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Mal zum Besuch des Prinzenpaares Friedrich Karl von Hessen und der Kronprinzessin von Griechenland auf Schloß Friedrichshof ein. Unter Führung des Schloßherrn bega= ben sich die Fürstlichkeiten zu Fuß nach der alten Burg Cronberg und besichtigten die ihrer Vollendung entgegen= die sehenden Renovierungsarbeiten des Schlosses, sowie Burgkapelle. Nach dem Tee erfolgte gegen 6 Uhr die Rück­fahrt nach Friedberg.

Am Sonntag trafen Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen mittags nochmals zum Besuch von Schwestern und Schwager auf Schloß Friedrichshof ein und nahmen der Frühstückstafel teil.

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* Der Direktor der Universitätsbibliothek, Dr. Haupt, konnte am Sonntag auf eine 25jährige Tätigkeit in Gießen zurückblicken. Daß 1885 nur 11 556 Bände, 1910 aber 38 574 ausgeliehen wurden, kennzeichnet zur Genüge den Aufschwung, den die Büchersammlung unserer Landes­hochschule unter der bewährten Leitung Dr. Haupts ge= nommen.

Der Jubilar hat sich in seinen freien Stunden auch besonders eifrig dem Lesehalle- Verein gewidmet, wel­cher seine Verdienste durch Ernennung zum Vorsißenden an­erkannte. Möge dem hervorragenden Gelehrten ein schöner Lebensabend beschieden sein.

* Das Museum für Völkerkunde, das sich Die Kronprinzessin von Griechenland verließ gestern bekanntlich in dem neuen Schloß befindet, wird voraussicht­Schloß Friedrichshof und reiste nach Athen.

Das Hoflager wird am 25. d. Mts. doch noch auf einige Zeit nach Jagdschloß Wolfsgarten ver­legt werden. Zur Uebernahme eines Teiles des Sicherheits­dienstes ist die 5. Eskadron des Drag.- Rgts. Nr. 24 vom 23. ds. Mts. ab nach Langen beordert.

Lokales.

Gießen, 18. Oktober 1910. ** Verliehen wurde vom Großherzog dem Faz brikanten Leonhard Ho o 3- Lauterbach der Charakter als Kommerzienrat.

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* Stadtverordnetenversammlung. Die nächste Sigung findet kommenden Donnerstag, den 20. Of­tober 1910, nachmittags 4 Uhr, mit folgender Tagesord= nung statt: 1. Mitteilungen. 2. Baugesuch Schäfer und Lindenstruth für die Lahnstraße. 3. Desgleichen August Deibel für den Neuenweg. 4. Gesuch des H. Mühlich um Erlaubnis zur Anbringung eines Hoftores in der Damm­straße. 5. Desgleichen des Georg Haubach für den ver­längerten Asterweg. 6. Gesuch des Edmund Richter um Erlaubnis zur Belassung eines Firmenschildes am Haus Friedrichstraße 7.- 7. Anlage von Ertern und Balkonen im Luftraum städtischer Straßen. 8. Festsetzung der Bau­fluchtlinien der Straße bei den Veterinärkliniken. 9. Ein­gabe des Dr. O. Ritgen- Berlin, die Bebauung der Frank­furterstraße betr. 10. Pflasterung der Straße In Löbers Hof". 11. Benennung von Straßen in dem Gebiet zwi­schen Mittelweg und Veterinärklinik. 12. Anschluß des Liebiglaboratoriums an die Gas- und Wasserleitung. 13. Einfriedigung des Lazarettgrundstücks; hier: Gewähr= ung eines Zuschusses. 14. Gesuch des Eisvereins um Ueberlassung der Eiswiesen für den kommenden Winter. 15. Verpachtung eines Geländestückchens an Friedhofs= aufseher Sier.- 16. Zuschuß zum Jugendfest 1910. 17. Beitritt der Stadt Gießen zur Zentrale für Mutter- u. Säuglingsfürsorge.- 18. Benutzung eines Fahrrades durch 19. An- und Verkauf den Ratsboten Schneider. von Grundstücken. 20. Straßenbahn: a) Minuten­Verkehr bis zum Schüßenhause; b) Haltestellen in der Wall­22. torstraße. 21. Genehmigung von Rechnungen. Vergebung von Arbeiten und Lieferungen. 23. Erlaß einer Polizeiverordnung, den Verkauf von Speiseeis auf öffentlichen Straßen und Pläßen betreffend. 24. Gesuch des Wilhelm Weber um Erlaubnis zum Betriebe einer Schantwirtschaft im Hause Steinstraße 76. 25. Desglei­chen der Anna Marie Strodel im Hause Brandgasse 3.- 26. Desgleichen des Johann Peter Wamser im Hause Brandgasse 7.- 27. Desgleichen des H. Fr. Georg im Hause Frankfurterstraße 165. 28. Desgleichen des Aug. Lamm im Hause Westanlage 7. 29. Desgleichen des Karl Wagner im Hause Neuenweg 31. 30. Desgleichen des Philipp Meininger im Hause Neustadt 31.

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Der gefangene Pfarrer.

Eine geschichtliche Erzählung aus der Zeit des 30jährigen Krieges von Wilhelm Die h 1.

Der bekannte hessische Geschichtsforscher ist unter die Romanschreiber" gegangen; in einem launigen Vorworte bezeichnet der Verfasser seine Erzählung, die unter Schmer­zen geschrieben, mit großen finanziellen Opfern gedruckt" ist, selbst als Roman.

Vielleicht war es auch nur ihm möglich, als ihm das Tagebuch des Roßdorfer Magisters Hermann Schipper in die Hände geriet, mit einer wunderbaren Lebhaftigkeit des geistigen Empfindens und Denkens Ge­stalten einer lange verflungenen Zeit vor sich erstehen zu lassen, sie mit solcher Schärfe und Klarheit andern sichtbar zu machen. Und doch kann und konnte nicht allein das Interesse( des Forschers) an einer Zeit, die soviel Glend, Jammer, Not, Grausamfeit und Schurkerei gezeigt hat, die mit dem größten Schandfleck der Menschheit, den Früchten der Jesuitenzunft und Inquisition, den Herenprozessen ge­brandmarkt ist, der tiefste Anlaß zu dieser Erzählung seink Schiller hob einst aus dieser Zeit die Gestalt Albrechts von Wallenstein heraus, und heute noch lieben wir dieses in seiner Art unwiederholte dramatische Gedicht. Warum? Aus demselben Grunde, der Schiller zu diesem Wurfe trieb: Wallenstein, getrieben von Ehrgeiz, mit dem maßlosen Glau ben, dem Wahne an sein Ich, seinen selbstherrischen Plä­nen, seinem vermessenen Wollen, ist einer jener großen Herrenmenschen, genialen Ausnahmemenschen, die, unver= standen, gehaßt von der Masse, vor ihrem Ziele gestürzt werden. Was schert sich die Masse um sein Wollen; versteht ihn nicht, sie dankt ihm nicht; siegreich schreitet das demokratisierende Naturprinzip über ihn weg

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lich am 30. Oktober zum ersten Mal seine Pforten öffnen. Es ist in den letzten Wochen um eine Anzahl wertvoller Sachen bereichert worden und wird zweifellos mit seinen anerkannt hervorragenden Schäßen eine Sehenswürdigkeit

unserer Stadt bilden.

* Städtische s. Der Stadtteil an der Rodheimer Straße und der Schlachthof erhalten gegenwärtig eine neue Abflußleitung für die Schmußwässer, die unter der Lahn hindurchführt und in der Kläranlage mündet, welche nach vollzogener Reinigung ihrerseits die Abwässer in die Lahn leitet. Ein großer Teil der etwa 40 Zentimeter weiten Röhren ist bereits gelegt.

* Straßenbahn. Der Wagenschuppen der elek trischen Straßenbahn, welcher bis vor kurzem nicht gerade als eine besondere Zierde des Stadtteils an der Lahn an­gesehen werden konnte, da er des äußeren Anstrichs ent­behrte, prangt nunmehr in einem gefälligen Weiß. Der Er­weiterungsbau des Kraftwerkes wird wohl demnächst auch ein besseres Gewand anlegen und sich so dem recht ansprech­enden Aussehen des Verwaltungsgebäudes des Elektrizi= tätswertes mehr anpassen.

* Die Untersuchung gegen Werner schreitet rüstig fort. Kürzlich weilte der Untersuchungsrichter in St. Ing­bert, um den Tatbestand des Einbruches in die Pulverfa­brik aufzunehmen. Wie der Beamte einwandfrei feststellte, haben Werner und Wingeß aus dem unter der Erde ge­legenen Dynamitraum nach gewaltsamer Oeffnung von drei eisernen Türen den für die Füllung der Bomben notwen­digen Sprengstoff geraubt. Die hierbei verwandten Werk­zeuge wurden in einem in der Nähe der Fabrik befind= lichen Forst entdeckt.

Aus Hessen und Nachbargebiet.

== Heuchelheim, 17. Oft. Unter Vorantritt des neugebildeten Trommlerkorps unternahm am gestrigen Sonn­tag, nachmittags, unser Turnverein einen Turngang nach der Stadt Weblar. Unter überaus starter Beteiligung führte der Weg durch die freundlichen Lahnorte Atzbach, Dorlar, Waldgirmes, Naunheim nach dem Endziel Wetz= lar. Am Abend wurde die Bahn bis nach Station Kin­zenbach benutzt und unter klingendem Spiel, begrüßt von Jung und Alt, zog die stattliche Turnerschar in unser Dorf ein.

2* Eberstadt( Kr. Gießen). Daß die Fasanen einem Jäger ins Haus fliegen, dürfte nicht alle Tage vor­kommen. Hier aber hat es sich zugetragen. Bei einem Landwirt und Jäger fehrte ein prächtiger Fasanenhahn ein und ließ sich auf dem Speicher nieder, wo er gefangen wurde.

* Wetzlar. Der heutige Obstmarkt im Schüßen- garten" war gut befahren. Die Landwirte des Kreises hat­ten recht schönes Obst aller Arten aufgebracht. Unter den Aepseln herrschte die Winter- Goldparmäne bei weitem vor.

lichkeit, das der Gier der rohen, sengenden und mordenden Soldateska entwischt war. Da, da schreit die Wahrheit aus dem Munde des Pfarrers hinaus in diese Lästerwelt, diese Tyrannei; schreit aus wie ein zu Tode gehetztes Wild vor der Qual der Lüge, des Unglaubens Haß und Liebe sind eins; Haß gegen Lüge, gegen Tyrannen u. Schur­fen, Schelme und Wichte, die die Freiheit des Wortes fne­beln und knechten, die Glauben predigen, indem sie alle Werte fälschen, indem sie ihrer Lust, ihrem Frevelmute Gößen schnißen aus den Tafeln des Gesetzes.... Haß! Und Liebe, die große Liebe für die Wahrheit, die Liebe, die sich selbst zum Opfer bringt und unerkannt, unbelohnt stirbt, oder heimlich erschlagen, elendiglich verreckt", währ­end die Falschheit und Lüge an leckern Schüsseln sich voll­frißt...

Es ist ein Mann, der für die Wahrheit streitet, ein Streiter Gottes, ein Prediger, wie wir einen zweiten su chen müssen; ihn wirst man für ein freies Wort in den Turm, um ein freies Wort zur rechten Zeit, während an­dere sich vollsoffen", ein anderer nach der Sackpfeife tanzte, und das Hemd hinten aus den Hosen hangen gehabt wie ein Bergknapp", in Amt und Würden!

* Alsfeld. Die 1. Provinzial- Kaninchenausstell­ung für Oberhessen wird vom 22. bis 24. Oktober dahier im Deutschen Haus" abgehalten. * Ech z ell. Eine Provinzial- Geflügel- Ausstellung findet hier am 29. und 30. Oftober statt. Unter den zahl­reichen Geldpreisen und Ehrenpreisen befinden sich 200 M., die die Landwirtschaftskammer gestiftet hats.

* Nidda. Eine der obstreichen Gegenden Hessens ist unser Bezirk. Allein die Stadt Nidda hat für Obst Mt. 3000 eingenommen. In der Umgebung stellte sich der 3tr. Tafeläpfel auf 5-7 Mark, der Zentner Kelteräpfel auf 2,50 Mark.

* Nid da. Bei dem Städtchen Nidda hat auf dem westlich das Niddatal begleitenden Höhenzug die Bürger­schaft zum ehrenden Gedächtnis an den Altreichskanzler, Fürsten Otto von Bismarck, in patriotischer Gesinnung ein ganz aus Natursteinen bestehendes Denkmal errichtet.

* Friedberg. Der von Rußland bestellte P a r- seval 7., der Sonntag, den 23. Oktober, seine erste Reise von Bitterfeld über Halberstadt nach Braunschweig antreten soll, ist auf Wunsch des Zaren auch nach Friedberg ordert worden. Ueber den Termin der Friedberger Reise wird erst nach der Braunschweiger Fahrt entschieden wer­den. * Bad Nauheim. In der abgelaufenen Woche find 159 Kurgäste angekommen und beträgt die Gesamtfre­quenz bis jetzt 32 848 Personen, wovon noch 1558 wesend sind.

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* Büdingen. Im Kreise Büdingen dürfen we­gen der Gefahr der Einschleppung der Maul- und Klauen­seuche außer dem Pferdemarkte in Ortenberg nur noch Schweinemärkte abgehalten werden.

* Grünberg. Für den östlichen Teil des Kreises Gießen findet hier am 22. und 23. Oktober eine Ackerbau­und Obstausstellung in der Turnhalle statt. Damit ber bunden ist noch ein Saatgutmarkt, ein Obstverpackungsfur­sus und ein Vortrag des Dr. Hammann- Darmstadt.

* Schli z. Auf Schloß Richthof bei Schlitz fand die Verlobung der dritten Tochter des Grafen von Schlitz, Grä­fin Marie, mit dem Grafen Heinrich von Lurburg, Haupt­mann im Generalstabe des 1. bayrischen Armeekorps, statt. * Lüßellinden. Nach fast 20jähriger Tätigkeit in unserem Orte verzog unser erster Lehrer Herbst nach Heiligenrod im Westerwald. An seine Stelle kam Lehrer | Fröhlich aus Dill bei Simmern.

In der ersten bis zur letzten Zeile spiegelt sich das Leben, der Kampf einer Persönlichkeit; und dieser Zug fann es nur gewesen sein, der Diehl den gefangenen Pfarrer" so lieb werden ließ. Er sah mehr in dieser Ge­schichte als ein Stück des 30jährigen Krieges; er sah das Ringen einer Persönlichkeit, einen Kampf, wie er heute noch so manches heimliche Opfer fordert. Heute spielt die Menschheit nicht mit Herenprozessen, sie hat dafür andere Mitteschen ersonnen. Das allein ist es, was dem gefan­genen Pfarrer" einen unschätzbaren Wert verleiht.

Daß der Verfasser die historischen Tatsachen, dank sei­ner rastlosen Forschertätigkeit, so geschickt meistert und mit dem Poetischen" zu einem herrlichen Ganzen verwebt, macht den Roman jedem Menschen, einerlei welcher Kon­fession, auch dem Nicht- Hessen, zur angenehmsten Lektüre. Doch was nutzte alles Wissen, alles dichterische Wollen, wenn das können gefehl hätte. Daß dem nicht so ist, betone ich mit der ganzen Entschiedenheit, deren ich fähig bin. Nirgends lugt eine doktrinäre oder gar frömmelnde Absicht hervor; überall Leben, Leben in den einzelnen Fi­guren, die uns nicht wieder locker lassen. Besonders die beiden Hauptgestalten, Magister Hermann Schipper und sein getreu Ghweib, stehen so lebendig vor uns, nehmen mit ihrem Schicksal unsere Teilnahme so gefangen, daß wir auch teinen Augenblick das Buch schließen möchten, ohne es in einem Atem zu Ende gelesen zu haben. Pfarrer, Soldaten, Hofschranzen, Fürsten, Professoren, Studenten, alle mit we­gezeichnet, in einer Sprache, die Diehl schon in seinen zahl­

Aehnlich, nur in verkleinertem Maßstabe, ohne diesen genialen Herrenmenschenrausch, hebt sich Magister Hermann Schipper, der gefangene Pfarrer, aus seiner dunkeln, von der Willtir seelenloser, gewissenloser Wichte gepeitschten Um­gebung ab; er war ein Mann, nehmt alles nur in al­lem! Ein Mann unter Menschen, die sich in einem immer gleich blieben: Sie sehen unter sich wie das unvernünftige Vieh und tun, was der haben will, der gerade ihr Treiber ist." Ein Mann, treu, gerad' und fest, mit großzügigem Wollen, weitschauenden Plänen und einem warmen, von Liebe und Aufopferung für seinen schweren und ernsten Beruf vollen Herzen. Es ist rührend zu sehen, wie dieser Mann alles wagt, von seiner Gemeinde das drohende Ge­spenst der Herenprozesse abzuwehren, das die ganze Saat sollen wieder durch Cählungskommissionen unter Heranzieh des mühsam gepflügten Landes mit einem Schlage vernich- nig Strichen frisch und kräftig nach Hans Sachs Manier ten muß und vernichtet; es kommt das Gespenst und

zerwühlt das bißchen Frieden und Schimmer von Mensch reichen Veröffentlichungen in der Darmst. Ztg.", dem

* Odenhausen. Ein jüngerer Knabe schoß mit einer Pistole bei einem Streit mit anderen Kindern auf einen Jungen, welcher in das Auge getroffen wurde. Der Verletzte wurde in die Klinit nach Gießen gebracht. Gießen

* Lauterbach. Die Staatsanwaltschaft nahm an Ort und Stelle den Tatbestand über den Ein= bruch in der Villa Backhaus auf. Der mitgebrachte Poli­zeihund nahm von der Veranda aus bald die Witterung auf und verfolgte die Spur des Einbrechers, die durch den Garten nach dem Bahnsteig der Vogelsbergbahn führte. Die Staatsanwaltschaft erläßt nun ein Ausschreiben, in dem die gestohlenen Wertpapiere aufgeführt sind. Im Falle der Präsentation eines der Kupons wird ersucht, durch die nächste Polizeibehörde die Festnahme der betreffenden Per­sonen zu veranlassen, um festzustellen, auf welche Weise sie in den Besitz der Kupons gelangt sind.

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Schotten. In dem nahegelegenen Lehrerheim fand die Hauptversammlung des Vereins Lehrerheim Vo­gelsberg" statt. Dem Jahresbericht des Vorsitzenden sei ent­nommen, daß das abgelaufene Geschäftsjahr eines der gün­stigsten war, die das Heim zu verzeichnen hat; dieses hat dank des letzten Aufrufes des Vaters Backes innerhalb taum zwei Jahren 290 neue Mitglieder erhalten. Die Mitglie derzahl ist damit auf 2000 gestiegen. Die Schulden haben sich um 1000 Mark verringert. Im abgelaufenen Sommer war der Besuch des Heimes ein guter. Rechner Lehrer Held Schotten erstattete den Rechnungsbericht, die Gesamt­einnahmen betrugen 3735,39 Mt., die Ausgaben 3698,88 Mark, der wirkliche Barvorrat stieg auf 3353,80 mt. Die unter diesem Namen auf Anregung der Frau Lehrer Cel­larius- Langen ins Leben gerufene Sammlung zum Besten des Lehrerheims Vogelsberg, im Betrag von 1045,47 M., wird dem Lehrerheim als Vermögen überwiesen. Bei Schuldenfreiheit des Heims sollen die Zinsen zur Unter= stützung von erholungsbedürftigen Lehrerheimsmitgliedern verwandt werden. Der seitherige Vorstand wurde wieder­gewählt.

Darmst. Tgl. Anz." und" Darmst. Tagblatt" zu einem in seiner Art unerseßlichen Mitarbeiter gemacht hat; sie ist ungeschminkt, farbig und derb! Gerade die Derbheit, die e: was Urwüchsiges gewinnt durch Gebrauch alter Wortfor­( etwas Aehnliches bei Merck und Goethe in Anlehnung an Hans Sachs!) tut unserem himmelstrebenden, parfümierten Jahrhundert doppelt not!-

Es gibt Kulturbilder des 30jährigen Krieges genug; da sind meist leblose Aften lose aneinander gereiht und war­ten ihrer Auferweckung. Hier sind sie auferstanden; kein Mensch ahnt, wieviel Aften hinter den einzelnen Begeben= heiten stehen. Hier ist alles frisches, urwüchsiges Leben, ein Bild, kühn und derb, einer blutigen, gewaltigen Zeit. Aber all diese Leben wären nichts, wenn nicht, und das gerade macht den Roman so modern, die eine Gestalt des Renaissance- Menschen Hermann Schipper, des gefangenen Pfarrers, darinnen wäre!

Starte Mächte standen hinter der Veröffentlich­ung, gute Freunde drangen darauf, und eine innere Stim­me riet dazu!! Waren das nicht Gründe genug zur Ver­öffentlichung? In seiner launigen Vorrede legt der Ver­fasser diese Gründe dar und wendet sich zugleich an seine " günstigen und ungünstigen" Kritiker

Aber, Herr

Stadtpfarrer,( oder soll ich sagen, Herr Licentiat, Doktor, Geschichtsforscher, Romanschreiber?) lassen Sie doch die Mi­auzer kommen; mir gelüstet nach einer Rauferei"( im Sinne J. H. Mercks!) mit einem Hohlschädel, der sich den Kopf zerbricht, ob bei soviel Allotriis" nicht der Dienst des Herrn Stadtpredigers" etwas zu kurz gekommen sein möge!

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Vorerst aber freue ich mich dieses Romans und lege ihm jeden auf den Weihnachtssisch; das Buch wird angenehmes Weihnachtsgeschent sein und kann es. Papier, Druck und Ausstattung sind vortrefflich und verdienen, bei dem billigen Preise von drei Mark für das geschmackvoll gebundene Eremplar, besondere Anerkennung! Daß der Verfasser eine Reproduktion des Einzugs der Landgräfin Magdalena, Gemahlin des Landgrafen Georg 1., in den Himmel" nach dem wunderbaren Alabastergrabmal im Chor der Darmstädter Stadtkirche seinem Buche beigegeben, sei ihm besonders hoch angerechnet, da sich sonst um die Darm­städter alte kunst der Kudud fümmert. Eine Bitte an den Herrn Stadtprediger"! Rechnen Sie mich ja nicht zu ihren günstigen Kritikern; ich fann saugrob" werden, wenn es sein muß und besonders, wenn man mich in Katego­rien steckt. Darmstadt, den 13. Oktober 1910.

Hermann Bräuning- Ottavio.

*) Darmstadt 1910. Selbstverlag des Verfassers. Für den Buchhandel H. L Schlapp.- 280 Seiten gebunden 3 Mart. Durch jede Buchhandlung zu beziehen.

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