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ausgesetzt, einen Zuschuß von 20 Prozent des durchschnitt­lichen Verdienstes der letzten 3 Jahre oder, falls dieser we­sentlich unter dem früherer Jahre stehen sollte, 20 Prozent des früheren normalen Arbeitsverdienstes. Als Weihnachts­gabe erhalten die Witwen Kolonialwaren und je nach der Kinderzahl 10 bis 15 Mart in bar. Ein dauernder Ver­dienst wird ihnen durch Säckeflicken gewährt, und zwar be­trägt dieser je nach der Zahl ihrer schulpflichtigen Kinder 10-15 Mart für die Woche. Den Wöchnerinnen der Ar­beiter wird auf die Dauer von 10 Tagen eine Wartefrau gestellt, ebenso erkrankten Arbeitern und deren Angehörigen im Bedarfsfalle.

zum größeren

von Arbeiterangehoeroen stosten für die Pflege

Teil, wie auch der Aufwand für spezialärztliche Behandlung derselben von der Unterstützungskasse übernommen. Ueber­haupt ist diese Kasse als eine Ergänzung der Fabrikkran fentasse aufzufassen ünd tritt überall dort ergänzend ein, wo diese nach ihren Statuten nicht oder nicht mehr zu= ständig ist.

Verschiedene Firmen gewähren ihren Arbeitern Er= holungsurlaub. Arbeiterspeiseanstalten und Volksküchen sor­gen vielfach für eine gute und billige Ernährung der Ar­beiter. Soweit die bisherigen Erfahrungen reichen, lassen die Wohnungen der Heimarbeiter und Hausgewerbetreiben­den vielfach zu wünschen übrig, so namentlich die Wohn­und Arbeitsräume der Zigarrenheimarbeiter und Tabatrip­per. Nach Infrafttreten des demnächst zu erwartenden Heimarbeiterschußgefeßes eröffnet sich den Gewerbeaufsichts­beamten ein weiteres reiches Arbeitsfeld, das die Beamten namentlich in den ersten Jahren nach dem Erlaß nicht we­nig in Anspruch nehmen wird.

Hessischer Landtag.

Am Dienstag vormittag traten beide Ständekammern nochmals zu Plenarsizungen zusammen.

Die Erste Kammer beschäftigte sich zuerst mit der 9. Hauptabteilung des Just i zetats und bewilligte die für die Land- unds Amtsgerichte angeforderte Summe von 2 431 738 Mt., beschloß jedoch, dem Beschluß der zweiten Kammer auf Bewilligung von 15 Amtsrichterstellen auf den Inhaber nicht beizutreten. Die übrigen Kapitel des Ju­stizerats wurden ohne Debatte nach den Beschlüssen der Zweiten Kammer genehmigt.

Es sand darauf zunächst eine Generaldebatte über den Etat statt. Nach einigen einleitenden Bemerkungen des Ausschußreferenten Graf v. Erbach- Fürstenau wandte sich Frhr. v. Heyl zu Herrnsheim in län geren Ausführungen gegen die Darstellungen in der Presse über die Beschlüsse des Finanzausschusses der Ersten Kam­

mer.

Die 3 weite Sammer fam erst um ½ 12 Uhr zu sammen und erledigte, da sämtliche Regierungsvertreter in der Ersten Kammer waren, zunächst einige Hauptvorlagen. Zu Beginn der Sizung sprach Vizepräsident Korell dem Abg. Ülrich zu einem 25jährigen Jubiläum die Glück wünsche der Kamnier aus.

Abg. Ulrich dankte für die Beglückwünschung und erklärte, daß er auch in Zukunft der Alte bleiben werde.

V

Das Haus trat, sodann in die Tagesordnung ein und vollzog zunächst die Bereidigung des neugewählten Abge= ordneten Bach Mainz. Die Vorstellungen des hessischen Landesvereins für Toteneinäscherung zu Darmstadt und der Feuerbestattungsvereine zu Offenbach, Mainz und Worms wurden auf Antrag des Abg. Fuld a dem Ausschuß über­wiesen. Ebenso eine Vorstellung des Landesgewerbever­eins über das Fürsorgegesetz für Gemeindebeamte

jahr in Einnahmen und Ausgaben mit 1714,76 Mt. ab, eine Bilanz, die gegenüber dem Vorjahre insofern günsti­ger ist, als das am 1. Januar 1909 444,48 Mr. betra­gende Vereinsvermögen am 1. Januar 1910 die Höhe von 618,02 Mt. erreichte, welche Summe dem Verein in dem neuen Geschäftsjahr nicht wenig zu statten tommen dürfte.

Da aus dem Vorstande die Herren Menzel, Sack, Leun, Simon und Brück ausscheiden und außerdem die Wahl eines Ersaßmannes vorzunehmen war, so erwies sich ein Wahlgang als notwendig, welcher die Wiederwahl sämtlicher Vorstandsmitglieder ergab, während als Ersay­mann Herr Bäckermeister Frey neu in den Vorstand ein­

trat.

Bei dem Punkt: Vergebung städt. Arbeiten und Lie­ferungen" beklagte sich Steinbruchbesitzer Nickel über die zu geringe Berücksichtigung von Angeboten Gießener Bür­ger bei den öffentlichen Ausschreibungen. Derselben Ansicht liehen die Ausführungen des Rechtsanwalts Ra a b Aus­druck, welche sich namentlich mit den Papierlieferungen, den städtischen Schlosserarbeiten und den Lieferungen für die Kanalisation beschäftigten, bei welchen die Stadt auch die auswärtigen Firmen bevorzugt habe. Der Redner schloß mit der Bemerkung, daß eine Differenz zwischen dem Ge­bot der einheimischen Gewerbetreibenden und der Mindest= forderung Auswärtiger nicht ausschlaggebend sein dürfe. Dazu nahm Stadtv. Löber das Wort, indem er aus­führte, daß er auch auf dem Standpunkt stehe, daß bei einem kleinen Abstand des einheim. Angebotes von dem aus­wärtigen Mindestbietenden die Stadt den Einheimischen den Zuschlag geben solle. Agent Schmidt meinte, daß das Verhaltnis der Ausschüsse zu den Stadtverordneten zu wünschen übrig lasse und daß das Verfahren bei den Lie­ferungen vornehmlich auf die mangelhafte Unterrichtung der Stadtverordneten zurückzuführen sei. Das eigenste In= teresse der Stadt erheische eine einfachere Gestaltung des Verkehrs zwischen Bürgertum und Stadtverwaltung. Stadtv. Troß rügte den schwachen Besuch der Stadtver­ordnetenversammlungen und schloß sich der Ansicht des Agen­ten Schmidt bezüglich der mangelhaften Kenntnis der Vor­lagen bei den Stadtverordneten an.

Den Ausführungen des Frhrn. v. Heyl gegenüber er­widerte Minister Dr. Braun eingehend. An der weiteren Debatte beteiligten sich Graf Kuno zu Stolberg­Roßla, Fürst zu Isenburg- Birstein, Finanz­minister Dr. Braun und Ministerialrat Süffert. Zum Schluß wurde eine von dem Fürsten zu Isenburg­Birstein vorgeschlagene Resolution angenommen, die dahin geht, die Regierung zu ersuchen, tunlichst bald eine Kommission aus Vertretern der Ersten und zweiten Kam­mer unter zuziehung von Sachverständigen aus Kreisen der Beamten zu bilden, die Vorschläge über die Neuorganiſa= tion der Staatsverwaltung machen soll.

Bürgerverein Gießen.

Am Dienstag, Abend hatte der Bürgerverein seine Mit­glieder zu der diesjährigen Hauptversammlung eingeladen. Jahresbericht, Rechnungsabiage, Vorstands= wahl, Vergebung radt. Arbeiten und Lieferungen, elektri­sche Straßenbahn, and Stadtverordnetenwahlen standen auf der Tagesordnung." ist dies alles eine Fülle, die so recht Zeugnis von der vielseitigen Wartsamkeit des Bürger­vereins ablegt, der Gießener Bürger deshalb wohl

nicht ohne Gra zu Tag mehr Interesse entge=

an=

genbringen muß. Gießen kann sich im Vergleich zu deren Städten aufrichtig freuen, daß die Verhältnisse zu einem für jedermann so segensreichen Zusammenschluß der Bürger in einem Burgerverein geführt haben, dessen vor­nehmiste Aufgabe darin besteht, die Interessen der Bürger zu wahren ohne jedoch hierbei das augemeine Interesse zu vergessen.

Auf Vorschlag des Vorsitzenden beschloß die Versamm­lung, die hinsichtlich der städtischen Lieferungen vorgebrach­ten Beschwerden der Stadtverwaltung in einer Eingabe zu unterbreiten.

Nicht minder wichtig war der nächste Punkt: Elet­trische Straßenbahn, welchen Herr Kommerzien rat Mueller in einem längeren Vortrage behandelte. Wir entnehmen demselben folgendes: Unser aller Interesse ist es, die Straßenbahn zu fördern. Wenn nun aber die Bahn in den Straßen eine größere Schnelligkeit entwickelt, so negt das weder im Wunsche der Bürger noch im In­teresse der Stadtverwaltung. Denn während das allzu schnelle Fahren einerseits mannigfache Gefahren für die Bürger mit sich bringt, führt es andererseits auch zu einer geringeren Benußung der Bahn, weil es den Bewohnern teine Gelegenheit zum Aufsteigen bietet. Die Führung des Minuten- Verkehrs bis zu den Kasernen werden viele Burger gewiß mit Freude begrüßen. Die heutige Inan­spruchnahme der Straßenbahn erheischt ferner eine mehrung der Haltestellen und auch die Anbringung der Haltestellenschilder läßt insofern zu wünschen übrig, aus sich derartige Schilder immer noch in mehr oder minder großer Höhe an den Häusern befinden. Ganz besonders notwen­dig ist bei Nacht die Kenntlichmachung des Vorder- und Hinterteiles der Wagen durch verschiedenfarbige Laternen, um jedermann sofort über die Fahrtrichtung zu unterrich­

ten.

Ver­

es vollkommen richtig, daß der Bürgerverein selbständig vorgeht. Denn auf diese Weise wird er am ehesten für eine gute Vertretung der Bürger bei der Stadtverwaltung sorgen tönnen. Prof. uley: Wir sind nicht sicher, ob die Sozialdemokratie mit dem Bürgertum geht. Die Be schlüsse der oberhessischen Sozialdemokratie lassen wenig­stens das Gegenteil vermuten. Aus diesem Grunde wird wohl auch das Bürgertum das Vorgehen des Bürger- Ver eins um billigen. Denn gerade dieser Plan führt zu der Zersplitterung, die nur den Sozialdemokraten zugute tommen wird, welche ganz sicher mit eigenen Kandidaten in den Wahlkampf treten wird.- Valentin Müller: Der Bürgerverein will nicht gegen eine bestimmte Partei kämpfen, sondern nur dem Stadtparlament geeignete Män ner zuführen, deren Bestreben es einzig und allein ist, die Rechts­Entwickelung der Stadt nach Kräften zu fördern. anwalt Ra a b: Ich vertrete den Standpunkt, daß die Stadtverordneten über den Parteien stehen müssen. Es läßt sich ja auch heute noch nicht sagen, ob ein Zusammen­gehen im Herbst überhaupt möglich ist. Wenn dies wirk­lich der Fall sein sollte, dann läßt sich mit Bestimmtheit erwarten, daß die Interessen der Stadt nicht die gebührende Berücksichtigung finden werden. Dr. Kraus mül­

Herr Oberlehrer Dr. Krausmüller schloß sich den Ausführungen des Vorredners im allgemeinen an, aber hielt jedoch eine Vermehrung der Haltestellen nicht für not­wendig. Die gleiche Ansicht äußerte Herr Hilde= brandt, der außerdem für die Einführung des Mi­nuten- Vertehrs der Straßenbahn statt des bisherigen 15 Minuten- Verkehrs an den Vormittagen eintrat. Stadtv. Plank rügte die Anbringung der Straßenbahnschilder und wies darauf hin, daß die Bahn ja erst ihre Licht- und Schattenseiten zeigen solle und daß sie vorerst als ein Pro­Rechtsanwalt Raab be­visorium zu betrachten sei. grüßte die Weiterführung der Straßenbahn nach Wieseck im Hinblick auf die bessere Verzinsung der grünen Linie. Auch die rote Linie werde durch den Anschluß von Klein- Lin den gewinnen.- Hotelier I askowsky bedauerte die Nichtausgabe von Abonnementskarten, welche der Bahn ganz sicher zu einem glänzenden Bestehen verhelfen würden. Nacy weiteren Ausführungen der Herren Kommerzienrat Mu e l- ler und Bäckermeister Frey beschloß die Versammlung, hinsichtlich der Straßenbahnverhältnisse bei der Stadt vor­stellig zu werden.

Des größten Interesses bei unseren verehrlichen Lesern dürfte die Stellungnahme des Bürgervereins zu den Stadtverordnetenwahlen.

Ier: Ich möchte hier der Meinung Ausdruck geben, daß auf das Rathaus im allgemeinen nicht Parteipolitit ge­höre, ich kann aber nicht Herrn Rechtsanwalt Raab darin beipflichten, daß die Vertretung des Bürgertums über der Politik stehen soll. Denn es ist im Hinblick auf die Be­strebungen der Sozialdemokratie, in den Stadtparlamenten ihr Parteiprogramm zu verwirklichen, vor allen Dingen eine nationale Politik notwendig, welche sich bei den Bür­gern ganz sicherlich viele Freunde erwerben würde. Nach weiteren Bemerkungen des Agenten Schmidt, der sich für eine gütliche Einigung mit den Parteien erklärte, beschloß die Versammlung auf Antrag von Prof. Luley, wegen der vorgerückten Stunde, für diese Angelegenheit eine neue Versammlung in den nächsten Wochen anzuberaumen.

gokuns.

Gießen, 24. März 1910.

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Roter Robe" am bemerkt jei, daß Feiertage zu flei an diefer Stelle Sonntag, den 3. (?) Ob D Universitä dem akademische berneint. Es he täten errichtet w ein fultureller

Vermehrung des inbezug auf die türzlich dieselben (!) Der Fi nehmer an de wie die Vorständ Kreuz, auch das bom Roten Kreu bet. Mit Barbei find allein im den. Die Zahl und Badeturen tend gewachsen. im Jahre 1908 behaglichen Aus baden bestehender arbeitet. So wu tomitee meift foft zur Vergrößerung

** Der Großherzog hat den ordentlichen Pro­fessor in der medizinischen Fakultät der Landesuniversität Dr. med. Ernst Leutert in Gießen auf sein Nachsuchen aus dem Staatsdienst entlassen.

** Der Großherzog hat den Oberlehrer an dem Realgymnasium und der Oberrealschule zu Gießen Prof. Hermann wald zum Oberlehrer an dem Landgraf= Ludwigs- Gymnasium zu Gießen, den Oberlehrer an der Oberrealschule zu Worms Dr. Ferdinand Werner zum Oberlehrer an der Real, chule zu Buzzbach, den Oberlehrer an dem Realgymnasium zu Worms Dr. Mar 3 immer, mann zum Oberlehrer an dem Realgymnasium und der Oberrealschule zu Gießen sämtlich mit Wirkung vom 1. April 1910 an ernannt.

** Der Großherzog hat dem Lehrer an der Gemeindeschule zu Lauterbach Georg Conte aus Anlaß seiner Versehung in den Ruhestand das Ritterkreuz 2. Kl. des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. !!! zur Arbeitskammerfrage faßte die Verwaltung des Wertmeister- Verbandes in der letzten Sitz­ung folgenden Beschluß, der dem Reichstage und der Re­gierun zugestellt ist:" Die Verwaltungsbehörden des deut­schen Wertmeisterverbandes bedauern lebhaft die nicht er­folgte Berücksichtigung der technischen Angestellten im Ar­beitskammergesetze, trotzdem der Erfüllung der Forderung der technischen Angestellten berechtigte Gründe nicht entge genstehen. Sie bitten deshalb die Regierung, die Wünsche der Angestellten im Arbeitskammergeseße zu berücksichtigen und den Anträgen einzelner Mitglieder des Reichstages auf Einbeziehung der Angestellten nachzukommen. Gleichzeitig bitten sie alle Parteien im Reichstage, diesen einmütig von allen technischen Angestellten zum Ausdruck gebrachten Wunsch zu erfüllen und seine Berücksichtigung im Arbeits­kammergesetze von der Regierung zu fordern."

** Militärisches. Rach, Garnison- Werwalt ungs- Inspektor in Stade, wurde nach Gießen versetzt.

sicher sein, welche von einer nicht zu unterschäßenden Be­deutung für die Verhältnisse in unserer Stadt ist. Mit die­ser Angelegenheit besaßte sich als erster Redner Fabrikant Horst, der folgendes ausführte: Das Zusammengehen des Bürgervereins mit den polttischen Parteien ist in vielen Kreisen auf Widerstand gestoßen. Namentlich erblickte man allseitig in diesem Verhalten ein Zeichen von Unselbstän­digkeit, welche mit dem Ruf des Bürgervereins als Vor­kämpfer der bürgerlichen Interessen doch so gut wie gar nicht in Einklang zu bringen ist. Der Puntt Stadtverord­netenwahlen" verfolgt also den Zweck, die Art und Weise zu besprechen, in welcher sich der Bürgerverein an den Stadtverordnetenwahlen im Herbst beteiligen soll.- Herr Oberlehrer Dr. Krausmüller: Wenn der Vorstand den Beschluß gefaßt habe, für die Wahlen eigene Bewer­ber aufzustellen, dann müssen ihn ganz besondere Beweg­gründe dazu veranlaßt haben, die ich kennen zu lernen wünsche.- Lehrer Valentin Müller: Meine Ansicht geht dahin, daß es nicht gut angängig ist, politische Mo tive mit den Gemeindeangelegenheiten zu verflechten, denn gerade das Eintreten für das Bürgertum weist fast gar teine Berührungspunkte mit der Politik auf. Unser Bestre­ben nur ist es, daß Interesse für Gemeindeangelegenheiten zu wecken und bei Stadtverwaltung und Bürgertum für ein gutes Einvernehmen zu sorgen, während die Verfolgung von politischen Zielen in diese guten Beziehungen zwischen Verwaltung und Bürger sehr bald störend eingreifen würde. Rechtsanwalt Ra a b: Ich bin auch der Ansicht, daß die Politik in den Gemeinden keine Rolle spielt. Wenn man aber auf dem Standpunkt steht, daß die Politik nichts mit städtischen Angelegenheiten zu tun hat, dann kann man es nur begrüßen, daß der Bürgerverein von einem Bünd­Dr. nis mit den politischen Parteien absehen will. Krausmüller: Das Aufstellen eigener Kandidaten wird ganz gewiß zu einer Zersplitterung führen, deren Ab­wendung einen der Hauptbeweggründe des Zusammen= Fa= gehens der Parteien mit dem Bürgerverein bildete. britant or st: Früher hat man es dankbar begrüßt, daß die politischen Parteien die Stadtverordnetenwahlen in die Hand nahmen, weil eben damals ein Bürgerverein fehlte. Die letzten Jahre aber haben nun den Bürgerverein ge­schaffen, der auch den Anhängern politischer Parteien seine Arme öffnete. Wenn wir mit den Nationalliberalen und Freisinnigen zusamm! ngehen, dürfen wir auch nicht die So­zialdemokraten von diesem Bund ausschließen. Deshalb ist

Der Vorsitzende, Lehrer Valentin Müller, eröffnete die Versammlung mit einer Ansprache, welche den Erschie= nenen für den Besuch dankte und auf die große Bedeut ung der heutigen tagesordnung hinwies. Auch in dem vergangenen Geschäftsjahr, so führte hierauf der Redner weiter aus, wußte der Bürgerverein die gesunde Weiter­entwickelung unserer Stadt zu fördern. Zu diesem Zweck hatte er besonders wichtige Momente in das Bereich seiner Besprechungen gezogen. In Vorstandssitungen, Mitglieder­und allgemeinen Bürgerversammlungen wurden Themata aus dem Gebiet des gewerblichen Lebens und des Steuer­und Schulwesens wehandelt. So sprachen in den im Ver­einsjahr abgehaltenen Versammlungen am 2. April 1909 Herr Handeistammersyndikus Engelbach- Darmstadt über das Submissionswesen", am 23. Januar 1910 Professor Urstadt über unsere Ferienordnung" und am 9. März 1910 Herr Schultat Sche e re r- Büdingen über die Ar­beitsschule". Wie im Vorjahr schenkte der Bürgerverein auch in diesem Jahr seine besondere Aufmerksamkeit unseren Ver­tehrsverhältnissen. So verdankte der Verkehrstag in erster Linie dem Wirten des Bürgervereins jein Entstehen, der hier auch dem Interesse der Kaufleute und Gewerbetreiben­den entgegenfam Wenn heute ferner die im November er­offnete Straßenbahn als ein besonderer Beweis unserer Ent­wickelung anzusehen ist, so kann der Bürgerverein nicht zum mindesten sicher sein, sein Scherflein zu ihrer Ein= richtung beigetragen zu haben. In dem vergangenen Jahr hat der Verein durch den Tod 8 Mitglieder verloren und namentlich das erscheiden des so äußerst tüchtigen Vor­standsmitgliedes Peter Pfeiffer zu beklagen. Ich möchte Sie deshalb bitten, sich zum Zeichen der Trauer von den Plä­ben zu erheben.

Nachdem die Versammlung dem entsprochen hatte, legte Kommerzienrat Mueller die Kassenverhält nisse dar. Danach schloß die Kasse in dem 5. Geschäfts­

!!! Kreisturn fest. Die beiden Gießener Turn­vereine haben für den am 24. April stattfindenden Kreis­turntag den Antrag gestellt, bei der Wahl des Festortes für das übernächste, 1912 zu feiernde Kreisturnfest des Krei­ses Mittelrhein Gießen zu wählen.

-b Abgangsprüfung in der Gewerbe­schule. Nachfolgend verzeichnete Gewerbeschüler bestanden vor dem staatlichen Prüfungsausschuß unter strenger Be­urteilung der Leistungen die Abgangsprüfung, in welcher sie eine Fülle vielseitigen Wissens und Könnens ceigten: Ludwig Amend aus Allendorf, Heinrich Arnold aus Beu­ern, Ernst Enders aus Gießen, Adolf Gieseler aus Buzz­bach, Otto Kloß aus Großen- Linden, Karl Meßler aus Oberkleen, Ludwig Spieß aus Großen Linden, Karl Wör­ner aus Abshausen und Friedrich Zimmer aus Albach. Im Anschluß an die Prüfung fand eine Ausstellung der Schülerarbeiten statt, welche auf vielseitigen Wunsch bis heute Abend geöffnet bleibt.

-ph Gießener Krammarkt. Der gestrige Krä­mermarkt wies das gewohnte Bild auf: wenige Verkaufs­stände, wenige Käufer, viele Neugierige und Bummler. Die Kundschaft stellt hauptsächlich die Landbevölkerung, währ­end die Städter sich immer mehr von der Benußung die­ser Einrichtung zurückziehen. Sie ist eben veraltet und ent­spricht auch durchaus nicht der großstädtischen Entwickelung und Bestrebung Gießens. Wäre es denn nicht zeitgemäßer und den Verhältnissen Gießens entsprechender, wenn statt der jetzt alle Nase lang abzuhaltenden fleinen Märkte vielleicht eine längere Frühjahrs- und Herbstmesse eingerich­tet würde.

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