Einzelbild herunterladen

Deutscher Reichstag.

abzulocken, daß man nicht nötig hat, Belgien zum so und so vielten Male zu versichern, daß es allein bei Frankreich sein Heil zu suchen hat. So fehlt auch hier die rechte Stim­mung, aus der Brüsseler Reise mehr zu machen als eine Aft internationaler Höflichkeit.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Kaiser und Prinzregent. Der Kaiser sandte aus Met an den bayerischen Prinzregenten ein Telegramm, worin er seiner Freude über den ausgezeichneten Zustand der Brigade des Prinzregenten Ausdruck gibt und um die Er­mächtigung bittet, einer im Ausbau befindlichen Feste bei Metz den Namen Feste Luitpold" zu geben. Der Prinz­regent antwortete, daß er die Ehrung mit großer Freude und herzlichem Danke annehme. Möge, so schloß das Ant­worttelegramm, die Feste Luitpold" allezeit ein starker Schutz für des Reiches Grenzen sein und den Frieden be­wahren helfen, dessen sich unser heißgeliebtes Vaterland heute seit vier Jahrzehnten erfreuen darf.

Sachlich läßt sich über die Mittwochsitzung, den fünf­ten Tag der zweiten Lesung der Reichsversicherungsord nung, nichts anderes mitteilen, als über die vier vorher­gegangenen Tage. Die Begründung sozialdemokratischer Anträge und ihre Ablehnung beherrschten die Debatte. Nachdem noch in der Dienstagsibung der Abschnitt über die Landkrankenkassen seine Erledigung gefunden hatte und auch die Bestimmungen über die Ortskrankenkassen nach den Kommissionsbeschlüssen bestätigt waren, standen am Mittwoch während der ersten Stunden der Sitzung die Be= triebsfranfenfassen zur Debatte. Der Sozialde­mokrat Emmel holte zu einer mehr als anderthalbstündigen Rede aus, in der er eine Fülle von Material über die Z11= stände in den Betriebskrankenkassen aus den Akten der Generalfommission der Gewerkschaften vorbrachte. Der Na­tionalliberale Stresemann meinte zu den Ausführungen Emmels, daß durch eine derartige Taktik die Voraussetzun­gen des Parlamentarismus verletzt würden. Man müsse auch den anderen Teil hören, und es sei nicht angängig, der= artig unkontrollierbare Vorgänge erst dann vorzubringen, wenn der Beweis des Gegenteils nicht mehr erbracht wer= den kann. Hätten die Sozialdemokraten mit diesen Sa­chen operieren wollen, so wäre es ihre Pflicht gewesen, das Material schon in der Kommission vorzubringen, die dann hinreichend Zeit und Gelegenheit gehabt hätte, Gegenäu­ßerungen der angegriffenen Kassen zu hören. Der Redner wies dann statistisch nach, daß die Leistungen der Betriebs­frankenkassen höher seien wie die der allgemeinen Orts­frankenkassen. Nach längerer Debatte nahm man denn auch einen Kompromißantrag Schulz an, der die Betriebs­frankenkassen zulassen will, wenn sie den Bestand der Orts­frankenfassen nicht gefährden. Nun ging es rasch weiter. Der Abschnitt über Innungskrankenkassen wur­de unter Ablehnung der sozialdemokratischen Anträge schnell erledigt und zum Schluß wurden noch 40 Paragraphen an­genommen, zu denen Wortmeldungen nicht vorlagen, so daß man bis§ 339 gelangt war, als die Weiterberatung auf Donnerstag vertagt wurde.

Fallieres Brüsseler Besuch.

Ein Kaiserbesuch in der Schweiz? Zu einer Meldung des Pariser Figaro", der schweizerische Bundesrat rechne mit der Möglichkeit, der deutsche Kaiser werde die Schweiz gelegentlich der heurigen Herbstmanöver besuchen, wird der Neuen Zürcher Zeitung" aus Bern berichtet, daß ein sol­cher Besuch nicht außer dem Bereiche der Möglichkeit liege. Der Kaiser äußerte wiederholt den Wunsch und hat an­scheinend auch in neuerer Zeit wieder die Absicht fundge= geben, das schweizerische Heerwesen aus eigener Anschauung fennen zu lernen. Verschiedene Umstände dürften aber zu der Annahme führen, daß der Besuch erst im nächsten Jahre erfolgen wird.

Ueber den Besuch des Präsidenten Fallieres in Brüssel waltet ein eigner Unstern. Im vorigen Jahre noch war diese Reise als politisches Ereignis ersten Ranges gedacht. Man diskutierte sogar eine Zeitlang allen Ernstes die Frage, ob der Besuch Fallieres gleichzeitig mit dem Kaiser Wilhelms stattfinden und damit das von Phantasiepolitikern schon so oft angekündigte Zusammentreffen der beiden Staatsoberhäupter erfolgen solle. Aber auch als diese Fra­ge im negativen Sinne beantwortet war, hielt man zunächst noch immer an einem Besuch der Brüsseler Weltausstellung fest. Daß schließlich auch diese Absicht, die ersterwähnte hat­te allerdings wohl nie bestanden, aufgegeben werden mußte, war vornehmlich auf Etikettefragen zurückzuführen. Wenn nämlich Fallieres nicht gleichzeitig mit Kaiser Wilhelm zum Besuch der Weltausstellung eintraf, so mußte dies notwen= dig vorher oder nachher geschehen. Ersteres ging aber nicht, nachdem König Albert bereits bei Gelegenheit seiner An­trittsvisite in Potsdam die Zusicherung des kaiserlichen Besuches erhalten hatte. Unmittelbar nach dem Kaiser ein­zutreffen und den zweiten Aufguß der Liebenswürdigkeit zu bekommen, ging aber erst recht nicht. Da also Fallieres weder gleichzeitig mit dem deutschen Kaiser noch vorher oder nachher die Ausstellung besuchen konnte, so blieb nur ein Viertes übrig: Der Präsident verzichtete ganz auf diesen Besuch und schob seine Visite bei dem neuen belgischen Staatsoberhaupt soweit hinaus, daß sie mit dem Besuch des deutschen Kaisers nicht mehr gut in Parallele gestellt werden konnte.

ist er als antisemitischer Reichstagskandidat in Dortmund aufgestellt worden. Es kann sich natürlich nur um eine Zähltandidatur handeln.

Der Korruption in der russischen Beamtenschaft will man jetzt einmal wieder mit Gesezen zu Leibe gehen. Der Justizminister hat in der Reichsduma einen Gesetzentwurf eingebracht, nach dem diejenigen, welche im Staats- oder Gemeindedienst stehende Beamte durch Geld, Geschenke oder auf andere Weise bestochen haben, bestraft werden.

men.

Die mexitanischen Rebellen haben den Kampf in der von ihnen eingenommenen Stadt Juarez wieder aufgenom Die Bundestruppen räumten Juarez, nachdem die Aufständischen die Kirche und die letzte Stellung der Ver­teidiger erobert hatten. Die Aufständischen, die Dynamits bomben gegen die Verschanzungen der Verteidiger schleus derten, befreiten die Insassen der Gefängnisse. Maderos Einfluß auf die undisziplinierten Aufständischen vermins dert sich zusehends; sein Wunsch ist, Frieden zu schließen.

Audienz des Generals Nogi beim Kaiser. Wie der Inf." mitgeteilt wird, wird der japanische Heerführer General Nogi, der bekanntlich für die Einnahme von Port Arthur vom Kaiser mit dem Orden Pour le mérite de­foriert wurde, Ende Juni eine Audienz bei Kaiser Wil­helm nachsuchen, in der er sich persönlich für die hohe Aus­zeichnung zu bedanken und vorzustellen gedenkt. Es fann angenommen werden, daß General Nogi dann noch längere Zeit in Deutschland weilen wird, um sich in militärischen Angelegenheiten zu orientieren.

Aus der Art, wie im vorigen Jahre die geplanten Be­festigungen Vlissingens von der französischen Heßpresse zu Verdächtigungen Deutschlands benutzt wurden, konnte man schließen, daß auch der Besuch Fallieres aus einem reinen Höflichkeitsakt zu einer großen politischen Haupt- und Staatsaktion aufgebauscht werden sollte. Man konnte zum mindesten eine neue verbesserte und vermehrte Auflage der Mär von der geplanten Annexion Belgiens durch Deutsch­land erwarten. Dem guten Herrn Fallteres war dabei of= fenbar die Rolle eines Protektors Belgiens zugedacht. Denn wem anders als Frankreich verdankt es Belgien, wenn Deutschland noch nicht seine schwarzen Pläne ausge= führt hat?

Reichskanzler von Bethmann Hollweg wird sich am Freitag zum Vortrage beim Kaiser nach Wiesbaden be­geben und im Anschluß daran in Heidelberg an der Jubi­läumstagung des Deutschen Handelstages teilnehmen.

Kleine Nachrichten.

Das Luftschiff Deutschland", welches am Mittwoch morgen zu einer Fahrt über das Industriegebiet aufgeftie­gen war, berührte mittags gegen 11 Uhr auch Dortmund und überflog die Stadt in einem wetten Bogen. Die Be völkerung brachte dem Luftschiffe stürmische Ovationen dar. Das Luftschiff flog dann über Elberfeld- Barmen nach Düsseldorf zurück, wo es gegen 12 Uhr landete; es hatte vorher Duisburg, Effen und Bochum berührt.

Das Programm für den Aufenthalt des deutschen Kronprinzenpaares in Petersburg ist jetzt festgesetzt wor= den. Der Kronprinz und die Kronprinzessin werden als Gäste der Zarenfamilie im Alexanderpalast in 3arskoje Sselo wohnen, wo Galatafel, Familientafel und eine große Parade stattfinden sollen. Der Kronprinz wird auch der Stadt Petersburg einen offiziellen Besuch abstatten.

Ein Korfu- Museum in Berlin. Unter den Auspizten des Kaisers sind auf Korfu wichtige Steindokumente der großen altgriechisch- jonischen Kultur gefunden worden, die auf Wunsch des deutschen Kaisers in einem neu zu errich­tenden Museum in Berlin untergebracht werden sollen. Die Bauart des Museums soll in antik- griechischer Stilart erfolgen.

Einigung in der elsaß- lothringischen Verfassungsfrage? Dem B. T. zufolge soll das Zentrum jezt geneigt sein, trok des Widerstandes seiner reichsländischen Mitglieder der ersten Kammer zuzustimmen. Diese soll aber noch um drei Landwirtschaftsratsstimmen und je eine Handwerkskam­mer- und Handelskammerstimme vermehrt werden.

Diese so schön gedachte belgisch- französische Verbrüde­rung ist jetzt leider durch die Marokkofrage stark beein­trächtigt worden. Zwar ließ der Verlauf der Festlichkeiten nichts zu wünschen übrig und bei der Begrüßung Fallieres war alles genau so wie beim Empfang des deutschen Kaisers. Aber der Marokko- Alp, der auf Europa lastet, läßt doch ein eigentlich politisches Interesse bei diesen höfischen Festlich­keiten nicht aufkommen. Speziell in Belgien betrachtet man den Besuch fühl bis ans Herz hinan und kalkuliert nur ganz geschäftsmäßig, daß sich daraus vielleicht einige Vorteile auf wirtschaftlichem Gebiete ziehen lassen. Man hofft auf eine Verständigung über gewisse strittige Boll­fragen, aber darüber hinaus erhebt sich nicht die Würdt­gung dieser einst so viel besprochenen Reise. In Frankreich aber weiß man dem Marokkothema soviele Variationen

3)

3wei Kirschen an einem Stengel.

Roman von A. von Liliencron. Nachdruck verboten.

II.

Die Erdgasquelle in Neuengamme bei Hamburg ist in­folge eines Blitzschlages von neuem in Brand geraten.

Telephonverbindung über 3000 Kilometer. Infolge neuer Experimente, die fast ein Jahr in Anspruch nahmen, wurde gestern die direkte Telephonverbindung zwischen Neuyork und Denver im Staate Colorado, also auf eine Entfernung von etwa 3000 Kilometer, definitiv hergestellt.

Ein ausgedehnter Mädchenhandel wurde in Trient auf­gedeckt. Zwei Frauen standen an der Spitze des Unterneh­mens; ihre Agenten waren in einzelne Stadtteile verteilt. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen.

Die Befreiungen von der Pflichtfortbildungsschule. Die Kommission des preußischen Abgeordnetenhauses für den Gesezentwurf über die Pflichtfortbildungsschulen be­riet am Mittwoch den§ 5 der Vorlage, der von den Be­freiungen von der Verpflichtung zum Besuch der Fortbil­dungsschulen handelt. Beschlossen wurde, die Einjährig­Freiwilligen nicht generell vom Schulbesuch zu befreien, sondern nur eine Bestimmung aufzunehmen, daß das nur durch Statut geschehen kann. Angenommen wurde weiter ein Antrag, daß die bestandene Gesellenprüfung nach drei­jähriger Lehrzeit vom Schulbesuch befreien soll, und daß ebenso derjenige befreit wird, der nach dreijähriger Lehr­zeit zum Handlungsgehilfen ausgebildet ist.

Am andern Morgen, ein Sonnabend war's vor dem aid Kirmesfeste, saßen Mutter und Tochter Amrum an dem weißgescheuerten Tische beim Frühstücke. Die letzten Tropfen aus der dickbauchigen Kaffeekanne schüttete Kathi der Mutter noch in die Tasse, dann begann sie das Ge= schirr abzuräumen.

Beim Zuwerfen von Geldsäcken, die für die Reichsbank bestimmt waren, wurde in Reichenbach in Schlesien ein Postschaffner durch einen Geldsack am Unterleib getroffen. Der schwerverletzte Beamte starb bald darauf im Kranken­Hause.

Brandstifter in einer Kirche. Der zum Dortmunder Franziskanerkloster gehörtgen Kirche, die sehr reich ausge­stattet ist, statteten in vergangener Nacht Einbrecher einen Besuch ab. Sie erbrachen mehrere Behältnisse und legten schließlich an verschiedenen Stellen, u. a. auch im Beichtstuhl, Feuer an, das jedoch rechtzeitig bemerkt und gelöscht wer­den konnte.

Der Gesezentwurf für die Privatbeamtenversicherung ist vom Bundesrat noch nicht verabschiedet worden. Die ursprüngliche Absicht, die Vorlage gleich beim Zusammen­tritt des Reichstages einzubringen, ist damit aufgegeben. Es scheint sonach nicht mehr der Plan zu bestehen, das Ge­sez in der Tagung bis Pfingsten überhaupt zur Beratung zu stellen. Auf jeden Fall aber dürfte die Vorlage dem­nächst der öffentlichen Kritik unterbreitet werden, so daß in den Sommermonaten den beteiligten Kreisen ausrei­chend Zeit gegeben ist, zu allen Einzelheiten Stellung zu nehmen.

Tödlicher Unfall beim Tunnelban. Bei dem Bau der Strecke Baumbolder- Heimbach im Rheinland wurden im Tunnel drei Arbeiter durch fallende Gesteinsmassen ver­schüttet. Einer war sofort tot, die zwei anderen wurden schwer verletzt.

Eine Kandidatur Ahlwardt? Wie es heißt, soll eine lange verschollene Persönlichkeit, der Rektor aller Deut­schen", Herr Ahlwardt, aus der politischen Versenkung wie­der auftauchen wollen. Nach dem ,, Dortmunder Tageblatt"

Aus den Gerichtssälen.

fahrt,

Hgung nicht v

Gr

aus M

Nord- M

die fich großer ten find und Gr

Ständige

flüchtet

Prinz

Waldh

amerito

Ei

Mörgen Er fam

um als fontroll der Her

Glüd f

gangen

fer ein

De

hängni

Verhalten des Mieters bei Mängeln der Mietsache. Die Juristische Wochenschrift" enthält eine interessante Entscheidung des Reichsgerichts aus dem Mietrecht, deren praktische Bedeutung für jeden Mieter auf der Hand liegt. Die Revision hatte sich gegen denStandpunkt desBerufungs­gerichts gewandt, wonach die Mieter ihr Kündigungsrecht dadurch verloren hätten, daß sie die Bemühungen des Kam­merjägers nicht positiv unterstützt und sich nicht zu diesem Zwecke in der ordnungsmäßigen Ausübung ihres Gewer­bes Beschränkungen auferlegt hätten. Das in diesem Er­fenntnis behandelte außerordentliche Kündigungsrecht des Mieters, hat, wie das Reichsgericht wörtlich sagt, zur selbst­verständlichen Voraussetzung, daß die Entziehung des ver­tragsmäßigen Gebrauchs der gemieteten Sache nicht durch den Mieter selbst verschuldet, oder auch nur mitverschuldet ist. Diesem Falle ist aber der gleichzustellen, daß der Mic­ter durch sein Verschulden verhindert, daß die Maßnahmen des Vermieters zur Beseitigung des Mangels Erfolg ha­ben. Dabei ist davon auszugehen, daß es dem Mieter ob­Itegt, den Vermieter zu denjenigen Fällen, in denen die Beseitigung eines während der Mietzeit entstandernen Mangels nicht ohne eine gewisse, mit erheblichen Beläſti­gungen oder Aufwendungen nicht verbundene Mitwirkung des Mieters ausführbar ist, in seinen in der Hauptsache thm, dem Vermieter, obliegenden Bemühungen zur Hebung des Mangels zu unterstützen, well sonst die Schaffung von Abhilfe während der Dauer des Mietverhältnisses überhaupt nicht möglich wäre und doch die Beseitigung des Mangels regelmäßig im beiderseitigen Interesse geboten ist. Es ist demnach unzutreffend, wenn die Revision aus­wir früten uns alle drüber, of de verstorbene Bruder, de Rösche wirds wisse."

Mutter und Tochter hatten sich für diese Tage von der Arbeit frei gemacht, denn die Verwandten kamen ja heute nachmittag, und vorher gab es noch alle Hände voll in der kleinen Häuslichkeit zu tun, um die verwöhnten Großstädter würdig zu empfangen.

Frau Amrum freute sich auf diesen Besuch, aber sie sah ihm auch mit etwas Bangen entgegen, denn diese um ein Jahr ältere Schwester Therese, früher im Dorfe das ,, hübsche Röschen" genannt, hatte immer ein großes Ueber­gewicht gehabt, und die jüngere Schwester war gewohnt gewesen, sich ihr unterzuordnen und ihren Willen, ihre Ansichten blindlings als die besseren anzuerkennen. Rös­chens reiche Heirat, ihr Leben in der Großstadt kam noch dazu, um Frau Amrums Respekt vor der gescheiten und ver­wöhnten Schwester noch zu erhöhen. Unwillkürlich teilte sich diese Auffassung auch Kathi mit, und dazu kam noch, daß kürzlich im Dorfe eine ihrer früheren Schulkameradir­nen gewesen war, die in Berlin einen Dienst angenom­men hatte und nun den neugierig aufhorchenden Mädchen vom Dorfe nicht genug erzählen fonnte von den Herrlich­teiten der Stadt. So war es geschehen, daß Kathi Berlin und alles, was damit zusammenhing, wie eine Art Wun­derland erschien, und daß sie in froher Epannung dem heutigen Besuch entgegensah. Nur schade, daß Hans ihrer erwartungsvollen Freude gestern einen solchen Dämpfer aufgesetzt hatte; aber heute mußte sie ihn versöhnen, ihn wieder gut machen, das stand bei ihr fest, und dann wollte sie sich ungetrübt ihrer Fröhlichkeit überlassen.

Frau Amrum, eine Frau in den Vierzigern, sah älter aus als sie war; angestrengte Arbeit und Entbehrungen mancher Art hatten ihre Spuren auf dem kleinen, faltigen Gesichte zurüdgelassen und jeden Reiz fortgewischt, den es In der Jugend gehabt hatte. Mutter und Tochter gingen tagaus, tagein auf Arbeit und waren den Inspektor auf dem Gutshofe ziemlich unentbehrlich geworden. Gleich­förmig spann sich ihr Leben ab, die Mutter war es nicht anders gewohnt, und Kathi mit ihrem heiteren Sinne fand auch an den alltäglichsten Dingen Freude. Sie sang und trällerte bei der Arbeit, die ihr Lust und nicht Last büntte, und hatte, weil ihr alles flink von der Hand ging, noch immer Zeit genug, um das fleine Haus mit Garten, das ihnen gehörte, in musterhafter Ordnung zu halten. Die dörflichen Vergnügungen zu Kirmes und beim Mai­tangen und Erntefest, und was sich sonst noch daran zu reihen pflegte, genoß sie heiteren Sinnes und freute sich chen wochenlang darauf. Allmählich, ohne daß sie selbst hätte sagen tönnen, seit wann, hatte alles um sie her noch inen viel helleren Glanz genommen, seitdem aus Hans Ruland, dem Spieltameraden, für sie noch etwas anderes, ewas ganz anderes geworden war, ein Mensch, den sie sehr, sehr lieb hatte weiter dachte sie noch nicht. Mit diesem Hans Ruland und seinem gestrigen Zürnen waren auch jetzt ihre Gedanken beschäfigt, während sie das Geschirr reinigte und auf das Wandbrett stellte.

-

Ihr wurden die Augen feucht, sie zog eine der Tassen näher heran. ,, Die mit de schöne rote Blume bekam de Schwester zur Hort, sie wullte sie nit mitnehme, die füllt im Huse bliewe, und se wullt immer darut trinke, wenn sie bi de Eltern zu Besök wär." Seufzend fügte sie hinzu: oft is sie nit fumme, nach ein paar Jahre starbe de El­tern, und bi Vaterche nd mir is se nie net gewest. Nun süll se aberst hüt daru trinke und ihre helle Früd daran habe."

Es is doch man gaut," meinte die Mutter, daß wir de Staatstasse von de Eltern so sorgsam verwahrt habe, die müsse hüt of herunt ut de Schrank und das hübsche Kännche dazu. Hole mal allens her." Kathi stellte das Gewünschte vor die Mutter hin.

,, Das Kännche is noch wie neu wie neu," wieder­holte sie und strich liebevoll mit der Hand darüber. Da tust de frische Milch von de Biege hinein. De Bater hätt das Kännche mal de Mutter vom Jahrmarkt mitgebracht.

find ad

fürchte

den To

dem w

Truppe

refogno

Pferd

opferte

bereits

zurüd,

geftern

verkohlte

fum fein

auf der Der Dir hymne f

Publikum

vier Min

gende S

furchtbare

Kathi hantierte in der Stube herum, sie sagte nichts; diese kleinen Heiligtümer der Mutter waren auch für sie der Inbegriff von etwas sehr Schönem; aber sie hatte ge­wollt, daß die Mutter dazu auch eine ähnliche feine Kaffee­fanne taufte, die braune, etwas abgestoßene Bunzlauer, die sie täglich benutzten, störte doch ihrer Meinung nach den Eindruck des Ganzen. Doch die Mutter hatte dazu den Kopf geschüttelt und gemeint, das fönne sie sich nicht leisten, der Besuch koste ihr ohnehin manchen Groschen. Dagegen hatte das Mädchen nichts einwenden können, denn auch zwei Arbeitstage gingen verloren, an denen der Besuch da war. Die Mutter fuhr fort, ohne ihr Schweigen zu be­achten: de Tasse mit de Vergißmeinnicht bekümmt der Jus lius. Mutter hätt se molen Vatern geschenkt, und dabt gesagt: siehst du, Alterchen, Ut Liebe" steht druf, und ut rener, purer Liebe gebe ich se dir. Die Röschen weiß das allens ganz akkurat, und es wird ihr weich ums Herz werde, wenn der Julius darut trinke tut."

-

Etwas in Kathi empörte sich dagegen, dem Better dieſe Bergißmeinnichttasse hinzustellen, und sie wandte ein, die Obertasse hat a Sprung, schauens Mutter, da- nit wit vom Henkel fehlt a Stückel. Es sieht fast afturat so ut, als ob's femand herausgebisse hätt."

( Fortsetzung folgt.)

Feuervor

der Bühn

Szene, d

beim Anb

gang der

fayette v und fam

festgestellt

tung der

wurde nu

Cine

in Oberb

von Razi Als er an

bemerkte

unter den heraushän

in die Wo ter mit, u

hatte nich einen Bot Dormittag Weiter

eben in de

menzuzäh tam der

nend zur abgesandt abzusagen Ein

die der T

Genf geld

fleinen G

diefer Ta

Bund

Ordnung

lange un

Unglüd

Ortes.

urkunde

hälfte",

geworden

und ihn

didat war

rend die a

Hause eilt

Zelle, wo

Lüde nach

Die D

schichte au

jein, spielt

eines befa hatte eine fand, in de

Dachshundi

Beit die ve wieder in teten und f ben. Nach

fich nun, da

von der mit allem

den. Man Ihres Befit

Die 24 Frankreich führung gel

für die Eife

der besseren durchgeführt zurichten, d

80 Min. au

beiten veran belstammer

Beitbestimm

beeinträchtig

Die Bi

über die B

feinen bis Land in de hat und erf führte Deut