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20. April 1910.
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Zweites Blatt № 60.
Der Kampf im Baugewerbe.
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Ein so umfangreicher Kampf, wie er jetzt im Bauge werbe ausgebrochen ist, zieht nicht nur die Beteiligten selbst sondern darüber hinaus eine ganze Reihe von Erwerbs schichten in Mitleidenschaft. Vor allem ist es das Hand= wert, in dem die mittleren und kleineren Eristenzen härtesten getroffen werden. Schon die Zweige des Handwerts, die mehr oder minder direkt zum Baugewerbe ge= hören, dürften unter dem Kampi in einer Weise zu leiden haben, daß selbst große Untersußungssummen nicht aus= reichen, den Schaden, der in wenigen Wochen entsteht, wie der gut zu machen. Aber selbst angenommen, die Unterstüßungssummen reichten hierzu aus, wer unterstützt die Handwerker, die in indirekter Weise unter dem zweifellosen Sonsumrückgang der bauberuflichen Arbeiterbevölkerung leiden haben? Sie alle werden in den vom Kampf be= troffenen Orten mehr oder weniger start in ihrem Fort tommen und in ihren Verdiensten geschädigt, ohne daß ihnen von irgend einer Seite eine Entschädigung ihrer Verluste in Aussicht gestellt werden könnte. Man geht daher laum zu weit, wenn man behauptet, daß durch den Kampf im Baugewerbe in erster Linie das Handwerk in Mitleidenschaft gezogen wird, das Handwerk im Baugewerbe selbst, aber auch das übrige Handwerk, das auf den örtlichen Konsum der Bauarbeiterbevölkerung angewiesen ist. Das Bau handwerk leidet schon dadurch, daß es in der besten Zeit des Jahres Wochen lang ohne Arbeit und damit ohne Verdienst ist. Die Zahlungsverpflichtungen laufen aber weiter, und selbst wenn teilweise Fristverlängerungen bewilligt werden, so sind doch gewisse Ausgaben, man denke nur an die Mieten, fortlaufend zu leisten. Während aber der größere Betrieb, der einen finanziellen Rückhalt hat, nach Beendigung des Kampfes den größten Teil des entstande nen Verlustes durch erhöhte Tätigkeit wieder gut machen lann, vermag dies der kleine Handwerker nur in ganz beschränktem Maße. Die hieraus sich ergebenden Verluste kann auch eine noch so groß angelegte Unterstüßungsaktion der Arbeitgeberorganisation nicht ersetzen. Die Wirkung des Kampfes wird vielmehr sein, daß das selbständige Handwert im Baugewerbe, abgesehen von den großen und leistungsfähigen Betrieben, eine Beeinträchtigung erfahren wird. Ebenso wird der Teil des Handwerkes, der unter der Konsumschwächung der Bauarbeiterbevölkerung zu leiden hat, schwer geschädigt werden. Die Lage des Handwerks ist sowieso für die mittleren und kleinen Meister wenig befriedigend. Kaum erst hat man hier die Ansäße einer Besserung zu spüren bekommen, und nun kommt der schwer schä= digende Kampf im Baugewerbe, angesichts dessen ein gro ßer Teil des Handwerks mit Recht fragt: war es nötig, daß man die Differenzen im Baugewerbe sich bis zu dem Grade verschärfen ließ, daß es ein Rückwärts nicht mehr gab?
*
In Frankfurt a. M. dürfte zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern bald eine Einigung zustande kommen, welche der Vorsitzende des Gewerbegerichts in den nächsten Tagen durch eine gemeinsame Aussprache zwischen beiden Parteien herbeizuführen gedenkt.
Expedition: Gießen, Seltersweg 83.
geltend, vermittelnd einzugreifen, jedoch machen die in Be-| tracht kommenden Oberbürgermeister eine Vermittelung da von abhängig, daß beide Teile darum ersuchen.
Mahnung an die Schulentlassenen.
Schulentlassung ist vorüber! Diese Entlassung aus der Schule ist für manchen jungen Menschen gleichbedeutend mit vollständigem Genuß der Freiheit. Seit 8 Jahren mußte der Voltsschüler die goldene Freiheit entbehren, als Schulneuling kam es ihm vor, wie dem Vöglein, dem man die Freiheit geraubt und in einen Käfig gesetzt. Nach und nach fühlte er den Zwang weniger und je älter er wurde, desto mehr Freihett hat man ihm gewährt. Mancher aber kann die Freiheit zu frühe nicht vertragen und er artet aus.
Wie schnell sind die guten Lehren, Ermahnungen, Ratschläge der Schul-, Konfirmanden- und Kommunionszeit vergessen, neue Eindrücke verdrängen sie bald, ohne daß ihr es merkt, treibt euer Lebensschiff ohne Steuer, ohne Kompaß von den wildbewegten Wellen des Lebens gegen einen Feisen, wo das steuerlose Wrack zugrunde geht. Wie man= cher hoffnungsvolle Jüngling, wie manche Jungfrau, der Stolz der Mutter, sind verloren gegangen. Der Gedanke an die Eltern, an Vater oder Mutter, hat manches Kind bewahrt vor bösem Tun.
Was kann nun der Jüngling, die Jungfrau selber tun, um den gefährlichsten Zeiten des Lebens sicher zu ent= gehen? Sie können ihren Körper und Geist stärken. Den Körper fräftigt man durch Turnen und Spiel. Ist der Körper start, wird auch der Wille, die Seele start. In einem gesunden Körper wohnt auch ein gesunder Sinn. In neuerer Zeit werden die turnerischen Bestrebungen von den Be= hörden wieder sehr unterstützt. Auch die Bewegungsspiele haben, veranlaßt durch das eifrige Vorgehen des Abgeordneten Schenkendorf- Görlitz, immer mehr Nachahmung gefunden. Man hat den großen Wert für Körper und Geist erkannt, und sieht da, wo schon länger gepflegt, ein gesundes, widerstandsfähigeres Geschlecht heranreifen. Unsere Landjugend hat das Spiel und die Bewegung ebenso nötig wie die Stadtfinder. Macht doch die Arbeit des Land= manns steif und einseitig und ohne die gesunde Luft und einfache Lebensweise, die er vor dem Städter voraus hat, würde mancher nicht so alt werden. Bei der Arbeit des Landmannes werden immer nur dieselben Muskel- u. Körperpartien in Anspruch genommen, der Körper aber nicht gleichmäßig durchgebildet. Unsere Stadttinder, obwohl flinfer als die Landtinder, müssen noch mehr heraus aus den Kammern und Stuben in die frische Luft und den goldenen Sonnenschein. Die Freude an der Natur wird dann auch mehr erwachen. Wie ganz anders schaut der gesunde Mensch dieselbe Welt an, als der Krante. Probiere es jeder an seinem eigenen Leib, gehe hinaus in Gottes frische Natur, in Luft und Licht und Sonnenschein und tummle sich. Die deutschen Turnvereine aber, die das heranwachsende Geschlecht stärken und kräftigen und das bestehende Geschlecht in seiner Kraft zu erhalten suchen, brauchen noch mehr Mitglieder, um ihre Aufgabe voll und ganz zu lösen. An 6500 Orten zählt die deutsche Turnerschaft 8000 Vereine mit vielen Tausenden von Mitgliedern.
Mögen sich daher recht viele junge Leute zum Eintritt in die deutsche Turnerschaft melden.
Geborene.
In Beriin scheint die Aussperrung der Bauarbeiter völlig vermieden werden zu können. Der Verband der Baugeschäfte von Berlin und Umgegend und die in Betracht kommenden Arbeiterbganisationen haben in letzter Standesamt- Nachrichten der Stadt Gießen. Stunde die Vermittelung des Einigungsamtes des Ge= werbegerichtes angerufen, und dieses hat nach 6stündiger Beratung folgenden Schiedsgerichtsspruch gefällt: Die sämt lichen Bauarbeiter mit Ausnahme der Einschaler erhalten vom 13. August 1910 ab eine Lohnerhöhung von 3 Pfg. pro Stunde, und vom 1. Oftober 1911 ab eine weitere Lohnerhöhung von 2 Pfg. pro Stunde. Die Einschaler erhalten vom 13. August 1910 ab eine Lohnerhöhung von 5 Pfg. und vom 1. Oktober 1911 ab eine weitere Erhöh= ung von 2½ Pfg. pro Stunde.
Im gesamten westdeutschen Gebiet ist die durch die Bauarbeiteraussperrung geschaffene Lage höchst verworren, weil die Bauunternehmer eine einheitliche Durchführung ihrer Maßnahmen nicht erreichen Jönnen. In zahlreichen oberrheinischen Städten wurde überhaupt nicht ausgesperrt. Die Arbeiten gehen ihren ungestörten Gang. In einzelnen mittelrheinischen Städten wurde zwar ausgesperrt, indes übertrug man die Geschäftsführung größerer Bauten an deren Personen, so daß ruhig weitergearbeitet wird. Auch im Gebiete des Mitteldeutschen Arbeitgeberverbandes wurde die Aussperrung nicht allseitig vorgenommen. In einzelnen rheinischen Städten macht sich das Bestreben der Behörden
20)
Die Freundinnen.
Originalroman von Irene v. Hellmuth. ( Nachdruck verboten.)
Er war mit einer Lebhaftigkeit_emporgefahren, die man ihm gar nicht zugetraut hätte. Das unerwartete Geständnis seiner Tochter riß ihn völlig aus seiner Lethargie. Er trat ganz nahe an Sylvia heran, schüttelte sie an den Schultern und fuhr sie zornig an: Du hast dein Wort aus freien Stücken gegeben und das ist heilig! Du wirst es halten! Ich rate dir gut seine Stimme flang fo drohend, daß Sylvia ihn ganz ängstlich anstarrte; er aber fuhr in hartem Tone fort: ,, Eine Schmettwiß bricht nicht ihr Wort um einer Laune willen! Das war nie Sitte bei uns, merke dir das! Ich werde es auch von dir nicht dulden! Ich verbiete dir ferner in dieser Angelegenheit noch ein einziges Wort zu reden! Ich leide es nicht, daß du deinen Verlobten, den ich achte und ehre, so furchtbar beleidigst! Willst du zu all dem Unglück, das mich traf, noch mehr häufen? Fürwahr, ich bin ein beneidenswerter Vater! Der Sohn, der einst mein Stolz und meine Hoffnung war- treibt sich Gott weiß wo herum, ist vielleicht verdorben und gestorben, und nun bereitet mir auch meine Tochter so schweren Kummer! Weshalb lebe ich denn eigentlich noch?"-
Stöhnend sank er in den Lehnstuhl zurück.
Laß sie, Papa, sagte Hugo von Trostberg mit unnatürlicher Ruhe, Sylvia ist überreizt, sie wird sich wieder auf sich selbst besinnen, man muß ihr Ruhe gönnen. Dann wird es ihr auch zum Bewußtsein kommen, wie tief sie mich gekränkt hat. Ist sie erst meine Frau" Ein hartes Auflachen unterbrach ihn. Ich werde nie deine Frau- nie Sylvia heftig. Ich sagte es dir bereits, nicht!"
-
nie!" rief - ich kann
Er verschränkte die Arme auf der Brust. Man sah es ihm an, daß er nur mit Mühe die Ruhe bewahrte. Und wenn ich dich nicht frei gebe, was dann?" Wie willst du mich denn halten? Ich sage dir, gib dir keine Mühe, ich lasse mich nicht zwingen!"
Sylvia, woher dieser plößliche Sinneswechsel? Dein
1
April 11. Rangierer Wilhelm Becker eine Tochter, Margarete Anna Marie.
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14. Telegraphenvorarbeiter Balthaser Nicolai eine
Tochter.
15. Bau Ingenieur Max Führig ein Sohn, Gustav Albert Hans Jürgen.
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16. Bureaugehilfen August Eger ein Sohn, Karl.
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17. Oberfellner Karl Ferdinand Gustav Rühl ein Sohn, Otto Philipp Gustav.
18. Privatdozenten Dr. Hermann Hohlweg ein Sohn, Ernst Eduard.
Aufgebote.
April 16. Albert Theodor Rube, Kaufmann in Gießen, mit Agnes Maria Riemer in Dresden.
" 18. Ludwig Rosenbaum, Mezger in Gießen, mit Johanna Hirsch in Hillesheim.
"
"
18. Heinrich Runkel, Friseur, mit Johanna Wein- hardt, beide in Gießen.
19. Adolf Pix, Postbote in Gießen, mit Wilhelmine Elisabethe Sophie Diez in Weylar- Niedergirmes.
Benehmen ist mir unbegreiflich! Ich kann es mir nicht erklären! Ja, ja, gewiß ist es so! Sylvia ich wiederhole die Frage, die ich schon einmal an dich stellte,- sage die Wahrheit- liebst du einen andern?"
Diesmal schlug das junge Mädchen die Augen_nieder vor dem offenen Blick des Mannes. In peinlichem Schweigen vergingen einige Sekunden.
,, Also doch, also doch, ich dachte es mir!" stöhnte Hugo. Und jener Mensch ist es, der da unten bei dir stand! Ich sah es wohl, wie eure Blicke in einandertauchten, wie er dich anstarrte!- Am liebsten wäre ich ihm an die Kehle gesprungen! Wer ist es wer? Rede,
-
sprich! Ich will seinen Namen wissen!" Sylvia antwortete keine Silbe. Nur die Hände verschlang sie krampfhaft in einander. Ihre Lippen waren fest zusammengepreßt.
,, Du willst mir den Namen nicht nenen?" stieß Sugo hervor ,,, ich werde doch wissen dürfen, wie derjenige heißt, der mir meine Braut gestohlen hat!- Erfahren werde ich es doch, auch ohne dich- aber dann gnade dem Elenden!"-
Er biß die Zähne aufeinander, daß sie knirschten, indes Sylvia bebend seinen Arm umflammerte. ,, Sugo!" fuhr sie auf ,,, iener Mann hat nichts getan, was auch nur den Schein eines Unrechtes auf ihn laden müßte! Gr würde dich nicht verstehen, wolltest du ihn zur Rede stellen. Nicht ein Wort haben wir zusammengewechselt, das nicht alle Walt hören könnte! Ich sah ihn ja nie allein
,, Ha, ha, du ängstigst dich wohl sehr um ihn?" ,, Nein", flang es verächtlich und schroff zurück. ,, Und Hermann Walter- so scheint es mir ist auch nicht Ser Mann, der sich vor dir fürchtet!"
Hugo stuzte bei Nennung des Namens. ,, Hermann Walter derselbe, der mit seiner süßen Stimme alle Herzen gefangen nimmt? Die Tagesblätter fönnen sich kaum genug tun, seinen Ruhm zu verkün den! In der ganzen Stadt spricht man von ihm als von einem Wunder! Er soll ja schon bei seinem ersten Auftreten Stürme von Beifall entfesselt haben!- Ach nun begreife ich alles! Er wird ja gefeiert wie ein Held! Den mußt du ja Iteben!"
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Samstag, den 23. April 1910.
19. Heinrich Becker, Sergeant in Gießen, mit Paula Schmidt in Muschenheim.
21. Jakob Mayer, Bahnarbeiter in Hanau, mit Elisabethe Schmidt in Gießen.
Eheschließungen.
April 16. Friedrich Bonneck, Schriftseyer, mit Anna Schmidt,
beide in Gießen.
„ 16. Richard Geißler, Fuhrmann, mit Rosalia Bogaschewska, beide in Gießen.
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„ 16. Wilhelm Arras, Schneider in Darmstadt, mit Ma
rie Hofmann in Gießen.
16. Ernst Meyer, Steinhauereibefizer in Stade, mit Karoline Franz in Gießen.
" 16. Alfred Klauß, Kgl. Techn. Eisenbahnsekretär in Kassel, mit Marie Källe in Gießen. Gestorben.
April 16. Auguste Fuld, geb. Stern, 60 Jahre alt.
17. Karoline Haberkorn, geb. Langermann, 88 Jahre alt.
" 17. Marie Kräuter, 77 Jahre alt.
" 18. Franz Neumeier, Schuhmachermeister, 49 Jahr alt.
20. Elise Trinkaus, geb. Christ, 38 Jahre alt.
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21. Jakob Fuld, Kaufmann, 64 Jahre alt.
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21. Heinrich Toronski, 1 Monat alt.
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21. Katharine Lippold, geb. Fischer, 62 Jahre alt.
Kirchliche Nachrichten für Gießen.
Evangelische Gemeinde.
Sonntag, den 24. April, Kantate: Gottesdienst.
In der Stadtkirche.
Vormittags 8 Uhr: Pfarrer D. Schlosser.
Zugleich Christenlehre für die Neutonfirmierten aus der Matthäusgemeinde.
Vormittags 9% Uhr: Pfarrer Schwabe. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe.
In der Johanneskirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.
Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Lukasgemeinde. Vormittags 9% Uhr: Pfarrer Ausfeld. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannes- Gemeinde. Pfarrer Ausfeld. Abends 8 Uhr im Johannessa a 1: Versammlung u. Bibelbesprechung.
Batholische Gemeinde Samstag, den 23. April. Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heiligen Beicht.
Sonntag, den 24. April, 4. Sonntag nach Ostern. Vormittags 6½ Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht. Vormittags 7 Uhr: Die erste heil. Messe.
Vormittags 8 Uhr: Austeilung der heiligen Kommunion. Vormittags 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. Vormittags 11 Uhr: Heilg. Messe mit Predigt.
Nachmittags 2 Uhr: Christenlehre; darauf Andacht für die Abgestorbenen.
Methodisten- Gemeinde.
Wilhelmstraße 45.
Sonntag, den 24. April.
Vormittags ½ 10 Uhr: Predigt. Pred. Strähle. Nachmittags 2-3 Uhr: Sonntagsschule.
Abends 8 Uhr: Predigt. Pred. Strähle.
Donnerstag, den 28. April. Abends 9 Whr: Bibel- und Gebetstunde.
Verantwortlich: Albin Klein, Gießen.
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Ein hartes, höhnisches Auflachen begleitete die Worte des aufs tiefste gereizten Mannes, der in gleichem Tone fortfuhr, indem er sich an Sylvias Vater wandte: Hast bu es gehört, Papa, wem ich weichen mußte? Einem Sänger einem Komödianten- einem Künstler!" Freust du dich nicht, solchen berühmten Mann in deine Familie aufnehmen zu dürfen? Ah welch hohe Chre für deinen altadeligen Namen!- Eile, und gib deinen Segen zu dem Bunde, sonst könnte, sich der große Künstler am Ende anders besinnen und eine Fürstentochter für sich begehren!"
,, Hugo, du rasest!" rief Herr von Schmettwiß dem hohnlachenden Manne zu, sonst müßtest du wissen, daß ich zu solcher Verbindung niemals meine Einwilligung geben werde! Ich hoffe, meine Tochter ist flug und verständig genug, sich das selbst zu sagen. Sie wird es nicht wagen, ein solches Ansinnen an mich zu stellen, und täte sie es dennoch ich müßte ihr die Tür weisen! Sie tönnte dann meinetwegen ihrem Bruder folgen. Wahr lich ich weiß nicht, ob es nicht das beste wäre sie ginge gleich! Ich werde so wie so demnächst zur Grube fahren! Dann werde ich Ruhe haben!"
Mit dem wehen Aufschrei: Vater, lieber lieber Vater!" warf sich Sylvia an des alten Mannes Brust. Er faßte den Kopf des Mädchens zwischen seine beiden zitternden Hände und sagte in gänzlich verändertem Ton: Nicht wahr, Sylvia, Hugo sieht Gespenster, er bildet sich das alles nur ein, was er foeben fagte? Du bist mein fluges, folgsames Mind, du hast mir nie Grund zur Klage gegeben und ich habe dich immer so lieb gehabt!- Niemand war 8euge deiner Unbesonnenheit und der unangenehmen Szene, die du uns bereitet hast. Du gibst jetzt deinem Verlobten die Hand und bittest ihn um Verzeihung für die ihm zugefügte Kränkung und alles ist wieder gut! Hugo hat dich zu lieb, um dir lange zu zürnen."
Nein Vater das kann ich nicht!"
Sylvia stand plößlich wieder in kerzengrader Haltung vor dem Vater. Eine feste Entschlossenheit war deutlich auf ihrem Gesicht zu lesen.
Fortseßung folgt.)


