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lanteren Wettbewerbs verurietft worden waren, weil sie in Beitungsanzeigen und an Wohnungsschildern schmerzlofes Bahnziehen angepriesen hatten. Am Donnerstag dage= gen verwarf das Reichsgericht die Revisionen der Staatsanwaltschaft gegen drei Kölner und ein Dortmunder Urteil, durch welche Zahntechniker von der gleichen Anklage freigesprochen sind. Die Verschiedenheit dieser Rechtsprech= ung erklärt sich aus der Unanfechtbarkeit der tatsächlichen Feststellungen. In den letzten vier Sachen hatten die Gerichte ausdrücklich festgestellt, daß durch die Worte schmerzloses Bahnziehen" feineswegs behauptet werden sollte, daß das Zahnziehen unter allen Umständen und in allen Fällen schmerzlos fei. Dies wisse auch das Publikum.
Wegen eines angeblichen Diebstahls im Werte von etwa einem halben Pfennig fand am Sonnabend vor dem Schöffengericht in Göttingen eine Verhandlung statt. Angeklagt war der Ingenieur Lesch, Mitinhaber der Göttinger Präzistonswagenfabrik G. m.b. H., der beschuldigt war, ein der Firma Wilhelm Sartorius gehöriges Kuvert gestohlen" zu haben. Die Anzeige war die Folge eines heftigen Konturrenzkampfes, den die ältere Firma Wilhelm Sartorius entfacht hat, deren früherer Konstruktionssekretär der Angeflagte Lesch war. Der Ingenieur Lesch hatte festgestellt, daß die Firma Sartorius Drucksachen hatte anfertigen laffen, die denen seiner Fabrik täuschend ähnlich nachgeahmt waren. Er vermutete unlautere Geschäftsmanipulationen, ind um dies vor Gericht zwecks Verhinderung der ihm belannt gewordenen Absicht der Firma Sartorius, sich eine der jeinigen ähnlich flingenden Firma eintragen zu lassen, beweisen zu können, reichte er dem Gericht ein Kuvert ein, das dem von ihm entworfenen Aufdruck feiner Firma täuschend ähnelte. Den Umschlag hatte er sich von einem Buchdrucker ausgebeten, was dieser auch vor Gericht bezeugte. Der Staatsanwalt beantragte selbst die dann auch erfolgte Freisprechung.
Vermischtes.
Spuren des Ballons„ Hildebrandt". Aus Stettin wird dem ,, B. T." gemeldet: Der Berliner Ballon ,, Hildebrandt" wurde auf seiner Unglücksfahrt an verschiedenen pommerschen Orten gesichtet. Im weiteren Verlauf der Fahrt, gleiche Windrichtung vorausgesetzt, hätte der Ballon westlich Köslin die Ostsee erreichen müssen. Genauere Angaben liegen aus Großrambin por. Etwa eine Meile hinfer Großrambin sah der Kutscher eines Gastwirtes von bort, der einen Fremden fuhr, einen Ballon, der sehr niedrig flog. In Sehweite schlang sich dann ein von der Gonbel herabhängendes Tau, vermutlich das Schleppseil, um eine kleine Kiefer, wodurch die Fahrt gehindert wurde. Als der Kutscher und der Fahrgast hinzueilten, um dem Ballon beim Landen behilflich zu sein, wurde ihnen von ben Insassen der Gondel zugerufen: Nicht anfassen, eine Landung ist nicht beabsichtigt". Gleich darauf sei der Ballon wieder losgekommen, wobei er die Kiefer aus der Erde riß und die in der Nähe befindlichen Telegraphendrähte zerriß. Nach dem Freiwerden ist der Ballon wieber hoch gestiegen und in nördlicher Richtung davongeflogen. Der Name„ Hildebrandt" war deutlich an der Ballonhülle zu lesen. Der Vorgang spielte sich in einer Entfernug von 40 Kilometern von der Ostsee ab, so daß ber Vallon aller Wahrscheinlichkeit nach auf das Wasser verschlagen wurde. Wenn diese Annahme zutrifft, so darf angenommen werden, daß die Luftschiffer entweder vor einer Fahrt über die Ostsee nicht zurückscheuten, oder daß Sie sich inbezug auf die Gegend, in der sie sich befanden, einer Täuschung hingaben, als sie die Landung ablehnten. Jedenfalls dürfte dies die letzte Nachricht von dem Schicksal des Ballons sein.
Die Millionen des Senators Elfins. Der am Mittwoch verstorbene nordamerikanische Senator Elkins, um dessen Tochter der Herzog der Abruzzen wirbt, hinterläßt ein Vermögen von 120 Millionen Mart, das zumeist aus Waldungen, Bergwerken und Eisenbahnunternehmungen besteht. Elkins war ein großer Glückspilz; seine Freun= de nannten ihn nur König Midas, weil alles, was er be= rührte, sich in Gold verwandelte. Elkins starb nach längerer Krankheit infolge einer Blutvergiftung. Er versuchte zu seiner Heilung eine Luftfur, indem er wochenlang nachts auf dem Dache seines Hauses in Washington schlief; dies Scheint seinen Zustand aber nur verschlimmert zu haben.
Ein deutscher Dampfer mit 17 Mann verscholen. Wie aus London berichtet wird, fischte die Küstenwache von Sunderland im Norden Englands in der Rokerbucht eine versiegelte Flasche auf, die einen Zettel mit folgendem Inhalt enthielt:„ Alle Hoffnung aufgegeben. 12. November 1910. Kapitän Schmidt." Es handelt sich hier offenbar um den deutschen Dampfer„ Berlin", der am 10. November mit einer für Stettin bestimmten Kohlenladung den pafen von Sunderland verließ. Seitdem hat man feine Nachricht mehr von der„ Berlin" erhalten. Die ,, Berlin", beren Besagung aus 17 Mann bestand, lief vor 29 Jahren vom Stapel, hatte 1700 Tonnen Inhalt und galt als ein äußerst starkes Schiff.
Ein Trauungsrekord. In England, dem klassischen Lande des Sports, lassen es sich auch die Geistlichen nicht nehmen, in ihrem seeisorgerischen Beruf durch Rekordleistungen zu glänzen. So gelang es, Londoner Meldungen zufolge, kürzlich dem Pastor Buckley von der St. Lukasfirche in Cunnington an einem Tage von 9 Uhr 50 Minuten bis 11 Uhr 2 Minuten, also in 72 Minuten, 37 Brautpaare zu trauen. Auf die Trauung des einzelnen Brautpaares entfällt dabei die Minimalzeit von noch nicht 2 Minuten. Damit ist der letzte englische Eheschließungsreford, der die Ziffer von 22 Trauungen in 58 Minuten erreicht, überholt.
Falschspieler im Eisenbahnzuge. Im Eisenbahnzug zwischen Rotterdam und Haag wurde auf einer Strecke von zwanzig Minuten Bahnfahrt ein Deutscher von gewerbs= mäßigen Falschspielern um 2000 M betrogen. Ein anderer Deutscher zeigte der Polizei in Haarlem an, daß er in Zua zwischen Rotterdam und Haarlem beim Kartenspiel 440 Mart verloren habe, und so vergeht fast kein Tag, ohne daß Mitglieder jener Falschspielerbande irgendwo ihre Opfer ausplündern. Die Falschspieler sind im Besitz von Eisenbahnabonnementskarten, mit denen sie ganz Holland bereisen, und suchen hauptsächlich Ausländer, vorzugsweise Deutsche, zu umgarnen. Die Polizei und die Eisenbahnbeamten, denen sie übrigens wohlbekannt sind, pflegen die Reisenden zwar vor ihrer Gesellschaft womöglich zu warnen, aber leider stehen sie im übrigen jenem Treiben machtlos gegenüber, da es schwer ist, das Falschspielen nachzuweisen.
Demminer Schulhumor. In Demmin hat, wie das dortige„ Tageblatt" erzählt, die liebe Jugend die Gewohn heit, einen Esel, der öfter vom Lande nach der Stadt tommt, zu hänseln. Das tat auch ein Bengel eben, als ein Lehrer ihn dabei erwischte, dem Jungen für seine Quälerei eine Ohrfeige gab und ihn zur Strafe eine Zeitlang vor der Klassentür stehen ließ. Heulend dachte das Bürschchen an der Türschwelle über sein Ungemach nach, da trat
ver Rektor hinzu uno sagte ihn, warum ex denn gar so steinerweichend weine. Der Lehrer hat mich geschlagen," erwiderte der Bengel mit der Miene beleidigter Unschuld, ,, und ich habe dem Esel doch gar nichts getan!" Eine zweite Maulschelle war für den verblüfften Jungen die Strafe für diesen Frevel, doch klärte sich das Mißverständnis bald auf und heute lacht auch die ganze Schule schon darüber. Uebrigens ist die hübsche Geschichte nicht ganz neu, sie muß schon früher einmal irgendwo sich zugetragen haben. Mittel, schnell reich zu werden, bietet man in Berlin jetzt wieder einmal an. Die Vorführungen eines ,, BankSprengers" in Castans Panoptikum haben sofort Schule gemacht. Auch andere Leute erbieten sich zur Mitteilung von ,, Systemen", nach denen man an der Spielbank durchaus und totsicher gewinnen müsse. Sonderbarerweise wenden sie ihr Geheimnis nicht selbst an, sondern wollen es lediglich ihren Zeitgenossen zugänglich machen, damit diese schnell reich werden. In einzelnen Blättern erscheinen ferner noch Anzeigen folgenden Inhalts:„ Glück in der Lotterie! Gratis beantwortet die Frage: Wie gewinnt man in der Lotterie? Rückporto erbeten( folgt Name und Adresse)." Billiger kann man es wohl nicht haben. Der Menschenfreund, der hier seine Wissenschaft auf den Markt bringt, will sie fostenlos abgeben und verlangt nur das Rückporto. Vielleicht ist das die Hauptsache.
Eine oft wiederkehrende Frage ist die nach dem Ursprung des Wortes Maggi". Nicht allen unseren Lesern dürfte es bekannt sein, daß Maggis seit über zwei Jahrzehnten bewährte Erzeugnisse( Maggis Würze,-Suppen, -Bouillonprodukte) nach ihrem Erfinder Julius Maggi be= nannt sind. Dieser, der Sohn eines aus Italien stammenden Großzindustriellen, der in der Schweiz mehrere bedeutende Getreidemühlen besaß, befaßte sich schon zu Beginn der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts mit eingehenden Versuchen auf dem Gebiete der Volksernährung, angeregt durch eine Reihe von Universitätsprofessoren und Aerzten. So schuf er nach mancherlei Schwierigkeiten die heute in jedem Haushalt geschätzten Küchenhilfsmittel, die seinen Namen tragen.
Ein einträgliches Sündenbekenntnis. Daß der„ befannte" Coof nicht in der Nähe des Nordpols gewesen, ist kaum mehr zweifelhaft; ebenso zweifellos aber ist, daß er ein sehr gewandter Geschäftsmann ist. Selbst das Sündenbekenntnis, das er nun der Oeffentlichkeit abzulegen begonnen hat, muß dazu dienen, ihm ein hübsches Sümmchen einzubringen. Die Kopenhagener Zeitung„ Politiken" teilt nämlich mit, daß Cook für jeden seiner Rechenschaftsartifel 10 000 Dollars als Honorar empfängt. Da nun Cook vier Auffäße gebrauchen wird, um seine ganze Beichte abzulegen, so wird er dafür das Honorar von rund 160 000 Mark einstreichen, womit er sich dann befriedigt ins Privatleben zurückziehen kann, voll Dankbarkeit gegen die Preßorgane, die ihm auch seine letzte Sensation troß ihres höchst zweifelhaften Wertes so hoch bezahlten.
Die Riesenstatne eines Indianerhäuptlings. Aus Neuyork wird berichtet: Nach drei Jahre langer Arbeit ist nun im Staate Illinois das Niesenmonument für den Indianerhäuptling Blackhawk vollendet, das oberhalb von Eagles Nest am Oregon in die Lüfte emporragt. Die Statue hat eine Größe von 16 Meter; sie erhebt sich, das Piedestal ungerechnet, auf einem natürlichen Felsen, der eine Höhe von über 80 Meter hat, so daß dies Denkmal in seiner Gesamtheit mit der Freiheitsstatue im Neuyorker Hafen rivaltfieren kann. Das Standbild ist aus Beton hergestellt, der nach der Ansicht des Bildhauers Lorade Taft das Denkmal zu dem dauerhaftesten der Welt machen wird. Der IndianerHäuptling Blackhawk, dem die Amerikaner dieses Monument errichtet haben, nahm als Häuptling der Sacs- und der Fuchs- Indianer auf englischer Seite an dem Kriege von 1812 teil. Mit allen Mitteln, mit den Waffen und durch Verträge kämpfte er gegen den Eroberungszug der weißen Rasse, aber er konnte den Gang der Geschehnisse nicht aufhalten.
Aus französischen Krankenhäusern.
Die französische Akademie der Wissenschaften hat dieses Jahr den sogenannten Preis Durgate an den Doktor Severin Icard in Marseille verliehen für ein von diesem verfaßtes Buch, das den Titel führt: leber die Feststellung des Todes in den Spitälern". Jcard berichtet in diesem Werke geradezu grauenvolle Dinge über die Feststellung oder vielmehr Nichtfeststellung des Todes sowohl in den bürgerlichen als auch in den milttärischen Krankenhäusern Frankreichs.
Er stellt, gestützt auf unwiderlegliches Material, fest, daß ein sehr großer Teil der Kranken lebendig begraben oder in lebendem Zustande auf den Seziertisch gebracht werde, und zitiert nicht weniger als vierzig zu seiner Kenntnis gekommenen Fälle dieser Art allein in einem großen Krankenhause in Marseille, an dem er angestellt ist. In diesen vierzig Fällen ist der Irrtum erkannt worden. Wie viele Leute aber lebend begraben oder dem Seziermesser überantwortet werden, ohne daß es bemerkt wird, entzieht sich nach Doktor Jcard jeder Schäßung. Das alles fomme daher, daß der Tod in den Spitälern überhaupt niemals durch Fachleute, Doktoren oder auch nur medizinische Assistenten, festgestellt werde; man begnüge sich immer und allerorten mit der mündlichen Aussage der ungebildeten Krankenwärter oder der Laienschwestern, deren Versicherung ohne weiteres Glauben geschenkt werde. Der wachthabende Arzt oder Assistent unterzeichne, ohne den angeblichen Toten überhaupt nur gesehen zu haben, einen Totenzettel, und sofort komme das Objekt nach der Gefrierkammer oder in den Seziersaal. Einmal kam es vor, daß ein Scheintoter bei der Sektion unter dem Messer des Arztes erwachte. Ein andermal konnten Studenten das Herz eines angeblich tvten Kindes noch schlagen sehen(!), als die Brusthöyle geöffnet war.
In eineu. leider nicht genannten Großstadtspital legten die Krankenwärter, um Zeit zu sparen, einen noch im Todesfampfe liegenden Kranten in den Sarg und schlossen diesen, während der Mann noch atmete. Derartige Betspiele werden von Icard noch mehrere angeführt, und be= sonders große Opfer habe der Scheintod, so heißt es, während der Marseiller Choleraepidemie gefordert, wo man ganz besonders summarisch verfuhr und bis zu 16 Leichen täglich bestattete, ohne auch nur eine vorher fachmännisch ge= prüft zu haben. Icard empfiehlt dringend die Anwendung von Methoden, durch die der Tod mit Sicherheit festgestellt werden könne, wie solche gegenwärtig überall bekannt, aber in Frankreich niemals angewandt seien.
Ob die Angaben Jcards nicht etwas übertrieben sind?
Erpresserfurcht amerikanischer Milliardäre.
John D. Rockefeller, wie er ist", so heißt ein Büchlein, das vor kurzem in Boston erschienen ist und als dessen Versasser ein Professor Telemach Timayanis bezeichnet wird. Es heißt darin wörtlich: Weder Worte noch eine Feder ist imstande, zu schildern, welche Furcht Mr. Rockefeller vor der Leffentlichkeit hat. Er fürchtet sich sogar davor, von seiner Familie über geschäftliche Dinge befragt zu werden, er fürchtet sich vor dem Schall seiner eigenen Schritte, fürchtet sich vor seinem Schatten und vor dem Bilde seiner eigenen Gestalt im Spiegel. Das Leben von John D. Rockefeller ist eine einzige Furcht. Er fürchtet, das Wasser, das er trinkt, könne nicht rein sein, er fürchtet bei jedem Handel, betro= gen zu werden. und ich weiß aus Erfahrung, daß niemand
längere Zeit mit John D. Rocefeher su tun haven fann, ohne von seiner krankhaften Furcht angesteckt zu werden.
So ganz unbegreiflich ist diese Furchtsamkeit des reichsten Mannes der Welt im Grunde genommen nicht, wenn man weiß, daß gerade die amerikanischen Milliardäre fortwährend Erpressungen und Bedrohungen ausgesetzt sind. So erhielt Mr. Cudahy, der reiche Chicagoer Schweineschlächter, eines Tages von einem notorischen Erpresser etnen Brief, in dem ihm angekündigt wurde, daß er ins Jenseits befördert werden würde, wenn er nicht sofort die Sum= me von einer Million Mark zahlte. Zu diesem Opfer konnte sich Mr. Cudahy natürlich nicht entschließen. Er umgab sich auf Schritt und Tritt mit einer Leibwache. Da der Er presser auf diese Weise an der Ausführung seiner Drohung behindert war, raubte er kurzerhand den einzigen Sohn vor Mr. Cudahy, einen zwölfjährigen Jungen, und schrieb dem Vater, wenn die Million jetzt nicht ohne Verzug an ihn ausgehändigt werde, sollte dem Kinde das Augenlicht zer stört werden. Und die Million wurde bezahlt.
Cornelius Vanderbilt, der den Reichtum seines Hauses begründete, pflegte der unglücklichste aller Millionäre in den Vereinigten Staaten genannt zu werden. Jede Post brachte ihm Drohbriefe, und mehr als einmal wurden in der Nähe seines Landsizes Männer, die ihm nach dem Leben trachteten, ergriffen. Einmal erschien am Haustore ein Mann und verlangte von dem öffnenden Diener Geld. Er wurde fortgewiesen, rannte jedoch nach dem zu ebener Erde gelegenen Eßzimmer, wo Mr. Vanderbilt mit den Seinigen bei Tisch saß, streckte die geballte Faust durch das Fenster und rief mit lauter Stimme:" Tod dem Vanderbilt!" Er wurde verhaftet und man fand eine wohlgefüllte Bombe bei ihm.
Taß Mr. Russel Sage in seinem Bette sterben würde, hatte er zu seinen Lebzeiten niemals geglaubt. Es war ihm so oft angefündigt worden, ermordet zu werden, daß er häufig den Ausspruch tat, er würde in seinen Stiefeln aus dieser Welt gehen. Mehrmals entkam er diesem Schicksal auch nur mit knapper Not, und am 4. Dezember 1891 verlor sein Privatsekretär und drei von seinen Angestellten das Leben, als sie das seine verteidigten. Am schlimmsten erging es jedoch Jay Gould, der sein ungeheueres Vermögen auf die skrupelloseste Art angehäuft und eine Menge von Existenzen ohne Erbarmen vernichtet hatte. Nach setnem Tode fanden sich in seinem Nachlasse Quittungen, aus denen hervorging, daß er in den letzten Jahren seines Daseins nicht weniger als 9 600 000 Man Erpresser gezahlt hatte.
Drabtnachrichten und neuestes.
Ein Eisenbahnschlosser als Reichstagskandidat. Göttingen, 9. Januar. Die nationalliberale Vertrauensmännerversammlung des Reichstagswahlkreises Göttingen- Münden hat einstimmig beschlossen, den Eisens bahnschlosser Gustav Jckler, Vorsitzenden des Kartells deuts scher Reichs- und Staatsarbeiterverbände als Kandidaten aufzustellen.
Deutschfeindliche Kundgebung in Meß.
Metz, 9. Januar. Eine hiesige französische Sportvereinigung hatte für Sonnabend ein Konzert veranstalten wollen, das aber von der Polizei nicht genehmigt wurde. Als sich trotzdem mehrere Teilnehmer eingefunden hatten, schritt die Polizei ein. Gestern nachmittag fanden sich die Mitglieder zusammen und zogen durch mehrere Straßen nach dem Denkmal des Marschalls Ney. Als später die PoItzet die Menge zu zerstreuen suchte, nahm diese eine drohende Haltung an, so daß Militär requiriert werden mußte. Die Demonstration dauerte bis spät abends. Ach tPersonen wurden verletzt und ebenso viel verhaftet.
Zigarrenschmuggel am Niederrhein.
Köln, 9. Januar. Am Niederrhein wurde ein großer von Holländern und Deutschen betriebener Zigarrenschmuggel aufgedeckt. Die Höhe der hinterzogenen Steuer soll sich für den letzten Monat auf 15 000 Mark belaufen.
Messerattentat auf einen Knaben.
Berlin, 9. Januar. Ein 13jähriger Schüler wurde von einem Mann um Geld angegangen und, als er fortlief, mit einem scharfen Messer gestochen. Als Personen hinzukamen, flüchtete der Verbrecher. Der schwer verletzte Knabe wurde zu einem Arzt gebracht.
Bergarbeiterversammlungen im Ruhrrevier.
Essen, 9. Januar. Im Ruhrrevier fanden gestern Bergarbeiter- und Belegschaftsversammlungen statt, die sich mit der Lohnfrage beschäftigten. In einer in den christlichen Bergarbeiterversammlungen angenommenen Resolution werden die Bergarbeiter aufgefordert, sich nicht durch die Beschlüsse der Belegschaftsversammlungen beeinflussen zu lassen. In den Versammlungen der anderen Verbände wurde eine Resolution gutgeheißen, die sich für die Weiter verfolgung der aufgestellten Lohnforderungen durch Ver. mittlung der Arbeiterausschüsse ausspricht.
Vor den Augen seiner Braut ertrunken. Berlin, 9. Januar. Auf der Dahme bei Grünau brach beim Ueberschreiten des Eises bei einer Partie der 35jährige Landmesser Georg Scholler vor den Augen seiner Braut ein und ertrank. Mehrere Freunde des Mannes versuchten, ihm zu Hilfe zu kommen, aber beim Betreten des Eises brach dieses Stück für Stück ab. Eine Rettung war daher nicht möglich. Die Leiche des Verunglückten ist bis jetzt noch nicht gefunden worden. Gestern nachmittag find auf dem Weißensee drei Herren und drei Damen beim Schlittschuhlaufen eingebrochen. Die Schlittschuhläufer stan= den bis zum Halse im Wasser, konnten aber alle gerettet werden.
Unschädlichmachung eines Heiratsschwindlers. Berlin, 9. Januar. Der 29jährige Student der Chemis Bykerhoff ist wegen Heiratsschwindelei verhaftet worden. Er hat einer Köchin 600 Mark abgeschwindelt. Außerdem hat er eine hiesige Familie, deren Tochter er vorgab zu heiraten, veranlaßt, Wechsel zu unterschreiben mit dem Hinweis, daß er das Geld brauche, um seinen Doktor zu machen.) Bei diesen Schwindeleien hat ihm seine Mutter, eine aus Königsberg stammende Witwe eines Amtsrichters, Beihilfe geleistet.
Rodelunfälle.
Montreux, 9. Januar. Hier haben sich beim Rodeln mehrere schwere Unfälle ereignet. Ein Schlitten, dessen Bremse nicht funktionierte, stürzte um. Die Insassen, zwei Engländer, wurden fortgeschleudert und schwer verletzt. Einer schwebt in Lebensgefahr. Ein anderer Engländer, der allein fuhr, stürzte so unglücklich, daß er eine schwere Gehirnerschütterung erlitt. Er war bisher außer Stand seinen Namen oder früheren Wohnsitz anzugeben.
Streif französischer Schulkinder.
Toulon, 9. Januar. In Toulon und Umgegend beschlossen die Schulkinder wegen ungenügender Heizung der Schulräume zu streiken. An dem heute beginnenden Streik werden etwa 11 000 Kinder teilnehmen.
Ausständige chilenische Bahnbeamte als Brandstifter. Santiago de Chile, 9. Januar. In der vergangenen Nacht sind die Anlagen der Bahnverwaltung mit den sämtlichen darin befindlichen Schlaf- und Speisewagen sowie' dem Salonwagen des Präsidenten ein Raub der Flammen geworden. Das Feuer ist vermutlich durch ausständige Eisenbahnbeamte angelegt worden. Der Materialschaden be= trägt 150 000 fund.
Handel und Verkebr.
Gaffel, 7. Januar. Weizen( 100 Kilogramm) 19,00 bis 19,50 M. Roggen( 100 kilogramm) 14,75-15,50 M. Gerste ( 100 Kilogramm) 14,50-16,50 M. Safer( 100 Kilogramm) 14,75-16,50 M. Heu( 3entner) 2,60-3,20 M. Stroh( Rent ner) 1,60-2,40 M


