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Das Reisen.

Eine zeitgemäße Betrachtung von Hermann Schmidt- Silesius.

enn der Frühling seinen Einzug gehalten hat und die Natur ihm zu Ehren ihren herrlichsten Schmuck an­legt, sodaß dies ganze Land aussieht wie ein unendlich großer Pariser Platz gelegentlich einer Kronprinzenhochzeit, dann erwacht auch in dem Herzen des konservativsten und seßhaftesten Menschen ein Gefühl, welches ihn mit Macht aus seinen vier Pfählen oder fünf Zimmern hinaustreibt in die Ferne oder wenigstens nach dem Grunewald. Es ist das Reisefieber, eine sehr gefährliche Krankheit und ini höchsten Grade ansteckend. Wo es auftritt, sind in furzer Zeit selbst die seelenzahlreichsten Großstädte entvölkert, und nur der allergrößte Dalles ist imstande, die Macht des Fiebers zu brechen.

Die Art des Reisens ist sehr verschieden und richtet sich gewöhnlich nach der Steuerstufe des Reisenden. Ein wahr haft königliches, ja sogar faiserliches Vergnügen sind die Nordlands, Palästina- und Mittelmeerreisen. Ferner unter scheiden wir noch Forschungsreisen, Geschäftsreisen, Bier­reisen und Hochzeitsreisen.

Am gefahrvollsten, aber auch sehr einträglich, sind die Reisen nach sämtlichen beiden Erdpolen oder nach Afrika. Wenn diese Reisenden nicht einige Meilen hinter den letzten Nordhäusern im ewigen Natureise stecken bleiben oder von den Kannibalen als beliebtes Fastengericht vergessen werden, kehren sie mit erfrorenen Gliedern oder verbranntem Teint zurück, übergeben ihre Tage- und Mitternachtssonnenbücher

einem Berleger oder beranſtalten Vorlesungen ihrer ben teuer, welche sie manchmal garnicht erlebt haben. Wer sich für eine Nord- und Südpolreise erwärmen fann, muß faltes Blut haben. Sonderbarerweise melden sich dazu noch keine jungen Damen, obgleich es glaubwürdigen Nachrichten zu­folge in den Polargegenden von Eis oder Gefrorenem ge­radezu wimmeln soll. Freilich gibt es dort auch sehr bissige Seehunde, welche ohne Maulkörbe herumlaufen können. In Afrika wieder gibt es noch immer Negerstämme, welche von der Pflanzenkost absolut nichts wissen wollen und weiße Menschen für äußerst nahrhaft halten.

Sehr nüßlich aber weniger lustig sind die Geschäfts­reisen. Die Leute, welche solche machen, nennt man ent­weder arme Reisende oder Commis voyageurs. Der Unter schied zwischen beiden beruht auf den Spesen, welche sich ersterer zusammen fechten muß, während sie der andere von seinem Prinzipal erhält. Beide werden auf ihren Reisen oftmals schnell und billig befördert; der eine per Schub, der andere durch den Hausknecht.

Es hat im nahen Fliederbusche Die Nachtigall so süß gesungen. Da sind von ihrer Lieder Schall Ringsum die Knospen aufgesprungen.

Sehr beliebt bei den Männern und der Schrecken aller Ehefrauen sind die Bierreisen. Sie beginnen gewöhnlich in einem Wirtshause und endigen mit einem Rater.

Am schönsten soll eine Hochzeitsreise sein, doch hat sie leider einen riesigen Hafen. Man muß sich nämlich vorher mindestens standesamtlich trauen lassen. Ein solche Reise ähnelt einer Ballonfahrt. Anfangs schwebt man im siebenten Himmel, und zuletzt fällt man aus den Wolfen.

Durch die vielen modernen Erfindungen ist das Reisen sehr bequem geworden. Wie traurig stand es damit, als der Dampf noch nicht erfunden und Amerika noch nicht ent­deckt war. Wer damals einen ausgewanderten Onkel in Amerika hatte, konnte nicht einmal brieflich mit ihm ver­kehren, und wollte ein Kassierer einmal in die Ferne schweifen, so stand er traurig am Meeresstrande, von Weh­mut und der Polizei ergriffen. Diesen Kalamitäten haben die durchgehenden Züge und Schnelldampfer ein Ende gemacht, und die Defraudationen stehen nun in herrlichster Blüte.

Die nüßlichste Erfindung für das Reisen ist die Eisen­bahn, und eine angenehme Anregung dabei schaffen Ent­gleisungen, Radreifenbrüche und Zusammenstöße. Außer denselben gibt es aber auch noch andere Eisenbahnunfälle, welche jedoch meist gar nicht zur Kenntnis des Publikums gelangen. Kommit z. B. die Schwiegermutter mit dem Schnellzuge an, so bedeutet das für den Schwiegersohn eine der schrecklichsten Eisenbahnkatastrophen. Will man während

der Fahrt durch einen Tunnel ſein ſchönes vis- à- vis füſſen und knutscht im Finstern die danebensitzende alte pocken­narbige Tante ab, so ist dieses mindestens einer falschen Weichenstellung gleich zu achten, obgleich man so etwas nicht einmal ins Beschwerdebuch eintragen darf.

Um Unfälle zu verhüten, hat die Bahnverwaltung eine Menge nüßlicher Vorkehrungen getroffen. Die Beamten dürfen z. B. im Dienst nicht rauchen; ferner hat man den Stationsvorstehern Dreimaster verliehen, und außerdem gibt es noch an den Wagen Notbremsen und Notleinen. Die Notleinen waren leider in manchen Fällen nicht an­gebracht, obgleich sie sehr angebracht gewesen wären.

Die Freude am Reisen wird uns leider durch große Hotelrechnungen, fleine Portionen, schlechte Betten, un­versajämte Kellner, verschämte Bettler 2c. oft derartig_ver­dorben, daß selbst die schönste Hochzeitsreise eine Qual ist. Darum kann ich jedem, der da reisen will, nur den guten Rat geben: Wer eine richtige Vergnügungsreise machen will, der bleibe hübsch zu Hause.

.. Vergleich.

Die Blumenköpfchen streckten sie Sehnsüchtig auf zur lichten Sonne, Empfingen deren heißen Auß

In niegeahnter Liebeswonne.

Es gleicht mein Herz dem Blümelein In ihrem Duft und ihrem Sprießen

Schwur.

味道

Temperenzler( mit den Wellen ringend): Zu Hilfe, zu Hilfe; ich will mein Lebtag kein Wasser mehr trinken!"

Kühnes Bild.

Ja, Frau Bas', ich hab' von meinem verstorbenen

Prinzipal manchen Fußtritt schlucken müssen!"

Befehl.

Pantoffelheld:« Bei dieser Behandlung werd' ich

wohl nicht lange leben!"

Hausdrache: Untersteh Dich!

Und zauberschnell erweckte er In ihnen wundersame Düfte.

Die strömen aus dem Kelch hervor,

Erfüll'n die milden Frühlingslüfte!

Weckt es der Liebe Sonnenfuß,

Muß es in Liedern sich ergießen.

Für Radler.

Was ein Radler werden will, krümmt sich beizeiten.

Gut Gewissen ist ein sanftes Sattelkissen.

Wer da radelt auf der Straßen reden lassen.

muß die Leute

Erklärlich.

,, Sehen Sie nur, wie innig Ihr Freund die kleine Kommerzienratstochter beim Tanzen an sich drückt." ,, Gott, wenn man selbst so im Druck ist..."

Höchste Eifersucht.

,, Haben Sie schon so etwas von Eifersucht gehört? Der Romanschriftsteller Tajetti hat sich derart in die Heldin seines letzten Romans verliebt, daß er sich das Leben ge­nommen, weil der Held sie kriegtc."

Juunderlich

Ceilung der Arbeit.

Professor( zu bettelnden Kindern): Junge, Du machst ein so vergnügtes Gesicht, und Deine Schwester weint zum Steinerbarmen?"

- Ja, ich bin erst nächste Woche wieder dran."

musikalische

TI

Neue Bezeichuung.

,, Was haben Sie für eine Beschäftigung?"

" Ich besuche Versammlungen und mache noch in der­selben Nacht die Berichte darüber für die Morgenzeitung." ,, Also so eine Art literarischer Nachtwächter."

Ein ganz Darmloser.

,, Kerl, was machen Sie hier in meiner Wohnung?" ,, Ach, entschuldigen Sie nur gütigst, meine Herrschaften, ich wollte meinen Laubfrosch bloß' n paar fremde Fliegen fang'n. So'n Tierchen möchte halt auch mal' ne kleine Abwechslung haben."

~ ik

Der Zerstreute.

Ein alter Herr steht an seinem Fenster, durch das er auf den Hof einer Mädchenschule hinaussieht, wo gerade die Schülerinnen in Schlaf, Kindchen, schlaf!

Liebesgeschichte. Aber wie's nur fam, daß die Komtesse ihren Klavierlehrer heiratete?"- ,, Ganz einfach! Er behandelte sie erst mit aus­gesuchtester Beethövlichkeit, ward dann allmählich etwas mozärtlicher; bald gab's kleine Liebeshändel, und schließlich war sie eben haydnmäßig in thm vernarrt!... Was wollte da der Graf machen

er wurde überlisztet! Jetzt ist er aber ganz glücklich über das klize­fleine. Mendelssöhn­chen!"

X

Doppelsinnig.

Herr( zu einem Groß­faufmann): hr Geschäft soll ja, wie ich hörte, bis zu den Menschenfressern hinunter florieren?!" Ja dorthin fann ich nicht genug Reisende schicken."

Offenherzig.

Kunde( zum Barbier): Mein Arzt erklärte mir heute in aller Ruhe, ich müßte mir zu meiner Gesundheit etwas Blut abzapfen lassen."

Barbier: Das kann ich machen. Soll ich schröpfen oder rasieren?"

Wie sang so lieb, wie sang so leis Am Wiegenrand das Mütterlein! Es sang vom Schäflein schwarz und weiß,

Vom goldnen Mond, von holden Fei'n.

Schlaf Kindchen

Tiflerf

A.Mr

der Zwischenpause spazieren gehen: ,, Weiß der Teufel, ich wohne doch hier schon zwanzig Jahre, aber die Mädchen werden und werden nicht größer."

Mutterlaut, o süßer Ton, Gar bald dein letztes Stündlein naht:

,, Schlaf Kindchen", blökt das Grammophon, Den Rest besorgt der Automat.

Der eingebildete Kranke. ,, Ach, Herr Sanitäts­rat, ich bin immer so frank, daß ich große Angst habe, für den Fall, als ich wirklich frank werden sollte es gar nicht zu bemerken!"

Ein Rätsel. Pikkolo( erst vor fur­zem eingetreten): Der Gast hat gesagt, er will a Menu!... A was zum Essen mag dös schon sein... aber halt was?"

Eingegangen. Räuber: Ihr Geld oder Ihr Leben!"

Dichter( feine Bio­graphie überreichend): Hier ist es. In Kalb­leder 1 Mr. 50 Pfg. Von mir selbst verfaßt."