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Der preußische Marschallstab.

Zu der Ernennung der drei neuen preußischen Gene­alfeldmarschälle wird uns von militärischer Seite geschrie­en: Die Kennzeichnung der Generalfeldmarschälle durch en Marschallstab ist merkwürdigerweise schon viel älter, Is ihre Unterscheidung durch die Uniform. Die Offiziere nterschieden sich früher untereinander nur sehr wenig. rst am 23. Oftober 1808 erhielten sie Rangabzeichen auf en Achselklappen, die damals noch keine Nummern und lamenszüge trugen. Die Leutnants hatten eine silberne Cresse von oben quer über die Mitte der Achselllappe, ie Hauptleute und Rittmeister 2 Tressen auf jedem der jeiden äußeren Ränder der Achselklappen, und die Ma­ore und Obersten hatten Tresseneinfassung auf allen vier Seiten der Achselklappen. Die Generale unterschieden sich außerdem durch Rangsterne. Bis dahin trugen die Ge­nerale meist die Uniform ihrer Regimenter mit Abwei­chungen, die sich nur an den Kopfbedeckungen fanden. Die eigentliche Generalsuniform besteht also erst seit dem Jahre 1808 und wurde im Jahre 1830 besonders ausgebaut.

Der Generalfeldmarschall dagegen unterschied sich schon im 17. Jahrhundert durch den sogenannten Marschall­stab", der ihm verliehen wurde, und den er als Zeichen seiner Würde trug. Merkwürdigerweise wissen wir über den eigentlichen Ursprung des Marschallstabes sehr wenig. Ein bestimmtes Gründungsjahr ist nicht anzugeben, da eine offizielle Gründung, wie sie heute stattgefunden haben würde, sicher nicht erfolgt ist, sondern die Führung der Marschallstäbe ist nur ein allmählicher Gebrauch gewor­den. Er ist aus dem Feldherrnstab" entstanden, den die Heerführer früherer Jahrhunderte trugen, und der auf vielen alten Kupferstichen berühmter Feldherren zu fin­de ist.

Der erste Marschallstab", der als solcher geschichtlich erwiesen ist, und noch jetzt im Zeughause aufbewahrt ist, ist der des Generalfeldmarschalls Georg Frhr. v. Derfflin= ger, der auch kurz als der alte Derfflinger bezeichnet wird. Derfflinger wurde vom Großen Kurfürsten im Jahre 1670 zum Generalfeldmarschall ernannt, nachdem er sich bei der Schlacht von Fehrbellin und bei der Eroberung von Rügen Kriegsruhm und Lorbeeren geholt hatte. Ein Kupfer­stich vom Jahre 1674 zeigt den alten Derfflinger in der einfachen und schlichten Uniform der damaligen Soldaten ohne Rangabzeichen und nur mit einigen Tressen verziert, die mehr phantastisch als vorschriftsmäßig angebracht waren. Auf diesem Kupferstich hat Derfflinger aber ganz ostentativ einen Stab in der Hand, den wir als Marschall­stab" bezeichnen müssen. Auf den Bildern der späteren Generalfeldmarschälle findet sich stets dieser Stab wieder. Es ist daraus zu entnehmen, daß der Marschallstab zwar schon im 16. Jahrhundert bei den Feldherren im Gebrauch war, daß er aber erst unter dem Großen Kurfürsten das eigentliche Kennzeichen der Generalfeldmarschälle und ein Symbol ihrer Würde geworden ist.

Der Schatz für Lebensretter.

Pittsburger Spinnereien mit zwei Dollars Wochenlohn fetne Laufbahn begann. Nobel und Carnegie sind gute Vorbilder, nicht nur dafür, wie man Geld macht, sondern auch, wie man's wieder auf vornehme Weise seinen sozialen Zwecken zurückgibt.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Beim Kaiserpaar fand Montag abend 7 Uhr im Eli­sabethsaale des föniglichen Schlosses zu Berlin eine Tafel für die kommandierenden Generale statt. Prinz Rupprecht von Bayern führte die Kaiserin zu Tisch.

Ueber die diplomatischen Neujahrsglückwünsche wird ergänzend aus Berlin gemeldet: Wie mit dem italienischen Minister des Aeußern hat der Reichskanzler auch mit dem Grafen Aehrenthal aus Anlaß der Jahreswende herzliche Telegramme gewechselt. Ferner erhielt der Reichskanzler ein Glückwunschtelegramm von dem russischen Minister des Aeußern Sassonoff.

Die Frage der Versorgungsheime für pensionierte alleinstehende preußische Lehrer ist ihrer Lösung einen Schritt näher gerückt. Wie die Deutsche Journalpost" hört, hat sich ein Komitee gebildet, das die notwendigen Mittel für solche Heime aufbringen will. Das Komitee steht unter dem Protektorate des preußischen Kultusmini­sters und verfügt bereits über so viel Geld, daß der Bau von vier Anstalten gesichert ist. Zwei von solchen Heimen sollen in Schreiberhau, eines in Blankenburg am Harz und eines in Budow in der Mark errichtet werden. Das Ein­trittsgeld soll nicht einheitlich normiert, sondern den Ver­mögensverhältnissen entsprechend abgestuft werden.

Die Verweigerung des antimodernistischen Eides durch einige Münchener hervorragende Geistliche wird, wie der römische Korrespondent des ,, B. L.-A." meldet, in vatika­nischen Kreisen lebhaft besprochen. Diese betrachten jedoch das, was in Deutschland geschieht, als Sieg der päpstlichen Politik, weil durch die Auferlegung des Eides Pius X. gerade feststellen wolle, wer Modernisten seien, und diese aus der Kirche heraushaben wolle. Man habe jetzt den Eindruck bekommen, daß in Deutschland der Modernismus organisiert und mächtig sei und er unzweideutige Kund­gebungen seines Bestehens gebe. Wenn es nun dem Papst gelinge, die Kirche von solchen Elementen zu reinigen, so sei dies ein erster Sieg.

Ich will arm sterben, wie ich arm geboren bin." Wenn man Milliardär ist, dann faßt sich ein solcher Vorsatz leichter, als er sich ausführt. Eine runde Milliarde, in riesigen Stahlwerfen gut angelegt, hat eine unglaubliche Zeugungs­fraft. So hat denn Andrew Carnegie der große Menschen­und Friedensfreund, schon weit über eine halbe Milliarde für humanitäre und kulturelle Zwecke gespendet, hat Uni­nerfitäten, gegründet, Wohlfahrtsanstalten gestiftet, gewal­tige Sonderfonds ausgestattet, aber er hat noch lange nicht in seinem Scheckbuch den letzten Schein ausgefüllt. Er scheint noch nicht einmal eine Abnahme seiner Mittel zu merfen Bei seinen 73 Jahren wird er sich ordentlich heranhalten müssen, wenn er doch noch zum Ziel kommen will. Als ein kleiner Schritt näher zum Ziel ist die Gründung des deutschen Lebensretterschazes zu betrachten, womit er unser Reich zu Neujahr überrascht hat. Er ist dem Heroenfonds" nachgebildet, der in Amerika durch Carnegies Freigebigkeit schon länger besteht, dort aber mit der vierfachen Summe, also mit 20 Millionen, ausgestattet ist. Der erste Stipen­diat des Fonds wurde ein Italiener, der bei einer Kata­strophe auf hoher See 52 Menschenleben rettete. Er erhielt 20 000 M. Ein anderer Aft doppelter Selbstverleugnung wurde sogar mit 50 000 M gelohnt. Diese erhielt ein Schmied, der in einen mit tödlichen Gasen erfüllten Schacht hinabgestiegen war, um seinen erbittertsten Feind zu retten. Sehnlich wird es wohl auch bei uns gehalten werden, und fin zwölfköpfiges, wie schon gemeldet, unabhängig dastehen­des Kuratorium dürfte schon dafür sorgen, daß jeder An­Spruch sorgsam geprüft wird. Alle Hochachtung vor der un­erschütterlichen Menschenliebe des amerikanischen Milliar­därs. Trog der bitteren Erfahrungen, die keinem erspart find, any le das Geschick die Gaben des Reichtums ver­schwenderisch häuft, ist ihm das Herz frisch und teilnehmend geblieben. Auch heute sieht er noch den Mitmenschen nicht anders an wie damals, als der schottische Haspeljunge in

Das Bild vom Königsstuhl.

2)

Skizze von Else Krafft.

( Nachdruck verboten.)

Aber nein, so enorm ist es ja nun gerade nicht mit dem Verkauf der Karten. Vier Stück habe ich noch für sie reservieren können. Und dann noch eins, meine verehrten Damen. So ein paar Liebesgaben für den Verkauf,- eine Handarbeit, eine überflüssige Nippes figur, alles ist willkommen."

Der französische Botschafter in Konstantinopel hielt beim Neujahrsempfange in der französischen Kolonie eine Rede, die bemerkenswert ist, weil sie offen das Liebes­werben Frankreichs um die Türkei erkennen läßt. Der französische Botschafter betonte, wie zu allen Zeiten zwi­schen der Türkei und den Franzosen Bande der Sympathie bestanden hätten, diese Banden könnten durch finanzielle Unstimmigkeiten nicht ernstlich in Mitleidenschaft gezogen werden. Sie hätten ganz andere Proben ausgehalten. Frankreich, das mit Vertrauen das Werk der Regeneration des ottomanischen Reiches begleite, bleibe auch für die Zu­funft bereit, wenn es gewünscht werde, der Türkei Bei­stand zu leisten, sei es zu ihrer nationalen Wiederbelebung, sei es zur Entwicklung ihres Volkswohlstandes und natür­lichen Reichtums.

Rose Marie überlegte, rechnete im stillen. Nun würde man dem Bruder in der Kadettenschule die ge­plante Geburtstagsüberraschung verfürzen müssen. Auch der seidene Blusenstoff vom Weihnachtsfeste, den der Onkel geschickt hatte, durfte noch nicht zur Modiftin. Die erfparten zwölf Mark vom legten Monat gingen gerade für die Basarbilletts auf.

Die Mutter spendete das Geld fürs erste aus der Wirtschaftskasse, und Lenchen stand mit hochroten Wangen por der Gräfin und versprach, dem Komitee ein Viertel dußend eigenhändig gestickler Tablettdeckchen einzusenden.

, Sie müssen fich mit meiner Tochter assoziieren beim Verkauf, Kleines", meinte der Besuch bittend. Melanie hat unter anderm den Bücher- und Bilderkiosk über nommen. Gestatten Sie, Frau Oberst, daß Ihr Töchterchen uns hilft?"

Alter von 75 Jahren gestorben. Der Verstorbene, der sein Vermögen durch Viehlieferungen in den Kriegen 1864, 1866 und 1870/71 erworben hatte, stiftete noch fürzlich drei Min. Mark für humanitäre Zwecke.

Der Fall Durand scheint in Frankreich doch noch zu un­liebsamen Weiterungen zu führen. Der allgemeine Arbei­terverband hat gestern beschlossen, auf vollständige Befrei­ung des zu einer Gefängnisstrafe von sieben Jahren be­gnadigten Syndikatssekretärs Durand zudringen, und hat seinen Generalstreikausschuß beauftragt, die allgemeine Be: wegung der organisierten Arbeiter in die Wege zu leiten.

Die Hausfrau nickte geschmeichelt. Selbstverständlich, wenn das Kind überhaupt schon irgendwie nüßlich sein kann." Apropos, Bilder! wandte sich die Gräfin an Nose Marie. Da kommt mir ja Ihr wunderbares Beichentalent wie gerufen. Bilder werden am liebsten auf einem Basar gekauft. In Ihrem Besiz befindet sich gewiß dieses oder jenes, was in den Dienst der Wohltätigkeit gestellt, zu edelster Verwendung käme."

Eine neue Station für drahtlose Telegraphie ist in Dan­zig errichtet worden, die insbesondere der Kriegs- und Han­delsmarine, dann speziell auch den Fischereifahrzeugen zur Uebermittlung von Sturmwarnungssignalen dienen soll. Neben Nordeich und Bülk ist dies die dritte Station an der deutschen Seefüste

Ueber die Lage in Portugal meldet der offiziöse Draht aus Lissabon: In ganz Portugal herrscht vollkommene Ord­nung. Die vorläufige Regierung hielt Sonntag nachmit­tag einen Neujahrsempfang ab, bei dem Tausende von Per­sonen an den Mitgliedern der Regierung vorbeidefilierten.

Lenchen griff die Schwester aufmunternd beim Arme. her ia. Mafe Mariel Das alte Bild vom Königs­

Prinz Georg von Serbien- französischer Offizier? Wie verlautet, hat die serbische Regierung ihrem Pariser Gesandten den Auftrag erteilt, mit der französischen Regier­ung Verhandlungen einzuleiten, damit Prinz Georg von Serbien in die französische Armee aufgenommen werde. Der Prinz soll am 1. Februar nach Frankreich abreisen.

Ein schweres Automobilunglück hat sich in Vaihingen in Württemberg ereignet Dort stieß abends das Automo­bil eines Arztes, in dem dessen Kinder und sein Dienstmäd= chen saßen, gegen einen mutwilligerweise auf die Straße ge= legten Baumstamm Dem Chauffeur wurde der Brustkorb eingedrückt, ein Kind wurde tödlich, die anderen leichter und das Dienstmädchen schwer verletzt.

Im Gegensatz hierzu bestätigen Lissaboner Privatdepe= schen die alarmierenden Meldungen. Noch herrscht Ruhe, aber jeden Augenblick kann die im Volke gärende Bewe= gung durchbrechen und die Regierung zum Sturze bringen. Die scheinbare Ruhe in Armee und Flotte täuscht. Die Offiziere wagen faum, ihren Mannschaften einen Befehl zu erteilen, da der geringste Anlaß zum Ausbruch einer Meuterei führen kann. Zwei Regimenter sollen bereits wegen des ihnen verabreichten schlechten Essens den Ge­horsam verweigert haben. Auch unter den Arbeitern und Kleinbürgern wächst die Erregung. Die Unzufriedenheit ist allgemein.

Kleine Dachrichten.

Vor den Augen der Polizei erschossen hat sich in Trier der Handlungsgehilfe Hoffmann, als er wegen Unterschlag= ung verhaftet werden sollte

Ein Schneepflug entgleiste gestern auf der Station Blu­denz der Arlbergbahn. Acht Arbeiter wurden herabgeschleu­dert; drei wurden von der Maschine überfahren und sind tot; zwei sind lebensgefährlich verletzt. Alle Betroffenen sind Familienväter.

Durch Plaken eines Dampfrohres wurden auf dem deutschen Dampfer Liebenfels", der sich auf der Fahrt von Kalkutta nach Hamburg befand, vier indische Heizer getötet. Ein fünfter wurde unterwegs schwer verletzt an Land ge= bracht und ist bald darauf ebenfalls gestorben.

Breslaus reichster Bürger, der durch viele Stiftungen weitbekannte Rittergutsbesitzer Julius Schottländer. ist im

stuhl bei Stubbenkammer,- du weißt ja, das über deinem Bett in unserem 8immer hängt."-

Dunkle Glut färbte das blasse Gesicht. Das sonst so starfe Mädchen begann zu zittern. Nein, ach nein, das ist nicht schön genug", stammelte sie verwirrt. Die Gräfin lächelte fein.

Aber mein liebes Fräulein, nur deshalb keine Angst! Ich bin überzeugt, Ihre allzugroße Bescheidenheit betrügt Sie selbst. Darf ich das Bildchen sehen?"

Sechs Personen von einem Wolf getötet. Nach einer russischen Meldung wurden in Lodetnoje sechs Personen von einem Wolf totgebissen. Bei der auf das Raubtier veran= stalteten Jagd wurde ein Bauernbursche durch einen Flin tenschuß getötet. Der Wolf fonnte schließlich zur Strecke gebracht werden.

Lenchen lief diensteifrig zur Tür hinaus, während die Gräfin weitersprach.

Ein graufiger Leichenfund ist am Neujahrsmorgen in einem Londoner Vorort gemacht worden. Man entdeckte den Leichnam eines Mannes, deffen Kopf vollständig mit den Füßen zertreten war. Der Körper, der eine Strecke weit auf dem Boden geschleift worden war, lag hinter eis nem Gebüsch verborgen. Der Mord ist noch nicht aufgeklärt.

Rose Marie stand unbeweglich. Die eine Hand auf der Lischkante, die andere in jäher hilfloser Angst am Gürtel zusammengepreßt. Sie hörte faum, was der Besuch mit der Mutter sprach und beriet. Ein lichter Sommertag am Meer stieg vor ihr auf. Jung und froh und reich und selig war sie damals noch. Die Wellen der Ostsee umspülten Boot und Ruder, und der Abend­Sonnenschein unifloß zwei Menschenkinder im Boot, die fich Kumm und glücklich in die Augen sahen.

Die Gräfin stand test mitten im Bimmer. Sie hielt das Bild in der Hand und nickte befriedigt.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Eine Universität für internationales Recht im Haag. Schon lange plant man die Errichtung einer Universität für internationales Recht in der holländischen Residenzstadt Haag. Während an den Universitäten der verschiedenen Länder das internationale Recht vom nationalen Stand­punkt aus gelehrt wird, will man an der internationalen itniversiät das internationale Recht von unparteiischem, objektivem Standpunkt dozieren. Ein internationales Ko­mitec, bestehend aus weltberühmten Juristen, ha schon ver­schiedene Pläne in dieser Beziehung ausgearbeitet. Der Ge­danke stammt von Carnegie und anderen reichen Amerika­nern, die ähnlichen Anschauungen huldigen wie er, und wurde schon während der ersten Friedenskonferenz geäu­Bert. Später kam Professor Nippold mit einem ausgear­beiteten Borschlag.- Nach einer Mitteilung an die B. 3. a. M." ist die Vorbereitung so weit gefördert, daß dem nächst der Entschluß zur Gründung der Universität öffent lich bekannt gegeben wird.

Aber das ist ja ganz reizend, meine Damen! Das bringt uns ja mindestens dreißig Mark im Verkauf. Der Königsstuhl über dem Rügener Walde, das Boot im Abendsonnenschein, eine einzige exquisite Farbenbarmonie. Schade, daß nur allein das Antsiz des jungen Offiziers im Boote sichtbar ist. Die junge Dame hätten Sie auch en face hinfegen müssen. Sonst aber die Lichtreflege über dem Blondhaar, wirklich exquisit, mein Fräulein. Wenn Sie gestatten, nehme ich Ihre liebenswürdige Gabe sogleich mit zur Baronin Hanau,- sie hat bereits prächtige Beiträge zum Verkauf. Auf Wiedersehen also, meine Damen!"

Sie war gegangen, es wurde still im Zimmer. Mit kläglicher Miene sab die Hausfrau von einer Tochter zur anderen.

Lenchen strahlend. bealüft und erregt. Rose Marie

Aus den Gerichtssälen.

Im Moabiter Krawallprozeß hat am Montag die achte Verhandlungswoche ihren Anfang genommen. Die Zeugen­vernehmung ist jetzt nahezu abgeschlossen, so daß am näch sten Verhandlungstage, am Mittwoch, die Plädoyers wer­den beginnen können.

Verurteilung eines Heiratsschwindlers. Vor der Straf­tammer des Landgerichts in Nürnberg wurde am Sonn­abend nach dreitägiger Verhandlung der Prozeß gegen den dreißigjährigen Kandidaten der Medizin Erich Christin beendet. Christin, der Sohn eines gutfituierten Apothekers in Gmünden, hatte in den letzten drei Jahren durch schwin­delhafte Heiratsannoncen eine ganze Reihe von jungen Mädchen aus guten Familien angelockt und durch Heirats­versprechungen zur Hergabe von Geldsummen bewogen. Der Angeklagte, der schon als Gymnasiast einen eigenarti­gen Hang zum luxuriösen Leben gezeigt hatte, kam in sei­nen Studtenjahren bald mit einem Monatswechsel von 200 bis 300 M nicht mehr aus und begann Schulden zu machen. Er hielt sich mehrere Reitpferde, Equipage und Diener und geriet schließlich in die Hände von Bucherern. Als ihm die Wogen über dem Kopf zusammenzuschlagen drohten, steilte er sich Damen, die sich auf seine Annoncen meldeten, als ein im Staatsexamen befindlicher Arzt vor, der auch schon eine sehr gute Praxis in Fürth in Aussicht habe, und wußte sich durch diese und ähnliche Schwindeleien immer von neuem Geldmittel zu verschaffen. Dabei fam es vor, daß er gleichz zeitig in verschiedenen Städten mehrere Bräute nebenein­Itumm, blaẞ, mit felt geschlossenen Wippen. War, war die Gräfin nicht reizend, Kinder? Benchen nidte enthusiastisch.

Ein weißes Kleid muß ich anziehen, Mamachen, und weiße Lederstiefel zum Basar. Lotte oon Tres cerkauft Bose, wie sie heute in der Schule erzählte, gebt auch ganz in weiß. Und denkt doch blok, mit Komtes Melanie an einem Tisch! Und du, Rose Marie? Biehst du dein hell­blaues Seidenfleid--?"

Das Mädchen schüttelte hastig den Kopf. Ich gehe nicht init, mich braucht man ja nicht,- und dann, ich habe ja meine Schuldigkeit bereits ge tan."

Die Billetts find doch nun einmal da", wandte die Mutter ein.

"

Schadet nichts, Mamachen. Ich müßte all den be tannten Damen etwas abfqufen."

In Frau Oberst von Diefenbach regte sich das Standesbewußtsein.

Mein Gott, wir haben doch Pflichten, Rose Marie. Dein Vater steht vor dem General,- er würde niemals seinen Abschied als Oberst überleben, niemals."

Nose Marie nahm der Mutter Hand.

Ja, Mamachen, ich weiß und verstehe das alles. Und doch, die Erkenntnis unserer unfreiheit tut oft so weh." Sie zwang fich zu einem scherzhaften Lächeln. Start bleibe ein Soldatenkind, feststehn im Feld der Ehre", sunimte sie unwillkürlich.

Ein strablend Licht- und Farbenmeer. In den Sälen brängten fich die Menschen.

Lenchen fonnte von ihrem erhöhten Verkaufspläßchen bis zu der tleinen improvisierten Bühne hinüberbliden, auf der Damen und Herren aus der Gesellschaft thre Künste barboten.

( Schluß folgt.)

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