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vorauszahlbar, vierteljährlich 1,20 Mt., durch die Post

1,50 Mt. frei ins Haus.

Donnerstags und Samstags.

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Erscheint Dienstags,

Zwei Extrabeilagen:

-

Humoristische Blätter" und die Neue Lesehalle", Redaktion: Itegen wöchentlich einmal gratis bei. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Telephon: Nr. 362.

Nr. 128.

Amtliche Bekanntmachungen.

Bekanntmachung.

Bei der am 22. d. Mts. vorgenommenen Verlosung der am 1. Januar 1911 zurückzuzahlenden Schuldver schreibungen der Stadt Gießen sind gezogen

worden:

a) vom 1893 er Anlehen Lit. 2. 60, 165, 217, 244, 252, 262

über 2000 Mr. Lit. M. 61, 75, 201, 236, 239, 285, 346, 375 über 1000 Mt. N. 5, 23, 50, 92, 145, 146, 164, 178, 213, 269, 271, 417, 445, 545, 612, 668

" 7

500

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" 1

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O. 76, 109, 134, 201, 247, 278

200

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. 80, 126, 171, 183, 249, 303, 328, 365

100

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b) vom 1894er Anlehen:

2. 326, 369

2000

"

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M. 413, 435

1000

!!

" 1

N. 947, 948, 974, 1044, 1047, 1084

500

"

17

O. 372, 394, 439

200

"

"

" 1

"

P. 402, 454, 544, 593

100

11

" 7

c) vom 1895 er Anlehen:

.425

" 1

M. 521

" 1

N. 1146, 1150

2000 1000 500

" 1

Die Verzinsung hört mit Ende Dezember 1910 auf. Die Einlösung fann bei der Stadtkasse Gießen und bei der Mitteldeutschen Kreditbank in Frankfurt a. M. und Gießen erfolgen.

Von den in vorhergehenden Jahren ausgelosten Schuld­verschreibungen sind noch nicht zur Rückzahlung vorgelegt worden:

Lit. N. 390, 626, 748.

Lit. O. 321.

Lit. P. 377, 531.

Gießen, den 23. September 1910.

Großh. Bürgermeisterei Gießen. Mecum.

Enthält alle amil. Bekanntmachungen

der Großherzoglichen Bürgermeisterei

des Großherzoglichen Polizei Amtes Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei( Albin Klein).

sowie vieler anderer

Donnerstag, 29. September 1910

ant

bürgerlichen Berliner Blätter aller Parteischattierungen be­stürmten die Liberalen und die konservativen Wähler bezw. Nichtwähler, bei der Stichwahl bis auf den letzten Mann ihre Schuldigkeit zu tun. Und was war das Ergebnis die­etwa ses Appells an den Patriotismus? Wohl haben 2800 Wähler mehr ihre Stimmen abgegeben, als bei der Hauptwahl, aber von diesen bisherigen Nichtwählern haben nur 1275 für den bürgerlichen, hingegen 1477 für den so­zialdemokratischen Kandidaten gestimmt. Der Appell die Nichtwähler hat also zur Folge gehabt, daß der brave deutsche Michel in Frankfurt a. D.- Lebus zum großen Teile zwar seine Schlafmüße abgenommen, aber da= für die Ballonmüße aufgesetzt hat. Wenn die Ermahnung an die Nichtwähler, ihre Bürgerpflicht zu er­füllen, kein besseres Ergebnis hat, ja dann wäre es eigent= lich doch wünschenswerter, sie zu unterlassen. Denn der Sozialdemokratie noch weitere Tausende von Wählern in die Hürden zu treiben, hat vom bürgerlichen Standpunkte aus eigentlich wenig zweck.

-

Der Fall von Frankfurt- Lebus zeigt, ein wie enormer Kontrast zwischen der Stimmung von 1907 und der heuti­gen besteht. Wir wollen an einem drastischen Beispiel zei­gen, wie damals der Appell an die Nichtwähler wirkte. Bekanntlich wurden bei den Wahlen von 1907 die vorher lange Jahre hindurch im Besitze der Sozialdemokratie be­findlich gewesenen beiden Breslauer Mandate von bürger­lichen Bewerbern gewonnen. Im Wahlkreise Breslau- Ost erhielt der gemeinsame Kandidat des Bürgertums 22 200 Stimmen, während bei den Wahlen von 1903 mehrere bür= gerliche Kandidaten zusammen nur 16 100 Stimmen auf sich vereinigt hatten. Es bedeutete also dies einen Stimmengewinn für das Bürgertum von 6100. Im Wahl­freise Breslau- West erhielt im Jahre 1907 der gemein= same bürgerliche Bewerber 21 100 Stimmen, während im Jahre 1903 mehrere bürgerliche Kandidaten zusammen

Die Stichwahl in Frankfurt a. Q.- Lebus 14 900 Stimmen bekommen hatten. In beiden Wahlkreisen

( Nachdruck verboten.)

Bei der Reichstagsersab- Stichwahl im Wahlkreise Frank­furt( Oder)-Lebus wurde der Sozialdemokrat Faber mit einer Mehrheit von 172 Stimmen gewählt. Für Winter ( ntl.) wurden 15 625, für Faber 15 797 Stimmen abge­geben. Bei der Hauptwahl fielen auf Faber 14 319, auf Winter 7754 und auf Dunkel( fons.) 6595 Stimmen.

Wir hatten vor der Wahl in Frankfurt a. D.- Lebus die pessimistische Auffassung gehegt, daß der Sozialdemokrat im ersten Wahlgange gewählt werden würde. Wir müssen

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stehen, daß wir jetzt nach dem Ergebnisse der Stichwahl wohl wünschen möchten, unser Pessimismus hätte recht be­halten. Denn der Verlust des Wahlkreises an die Sozial­demokratie in der Stichwahl ist, wenn man näher zuſieht, aus einem Grunde erfolgt, der dem Bürgertum die denk­bar ungünstigsten Aussichten für die nächsten allgemeinen Wahlen eröffnet. Als Fürst Bülow im Dezember 1906 den Reichstag auflöſte, ging er von dem Saße aus:" Fiectere si nequeo Superos Acheronha movebo". Ins Wahlpolitische übersetzt, würde dieser Satz eta bedeuten: Wenn ich nicht die politisches Interesse hegenden Schichten der Wähler ge= winnen tann, so muß ich den Untergrund in Bewegung zu setzen suchen, nämlich die trägen Massen der Nichtpolitiker". Diese Spekulation täuschte den damaligen Reichskanzler nicht, denn wenn es gelang, die Sozialdemokratie zu be­siegen, so war dies nicht der Fall, weil etwa sozialistische die Sozi­Wähler zum Bürgertum übergegangen waren aldemokratie erhielt ja 1907 noch eine Viertelmillion mehr, als 1903 sondern weil viele Hunderttausende bürger= licher Wähler, die sich sonst nicht an die Wahlurne bemüht hätten, am 25. Januar und 5. Februar 1907 ihr Wahl= recht ausübten. Dies war auch der Grund, weshalb wohl gelang, der Sozialdemokratie eine erhebliche Schlappe beizubringen, nicht aber dem Zentrum. Denn die Sozial­demokratie besitzt eine große Menge zweifelhafter Wahl- kreise, in denen 2000 bis 4000 bürgerlicher Stimmen ge­nügen, um den Sozialdemokraten den Wahlkreis zu reißen. Das Zentrum hingegen besitzt zum weitaus größ­ten Teil solche Wahlkreise, in denen es nicht gefährdet ist, wenn einige Tausend bisheriger Nichtwähler nunmehr für Denn die Mehrheit die Gegner des Zentrums stimmen.

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ent­

des Zentrums in diesen Wahlkreisen ist so enorm, daß sie auch durch einige Tausend gegnerischer Stimmen nicht mehr erschüttert wird.

Gelang es nun 1907 dem Fürsten Bülow, die Partei der Nichtwähler mobil zu machen, so ist dieser Versuch im Wahlkreise Frankfurt a. O.- Lebus vollständig miß­Iungen. Nicht nur die bürgerliche Presse des Wahlkrei­das ja nur ses selbst, sondern die in Frankfurt a. O.- wenige Meilen von Berlin entfernt liegt vielgelesenen

-

zusammen betrug mithin der Stimmenzuwachs des Bürgertum 3 12 300. Der sozialistische Bewerber im Wahlkreise Breslau- Ost erhielt im Jahre 1907 nur 16 500 gegen 17 600 im Jahre 1903, sein Stimmenverlu st dabei betrug mithin 1100. Im Wahlkreise Breslau- West entfielen auf den sozialistischen Kandidaten im Jahre 1907 nicht mehr als 19 700 Stimmen gegen 17 500 im Jahre 1903. Zieht man von dem sozialistischen Stimmengewinn in Breslau- West von 2200 Stimmen den Stimmenverlust von 1100 in Breslau- Ost ab, so gewann die Sozialdemo­fratie im Jahre 1907 in beiden Breslauer Wahlkreisen zu­sammen nur 1100 Stimmen gegen 12 000, die das Bür­gertum erhielt. Wir meinen, daß ein schreiender Gegensatz wie zwischem diesem Ergebnisse des Appells an die Einig­keit des Bürgertums im Jahre 1907 und dem traurigen Re­sultate desselben Appells am 26. September 1910 in Frant­furt' Lebus schlechterdings nicht denkbar ist. Gerade deshalb stimmt uns, wie wir im Eingange dieser Betrachtung sag= ten, das Wahlergebnis in Frankfurt a. D. ganz besonders traurig, denn wenn man sich das Resultat der Einigkeits­parole bed den nächsten allgemeinen Wahlen im ganzen Reiche ebenso denkt, so würden ja recht erfreuliche Wahlen herauskommen.

Freilich wäre noch ein anderes denkbar. Wäre es näm­lich nicht möglich, daß die 2800 Stimmen der Nichtwäh­ler" gänzlich dem bürgerlichen Kandidaten Winter zugefal­Yen sind? Dann aber würde das Resultat der Stichwahl nichts anderes besagen, als daß etwa 1500 Stimmen, die im ersten Wahlgange dem konservativen Kandidaten zuge­fallen waren, diesmal für den Sozialdemokraten abgegeben worden waren. Ist dies zutreffend, so müssen wir sagen, daß es ein erwünscht schwacher Trost wäre, denn es würde dann zwar nicht unsere oben dargelegte Auffassung von der bedenklichen Stimmung der Nichtwähler gerechtfertigt sein, aber es würde andererseits gewiß sein, daß der Appell der Einigkeit bei den Wählern nur zum Teil befolgt wird. Wie man also die Sache auch dreht und wendet, das Er­gebnis der Reichstagsersabwahl in Frankfurt a. D.- Lebus ist ein ungemein unerfreuliches.

Ein Straßenkampf in Berlin.

Am Montag ist es in Berlin bei den Reibereien zwischen Arbeitswilligen und Streifenden zu schweren Zu­sammenstößen gekommen. Im wesentlichen handelt es sich um Arbeitswillige der Kohlenfirma Kupfer u. Co. in Ber­lin- Moabit, bei welcher fürzlich ein Streif ausgebrochen ist. Als mittags mehrere leere Kohlenwagen, mit denen Ar­beitswillige nach ihrer Arbeitsstätte verbracht wurden, nach dem Kohlenplatz in die Sickingerstraße zurückkehrten, wur den die Kutscher eines Wagens von Arbeitern der Löwe­

( Gießener Tageblatt)

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21. Jahrg.

schen Fabrik, die sich gegenüber dem Kohlenplatz befindet, mit Steinen beworfen. Die polizeiliche Begleitmannschaft, verstärkt durch Wachmannschaften, ging energisch gegen die Angreifer vor und trieb sie auf das Löwesche Fabrikgrund­stück zurück. Da sich das Werfen mit Steinen vom Hofe des Fabrikgrundstückes gegen die Schußmannschaft fortsette, ging diese mit blanker Waffe vor und räumte den Vorhof.

Die Polizei, die den Kohlenplatz von Kupfer u. Co. mit 2 Offizieren und 50 Mann abgesperrt hatte, trat dem Ansturm der aufgeregten Menge mit der blanken Waffe entgegen. Als dann aus der Mitte der Tumultanten her­aus mehrere Revolverschüsse fielen, war das Signal einer förmlichen Straßensch I acht gegeben. Es dauerte etwa eine halbe Stunde, che alle Straßenzüge ge­räumt und für den Verkehr gesperrt waren. Gegen 9 Uhr abends hatten sich wiederum in der Sickingerstraße und in den Querstraßen eine gewaltige Menschenmenge angeſam­melt, die unter Johlen gegen die Beamten vorging. Ein Leutnant wurde durch einen Steinwurf am Kopf schwer verletzt. Kurz nach 12 Uhr sammelte sich in der Beusselstr. an. Die Polizei wieder eine sehr große Menschenanenge an. war fast völlig machtlos. Mit den Feuermeldern wurde Mißbrauch getrieben. Gegen 21 Uhr wurde die Reform­Kirche in der Beusselstraße von der Menge ge stürmt. Die Polizei hatte inzwischen Hilfsmannschaften herbeigeholt und rückte gegen die erregten Massen mit der blanken Waffe vor. Die Zahl der verletzten Polizeibeamten wird auf 38 angegeben. Die Zahl der verletzten Erzedenten ist entsprech­end groß. Von den Verhafteten werden sich einige wegen Landfriedensbruches zu verantworten haben.

Am Dienstag nahmen mit dem Einbruch der Dun­heit die Streiftrawalle blon neuem einen bedrohlichen Charakter an. Zum ersten ernsten Zusammenstoß tam es an der Ecke der Wicklef- und Beusselstraße. Mit dem Säbel in der Hand stürmten die Beamten, von ihren berittenen Kollegen begleitet, die Straße hinunter, trieben die johlende Menge vor sich her und verletzten mehrere Personen durch Säbelhiebe. Nach kurzer Zeit war es gelungen, die Straße zu säubern. Später kam es zu einem scharfen Zusammen­stoß an der Erasmusstraße. Dort wurde verschiedentlich auf ge= Offiziere und Mannschaften geschossen, jedoch niemand troffen. Auch das übliche Steinbombardement fehlte nicht. Der Tumult erreichte um 10% Uhr an der Beusselstraße, Ecke Sickingerstraße, seinen Höhepunkt. Um diese Zeit hat­ten sich reichlich 4000 Personen, darunter sehr viele Frauen und Mädchen an der bezeichneten Stelle versam melt. Der Polizeileutnant forderte die Menge dreimal auf, auseinanderzugehen. Diese johlte um so stärker und fing In nun an, mit Steinen aul die Schuhleute zu werfen. dem gleichen Augenblick öffneten sich zahlreiche Fenster der Häuser und ein wahrer Hagel von Bier- und Seltersfla­schen prasselte auf die Beamten nieder. Dazwischen wurden Die Polizei zog brennende Feuerwerkskörper geschleudert.

blank und attackierte die Erzedenten, die unter fortwähren­den Steinwürfen und Schüssen langsam zurückwichen. Der Polizei- Offizier ließ die Browning- Pistolen ziehen u. wie­derholt Schüsse auf die Menge und die Fenster, aus denen die Wurfgeschosse tamen, abgeben. Ein großes Polizeiauf­gebot wurde hinzugezogen und Schußleute zu Pferde ritten eine Attack e. Das half endlich. Nach wenigen Minu­ten war die Straße leer. Man rechnet mit annähernd 100 Verletzten.

In den Morgenstunden des gestrigen Tages war es in den Straßen von Moabit ruhig. Die nach dem La­gerplatz der Firma Kupfer u. Co. führenden Straßenzüge, insbesondere die Sickingerstraße, wurden durch eine Schuß­mannsfette gesperrt.

Der Transportarbeiter- Verband teilte der Firma Kup­fer u. Co. mit, er sei zu Verhandlungen geneigt. Der Kohlenhändler- Verband beschloß jedoch, mit ihm nicht zu verhandeln, dagegen setzte sich der Arbeitgeber- Verband zwecks Verhandlungen mit den Arbeitern mit dem Magi­stratsrat b. Schulz in Verbindung. Er stellte auch eine Lohnerhöhung in Aussicht. Zu den Verhandlungen selbst ist es noch nicht gekommen.

Zum Barenbesuch in Friedberg.

Folgende seltsame Begebenheit trug sich, wie erst jetzt bekannt wird, bei der Anwesenheit des Zaren in Frankfurt a. M. zu:

Während seines Aufenthaltes im Zoologischen Garten folgte dem Zaren ein Mann, der sich als russischer Offizier ausgab und den Kriminalbeamten sagte, er müsse den 3a­ren unbedingt persönlich sprechen. Die Beamten sagten ihm, daß das nicht möglich sei; wenn er eine Bittschrift habe,