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ter- Rennen in Chemnitz vor Schipke, Dritter wurde der Zehlendorfer Schulze, und aus dem 40 Kilometer- Rennen um den Kleinen Preis der Industrie ging E. Waßmus, der wie Scheuermann und Schulze Brennabor fährt, als Erster hervor.

)( Das Goldene Motorrad wurde am Sonn­tag in Steglitz in einem 100 Kilometer- Rennen ausgefah­ren. Zweiter wurde F. Theile, Dritter P. Dickentmann. Beide fahren Brennabor. Im geschlagenen Felde befanden sich Nat Butler und Linart.

Hochwasser.

Die Ueberschwemmung in Ober- Bayern, Tirol, der Schweiz und Südungarn ist am Samstag und Sonntag überall zurückgegangen. Jetzt erst ist man einigermaßen in der Lage, die grauenhaften Verwüstungen zu übersehen, die das Hochwasser angerichtet hat.

Von der auf dem rechten Lechuser in Augsburg befind­

lichen Häuserkolonie sind zwei Häuser eingestürzt, auch die Lechbrücke bei Gersthofen ist zum Teil eingestürzt. Die User­gelände des Lech, die 60 Meter breit sind, wurden fortge­rissen. Die Lindenallee und die untere Lechdammstraße sind weggespielt. Hochablaß, ein bevorzugter, reizender Erhol­ungsort der Augsburger, ist vom Erdboden verschwunden. Sämtliche Gebäude sind eingestürzt. Der bisherige Schaden in Augsburg und Umgegend beträgt viele Millionen. Im Innern der Stadt ist die Gefahr vorüber. Eine Sammlung für die Geschädigten ist eingeleitet. Oberammergau hat wieder das gewohnte Aussehen. In hohem Ansehen stehen in dem Theaterdorf zurzeit die Engiänder, denen es Spaß machte, während der Ueberschwemmung sich energisch an den Rettungsarbeiten zu beteiligen, und manchen Stuhl und Tisch aus dem Wasser herausfischten. In Neu- Ulm hat die Iller große Verwüstungen angerichtet. Am Elet­trizitätswert ist der Damm am Illerkanal geborsten, sodaß die Wassermenge ungehindert in die Gärten dringen konnte und alles mitriß, was nicht fest mit dem Boden verwach­sen war. Die Umgebung der Stadt ist ein großer See, der einen Abfluß in die Donau sucht. Der durch das Hochwas= ser schwer gestörte Eisenbahnverkehr Südbayerns kommt jetzt wieder in Gang. Im Loisach, Amper- und Innge­biet tann jetzt die weitere Hochwassergefahr als beseitigt gelten, während die Situation im Donaugebiet und an der unteren Isar noch eine sehr gefährdete ist. Der Magistrat der Stadt München hat 30 000 mt. für die Ueberschwemm­ten in Bayern bewilligt. Die Heuernte im Allgäu gilt zum größten Teil als vernichtet. In München bildete sich ein Hilfskomitee, zu dessen Ehrenpräsident Minister v. Brettreich gewählt wurde. Es wurde der Versammlung belannt ge= geben, daß der ständige Landratsausschuß für die Ueber­schwemmten 50 000 Mt. zur Verfügung gestellt und daß außerdem eine Persönlichkeit, die nicht genannt sein will, 10 000 Mt. gestiftet habe.

In der Schweiz wurde der vielfach stockende Bahn­verkehr ebenfalls wieder aufgenommen. Der See bei Lu­zern ist seit Samstag zurückgegangen. Im unteren Prätti­

Infolge des Reichsgesetzes vom 22. Mai d. J. ist die Zulässigkeit der Revision in Rechtsstreitigkeiten über vermö­gensrechtliche Ansprüche durch einen den Betrag von 4000 Mark übersteigenden Wert des Beschwerdegegenständes be dingt; kürzer gesagt: in der Regel können fünftig nur noch Prozesse über mehr als 4000 Mark an das Reichsgericht ge­langen. Zugleich ist durch das bezeichnete Gesetz und durch das schon am 1. April d. J. in Kraft getretene Reichsgesetz vom 1. Juni 1909( R.-G.-Bl. 1909 S. 475) eine so hebliche Verteuerung der Prozesse eingetreten, daß es auch für weitere Kreise von Interesse sein dürfte, einmal an der Hand von zwei Beispielen zu zeigen, welche Kosten ein durch drei Instanzen laufender Prozeß über mehr als 4000 Mart verursacht. Dabei soll nur der normale Verlauf vor­

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ausgesetzt und angenommen werden, daß in erster und zwei­

ter Instanz Beweisaufnahmen stattgefunden haben. Dann stellt sich die Rechnung für die unterliegende Partei folgen­dermaßen:

A. Bei einem Prozeß über 4200 Mark: Gebühren und Auslagen des Gerichts:

1. Landgericht

2. Oberlandesgericht

3. Reichsgericht

zusammen 1884,10 Mart.

für 2 Anwälte: 204,60 Mr. 345,60 Mr. 255,90 Mt. 449,60 Mr. 272,80 Mt. 345,60 Mf. 733,30 M. 1140,80 Mt.

B. Bei einem Prozeß über 20 000 Mt.: 1. Landgericht

2. Oberlandesgericht 3. Reichsgericht

zusammen 3639,50 Mt.

462,- Mt. 577,50 Mt. 616,- Mt. 1655,50 Mt. 1984, Mt.

604,80 Mr. 775,20 Mt. 604,- Mt.

In beiden Fällen treten noch hinzu die Gebühren der Zeugen und Sachverständigen, die Telegraphen- und die im Fernverkehr zu entrichtenden Fernsprechgebühren, die Schreib­gebühren für auf Antrag erteilte Ausfertigungen und Ab­schriften, Reisekosten des Gerichts und der Anwälte, die Ko­sten des Kostenfestsetzungsverfahrens u. a. m., so daß sich die Gesamtkosten bei A. leicht auf 2000 Mt., bei B. auf 4000 Mt. erhöhen können.

Die Beispiele zeigen, daß das alte Sprichwort: Ein magerer Vergleich ist besser als ein fetter Prozeß" noch er­heblich an Bedeutung gewonnen hat.

gau ſteht feine Brüde mehr. Der untere Zeil von Ror Treuhandvereinigung für den Mittelstand.

schach war durch den Bodensee überschwemmt. Interlaten blieb dan seiner außerordentlich günstigen Lage vom Hoch­wasser gänzlich verschont. Furchtbar hat dagegen das Was­ser in Graubünden gehaust, wo 6 Häuser und viele Ställe mit Vieh in den Fluten verschwunden sind.

In den heimgesuchten Gemeinden Süd ungarns herrscht die größte Not, da die Fluten die meisten Häuser weggeschwemmt haben. Der Ministerrat und der Monarch haben zur Linderung der ersten Not je 100 000 kronen bewilligt. Der an den Landstraßen und sonstigen Verkehrs­wegen angerichtete Schaden beträgt über eine Million Kr. Nach amtlichen Berichten sind der Hochwasserkatastrophe 360 Menschen zum Opfer gefallen.

Großes Gijendayaunglück.

Im Bahnhof Villepreur bei Versailles hat sich am Samstag ein entseßliches Eisenbahnunglück ereignet. Ueber den Hergang liegen folgende Meldungen vor: Der Zusam menstoß der beiden Eisenbahnzüge, von denen der eine ein Personenzug, der andere ein Schnellzug war, ereignete sich Samstag nachmittags turz nach 6 Uhr. Der Personenzug stand im Bahnhof, als plößlich der um 5 Uhr 18 Minuten in Paris abgegangene Schnellzug, troß-| dem das Signal auf Halt stand, mit einer Geschwindigkeit von 102 Kilometern einlief und auf den Personenzug auf­stieß. Mehrere Wagen wurden zertrümmert, ein Wagen u. der Speisemagen des Schnellzuges gerieten in Brand. Der Personenzug, von Paris nach Dreur gehend, hatte auf der Station Villepreur zur Ausbesserung eines Maschinendefekts angehalten. Der Aufenthalt dauerte etwa eine halbe Stunde. Die Reisenden verloren die Geduld und stiegen aus. Um 6 Uhr 10 Minuten hem der Erpreßzug Nr. 477. Der Füh rer des Expreßzuges, der das Signal" halt" nicht beobach tete, sah den Personenzug zu spät. Der Zusammenstoß war schrecklich. Die Maschine, der Tender und drei Wag gons, darunter der Speisewagen, schoben sich in die fünf hinteren Wagen und den Gepäckwagen des Zuges Nr. 467. Die Lokomotive stürzte um und setzte 10 Wagen in Brand, welche sämtlich ein Raub der Flammen wurden. Die ver­tohlten Ueberreste der bis jetzt gefundenen 19 Leichen sind völlig untenntlich. Die Leichen wurden vorläufig in Särge gelegt und diese in einem Schuppen untergebracht, der in eine Trauerhalle umgewandelt wurde. Die Zahl der Ver­letten beläuft sich auf 80, meistens Einwohner von Pa­ris und Umgebung.

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Eine Deutsche Treuhandvereinigung ist als Revisions= und Buchführungsstelle für den Mittelstand mit dem Sit in Berlin gegründet worden. Diese Gründung steht im Zu­sammenhang mit dem Plane, eine Distontierung der Buchforderungen zu ermöglichen. Ehe indes diese Art Finanzierung der Außenstände möglich ist, muß der geschäftliche Mittelstand erst zum Teil zu einer geord­neten Buchführung erzogen werden. Die Treuhandvereinig= ung wendet sich weniger an die Handwerksmeister selbst als an die Frauen und Töchter, und sie beginnt ihre Tätigkeit durch einen regelrechten Unterricht in der kaufmännischen Buchführung. Geschäftsführer sind der Amtsrichter a. D. Hetz und der seitherige Generalsekretär der Deutschen Mit­telstandsvereinigung, Ernst Just. Die Kosten werden zur Hälfte von der Mittelstandsvereinigung und zur Hälfte von dem Handwerkerbund getragen. Beteiligt sind außer den beiden Geschäftsführern noch der Förster a. D. Prevor, der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Mittelstandsvereinigung, Postsekretär Stockmann, und der Prokurist Zedler; leßterer leitet die Buchführungs­turse. Die Treuhandvereinigung übernimmt später auch auf eigene Rechnung die Führung und die Revision von Ge­schäftsbüchern für den Mittelstand.

De Abwanderung vom Lande.

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Ueber die Abwanderung und den Zug der Landmäd­chen nach den Städten liegt jetzt eine Reihe neuer statisti­scher Untersuchungen vor, die leider wiederum bestätigen, daß die Landslucht, besonders der weiblichen Jugend, im mer mehr zunimmt. Ueber die Abwanderung im Spessart hatte das Defanat Mildenberg eine Umfrage veranstaltet, die sich auf über 30 Gemeinden des bayrischen Odenwaldes, Spessarts und Untermain( etwa 35 000 Einwohner) streckte. Es ergab sich, daß in den letzten 10 Jahren nahe zu 50 Prozent der Mädchen im Alter von 15 bis 25 Jah­ren abwanderten. Davon gingen 25 Prozent als Dienst boten auf das platte Land, gegen 50 Prozent in Klein= städte und 25 Prozentin Großstädte. Die Abwanderung jugendlicher männlicher Arbeiter stellt sich zu der der weib­lichen wie 3: 5. Erhebungen über den Verbleib der schul­entlassenen weiblichen Jugend in Ostpreußen ergaben, daß im Jahre 1905 von den im Jahre 1895 aus der Schule entlassenen Mädchen nur 52,7 Prozent im Schulbezirk zu­rückblieben, 22,33 Prozent zogen in Orte unter 2000 Ein­

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wohnern, 10,7 Prozent in größere 13,86 Städten Deutschlands und 0,4 Prozent ins Ausland. Von allen kamen 8 Prozent zu rück, von denen sich nur die Hälfte landwirtschaftlicher Tä­tigkeit zuwandte. Untersuchungen in den Kreisen Steinburg ( Holstein), Jüterbog- Luckenwalde und Gumbinnen ergaben folgendes Bild: In dem Kreise Steinburg waren 1900 noch 79 Prozent auf dem Lande, sowohl verheiratet wie ledig. 21 Prozent hielten sich in Städten auf, und ver­heiratete Arbeitertöchter waren auf dem Lande 47 Prozent vorhanden. Im ganzen zeigte sich Mangel an weiblichen Arbeitskräften. Im Kreise Jüterbog- Luckenwalde, wo sich Großgrundbesitz und Bauernbesitz etwa gleichstehen, waren von den Arbeitertöchtern in den Gutsbezirken 37 Prozent abgewandert, in Landgemeinden 45 Prozent, von den Bau­erntöchtern 23 Prozent. Im Kreise Gumbinnen, wo Indu strie nicht vorhanden ist, wanderten 51 Prozent von Ar­beitertöchtern. und 23 Prozent von Bauerntöchtern in die Städte.

tus dem Gerichtssaal.

Strafkammer.

Gießen, den 17. Juni 1910. Das Schöffengericht Bad- Nauheim hatte den Droschken­futscher Heinrich Pfeil aus Nieder- Ofleiden, wegen Vergeh ens gegen die Sittlichkeit zu einem Monat Gefängnis ver­urteilt. Er hat zu Bad- Nauheim in einer Droschke an einem Mädchen eine unsittliche Handlung vorgenommen, während ein anderes Mädchen in der Droschke war, das daran Aer­gernis nahm. Da dem Angeklagten das Bewußtsein, daß er die Handlung öffentlich vornahm, nicht nachgewiesen war, wurde seiner Berufung stattgegeben und es erfolgte Frei­sprechung.

Wegen Beleidigung des Lehrers Bramm wurde der Landwirt Konrad Völker zu Hengheim zu 40 und seine Frau zu 20 Mark Geldstrafe verurteilt. Der Lehrer hatte das Kind der Angeklagten gestraft, weshalb Völker sagte: Der frühere Lehrer war ein Schuft, dieser ist aber noch schlimmer, er ist meinem Kinde aufsässig". Auch bezeichnete er ihn als Lügner. Die Frau hatte geäußert: Wenn den Kerl nur der Schlag und das Gewitter rührte, daß er von der Welt wäre". Die Angeklagten legten Berufung ein und bestritten ihre Schuld; auch berufen sie sich auf Mißverständ­nisse. Das Urteil wurde bestätigt.

Gegen den Bergmann Albin Lang in Hungen u. dessen Stieftochter Marie wurde unter Ausschluß der Oeffentlich­lichkeit wegen Blutschande verhandelt. Der Angeklagte hat sich schon an dem Kinde vergangen als es noch in die Schule ging und den Verkehr später fortgesetzt, als seine Frau gestorben war. Er wurde zu 3 Jahren Zuchthaus u. 5 Jahren Ehrverlust verurteilt und ihm ein Monat Unter­suchungshaft in Anrechnung gebracht. Die Marie Lang wurde freigesprochen, da das Gericht annahm, der Ange­flagte habe das Kind durch Drohung gefügig gemacht.

Gießen, 21. Juni 1910.

Der Zusammenbruch des Neubaues an der Veteri närklinik beschäftigt heute die Straftammer. Es stehen wegen fahrlässiger Körperverletzung und Vergehens gegen die Bauordnung unter Anklage: der Bauunternehmer Joh. Georg Pfaff zu Gießen, der Maurermeister Karl Stein zu Steinbach und der Architekt Ludwig Seuling von Gießen. Pfaff wird von Dr. Spohr, Stein von Dr. Jung und Seuling von Rechtsanwalt Mendelssohn verteidigt, während die verletzte Frau des Ingenieurs Fuhrig von Gerichts Assessor Dannert als Nebentläger vertreten wird. Als Sach­verständige sind Baurat Becker, Rentner Winn, Bautechni fer Grote, Revisionsbeamter Grünig, sowie die Architekten Hammann, Rockerbeck und Huhn zur Stelle. Der Bau sollte noch vor dem Winter unter Dach gebracht werden, weshalb mit ungeheuerer Schnelligkeit gearbeitet wurde. Mitte No­vember hatte man mit dem Bau begonnen und zu Weih­terial wurde verwendet, was in Verbindung mit dem ein­nachten war man schon im vierten Stock. Schlechtes Ma­tretenden Frost die Katastrophe herbeiführte. Pfaff will feine Schuld haben, da er die Arbeiten dem Stein über­tragen habe, während Stein nach dem Plan gearbeitet ha= ben will und dem Seuling die Schuld zuschiebt. Die Ver­

handlung ist sehr umfangreich und wird wohl heute nicht zu Ende gehen.

Geschäftliches.

Unter den Lebensversicherungsgesellschaften des In­und Auslandes nimmt die Germania in Stettin wegen ihrer Größe, Sicherheit, Leistungskraft und günsti­gen Bedingungen eine bevorzugte Stelle ein. Der Bestand in der Lebens- und Rentenversicherung umfaßt Ende 1909: 826,4 Millionen Mark Kapital und 10,33 Millionen Marl jährliche Leib- und Invalidenrente. Die Sicherheitsfonds sicheren Werten angelegt, allein mit 308 Millionen Mart betragen Ende 1909 fast 368 Millionen Mart und sind in in Hypotheken- Darlehen. Mehr als eine halbe Milliarde Mark sind bisher für Versicherungsbeträge und Dividenden der Germania gehen weit über die Vorschriften des Geseßes an die Versicherten ausgezahlt worden. Die Bedingungen über den Versicherungsvertrag zu gunsten der Versicherten hinaus, sie gewähren Unverfallbarkeit und Unansechtbarkeit, die Policen sind Weltpolicen. Die Todesfall Versicherung mit Einschluß der Invaliditätsgefahr bietet eine für alle Berufstreise sehr zweckmäßige Pensionsversicherung. Auch schließt die Germania Unfall- und Haftpflicht- Versicherungen zu vorteilhaften Bedingungen, die den Versicherungsschutz im weitesten Maße bieten.

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