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5. April 1910.
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Zweites Blatt
№ 63.
Parlamentarisches aus Hessen.
Gießener Zeitung
Dr.
Expedition: Gießen, Seltersweg 83.
* Friedberg, 29. April. Hier wurde dieser Tage der erste Konsumverein gegründet, der über 250 Mitglteder zählt, hauptsächlich Post, Eisenbahn- und sonstige mittlere Beamte.
* Büdingen, 28. April. Zugunsten der durch den Zusammenbruch der Ober- Mochstädter Vorschuß- und Kreditkasse geschädigten Kassenmitglieder hat der Kaiser während seines Aufenthaltes in Homburg 500 Mart gespendet.
* Frankfurt, 29. April. Auf Einladung des Frankfurter Flugsportklubs waren die Vorstände aller Vereine Deutschlands, die sich die Pflege des Flugsports zur Aufgabe machen, hier zu einer Versammlung vereinigt, in der die Gründung eines Deutschen Fliegerbundes beschlossen wurde. Als Siß des Bundes wurde Frankfurt gewählt. Den Vorsiz bilden Prinz Albert von Schleswig- HolsteinGlücksburg, Major v. Parseval und Oberst Ilse, der Chef des Generalstabes des 18. Armeekorps.
In der Sitzung des Finanzausschusses der Bweiten Kammer am Mittwoch wurde zuerst Kenntnis von ber Stellung der Regierung zu der Vorstellung des Weißmann in Lindenfels in Betreff der Bahnlinie Bensheim- Lindenfels genommen. Die Interessenten haben befanntlich am 20. Februar d. J. in Bensheim eine sehr start besuchte Versammlung abgehalten und an Regierung und Landstände die Bitte gerichtet, dahin wirfen zu wollen, daß der Bau dieser Bahnstrecke noch in diesem Jahre in Angriff genommen werde; geschehe das nicht, so würden fapitalfräftige Industrielle die Gegend verlassen und ihre Werke mit Hunderten von Arbeitern nach auswärts verlegen. Die Bahn aber würde nicht nur die jetzt vorhande nen Kräfte erhalten, sondern den Konsum und die Produktion des Lautertals gewaltig steigern; Erport und Import würden zum Teil um das vier- und fünffache wachsen 2c. Finanzminister Braun gab namens der Regierung die Erklärung ab, daß sie bereit sei, das Bahnprojekt in jeder Weise zu fördern. Es handle sich bei dem Bau der etwa 20 Stilometer langen Strecke um die Ueberwindung erheb licher Schwierigkeiten und die Kosten der Bahn würden sich auf 3-3 Millionen Mark stellen. Früher habe der Staat gewöhnlich einen Zuschuß von 20 000 mt. pro Kilometer geleistet; nach dem jezigen Geset über die Nebenbahnen habe der Staat einen Zuschuß von 30 Prozent zu zahlen, sodas also hier eine Ausgabe von rund einer Million Mart in Frage komme. Die Regierung werde die Bewilligung dieser Summe in Anregung bringen, sobald das Bahnpro- Standesamt- Nachrichten der Stadt Gießen. jett eine festere Gestalt annehme. Im Ausschuß wurde gleichfalls auf die Notwendigkeit einer baldigen Ausführung der Bahn hingewiesen und beschlossen, auf Grund der Regierungsdarlegung die Vorstellung zu erledigen.
Der Landesverband der Bürgermeister in Hessen hat in einer Vorstellung an die Kammer das Ersuchen gerichtet, den Artikel 4 des Gesetzes über die allgemeine Einkommensteuer vom 12. August 1899 aufzuheben. Nach diesem Artitel sind Angehörige anderer deutscher Staaten sowohl, wie Reichsausländer, welche im Großherzogtum wohnen, im Falle sie nicht daselbst eine mit Erwerb verbundene Beschäftigung ausüben oder ausgeübt haben, erst alsdann zur Einkommensteuer heranzuziehen, wenn sie bereits ein Jahr im Großherzogtum gewohnt haben. Dieses Privile gium hält der Verband für die Landgemeinden von gro Bem Nachteil und für nicht mehr zeitgemäß. Im Anschluß wurde dagegen geltend gemacht, daß noch eine ganze Reihe von Gemeinden, z. B. an der Bergstraße, ein Interesse da ran haben, den neu zuziehenden die Steuerverhältnisse möglichst zu erleichtern. Minister Braun erkannte an, daß die Bestimmung des Artikels 4 einer Revision bedürftig sei; die Regierung sei geneigt, eine solche in Erwägung zu zie hen und geeignete Vorschläge zu machen. Der Ausschuß entschied sich dahin, auf Grund dieser Stellungnahme der Regierung beim Plenum der Kammer zu beantragen, die Borstellung für erledigt zu erklären.
Der Ausschuß vertagte sich darauf bis Mitte Mai, um alsdann die vom Abg. Dr. Gutfleisch zu bearbeitenden Po sitionen und weitere Punkte in Beratung zu nehmen.
Aus Hessen und Nachbargebiet.
* Schotten. Von 54 Gemeinden des Kreises Schotten erheben 1 über 200 Proz., 8: 175 bis 200 Proz., 21: 125-175 Proz., 10: 100-125 Proz. und 14 unter 100 Prezent Gemeindesteuerzuschlag. Von den größeren Ortschaften und Städten des Kreises erheben Gedern 111, Laubach 76, Schotten 102 und Ulrichstein 92 Prozent.
* Friedberg, 29. April. In dem Südviertel der Stadt find infolge der Verlegung des Bahnhofes bereits zahlreiche Geländeanfäufe teils von Spekulanten, teils von Reflektanten zur Erbauung von Geschäftshäusern vollzogen worden. Jetzt ist auch die Nachricht vom Reichspostamt eingetroffen, daß das neue Postgebäude direkt gegenüber dem neuen Bahnhof zu stehen tommt. Das Schicksal des Amtsgerichtsgebäudes ist auch soweit besiegelt; die Verlegung desselben in das Bahnhofsviertel ist nur noch Frage der Zeit. Täglich werden Landvermessungen in dem neuen Bauviertel vorgenommen und jeder sucht sich bei Beiten einen geeigneten Plab, bevor sich die Spekulation des ganzen Geländes bemächtigt und die Preise enorm in die Höhe treibt.
25)
Die Freundinnen.
* Frankfurt a. M. Die größten Vertreter der storchenähnlichen Vögel gehören der Gattung der Satteloder Riesenstörche an. Ein aus Indien stammendes, richtiges Paar dieser interessanten Vögel konnte fürzlich für die Stelzvogelsammlung des hiesigen Zoologischen Gartenz erworben werden. Auch weitere Neuerwerbungen des Gartens sind bemerkenswert, so das aus dem Breslauer 300logischen Garten stammende junge weibliche Mäh= nenschaf, ein Paar Tschufarhühner aus Turkestan und zwei neue Ba ßtölpel.
Samstag,
den 30. April 1910.
Kirchliche Nachrichten für Gießen. Evangelische Gemeinde.
Sonntag Rogate, den 1. Mai. Gottesdienst.
In der Stadtkirche.
Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Schwabe.
Zugleich Christenlehre für die Neutonfirmierten aus der Markusgemeinde.
Vormittags 9% Uhr: Professor D. Ec. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer D. Schlosser. Montag, den 2. Mai, abends 8 Uhr: Versammlung des Frauenvereins der Markusgemeinde.
In der Johanneskirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Ausfeld.
Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Johannesgemeinde.
Vormittags 9% Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer Bechtholsheimer. Donnerstag, den 5. Mai, Himmelfahrtsfest In der Stadtkirche. Vormittags 9% ühr: Pfarrer D. Schlosser.
In der Johanneskirch e.
Standesamt- Nachrichten der Stadt Gießen. Bormittags 9½ Uhr: Pfarrer Ausfeld.
Geborene.
April 18. Friseur Johann Friedrich Lotz eine Tochter.
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18. Metzger Gustav Alfred Jost ein Sohn, Ludwig Karl Franz.
20. Arbeiter Karl August Moos ein Sohn.
22. Kaufmann Wilhelm Hofmann eine Tochter, Gertrude Auguste Anna.
23. Wagenführer Karl Seibert ein Sohn, Heinrich.
24. Universitäts- Professor Dr. Hans Albrecht Paul Gerhard Fischer eine Tochter.
25. Schmiedemeister August Wilhelm Keppler ein Sohn, Werner Eginhard Karl.
25. Bäcker August Sauer ein Sohn, Ernst Karl Fried rich.
25. Eisenbahnschaffner Heinrich Herr ein Sohn, Heinrich Karl Ludwig.
25. Universitäts- Professor Dr. Ernst Heinrich Siegfried Garten eine Tochter, Gertrud Johanna.
26. Lehrer Friedrich Ost eine Tochter, Charlotte Ger= trude.
27. Schußmann Karl Happel ein Sohn, Karl. Aufgebote.
April 25. Karl Jödt, Steinmez, mit Marie Schüßler, beide in Gießen.
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25. Peter Wagner, Eisenbahn- Obersekretär, mtt Anna Ruckstuhl, beide in Gießen.
25. Georg Schneider, Fuhrmann, mit Luise Schäfer, beide in Gießen.
26. Karl Pattberg, Kaufmann, mit Sophie Jenzen, beide in Gießen.
26. Wilhelm Scheld, Maurer in Oppenrod, mit Barbara Elmsheuser in Oberwalgern.
28. Ludwig Emmelius, Fabrikant, mit Grethe Naumann, beide in Gießen.
" 28. Johann Heinrich Hausmann, Dienstknecht in Gie
Ben, mit Lina Meier in Angenrod.
28. Wilhelm Müller 4., Bahnarbeiter, mit Katharine Schmidt, beide in Großen- Buseck.
" 28. Heinrich Heymann, Gr. Oberlehrer in Oppenheim, mit Hedwig Schmidt in Gießen. Eheschließungen.
April 23. Ludwig Vogt, Meßgermeister, mit Karoline Meister, beide in Gießen.
Gestorbene.
April 22. Marie Kuhl, geb. Nell, 61 Jahre alt.
23. Anna Marie Schmall, geb. Webstein, 66 Jahr alt. 24. Elisabethe Keller, geb. Ruhl, 58 Jahre alt.
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25. Marie Philippi, 76 Jahre alt.
25. August Münter, Student, 23 Jahre alt.
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26. Lina Greiner, geb. Becker, 66 Jahre alt. 28. Karl Plant 3., Rentner, 74 Jahre alt.
Originalroman von Irene v. Hellmuth. ( Nachdruck verboten.)
Walter fiel ihr ungestüm in die Rede. ,, Bitte, ich habe Sie ja nicht nach Ihrer Freundin gefragt, mein Fräulein, und wenn Sie glauben, daß mich die Mitteilungen über Ihre Freundin interessieren, so sind Sie sehr im Irrtum!"
In der Tat, ich setzte ein gewisses Interesse Ihrerseits voraus. Nun, wie es scheint, habe ich mich geirrt. Und ich hielt mich für eine Menschenkennerin! Aber wenn ich Ihnen erzähle, was sich in den letzten Tagen alles ereignet hat auf Neunlinden, so wird Sie das dennoch überraschen, selbst wenn Sie es leugnen sollten!"
Maja blickte gespannt auf den jungen Mann, wie um die Wirkung ihrer Worte zu beobachten. Da Walter fein Wort erwiderte, fuhr sie mit leichtem Seufzer fort: Die arme Sylvia. Ihr täte eine kleine Abwechslung wirklich not. Ihr Vater war sehr frank, sie pflegte ihn mit großer Geduld und Aufopferung, Tag und Nacht wich sie nicht vom Lager des Kranken. Jezt geht es ihm etwas besser. Nun, hilft das noch immer nicht? Tut Ihnen das arme Mädchen nicht leid?" Er schüttelte den Kopf.
weiß nicht, was mich das alles angeht!"
Schweben ein Barbar! Herrgott, was so ein
Mann hartherzig sein kann! Also, nun kommt das schwere Geschütz!"
Walter, der während der Unterhaltung neben dem Wagen herschritt, hatte sich wohl schon ein Dugendmal vorgenommen, umzukehren. Dennoch tat er es nicht. Er lauschte begierig auf jedes Wort, das der kleine, lachende Mund aussprach. Maja bemerkte es wohl und sie ließ ihren vollen Uebermut an ihm aus. Sie spielte init ihm, wie die Kaße mit der Maus; sie wußte, es bedurfte nur eines Wortes und der Mann dort würde mit einstimmen in ihr Lachen, sein finsteres Gesicht würde sich aufhellen. Und dennoch zögerte sie mit der Enthüllung ihres Geheimnisses. War es wohlgetan, ihm alles zu sagen? Würde die Freundin nicht vielleicht später vergessen, würde er
25. Margarete Heydt, geb. Schuler, 74 Jahre alt. 25. Ludwig Kreis, 2 Jahre alt.
26. Karoline Georg, geb. Noll, 72 Jahre alt.
ihr auch treu bleiben? Würden durch ihr Schweigen den beiden nicht endlose Kämpfe erspart bleiben? Daß Walter Sylvia liebte, war Maja vollkommen flar, ebenso daß er wieder geliebt wurde. Was half es, die beiden von einander fern halten zu wollen? Sie würden über kurz oder lang dennoch zusammen kommen, denn so ein Verliebter weiß den Gegenstand seiner Sehnsucht doch zu finden, ob sich ihm auch Hindernisse aller Art in den Weg stellen. Walter war ja offenbar auf dem Wege nach Neunlinden; wenn er es auch leugnete, Maja wußte es besser.
Meine( arme Freundin ist sehr unglücklich", nahm die junge Dame nach einer kleinen Weile die Unterhaltung wieder auf. Ich hatte in den letzten Tagen meine liebe Not mit ihr. Sie ist nicht wegzubringen vom Bette des Vaters, und dabei mißt sie sich selbst die ganze Schuld an der Krankheit bei."
,, Sie hat ja ihren Verlobten, an ihm war es doch, sie zu trösten!"
Maja lächelte.
Ja d'en hatte sie eben nicht! Die Auflösung der Verlobung war eben die Ursache der Krankheit. Der alte Mann regte sich furchtbar auf, da Sylvia es war, die das Band löste"
Weiter kam Maja nicht. Mit einem einzigen kühnen Sprung hatte Walter sich in den Wagen geschwungen. Nun saß er neben ihr und hielt ihre Hand so fest umspannt, daß es sie schmerzte. Aus seinen Augen brach ein heller Strahl der Freude, sein ganzes Gesicht hatte sich mit einen Schlage verändert. Die Brust hob und sentte sich in raschen Atemzügen, es schien, als könnte er kein Wort hervorbringen.
Maja weidete sich an dem glücklichen Ausdruck dieser eben noch so finsteren Züge.
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,, D, mein Fräulein- habe ich wirklich recht gehört? Ist das möglich?- Bitte, sagen Sie, wie ging das zu? Ich kann es noch nicht fassen, es hat mich zu sehr überrascht! Ich konnte ja natürlich nicht ahnen- p Fräulein Maja, wie glücklich bin ich! Sie wußten, daß ich Ihre Freundin liebe? Daß sie mir über alles teuer ist?"
Maja nichte: Ich ahnte es!"
In der alten Friedhofstapelle. Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.
Katholische Gemeinde
Samstag, den 30. April. Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heiligen Beicht.
Sonntag, den 1. Mai, 5. Sonntag nach Ostern. Vormittags 6½ Uhr: Gelegenheit zur bl. Beicht. Vormittags 7 Uhr: Die erste heil. Messe. Vormittags 8 Uhr: Austeilung der heiligen Kommunion. Vormittags 9 Uhr: Hochamt mit Predigt.
Vormittags 11 Uhr: Heilg. Messe mit Predigt.
Nachmittags 2 Uhr: Christenlehre; darauf Muttergottes- Andacht.
Dienstag und Freitag, abends um 6½ Uhr: Mai- Andacht.
Freitag um 7 Uhr ist Segensmesse.
Mittwoch, den 4. Mai. Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heiligen Beicht.
Donnerstag, den 5. Mai.
Fest Christi Himmelfahrt. Vormittags 6 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht. Vormittags 7 Uhr: Die erste heilige Messe. Vormittags 8 Uhr: Austeilung der heiligen Kommunion. Vormittags 9 Uhr: Hochamt mit Predigt.
Vormittags 11 Úhr:" hl. Messe mit Predigt. Militärgottesdienst.
Nachmittags 2 Uhr: Feierliche Vesper mit Segen.
Methodisten- Gemeinde.
Wilhelmstraße 45. Sonntag, den 1. Mai.
Vormittag ½ 10 Uhr: Predigt.
Nachmittags 2-3 Uhr: Sonntagsschule.
Abends 8 Uhr: Predigt.
Donnerstag, den 5. Mai. Abends 9 Uhr: Bibel- und Gebetstunde.
Verantwortlich: Albin Klein, Gießen.
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Und weshalb sagten Sie mir nicht gleich, was geschehen war?"
Ich überlegte erst, ob es nicht besser wäre, Ihnen gar nichts zu sagen. Denn das dürfen Sie sich nicht verhehlen es wird einen schweren Stampf kosten, bis Sie sich die Geliebte erringen, wenn es Ihnen überhaupt gelingt. Die Familie ist von altem Adel und hält an den beralteten Traditionen fest-"
Ich nehme den Kampf auf was frage ich nach Kämpfen, nun ich weiß, daß Sylvia frei ist! Glauben Ste, daß ich auf Gegenliebe hoffen darf?"
Ueber sein hübsches offenes Gesicht glitt wieder ein besorgter Ausdruck, während er sich vorbeugte, um Majas Büge genau sehen zu können. Es war, als ipollte er ihr die Worte von den Lippen ablesen. Das Mädchen nickte lebhaft.
Ich glaube es, Herr Walter."
" Hat Sylvia bereits eine derartige Andeutung gemacht?"
Neino nein! Aber so etwas merkt man doch! Daß Ihr Erscheinen dazu beitrug, das ohnehin nur lose geknüpfte Band ihrer Verlobung vollends zu lösen, bezweifle ich feinen Augenblick. Sylvia hat vielleicht doch nicht den Mut besessen, die Verlobung aufzuheben, wäre ihr nicht die Erkenntnis gekommen, was wahre Liebe bedeutet. Nun verlebt sie natürlich schwere Tage, denn sie wird von allen Seiten bedrängt. Ihre Tante macht ihr das Leben tatsächlich zur Qual. Als die dann erfuhr, daß die Verlobung, die größtenteils ihr Wert war, wieder gelöst worden, da brach ein Sturm los, der jeder Beschreibung spottet. Sylvia sollte reumütig Abbitte leisten, ihren Verlobten zurückrufen, es wurde ihr sogar, falls sie sich weigerte, mit Ausweisung aus dem Hause gedroht; ich glaube, sie wäre längst gegangen, hätte der Vater ihrer nicht so dringend bedurft. Aber so lange derselbe nicht völlig hergestellt ist, wagt sie sich nicht fort. Glauben Sie nun, daß das arme Sind eine kleine Abwechs lung und Berstreuung dringend nötig hat und werden Ste nun fingen?"
( Fortsehung folgt.)


