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Deutscher Lehrertag in Straßburg.

Die in den Pfingsttagen in Straßburg i. E. abgehal­tene Deutsche Lehrerversammlung war von fast 4400 Teil­nehmern, darunter über 1000 aus den Reichslanden und 39

Vertreter staatlicher und städtischer Behörden besucht. Auch Deputierte zahlreicher Auslandvereine( Frankreich, England, Luremburg, Schweiz, Belgien, Oesterreich) nahmen teil.

In der Hauptversammlung am 2. Pfingstfeiertag hielt Oberlehrer Schubert- Augsburg einen Festvortrag über Der Deutsche Lehrerverein, seine Aufgaben und seine Ziele". Ausgehend von der historischen Entwickelung des deutschen Lehrervereinswesens bezeichnete er als Hauptaufgabe des Vereins Förderung der Volksbildung durch Hebung der Volksschule. Brausender, sich wiederholender Beifall lohnte den Redner. Daran schloß sich ein Vortrag an, den Rek­tor Höhne- Berlin über Jugendfürsorge hielt. Als Haupt­forderungen stellte der Redner auf: das strafmündige Alter muß auf das 14. Lebensjahr heraufgesetzt werden. Nicht Strafe, sondern Erziehung soll der Hauptgrundsatz für die friminelle Behandlung Jugendlicher sein. Ein einheitliches Kinderschutzgesetz nach dem Muster Englands ist dringend zu wünschen. Die Leitung der Fürsorge- Erziehungs- An­stalten gebührt nur dem Pädagogen. Die Versammlung machte diese Forderungen zu den ihren.

Am 3. Pfingstfeiertag beschäftigte sich die Versamm= lung mit der Frage Schulaufsicht und Schulleitung". Zwei Referenten beleuchteten das Thema. Lehrer Salchow- Char­lottenburg vom der realistischen, Lehrer Paulsen- Hamburg von der idealistischen Seite. Der Erstere forderte eine au­toritative, der Andere eine demokratische Organisation der Schulleitung. Beide aber verwarfen jede Lokalschulaufsicht und jede kirchliche Schulaufsicht und forderten als unbe dingte Voraussetzung für alle Aufsichtsstellen die Erfahrung als Volksschullehrer. Nach langer Debatte nahm die Ver­sammlung die von dem ersten Referenten aufgestellten Leit säße an. An die Versammlung schloß sich am Mittwoch eine sehr stark besuchte Volksversammlung an, in der Tews­Berlin über Die Volksschule von heute", Oberlehrer Roll­München über Haus und Schule", Lehrer Köster- Hamburg über Kind und Buch" und Rektor Günther Göthen über die Forderung Schafft frohe Jugend!" sprachen.

Eine reichhaltige Schulausstellung und zahlreiche Neben­versammlungen ergänzten wirkungsvoll die beiden Haupt­versammlungen. Die ganze Tagung trug einen nationalen Charakter und war ein Verbrüderungsfest der nun geeinten deutschen Lehrerschaft. Ihr Abschluß bildete eine Fahrt zur Hochkönigsburg in den Vogesen. Die nächste deutsche Lehrerversammlung wird Pfingsten 1912 in Berlin statt­

finden.

X. Deutscher Freistudententag.

Sonderbericht von Dr. A. Zöllner, Generalsekretär der deutschen Studendenschaft. In der Zeit vom 16. bis 19. Mai fand in Weimar der 10. Deutsche Freistudententag statt. Es tagten neben einander der freistudentische Bund der die Verbände che maliger freier Studenten in sich vereinigt und die Deutsche Freie Studentenschaft der Verband der an den Deutschen Universitäten und technischen Hochschulen bestehenden studentischen Organisationen. Vertreten sind von den 35 deutschen freien Studentenschaften 29. Die Tagung wurde am Abend des 16. Mai vom Generalsekretär Dr. Zöllner eröffnet. Im Auftrage der Stadt Weimar begrüßte Bür­germeister Dr. Donndorf die Freistudentischen Vertreter.

frei­

Im Mittelpunkte der Verhandlungen standen die Er­örterungen über den gegenwärtigen Stand der freistudenti­schen Bewegung. Den ersten darauf bezüglichen Vortrag hielt Dr. Roth- Leipzig. Er stellte dar, welche prakti schen Ziele die freistudentische Bewegung zu erstreben hat, um die von ihr vertretenen Gedanken durchzuführen und zeigte, wie weit sie heute auf dem Wege der Erreichung dieser Ziele vorwärts geschritten ist. Als die wesentlichsten praktischen Erfordernisse stellte er hin: Geeignete Organisa­tionsform, als deren Grundlage auf absehbare Zeit hin­aus das Vertretungsprinzip zu gelten hat, ein von großen Gedanken erfülltes Programm, sichere finanzielle Fundier­ung, der einzelnen Organisationen, Heranziehung zur Führ­ung geeigneter Kräfte. Auf die prinzipiellen Grundlagen der freistudentischen Bewegung namentlich auf die Frage des freistudentischen Programms ging Dr. Behrend= Berlin ein.

In den geschlossenen Sibungen wurden die Fragen der akademischen Disziplinargeseßgebung, des studentischen Ver­sicherungswesens, der Gesamtausschüsse und der Propaganda behandelt. Der Sekretär des internationalen Verbandes für wissenschaftliche Forschung, Pollack Berlin, referierte über die Bestrebung dieses Verbandes; die Berliner Orga­nisation wurde beauftragt, ihnen ihre Aufmerksamkeit widmen. In Sachen des Berliner Jubiläumsausschusses nahm man folgende Resolution an: Die zum 10. Freistu= dententag in Weimar versammelten Vertreter der Nichtkor­porierten von 29 Deutschen Hochschulen nehmen mit leb=

44)

Die Freundinnen.

Originalroman von Irene v. Hellmuth. Nachdruck verboten.

zu

Langsam wanderte Maja mit ihrem Begleiter den ein­samen Waldweg dahin. Ihr feines Ohr vernahm bald hinter sich ein leises Geräusch. Sie wußte, ohne sich um­zusehen, daß ihnen jemand aus der Ferne folgte und eine Ahnung sagte ihr, wer der Nachkommende war. Leon war zu erregt, um etwas zu bemerken. Die junge Dame an feiner Sette zetgte sich heute so lebhaft und liebenswürdig, daß er die kühnsten Zukunftspläne schmtedete. Maja lachte und plauderte immerfort. Sie ließ ihn gar nicht zu Worte tommen; der kleine Mund ging wie ein Mühlwerk.

Sehen Sie dort das Eichhörnchen? Da, ja- jetzt ist es schon wieder fort. Ach wie schön und still und friedlich ist es hier. Und der glizernde Schnee, so weiß. Wahrhaftig, einen Roman könnte man hier dichten. Aber Romane werden so schlecht bezahlt. Und dann ein Weib, das dichtet! Bah- Weiberromane. Die sind zu süßlich, zu sentimental, die handeln immer vom Mondschein, von Biebe und zuletzt kriegen sich die Liebenden immer. Das ist langweilig. Müssen sie sich denn immer kriegen? Im Leben ist es doch auch nicht so." Sie stampfte zornig mit dem Fuße auf.

Wenn ich einen Roman schriebe, bei mir müßten die zwet, die sich lieben, auseinander wett auseinander, - und zuleßt müßten sie sterben, sterben an gebrochenem Herzen! Das wäre doch mal was anderes!"

Maja mußte eine Sekunde Atem schöpfen. Das be nützte ihr Begletter zu der in letbenschaftlichem Tone ge sprochenen Aeußerung:" Ich möchte Iteber einen Roman er­leben, anstatt dichten einen schönen, füßen Roman v Maja"-

-

Er versuchte den Arm um ihre Taille zu schlingen. Ste mochte wohl so etwas vorausgesehen haben, denn mit Lautem Lachen floh ste eiligst auf die andere Seite des Beges und begann von da aus wieder zu plaudern und Leon war ganz entzückt. Er bemerkte wohl, daß seine Det erzählen.

hafter Entrüstung Kenntnis von den Vorgängen im Ber­liner Jubiläumsausschuß. Der Freistudententag billigt das Verhalten der Berliner Nichtinkorporierten- Vertreter und be­trachtet die Zurücksetzung der Berliner Komilitonen als eine Beieidigung aller deutschen Nichtinkorporierten. Er erwar­tet, daß alle Nichtinkorporierten sich dem Protest ihrer Ber­liner Komilitonen anschließen und von allen offiziellen Ju­biläumsfestlichkeiten fernbleiben, falls nicht den Nichtinfor­porierten ihr gutes Recht zu Teil wird. Der Freistudenten­tag würde es begrüßen, wenn im anderen Fall die Ber­liner Nichtinkorporierten selbständig eine würdige Feier ver­

anstalten.

Als neues Amt wurde die freistudentische Zentrale für Häuslehrerstellen gegründet, über die Professor Gulenburg­Leipzig das Protektorat übernommen hat. An öffentlichen Veranstaltungen fand ein Begrüßungsabend statt, an dem Dr. Corwegh über Weimar sprach und ein Gartenfest im Etablissement Armbrust, an dem zahlreiche Kreise der Wei­marer Gesellschaft teilnahmen. Dem bisherigen General­sekretär Dr. Zöllner wurde Entlastung erteilt und der Dank für seine Geschäftsführung ausgesprochen. Mit der Führ­ung der Geschäfte des Generalsekretärs wurde cand. phil. Bayrich- Leipzig beauftragt. Zum Vorort wurde München­Universität gewählt. Die Tagung der deutschen Freien Studentenschaft wurde am Donnerstag nachmittag geschlossen.

Der Freistudentische Bund beschäftigte sich in seinen zweitägigen Beratungen in der Hauptsache mit den Fragen des inneren Ausbaues des Bundes und der Ausgestaltung der Akademischen Rundschau zu einer allgemein über afade= mische Fragen orientierenden Zeitschrift. Zum Bundesvor­sitzenden wurde Dr. Peters- Leipzig gewählt.

Parlamentarisches aus Hessen.

immliches wie da as Dollarprinzeff amble- Stellen mi Lettern g Fredy. affreuend durch d

der Ausstattung nach Ems verladen werden muß. Das Wer in dem fast alle ersten Kräfte beschäftigt sind, hat jüngt einen außerordentlichen Erfolg davongetragen und dürft für Sonntags besonders starke Zugkraft ausüben. Operetten­gutscheine haben zu dieser Vorstellung Giltigkeit. kommenden Dienstag wird als 2. Abonnements- Vorstellung die melodiöse Operette von Hugo Felix Madame Sherry gegeben.

Am

manchmal flingen

* Feuer. Durch die unvorsichtige Handhabung einer hört darüber hinh Kerze seitens eines Dienstmädchens gerieten die Fenster! hamtleistung berüd

vorhänge eines Zimmers auf der Löberstraße in Brand. Das Feuer, welches binnen kurzer Zeit gelöscht wurde, richtete nichts destoweniger großen Schaden an.

* Diebstahl. Der Hausbursche eines hiesigen Ba ckermeisters eignete sich Kundengelder an, um hierauf auf dem Fahrrad seines Arbeitgebers die Flucht zu ergreifen.

Aus aller Wen.

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prettisten Willner de Melodie e hübsche pangen und tanzten mußten fich zu ein Den Präsiden 15cffing, der ete; recht gut g

)( Aus der Mart. In Brandenburg a. H. beleg­ten W. Hamann und O. Linsener beim Prämienfahren am 2. Pfingsttage die beiden ersten Pläße auf Brennabor; in Forst i. 2. gewann H. Watereus im 50 Kilometerren nen den großen Frühlingspreis auf derselben Marte und U. di Majo, der gleichfalls Brennabor fährt, ging beim 30 Kilometer- Rennen um den Kleinen Frühlingspreis als Erster durchs Ziel.

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ift eine recht sc lange mit einem debenso wenig etw

tage in Gosselies in Belgien das 80 Kilometer- Rennen um Brennaborrade als Erster durchs Ziel. D. Peter war in Lodz( Rußland) der Held des Tages. Er gewann am 1. Pfingsttage den Eröffnungspreis, den Großen Frühjahrs­preis und das Prämienfahren und am 2. Feiertage den

)( Ausland. J. Böschlin bestritt am 1. Pfingst ein Lied fingen. den Prir de pentecote und ging auf seinem leichtlaufenden Hausmitteln. Ei

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** Der Finanz ausschuß der zweiten Kam- Großen Pfingstpreis und das Städtefahren. W. Techmer, erstere Mittel, S

mer setzte am Mittwoch seine Verhandlungen fort. Zur Be­ratung stand das Gemeindeumlagengesetz und die verschie­denen Anträge dazu. Man beschäftigte sich hauptsächlich mit der Gewerbesteuer. Es wurden die Abänderungsvorschläge beraten, die die hess. Handelskammern auf ihrem Handels­tammertag angenommen haben. Man hat sich im Einver= ständnis mit der Regierung diesen Beschlüssen genähert, da sich erhebliche Differenzen gegen den jezigen Stand der Gewerbesteuer herausgestellt haben, wenn die Vorlage der Regierung Gesetz werden wird.

Der Finanzausschuß der zweiten Kammer beschäftigte sich am Donnerstag noch einmal mit der Frage der Ge­werbesteuer in der Regierungsvorlage über die Gemeinde­umlagenreform. Eingehend wurde besonders der von der Regierung vorgelegte Tarif behandelt, welchen bekanntlich die Handelskammern für unannehmbar erklärt haben. Die neuen Vorschläge sehen insbesondere vor, daß die großen Betriebe nicht start belastet werden, wie es in dem Regier­ungsentwurf beabsichtigt ist. Die Regierung machte eine Reihe von Abänderungsvorschlägen, über welche sich die nächsten Dienstag fortzu­Ausschußmitglieder in der am setzenden Sißung schlüssig machen werden.

Lokales.

Gießen, 21. Mai 1910. * Wetterbericht. Fortdauernd warm und hei­ter, wenig Gewitterneigung.

-h Universität. Wie uns die Verwaltung der Universität mitteilt, wird die Frequenz unserer Landeshoch schule 1330-1340 Studenten betragen. Die genaue Be= suchszahl konnte bis jetzt noch nicht festgestellt werden, da am kommenden Mittwoch noch eine größere Immatrikula­tion stattfindet.

** Verein hess. Zahnärzte. Wie wir be­reits kurz berichteten, hält hier der Verein hess. Zahnärzte am 28. und 29. Mai in Gießen zur Feier des 50jähr. Berufsjubiläums seines Ehrenvorsitzenden Zahnarzt Dr. Kto ch= Gießen sein Stiftungsfest ab. Die Festlichkeiten neh­men am Freitag, den 27. Mai, mit einem Empfangsabend im Hotel Großherzog" ihren Anfang. Am Samstag, den 28. Mai, findet um 9- Uhr in der Freimauerloge eine Mit gliedersitzung des Vereins statt, an die sich um 11 Uhr ebendaselbst ein Festakt anschließt. Hierbei wird Professor Dr. Michel- Würzburg einen Vortrag über Aetiologie der Karies" halten. Den Schluß der Festlichkeiten an diesem Tage bildet um Uhr abends ein Kommers im" Hotel Großherzog". Am Sonntag, den 29. Mai, finden um 9 Uhr im großen Hörsaal der Anatomie Vorträge und De­monstrationen statt. U. a. wird hierbei Zahnarzt Koch die Zahnheilkunde vor 50 Jahren behandeln. Am nach= mittag wird mit den Damen ein Ausflug auf den Schiffen­berg unternommen.

tt Stadttheater. Nochmals sei auf die mor­gige Aufführung der geschiedenen Frau" hingewiesen, die unbedingt die letzte des pikanten Werkes ist, da ein Teil

junge Begleiterin lebhaft erregt war, doch weit entfernt, den wahren Grund zu ahnen, glaubte er, daß ihre anscheis nend ausgelassene Lustigkeit nur ihm gelte und knüpfte daran die kühnsten Hoffnungen.

Maja hatteihren Begleiter, ohne daß er es merkte, auf dem kürzesten Wege wieder zu dem alten Herrenhause zu rückgeführt. Er machte ein sehr enttäuschtes Gesicht, als er das graue, langgestreckte Gebäude plößlich in unmittel­barer Nähe vor sich liegen sah. Als Maja wieder bei der Freundin eintrat, hatte diese Besuch bekommen und zwar einen ganz merkwürdigen.

Baron von Albersdorf mit Frau und Tochter aus Berlin" lautete die Vorstellung.

Der alte Herr war ein ehemaliger Jugendfreund und Kriegskamerad von Sylvias Vater. Sie hatten zusammen die schweren Jahre 1866 und 70 mitgemacht und in mancher Schlacht dem Tode ins Auge geschaut. Sylvias Vater er­zählte in früheren, glücklicheren Jahren oft und gerne von seinem Freunde und den Gefahren, denen sie mit einander ausgesetzt waren. Sie führten nach Beendigung des letzten Feldzuges noch längere Zeit eine lebhafte Korrespondenz, aber nach und nach hörte diese auf. Nun hatten sie lange nichts von einander gehört. Und da tauchte nun plößlich dieser Baron von Albersdorf auf, den Sylvia aus den Erzählungen des Vaters wohl kannte.

Der alte bewegliche Herr mit dem runden glattrasierten Gesicht und den kleinen, listigen Augen machte einen güti­gen Eindruck. Er stroßte von Gesundheit, während seine etwas blaffe, noch jugendlich schlanke Frau ein fast tranf­haftes Aussehen hatte. Die Tochter, eine zarte hübsche Blondine, hatte das lebhafte Temperament des Vaters Al­erbt und bereits mit Sylvia Freundschaft geschlossen.

Das start gerötete Gesicht des alten Herrn drückte ein herzliches Bedauern aus.

Das tut mir aber aufrichtig letd, Fräulein von Schmett­wiß, daß Ihr Papa so viel durchzumachen hatte" sagte er im Laufe des Gesprächs. Daß er gerade jetzt unpäßlich sein muß! Ich hatte mich so auf ein paar angenehme Plauderstunden gefreut. Herrgott, was fange ich nur an? Ich werde mich ja zu Tode langweilen! Jetzt im Winter!" " Ich hoffe, daß es Papa bald wieder besser geht," tröstete Sylvia. Aber wie kommt es, daß Sie um diese Jahres­

der wie Peter Brennabor fährt, ging im Vorgabefahren Lagers aufsuchen

auf derselben Bahn als Erster durchs Ziel.

Stadttheater Gießen.

Freitag, den 20. Mai 1910. Die Dollarprinzessin

ein

Operette in drei Akten von Leo Fall. Ein Stück wie Die lustige Witwe" kann man auch zweimal, höchstens dreimal ,, allerhöchstens achtmal sehen!" war ein Wit, der einen vortrefflichen Komiker gehen machte; doch auch die lustige Witwe" hatte ausgesungen, als Leo Falls Dollarprinzessin" ihre an Hoftheatern aner­tannte und zugelassene Nachfolgerin, überall Triumphe feierte. Warum nicht in das Land der unbegrenzten Mög­lichkeiten schweisen, das Land mit den unzähligen Millio­nen, seinen Grafen der Arbeit, seinen arbeitgewohnten Mann- Weibern, all seiner Wirklichkeit, Verkehrtheit und Verstiegenheit; mußte dies Sujet nicht locken, reizen? Gab es doch allen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten, die sich der Phantasie fein berechnender und erfinderischer Libret tisten boten den freiesten Spielraum!

Die Musik ist auch hier, wie bei den meisten unserer neuesten Operetten, die Hauptsache; den oft schrecklich- schönen Text, den grammatikalisch- hervorragenden Stil darf man Man fann der nicht mit der kritischen Lupe betrachten! Operette eine weiche, angenehme Melodik so wenig abspre­chen wie eine sorgfältige, gewandte Instrumentation; wer fännte nicht die schönen Walzerrhythmen: Will sie dann lieben zart und heiß, Das sind die Dollarprinzessen" u. a., das bereits weltbekannte Ringelreihn Duett" zwischen Hans und Daisy.

Die Liebe spielt natürlich die führende Rolle; beide, Alice, die Tochter Couders, des Präsidenten eines Koh­lentrusts, und Fre dy Wehrburg, der dem alten Europa lebe wohl sagte, um nicht eine reiche Pommer'sche Gans heiraten zu müssen, beide- eigensinnige Troßköpfe! Er haßt eine Geldheirat will sich Alice's Liebe erkämpfen; sie möchte sich für ihre Milliarden einen Mann kaufen, so ein angenehmes Dekorationsmöbel, hat aber nicht berechnet, daß sich Fredy's Liebe nicht erhandeln läßt. Zu meinen Füßen muß sie erst um Liebe fleh'n, dann, ja dann mags gescheh'n! Will sie dann lieben zart und heiß, wie nur mein Herz zu lieben weiß.... Er sieht sie zu seinen Füßenes klappt sie kriegen sich!

Die beiden Hauptrollen, Alice und Fredy lagen in den besten Händen; Marta Merten entfaltete ihr ganzes

zeit Berlin verließen und auf Reisen gingen? In der Residenz muß es jetzt doch sehr lebhaft sein?"

Das ist es ja eben", erwiderte der alte Herr in grim­migem Ton. 3u lebhaft sogar. Aber ich sehe schon, tch muß Ihnen die Sache näher erklären, wenn Sie verstehen sollen. Also: meine Frau war bisher immer ferngesund. Niemals hörte ich die leiseste lage von ihr. Plöblich, wie mit einem Schlage, verändert sich das Bild. Meine Frau wird launisch, gereizt, bald fehlt es hier, bald da Kopfweh, Schmerzen in den Gliedern, kurz, es war nicht mehr aus zuhalten. Ich lasse unseren alten, erfahrenen Hausarzt kom men; der schüttelt mit bedenklicher Miene den Kopf, zudt die Achseln und will nicht heraus mit der Sprache. End. lich erklärt er, meine Frau sei nervenleidend. Ich bitte Sie, meine Frau, die bisher überhaupt nicht gewußt hat, daß es etwas wie Nerven gibt. Ich war im ersten Augen­blick sprachlos. Aber der Doktor hielt den Fall für sehr ernst. Die Geschichte wurde auch noch schlimmer."

Der Baron machte eine Pause und blickte besorgt nach der Gattin hin, die mit der Tochter am Fenster stand und leise etwas sagte. Er bemerkte, daß die beiden bedeutsame Blicke wechselten.

Was habt Ihr denn?" fragte er in sanftem Ton. ,, nichts, nichts."

Die kleine Baronesse ficherte leise.

Der alte Herr fuhr eifrig fort: Also kurz und gut, der, Doktor erklärte mir rundweg, ich müsse mit meiner Frau unverzüglich abreisen. Irgendwohin, wo es still und ruhig fet. Sie müssen Ruhe haben, etwas anders sehen, ganz für sich quein leben. Bei unserem groken Befanntenkreise gibt es fa freilich täglich Besuche, Gesellschaften. Einladun gen und so weiter. Man ist da förmlich gezwungen, hinzu gehen, sonst heleidigt man seine Freunde. Nu blieb ja meine Frau öfters zu Hause, aber ich und meine Tochter hatten dann wieder die Sorge um unsere Kranke. Doktor hielt also eine Reise für das allerbeste. Er riet mir dringend die Gegend aufzusuchen, weil die Luft hier besonders günstig sein soll für derartige Krankheiten. So entschloß ich mich denn schweren Herzens, dem Rat des Arztes zu folgen.

( Fortseßung folgt.)

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