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Seit im Haufe. ofpeft frei. Hamburg 36.
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Gießener Zeitung
( Neueste Nachrichten)
Bezugspreis 50 pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen
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oierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mt. Erscheint Mittags 3 Uhr. Die„ Illustr. Weltrundschau" Redaktion: liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.
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Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.
Nr. 109.
Telephon: Nr. 362.
Der Frankfurter Friede.
vor=
Der Friede, der heute vor 40 Jahren in Frankfurt a. M. geschlossen wurde, hat der Welt keine großen Ueberraschungen gebracht; er war im wesentlichen nur die Bestätigung der vorläufigen Abmachungen von Versailles, wie diese selber die naturgemäße Folge des ausgegangenen Völkerringens waren, die endlich gereifte Frucht, die durch die Ueberlegenheit der deutschen Kriegsund Staatskunst den widerstrebenden Gegnern abgerungen worden war. Aber er wurde als das erwünschte Ende einer mühe-, gefahr- und sorgenvollen Zeit beiden Seiten willig angenommen und begrüßt, wenn auch der Freude und dem Danke auf der einen, wehmütige und knirschende Verzichtleistung auf der anderen gegenüberstand. Und weil er wirklich einen natürlichen und den Verhältnissen entsprechenden Abschluß der vorherigen Entwicklung bildete, hat er sich als dauerhaft erwiesen, als ein fester, ragender Markstein in der Geschichte der zunächst beteiligten Völker, aber auch als bedeutungsvoll und folgenreich für deren Nachbarn.
von
Frankreich brachte er freilich nicht sofort die heiß ersehnte Ruhe. Noch wochenlang tobte der Bürgerkrieg um die Mauern und in den Straßen von Paris, bis der Sieger von Magenta, der Besiegte von Sedan, der Oberfeldherr der dritten Republik, ihr späterer Präsident, die sinnlose, mordbrennerische und blutbefleckte Herrschaft der Kommune gewaltsam niederwarf.
Deutschland konnte sich, als die Waffen ruhten, der Güter freuen, die ihm zugefallen waren: der spät errungenen Einheit, der Sicherung seiner Westgrenze, der Wiedererlangung einst verlorener Landschaften, der angesehenen Stellung, die ihm der Erfolg verliehen hatte. Der Neugestaltung seines Staatslebens und dem Aus= bauen seiner inneren Einrichtungen war seine Sorge in den nächsten Jahren zugewendet. Die Machtentfaltung, die ihm den Sieg verschafft, das Kraftgefühl und die erhöhte Geltung, die dieser ihm gebracht hatte, führten zu einem raschen Ausschwunge des wirtschaftlichen Lebens. Rückschläge blieben allerdings nicht aus: kühnes Vorwärtsstreben und verwegenes Jagen nach dem Glücke setzte sich nicht selten über die Grenzen, die Besonnenheit und sittliches Empfinden ziehen sollen, skrupellos hinweg, und der Milliardensegen wurde so zum Fluch für viele.
Die übrigen Staaten sahen sich durch das Ende der französischen Hegemonie und die Begründung eines großen, waffengewaltigen Reiches im Herzen Europas vor eine völlig veränderte politische Lage gestellt. Natürliche Zu oder Abneigung der einen oder anderen der beiden Mächte gegenüber, der Umstand, daß sie die eigenen Interessen durch die neuen Verhältnisse bedroht glaubten, oder die Hoffnung auf erhebliche Vorteile, die ihnen bei geschicktem Handeln zufallen würden, veranlaßten sie Von zu neuen, mehrfach wechselnden Gruppierungen. diesen hat sich als dauerhaft und eine starke Bürgschaft des Friedens allein das durch Stammverwandtschaft, geschichtliche Erinnerungen und politische Erwägungen gebotene Bündnis zwischen dem deutschen Reiche und Desterreich- Ungarn erwiesen, dem später freilich als etwas unsicherer und zu„ Extratouren" aufgelegter Teilhaber das Königreich Italien beigetreten ist. Die Sonstigen Koalitionen und„ Ententen", auf deren Bildung außer den erwähnten Umständen auch noch andere, besonders die orientalische Frage, Englands Weltmachtspolitik und Handelseifersucht und die Haltung der außereuropäischen Mächte, eingewirkt haben, sind von mehr vorübergehender Bedeutung und haben jedenfalls noch nicht den Beweis der Festigkeit erbracht.
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Länger, als man vor 40 Jahren hat vermuten können, hat der Friede, der damals geschlossen worden ist, gedauert. Aber auch heute noch erscheint die Stellung, die er Deutschland gegeben hat, vielen als unerträglich, und es wird deshalb, wie früher, so in Zukunft nicht an Versuchen fehlen, sie zu untergraben. Vorsicht ist und daher am Plazze, aber durchaus nicht Kleinmut Verzagtheit. Hoffentlich gilt auch in unseren Tagen noch das Wort: Wir Deutsche fürchten Gott, aber sonst
nichts in der Welt!"
Aus Stadt und Cand.
Gießen, den 10. Mai 1911. Finanzielle Ergebnisse des hess. Blumentages. Gießen 6500 Mt., Butzbach 1021 Mark, Nidda 621 Mt., Offenbach 20 150 Mt., Mainz 15 000 Mt. und Bingen 1928,05 Mt. Lehrverträge. Nachdem die aus der Schule entlassenen jungen Leute jetzt in die Lehre getreten sind,
der Großherzoglichen Bürgermeisterei sowie vieler anderer
des Großherzoglichen Polizei Amtes
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Behörden Oberhessens
Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.)
Mittwoch, den 10. Mai 1911.
| werden die Lehrmeister an den Abschluß des Lehrvertrags erinnert, der innerhalb vier Wochen nach Beginn der Lehre zu erfolgen hat. Nach§ 150 3iffer 4a der Gewerbeordnung ist derjenige strafbar, der den Lehr= vertrag nicht ordnungsmäßig abschließt.
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Die Obstbaum blüte ist nahezu beendet; nur die Aepfelbäume prangen noch im Vollbesitze ihrer Frühlingsschönheit. Diesmal hat die Blütenperiode nur furze Zeit gedauert; begleitet war sie aber zum großen Teil von gutem, für die Befruchtung günstigem Wetter, sodaß bei dem diesjährigen Blütenreichtum ein gutes Obstjahr in Aussicht steht.
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11.
( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg.
die 44 mm breite Inseratenzeile. Stellen gesuche und Familienanzeigen 10 Pfg.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pfg. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.
Telephon: Nr. 362.
23. Jahrg.
der Kantine Wick Grävenwiesbach, sowie bei Gastwirt Schmidt in Hasselborn und Gastwirt Ohly in Hundstadt bewirtet.
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Dillenburg, 9. Mai. Bei der hier in der vergangenen Woche stattgefundenen 2. Lehrerprüfung erhielten von 46 Lehrern 38 das Zeugnis für die endgültige Anstellung.
-sch- Limburg, 9. Mai. Auf dem in Ems stattgefundenen Delegiertentag des Nassauischen Sängerbundes wurde beschlossen, den nächsten Gesangwettstreit des Bundes im Jahre 1913 hier abzuhalten.
* Limburg, 9. Mai. Plötzlich das Gedächtnis verloren hatte eine alte Dame, welche am Freitag mit der Bahn von Frankfurt hier eintraf. Sie wußte sich auf dem Bahnsteig auf einmal nicht mehr ihres eigenen Namens zu entsinnen, nicht woher sie kam und wohin sie wollte. Man brachte die 78jährige Frau in das St. Programm zum 28. Bundesfest des Deutschen Radfahrer- Bundes. 9. August: Abfahrt im Ex- Vincenzhospital, wo sie schnell wieder zu sich fam, sodaß man sie bereits am Samstag wieder entlassen trazuge von Frankfurt 9.30 Uhr morgens, Ankunft in konnte. Paris um 7.30 Uhr abends. 10. August: Wagenfahrt 1. Opernhaus, Madeleinekirche, Triumphbogen 2c. August: Wagenfahrt 2. Vendome Säule, Tuilleries Garten, Münze 2c. 12. August: Wagenfahrt 3. Bois de Boulogne, St. Cloud 2c. 14. August: Versailles. 15. August: Rückfahrt nach Frankfurt. Der Preis für diese 7 Tage ist inklusive Verpflegung, Fahrt und Unterkunft in verläßlichen Hotels, Trinkgelder 2c. 3. Klasse 125 M. Das Kolonial- Wirtschaftliche Ko mitee hat bezüglich des Ausbaues der ostafrikanischen Eisenbahnen in seiner Vorstandssitzung vom 9. Mai beschlossen: Reichstag und Bundesrat zu ersuchen, noch in diesem Jahre Mittel bereitzustellen für die Fortführung der ostafrikanischen Zentralbahn von Tabora nach Udjidji, damit der Weiterbau ohne Verzug begonnen werden kann, und ferner Mittel bereitzustellen für Vorarbeiten zur Fortführung der Nordbahn von Moschi nach dem Viktoria- Nyansa.
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Zum Kaisermanöver in HessenNassau. Die jungen Soldaten, die am nächstjährigen Kaisermanöver teilnehmen, dürften an manchen Plätzen in ernster Weise an die Vergangenheit erinnert werden, denn das Manövergelände ist mit Blut getränkter ge= schichtlicher Boden. 1866 tobte in der Rhön der Bruderkampf und nach dem denkwürdigen schweren Gefecht bei Kissingen lagen auf dem Schlachtfeld 244 Tote und fast 1300 Verwundete. In der Nähe von Winkels, einem kleinen Dorfe, steht heute ein Denkstein, auf dem der junge Krieger lesen kann, daß hier General v. 3oller den Heldentod gestorben ist. Bei Kissingen sind auch viele Massengräber, die alljährlich mit frischen Kränzen geschmückt werden, und mancher mag sich unter den Manövertruppen befinden, dessen Großvater zu denen gehört, die hier den Tod fanden.
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Kornblumentag. Am Freitag, 16. Juni d. Js., dem Tage, an dem vor 40 Jahren die siegreichen Truppen ihren Einzug in Berlin hielten, soll auf Veranlassung des Zentralkomitees des Preußischen Landesvereins vom Roten Kreuz in ganz Preußen ein Kornblumentag veranstaltet werden. Der Ertrag, der aus dem Verkauf von Kornblumen und zu diesem Zweck eigens hergestellten Postkarten erzielt wird, ist zur Bewilligung freier Brunnen- und Badekuren an Veteranen und zum weiteren Ausbau von Veteranenheimen vom Roten Kreuz bestimmt. Neben den Organen des Roten Kreuzes werden an der Veranstaltung voraus= sichtlich auch die Vaterländischen Frauenvereine und die Kriegervereine sich beteiligen. Mögen sich edeldenkende Frauen und warmherzige Männer genug finden, welche diesem 16. Juni als Ehren- und Gedenktag für unsere franken Veteranen zu einem schönen Erfolge helfen.
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-h- Grävenwiesbach, den 8. Mai. Am Samstag nachmittag 2 Uhr fand der Durchschlag des Grävenwiesbacher Tunnels statt. Nachdem sich die Teilnehmer im Stollen versammelt hatten, hielt der Geheime Regierungs- und Baurat Ruegenberg von der Königlichen Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. eine kurze Ansprache über die Bedeutung des Tunnels und endete mit einem begeistert aufgenommenen Kaiserhoch. Dann wurden von den Herren die letzten Sprengladungen angezündet. während sich die Schüsse unter der Erde entzündeten, wurden über der Erde zum Zeichen, daß der Durch schlag erfolgt war, Freudenschüsse abgegeben. Nachdem sich der Pulverdampf verzogen hatte, gingen die Anwesenden durch die Durchschlagsstelle, welche von den Mineuren rasch mit Tannen- Girlanden, Lampions und Grubenlampen geschmückt wurde, nach dem Nordende des Tunnels. Am Ausgang wurden von der ausführenden Firma Erfrischungen verabreicht. Dann begaben sich die Teilnehmer nach Grävenwiesbach, wo im Gasthaus zum Löwen eine kleine Feier stattfand. Die Arbeiter, ungefähr 200 Mann, wurden von der Firma in
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-1- Marburg, 9. Mai. In Anwesenheit eines zahlreichen den akademischen Kreisen angehörenden Publikums und der Vertreter sämtlicher studentischer Korporationen fand am Sonntag im Universitätsgebäude eine Gedächtnisfeier für den berühmten Chemiker Professor Dr. R. W. Bunsen, dessen 100jähriger Geburtstag am 31. März wiederkehrte, statt. Geh.- Rat Prof. Dr. Zincke hielt die Festrede.
Bad Nauheim, 10. Mai. Dem Projekt einer Taunusquerbahn von hier über Usingen- Niedernhausen nach Lorch oder Nauheim- Usingen- Idstein- Lorch soll der Minister der öffentlichen Arbeiten nicht sympa= thisch gegenüberstehen. Vielmehr vertritt er den Standpunkt, daß der Bau einer durchgehenden Vollbahn, die den die Verbindung Frankfurt- Gießen mit rechtsrheinischen Bahnen herstellen soll, unzweckmäßig und zu kostspielig sei. Es wäre richtiger, die in Frage kommende Bahnlinie nur als Zubringebahn für die bestehenden Linien anzulegen.
- Grebenhain, 10. Mai. Zum Wiederaufbau des durch einen Blitzstrahl vor einigen Jahren eingeäscherten Kirchleins in Ober- Moos gingen an Kollekten aus dem Kreise Lauterbach annähernd 600 Mk. ein.
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Frankfurt, 10. Mai. Anläßlich des Kornblumentages prangt unsere Stadt im schönsten Festschmuck. Die meisten größeren Geschäftshäuser, sowie die städtischen und staatlichen Gebäude im Zentrum hatten schon ihr Festgewand, bestehend aus deutschen und preußischen Flaggen, gestern angelegt. Am festlichsten präsentierte sich der Theaterplatz, in dessen Mitte das Hotel zum Schwan, in dem sich das Friedenszimmer befindet, im prächtigen Schmuck der Flaggen prangte. Die großen Hotels flaggten mit den Farben aller Länder.
* Frankfurt, 8. Mai. Die Beratungen über Universitätsfrage in der Kommission sollen so weit gediehen sein, daß man Ende des Monats die Entscheidung im Plenum der Stadtverordneten- Versammlung erwarten kann.
Darmstadt, 10. Mai. Der Großherzog und die Großherzogin werden sich zu den Krönungsfeierlichfeiten nach England begeben und voraussichtlich am 17. Juni von hier abreisen.
* Darmstadt, 10. Mai. Der katholische Geistliche Georg Fischer von Mörlenbach wurde wegen Ueberschreitung des Züchtigungsrechtes im Religionsunterrichte von der Straffammer zu 40 Mark Geldstrafe verurteilt. des
* Wiesbaden, 10. Mai. Die Ankunft Kaisers erfolgte heute morgen gegen 8 Uhr. Am 12. Mai, vormittags 11 Uhr, findet eine Kaiserparade statt, an der das Füsilierregiment v. Gersdorff( Kurhessisches Nr. 80), die hiesige Abteilung des Feldartillerie- Rgts. Nr. 27( Oranien), die Biebricher Unteroffizierschule, ein Pionierbataillon und das 1. Najs. Infanterie- Rgt. Nr. 87 aus Mainz teilnehmen.
Weinheim, 9. Mai. Der auf kommenden Sonntag, 14. Mai, angesetzte Kornblumentag zu Gunsten der Kriegsveteranen fällt aus. Durch badische Ministerialverordnung war schon vor einiger Zeit bestimmt worden, daß in den Orten, in denen die Maul- und Klauenseuch e herrscht, die Abhaltung des Kornblumentages nicht statthaft sei. Nun sollte zufolge einem besonderen Gesuches für Weinheim das Verbot umgangen werden, falls fein weiterer Fall von Maul- und Klauenseuche vorkomme. Nun ist aber ein solcher Fall eingetreten, weshalb die Abhaltung des Kornblumentages am 14. Mai verboten wird.


