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Das Neueste vom Tag.

Die preußische Wahlrechtsvorlage hat in ganz Preußen unter den sozialdemokratischen Kreisen große Erbitterungen hervorgerufen. Es liegen folgende Berichte vor:

= h Berlin, 14. Febr. Die freisinnige Fraktions­gemeinschaft des Abgeordnetenhaules hat sich bereits dahin entschlossen, den Versuch zu machen, das gleiche und geheime Wahlrecht in die Wahlrechtsreform- Vor­lage hineinzubringen. Zu diesem Zweck stellt die frei­sinnige Fraktionsgemeinschaft in der Wahlrechts- Kom­mission den Antrag, den§ 4 des Entwurfes in fol­gender Fassung anzunehmen: Das Wahlrecht ist für alle Wahlberechtigten gleich. Es wird in Person durch ver­deckte Stimmzettel ausgeübt. Die Abgeordneten wer­den von den stimmberechtigten Wählern des Wahlbe­zirks unmittelbar gewählt.- Die Proteste gegen die neue Wahlrechtsvorlage mehren sich von Tag zu Tag. = h Hamburg, 15. Febr. Zu den vorgestrigen Wahlrechts- Demonstrationen in Neumünster wird ge­meldet: Nach dreimaliger Wiederholung des Befehles der Polizei zum Auseinandergehen der Volksmenge, wurde das Zeichen zum Blantziehen und Drein­schlagen mit scharfen Säbeln von einem Polizeiwacht­meister gegeben. Die Demonstranten ergriffen die Flucht, aber nur die letzten im Zuge fonnten sich in Sicherheit bringen. Ein 50jähriger Arbeiter erhielt einen Hieb Hieb auf den Rücken, der die Lunge bloslegte und mehrere Rippen brach. Er soll bereits gestorben sein. Ein zweiter Arbeiter ist angeblich ebenfalls tötlich ver­letzt worden; einem anderen wurde das rechte Ohr ab­gehauen. Außerdem sind etwa 40 Personen leichter ver­letzt worden. Einer ganzen Reihe von Leuten wurden die Kleider zerrissen.

h: Halle a. d. S., 15. Febr. Der Staatsanwalt hat bereits die Untersuchung gegen 17 Personen, die sich an den vorgestrigen Wahlrechts- Demonstrationen beteiligt haben, eingeleitet. Sie sollen wegen Land= friedensbruch zur Verantwortung gezogen werden. Bei den Demonstrationen wurde einem Fleischergesellen von einem Polizisten ein Arm abseschlagen. In der Bürgerschaft wird das rücksichtslose, meist unbe­gründete Vorgehen der Polizei sehr verurteilt.

Lokales.

Gießen, 15. Februar 1910.

Der Finanzausschuß der Ersten Kammer war am 11. Februar unter dem Vorsitz des Grafen Erbach- Fürstenau zu einer vertraulichen Beratung über die allgemeine hess. Finanzlage zusammen, wobei auch die näheren Er= sparnisvorschläge festgestellt worden sein dürften die der Ausschuß der Ersten Kammer in der gemeinsamen Sigung beider Finanzausschüsse heute Dienstag zur De­batte stellen wird.

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** Großherzog, Großherzogin und Fürstin Mutter zu Erbach- Schönberg besuchten am Sonntag vormittag den Got­tesdienst in der Hofkirche; nachmittags wohnten die Aller­höchsten Herrschaften mit Gefolge dem vom Offenbacher Schwimmverein veranstalteten Schwimmfest bei.

** Der Großherzog empfing am 12. Februar u. a. den Lehrer Schneider von Heuchelheim und den Hauptlehrer Sehrt von Lollar.

** Uebertragen wurde am 9. Februar dem Schulamtsaspiranten Karl Wagner aus Krofdorf die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Meßlos- Gehaag, Kr. Lauterbach.

** Erlrdigt: Eine mit einem evangelischen Leh­rer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Gro­ßen Linden. Mit der Stelle tann Organistendienst verbunden werden.

** Von der Landes- Universität. Das Verzeichnis der Vorlesungen für das Sommer- Semester 1910 ist erschienen.

)*( Schulhaus neubauten im Kreise Gie ßen. Das Kreisamt beschäftigt sich gegenwärtig mit den Plänen für die Schulhausneubauten zu Steinbach, Grün­berg, Garbenteich, Hungen und Reiskirchen, welche noch die ses Jahr zur Ausführung tommen. Die neuen Schul­häuser in Londorf, Allendorf a. d. Lumda, Eberstadt, Lau­ter, Nonnenroth und Nieder- Bessingen sehen bereits ihrer Vollendung entgegen.

!! Warnung! Ein hiesiger Bürger wurde durch

den Henkertod stirbt. Gerade Sie, Frau Sawitsch sollten vorsichtig sein, über andere Leute so zu reden, wie über den Felix Olfers-"

" Ich? Ich? Warum gerade ich?" unterbrach sie die Frau erbost, ohne doch ein leises Erschrecken nicht er­bergen zu können. Ihr einziger Sohn, ihr Sorgenfind, war ein wüster Mensch, der schon wiederholt in böse Hän­del verknüpft gewesen und mehr als einmal eine Gefängnis­strafe abgebüßt hatte. Alle Nachbarn der Sawitsch hatten ihrem Gustel prophezeit, daß er über kurz oder lang ein schlechtes Ende nehmen würde und ihr Mutterherz litt schwer um ihn. Daher trafen Louisons Worte sie auch hart. Wa­rum gerade ich, Fräulein?" fragte sie noch einmal mit zuck­enden Lippen.

Sie werden mich schon verstehen, Frau Sawitsch" ent­gegnete Louison, dem unsicheren Blick der Frau drohend be­gegnend. Aber jetzt bitte ich, lassen Sie uns allein, Sie sehen, meine Freundin ist ganz frant und elend von Ihrem Geschwät."

" Ich gehe ja schon, ich gehe", knurrte die Sawitzsch, indem sie sich mit einem giftigen Blick auf die Mädchen anschickte, das Zimmer zu verlassen.

" Weine nicht, Herzel", tröstete Louison, die Freundin umfassend. Es wird schon noch alles gut werden. Frei­lich" fuhr sie einigermaßen unlogisch fort ganz un recht kann ich der Sawitzsch nicht geben. Es ist wirklich töricht von Dir, Dich um den Olfers zu grämen, da es doch auch in den Zeitungen immer so dargestellt wird, daß er nicht freifommt. Und schließlich, wenn Einer auch los gelassen wird, so bleibt immer etwas an ihm hängen, so­fern er wegen Mordes angeklagt, im Gefängnis gesessen hat und

Quäl mich nicht, Louison", schluchzte das blonde Kind. Du weist.a nicht, Du fannst ja nicht wissen, wie ich ihn liebe. Und wenn die ganze Welt ihn für schuldig hält, ich tus nicht, ich glaube an ihn, denn ich"

" Na ja, na ja", machte Louison, ich meinte ja auch bloß so. Aber nun trockne Dir die Augen und komm mit mir. Es sind noch ein paar Stunden bis zur Vorstellung, die wollen wir benußen und in irgend ein nettes Cafe gehen. Da sehen wir Menschen und werden wieder ge­sehen das wird Dich aufheitern."

Aber Frida wollte von dem gut gemeinten Vorschlag nichts hören. Sie bat die Freundin, allein auszugehen, und sie später zur Vorstellung abzuholen, was Louison am Ende auch tat. Wußte sie doch, wo sie jemand treffen würde, der sie erwartete und den sie nicht ungern sah. Die ser Jemand hatte noch einen zweiten mitbringen wollen, den Louison zu Fridas Tröster bestimmt. Am Ende aber

ten und der nicht zum mindesten auch dem hier so aus­nehmend prächtig gelungenen Männerchor galt, der damit der Reihe seiner Erfolge einen neuen Triumph hinzufügen konnte.

einen ausländischen Adressen- Vertrieb um einen Geldbetrag| die Zuhörer auch der Wiederholung der schönen Weise zoll­von 2 Mark geprellt, welchen er dem Adressen- Bureau für die zum Adressenschreiben nötige Adressentasel nebst Schema eingesandt hatte. Da verschiedenen anderen Einwohnern seitens des Adressen- Vertriebes ähnliche Anpreisungen des Adressenschreibens zugingen, möchten wir alle unsere Leser vor dieser Adressen- Firma warnen.

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Wohltätigkeitskonzert des Kronbauer'schen Quartettvereins in Gießen.

Das äußerst reichhaltige Programm hatte im Verein mit dem Ruf des Kronbauer'schen Quartettvereins nicht versehlt, schon lange vor Beginn des Konzertes den Saal des Gesellschaftsvereins mit Besuchern zu süllen. Sie alle waren ja auch in der Absicht zusammengeströmt, durch eine milde Gabe dem sozialen Elend zu steuern und den armen Schulkindern aus der Not zu helfen. Fürwahr ein hehres Beispiel der Wohltätigkeit, das nicht genug Anerkennung verdient! In äußerst anerkennenswerter Weise hatte Uni versitätsmusikdirektor Prof. Trautmann auch diesmal wieder keinen Fleiß und feine Mühe gescheut, seine Sän­ger auf den Konzertabend vorzubereiten, und die gut ge= lungenen Chöre a capella lohnten ihm diese Mühe. Die Mitglieder des Quartettvereins waren im Verein mit den beiden Solisten bestrebt, ihr ganzes Können für das Ge­lingen der guten Sache einzuseßen, so daß das Konzert einen äußerst befriedigenden Verlauf nehmen konnte.

Es war nur etwas bedauerlich, daß das Programm dem Andenten Richard Wagners nicht einen größeren Raum zugemessen hatte. Als das volle abgerundete Organ der Solistin Emmy Kloos dann noch in den mit tiefer Em­pfindung gesungenen Träumen" durch den Saal zog, da mag vor jo manchem Auge das Wirken und Schaffen des genialen Geistes Richard Wagners emporgestiegen sein, dessen Ableben für uns alle ja noch zu früh erfolgte. In dem Ständchen" war die Ausdrucksfähigkeit eine meisterhafte, vor der alle anderen Gefühle verstummen müssen. Bei der Weise Breit über mein Haupt dein schwarzes Haar", ent zückten ganz besonders die zarten Töne, über welche hier die Sängerin verfügte, und als dann ihre Stimme so sehn­suchtsvoll in der Heimlichen Aufforderung" durch den Saal zitterte, da erhob sich ein Beifallssturm, der die Sängerin zu einer Zugabe, zu der wundervollen Naturfreiheit" von unserem Dirigenten Trautmann veranlaßte, in der sich noch einmal die Kraft ihres Ausdruckes, die Tiefe ihrer Em= pfindung zeigte, welche namentlich an dem Schluß der Weise entzückte.

Der zweite Solist des Abends, Konzertmeister Lange aus Frankfurt a. M., der Mitglied des böhmischen Streich­quartetts ist, hatte für sein erstes Violin Solo die D- moll Ciaconna Sebastian Bachs gewählt, ein Thema, das in­folge der über dem Baß laufenden Variationen bekanntlich an manchen Stellen ganz bedeutende Schwierigkeiten bietet. Die wunderbare Technik des Spielers wußte jedoch die Ciaconna in jeder Weise zu bemeistern, während die Aus­drucksfähigkeit, die Tiefe der Empfindung und die Natür­lichkeit des Spiels hinter der Betonung des technischen- Mo­ments leider etwas in den Hintergrund traten. Auch seine Canzonetta dürfte weniger Beifall gefunden haben, währ­end seine Zigeunerweisen durch ihren perlenden Fluß ganz gut ansprachen. Geradezu prachtvoll mußte seine Zugabe genannt werden, denn hier verstand es Konzertmeister Lange in sein Spiel Gefühl zu legen, hier wußte seine Geige zu jauchzen und ihre schönsten Töne hervorzubringen.

Der Quartettverein hat zum Gelingen des Ganzen ein­drucksvolle Männerchöre vorgetragen, welche einen Glanz­punkt des Konzertes bildeten. In dem Winter" des Wie­ner Gesangskomponisten Kremser waren es namentlich die Tenöre, welche in ihrer vollen Klangschönheit hervortraten, während an dem Schluß der Gesang gleich einem Jauch­zen gen Himmel in der Strophe stieg: Der Frühling kommt dennoch gegangen". In den" Särgen" von Hegar flang die Strophe:" Der König saß einst mächtig, hoch auf dem Thron" wohl etwas zu laut, welchen Fehler aber die Sänger wieder am Schluß durch die besonders schöne Wie­dergabe des Triumphes des Gesanges auszugleichen wuß ten, denn Des Sängers Harse tönet im erigen Gesang". Auch die ganz vorzüglich gesungenen Volkslieder Ach, wie ist's möglich dann" und" Morgen!" gelangen durch ihre Klangfülle prächtig und in dem Wiegenlied" von Fr. Schu­bert stand der Verein unbestritten auf der Höhe seines Kön­nens. Denn wunderschön wußte er hier seine Stimmen mit dem Sopran, Emmy Kloos zu vereinigen und so gleich­sam zu den zärtlichen Gefühlen der Mutterliebe in Emmy Kloos Gesang die nicht minder innige Freude des Vaters zu gesellen. Um so verdienter war daher der Beifall, den

schadet das nichts, denn wenn Frida so töricht war, zu Hause bleiben zu wollen, so hatte Louison statt eines Ver­ehrers deren zwei. Verehrer aber konnte man nie genug haben.

Und nun saß die Frida wieder allein mit ihrem Kum­mer in ihrem einsamen Zimmer und weinte herzbrechend um ihr turzes verlorenes Glück. Ein leises Klopfen an der Zimmertür schreckte sie auf und als sie mechanisch herein rief, sah sie eine ihr unbekannte elegante Dame auf der Schwelle stehen, die sie mit teilnahmsvollen Blicken be trachtete. Sie hatte solch ein feines gütiges Gesicht und in ihren Augen lag soviel Aufrichtigkeit und Sansimut, daß sie dem traurigen Kinde in diesem Augenblick wie ein ihr rem Himmel gesandter Engel erschien.

So betroffen war sie zuerst über ihre Erscheinung, daß sie vergaß, auszustehen, sondern sie nur unter groß aufge­rissenen Lidern anstarrte. Die Fremde aber kam unaufge­fordert näher und strich ihr liebkosend über die Blondhaare.

Armes Kind", sagte sie weich, armes Kind! Aber weinen Sie nicht so, Ihr Leid wird vorübergehen und die Sonne wieder scheinen. Die Unschuld Ihres Geliebten wird schon an den Tag kommen seien Sie gewiß."

Er ist unschuldig, nicht wahr?" stammelte das Mäd­chen und da die Fremde nickte, fügte sie hinzu aber wer sind Sie?"

Eine Frau, die Ihre und Ihres Geliebten Freundin ist und Ihnen gern helfen möchte. Aber wenn Sie meinen | Namen wissen wollen ich heiße Frau Hardegg." Und sich neben Frida einen Stuhl rückend, bat sie freundlich ,,, möch= ten Sie mir nicht Ihr Leid klagen, liebes Kind? Es würde Ihnen gewiß gut tun, Ihr Herz auszuschütten und mir gegenüber dürfen Sie offen sein. Vielleicht finden wir noch einen Weg, um Ihrem Verlobten zu helfen." Die weiche Stimme übte eine so mächtige Wirkung auf das Mädchen, daß sie anfangs nur noch stärker schluchzte, dann aber be ruhigte sie sich unter dem freundlichen Zuspruch Paulas und begann, ihr armes gequältes Herz auszuschütten.

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Paula ließ sie ruhig aussprechen, um sie zutraulich zu machen, dann aber fragte sie, hat Ihr Verlobter immer volles Vertrauen zu Ihnen gehabt, liebes Kind?"

Frida schüttelte traurig den Kopf und erzählte der teil­nehmenden Dame, wie in allen Berichten ihres Verlobten eine große Lücke gewesen sei, die zwei Jahre in Italien umfaßt hatte. Paula wunderte sich im Stillen, daß das Mädchen nur von zwei Jahren sprach, während Brümmel ihr doch mitgeteilt hatte, daß Olfers nahezu vier Jahre wie verschollen gewesen sei. Aber freilich, Frida war auch eine kritische Zuhörerin und Olfers brauchte die Worte ihr ge­genüber nicht zu wägen. Er sagt, daß er diese zwei Jahre

Prof. Trautmann zeigte sich auf dem Konzert= flügel bei den Sopran- Solis als ein äußerst diskreter Be­gleiter, der seine Aufgabe nach jeder Richtung hin glänz­end zu lösen wußte. Seine Dirigententätigkeit zeugte ron einer ganz besonders innigen Auffassung der Chore. weiteren Kreisen aber wird sein großer Wohltätigkeitssinn des Quartettvereins einen gleich schönen Erfolg wünschen! Anerkennung finden und wir möchten dem nächsten Konzert

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In

Samstag im Vereinslokal seine Hauptversammlung ab. -h- Der E v. Arbeiterverein Gießen hielt am Aus dem vom Vorsitzenden Oberbibliothekar Dr. He user erstatteten Jahresbericht ist zu entnehmen, daß der Verein 3. 3t. 384 Mitglieder zählt. Die Sterbekasse des Vereins umfaßt 113 männliche und 100 weibliche Mitglieder. Die Elisabeth- Kleinkinderschule wird z. 3. von 81 Kindern be­sucht. Auch die Rechtsberatungsstelle des Vereins erfreut sich regen Zuspruchs. Sie wurde in den 10 Monaten ihres Bestehens in 162 Fällen in Anspruch genommen; außer dem wurden daselbst 141 Schriftstücke angefertigt. Der Kas­senbericht des Vereins weist eine Einnahme von 1860.97 Mark auf, der eine Ausgabe von 1469.01 Mt. gegenüber­stehen. Das Vermögen des Vereins beträgt 3. 3. 1152.21 Mart, das der Sterbetasse 3987.94 Mt. Bei den vorgenom menen Wahlen wurden sämtliche ausscheidenden Vorstands­mitglieder wiedergewählt. Ein aus der Mitte der Ver­sammlung eingebrachter Antrag auf Erhöhung des Sterbe­geldes der Sterbekasse soll dem Aufsichtsamt für Privatver­sicherung zur Prüfung unterbreitet werden. Nach einigen interessanten Mitteilungen des Rechners der Baugenossen­schaft über die für dieses Jahr in Aussicht stehende Be- bauung des Grundstückes am Erdkauterweg schloß der Vor­sitzende die Versammlung.

*)(* Viehmartt. Der heutige Viehmarkt brachte einen Auftrieb, der mindestens um die Hälfte größer als bei dem letzten Markt war. Es wurde bis in die Mittag= stunden hinein rege gehandelt, und der Markt zum großen Teil geräumt. Es wurden für Großvieh folgende Preise erzielt: 1. Qual. 5-600 Mt., 2. Qual. 300-450 mt., während das in größerem Umfange vorhandene Jungvieh für das Pfund Lebendgewicht in der 1. Qualität 40-45 Pfennig und in der 2. Qualität 38 Pfg. brachte.

** Elektrizitätswerk Lißberg. Zu dem Anschluß an die Elettrizitäts- Zentrale in Lißberg haben sich bereits viele oberhessische Gemeinden verpflichtet. Das dürfte in erster Linie auf das Entgegenkommen der Provinzial direktion zurückzuführen sein, welche bemüht war, hinsicht= lich der Anschlüsse alle Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen.

Aus Hessen und Nachbargebiet.

(*) Krofdorf, 14. Febr. Unserm verehrten Haupt­lehrer Weil, dem Senior unter der Lehrerschaft des Kreises Wetzlar, war es vergönnt, am heutigen Montag im Kreise seiner Familienangehörigen seinen 84. Geburtstag zu be­gehen. Der alte Herr, dem dereinst die meisten älteren Ge­meindeglieder zu Füßen gesessen, erfreut sich einer völlig guten Gesundheit und unternimmt noch alltäglich seinen ge­wohnten Spaziergang. Am 1. Oftober 1902 legte er das Schulamt nieder, welches er volle 54 Jahre verwaltet hat.

(*) Hohensolms, 14. Febr. Es besteht die Ab­sicht, die Fahr post Weylar- Hohensolms aufzugeben und dieselbe von hier nach Bischoffen zu verlegen. Diese Ein­richtung komme vor allem auch den größeren Gemeinden Erda, Niederweidbach, Altenkirchen u. s. f. sehr zu statten. Dahingegen könnte Blaßbach an die neu errichtete Posthilfs­stelle zu Hermannstein angeschlossen werden.

Frankfurt a. M. Außer der bereits ausge= schriebenen Belohnung von 1000 Mt. wurden auf die Er= greifung Flicks von der geschädigten Kasse Prämien ron je 1000 Mt. ausgesetzt auf den Nachweis von Spuren, die zu seiner Ergreifung jühren und von greifbaren Depots aus den unterschlagenen Summen, sofern diese den Betrag von 10 000 Mart übersteigen.

* Frankfurt a. M. Vor einigen Tagen hat die Firma Ha as dem Lehrling Gustav Becker aus der Rohrbachstraße 47 100 Mart zur Einzahlung beim Post= scheckamt übergeben. Seit dieser Zeit ist Becker mit dem Gelde verschwunden.

Verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

bei seiner Mutter verlebt habe, aber seine Mutter ist ja so arm, daß sie ihn unmöglich hat ernähren können", suhr Frida fort. Sie lebt ja ganz von seiner Unterſtüßung." Liebt er seine Mutter sehr?" erkundigte sich die junge Frau.

Ach, unendlich, da er ja sogar unsere Hochzeit ver= schoben hat, um nur ihre Zukunft sicherzustellen. Denken Sie, gnädige Frau, er will ihr eine Rente kaufen, und bevor er das Geld dafür beisammen hatte, mochte er nicht an sein eigenes Glück denken. Aber nun hatte er die nötige Summe erspart und da gerade, da" und wieder brachen die Tränen aus des Mädchens Augen.

Paula fragte, ob Frida wüßte, wo er das Geld habe und wo er die Rente zu kaufen gedächte.

Als ich einmal mit ihm darüber sprach, sagte er, daß es hier in Wien bei der Unionsbant aufgehoben sei", ent­gegnete Frida. Ich denke ost" setzte sie schüchtern hinzu, daß er es später doch eigentlich selbst brauchen würde, denn wenn er aus dem Gefängnis tommt, wird er ja so leicht fein Engagement finden, aber er ist viel zu selbstlos, um jenes Geld anzugreifen. Daher spare ich schon immer für ihn. Er ist so gut, viel besser, als irgend jemand denft, auch gegen seine Kollegen. Trotzdem die doch selbst ter­dienen, borgt er ihnen, wenn sie in Verlegenheit sind, z. B. dieser abscheuliche Clown"

Was ist's mit ihm?" entfuhr es Paula hastig. Eben hatte sie von Long- Bell zu sprechen anfangen wollen und nun tam das Mädchen ihr zuvor.

Ja er hat ihm auch aus der Verlegenheit geholfen. Ich weiß es ganz sicher, trotzdem Felix es leugnet, denn ich sah einmal es war noch in Berlin- daß er Long­Bell eines Abends während der Pause ein ganzes Pafet mit Banknoten reichte, die jener hastig in seine Brusttasche schob. Felix behauptete später, ich hätte mich geirrt und er hätte dem Clown nur einen Papierzettel gegeben, aber ich weiß ganz sicher, daß es Banknoten waren. Aber so ist Felix immer, er mag es nie zugestehen, daß er jemand et­was Gutes getan- so großmütig und vornehm ist er, und Long- Bell verdient es doch gar nicht."

Warum nicht?"

" Ach, es ist ein schrecklicher Mensch, den niemand beim Variete leiden mag, außer der Anita Brusio das heißt, in letzter Zeit ist er auch mit ihr zerfallen, sie spricht ja gar nicht mehr mit ihm. Ich weiß nicht, aber mir kommt es so vor, als ob Long- Bell Felix haßte und er ihn", schloß Frida seuszend.

" Woraus schließen Sie das, da Sie doch meinen, daß er ihm aus der Verlegenheit geholfen hat?" ( Fortsetzung folgt.)

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