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das auch von Ihnen erwartet. Und nun Kopf in die Höhe! Tun Sie das Ihrige und überlassen das Weitere vorerst unserm Herrgott! Die Jungen wollen doch auf ihre eigene Art glücklich oder unglücklich werden. Wir haben es nicht besser gemacht, als wir jung gewesen sind, und sollen das nicht vergessen."
Frau Anna war es weich und still ums Herz geworden. Sie sah schweigend hinaus auf das Wasser. Die Sonne war hinter eine dunkle Wolkenbank gesunken, deren Saum sie nun purpurn und goldig färbte, und über allem lag eine große, weiche Harmonie und ein tiefer Frieden.
Frau Anna hatte die Hände gefaltet." Ja, mein Freund," sagte sie nun leise, ich verstehe Sie wohl, und recht haben Sie auch. Wir sollten so sein wie dieser Herbsttag, so weich und klar und mild, wir alten Frauen mit den jungen Herzen. Und doch kommen die unruhvollen Wünsche und Stimmungen immer wieder über uns."
„ Wir dürfen und sollen für uns und andere wünschen, Anna, solange wir leben," sagte er ernst. ,, Es gilt nur, die Wünsche in das rechte Licht zu rücken, in das milde, klare Herbstlicht in das Licht der Ewigkeit, der wir beide nun schon nahe sind, Anna!" Sie nickte wehmütig.
" Ja, es wird Abend um uns und Herbst und Winter. Die Blätter fallen ab, eins nach dem andern." ,, Aber danach kommt der große Frühling, Anna. Und was lebenskräftig ist, lebt weiter, irgendwann, irgendwie, irgendwo !"
Er blickte hinaus, weit über die See ins Abend rot. Frau Anna legte ihre rechte Hand fest in die seine.
Auf einmal bückte sie sich und nahm mit den Fingerspitzen der Linken vorsichtig von einem gelben Farrenkraute ein paar feine weiße Fäden auf. Die Augen noch voll Tränen, aber ein schelmisches Lachen um den Mund, zeigte sie ihrem Gefährten das Spinngewebe:" Ja, ich verstehe Sie schon und möchte es auch gern im Leben noch zu einem netten, richtigen Altweibersommer bringen. Bei Ihnen ist mir eben schon ganz gut und still ums Herz geworden."
„ Sie können's noch werden, Frau Anna", sagte er lachend.„ Sie haben wirklich das Zeug zu einer lieben, alten Frau, und ich hoffe, noch recht meine Freude an Ihnen zu erleben!- Und nun geben Sie mir Pflegevaterrechte an Hilde sie wird schon damit einverstanden sein! Ich möchte mir nur ein ganz kleines Anrecht auf ihr Leben und Lieben gewinnen mag sie dann heiraten, wen sie will! Und wenn es Ihr Junge ist, Frau Anna, so soll es mich von Herzen freuen, um der alten Zeiten willen!"
Die Kommerzienrätin wollte antworten, da hörten sie junge Stimmen fröhlich sprechen.
„ Wir sind ganz kühn am Abhange heraufgeklettert," rief der Leutnant. Was für ein ideal schöner Herbsttag war das heute!" Mit heißen Wangen und hellen Augen kamen die beiden jungen Menschen auf das alte Paar zu.
Frau Anna ging ihnen freundlich entgegen. Schön, daß Ihr es so genossen habt, Kinder! Aber nun wird es auf einmal kalt, und wir müssen heim. Gehen Sie nur mit Oskar wieder voraus, Hilde, wir Alten kommen schon miteinander nach!"
Sie wollte des Professors Arm nehmen, als ihr Sohn zu ihr herantrat und halblaut und ziemlich verlegen sagte: Ach, Mutter, ich möchte wohl mit Dir gehen bitte! Verzeihen Sie, Herr Professor, aber ich dachte, ich habe--
Er war rot geworden und stotterte. Das war etwas so Außergewöhnliches bei diesem Herrn Leutnant, daß seine Mutter ihn ganz besorgt und erstaunt anblickte. Ueber des Professors Gesicht flog es wie ein lustiges Leuchten.
,, Natürlich überlasse ich Ihnen Ihre Frau Mutter mit größtem Vergnügen. Auf Wiedersehen, Frau Anna!"" Und nun kommen Sie mal zu mir, Kindting!" sagte er dann zu Hilde, die etwas abseits stand und auf die See hinausblickte. Sie wandte ihm ihr glühendes, scheues, reizendes Gesichtchen zu. Er legte ihren Arm in den seinen.
" So, mein kleines Fräulein, nun wollen wir beide einmal miteinander wandern! Unser Leutnant hat seine Mutter ja im Sturmschritt entführt, da müssen Sie schon mit mir vorlieb nehmen! Haben Sie ein klein wenig Vertrauen zu mir? Dann beichten Sie mir mal alles! Hat der Schlingel, der Oskar, Ihnen heute gesagt, was ihm schon lange im Herzen und auf der Zunge brannte? Und Sie haben nicht nein gesagt? Sehen Sie, Hilde, meine alten Augen sind ganz scharf, das habe ich Ihnen vorhin gleich angesehen! Nicht weinen, Kindting nicht weinen also Sie haben ihn lieb und möchten seine Frau Leutnant werden?-- Oh, Sie könnens mir ganz ruhig sagen, denn ich habe Sie vorhin feierlich als mein Pflegetöchterchen adoptiert; Frau Anna weiß schon darum. Sehen Sie, Hilde, ich bin so ganz allein und möchte wohl die Freude haben, auch einmal ein frisches junges Menschenkind ein wenig lieb haben und verwöhnen zu dürfen. Wir sind ja von Anfang an so gute Freunde gewesen, Hilde, daß ich fest hoffe, Sie schlagen mir diese Bitte nicht ab. Wollen Sie mir vertrauen, Kind?"
Hilde schlang beide Arme um des alten Herrn gebeugten Nacken. Ihr junger blonder Kopf lag an seiner Schulter, und alle Spannung und Aufregung der letzten Zeit machte sich nun Luft in Tränen und vielen abgebrochenen, halb unverständlichen Liebes- und Dankesworten.
Der Professor strich ihr beruhigend über das helle Haar.„ Pst, Kindchen- ruhig sein! Sie sind ja bisher immer so stramm und stolz gewesen! Nur den Mut nicht verlieren! Wenn Ihr Euch lieb habt, Ihr beiden, dann sollt Ihr Euch haben! Dazu bin ich da. Ruhig, ruhig, mein Töchterchen! Und seine Mutter hat das Herz auch auf dem rechten Fleck wird noch alles, alles gut, mein Herzenskindting."
Drei Tage später. Die große Dampffähre führ von Altefähr auf Rügen hinüber nach Stralsund. Es war ein kalter, windiger Herbsttag. Ueber der alten, türmereichen Stadt Stralsund standen die grauen Wolken dicht und tief. Der Leutnant und seine Braut hatten einen ruhigen Platz hinter der hohen Maschine gefunden. Er hatte sich in den paar Tagen schon ganz in die fürsorgliche Würde eines Bräutigams eingelebt. Es war, als ob er mehr Maß, Ruhe und Halt gefunden hätte.
Das Bräutchen war noch ein wenig scheu und unsicher, aber das Glück leuchtete ihr aus den Augen.
Das junge Paar plante währenddessen ein Wiederkommen miteinander, als junges Chepaar. Vorerst kam nun freilich eine Trennung, bis Weihnachten. Zur Verlobung beim Feste hatte der alte Professor sein Kommen versprochen, unter der Bedingung, daß Hilde ihn dann für längere Zeit nach Berlin begleite. Und nach dem Manöver im nächsten Herbste sollte Hochzeit sein!-
" Wie ſtattlich ist dies Stralsund, aber es sieht so ernsthaft, fast traurig aus!" sagte Frau Anna zum Professor. Der nickte.„ Es liegt über der alten, tapferen Stadt wie Schatten der Vergangenheit und Erinnerung an viele harte Zeiten macht es ernst und stolz!"
das
Sie blickten lange zur Insel hinüber, wie um Abschied zu nehmen.
Es ist schön gewesen," sagte Frau Anna innig. Mag nun kommen, was will, es muß auch gut so gewesen sein für uns und für die Kinder! Ich danke Ihnen, mein alter Freund!"
Nach einem Gemälde von R. de Witt.
Die Kaffeeschwestern.
Motto: Was harmlos oft ein armer Junge, ein junges Mädchen still pollbringt, Der Kaffee schlägt es an die Zunge, daß es erbaulich weiter klingt.
Renzsonnenstrahlen freundlich schienen,
Die Zungen spielten flink und glatt, Und draußen hinter den Gardinen Ruht friedlich die bedrohte Stadt. " Den Oberlehrer, Moritz heißt er, Hat seine Frau zu Tod geplagt; Die Erika vom Bürgermeister Hats im Vertrauen mir gesagt. Die junge Frau vom Kantor Becker Die dauert mich,' s ist wirklich wahr; Ist der ihr Mann ein arger Schlecker! Sie kauft ihm gestern Kaviar.
Und bei dem Schlossermeister Hammer, Hm, ist ein neuer Altgesell;
Bei dem wars auf der Bodenkammer Am Sonntag bis zum Morgen hell. Vorm Stadttor in der Rosenlaube Fand jüngst der Gärtner einen Zopf; Die Else Strumpf, soviel ich glaube, Hat ziemlich dünnes Haar am Kopf." So tauscht mit traulichem Geflüster Beim Kaffee man manch liebes Wort, Und als es allgemach ward düster, Setzt man es bei der Lampe fort."
Georg von Rohrscheidt.
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