Krankheitsnot lindern helfen. Ebenso sind die Bestrebungen und Unternehmungen der Säuglingsfürsorge im ganzen Lande Gegenstand ihrer warmherzigen Fürsorge. So hat sich unsere Großherzogin einen Platz geschaffen im Herzen des hessischen Volkes, das ihr in treuer Liebe aufrichtig dankt. Möge das kommende Lebensjahr der Großherzogin und dem ganzen Großherzoglichen Hause ein gesegnetes sein und möge Gott auch weiterhin seine gnädige Hand schirmend über den Lebensweg unserer Landesmutter halten.
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* Im Gießener Festsaal( Cafe Leib) be ginnt heute Samstag, den 17. September 1910, die„ Bu= dapester Orpheum Gesellschaft" ein furzes Gastspiel. Dem Ensemble, welches von den bekannten ausgezeichneten Komikern Theo Angeli und Mar Tell= heim geleitet wird, geht ein glänzender Ruf voraus. Dasselbe bringt außer durchwegs erstklassigen SensationsPossen aus dem Folies Caprice in Berlin, Budapest und Wien, auch einen brillanten bunten Teil.
war
Wettstreit mit einander ihr bestes können zu zeigen. Für beide Leistungen spendeten die Zuhörer in ausgiebigem Maß den Sängern wohlverdienten Beifall. Die daraufhin vorgetragene Zugabe" Seit früher Kindheit Tagen" ebenfalls eine vollendete Leistung. Den größten Raum in den Darbietungen nahmen die Quartette ein, welche die verschiedenen Weisen immer recht anmutig zu Gehör brachten. Bei dem Lied In der Ferne" von Brückner trat namentlich der Bariton durch die Wärme seiner Vortragsweise und durch seine ausgezeichneten technischen Fähigkeiten hervor; umso bedauerlicher muß es aus diesem Grunde genannt werden, daß diese schönste der Männerstimmen bei den übrigen Quartetten nicht ganz auf der Höhe ihres Könnens stand, vielmehr hier den ersten Platz an den Tenor abtrat. Von den Gesangsstücken gefiel am besten das„ Abendständchen" von Schiebold, das stürmischen Beifall auslöfte. Kein Wunder, daß die Sänger hier eine Einlage spenden mußten, welche den begeisterten Zuhörern in dem scherz= haften„ Was ich hab'" wurde. Auch bei der„ Historia vom Kuß" und dem letzten Gesangsstück„ Ein Sonntag auf der darf
Alm" wurden Zugaben gespendet. Alles in allem * Mitteldeutsche Creditbank. In der zu Frankfurt a. M. stattgehabten Sitzung des Aufsichtsrates berichtete die Direktion über die Geschäftstätigkeit im ersten Halbjahr 1910, die in allen Teilen eine befriedigende Fortentwickelung aufweist. Das Erträgnis zeigt gegen das erste Halbjahr 1909 eine erhebliche Steigerung, namentlich auf dem Provisionskonto. Es erscheine daher die Annahme berechtigt, daß die Erträgnisse des laufenden Jahres die Ausschüttung einer Dividende von 6½ Proz.( i. V. 6 Proz.) ermöglichen werden. In der Situng wurde Herr Direktor Friedrich Reinhart in sein Amt als Mitglied des Gesamtvorstandes der Bank mit dem Sitz in Frankfurt a. M. eingeführt. Es wurde ferner beschlossen, die bisherige Kommandite der Bank, die Firma Bernhard Weinmann in München, in eine von der bayerischen Filiale der Bank in Nürnberg abhängige Niederlassung unter der Firma Mitteldeutsche Creditbank, Niederlassung München umzuwandeln.
man wohl die Leistungen des Münch'schen Solo- Quartetts als vorzüglich bezeichnen und dementsprechend hoffen, daß die Sänger Gießen bald wieder mit ihrem Besuch beehren werden.
* Die Maschinenfabrik Heyligenstaedt u. Co. wurde von der Ausstellungsleitung in Brüssel mit einem Ehrendiplom in Anerkennung ihrer vorzüglichen Erzeugnisse ausgezeichnet.
* Vom Manöver. Auf zwei Tage Korpsmanöver blickt die Hess. Division zurück. Bei Tagesgrauen brachen am Donnerstag die roten Truppen( 49. Brigade) ihre Biwats um Weidenau und Hauswurz ab. Generalmajor v. Francois hatte die Führung übernommen. Die 50. Brigade befehligte wiederum Generalmajor Grumbkow. Auf den Höhen am östlichen Vogelsberg im nördlichen Kreise Schlichtern zwischen Flieden und Freiensteinau wurden die Kämpfe ausgefochten. Das 1. und 2. Bataillon der 168er war gestern der 50. Brigade zugeteilt, ebenso die 6. und 7. Batterie der Fußartillerie Nr. 3. Sämtliche Fußtruppen bezogen Biwak, Artillerie und Dragoner tamen in Quartier.
= h= Das Münch's che SoloQuartett von Weblar gab Donnerstag Abend in Steins Saalbau zu Gießen ein Konzert, dessen Programm von kundiger Hand zusammengestellt war. Dasselbe wies u. a. die wunder= volle Weise„ O Rheinland, o Heimat" auf, während auch der Humor mit„ Historia vom Kuß" von J. B. Maier und „ Wie das schnattert" von Frhr. v. Flotow nicht vergessen war. In bunter Reihenfolge wechselten Quartette mit So= lis ab, und faßt immer mußten sich die frohen Sangesbrüder zu einer Zugabe verstehen, welche mitunter die zahlreich erschienenen Zuhörer durch ihr humorvolles Gepräge nicht wenig erheiterte. Der Tenor beherrscht wohl am besten von den Vortragenden die Sangestunst. Sein Einzelgesang An deinem Herzen laß mich träumen" sprach ganz besonders durch Deutlichkeit des Vortrages, Empfindung und sinngemäße Auffassung des Liedes an und wurde von dem Publikum recht beifällig aufgenommen. Seine Zugabe „ Die Weiberherzen" blieb hinter dieser Glanzleistung leider etwas zurück insofern, als die Betonung des Schlusses ein wenig zu stark war. Als zweitbester Sänger des Quartetts ist der Bariton anzusehen, welcher in seinem Solo„ An des Rheines grünen Ufern" eine hohe Technik und Empfindung verriet. Auch er mußte sich zu einer Zugabe, der Weise „ Ich wandre wie im Traum einher", verstehen. In dem Duett„ Wie das schnattert" aus der Oper„ Martha" von Flotow vereinigten sich Tenor und Bariton, um in edlem
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Gerichtet.
Familienroman von Franz Wichmann.
„ Ha, Verrat!" schrie er, mit erweitertem Blick auf den Gendarm blickend.„ Ein abgekartetes Spiel! Der Vater verkauft den leiblichen Sohn an die Justiz! In dieser Stunde hast du das letzte Band zwischen dir und mir zerrissen, Graufopf!"
Der Gendarm streckte die Hand aus, um sich des Wütenden zu bemächtigen.
„ Nehmen Sie sich in acht," warnte der Förster ihn,„ die Sorte ist gefährlich!"
Wirklich hatte Otto mit blitzschneller Bewegung einen Revolver herausgerissen und schlug denselben jetzt auf den Gendarm an.
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,, So leicht sollt ihr mich nicht haben!" schrie er. Platz da!" Die Menge wich scheu auseinander, aber ehe er sich vollends Bahn brechen konnte, hatte der Förster ihm die Waffe aus der Hand geschlagen.
Fort mit dem Kinderspielzeug!" rief er in gerechtem Zorn. „ Otto, um Gottes willen, mache deine Sache nicht noch schlimmer!" schrie gleichzeitig die Mutter.
Aber schon hatte der Gendarm mit raschem Griff den Entwaffneten gefaßt und legte drohend die freie Hand an den Säbel ( Gerichtet 44 Nr. 8.) „ Otto Reiner," sprach er mit erhobener Stimme ,,, Sie sind mein Gefangener, folgen Sie mir ins Haftlokal!"
Dtto ballte in wildem Grimm die Faust. Bater, das gedenke ich dir!" rief er drohend. Der Gendarm machte der häßlichen Szene ein Ende und stieß ihn vor sich her.
Die Zuschauer drängten sich lärmend und in heftiger Erregung den beiden nach auf die Straße. In einem Augenblick hatte der Garten sich geleert.
„ Nein, nein," heulte die Försterin, sich von Frau Baumert losreißend, laß mich! Mein Otto gefangen! Sie dürfen ihn nicht fortführen! Er ist ja doch mein Sohn!"
„ Aber sei doch vernünftig," eiferte Frau Baumert dagegen, , es geht ihm ja noch nicht ans Leben!"
Kein Zureden half.
„ Aber es kann nicht sein, sie tun ihm unrecht!" wieder. holte die Försterin immer aufs neue.„ Ich will's ihnen fagen! Laß mich!"
Sie stürzte davon, den anderen nach. Frau Baumert blieb nichts übrig, als ihr zu folgen.
* Die Gießener Lederhändler hatten bei dem Kreisamt um den 8 Uhr- Ladenschluß an den Werk= tagen mit Ausnahme der Tage vor den Sonn- und Feiertagen nachgesucht. Dieser Eingabe hat nun die genannte Behörde stattgegeben.
* Die Detaillten von Gießen beschlossen im Hinblick auf die bevorstehende reichsgesetzliche Regelung der Sonntagsruhe von der Einführung des 1 Uhr- Ladenschlusses an den Sonntagen abzusehen und die Verkaufsstellen nach wie vor bis um 3 Uhr an den betreffenden Tagen offen zu halten.
* Viehmarkt. Bei dem am 13. und 14. d. M. stattgefundenen Markte waren aufgetrieben: 1702 St. Rindvieh und 312 Schweine. Der nächste Markt findet am 27. und 28. September d. Js. statt, am letzteren Tage auch Krämer- und Pferdemar ft.
* Die Mäuse plage ist namentlich auf den Feldern längs der Lahn sehr groß. Auf Schritt und Tritt sieht man die Nager bei hellem Tage mit der Vernichtung der Rüben 2c. beschäftigt. Hoffentlich sind die von dem Kreisamt und der Stadt Gießen nach dieser Richtung hin ergriffenen Maßnahmen von Erfolg begleitet.
Aus Hessen und Nachbargebiet.
* Klein- Linden. Hier wurden die drei alt= bewährten Gemeinderatsmitglieder Philipp Hahn, J. Theiß und Kaspar Wallor wiedergewählt.
* Grünberg. Während eines Manövergefechtes stürzte ein Soldat der 4. Kompagnie der 87er Infanterie, er brach das Bein und mußte ins Lazarett gebracht werden.
* Stangen rod. Hier wurde einem 87er Unteroffizier aufgepaßt, vor der Wirtschaft erhielt er einen derartigen Schlag vor den Kopf, daß er in die Gießener Klinik geführt werden mußte.
* Homburg v. d. H. In der Stadtverordneten Versammlung wurde den Veteranen, welche ein Einkommen unter 1500 Mk. versteuern, eine Ehrengabe von je 40 Mt. bewilligt.
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Fulda. Auf einem Patrouillenritt stürzte am Mittwoch abend ein hessischer Gardedragoner, dem der dichte Nebel den Ausblick nahm, bei Hauswurz in einen sehr tie
Unbeweglich, die Hände vor die Stirn geschlagen, stand noch immer der Förster auf der gleichen Stelle. Dann, wie aus schwerer Betäubung erwachend, streckte er die Arme aus in die leere Luft.
„ Nun habe ich auch den Cohn verloren!" fam es stöhnend über seine Lippen. D. mein Gott!"
Der starte Mann wantte wie eine Rieseneiche des Bergs waldes, die der brausende Nord entwurzelte.
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,, Vater, laß mich- klang da sanft flehend die Stimma findlicher Liebe an seiner Seite.
Klara war zu ihm getreten und wollte ihn stützen. Da schüttelte ihn der Sturm aufs neue und warf ihm das trotzige Haupt in den Nacken.
„ Du mit dem do," kam es grollend aus seiner Brust herauf und wies mit der Hand auf Hellborn, der sich zurückhielt,„ was willst du? Ich habe dich nicht gerufen! Wir haben nichts mehr gemein miteinander!"
Ein sichtbarer Ruck ging durch seinen Körper; er hatte die alte Kraft wiedergewonnen und wandte sich um. Fest und sicher schritt er dem Ausgange des Gartens zu.
Dumpf verhallte auf der Straße das lärmende Getümmel. Hellborn und Klara standen ganz allein.
„ Es ist umsonst," sagte schmerzlich bewegt Hellborn,„ er will die Stimme der Liebe nicht hören!"
„ Armer Vater," sprach das Mädchen leise vor sich hin, ,, möge nie die Stunde kommen, in der du dich vergeblich sehnst nach der Liebe eines Kindes!"
Hellborn schwieg eine Weile, dann ergriff er Klaras Hand. „ Ein edler, felsenharter Mann!" sprach er tieferregt.„ Laß mich mit dir trauern um sein Leid! Geteilter Schmerz ist halber Schmerz! Hast du nicht mich?"
Und beinahe zaghaft legte er zum erstenmal den Arm um ihre schlanke Taille und zog sie fester an seine Brust. Sie schaute voll zu ihm auf, die dunklen feuchten Augensterne flimmerten von tränenumflortem Sonnenschein. Und das blonde Haupt an ihn schmiegend, brachte sie die Worte hervor:
„ Ja, dich, du liebster und bester der Menschen, dich allein habe ich jetzt auf der Welt! Und dich sollen sie mir nicht ent reißen! Ich habe vieles verloren: Vater- Mutter- Bruder, und habe doch eins und alles gefunden: einen Mann!"
10. Kapitel.
Mehr als anderthalb Jahre waren verflossen und in dieser Zeit hatte sich das Geschick der Försterfamilie erfüllt. Noch Immer weilten die beiden Mten in der gleichen Wohnung, abe bieselbe machte einen überaus ärmlichen Eindruck. Die Möbel hatten sich bis auf das Notwendigste verringert, die Wände waren kahl geworden. Nur hier und da hing noch ein alt
fen Steinbruch. Roß und Reiter wurden mit zerschmetter ten Gliedern tot aufgefunden.
* Offenbach. Der nächste Verkaufstag der Groß herzogin wird im Laufe des November in Offenbach a. M stattfinden, nachdem seine beiden Vorgänger in Darmstad und Mainz dem guten Zweck zur Unterstützung Lungenfran fer, resp. deren Ünterbringen in Heilanstalten namhafte Be träge zuweisen konnten, sodaß i.. 1909, 60 Personen meist Frauen und Kinder, aus diesen Fonds untergebrac werden konnten.
Aus aller Welt.
ab
* Am 10. Oktober wird in Schwenningen( Ne char) eine von der Reichsbankhauptstelle in Stuttgart | hängige Reichsbanknebenstelle mit Kasseneinrichtung und be schränktem Giroverkehr eröffnet werden.
)( Brandenburg a. H. Im 30 Kilometerrennen um den Preis vom Dom und im 50 Kilometerrennen un den Großen Preis der Stadt Brandenburg ging P. Adam am Sonntag, den 11. d. Mts., auf Brennabor zuerst durch Ziel. H. Watereus, der dieselbe Marke fährt, endete ersten Rennen als Dritter.
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)( Rußland. O. Peter gewann am 11. September in Warschau das internationale Hauptfahren und A. Tep laff ging aus dem 15 Kilometer- Dauerrennen als Sieger hervor. Beide fahren Brennabor.
Literarisches.
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Die meisten der Schwindsuchtstranten können dur einen Kuraufenthalt im Hochgebirge ihr Leben noch retten Dies ist z. B. vom Kurarzt Dr. med. O. Amrein- Arosa u anderen Spezialisten auf den Weltkongressen für Tuberku losebekämpfung und von anderer Stelle nachgewiesen wor den. Da jährlich allein in Preußen laut Statistit 100 000 Menschen an Tuberkulose sterben, so ist die Be fämpfung der Schwindsucht eine Hauptaufgabe unserer Zeit Aerzte wie Krante und deren Angehörige sollten daher die neue Schrift lesen:„ Die Heilung der Lungen. tuberkulose im Hochgebirge." Unter spezielle Berücksichtigung der Behandlung fieberhafter Fälle behandel von Dr. med. O. Amrein, Kurarzt in Arosa. Preis 60 Pfg., geb. 80 Pfg.( Porto 10 Pfg.) Verlagsanstalt Emi Abigt, Wiesbaden 35.
Geschäftliches.
826 Millionen Mark Kapital waren Ende 1909 bei der Stettiner Germania versichert. Hier von fallen 114 Millionen Mart Kapital mit einer jährlichen Invalidenrente von 7,33 Millionen Mart auf die Invali ditätsversicherung, die heutzutage als die vorteilhafteste u zweckmäßigste Pensionsversicherung von allen Berufskreisen mit großer Vorliebe gewählt wird. Die außerordentlic günstigen Versicherungsbedingungen gehen in verschiedenen wichtigen Punkten zu gunsten der Versicherungsnehmer über die geseßlichen Vorschriften hinaus, sie sichern die Unver fallbarkeit in der vollkommensten Form, sie gewähren die Unanfechtbarkeit nach 1 Jahre und legen durch die Weltpolice keine Einschränkungen in der Wahl des Aufenthalts ortes auf. Die Germania vergütet den mit Gewinnanteil Versicherten in der Lebensversicherung hohe Dividenden, im Versicherungsjahre 1911-12 bis 85% Proz. der Prämie. Die mit Gewinnanteil Versicherten haben Anteil am Ueber schuß aus allen Geschäftszweigen. Die Germania führt ne ben der Lebens-, Invaliditäts-, Aussteuer-, Leibrenten- Versicherung auch die Unfall- und Haftpflicht- Versicherung zu den vorteilhaftesten Bedingungen für die Versicherungsnehmer.
modisches, wertloses Bild. Nur die Wanduhr und des Försters Doppelbüchse, von welcher er sich auch außer Dienst nicht hatte trennen können, nahmen noch den gewohnten Platz ein.
Ein Umzug stand offenbar bevor. In der Mitte des Zimmers standen gepackte Kisten und Koffer, dazwischen de letzte Tisch nebst ein paar gebrechlichen Stühlen.
Auf einem derselben saß Lorenz Reiner, das graue Haupt in die Hände gestützt, und brütete vor sich hin. Draußen ging die Sonne unter und die glühend angehauchten Wolfen in Westen warfen einen roten Schein in das Zimmer.
Von diesem blutfarbenen Licht umflutet, stand am Fensta Frau Adelheid und stellte die wenigen Blumentöpfe zusammen die noch übrig geblieben waren. Als sie mit der Arbeit fertig warf sie einen Blick nach der Straße hinüber.
„ Es ist Frühling geworden!" sagte sie.„ Sieh nur, Lorenz wie freundlich die Sonne scheint!"
Der Förster fuhr bei ihren Worten wie aus einem Traume auf.
" Frühling ist es draußen?" grollte er.„ Ich sehe nur ein trauriges Abendrot, schimmernd wie Blut!"
Frau Adelheid trat vom Fenster zurück, so daß auch er de Blick nach außen frei hatte.
„ Kannst du dich nicht mehr an der Natur erfreuen wit früher?" fragte sie vorwurfsvoll.
,, Was haben wir denn noch von Luft und Sonnenschein? entgegnete der Förster. In dem Loche hier leben wir wie G fangene!"
„ Aber wir ziehen ja nun aus!" versetzte sie.
Freilich, weil wir müssen," rief er bitter, damit sie un nicht auf die Straße sehen! Von einem Kerker in den andern Was ist das für ein Unterschied?"
„ Die neue kleine Wohnung ist hell und licht," sagte sie, un ihn zu trösten, wir werden neu aufleben darin, du wirst aud wieder eine Stelle bekommen-"
,, Wer sagt dir das?" unterbrach er sie. „ Na, man kann dich doch nicht verhungern lassen, dich, da du dem Staate so lange gedient hast!" entgegnete sie. Um den Mund des Försters zuckte es von grimmige Schmerz.
„ Das alles hat der Lump, den ich Sohn nannte, mir zev stört," fuhr es aus ihm heraus, er hat mich um Ehre und Reputation gemacht! Für den Vater eines Verbrechers braud der Staat nicht zu sorgen!"
Die Försterin suchte ihn von seinen düsteren Gedanken ab zulenfen.
,, Denke nicht daran!" sprach sie.„ Wenn er verloren ist, ist doch Klara gerettet! Heute ist es ein Jahr, seit der Sege der Kirche sie mit Hellborn verbunden bat!" ( Fortsetzung folgt.)
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