Ausgabe 
22.10.1910 Zweites Blatt
 
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auch noch weit mehr als bisher von den Ausflüglern benutzt werden, welche den Wald aufzusuchen wünschen. Stadtv. Krum m: Mich hat die Straßenbahn an einem Nachmittage viermal auf der roten Linie beför­dert, wobei ich in den oberen Haltepunkten der Bahn jedesmal der einzige Fahrgast war. Ich bin der An­ficht, daß die Stellungnahme des Finanzausschusses nicht ganz unberechtigt war, da die Stadt doch auch mit ihrer Vermögenslage rechnen muß. Stadtv. Eichen auer: Wenn Herr Krumm sich an dem betreffenden Nachmittage viermal in dem Wagen allein befand, so erklärt sich dies wohl daraus, daß die Wagen nur jede Viertelstunde bis zu dem Schützenhause verkehren, was viele Leute, die nicht Zeit zum Warten auf den durch­fahrenden Wagen haben, veranlaßt, den Weg zu Fuß Stadtv. Petri: Meine Ansicht deckt zurückzulegen. sich vollkommen mit derjenigen des Herrn Krumm, da die mit der Durchführung der Wagen geschaffene Be­quemlichkeit eine Ausgabe von 7000 Mt. nicht wert ist. Stadtv. Gabriel: Von einem Minuten- Ver­fehr bis zum Schützenhause möchte ich vorläufig ab= raten, da schließlich doch die Ausgaben ziemlich sind. Weit eher lassen sich jedoch die Wagen bis zu den Kasernen durchführen, was nur etwas mehr Stromver­brauch erfordern würde. Stadtv. Grünewald: Die rote Linie wird deshalb von der Moltkestraße aus so wenig benutzt, weil nicht alle Wagen durchfahren und es dann den Leuten zu lange währt, wenn sie auf den nächsten Wagen nach dem Schützenhause warten sollen.

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hoch

Beig. Heyligenstaedt: Jch habe im Aus­schuß dagegen gestimmt, weil ich ein Bedürfnis für die Durchführung der Wagen nicht anerkennen konnte. Meiner Meinung nach können die Leute, welche die

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Bahn nach dem Schützenhause benutzen wollen, ganz gut mit dem 15 Minuten- Verkehr auskommen. Wir müßten erst eine abwartende Stellung einnehmen, bis sichere Betriebsergebnisse vorliegen. Stadtv. Winn: Jch möchte den Antrag Gabriel unterstützen, die Wagen bis zu den Kasernen zu leiten. Viele Leute fahren vom Bahnhof aus nicht, weil die Wagen nicht sämtlich auf der roten Linie durchlaufen. Stadtv. Troß: Eine Verkehrsverbesserung bringt gewöhnlich feinen Rückschlag. Je mehr Gelegenheit zum Fahren vorhanden sein wird, um so größer wird auch die Inanspruchnahme der Bahn seitens der Bürger fein.

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Die von dem D.-B. Mecum hierauf vorgenom mene namentliche Abstimmung ergab mit 16 ge= gen 15 Stimmen die Ablehnung der Durchführung des 7 Minuten- Verkehrs bis zum Schützenhause.

20. Punkt: Genehmigung von Rechnun­gen. Den Londorfer Steinbrüchen war die Lieferung von Wetzsteinen übertragen worden. Dies verursachte eine Ausgabe von 570 Mt., welche die Genehmigung der Versammlung fand. Für den Schlachthof waren Lurfer- Prismen notwendig, welche die Stadtverwaltung von dem Lurfer- Syndikat in Berlin bezogen hatte. Dem hierfür gezahlten Preis von 844 Mt. stimmte die Ver­sammlung ebenfalls zu. Die Lieferung von Fenster­bausteinen zum Preise von 570 Mt. wurde dem Fabri­fanten Horst in Gießen zugesprochen, wogegen Stadtverordneten gleichfalls nichts einzuwenden hatten.

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die

21. Punkt. Verkauf von Speiseeis. Auf den Straßen der Stadt Gießen wurde in den letzten Jahren in steigendem Maße Speiseeis verabfolgt, das nach ärztlichem Gutachten namentlich bei Kindern Ver­dauungsstörungen hervorruft. Diese nachteiligen Folgen

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des Genusses von Speiseeis hatte die Stadtverwaltung veranlaßt, von der Polizei eine Verordnung ausarbei­ten zu lassen, welche Beig. Keller zur Verlesung brachte und die den Verkauf des genannten Genußmit­tels auf die Erwachsenen beschränkt. Sie lautet auf Be­schluß der Stadtverordneten

§ 1: Speiseeis darf an Kinder unter 14 Jahren auf öffentlichen Straßen und Plätzen nicht ver­kauft werden;

§ 2: Verkäufer von Speiseeis dürfen sich den Spiel­plätzen nur bis auf 200 Meter nähern;

§ 3: Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis 3u 30 Mark gesühnt.

Die Punkte 22-28 betrafen Schankgesuch e. Es waren um die Erlaubnis zum Betriebe von Schank­wirtschaften bei der Stadtverwaltung eingekommen: W. Weber für Steinstraße 76, Anna Strodel für Brandgasse 3, Johann Wamser für Brandgasse 7, Fr. Georg für Frankfurterstraße 165, A. Lamm für Westanlage 7, Karl Wagner für Neuenweg 31 und Philipp Meininger für Neustadt 31. Das Gesuch der Anna Strodel fand keine Berücksichtigung, da ein Bedürfnis für diese Schankwirtschaft nicht anerkannt wer­den konnte. Gegen die übrigen Gesuchsteller hatte die Versammlung nichts einzuwenden.

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Am Mittwoch den 26. Oktober, abends 82 Uhr, findet im Steins Garten ein

Lichtspiel- Vortrag

nur für Damen statt über Erziehung zur Schönheit.

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Näheres die Tagesinserate.

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