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& Bifcher.

amil. in Gießen

frei

Preisliste

Gießener Zeitung

*

( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 50 Pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen

vierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mr.- Erscheint jeden Werktag früh.- Die Humoristischen Blätter" Redaktion: liegen wöchentlich einmal gratis bei. Seltersweg 83.- Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin Klein& Otto Fischer.

Nr. 35.

Telephon: Nr. 362.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 10. Februar. Gießen. Die Liste der bei der bevorstehen­den Reichstagswahl in der Stadt Gießen stimm­berechtigten Personen liegt von heute Freitag, den 10. Februar, bis Freitag, den 17. Februar, beide Tage ein­schließlich,( auch am Sonntag), vormittags von 9 bis '12 Uhr und nachmittags von 3 bis 6 Uhr auf der Bür­germeisterei Zimmer Nr. 9 zu jedermanns Ein­sicht offen aus. Einsprachen gegen die Richtigkeit u. Voll­ständigkeit der Liste sind bei Vermeidung des Aus schlusses binnen 8 Tagen, von Beginn der Offenlegung an gerechnet, daselbst vorzubringen. Die Zahl der Wäh­ler dürfte diesmal zirka 6500 betragen.

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(*) Gießen. Anstelle der Fahrposten beabsichtigt die hiesige Postbehörde zwei Automobile anzu= schaffen. Während das eine Automobil von hier nach Klein- Linden, Lüzellinden und Allendorf a. d. Lahn fahren soll, wird das andere von hier über Wieseck nach Alten- Buseck die Beförderung aufnehmen.

n Gießen, 10. Febr. Die große gut übersichtliche Orientierungstafel des Verschönerungsverein ist gestern wieder aufgestellt worden. Es sind die Straßen- und Bauveränderungen vermerkt und auch die Art des Ge­ländes besser unterschiedlicher eingemalt worden.

-n Gießen, 10. Febr. Der Gabelsberger Steno­graphenverein feierte gestern abend den Geburtstag des Gründers der Kurzschrift im Cafe Ebel" in recht ge­mütlicher Weise.

Gießen. Das Geometer- Patent 2. Kl. erhielten: Sch. Lo 13- Unter- Schmitten und Geometerge­hilfe Hch. Dillenmuth- Hainichen für den Kreis Büdingen; Geometergehilfe Hch. Rudolph- Lauter= bach für den Kreis Lauterbach und Geometergehilfe G. Schlör b- Schotten für den Kreis Schotten.

-n- Lollar, 10. Febr. Der hiesige Turnver= ein feiert morgen Samstag abend im Saalbau zur Linde" sein diesjähriges Winterfest. Die" Vereinsleitung hat das Programm für den Abend recht nett und ab­wechselungsreich zusammengestellt.

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Wetzlar, 10. Febr. Im Schüßengarten brachte gestern abend A. Melzer einige Proben aus den Dichtungen Friz Reuters zum Vortrag. Die Dar­bietungen wurden eröffnet mit Reuters Schwanengesang: Großmutting, hei is dod! Darauf folgten Bruchstücke aus ,, ut mine Stromtid", zwei heitere Gedichte aus Läu­schen und Riemels( De swarten Pocken, de Sokratische Methode) und zum Schluß: Abenteuer des Inspektor Bräsigs in Berlin. Im Zeitalter des Chat noir", der Gorki- Bewunderung und der perversen Schaustücke hat der plattdeutsche Dichter mit seinem föstlichen Humor, der nie schlüpfrig oder lüstern wirkt, sondern stets un­schuldig und unbefangen bleibt, im weiten Saale keine rechte Zugkraft mehr. Stücke mit den verzwicktesten ,, ero­tischen" Tendenzen, die sind von durchschlagendem Er­folg; da klappt man sich die Hände wund. Dazu hatte die ganze Veranstaltung das muß ich offen gestehen etwas" Schmierenhaftes" an sich. Der Interpret" verkaufte die Eintrittskarten selbst und knöpfte für ein handgroßes Progrämmchen, das aus bestimmten Grün­den in seinem weißen Rande arg beschnitten war, dem freundlichen Zuhörer noch einen Groschen ab, ein Sechser wäre vollkommen genug gewesen. Mit gemischten Ge­fühlen betrat ich den Saal. Um 8.15 war der Beginn angesetzt, aber um 8.45 war der Betrieb" noch nicht im Gange. In dieser halben Stunde hatte ich nun hin­reichend Gelegenheit, die Bühne und den Saal zu mu­stern. Ueber das Resultat meiner Beobachtungen will ich aber lieber mit Stillschweigen hinweggehen. In die­sen heil'gen Hallen" sollte also auch so argumentierte ich morgen Abend die Vorstellung des Rhein- Mai­nischen Verbandstheaters vor sich gehen. Ich bin wirk­lich gespannt, wie man auf dieser Bühne den Lessing­schen Nathan der Weise" mit seinen zahlreich wechselnden Szenerien bezwingen wird. Ein Plazz iſt mir ja sicher", da ich bereits seit gestern nachmittag eine Einlaßkarte in meiner Tasche trage.

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der Großherzoglichen Bürgermeisterei sowie vieler anderer

des Großherzoglichen Polizei Amtes

Behörden Oberhessens

Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.)

Freitag den 10. Februar 1911

-f- Wetzlar. Um seine Mitglieder für den wirt schaftlichen Kampf zu stärken, hat der Ver­ein der Mechaniker und Optiker beschlossen, für die Zukunft eine regere Vereinstätigkeit zu entfalten. Um den erhöhten Ansprüchen zu genügen, die die heu­tige Zeit an jede Berufsgruppe stellt, bedarf es der viel­seitigen Weiterbildung, und es ist bereits eine Reihe von Vereinsvorträgen geplant, welche diesem Zwecke dienen sollen.

-b- Wetzlar. Die nationalliberale Partei des Wahl­freises Wetzlar- Altenkirchen wird am kommenden Sonn­tag hier eine Vertrauensmänner- Versammlung abhalten. In derselben soll auch der Kandidat der nationalliber= alen Partei proklamiert werden. Wie man allgemein hört, soll der Agitator des Deutschen Bauern- Bundes Hestermann als Kandidat vorgeschlagen werden. Sollte sich dieses bewahrheiten, so kann man sich des Gedankens nicht verwehren, daß die nationalliberale Partei den Wahlkreis schon als verloren ansieht.

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- Statistisches über die Einwohner= zahl des Dillkreises. Es ist interessant, die heutige Gesamtbevölkerungsziffer in Vergleich zu setzen mit der Einwohnerzahl des jetzigen Dillkreises( der Aem­ter Dillenburg und Herborn) im Jahre 1821. Am 1. Dezember 1910 zählte man im Dillkreise 51 366 Be­wohner, 1905 47 354, und im Jahre 1821 betrug die

3ahl der Bewohner im Amte Dillenburg 14 123, im Amte Herborn 13 205 Personen; die Gesamtzahl der 31 zum Amte Dillenburg und der 41 zum Amte Herborn gehörigen Orte demnach 27 328. Die Zunahme beträgt also seit 90 Jahren 24 000, also 88 Prozent, gegen 1905 4000, das sind 8,5 Prozent. Viele Orte haben in den 90 Jahren keinen Zuwachs erfahren; eine Anzahl ist in der Einwohnerzahl zurückgegangen. Dagegen fand eine starke Zunahme besonders in den Fabrikorten statt. Von 1821 bis 1910 stiegen beispielsweise: Dillenburg 2365 bis 5370, Herborn 2059 bis 4741, Haiger 1106 bis 2255, Niederscheld 532 bis 1640, Sinn 265 bis 1627, Herbornseelach 673 bis 1529, Frohnhausen 572 bis 1500, Oberscheld 272 bis 1441, Straßebersbach von 545 bis 1244 Einwohner 2c. Das konfessionelle Ver­hältnis hat sich gerade im Dillkreise sehr verschoben, na­mentlich ist heute der Prozentsatz der Außerkirchlichen hier außerordentlich hoch.

von

-i- Ehringshausen( Kr. Wezlar). Der Optiker B.- Wetzlar hat in einer öffentlichen politischen Versamm­lung in Katzenfurt Broschüren verkauft. Er wurde des­halb unter Anklage gestellt. Das hiesige Schöffengericht sprach ihn jedoch frei, da ein gewerbsmäßiger Verkauf nicht vorläge.

Erda, 9. Febr. In der letzten General- Ver= sammlung beschloß der hiesige Männergesang verein, eine Fahne zu beschaffen und bestimmte den 16. und 17. Juli d. Js. zur Fahnenweihe.

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Darmstadt. Das Großh. Ministerium des Innern hat die Zulassung von Pferden aus Sperr- und Beobachtungsgebieten der Maul- und Klauenseuche zur geplanten Pferdeauktion untersagt. Die Landwirtschafts­fammer in Darmstadt hat daher beschlossen, mit Rück­sicht auf die Verbreitung der Maul- und Klauenseuche und mit Rücksicht darauf, daß durch das am Auktions­tage in großer Zahl zu erwartende Publikum indirekt die Seuche möglicherweise weiter verbreitet werden könnte, die zum 21. Februar d. Js. in Darmstadt geplante Pferde- und Fohlenauktion in diesem Jahre aus fal len zu lassen.

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Straßebers ba ch. Vergangenen Freitag starb hier plötzlich der Ingenieur Doll aus Darmstadt. Er war seit einiger Zeit in der Gastwirtschaft A. Völpel an der elektrischen Lichtanlage tätig. Am Tage hatte Doll noch eine Geschäftstour nach Biedenkopf zu Fuß unternommen. Als er abends die Funktion eines elet­trischen Bügeleisens zeigen wollte, fant er plötzlich mit kurzem Ausschrei zu Boden. Der sofort hinzugezogene Arzt stellte Tod infolge Herzschlages fest.

Sozialpolitisches.

Edelsberg, 8. Febr. Der Frankfurter Wein­händler Heinrich Wern tötete sich in der Nähe des - Wezlar. Jm hiesigen Kaufmännischen Verein sprach am Dienstag abend Kurt Viehweg hiesigen Friedhofes durch drei Revolverſchüsse. Unglück Frankfurt über die Versicherung der Privatliche Familienverhältnisse sollen ihn zur Tat veranlaßt beamten. Die Bedenken, die man gegen den Ent- haben. wurf hegt, wurden aber u. E. nicht scharf genug zum Ausdruck gebracht. Bei näherer Betrachtung entpuppt sich dieses Produkt als eine Unzulänglichkeit in Paragraphen; manche Beamtengruppen wer­den garnicht berücksichtigt, die Prämienleistungen und die Höhen der Renten stehen im reziproken Verhältnis! Was dem Privatbeamten bei Dienstunfähigkeit winkt, das ist zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig. Noch ist aber das letzte Wort nicht gesprochen, und liegt der einzige Trost dieses fläglichen Entwurfes.

darin

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Ein feiner Ton.

In letzter Zeit konnte mehrfach der bündige Beweis geführt werden, daß der sogenannte freie" Buch= druckerverband ebenso nachdrücklich sozialdemo­kratischen Tendenzen huldigt, wie die übrigen der Ge­neralkommission der sozialdemokratischen Gewerkschaften

( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 15 Pfg.

die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reflame teil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs. zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Gesamtleitung: Albin Klein.

Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

Orten

angeschlossenen neutralen" Verbände, die mit der Par­tei eins sind. Infolgedessen treten in vielen christlich gesinnte Buchdrucker aus dem Verband in den Gutenbergbund über. Um dem Einhalt zu tun und um das arg verblichene Neutralitätsmäntelchen wieder auf­zufärben, verfielen die Strategen des Buchdruckerver­bandes auf den schlauen Gedanken, katholische Verbands­Mitglieder als christliche Paradepferde vorzuführen. Es fanden sich wirklich auch solche für diese Rolle, die sogar Hausagitation für die katholischen Arbeitervereine be­trieben. Die Westdeutsche Arbeiter- Zeitung" wies auf diese auffallende Erscheinung hin und warnte vor die­sen äußerst bedenklichen Mitarbeitern".

Das hat den Vorwärts" in heiligen Zorn versetzt. In seiner Nr. 16 vom 19. Januar bezeichnet er es als Wirrwar und Konfusion", daß die Zentrums­christen"

,, die ein verheucheltes Lamento über die Gefährd= ung" der Religion durch die sozialdemokratischen Ge­werkschaften anstimmen, selbst Warnungstafeln auf­stellen, damit sich kein sozialdemokratischer Arbeiter in einen katholischen Arbeiterverein verläuft!"

Diese gut gespielte Entrüstung ist köstlich. Man sieht ordentlich den roten Fuchs zwischen den Zeilen höhnisch grinsen. In der Rabulistik sind die Genossen" alle groß, der Vorwärts" aber Meister. Sein Fauchen ist jedoch ein untrüglicher Beweis dafür, wie berechtigt, ja not­

wendig, die Mahnung der Westdeutschen Arbeiter- 3tg." war, vor den katholischen sozialdemokratisch organisier­ten Buchdruckern als Mitarbeiter in den Arbeitervereinen auf der Hut zu sein. Hier heißt es jetzt offen Farbe

bekennen.

Die wüste Agitationsweise der Sozialdemokratie ge­gen die christliche Arbeiterbewegung ist nachgerade be­fannt. Sie ist die Quelle erbitterter Kämpfe im Ar­beiterlager und muß gelegentliche gemeinsame Aktionen sehr erschweren, fast ganz unmöglich machen. Ein Bei­spiel dafür liefert die jetzige Bergarbeiterbewegung. Auf sozialdemokratischer Seite scheint man die Unflätigkeit im Kampfe gegen die christlichen Gewerkschaften noch stei­gern zu wollen. Jetzt gibt das führende, wissenschaftlich sein wollende Hauptorgan, der freien Gewerkschaften, das Korrespondenzblatt" der Generalfommis­sion, den Ton im Schimpf und Lästerkonzert an. In seiner Nr. 2 leistet sich dieses vornehme" Blatt die Ge­meinheit und behauptet, aus Knechtseligkeit

,, bieten sich die zentrumschristlichen Judasse dem Un­ternehmertum wie Huren auf der offenen Straße an." Solche Infamien hängt man nur niedriger. Wenn das aber im führenden"," richtunggebenden" Hauptor­gan der sozialdemokratischen Gewerkschaften steht, was soll man dann noch von den geführten" sozialdemokra­tischen Blättern erwarten!

Aus dem Gerichtssaal.

Strafkammer.

er vom

Wegen Uebertretung der Wandergewerbesteuerordnung erhielt der Pferdehändler Jsidor Maier von Ober­mockstadt einen Strasbescheid über 100 Mark. Er hatte einem Wirt ein Pferd angeboten außerhalb seines Wohnortes, ohne den Wandergewerbesteuerstempel ent­richtet zu haben. Auf seinen Einspruch wurde Schöffengericht freigesprochen, weil er gelegentlich der An­wesenheit in einer Wirtschaft über den Kauf des Pfer­des sprach, aber keine Bestellung aufgesucht hat. Nach der Entscheidung der Strafkammer hätte er das Pferd ohne den Stempel entrichtet zu haben, nicht anbieten dürfen, weshalb er zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt wurde, nachdem die Staatsanwaltschaft Berufung ein­gelegt hatte.

Geschäftliches.

Warnung vor einem Schwindler. Seitens eines Schwindlers wird versucht, durch aller­hand falsche Vorspiegelungen sein unwirksames Ratten­gift oder ähnliches zu verkaufen. Er gibt dabei an, für die Firma Henkel u. Co., Düsseldorf zu reisen und bie­tet deren Fabrikate Persil und Henkel's Bleich- Soda weit unter Preis an, um so besser seine Schwindeleien aus­führen zu können. Obige Angaben sind selbstredend falsch und ist es erwünscht, wenn bei Auftreten des Schwindlers die Polizei auf ihn aufmerksam gemacht würde.

Gestorbene.

Professor Dr. Steinhäuser in Eberstadt( studierte in Gießen).