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Marte ,, Luisa" als Buttererfag empfohlen und erklärt, daß nur füßer Rahm, Eigelb, Milch, bestes Rinderfett und etwas Spetseöl verwendet werde. Vors.: Es ist wesentlich, daß Sie Ihrer Kundschaft sagen, daß Sie nur bestes Rinberfett und Spetseöl verwenden. Angefl.: Ich kann doch nicht der Konkurrenz alles mitteilen, was ich verwende. Was in dem Zirkular steht, kann ich verantworten. Es wurde nun zur Verwendung des Cardamonöls übergegangen.
Wissenschaft, Runst und Literatur.
Funkentelegraphie über den Stillen Ozean. Der amerttanischen Funkentelegraphengesellschaft ist es, einer amtlichen Nachricht aus Neuyork zufolge, gelungen, zwischen San Franzisko und dem japanischen Küstenort Tschost Schtmosa, das entspricht einer Entfernung von mehr als 10 000 Kilometer, funkentelegraphischen Verkehr zu unterhalten. Man benutzte hierbei abwechselnd zwei Dampfer der Pacific Mail Co. als Zwischenstationen. Die größte Entfernung, die ohne Zwischenstation überbrückt wurde, betrug rund B000 Kilometer.
Brunnen unter Denkmalsschutz. Wie man der„ Frankf. 8tg." mitteilt, hat das hessische Ministerium die öffentlichen Brunnen unter den Denkmalsschutz gestellt, weil infolge der überall angelegen Wasserleitungen die Gefahr besteht, daß historische Brunnen und solche, die drch ihren eigenartigen Aufbau und künstlerischen Schmuck besonderes Intereffe erregen, verschwinden. Ohne Genehmigung des zu ständigen Kreisamtes darf in Zukunft kein öffentlicher Brunnen beseitigt werden.
Vermischtes.
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Eine Taufe im Hohenzollernhause. Im Prinz- AlbrechtBalais in der Wilhelmstraße in Berlin wurde am Don nerstag mittag die Taufe der am 2. Mat geborenen Tochter bes Prinzenpaares Friedrich Wilhelm von Preußen im Beijein des Kaisers und der Kaiserin sowie zahlreicher FürstItchkeiten, durch den Oberhofprediger Dryander vollzogen. Die Kaiserin hielt die Prinzessin während des feierlichen Taufaktes. Unter den Paten befinden sich außer der Katserin, Prinz Friedrich Heinrich von Preußen, Prinzessin Therese von Altenburg, Prinz Eduard von Anhalt Prinzessin Charlotte von Reuß. Die Prinzessin erhielt die Namen Maria Theresia, Auguste Viktoria, Friederike Henriette Charlotte Agathe. Die jetzt getaufe Prinzessin ist am 2. Mai geboren. Ihr Vater ist der dritte und jüngste Sohn des 1906 verstorbenen Prinzen Albrecht von Preußen, des früheren Regenten von Braunschweig, aus dessen Ehe mit der 1898 verstorbenen Prinzessin Marie von Sachsen- Altenburg. Die junge Prinzessin ist das erste Kind aus der im Juni 1910 geschlossenen Ehe des Prinzen Friedrich Wilhelm mit der Prinzessin Agathe von Natibor und Corvey. Prinz Friedrich Wilhelm ist bekanntlich in den preußischen Verwaltungsdienst eingetreten und verwaltet zurzeit das Amt eines Landrat in Frankenstein in Schlesien.
Von Zigeunern überfallen. Ein Gutsbesitzer, der sich in der Nähe von Kettmannshausen in Thüringen auf der Jagd auf dem Anstand befand, wurde von einer Zigeunerbande überfallen. Ohne zu treffen, gab er einen Schuß ab und unterlag der Uebermacht. Die Zigeuner verletzten ihn durch Fußtritte und nahmen ihm das Gewehr und das Geld weg. Gendarmen nahmen die Verfolgung auf. Die der Bande angehörenden Männer entkamen. Eine Frau und ein Kind wurden durch Schüsse verletzt.
Beim Aufspringen auf den Stadtbahnzug tödlich verunglüdt. Auf dem Berliner Stadtbahnhof Stralau- Rummelsburg ereignete sich gestern ein schrecklicher Unglücksfall. Ein anscheinend dem Arbeiterstande angehörender, ungefähr 50jähriger Mann wollte auf einen in der Richtung nach Kaulsdorf abgehenden Zug aufspringen, glitt aber dabei aus und wurde etwa 20 meter weit mitgeschleift. Sein Kopf schlug mehrmals gegen die Bordschwellen, ehe der Zug zum Halten gebracht wurde. Der Mann hatte einen doppelten Schädelbruch erlitten und war auf der Stelle tot.
„ Studieren muß der Junge!" Jm Hammer heißt es: Ein gewesener Staatsbeamter teilt von der wahnwizigen Großmannssucht gewisser Kreise folgendes besonders charakteristische Beispiel als das traurigste von zahllosen" anderen mit. Bahnarbeiters- Leute ließen den ältesten ihrer beiden Söhne ein Handwerk lernen, den jüngsten, ihren Liebling, studieren. Weder Vater, Mutter noch Bruder durften sich ihm während dieser Zeit auf der Straße zu erkennen geben, und als er schwer erkrankte und seine Todesstunde nahte, mußten die Eltern ihm versprechen, seinen Leichnam sofort in das Leichenschauhaus überführen zu lassen, damit keiner der Kommilitonen( e gehörte einer Verbindung an) die ärmliche Wohnstätte sein Eltern erführe. Man darf wohl hinzusetzen: Wohl dem Lande, weil ihm ein solcher Mensch als Beamter erspart worden ist!"
Königsbriefe im Pferdestall. In der Verhandlung des Prozesses der Prinzessin Luise in Brüssel gab am Mittwoch der Anwalt der Prinzessin die Erklärung ab, daß der jezige Prozeß nicht auf Verlangen der Gläubiger der Prinzessin, sondern auf ihren eigenen Willen angestrengt wor den sei. Des weiteren teilte der Anwalt mit, daß vor einigen Tagen im Pferdestall des Schlosses von Laeken Briefe des Königs entdeckt worden seien, wonach Leopold im Jahre 1902 einen Spezialfonds besaß, der bis zu seinem Tode im Jahre 1909 auf insgesamt 37 Millionen angewachsen sein muß. Der Anwalt knüpfte daran die Vermutung, daß dieser Fonds den Hauptbestandteil der Niederfullbachschen Gründung bildete.
Eine peinliche Ueberraschung Ein gesunder Schlaf. erlebte ein Pommer, der die warme Nacht am Mittwoch auf einer Bank im Berliner Friedrichshain verbracht hatte. Als er aus seinem tiefen Schlaf von einem Schuhmann geweckt wurde, machte er die Entdeckung, daß er sich- im Adamsgewande befand. Einige Diebe hatten den beneidenswerten Schlaf des biederen Pommern dazu bnutzt, um ihm nicht nur sein gesamtes Geld und seine Uhr, sondern auch seine sämtlichen Kleider zu stehlen. Nicht einmal das Hemd hatte man ihm gelassen. Der Schuhmann erwies sich als Retter in der Not und verschaffte dem Schläfer einige Kleidungsstücke. Er erzählte, daß er zu Pfingsten nach Berlin gekommen sei, um sich Stellung zu suchen. Da er sein Geld nicht unnötig für ein Logis verausgaben wollte, habe er die letzten Nächte im Freien verbracht. Von den Dieben fehlt jede Spur.
Ueber die Cholerafälle in Venedig, die amtlich immer noch abgestritten werden, wird dem B. L. A. aus Venedig geschrieben:„ Unsere Cholera, die schon nicht mehr abgeleugnet werden fann, stammt aus einer Waschanstalt, die Kleider und Wäsche von einem aus Aften angekommenen Schiff zur Reinigung übernahm. Die älteste Wäscherin starb an Ort und Stelle, die übrigen trugen die Infektion in ihre Heimstätten, so daß wir jetzt fünfundzwanzig Choleraherde haben. Vierzehn Fälle verliefen tödlich. Alle Gäste reisen aus den Hotels ab, thre Wäsche im Stich laslend. Die Patrizierfamilien gehen sämtlich in ihre Ville
giaturen im Gebirge und richten sich dort für den ganzen Sommer ein. Am 1. Junt publizierte die Venezianer Aerztekammer ein Plakat, in dem sie die Behörden der Gewissenlosigkeit zeihen, weil sie nicht nur der Bevölkerung, sondern selbst den Aerzten die Cholerafälle verheimlichten.'
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In Graz hat der Stadtrat, einer Drahtmeldung zufolge, nachdem seit mehr als fünf Tagen kein weiterer Cholerafall vorgekommen ist, erklärt, daß die Cholera in Graz jetzt ganz erloschen set.
Tödlicher Radfahrerunfall. Der Sprachlehrer Erde in Wiesbaden, der gestern einen Ausflug nach dem benachbarten Nordenstadt unternahm, wurde auf dem Heimwege in der Nähe des Ortes auf der Landstraße von einem Radfahrer mit solcher Wucht angerannt, daß er in den Chausseegraben geschleudert wurde, das Genic brach und sofort tot war. Erde stand im 52. Lebensjahre. Der Radfahrer ist der 14jährige Karl Euler aus Delkenheim, der erst an Ostern fonfirmiert wurde und in Erbenheim als Schlosser= lehrling beschäftigt ist.
Ein schweres Verbrechen wurde am Donnerstag in einem Steinbruch bei Eberbach in Baden entdeckt. Man fand dort ein 11jähriges Mädchen mit aufgeschlittem Unterleib und einen 9jährigen Knaben mit einer Schnitwunde am Halse auf. Die Verlegungen beider Kinder sind sehr schwerer Art. Die Schnittwunde des Knaben geht sehr dicht an der Halsschlagader vorbei. Man brachte die Kinder sofort ins Krankenhaus. Als Täter wurden zwei Brüder, Steinbrucharbeiter, aus dem benachbarten Neckarelz vermutet. Aus Mannheim wurden sofort mehrere Polizeibeamte mit Polizeihunden herbeigeholt, die sofort die Spur der Täter aufnahmen. Die beiden Brüder wurden verhaftet, doch leugnen sie, die Tat begangen zu haben. Die Kinder tonnten bis jetzt megen ihrer schweren Verlegungen noch nicht vernommen werden, doch steht unzweifelhaft fest, daß es sich um den Versuch eines Doppellustmordes handelt, und daß die Täter an der vollständigen Ausführung des Verbrechens verhindert worden sind.
Ein sonderbarer Fund ist gestern in der Eisenbahnhauptstätte zu Potsdam bei der Revision eines D- Zuges gemacht. Im Drehgestell eines Wagens fand man einen nadten weiblichen Unterschenkel, der schon einige Zeit dort gelegen haben muß, da er vollständig eingetrocknet und schwarz war. Dieser Fund gab Anlaß zu dem Gerücht, daß man einem geheimnißvollen Frauenmorde in einem D- Juge auf die Spur gekommen war. Es hat jedoch nicht den Anschein, als ob dieser Fund mit einem Verbrechen im Zusammenhang steht.
Johann Orths Testament. In Wien wurde gestern der letzte Wille Johann Orths publiziert, der aus drei Teilen aus den Jahren 1878 und 1890 besteht. Schloß Orth bei Gmunden vermachte er seiner Mutter Marie Antoinette von Toscana. Eine große Zahl von Legaten bestimmte er für Beamte und Diener, die Armen Wiens und verschiedener anderer Orte Oesterreichs und Ungarns, ferner zur Förderung der heimatlichen Kunst und Wissenschaft, sowie für das Wohl und die Entwicklung der österreichisch- ungarischen Wehrmacht. Nähere Bestimmungen bleiben den entsprechenden Ministerien überlassen, jedoch mit der ausdrücklichen Bestimmung, daß jede Verwendung für Zwede oder zu Händen der Kirche ausgeschlossen ist. 3u jener Zeit war Orth noch Erzherzog und Generalmajor in Bosnien. In dem dritten Kodizill, das in England abgefaßt ist, vermachte er seiner treuen Lebensgefährtin Ludmilla Stubel 100 000 Gulden und ein Haus in Wien.
„ Echtes" und deutsches Pilsener. In dem soeben der Deffentlichkeit übergebenen letzten Jahresbericht der Handelskammer für das Herzogtum Anhalt in Dessau wird amtlich bestätigt, daß die Einfuhr von Pilsener Bier nach Deutschland nicht unerheblich zurückgegangen ist. Als Ursache wird angeführt, daß die einheimischen Biere infolge ihrer guten Qualitäten bei wesentlich niedrigeren Preisen den Wettbewerb mit den sogenannten echten Bieren erfolgreich aufnehmen. Der durch die Zolltarifreform gegen früher noch wesentlich in die Höhe gegangene Preis des sogenannten echten Pilsener Bieres, der für weniger Bemittelte schon lange nicht mehr erschwinglich ist, muß der deutschen Konkurrenz in der Tat zu statten kommen und ihr bei angespannten Leistungen immer mehr Terrain gegenüber dem importierten Pilsener erobern helfen.
Humor in Todesgefahr. In einem großen Weberdorfe der Lausitz wurde jüngst die alte Dorffirche einer umfangreichen Renovation unterozgen. Bald stand das ehrwürdige Gotteshaus vor den froh erstaunten Augen der Landbewohner in verjüngter Gestalt schmuck und stattlich da. Nur am Turm waren noch die letzten Schieferdeckungen vorzunehmen. Mit ebensoviel Angst als Neugier verfolgten die zahlreich Umherstehenden die gefährliche Arbeit des Dachdeckers, eines im ganzen Dorfe als humorvoll bekannten Handwerkers. Da ging plöglich ein vielstimmiger Aufschrei Surch die Menge. Ein Rennen und Hasten nach dem Turme begann. Was war geschehen? Der Schieferdecker_war infolge Fehltritts vom Turme abgestürzt, ohne indes Schaden zu nehmen. Er war in einen großen weichen Sandhaufen gefallen und erhob sich vor den entsegten UmherDann stehenden ohne besondere Zeichen von Erregung. zog er faltblütig seine Uhr und meinte im Hinblick auf die nahe Mittagspause: ,,' s is in fünf Minuten um zwölfe, da verlohnt sich's nich erscht, daß ich noch amol raufflettere!" Sprach's und ging seelenruhig seiner nahen Wohnung zu.
Des Tambours letzter Gruß. Ein junger Trommler des in Caterham stationierten Coldstream Garde- Regiments hatte sich, wie aus London berichtet wird, dieser Tage in Croydon wegen versuchten Selbstmordes zu verantworten. Nachdem man ihn auf der Eisenbahnstation Kenley als Deserteur festgenommen hatte, verschluckte in augenscheinlich großer Verzweiflung der Tambour- er heißt Ernest Hatchard eine Dosis Laudanum, die jedoch nicht tödlich wirkte. Der junge Mensch führte das Gift bei sich. Außerdem fand man bei ihm einen Brief an seine Braut, deffen Verlesung vor Gericht eine ergreifende Wirkung hatte. Es heißt darin: „ Meinem einzigen Liebling Alice ein paar Worte und einen lezten Gruß. Ich wünschte, ich könnte Dich neben mir ha= ben und Deine Stimme hören, aber es ist zu spät dazu. Ich kann Dich nicht länger leiden sehen und kann das Leben nicht mehr ertragen. Seit ich weiß, daß Deine Krankheit unheilbare Schwindsucht ist und Du nie mein sein wirst, ist es mir unmöglich, zu denken, einmal ohne Dich leben zu sollen. Es grüßt Dich mit gebrochenem Herzen Dein Ernest." Das Resultat dieses rührenden Schreibens wird jedenfalls sein, daß man mit dem jungen Deserteur und Selbstmordkandidaten nicht allzu scharf ins Gericht gehen wird.
Die„ Brautpfade" von Aurich. Eine uralte schöne Sitte, am Himmelfahrtstage vor den Häusern sogenannte„ Brautpfade" anzulegen, herrschte früher in der alten ostfriesischen Fürstenresidenz Aurich. Tage vorher holten die Kinder aus Wiesen und Wäldern Blunen, Laub und Moos, und vor Morgengrauen wurden di jade von ihnen in aller Stille
angelegt. Woher der Brauch stammt, ist mit Sicherheit nicht mehr anzugeben. Während einige Forscher eine auf uns überkommene Art der altgermanischen Maifeier darin erblicken wollen, neigen andere der Ansicht zu, daß dieser Brauch eingeführt worden sei bei der Hochzeit des letzten Fürsten von Ostfriesland, Karl Edzard, der am Himmel fahristage des Jahres 1784 seine Braut, die Prinzessin Sophie Wilhelmine von Brandenburg- Bayreuth, heim führte. Die Sitte hatte in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr abgenommen, bis sich heuer der Dürerbund für Ostfriesland ihrer Wiederbelebung warm annahm. Er hatte nämlich für die schönsten Brantpfade ein Preisausschreiben erlassen, das auch ungeahnten Erfolg hatte. Nicht allein, daß die Zahl der Pfade ungewöhnlich groß war, auch die Anlage, Form, Ausführung und Farbenwahl war mit Liebe und Sorgfalt vorgenommen, teilweise sogar künstlerisch ausgeführt. Man sah mehrfach den alten Friesenspruch Eala freya Fresena, das Auricher Wappen, große Figuren in Form von Kreuzen, Sternen, Mühlen usw. Da nur eine beschränkte Anzahl von Preisen zur Verfügung stand, hätten nur die allerhervorragendsten Arbeiten ausgezeichnet werden können, wenn der Dürerbund sich nicht entschloffen hätte, im Interesse der zu fördernden Sache die Preise erheblich zu vermehren.
Das Erdbeben in Merifo
hat nach neueren Meldungen 63 Menschen das Leben ge= fostet, über hundert sollen verwundet worden sein. Die Stadt Mexiko, der Hauptherd der Katastrophe, hatte sich tags vorher zu dem am Morgen erwarteten Einzuge des Nationalhelden Madero vorbereitet, dessen Anhänger die Landleute weit und breit veranlaßt hatten, nach der Hauptstadt zu pilgern. Auf diese Völkerwanderung war Mexiko nicht vorbereitet, und Tausende und aber Tausende, die kein gastliches Haus fanden, waren gezwungen, auf den Plätzen in der Nähe der Regierungsgebäude und Kirchen zu lagern. Da fam morgens bald nach drei Uhr das Erdbeben und weckte die Menschenmassen zu grausem Schrecken. Der Regierungspalast wankte und eine Maner stürzte unter lautem Getöse ein. Das galt den abergläubischen Indianern und Mischlingen, deren Tausende hier im Freien ihr Nacht lager aufgeschlagen hatten, als ein böses Omen für die neu Regierung. Ven panischer Furcht gepeitscht, stürzten sie durch die in Finsternis gehüllten Straßen. über die Trüma mer fallender Häuser hinweg und eilten schreiend, betend, fluchend und weinend aus der Stadt, soweit sie die schrekfensstarren Glieder zu tragen vermochten. Andere Taufende füllten die Kirchen und flehten den Gott der Rache an, sie zu schonen, während die ewige Lampe" infolge der erneuten Beben hin und her pendelte und die Scherben der gemalten Fenster auf die Betenden herabregneten. Poliaisten drangen in die Kirchen ein und suchten das Volk von dem trügerischen Schuß der schwankenden Mauern zu überzeugen, aber das Wort des Geistlichen auf der Kanzel übertönte die Warnung. Das Rollen der unterirdischen Gewalten vermischte sich mit den Gebeten der Menge. Eines der ersten Gebäude, das einstürzte, war die Kaserne von Cosme. Das Gefängnis von Belem fiel zu gleicher Zeit ein. Die meisten Sträflinge entflohen, mehrere aber wurden getötet. In den besseren Stadtteilen scheint das Erdbeben nicht viel Unheil angerichtet zu haben, aber in den ärmeren Vierteln liegen hunderte von Häusern in Ruinen. Hier erwachten manche Familien erst, als die Wände schon gefallen waren und von ihren Häusern nur noch die hölzernen Gerippe übrig waren. Dem unerklärlichen Umstande, daß fast alle Wände und Mauern nach außen fielen, wird es zu verdanken sein, wenn der Verlust an Menschenleben nicht tausende beträgt. Bei dem ersten Erostoß erloschen alle Lichter. Die Bevölkerung lief angsterfüllt auf die Straßen, wobei viele Personen in der Dunkelheit über die entstandenen Erdriffe stolperten und zu Schaden kamen. Als der Tag an= brach und die Erderschütterungen sich nicht wiederholten, wurde die Bevölkerung. der solche Naturerscheinungen durchaus nichts Ungewöhnliches sind, wieder ruhiger.
Drabtnachrichten und neuestes.
Der Besuch des Sultans in Saloniti. Saloniki, 9. Juni. Nach dem Empfang aller Departementschefs und der Chefs der verschiedenen Kultusgemeinden wurden dem Sultan die fremden Konsuln vorgestellt. Die Prinzen unternahmen eine Rundfahrt durch die Stadt, wobei sie überall lebhaft begrüßt wurden. Gegen Abend äußerte der Sultan den Wunsch. das Volk zu sehen, worauf die Bevölkerung sich scharenweise zu dem Konat begab und dort vorbeizog.
Französische Eisenbahnattentäter.
0 Paris, 9. Juni Unweit der Militärschule von St. Cyre wurden sechs Telegraphenstangen mit 47 Drähten an der westlichen Staatsbahnlinie durch Dynamit zerstört. Die Täter scheinen eine Ueberraschung gefürchtet zu haben, denn sie Iteßen zwei gefüllte Dynamitbomben in der Nähe des Tatortes zurück. Die Behörden glauben, die Urheber zu kennen. Der Revolver als Spielzeug.
Bern, 9. Juni. Gestern nachmittag, als die Eltern mit der Aufräumung der Wohnung beschäftigt waren, entdeckte in Bulle ein 10jähriger Knabe ein altes Terzerol. Er zielte damit auf seine 9jährige Schwester. Ein Schuß ging los und das Mädchen fiel, von einer Kugel ins Herz getroffen, sofort tot zu Boden. Der unglückliche Junge entfloh in seinem Entsetzen mit der Waffe und fonnte noch nicht gefunden werden.
Opfer der Berge.
Zürich, 9. Juni. Zwei deutsche Touristen wollten von der Glashütte Thierwies auf dem Säntis zum Kräzerli heruntersteigen. Einer von ihnen glitt aus, stürzte ab und zog sich dabei schwere Verlegungen zu. Ein anderer Absturz, der tödlich verlief, ereignete sich im Kanton Waadt. Ein aus Schlesien stammendes Fräulein v. Leinitz ist bei einem Ausflug auf die Rochers de Naye, den sie in Gesellschaft unternahm, abgestürzt. Die Leiche wurde geborgen.
Handel und Verkehr.
Der Saatenstand im Deutschen Reich am Anfang des Monats Juni 1911 betrug, wenn 2 gut und 3 mittel bedeutet, für Winterweizen 2,5, Sommerweizen 2,6, Winterspelz 2,5, Winterroggen 2,7, Sommerroggen 2,5. Sommergerste 2,4, Hafer 2,6, Kartoffeln 2,6, lee 2,9, Luzerne 2,8, Bewässerungswiesen 2,1 und andere Wiesen 2,5.
Frankfurt, 8. Juni. Viehmarktspreise vom 8. Juni. Preise für 1 Zentner Kälber: a) Doppellender, feinste Mast ( Lebendgewicht) M, 6) feinfte Mast( Vollm.- Mast) und beste Saugfälber( Lebendgewicht) 60-64 M,( Schlachtgew.) 100-107 M, c) mittlere Mast- und beste Saugfälber( Lebendgew.) 54-58 M,( Schlachtgew.) 92-98 M, d) geringere Saugkälber( Lebendgew.) 51-53 M,( Schlachtgew.) 86-90 M. Schweine: a) vollfleischige Schweine von 80-100 Kg. Le bendgewicht( Lebendgewicht) 462-49 M,( Schlachtgewicht) 61-63 M, 6) vollfleischige Schweine unter 80 kg. Lebendgewicht( Lebendgewicht) 48-49 M,( Schlachtgew.) 60-62 M, c) vollfleischige Schweine von 100-120 kg. Lebendgewicht ( Lebendgew.) 47-49 M,( Schlachtgew.) 59-61 M, d) vollfleischige Schweine von 120-150 g. Lebendgewicht( Lebendaewicht) 47-49 M,( Schlachtgewicht) 59-61 M.


