* Provinzialausschuß. Kommenden Sams-tag, den 19. Februar, vormittags 9 Uhr beginnend, findet eine Sitzung des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen mit folgender Tagesordnung stalt: 1. Veranlagung der Firma Litsch u. Co. zu Zweibrücken zur Gewerbesteuer in Münster und Wisselsheim; 2. Entziehung des Patents des Geometers 2. Kll Steinbock zu Buzbach; 3. Gesuch des Karl Adolph zu Burkhards um Erlaubnis zum Betriebe einer Schankwirtschaft; 4. Enteignung von Gelände zur Erweiterung des Bahnhofs Reichelsheim; hier: Ausspruch der Enteignung.
*)(* Landes- Universität. Professor Dr. From me unternahm mit einer größeren Anzahl von Studierenden einen Ausflug nach dem Lönigsstuhl bei Heidelberg, wo die auf demselben befindliche Sternwarte eingehend in Augenschein genommen wurde.
wohner Oberhessens sich mehr als seither dem Handwerk zuwenden.
*)(* Viehmarkt. Bei dem am 15. und 16. Februar stattgefundenen Martte waren nach uns zugegangener amtlicher Mitteilung aufgetrieben: 1451 Stück Rindvieh, 190 Schweine. Der nächste Markt findet am 8. und 9. März d. Is. statt.
tt Stadttheater. Für die„ Salome"-Aufführungen hat die Direttion wiederum ganz neue Dekorationen beschafft, die aus dem Atelier von Professor Lütkemeyer in Koblenz stammen. Diese Defbrationen sind zum Teil plastisch und versprechen ein äußerst wirkungsvolles Bühnenbild. Ostar Blumenthals neuer Einatier„ Der schlechte Rus", der sich hier an„ Salome" anschließt, hat dieser Tage im Wiesbadener Hostheater eine sehr beifällige Aufnahme gefunden. Die„ Frants. Zeitung" rühmt das Graziöse und den feinen Wit des Rokokoscherzes. Unsere Bühne gehört wiederum zu der ersten, die die Novität aufführt. Hermann Bahrs Lustspiel„ Das Konzert" steht noch für März in Vorbereitung.
*)(* Vortrag. Die Hess. Vereinigung für Volkskunde hatte ihre Mitglieder zu einem Vortrag eingeladen, den Sanitätsrat Maurer- Darmstadt über unseren Odenwald hielt. Der Redner hatte es in seinem Vortrage verstanden, die Schönheiten des Odenwaldes in ergreifender Weise zu schild! rn und namentlich auch ein naturgetreues Bild von den dort herrschenden eigenartigen Gewerbsverhältnissen zu entwerfen. Interessant waren namentlich auch die Lichtbilder, mit denen Sanitätsrat Maurer seine Ausführungen erläuterte und unter welchen Schloß Fürstenau, die Burgruine Rodenstein und die Einhardsbasilika ganz besonders gefielen. Der Vortragsabend kann jedenfalls dem Verein das schönste Zeugnis ausstellen und wir möchten seinen ferneren Bestrebungen den besten Erfolg wünschen und namentlich allen unseren Lesern den Besuch der Vorträge empfehlen. Es besteht die vornehmste Aufgabe des Vereins darin, die Eigenarten des Voltes kennen zu lernen, von dessen Besonderheiten man ja heutzutage viel zu wenig weiß.
am
3 Tagen Gefängnis verurteilt. Die von der Angeklagten eingelegte Berufung wurde verworfen.
*!* Direktor Rappmann im Löwenkäfig! Bei vollbesetztem Hause beirat Direttor Rappmann vom Ko losseum am Dienstag Abend unter tosendem Beifall den Löwenkäfig, in welchem sich drei ausgewachsene wilde Löwen befanden. Er trant mit dem Dompteur der Dupreschen Raubtiergruppe eine Flasche Mercier- Seft. Eine silberne Medaille, sowie Lorbeerfränze und Blumen wurden dem Löwenbesucher für seine mutige Tat überreicht.
Auf dem Hof Allenrod bei Büdingen hat der Taglöhner Otto Krause aus Moschleben einem Schmiedegesellen für etwa 60 Mt. Kleider und einem Knecht eine Harmonika ge stohlen. Urteil: 6 Monate 2 Wochen Gefängnis, abzüglich 2 Wochen Untersuchungshaft.
*)(* Verhaftung. Die Staatsanwaltschaft ließ einen hiesigen Einwohner festnehmen, der in Friedberg ein Sittlichkeitsverbrechen verübt hatte.
Ans dem Gerichtssaal.
Staffammerr.
Gießen, 15. Februar 1910.
Sich selbst verraten hat der Korbmacher Hermann Klein aus Wohnbach. Als er angezeigt wurde, weil seine Kinder bettelten, behauptete er, er sei nicht verantwortlich, da es sich um uneheliche Kinder seiner Frau handele. Es wurde hierauf festgestellt, daß er mehrfache Geburten angemeldet hat, zu einer Zeit, als er noch nicht verheiratet war, indem er die Kinder ais ehelich geboren angemeldet hat. Er wurde wegen Urkundenfälschung zu 3 Wochen Gefängnis, die durch die Untersuchungshaft für verbüßt erklärt wurden, verurteilt.
Das Schöffengericht Nidda hat den Wirt Friedrich Kirchof von Ober- Schmitten von der Anklage der Ueber tretung des Urkundenstempelgefeßes freigesprochen, wogegen die Staatsanwaltschaft Berujung einlegte. Es ist Sonn tags mehrfach abends in einem Nebenzimmer der Wirtschaft von einer Spinnstubengesellschaft auf Ziehharmonika ge= tanzt worden. Da auch Fremde zugelassen worden waren, focht die Staatsanwaltschaft das Urteil an, weil da ein Tanzzettel hätte müssen gelöst werden. Nach Ansicht der Straffammer war es weder öffentlicher Tanz noch bezahlte Musit, weshalb die angezogenen Paragraphen teine Anwendung finden. Das Urteil wurde bestätigt.
Im letzten Herbst ist der Kaufmann Rudolf Richter in der Schuhfabrit von Rumpf in Buzbach als Steppmeister 20 eingetreten. Schon in der ersten Woche verlangte er Mart, um seine Frau kommen lassen zu können. Nach etwa 14 Tagen verlangte er 75 Mt. um seine Möbel nach Butzbach befördern lassen zu können und einige Tage später erhielt er außer seinem verdienten Lohn noch 60 Wit., weil er angab, die Möbel seien angekommen, er müsse die Frachttosten entrichten. Tatsächlich hatte er seine Möbel und er verschwand samt seiner Frau, die mit ihm seither ein möbliertes Zimmer inne hatte. Richter, wegen Betrugs ange flagt, behauptet, er habe seine Maschinen und sonstiges Handwertszeug als Pfand für die Darlehen gegeben. Die Sachen, die aber so gut als wertlos sind, haben nicht als Pfand gegolten. Der Angeklagte wurde wegen Betrugs zu einem Jahr Gefängnis und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. Ein Monat Untersuchungshaft wird aufgerechnet.
)( Haydns Bedeutung für die Klavierliteratur zu zeigen, das versprach das Programm des Konzertes der Klavierschule von Frl. Minna Kärner 11. Februar. Die Ausführenden haben das Versprechen außerordentlich trefflich erfüllt. Eingeleitet wurde die Feier durch die wohlgelungene Rezitation von Langbeins an sprechendem Gedicht auf Haydn. Der Vortrag der verschiedenen Werke Haydns war technisch und inhaltlich aufs beste geeignet, die heimlichen Reize und die heitere Freundlichteit der Kompositionsweise des Altmeisters jedem ins Ohr zu zaubern. Daß man des Vergleiches und der Ergänzung halber auch Uebertragungen aus den Symphonien spielte. und zwar recht sicher und ausdrucksvoll, wurde wohl eben so sehr mit Freude begrüßt, wie die wohlgelungenen Darbietungen einiger ungenannter Freunde der Schule. Drei Lieder( Ein kleines Haus, Sympathie, Schäferlied) tamen ausdrucksvoll zu Gehör, ebenso die D- dur- Sonate für Klavier und Violine( Larghetto, Tempo di Minuetto). Seelenvoll war der Vortrag des Adagios aus dem G- dur- Violinkonzert. Der Klavierpart wurde von den Schülern sehr flangschön und korrekt ausgeführt. Die Schüler, vor aliem aber, über die uns leider bei solch interner Veranstaltung nur ein zusammenfassendes Urteil zustehr, zeigten sich im Besitz einer sehr soliden Technit, eines gesunden, gesang= vollen Anschlags und das ist ja Hauptsache einer natürlichen, musikalischen Empfindung und boten so Leistungen, die zum Teil manche Stonzertjaaldarbietungen weit hinter sich ließen. Ganz besondere Anerkennung aber gebührt der vortrefflichen Klavierpädagogin Frl. Minna Körner, die in herrlichster Weise die Ergebnisse ihres langjährigen Stu diums bei Bülow, Silott u. a. der Heranoidung ihrer Schüler widmet.
*)(* Der Verein zur Förderung des Handverts unter den Israeliten, der nunmehr schon seit 20 Jahren besteht, hielt am Sonntag im Zentral- Hotel jeine Generalversammlung ab, in welcher der Beschluß gefaßt wurde, die Lehrerschaft zu ersuchen, dahin zu wirken, daß die Knaben der ärmeren Klassen der israelitischen BeKomödian
Von der„ Ehre" zu den„ Strandkinder" tenlaufbahn; noch selten, daß ich einen Komöd.anten getroffen, der feinen Ehrgeiz besessen hätte!
Die preußische Wahlrechtsvorlage: hält fortgeseßt die großen Massen des werftätigen Voltes in Preußen und auch anderen deutschen Staaten in unliebsamer Stimmung. Es liegen wieder folgende Meldungen von Straßendemonstrationen vor:
Die Ehefrau Elisabethe Reichardt in Vilbel wurde vom Schöffengericht wegen Unterschlagung einer Müße, die sie angeblich gefunden hat, von anderer Seite wird aber behauptet, ihr Junge habe sie in der Schule entwendet, zu
Doch nun zu dem neuen Schauspiel, das auch heute in Gießen bewies, daß der Name" Sudermann" seine Zug= traft ausübt; wunder nimmt es mich gar nicht. Es hat Sudermänner immer gegeben, sie werden nie aussterben.
Schon die Berliner Kritik begrüßte das Stück mit sehr gemischten Gefühlen; sogar das Berliner Tagblatt, einst sein eifrigster Verkünder und Kampfgenosse in jener großen Fehde, die Herr Sudermann gegen die„ Verrohung der Theaterkritit"( 1902) führte, versteht sich zu den Wor
ten:
" Ich glaube nicht, daß es Sudermann geglückt ist, die Ideen des Stückes dichterisch zu verwirklichen. Wenn man diesen Menschen aus dem alten Ordensland. Preußen schon die äußere unglaubwürdigkeit nachsehen darf und soll, so fehlt ihnen auch leider die innere Wahrheit poetisch gesehener Gestalten."
ich will derecht sein! Herr Sudermann fin
det einen neuen, where beer, gewaltigen Zürsprecher Aus dem Norden, aus Königsberg kommt die Weihrede, und ihr Verfasser nennt sich Theodor K appstein, Korrespondent der Hartungschen Zeitung",
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= h Kiel, 16. Febr. Bei den gestrigen Krawallen in Neumünster wurden bei zwei Geschäften in der Lütgenstraße die Schaufenster eingeschlagen. Einem arbeitslosen Arbeiter wurde von einem Schussmann ein Arm abgeschlagen, in dem Augenblick, als er einen Stein aufhob, um ihn nach dem Beamten zu werfen.
und
ung, so tadeln sie es als lyrisch oder episch. Legt er nach unveräußerlichem dramatischem Gesetz den Konflikt so an, daß für den Hörer die Möglichkeit der Lösung in irgend einem Sinne erkennbar mitgegeben ist, so lächelt man sagt: Aha! Diese Ausnahmestellung für Hermann Sudermann muß endlich als Unfug, ja als eine Schmach em pfunden werden."
Dieser etwas unfritisch angetränkelte Apostel hat mit seinen warmen Worten manches Lachen und Lächeln hervorgerufen!
Einige Säße dieser lapidaren Lobesrede sind zu bedeutsam, als daß ich mich entschließen tönnte, sie nicht hierher zu seßen( ich bin gern bereit, Herrn Theodor Kappstein diese ohne Erlaubnis nachgedruckten Zeilen aus eigener Tasche zu honorieren; sie haben mir zuviel Freude gemacht, mehr wie das ganze Stück mit seinen gedämpften und weinerlichen ft!"- Stimmungen und lächerlichen„ ah!"," oh!", " Mahn!"," Weib!" Ausbrüchen!) Es heißt da unter anderm:
Verantwortlich: Albin Klein, Gießen.
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Ich stehe weder auf dem Standpuntte Kerr's noch Harden's in meinem Allgemeinurteile über Sudermann; doch muß ich sagen, dies neue Schauspiel ist eine Schöpfung wie die Sudermann'schen im Durchschnitt alle! Verlogen, leer! Effekthascherei dominiert, Szenen sind berechnet auf Leidenschaftsausbrüche, nervöse Spannungen ausgeflügelt durch Schwerterzücken! Wo ist die straff und einigermaßen wahr= scheinlich geführte Handlung? Wenn jeder andere Dichter einen so langweiligen, langwierigen, öden ersten Att schreiben wollte, um seine Exposition anzubringen, so tann er gewiß sein, daß die wenigsten Dramaturgen einen solchen Att zu Ende lesen!!- Diese aufdringlich, widerwärtige Stimmungsmacherei mit wichtig scheinender Aengstlichkeit, unterdrückten Schreien, gedämpften Heimlichkeiten, geheimnisrollem Geflüster!!- in unfünstlerischer Rohheit!
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„ Flottenmanöver" in bester Erinnerung habe. Für die düstere nebelumlagerte Insel hätten graue Wolkenbogen vielleicht besser gepaßt; vielleicht- ich kenne die Angaben des Dichters, der selbst im Dunkeln tappt, nicht, um mich zu entscheiden! Auch glaube ich nicht, daß auf der Helainsel so funstvoll gefertigte Stujen vorhanden waren! Die beiden anderen Atte stellten feine besonders schwierigen Anforderungen in Anordnung und Aufbau der Dekorationen. Die Regie hatte ihr mögliches getan, dte Aufführung in einen entsprechenden und wirkungsvollen Rahmen zu kleiden.
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Im Mittelpunkte der Ausführung standen Ferry D a u- bal( Gregor Rynkesohn) und Gertrude Baumeister- Felsegg( Falknerstochter) aul der einen Seite, auf der anderen Karl Mary( Heimeringt Rynkesohn) und Sybil Vane( Melide), die alle den Charakter der wenig streng differenzierten Gestalten gerecht wurden. Das Mann- weib Brigolla, die Falknerstochter, lebt nur ihrem Haß, ihrer Rache; nur in ihrem Rachegefühl liebt sie Gregor Ryntesohn. Glühender Haß in glühender Liebe vereinigt und vernichtet beide. Was dieses Weib an Leidenschaftlichkeit, an männermordender Kraft, an fünstlich erhittem Haßgefühl besitzt, erschöpfte Frau Baumeister- Felsegg restlos. Einen trefflichen Partner hatte sie an Ferry D a u- b a l; ich bewundere gern diese großzügige Leistung, die dem racheschnaubenden, leidenschaftlich und wuchtig sein sollenden, verliebten Gregor mehr Lebensechtheit lich als es der Autor vermochte; Sudermann läßt ihn sogar geistreich von einer Kälte, die Flammen schlüge, und einer Wärme, die zu Eis erstarrte, reden.
Die Handlung könnte eben so gut mit dem 2. als 4. Afte schließen, wenn es der Dichter nicht anders wollte! Heimeringt Rynkesohn liebt die Falknerstochter; doch nach des Dichters Wille muß er sie hassen, um sie im Haß zu lieben. Ein Wust von Leidenschaftlichkeit, Wutausbrüchen, Lächerlichkeiten, Unmöglichkeiten, Verwirrungen, Schreck= nissen, Wortschwall, wird aufgeboten, um diesen Rache! schreienden Schemen einen Schimmer dramatischer Handlung zu verzeihen! Sudermann versteht noch immer seine Spannung! Kunst; manchmal weiß er zu erregen, tommt das Schreckliche??? Nein! neue Spannung?? noch nichts. Und immer ist es Strohfeuer!- Erregung um Erregung, daß man endlich hofft, der reichlich angesammelte Zündstoff werde explodieren! Was war es schließlich? eine Knallerbse!!
Noch gehaltloser gezeichnet ist Heimeringt Rynkesohn; Karl Mary machte mehr aus dieser unwahren Gestalt, die halb Weichling, halb Wollender nur langsam zu Taten sich aufrafft.
Zur Aufführung! Es ist bedauerlich, daß Herrn Sudermanns wegen an fast allen Theatern neue Deforationen beschafft werden müssen; schade für die schöne, frischbemalte Leinewand und Pappe! Doch ein Theater, daß einiger maßen einen fünstlerischen Anspruch erhebt, muß ja wohl den neuesten Sudermann geben und in der Saison eine Shakespeare Vorstellung? Ich kenne nun ein Theater, Hoj- Theater, das weder das eine für unbedingt nötig hält, noch das andere; troß der Forderung Rötschers in seinen dramaturgischen Abhandlungen, da ein ShakespeareRepertoir jeder Bühne ebenso notwendig sei als das Licht der Pflanze!- und doch kann man ihm den Namen eines Kunst Institutes nicht weigern! Demnach scheint es mir nicht unbedingt notwendig, für den neuesten Sudermann auch in der Provinz Zeit und Geld zu verschwenden auf Kosten wichtigerer Kunstwerte. Diesen Lurus kann und soll sich nur das Kgl. Schauspielhaus wie einst mit„ Sardanapal" erlauben!
Ich halte, aufs Ganze gesehen, Sudermann für den größten Dramatiter und glaube, was im Lauf der Zeiten Hauptmann an Theaterrühm verlieren wird, das wird Sudermann gewinnen. Wer imstande ist, einen solchen zweiten Aft aufzubauen, wie ihn Sudermann in seiner neuesten Dichtung tomponiert hat, der müßte von allen Seiten die Anerkennung empfangen, daß dieser sein Aft nicht nur neben Wildenbruchs besten Aften steht, daß er auch neben Hebbel und Kleist sich in dramatischer Vollkraft behauptet. Sudermanns Strandfinder" bedeuten für ihn einen stolzen Erfolg, der mit den reinen Mitteln der Kunstgesetze des Theaters gewonnen worden ist. Die Szenenführung ist von Anfang bis Ende so straff und sicher, die Durchzeichnung dieser ungebrochenen Menschen mit ihren unangekränkelten Empfindungen so plastisch und die Sprache in ihrer erdschweren Fülle und selbstsichern Würze so bedeutend, daß ich von allen Seiten her zu dem Ergebnis gelange: Suder manns„ Strandfinder" sind das Wert eines dramatischen Meisters." Zudem ist unschwer zu erkennen, daß der mär chenhafte Austlang dem Dichter nur dazu dient, um das romantische Symbol zu gewinnen von der Sehnsucht der Menschenfinder, die, vom Leben an eine fremde Küste verschlagen, ihren Herrn das Holz schleppen müssen, mit dem dieje nach brutaler Willkür verfahren; sie lassen ihre Sehnsucht rubelos wandern, die Heimat zu suchen, und wenn sie ihnen sich wirklich erschließt, dann wehren sie ab und weinen. Was bei einem andern Dichter Wirkung genannt wird, darf bei Sudermann nicht Effekt heißen. Bringt er starte Gestaltung, wie sie die Bühne erfordert, so rügt man es als theatralisch. Gibt er zartes Rankenwerk der Stimm
Underbe
Backom
Nory Bi
Die Melide spielte ein Gast, Sybil Vane aus München; auf Engagement? ich weiß es nicht. Das Fürstenkind, daher der oft auflackernde Stolz und Trop, muß erst Holz schleppen und dienen, eh es der glück= liche Zufall dem herben Los entreißt. Sehr gut brachte die Darstellerin die duldende, verhaltene Liebe zum Ausdruck, das Scheue und Aengstliche; da ich die Dame zum ersten Mal sehe, vermag ich nicht zu entscheiden, ob sie das Scheue in ihr Spiel, Bewegung und Gesten, bewußt oder unbe= wußt hineinlegte. Da ihr der" Dichter" erst im letzten Akte, dem lautesten und uninstlerischsten des ganzen Stücks, handelnd einzugreifen zugesteht, so läßt sich wenig über die Fähigkeit Sybil Vanes zu großzügigem, lebendigem Spiel sagen. Ihr helles Organ scheint mir auch mehr auf an genehme Weichheit als übermäßige Stärke gestimmt zu sein. Unter den übrigen Darstellern hätte ich C. Gühne lobend zu erwähnen für seine ausgezeichnete, fein durchgeführte Verkörperung des alten Knechtes Kasper; auch Rudolf Gol( Pater Deodat) und Hermann Bato f ( Kontur von Danzig) will ich nicht vergessen.
Herr Direktor Steingätter selbst hatte die Inszenierung übernommen; die Dekorationen des ersten Attes strahlten in ihrer( dem Werk des Dichters abgehenden) Frische und Naturannäherung! Wie mag sich Petrus über den frisch gewaschenen Himmelsprospekt gefreut haben, den ich aus dem
Das Haus war fast ausverkauft; ob das Stück die erhofften volien Häuser machen wird, muß man abwarten.
Manchem wird die„ Salome" Vorstellung an kommenden Freitag reichlich ersetzen, was man bei Sudermann vermißt: Dichtung und Kunst! Zeigt doch auch Wilde's„ Salome" wie sehr die dramatische Darstellung des ähnlichen Konflikts in Sudermanns Johannes" verroht ist. H. F. Ottavio.
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