Deutscher Reichstag.
Ruhig, sachlich, in den Formen schier akademischer ErBrterungen hat am Freitag die mit soviel gerechter Spannung erwartete
Parteien
So
Großherzog ist bekanntlich durch seine Mutter, die verstorbene Großherzogin Alice, ein Enkel der Königin Viktoria und demnach ein Vetter des Königs Georgs V. von England. Der Prinzregent Luitpold von Bayern hat seinen Enkel, den Prinzen Rupprecht von Bayern, mit seiner Vertretung bei den Krönungsfesten beauftragt. Ais Ver= treter des Königs von Württemberg wird der Herzog Albrecht von Württemberg zur Krönungsfeier nach London gehen. Der Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt, Stemmrich, ist auf sein Ansuchen einstweilen zur Disposition gestellt worden, unter Verleihung des Charakters eines Wirkl. Geh. Rates mit dem Titel Exzellenz. An seine Stelle tritt der Wirkt. Geh. Legationsrat Zimmer
mann.
Der nationalliberale Reichstagsabgeordnete Dr. Weber, der bekannte Sprecher seiner Fraktion in der ehemaligen Kommission zur Borberatung der Reichsfinanzieform, fandidiert nicht wieder. Er hat es endgültig abgelehnt, die ihm von dem Nationalliberalen Verein des zweiten sächsischen Reichstagswahlkreises Löbau- Ebersbach wieder angebotene Kandidatur anzunehmen. Ueber die Gründe, die Weber als Direktor der Löbauer Bank veranlaßt ha= ben, sich nicht wieder um ein Reichstagsmandat zu bewerben, teilt der Vorstand des Nationalliberalen Vereins des Wahlkreises offiziell mit, daß Weber nach den bisherigen Vorkommnissen Anlaß zu der Befürchtung hatte, daß die Gegner den Wahlkampf nicht sachlich auffassen, sondern Folgen in Aussicht stellen oder ziehen für das von ihm mit vertretene Bankinstitut, dessen Interessen ihm in erster Linie am Herzen liegen müssen." Weber hatte übrigens von vornherein erklärt, daß er nur wieder kandidieren werde, wenn es zu einer Einigung der bürgerlichen Parteien kommen sollte. Diese Voraussetzung trifft leider nicht zu.
zweite Beratung der Reichsversicherungsordnung begonnen, die für die nächsten Wochen nicht von der Tagesordnung verschwinden wird. Nach den Vereinbarungen im Seniorenkonvent sind Geschäftsordnungsdebatten ausgeschlossen und die Beratung soll in den üblichen Formen, Paragraph für Paragraph, vorgenommen werden. ging man mit strenger Sachlichkeit, jedenfalls ohne tiefere Gemütsbewegungen, gleich an die Besprechung des ersten Buches( gemeinsame Vorschriften für alle Versicherungszweige). Es scheint keinerlei Konfliktsstoff zwischen den bürgerlichen Parteien und den Sozialdemokraten vorhan= den zu sein. Freilich haben die Sozialdemokraten allein zu den ersten 10 Paragraphen mehr als 30 Abänderungsanträge eingebracht. Die ersten Abschnitte blieben nach den Kommissionsvorschlägen unverändert. Zu§ 20 lag ein von mehreren unterstützter Abänderungsantrag Schickert( f.) vor, wonach bet Beratung über solche Gegenstände, welche das Privatinteresse eines Mitgliedes eines Versicherungsorgans oder seiner Angehörigen berühren, sich dieses Mitglied der Teilnahme an der Beratung und Abstimmung enthalte, auch sich während der Beratung aus bem Sizungszimmer entfernen muß. Nach kurzer Debatte, an der die Abgg. Trimborn( 3.), Mugdan( f. Vp.) und Graf v. Westarp( f.) sich beteiligten, wurde dieser Antrag angenommen. Bei den die Versicherungsämter betreffenden Bestimmungen versuchten die Sozialdemokraten diese Aemter als selbständige Behörden wieder einzuführen; bekanntlich sollen sie nach dem vom Abg. Frhrn. von Gamp( Reichspartei) bereits bei der ersten Lesung unterbereiteten Vorschlage und dem Kommissionsbeschluß den besonderen Abteilungen der unteren Verwaltungsbehörden angegliedert werden. Die Antragsteller fanden Gegenliebe bei den Abgg. Cuno( f. Vp.) und Kulerski( Pole). In namentlicher Abstimmung fiel thr Antrag aber mit 224 gegen 65 Stimmen. Die Beratung der folgenden Vorschriften bot Bemerkenswertes nicht. Namentlich wurde nur noch einmal abge= stimmt: beim Paragraphen 49, der von den Versicherungsvertretern handelt. Hier verlangten die Sozialdemokraten statt der von der Kommission vorgesehenen indirekten Verhältniswahl die allgemeine, gleiche direkte und geheime Wahl. Abg. Molkenbuhr, der sonst so bedächtige, sprach in der Begründung dieses Begehrens von einer„ infamen Entrechtung der Landarbeiter", die, falls es bei den Kommissionsbeschlüssen bliebe, inbezug auf die Landkrankenkasfen statthaben müßte. Indes traten bei der namentlichen Abstimmung doch nur Fortschritt und die Polen an ihre Seite: noch immer betrug die ablehnende Mehrheit 193 Stimmen. Dann griff man noch den Abschnitt von den Oberversicherungsämtern an und förderte ihn um einige zwanzig Nummern. Dann machte man Schluß. Man hat 91 Paragraphen erledigt: das ist für den ersten Tag eine recht ansehnliche Leistung. Ob ihm noch viele gleich ertragsreiche folgen werden?....
Hoffnungsvollere Aussichten für den Reichstag.
In der elsah- lothringischen Verfassungsfrage ist, wie die„ Preßzentrale" authentisch erfährt, zwischen der Regierung und den Parteiführern in geheimer Sizung eine Einigung erzielt worden. Die Majorität besteht aus dem Zentrum und den Liberalen. Der Reichskanzler hat be= reits in Karlsruhe dem Kaiser Bericht darüber erstattet.
Harmon, der als demokratischer Kandidat für die Präs sidentschaft gilt, beauftragten Kriminalbeamte, verschie dene höhere Beamte zu überwachen. Es wurde festgestellt, daß die Beamten gemeinschaftlich mit großen Finanzge sellschaften die Geseze willkürlich auslegten und sie sogar abänderten. Es steht die Verhaftung mehrerer hoher Staatsbeamter bevor.
Die fortschrittliche Volkspartei hat nach Mitteilung ihres Führers, des Abg. Wiemer, die Absicht, für Landwirtschaft, Mittelstand und Arbeiter besondere Lettsäge auszuarbeiten, die als Ergänzung des allgemeinen Programms die Stellung der Partei zu allen für diese Erwerbstreise in Betracht kommenden Fragen klarlegen sollen.
Das Schicksal des scheidenden Reichstags hängt, so schreibt man uns aus Berlin, völlig von dem Verlaufe der Beratungen der Reichsversicherungsordnung ab. In parlamentarischen Kreisen sieht man neuerdings der Entwickelung der Dinge nicht mehr so pessimistisch) ent= gegen. Es bereitet sich anscheinend ein Kompromiß ber bürgerlichen Parteien vor. Und zwar handelt es sich dabei in der Hauptsache um die Krankenkassen. Bisher zahlten die Arbeiter dazu zwei Drittel, die Arbeitgeber ein Drittel der Kosten; entsprechend war auch der maßgebende Einfluß verteilt. Die Regierung schlug die Halbierung vor. In der Kommission ist nun die DritteTung geblieben, aber durch die neu eingeführte Ab stimmung nach Gruppen bei wichtigen Fragen ist tatsächlich eine Halbierung bei der Verteilung des Abstimmungseinflusses in den Hauptfragen erreicht worden. Man erwartet nun eine Verständigung dahin, daß auch die Beiträge halbiert werden. Würde das erreicht werden, so hätte auch die Sozialdemokratie ein großes Interesse am Gesez. Eine allgemeine Verständigung ließe fich dann erzielen, so daß die umfangreiche Vorlage tatsächlich noch bis Pfingsten erledigt werden könnte. Der Reichstag könnte dann noch die Handelsverträge, die Vorlage über die kleinen Aktien und die elsaß- lothringische Verfassungsfrage nach Pfingsten erledigen und ohne Herbstsession von der Bildfläche verschwinden.
Rundschau vom Cage.
Politisches.
Der
Deutsche Fürsten als englische Krönungsgäste. Großherzog Ernst Ludwig von Hessen beabsichtigt den Krönungsfeierlichkeiten in London selbst beizuwohnen. Der
83)
Des Rätsels Lösung.
Roman von Ludwig Blüm ck e.
Nachdruck verboten.)
Die Lage in Megito. Der mexikanische Botschafter in Washington, Wilson, erklärt die Zustände in Meriko für unerträglich. Man befürchtet eine Krisis in Meriko. Es werden wahrscheinlich unverzüglich Kriegsschiffe nach Acapulco entsandt werden, wo die Lage der Amerikaner besonders bedrohlich erscheint.
China reformiert. Ein soeben ergangenes Editt fors dert alle Verwaltungsbehörden auf, monatlich Bericht über ihre Ausgaben zu erstatten und diese lediglich für solche Zwecke zu verwenden, für die sie vorgesehen sind. Die an dem Zustandekommen der internationalen Anleihe beteiligten Bankiers haben den Drachenorden erhalten. Der chinesische Unterrichtsminister hat eine Verfügung erlassen, monach an den Mittelschulen und Volksschulen der Turnunterricht und der Unterricht im Ererzieren und Schießen obligatorisch eingeführt werden soll. Den Schulen soll die genügende Anzahl Flinten leichteren Typs zur Verfügung gestellt werden, der Unterricht soll durch Militärinstruks teure erfolgen.
Zum Cölner Spionagefall wird heute gemeldet: Die seit vier Wochen verhaftete französische Sprachlehrerin Thirion beteuert fortgesetzt ihre Unschuld, meint aber, daß es auf die Auffassung ankomme, ob sie des ihr zur Last gelegten Deliftes schuldig oder nicht schuldig sei. Die Verhältnisse, erklärte sie, sprechen gegen mich. Fräulein Thirion war nur vorübergehend in Cöln ansässig. Sie hatte sich vor zwei Monaten nach Paris abgemeldet, um einen Erholungsurlaub bei ihrer dort in guten Verhältnissen le= benden Mutter zu verbringen und war nach Cöln zurüdgefehrt, dort wurde sie auf der Straße verhaftet. Fräulein Thirion unterhielt auch Beziehungen zu angesehenen Familien in Stuttgart, Lübeck, Düsseldorf und Berlin, und bis hierher erstreckt sich auch die Untersuchung über ihr Vorleben und ihre Verbindungen mit Militärpersonen.
Trotzdem diese Worte in sehr ruhigem Tone gesprochen waren, sah Schirmer des Inspektors Angst nur zu deutlich und war seiner Sache ganz sicher. Woltersdorf bezahlte und entfernte sich, scheinbar recht gut ge= launt.
Der Rentmeister hatte dem General soeben Bericht erstattet und denselben mit den Worten geschlossen:
Die Abgeordnetenhauskommission für das preußische Pflichtsortbildungsschulgesetz beriet am Freitag die Paragraphen 2 bis 4, die die Pflichten der Gemeinde und die Berechtigung, in bestimmten Fällen gemeinschaftlich eine Pflichtfortbildungsschule zu unterhalten, regeln. Die Paragraphen wurden im wesentlichen nach dem Regierungsentwurf angenommen. Ein freifonservativer Anirag, wonach, land- und forstwirtschaftliche Arbeiter der Schulpflicht nicht unterliegen, fand ebenfalls Annahme.
" Ich bin somit der festen Ueberzeugung, daß Schirmer mehr weiß, als er mir gesagt hat. Wenn der Mann sofort verhaftet würde, müßte ein Geständnis aus ihm herauszuloden sein. Er selber ist offenbar nicht der Dieb. Aber er kennt denselben. Es entging mir nicht, daß er seiner Frau, wie sie sich verplapperte und einräumte, daß ihr der Schein durch die Strichelchen aufgefallen wäre, mit den Augen ein Zeichen gegeben."
,, Aeußerst interessant, Herr Raben. Wir wollen den Amtsvorsteher veranlassen, Schirmer und seine Frau zu verhaften."
Kleine Nachrichten.
Der nationalliberale preußische Abgeordnete Dr. Haar= mann in Witten( nicht wie gemeldet, sein Bruder Haarmann- Dortmund) hat am Freitag in einem Berliner Hotel einen Schlaganfall eritten, an dessen Folgen er ge= storben ist. Er war Oberbürgermeister von Witten in Westfalen. 1884 bis 1887 und 1887 bis 1890 gehörte er dem Neichstage an. Im Abgeordnetenhause vertrat er den Wahlkreis Hattingen- Witten
Eine italienische Auszeichnung für den Oberbürgermei: ster von Berlin. Der italienische Botschafter hat dem Oberbürgermeister von Berlin eine goldene Medaille überreicht, die der König von Italien der Stadt Berlin in Anerkennung der von ihr für die Opfer der Erdbeben in Sizilien und Kalabrien am 28. Dezember 1908 geleisteten Unterstützung verliehen hat.
Ueber den Gesundheitszustand König Alfons werden wieder ungünstige Meldungen verbreitet. Trotz des erfolgten Dementi hält der Pariser Intransigeant seine Meldung aufrecht, daß der König von Spanien an Schwindsucht leide und sich demnächst in der Schweiz einer Kur unterziehen werde. Auch Londoner Blätter wollen aus sicherer Quelle erfahren haben, daß König Alfons tatsächlich lungenleidend set.
Ein sozialdemokratischer Oberbürgermeister von Stuttgart? Die Stuttgarter Sozialdemokratie hat für die am 12. Mai stattfindende Oberbürgermeisterwahl nach erregten Auseinandersetzungen innerhalb der Partei doch noch einen eigenen Kandidaten aufgestellt in der Person des Landtagsabgeordneten und früheren Reichstagsabgeordneten Dr. Lindemann, der große Aussicht hat, gewählt zu werden, wenn die übrigen Parteien sich nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen. Die Nationalliberalen und die rechtsstehenden Parteien haben sich auf den Regierungsrat Lautenschlager geeinigt, dem jedoch, da er der nationalliberalen Partei angehört, die Volkspartei vorläufig noch ablehnend gegenübersteht.
Gerade in diesem Augenblic trat Woltersdorf ein. Der General teilte ihm hastig mit, was man bisher ermittelt. Er nidte nur mit dem Kopf und machte eine Miene, als wollte er sagen, er wüßte das alles und noch weit mehr.
Sensationelle Vorkommnisse mit politischem Hintergrund sind in der Verwaltung des nordamerikanischen Staates Ohio entdeckt worden. Freunde des Gouverneurs
Jch tomme gerade von Schirmer," sprach er dann. Wenn ich mir einen Rat erlauben darf, so würde der bahin gehen, daß man die Wirtsleute einstweilen in Ruhe läßt und überhaupt möglichst wenig verlauten läßt. Jch habe mir soeben alle erdenkliche Mühe gegeben, aus Schirmer etwas herauszukriegen. An fenem Abend waren verschiedene Gäste in seinem Lokal, die nicht zu den alltägItchen Besuchern gehören. Der Herr Leutnant hielt sich auch auf ein paar Minuten dort auf."
Die Einrichtung von Kinderlesehallen ist vom Kuratorium der Berliner Stadtbibliothek beschlossen worden. Es sind zuerst Lesehallen in Aussicht genommen, in denen Erwachsene keinen Zutritt haben.
,, Mein Sohn? Das glaube ich nicht! Der hat das schmuzige Lokal nie betreten!" rief der General aus, und sein Antlig verfärbte sich.
Es war das allerdings auch eine freche Lüge, aber Woltersdorf hatte damit erreicht, was er erreichen wollte.
Das unvorsichtige Umgehen mit einer geladenen Schußwaffe hat wieder einmal ein schweres Unglück herbeigeführt. Der Schneidergehilfe Kohl aus Berlin, der in einem Prager Hotel mit seinem Freunde übernachtete, zeig te diesem einen geladenen Revolver. Die Waffe entlud sich und traf letzteren, der aber nur leicht verletzt wurde. In der Meinung, er habe seinen Freund erschossen, tötete sich Kohl durch vier Schüsse.
Ein schwerer Eisenbahnunfall hat sich Freitag nachmit tag bei Ratingen unweit Düsseldorf ereignet. Dort ent gleiste der Eilzug 78 Essen- Düsseldorf. Der Lokomotivführer wurde getötet; der Heizer und ein höherer Beamter wurden schwer und fünf Reisende leicht verleßt. Der Materialschaden ist bedeutend. Die Ursache ist noch nicht ermittelt.
Aus den Gerichtssälen.
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Das Martyrium einer Lehrerin. Die Lehrerin Ballerstedt aus Danzig war im Forsthaus Luisenhof bei Falkenberg in Pommern als Erzieherin der Töchter des Försters Franzke tätig. Frau Franzke wurde ohne Grund eifersüchtig und Hetzte die Schülerinnen gegen ihre Lehrerin auf. Ihrem Manne ließ die Förstersfrau durch die Kinder eines Tages die Mitteilung zugehen, Fräulein Ballerstedt habe sie vergiften wollen. Der Förster schleppte nun die Lehrerin in den Wald und mißhandelte sie mit Beihilfe seines Knechtes so lange, bis sie besinnungslos wurde. Die vom Förster an einen Baum gefesselte Dame wurde über und über mit Blut bedeckt aufgefunden und in ein KrankenHaus gebracht. Sie ist dauerndem Siechtum verfallen. Der Förster wurde zunächst in eine Irrenanstalt gebracht. Bet der ersten Verhandlung erklärten die Sachverständigen, daß der Angeklagte als Alkoholiker jedenfalls in epileptischem Zustande gehandelt habe. Bei der zweiten Verhandlung lautete das Gutachten des Obermedizinal- Kollegiums dahin, daß der Angeklagte möglicherweise im Wahn gehandelt haben könne. Für die Tat sei er verantwortlich zu machen. Der Staatsanwalt beantragte 3 Jahre Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlust. Verurteilt wurde er zu 2½ Jahren Gefängnis.
„ Mag sein," fuhr er fort.„ Ich habe das auch gar nicht von Schirmer gehört, sondern von einem anderen, der vorläufig nicht genannt werden möchte. Außerdem war an jenem Abend, wie ich bestimmt weiß, ein Schwei nehändler in der Wirtschaft, den ich wiederholt hier auf dem Schloßhofe gesehen, ohne recht zu wissen, was er wollte. Der verließ gegen Mitternacht das Lokal und könnte den Diebstahl recht wohl verübt haben. Schirmer war, wie zu später Stunde gewöhnlich, so betrunken, daß seine Aussagen von gar keinem Wert sind. Mag sein, daß er sich auf nichts klar besinnt, mag sein, daß er niemand verdächtigen will. Jedenfalls habe ich mir vorgenommen, den Händler, der Martini heißen soll, unter allen Umständen zu ermitteln. Es ist in N. heute Viehmarkt. Ich will mich sofort dorthin begeben, denn ich hoffe, Martini dort zu treffen. Man will ihn mit einer Schweineherde gestern in der Nähe gesehen haben."
Alle Achtung, Herr Woltersdorf!" sagte der Rentmeister. Sie sind ein gewiegterer Detektiv als ich. Was Sie da in den paar Stunden alles ermittelt haben, ist ja geradezu erstaunlich."
Der Inspektor schaute den alten Herrn etwas mißtrauisch an, denn er wußte nicht, ob diese Bemerkung Ironie oder Ernst sein sollte. Der General nahm ste jedenfalls sehr ernst auf und beschwor thn geradezu, doch alles daran zu sehen, den Mann ausfindig zu machen.
Woltersdorf ging, nachdem er noch gesagt, man möge sich nicht wundern, wenn er sehr spät oder gar erst morgen zurückäme.
Was er an Geld und Gut zur Hand hatte, ltek fich leicht in seinem Reisefoffer unterbringen. In der Kasse befand sich zurzeit keine größere Summe, nur etwas über
hundert Mark. Doch auch die schienen ihm des Mitneh mens wert. Ein Petschaft mit des Generals Wappen und Namen, sowie einige andere Kleinigkeiten, die ihm gerade in die Hände fielen, hielt er ebenfalls für zweckmäßig, mit auf die Reise zu nehmen. Sein fühner Plan ging dahin, daß er auf schnellem Roß heute noch die Stadt N. erreichte, um von dort mit dem ersten Schnelldampfer in die weite Welt zu fahren. In N. beabsichtigte er, eine größere Summe für den General einzukassieren. Sovie! er wußte, hatte derselbe dort über 50 000 Mark deponiert. Der Bankier fannte ihn sehr gut und hatte ihm bereits öfters große Beträge ausgezahlt.
Das Reitpferd, ein junger Vollblutrappe, stand gesattelt vor der Tür. Wenige Minuten später galoppierte Woltersdorf mit seinem Köfferchen, das er unter dem Kaisermantel wohl verborgen hatte, über die Wedelsteiner Felder dahin, auf fürzestem Wege der etwa drei Stunden entfernten Stadt zu.
Dieser von ihm gewählte Weg führte nun nicht immer über ebene Felder, er war vielmehr stellenweise sehr schwer passierbar, denn es galt manches Hindernis zu nehmen, das der verwegene Reiter unter anderen Umständen ganz gewiß vermieden hätte. Nach fast zweistündigem Ritt, wie Roß und Reiter ihn noch nicht erlebt, sieht Woltersdorf die Türme der Stadt N. von ferne ragen.
In einer Stunde fährt der Zug, den er erreichen mill. erreichen muß! Er drückt dem schaumbededten Pferd die Sporen tief in die Weichen, denn jede Sekunde ist kostbar. Da, ein neues Hindernis! Der Rappe bäumt sich hoch auf, ein Abgrund gähnt dort, den zu überspringen er sich nicht getraut. Unten rieselt ein silberhelles Bächlein. Es ist nicht weit bis zum jenseitigen Ufer, nur wenige Schritte, aber die Schlucht ist tief. Viel breitere Gräben hat der Vollblüter heute schon übersprungen, das rieselnde, glitzernde Wasser dort unten muß ihn scheu gemacht haben. Woltersdorf jagt ihm in wilder Wut die Sporen in die Flanken.
( Schluß folgt.)
in Düsseldorf statt, zu dene wurden. Von fielen 122 000 auf Spezialitä dere Darstellun phentheater u im gleichen 3e Sauberes Mängel der n Beschwerden ü
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Das Bortemonn


