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* Vom Odenwald. Der Preis für Aepfel ist hier überall infolge der starten Nachfrage in die Höhe ge gangen. Anfangs September hätte man allerorts Weinobst zu 2,60 bis 2,80 mt. pro Zentner bekommen können. Jetzt steht es 4,00-4,40 mt. pro Zentner.
* Offenbach Die sozialdemokratische Mitgliederversammlung nahm das von dem Wahlkomitee der Partei mit der fortschrittlichen Voltspartei für die Stadtverordnetenwahl getroffene Abkommen an, wonach eine gemeinsame Kandidatenliste aufgestellt wird, in der die Fortschrittliche Vollspartei mit zwei Namen vertreten ist.
* Darmstadt. Die Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes, Darmstadt 1910, wurde geschlossen. Sie war besucht von 13 482 Personen.
* Darmstadt. Hier tagte unter dem Vorsitz des Generalanwalts Geheimerat Haas der Vorstand des Internationalen Bundes der landwirtschaftlichen Genossenschaften zur mehrtägigen Beratung wichtiger genossenschaftlicher Angelegenheiten. Die Vertreter waren am Samstag zu Geheimerat Haas zum Diner eingeladen.
* Aus Rheinhessen. Mit dem Rückgang des Weinbaues hat sich in Rheinhessen der Anbau der Zucker= rübe gehoben. In den Gemarkungen Gimbsheim, Guntersblum, Hamm und Eich rechnet man in diesem Jahre auf der einen Rübenertrag von 400 000 3entnern. Dabei ist Preis für den Zentner von 90 Pfg. auf 1,10 Mt. geftie
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* Mainz. Die hiesige freisinnige Partei beschloß ein Zusammengehen der bürgerlichen Parteien bei den Stadt verordnetenwahlen.
* Frankfurt a. M. Die Kaiserin hat ihr Interesse an dem Frankfurter Margueritentag dadurch fundgetan, daß sie einige Vertreter zum Studium der als mustergültig anerkannten Organisation hierher sandte; anscheinend beabsichtigt sie eine ähnliche Blumenmesse in der Reichs- hauptstadt zu veranstalten.
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* Hanau. Die Verhandlungen über die Ausführung des geplanten Bahnbaues Hanau- Büdingen, die in der letzten Zeit ruhten und anscheinend auf dem toten Punkte angelangt waren, sind von der Unternehmer- Firma, Aktiengesellschaft für Bahnbau und-Betrieb in Frankfurt a. M., wieder aufgenommen worden. Es wurde der Versuch gemacht, von den interessierten Gemeinden eine höhere Zu schußleistung zu erhalten, als anfänglich zugesagt worden
war.
* Marburg. In feierlicher Weise wurde am Sonntag der neue Rektor unserer Universität, Geh. Konsistorialrat Prof. Dr. theol. Kart Budde in sein Amt eingeführt. Er behandelte in seiner Antrittsrede das Thema„ Das Wesen des Monotheismus“.
* Vom Westerwald. Die Kartoffelernte ist in diesem Jahre nicht so reich ausgefallen als im vorigen, weshalb die Preise durchschnittlich 50 bis 60 Pfg. per Zentner höher sind als im verflossenen Jahre. Die geringe Kartoffelernte hat einen Rückschlag auf den Preis von fleinen Schweinen ausgeübt. Während diese im Sommer 15 biz 20 Mr. per Stück fosteten, bezahlt man jetzt 10 bis 12 M.
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Der Hansabund
reranstaltete am Samstag, abends, in dem Cafe Ebel zu Gießen eine Werbeversammlung, in welcher Herr E: Brandt Berlin einen großzügig angelegten Vortrag über„ Neudeutsche Wirtschaftspolitik" hielt. Da die jüngsten Verhandlungen des Reichstages bezüglich der Reichsfinanzreform eine nicht unberechtigte Erregung in weite Schichten des deutschen Volkes getragen haben, sc dürfte es wohl jedermann interessieren, die Aufgabe des Hansabundes, durch das Eintreten für eine gerechtere Verteilung der Steuerlasten eine Sanierung der Reichsfinan zenzen herbeizuführen, näher kennen zu lernen und demgemäß in die vom Hansabund gewünschte neudeutsche Wirtschaftspolitik einen Einblick zu gewinnen.
„ Der Landwirtschaft", so führte der Redner aus,„ haben in den achtziger Jahren rund 19 Millionen Personen angehört, welche ungeachtet des Bevölkerungszuwachses im Jahre 1910 auf 17 Millionen zusammengeschmolzen waren, während die Zahl der in den verschiedenen Gewerben tätigen Personen in dem gleichen Zeitraum von 20 Millionen auf 34% Millionen stieg. Anstatt aber dieser Verschiebung der Erwerbsgruppen Rechnung zu tragen, wurde die Landwirdschaft von dem Reichstag einseitig bevorzugt. Das tam besonders flar bei der letzten Reichsfinanzreform zum Ausdruck, bei der die aus Zentrum und Konservativen besteh=
Die Baren- Kapelle.
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* Die 3aren Kapelle, die sich in Begleitung des Zaren während des Aufenthaltes in Deutschland findet, hat hauptsächlich bei den von der kaiserlichen Fa= milie besuchten Gottesdiensten zu singen. Da die der Kapelle angehörigen Sänger bisher nur in der russischen Kirche gesungen haben, so sagt man bei uns furzhin„ der Kirchenchor des Zaren". Diese Bezeichnung ist aber nur bedingt für uns richtig. In Wirklichkeit haben wir es bei den Herren, die in Friedberg mit anwesend sind, mit einem Doppel- Männer Quartett von außergewöhn= lichen künstlerischen Qualitäten zu tun. Die von ihnen vorgetragenen Kirchenchöre beispielsweise sind als muster= gültige Leistungen zu bezeichnen. Gleich einer gut abgestimmten Orgel ziehen die Töne der Sänger flagend, bittend und erhebend tröstend durch das im Dämmerlicht liegende Schiff der russischen Kirche. Tief ergriffen lauscht die Gemeinde, mit dem Zaren an der Spitze, den Tönen, die von den Stufen des Allerheiligsten zu ihr herabschallen. Wehmütig leise setzt der Tenor ein, tröstend und Erhörung verheißend folgt der Bariton, und kraftvoll mächtig kündet der Baß, der über eine staunenswerte Tiefe fügt, daß die Liebe Gottes ewiglich währt. Es ist eine ganz hervorragende Wirkung, die diese mit außerordent= licher Künstlerschaft zusammengestellten Stimmen an heiliger Stätte hervorbringen. Sehr oft kann man beobachten, wie den Zuhörern bei den ergreifenden Gesängen die Tränen in die Augen kommen. Von gleich großer Wirkung ist aber der Gesang der Kapelle auch bei der Wiedergabe weltlicher
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ende Reichstagsmehrheit die Erbschaftssteuer, welche alle Berufe gleichmäßig getroffen haben würde, fallen ließ und dafür Verkehrs- und Verbrauchssteuern einführte, welche in erster Linie das Gewerbe und den Handel belasteten. Der Hansabund betrachtet es nun als seine vornehmste Aufgabe, den zurückgesetzten Erwerbsgruppen zu der ihnen zukommenden Gleichberechtigung mit der Landwirtschaft zu verhelfen. Sein Augenmerk wird in erster Linie darauf gerichtet sein, daß diese Bevorzugung einer Gruppe bei den neuen Handelsverträgen fortfällt und daß die Getreidezölle nicht noch weiter erhöht werden. Der Hansabund fonnte aber nur einen machtvollen Zusammenschluß dadurch schafsen, daß er das, was die ihm angehörenden Gruppen eint, in den Vordergrund rückte. Auf diese Weise nur war ihm möglich, während seines 1jährigen Bestehens ¼ Million Mitglieder und einschließlich der angeschlossenen Vereine über eine Million Anhänger unter seine Fahne scharen. Der Hansabund hat sich besonders eifrig des Handwerks angenommen und einen Geseßentwurf über die reichsgesetzliche Regelung der Ausschreibung von Lieferungen 2c. ausgearbeitet, welcher dem Reichstag noch in diesem Winter zugehen wird."
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Der Redner richtete am Schluß seiner Ausführungen dez an die Anwesenden die Aufforderung, für die Sache Hansabundes noch mehr als bisher tätig zu sein. Daraufhin erklärte der hiesige Kaufmännische Verein für weibliche Angestellte durch seine 1. Vorsitzende, Frau Marie Schmidt, unter dem lebhaften Beifall der Erschienenen seinen Eintritt = h= in den Hansabund als korporatives Mitglied.
Aus aller Welt.
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* Berlin. Die Versicherungskommission des Deutschen Reichstages begann mit§ 1270 die Berechnung der Versicherungsleistungen. Von der Wirtschaftlichen Vereinigung und vom Zentrum lagen Anträge vor auf Erhöhung der Invalidenrente bei Vorhandensein von Kindern unter 15 Jahren. Der Zentrumsantrag wurde gegen die Stimmen der beiden konservativen Parteien und der National= liberalen angenommen. Nach§ 1294, welcher Annahme fand, kann die Rente ganz oder teilweise auf Zeit ent zogen werden, wenn sich ein Rentenempfänger ohne triftigen Grund dem Heilverfahren entzieht und dadurch die Beseitigung der Invalidität verhindert. Das gleiche gilt, wenn er sich ohne Grund einer Nachuntersuchung oder Beobachtung in einem Krankenhause entzieht.
* Groß 3immern. Gegen die am 13. August hier abgehaltene Bürgermeisterwahl, aus der der Kandidat der vereinigten bürgerlichen Parteien, Kaufmann H. M.
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Brücher, siegreich hervorgegangen war, hatte die Gegenpartei Einspruch bei dem Kreisausschuß erhoben. Dieser wies aber die Reklamation als unbegründet zurück und verurteilte die Reklamanten zur Tragung sämtlicher Kosten, einanwälte, außerdem zu einer Aversionalstrafe von 30 Mt. schließlich Gebühren für die beiderseitigen Zeugen u. Rechts)( Das Stundenrennen in Paris wurde am Sonntag vom Weltmeister Darragon auf seinem flinken Brennaborrade gewonnen. Im geschlagenen Felde befan den sich die besten in Paris anwesenden Rennfahrer, Nat Butler, Didier, Charziot, Lavalade und Seres. Darragon verbesserte alle Lokalrekords.
)( Der Große Preis der Rheinprovinz wurde am Sonntag in Barmen in einem 100 Kilometer= Rennen von Tommy Hall vor A. Stellbrink, Günther und Hoppe gewonnen. Hall benutzt die bewährte Marke Brennabor.
Aus dem Gerichtssaal.
Strafkammer.
Gießen, 14. Oftober 1910. Der Müller Karl Wirth aus Lorch hat in Gemeinschaft eines Bäckergesellen zu Großen Linden die Haustüre eines Glasers aufgebrochen und hat diesem bedroht, so daß er flüchten mußte. Er wurde von der Ge meinde beherbergt und gegen die Eindringlinge wurde Anflage wegen Bedrohung und Hausfriedensbruches erhoben. Der Bäckergeselle, welcher Ausländer ist, wurde früher schon abgeurteilt und Wirth, der flüchtig war, tam später daran und erhielt wegen Hausfriedensbruchs 10 und wegen Sachbeschädigung 8 Tage Gefängnis, woraus eine Gesamtstrafe von zwei Wochen gebildet wurde. Der Angeklagte focht das Urteil an und wollte, falls er tatsächlich schuldig sei, was er jeöoch bestritt, eine Geldstrafe haben. Als ihm das Ge richt klar gemacht hatte, daß ein gemeinschaftlicher Haus- friedensbruch nur mit Gefängnis geahntet werden kann, zog er seine Berufung zurück.
Der Landwirt Konrad Dechler von Wenings hat die Charlotte Kling dorten wegen Beleidigung verklagt, weil sie ihm nachgesagt hatte, er habe sie zur Abtreibung verleiten wollen. Das Schöffengericht Ortenberg verurteilte die Angeklagte zu 10 Mart Geldstrafe. Das Urteil wurde von der Angeklagten angefochten. Sie blieb dabei und wollte den Wahrheitsbeweis erbringen. Das Gericht hielt es für nötig, das persönliche Erscheinen der Parteien anzuordnen und Zeugen zu hören, sowie Zivilatten einzufordern, weshalb Vertagung auf 4 Wochen erfolgte.
* Darmstadt. Der Frautfurter Flieger August Euler unternahm auf dem Truppenübungsplatz Griesheim auf einer für militärische Zwecke gebauten Flugmaschine eigener Konstruktion einen Aufstieg mit dem Kommandan ten der Darmstädter Garnison, General von Randow. Eu Ter legte eine Strecke von etwa 7 Kilometern zurück und freuzte üaer dem Landwehr- Regiment, das gerade eine Uebung veranstaltete. General von Randow sprach sich über den Flug und die Leistungen des Apparates sehr lobend
aus.
Verantwortlich: Albin Klein, Gießen.
„ Na, Fräulein, wenn Sie nicht ' mal Kathreiners Malzkaffee kochen können, dann haben Sie aber recht wenig in der Pension gelernt. Das ist doch so einfach: Sie mahlen ihn, setzen ihn mit kaltem Wasser an, lassen ihn ein paar
Minuten kochen und dann gießen Sie ihn durch. Fertig ist der feinste Malzkaffee, aber Sie müssen natürlich Rathreiners nehmen."
Der Gehalt macht's!
Lieder. Ein öffentliches Auftreten ist nur mit besonderer und Hingebung versenkten sich die Sänger in die WiederGenehmigung des Zaren gestattet. Erfolgt diese, so geschieht gabe des„ Vater unser" und des zweiten Cherubin- Lied von Bortnjansky. Es war eine unbeschreibliche Wirkung, die es nur für einen geschlossenen Kreis oder eine Wohltätig= sie erzielten. nicht Es waren nicht die einzelnen Stimmen, die itsveranstaltung. Gegen Entgelt darf die Kapelle was den Zuhörer gesangen nahmen, es war das Ganze, singen. Man hörte vor einigen Jahren von dem kaiserlichen unpackte und fesselte. Wie ein lebendes Bild, starr und Chor drei Lieder, die einen so nachhaltigen Eindruck hinbeweglich, standen, die acht Herren da. Mühelos, ohne terließen, daß ihr Wohlflang noch heute in angenehmer Erjegliches Bewegen, ohne daß man atmen hört, strömten die Töne über ihre Lippen und in die Herzen der Hörer. War innerung bei den betreffenden Zuhörern ist. Es waren dies ein Morgenlied von Mussorgsky:„ Gehe auf, gehe auf, du ihr Erfolg schon in unserem glänzend erleuchteten Konzertrote Sonne",„ Die Heimkehr“ von Batuschkins:„ An den haus ein großer, wie muß der Gesang erst im Innerh Toren, an den Toren des Vaterhauses" und das Lied der im ereines Gotteshauses wirken! Dieselben Vorzüge wie Tauzieher an der Wolga:„ Ei Uchnem", ungefähr zu deutsch: sten Teil des Konzertes bewiesen sie auch im zweiten Teil „ Wir jauchzen". Es war erstaunlich, zu sehen, welchen Erbei dem Vortrag von weltlichen Liedern. Hier mußte befolg die russischen Sänger bei der zum größten Teil deutLied sonders die„ Serenade" von Abt und das bekannte schen Zuhörerschaft errangen. Herr Bogdanof, der Dirigent von Heiser:„ Das Grab auf der Heide" interessieren. Beides der Kapelle, ein noch verhältnismäßig junger Mann, wurde mit viel Geschmack und fünstlerischer Vornehmheit ein außerordentlich feinfühliger Musiker. Durch unermüddargeboten. Neben dem Dirigenten, Kapellmeister Bogdalichen Fleiß hat es die Kapelle zu einem staunenerregtem nof, wurden die Solisten des Abends: die Herren Judin, Zusammenwirken gebracht. Es ist alles voller Ebenmaß. Aristarchow und Sewandow im Verlauf des Konzerts mit Kein Hervordrängen der einzelnen Stimme. Kein Glänzen unermüdlichem Beifall überschüttet und mit einer großen des Einzelnen auf Kosten der anderen, sondern der ChorgeAnzahl von Blumen- und Kranzspenden geehrt. Am Schluß sang, wie er sein soll. Was die äußeren Verhältnisse der des Konzertes, nach dem Vortrag des wuchtigen, tief Angehörigen des Chores betrifft, so sind sie Hofbeamte greifenden Wolgaliedes„ Ei Uchnem" blieb das ganze PubIhre Stellung ist, wenn wir recht unterrichtet sind, eine lifum einmütig versammelt und ruhte nicht, bis die Sänlebenslängliche. Petuniäre Sorgen haben sie nicht zu fürchger den letzten Chor wiederholten. War der künstlerische ten, sondern können sich ganz und ungehindert ihrer schö= Erfolg des Konzertes ein großer, so blieb der äußere danen Kunst widmen. gegen gewiß nicht zurück. Es wurde eine Einnahme von über 1300 Mart erzielt, die zu gleichen Teilen dem Verein für Säuglingspflege in Hessen und dem Bad Nauheimer Elisabethhaus zugeführt wurden.
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Dieser kaiserlich- russische Kirchenchor gab am 4. Ottober in Bad Nauheim ein Konzert, das ein künst Terisches Ereignis 1. Ranges war. Mit welcher Innigkeit
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