Zeit auf der Brücke stand, der hinterließ ihr 180 M. Vielleicht war diese Gabe nicht einmal allzu klein, wenn man die Geldverhältnisse jener Zeit berücksichtigt, aber sie bedeutete jedenfalls alles, was er geben konnte. Da ist auch noch ein Knecht erwähnt, der im fünfzehnten Jahrhundert für die Instandhaltung der Brücke zu sorgen hatte, hinterließ ihr zehn Schillinge.

Aus dem Reiche der Technik.

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Die Sicherheit auf der Eisenbahn ist eine stete Sorge der Technik und der zuständigen Verwaltung. Zur Mef= sung der Geschwindigkeit fahrender Züge werden jetzt auf Veranlassung des königl. Eisenbahnzentralamtes auf ver­schiedenen Stationen des Eisenbahndirektionsbezirks Ber­lin neue Registrierapparate aufgestellt. Ste unterscheiden sich von den bisher üblichen dadurch, daß diejenige Strede, deren Befahren kontrolliert werden soll, wesentlich fürzer sein kann, ohne daß die Deutlichkeit der Registrierung da­runter leidet; es wird im Gegenteil die Fahrzeit, die der Zug zum Zurücklegen der Strecke gebraucht, schon in halben Sekunden angezeigt. Die Verkürzung der Meßstrede bie­tet den großen Vorteil, daß der Maschinenführer während des Befahrens der Gefahrstrecke die Geschwindigkeit nicht mehr beliebig verändern kann, so daß eine einwandfreie Kontrolle möglich ist. Die Vorrichtung besteht aus zwet Kontakten, die in entsprechend geringen Abständen von­einander an der Schiene angebracht sind und nur durch die Durchbiegung der letzteren beim Befahren betätigt werden, und aus der eigentlichen Registrieruhr. Diese bewegt eine Trommel, auf deren Umfang ein horizontal in Stunden, und vertikal in Sekunden eingeteiltes Papterblatt aufge­spannt ist. Die Trommel dreht sich in 24 Stunden einmal herum. Sobald ein Zug den ersten Kontakt befährt, wirb eine Schreibfeder in je einer halben Sekunde senkrecht ge­hoben und schreibt einen senkrechten Strich, bis der Bug den zweiten Kontakt überfährt, worauf die Schreibfeder augenblicklich in die Ruhelage zurückfällt. Die Länge des Striches zeigt die für das Befahren der zwischen betden Kontakten liegenden Strecke aufgewendete Fahrzeit. Auf diese Weise ist ohne weiteres zu erkennen, ob die Mascht­nenführer die vorgeschriebene Fahrgeschwindigkeit innege­halten oder überschritten haben. Aber auch die Folge der einzelnen Züge während des Tages läßt sich aus dem Ne­gistrierblatt feststellen, da es durch das Uhrwerk gletch­mäßig weiter bewegt wird, so daß sich zwischen den eigent­lichen Fahrgeschwindigkeits- Marken Zwischenräume bilden, deren Länge die Zelt angibt, in der sich die Züge folgen.

Ein Erbschaftsstreit um 12 Millionen.

Vor dem Berliner Landgericht I fand am Mittwoch ein neuer Termin in dem sensationellen Erbschaftsprozeß statt, den die Tischlermeisterswitwe Brandt gegen den viel­fachen Berliner Millionär Grafen Scholto Douglas ange­strengt hat. Der Prozeß hat eine geradezu romanhafte Vorgeschichte. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts wan­derten zwei Vettern namens Brandt von Deutschland nach Holland aus und kamen dort nach und nach zu großem Wohlstand. Sie erwarben einige Schiffe und trieben einen schwunghaften Handel mit den holländischen Kolonien. Als fie 1785 bezw. 1805 starben, hinterließen sie ein nach Mil­Itonen zählendes Vermögen; fie hinterließen ein Testa­ment, nach dem ihre sämtlichen in Deutschland lebenden Verwandten das Vermögen erben sollten. Die Klägerin

Brandt erhebt nun Anspruch auf einen Teil des hinter laffenen Riesenvermögens, indem sie ausführt, die Erb schaftspapiere seien zu Anfang des 19. Jahrhunderts nach Halberstadt gekommen, wo die ersten Erben ermittelt wor den waren. Da diese inzwischen verstorben waren, seten die Aften auf der Suche nach weiteren Erben nach Aschers­leben gekommen, wo zu jener Zeit der Vater des Beklagten Bürgermeister gewesen ist und als solcher in amtlicher Et­genschaft Kentnis von den Erbschaftsakten erlangt hat. Dies fe Kenntnis habe er, so behauptet die Klägerin, ausgenbt, um seinen Sohn in den Besitz der Erbschaft zu setzen. Der Beklagte entstammt übrigens einer bürgerlichen Fa milie, die mit dem alten schottischen Abelsgeschlecht nicht das mindeste zu tun hat. Erst der Beklagte selber wurde von Kaiser Friedrich wegen seiner Verdienste um die Kaltindu­strie geadelt. Er ist jetzt 75 Jahre alt und lebt in Berlin. Er bestreitet, daß die Ansprüche der Klägerin berechtigt seien, da er eine Erbschaft in der angegebenen Höhe von 12 Millionen nicht hinter sich habe. Der Vertreter der Klä­gerin, Rechtsanwalt Bah.i, hatte für seine Mandantin die Bewilligung des Armenrechts beantragt, da sie nicht ver­mögend ist und bei dem hohen Streitobjekt( das Landgericht hatte den Wert auf 500 000. festgesetzt) die enormen Ko sten nicht aufbringen könne. Das Landgericht hatte jedoch das Armenrechtsgesuch der Klägerin abgelehnt, da dem Ge­richtshof die Rechtsverfolgung der Sache völlig aussichts­Ios erschien. Rechtsanwalt Bahn lehnte daraufhin den Ge­richtshof wegen Befangenheit ab und wandte sich beschwerde­führend an das Kammergericht. Das Kammergericht wies die Beschwerde jedoch zurück und billigte der Klägerin das Armenrecht nicht zu. Andererseits aber setzte es den Wert des Streitgegenstandes auf 50 000 M herab, so daß es der Klägerin nunmehr durch Unterstützung von dritter Seite möglich ist, den Prozeß vorläufig weiterzuführen. In der Verhandlung führte der Vertreter der Klägerin aus, daß zu den als Erben eingesetzten, in Deutschland lebenden Verwandten auch ein Perückenmacher Johann Christoph Brandt gehört habe, der der Großvater des Ehemanns der Klägerin gewesen ist. Der Nachweis der Verwandtschaft soll durch Urkunden geschehen, die noch beschafft werden. Das Urteil wird später bekannt gegeben werden.

Sensotionelle Duellaffäre in Berlin.

Ein Gegner durch einen Brustschuß getötet. Am Mittwoch in den frühen Morgenstunden hat in der Jungfernheide bei Berlin ein Duell zwischen dem Offizier a. D. und Maler Wilhelm v. Gaffron und dem Freiherrn Oswald von Richthofen, Reserveoffizier im 2. Gardenlanen­regiment stattgefunden. Beim zweiten Kugelwechsel sank von Gaffron in die Brust getroffen nieder. Er wurde nach dem Paul Gerhard- Stift gebracht, wo er bald nach der Einlieferung starb.

Ueber die Ursache, die zum Duell führte, berichtet der B. Lok.- Anz." folgendes: von Gaffron lernte vor einigen Jahren den Leutnant Freiherrn von Richthofen kennen. Richthofen benutte die Bekanntschaft, um von Gaffron 25 000 Mark zu leihen, die er innerhalb 14 Tagen in Monte Carlo verspielte. Als er dann wieder in finanzieller Be drängnis war, offenbarte er sich seinen Brüdern. Dabei stellte er ihnen die Geldangelegenheit mit Gaffron so hin, als ob dieser ihm für die geliehenen 25 000 Mark seine Erb schaft in Höhe von 40 000 Mark abgekauft habe. Die beiden Brüder schenkten ihm Glauben und waren über die Hand­lungsweise des Herrn von Gaffron empört. Sie liehen ihrer Empörung auch Ausdruck, indem sie in Bekanntenkreisen das angebliche Manöver des Gaffron erzählten. Die Folge davon war, daß Gaffron mehr und mehr von der Gesell­schaft gemieden wurde. Es tam zu einer Ohrfeigerei zwi­schen Gaffron und Richthofen und daran anschließend zu einem gerichtlichen Verfahren, in welchem festgestellt wurde, daß Gaffron in der Geldangelegenheit völlig einwandfrei gehandelt habe. Mit der Fällung dieses Urteils war die Feindschaft zwischen den beiden Männern aber keineswegs beendet, im Gegenteil, fie loderte erst recht auf und führte schließlich zu der Duellforderung, die Mittwoch früh aus­gefochten wurde und so blutig endete. Wie das B. T." meldet, ist gegen Freiherrn von Richthofen bereits ein Vers fahren eingeleitet worden.

Drabtnachrichten und neuestes.

Vom Aufenthalt des Kaisers in Wiesbaden. Wiesbaden, 11. Mat. Der Kaiser, der heute früh einen Spaziergang unternommen hatte, hat um 11 Uhr eine Automobilfahrt nach Homburg angetreten.

Der elsaß- lothringische Verfassungsentwurf in der Kommiffion abgelehnt.

Berlin, 11. Mat. Die Kommission zur Beratung der elsaß- lothrinigischen Verfassungsreform hat heute in der Gesamtabstimmung die ganze Vorlage mit 13 gegen 12. Stimmen abgelehnt.

Die mexikanischen Rebellen in Juarez. Neuyork, 11. Mai. Ueber die Einnahme von Jua­rez wird noch gemeldet: Die Regierungstruppen hatten sich in der Kaserne verschanzt, welche darauf von den Insur­genten heftig beschossen wurde. Die Insurgenten richteten dte eroberten Geschüße auf sie. Schon nach 4 guten Tref­fern zeigte sich die weiße Fahne, worauf sich Navorro, der Befehlshaber der Regierungstruppen, an Oberst Garibaldi, welcher ein vorzugsweise aus Amerikanern bestehendes In­furgentenkorps fommandiert, ergab. Juarez bietet ein trauriges Bild, da die Hauptstraße in Ruinen Itegt. Ueber­all find Häuser zerstört. Man schäßt die Gesamtzahl der Toten in dem zweitägigen Kampf auf 80, die der Verwun­deten auf 160. Bahlreiche Insurgenten begannen nach der Einnahme von Juarez den Sieg durch ein Trinkgelage zu fetern; indeffen ordnete Garibaldi die Vernichtung alle Spirituosenvorräte an.

Sensationelle Steuerhinterziehungsaffäre.

München, 11. Mai. Eine Steuerhinterziehungs­affäre, bei der Millionen in Frage kommen, beschäftigt zur zeit die Oeffentlichkeit. Die Erben des verstorbenen Reichs rates Ritter Dr. v. Klemm sollen jetzt eine Steuerstrafe von 8 600 000 Mark bezahlen. Dr. v. Klemm, der in Ludwigs. hafen wohnte, soll durch 11 Jahre ein Vermögen von vier Millionen, vorher 9 Jahre lang ein solches von 2% Millio­nen versteuert haben, während er von Rechtswegen 11 Jahre lang 40 Millionen und vorher 32 Millionen hätte ver­stenern müssen.

Todessturz eines Militärfliegers. Nenyork, 11. Mai. Leutnant Kelly, ein Schüler des Aviatikers Curtis, stürzte mit seinem Apparat aus einer Höhe von 20 Metern ab und war auf der Stelle tot. Auch ein deutscher Flieger hat heute seinen Wagemut mit dem Tode bezahlt:

Berlin, 11. Mat. Auf dem Flugplah Johannisthal flog heute früh der Aviatiker Bockemüller bet dichtem Nebel gegen das alte Posthaus. Er wurde dabei so schwer verletzt, daß er nach wenigen Minuten starb.

Ausbruch eines Vulkans in Japan. Tokio, 11. Mat. Durch einen Ausbruch des Vul­fans Afamayama sind schwere Verwüstungen angerichtet worden. Viele Menschen sind umgekommen. Nähere Nach richten über die Katastrophe fehlen noch.

Anfstand der Hafenarbeiter in Oporto. Oporto, 11. Mai. Die Hafenarbeiter find wegen Nichtbewilligung ihrer Forderungen in den Ausstand ge treten. Der Schiffsverkehr ist teilwetse lahmgelegt. Man befürchtet, daß der Ausstand wettere Ausdehnung nehmen

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