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Vereine bezeichnen, und zwar schon deshalb nicht, weil ihnen auf Grund ihrer selbstgegebenen Sazungen jede politische Betätigung innerhalb der Kriegervereine aufs strengste un tersagt ist. Wohl aber schreiben ihnen ihre Sabungen die Pflege der Treue und Liebe zu Kaiser und Reich, der na tionalen Gesinnung und der Vaterlandsliebe vor und be stimmen auch, daß diejenigen Mitglieder, die gegen diese Verpflichtung verstoßen, aus den Kriegervereinen ausge= schlossen werden müssen. Treue und Liebe zu Kaiser und Reich, nationale Gesinnung und Vaterlandsliebe sind indes teine politischen Forderungen, sondern sind vielmehr die Voraussetzung und die Grundlage jeder ersprießlichen Poli­tif. Niemand wird den Kriegervereinen nachweisen können, daß sie eine der Parteien, die sich auf dieser selbstverständ­lichen Grundlage jeder nußbringenden politischen Betätig­ung bewegen, irgendwie bevorzugt haben. Vielmehr hört hier, und zwar nicht nur sabungsmäßig, sondern auch streng in der Praxis durchgeführt, jedes Nachforschen nach der politischen Parteiangehörigkeit der einzelnen Mitglieder auf. Jeder Anhänger irgendeiner bürgerlichen nationalen Partei ist unterschiedslos den Kriegervereinen ein wertes und lie­bes Mitglied. Durch diesen Grundsatz der inneren Zusam mengehörigkeit aller sich in der Vaterlandsliebe und in der Treue zu Kaiser und Reich einigen Staatsbürger haben die Kriegervereine viel zur Gesundung unseres politischen Le­bens beigetragen und einer Entfremdung der zur gemein samen Zusammenarbeit berufenen staatserhaltenden Parteien vorgebeugt, von der nur die Sozialdemokratie und andere zerstörende Kräfte unseres politischen Lebens Vorteil haben.

Gegen diese zerstörenden Mächte in dem politischen Le­ben der Gegenwart, gegen die revolutionäre Sozialdemo kratie, die grundsätzlich republikanisch und umstürzlerisch ist und daher keine Liebe zu Kaiser und Reich empfinden kann, ferner gegen Polen, die daraufhin arbeiten, Teile des Deutschen Reiches loszulösen und einem neu zu gründen­den polnischen Reiche anzugliedern, und schließlich gegen die Welfen, deren Absichten auf die Wiederherstellung des Kö­nigreichs Hannover und damit gegen die Unantastbarkeit eines deutschen Bundesstaates gerichtet sind, haben sich die Kriegervereine allerdings stets mit unverkennbarer Entschie= denheit gewandt. Dies geschah aber nicht aus irgendwel­chen politischen Erwägungen heraus, sondern nur in der Verfolgung ihrer Vereinssatzungen, die ihnen die Pflege der Treue und Liebe zu Kaiser und Reich und der natio nalen Gesinnung und Vaterlandsliebe vorschreiben.

Wird diese Stellung eine zustimmende oder ablehnende sein? Qui mange du Pape, en meurt. Wer sich mit dem Zentrum zu Tische setzt, kommt schwer von der Umarmung dieses liebenswürdigen Tischgenossens los. Das haben die Konservativen erfahren, von denen mancher bei der Wahl­reform sicherlich lieber mit den Mittelparteien zusammenge gangen wäre, als mit dem Zentrum. Aber der neue Bun desgenosse wachte eifersüchtig darüber, daß der konservative Partner ihm die Treue nicht brach.

Möge man daher im Plenum des Reichstages den vor­eiligen Entschluß der Wahlprüfungskommission, die sich über dessen Tragweite sicher nicht flar gewesen ist, sorgfältig nachprüfen. Man würde königstreue und vater­ländische Gesinnung geradezu herab= würdigen, wollte man den freien Zusammenschluß freier Männer zu ihrer Pflege als eine amtliche oder halbamtliche Veranstaltung bezeichnen. Die Kriegervereine haben nichts anderes getan, als daß sie den Grundsatz, zu dem sich alle bürgerlichen politischen Parteien aus eigenem Antriebe be­kennen und auf dem sich das politische Bekenntnis aller tönigstreu und national gesinnten Männer errichtet, zu dem ihrigen gemacht und sich zu seiner ausdrücklichen Pflege ver­pflichtet haben, um ihn als unverrückbares Gemeingut hin­zustellen und dadurch nach den großen Worten des Fürsten Bismarck den nationalen Gedanken leuchten zu lassen vor Europa.

Wird auch Herr von Bethmann Hollweg der klerikalen Verstrickung erliegen? Für das Zentrum steht viel auf dem Spiele, denn wenn die Wahlvorlage in der von ihm be­liebten Form Gesetz wird, so wird die Zentrumspartei of­fenfundig in Preußen die Stellung einnehmen, die es im Reiche lange Jahre, nur unterbrochen durch die kurze Spanne vom Winter 1907 bis zum Frühjahr 1909 innegehabt hat: daß kein Gesetz zur Verabschiedung gelangt, dem nicht das Zentrum seinen Stempel aufgedrückt hat. Man kann sich daher darauf verlassen, daß die Zentrumspartei alle ihr zur Verfügung stehenden Einflüsse und deren Zahl ist groß aufgewandt hat, um die Regierung in dieser Frage gefügig zu machen. Und das eine ist ja jedenfalls sicher: mit dem Zentrum läßt sich bequemer regieren, als ohne oder gegen diese Partei. Auch wird es nicht an einfluß­reichen Männern auch außerhalb der Zentrumspartei gefehlt haben, die der Regierung die Ueberzeugung beizubrin gen suchten, daß, wenn erst das Gesetz verabschiedet sein würde, die Beschwichtigung der Erregung sicher wäre. Lehne hingegen die Regierung die Fassung der Abgeordnetenhaus­mehrheit ab und komme nicht zustande, so werde der Lärm von neuem losgehen und die Regierung erscheine in der traurigen Rolle des Besiegten.

Will man den alten deutschen Kriegern dieses Recht, für Vaterland und Königtum einzutreten, verkümmern und Wahlen, bei denen sich Kriegervereine in diesem Sinne be­tätigt haben, für ungültig erklären, so entrechtet man die alten deutschen Krieger, von denen viele für König und Vaterland geblutet haben und die alle be­reit sind, in einem etwaigen Kriege wieder mit ihrem Blut für diese großen nationalen Güter einzutreten, politisch, nimmt ihnen das Wahlrecht, macht sie zu Staatsbürgern zweiter Klasse und leistet den vaterlandsfeindlichen und staatszerstörenden Bestrebungen Vorschub. Die Betätigung von Königstreue und Vater= landsliebe unter ein Ausnahmegesetz zu stellen, wäre der be­denklichste Schritt, den man tun könnte.

Nun, selbst wenn dem so wäre, so möge Herr von Bethmann Hollweg an das schöne Wort denken: Victrix can sa diis placuit, sed victa Catoni." Es sind vielleicht nicht die schlechsten Männer im Vaterlande, die eine solche Niederlage" der Regierung ihr höher anrechnen würden, als die Unterwerfung unter den Willen des Zentrums. Tatsächlich wäre in diesem Falle auch gar nicht die Regier­ung besiegt, sondern die Abgeordnetenhausmehrheit, in er­ster Reihe das Zentrum. Auch würde das Bürgertum viel weniger verstimmt sein, wenn nichts zustande kommt, als wenn der Wille der Abgeordnetenhausmehrheit Gesetz wird. Es ist deshalb ein Irrtum, anzunehmen, daß nach der Votierung eines solchen Gesetzes Ruhe eintreten würde und es wäre ein Beweis des staatsmännischen Weitblicks des Reichskanzlers, wenn er sich diesen Irrtum nicht suggerie ren ließe.

tig und vielfach überlegen sind. Weiß das Publikum nicht, daß die Erzeuger dieser Fabritate alle Intellegenz und allen Fleiß aufwenden müssen, um ihre Fabriten zu beschäftigen, um in der Lage sein zu können, ihre Beamten und Arbei­ter anständig zu entlohnen und um die immer größer wer­denden Steueriasten und sozialen Einrichtungen ertragen zu können? ung findet, die deutsche Industrie im Inlande zu unter= Es ist Zeit, daß die Notwendigkeit Anerkenn stüßen, nachdem die Exportverhältnisse sich immer schwieri­ger gestalten. Wenn das deutsche Volf nur prüfen wollte, es würde bald erfahren, daß für den richtigen Preis auch die richtige Qualität geliefert wird und daß es teine Schande ist, in den Kaufläden deutsche Fabrikate, deutsche Marken zu verlangen. Die deutsche Industrie fürchtet keine französische, feine englische, keine amerikanische Ausstellung; aber sie muß Gelegenheit haben, ihre Erzeugnisse neben die der fremden Staaten zu stellen, damit das Publikum und die Sachverständigen den Unterschied der Fabrikate er­kennen sollen. Das ist recht und billig und kaufmännisch."

Noch sind drei Möglichkeiten vorhanden. Die günstigste wäre, wenn das Herrenhaus sich liberaler erwiese als die Zweite Kammer und unter Verständigung mit der Regier­ung dem Gesetze eine Fassung gäbe, in der es alsdann von einer konservativ- liberalen Mehrheit im Abgeordnetenhause angenommen werden würde. Unser Optimismus geht nicht so weit, an die Erfüllung dieser Möglichkeit zu glauben. Die zweite Möglichkeit ist, daß Herr von Bethmann Holl­weg am Freitag erklärt, sich dem Willen des Abgeordne tenhauses zu beugen. Dann dürfte auch das Herrenhaus taum wesentliche Aenderungen vornehmen und dann dürste das Gesetz bald zur Verabschiedung gelangen. Wir brau­chen nicht erst zu sagen, daß wir die Verwirklichung dieser Möglichkeit auf das lebhafteste bedauern würden. Die dritte Möglichkeit ist, daß Herr von Bethmann Hollweg am Frei­tag der Fassung des Abgeordnetenhauses ein rundes Nein entgegenseßt und daß dann am Widerstande des Herrenhau­ses oder des Abgeordnetenhauses oder beider Faktoren ge­gen den Willen der Regierung die Vorlage scheitert, also gar nichts zustande kommt. Kann die erste Möglichkeit sich nicht erfüllen- und wie gesagt, glauben wir selbst kaum daran, so wäre uns die Verwirklichung dieser dritten Möglichkeit noch die erwünschteste Lösung. Ob wir sie er­hoffen dürfen?

Schutz der nationalen Arbeit.

Herr von Bethmann- Hollweg am Scheidewege. Ministers:" Die deutsche Industrie soll sich auf den In

( Nachdruck verboten.)

Man schreibt uns aus Berlin vom Mittwoch: Solange das Abgeordnetenhaus über die Wahlrechts vorlage beriet, hat Herr von Bethmann Hollweg als Preu­ßischer Ministerpräsident über die Stellungnahme der Regier­ung zu der von der Kommission der Vorlage gegebenen Fassung nur zwei Erklärungen abgegeben, von denen die erste einen völlig neutralen Charakter trug, während die zweite die Wahrscheinlichkeit der Zustimmung andeutete, allerdings auch noch immer die Möglichkeit einer Ablehn­ung offenließ. Am Freitag, bei der Besprechung der Vor­lage im Herrenhause dürfte der Ministerpräsident sich ver­anlaßt sehen, zu dem Votum der Mehrheit des Abgeord­netenhauses bestimmt Stellung zu nehmen.

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Die Freundinnen.

Originalroman von Irene v. Hellmuth. ( Nachdruck verboten.) Inzwischen hatte draußen eine lebhafte Begrüßung stattgefunden. Das Lachen und Plaudern drang bis her­ein in das stille Zimmer. Maja schien in sehr über­mütiger Stimmung zu sein und das mußte ansteckend auf die Freundin wirken. Lachen und Scherze flogen hin und her. Arm in Arm traten die beiden Mädchen endlich ins Zimmer und Hugo wunderte sich im Stillen über das veränderte Aussehen seiner Braut. Wie reizend ihr das heitere Lachen stand! Er vermochte kaum den Blick ab­zuwenden von dem lieblichen Mädchenpaar; denn auch Maja bot mit ihren Grübchenwangen und den strahlenden Augen einen herzerfreuenden Anblick.

,, D," rief sie überrascht, Du hast mir ja gar nichts von der Anwesenheit deines Bräutigams gesagt! Ich ha­be Sie nun wohl in einer recht interessanten Unterhaltung gestört?" wandte sie sich mit schelmischem Lachen an Hugo, ihm die Hand reichend. Sie müssen schon entschuldigen, Herr von Trostberg, daß ich so plößlich hier herein ge= schneit bin! Wenn ich hätte ahnen können--

,, Ach bitte, mein gnädiges Fräulein," unterbrach Hugo die Rede Majas, eigentlich müßte ich Ihnen dankbar sein; denn Sie haben in unglaublich kurzer Zeit fertig gebracht, was mir troß aller Mühe nicht gelingen wollte, nämlich Sylvia heiter zu stimmen. Sie ist ja jetzt völlig verwandelt!"

Nidda zum Schre ** Ueber Ter Georg Heinri an der Gemeinde amisafpiranten H fielle an der Gen * Profe wird in weiter Samstag angeli dem früheren P universität, D. Halle a. d. 6. Diesem Frrium e * Veran fteuern für März d. Js. ift jahr 1910 insge Pig. veranlagt w auf die Vermäger auf die Einkomm amtern des Land Bermögenssteuer: Mainz 1 455 74 Mart; die Einlo Finanzämtern D 1 1996 653 Gießen 9170 Mart 15 Pig. * Erspa len bekanntlich d

Die Reichswertzuwachssteuer.

In der vergangenen Woche fand in Berlin eine zu= sammenkunft der bundesstaatlichen Finanzminister statt, welche sich mit dem Rechnungswesen befaßte. Vormähmlich wurde um die Grundsäße beraten, die bei der Bemessung der Matrikularbeiträge für das laufende Finanzjahr zu be obachten seien. Diese Zusammenkunft hat denn auch die Befürchtungen bestätigt, welche überall angesichts der Ver­handlungen aufstiegen. Der Bundesrat hat nämlich am Montag dem Gesetzentwurf zu einer Wertzuwachssteuer die Zustimmung erteilt, der nun mit möglichster Beschleunigung dem Reichstage zugehen soll, da die Regierung wünscht, daß der Entwurf spätestens mit 1. Juli Gesetz werde.

Der Entwurf sieht nur eine Besteuerung des Wertzu­wachses von Immobilien vor. Die neue Steuer werde nach der Schäßung des Entwurfs einen Reinertrag von 30 Millionen abwerfen. Die Wertzuwachssteuer soll beim Verkauf der Grundstücke von den Kommunen erhoben werden, die 6 Prozent der Steuer an das Reich abführen. Für gewisse Fälle ist Steuerfreiheit vorgesehen, so z. B. wenn Immobiliarbesitz auf Deszendenten behufs Fortführ ung des Gewerbes übergeht. Die Steuersätze sind nach der Besitzeit abgestuft.

Dem Hansabund wird aus Mitgliederkreisen ge= schrieben: Anschließend an die Aeußerung eines preußischen landmarkt werfen", ist es an der Zeit, dem deutschen kauf fähigen Publikum vor Augen zu führen, wie ungeheuer schädigend die Vorliebe des Deutschen für alles Ausländi­sche auf unsere Industrie wirkt. Wir haben eine Reihe von Industriezweigen, welche unter dieser beschämenden Tatsache leiden, vorwiegend ist es aber die Bekleidungsindustrie. Der Anzug soll aus englischem Stoff sein der Schuh womöglich amerikanisch, der Handschuh englisch, der Hut italienisch, englisch oder österreichisch, der Damenhut, das Korsett aus Paris 2c. Gibt es fein Mittel, den deutschen Michel zur Erkenntnis zu bringen, daß es geradezu Pflicht ist, die nationale Arbeit zu unterstützen? Wir haben deutsche Tuche, deutsche Handschuhe, deutsche Hüte, deutsche Schuhe, welche den ausländischen Marken ebenbür­

Es klang doch eine leise Bitterkeit aus seinen Worten, und Sylvia schien den Vorwurf auch zu fühlen; denn sie verteidigte sich lachend:

Maja weiß auch immer so drollige Sachen zu er­zählen, das reißt mich stets mit fort."

So- und darf man die lustige Geschichte nicht auch erfahren? Ich könnte ein wenig Aufbeiterung ganz gut gebrauchen."

Maja wechselte einen raschen Blick mit der Freundin, dann lachte sie übermütig: Ich weiß zwar nicht, ob es Sie interessiert, aber erzählen will ich es gerne, tenn es ist wirklich komisch: Als wir nämlich voriges Jahr mit unserer Pensionsvorsteherin den gewöhnlichen Sommeraus­

fängnis für juger Provinzial- Arrefth Lenftrafanstalt Bu Mainz aufhebt. 1 Verwalter, 1 S während der Gefo Die Aufhebung falls eine wesen zumal die gerin stalten untergeb tönnten bei der ung finden. -ph Nacht brachte Notiz vor ftellten der Gewer daß der Hauptgri Bigleiten" bei G suchen ist. Uebri benböcken für auszuwandern". allgemein Reifen begeben" Wir geben diese lichkeit wieder.

Was die Grundzüge des Regierungsentwurses anbe­langt, so werden die gleichen Ziele verfolgt wie bei den jetzt in Geltung befindlichen kommunalen Zuwachssteuerge­seßen. Versteuert soll der unverdiente Gewinn werden, der Gewinn also, der nicht aus der Arbeit eines einzelnen, son­dern aus Einrichtungen der Kommunen und des Staates erzielt wird. Aus diesem Grunde sollen auch beide Fat­toren am Gewinn teilnehmen. Ein gewisser Prozentsatz der Wertsteigerung soll indes von der Besteuerung freibleiben. Während im allgemeinen das Recht der Steuererhebung den Kommunen vorbehalten bleibt, sind für das platte Land Sonderbestimmungen vorgesehen und hier als Erhebungs­stellen die Kreise gedacht, die schon heute nach dem Kom­munalabgabengeset berechtigt sind, die Wertzuwachssteuer als Kreiškommunalabgabe einzuführen.

Parlamentarisches aus Hessen.

Wo

** Zum Gesebentwurf über die Gemeindeum­lagen haben die hessischen Hausbesißervereine an die zweite Kammer eine Eingabe gerichtet, in deren Einleitung über die hohe Belastung der Hausbesizer mit Steuern geklagt wird. Dann heißt es weiter: Und trotz­dem soll bei der nunmehrigen Reform immer noch keine Rfchicht auf die Verschuldung genommen werden! findet man denn heute noch Häuser ohne Hypothekenschul­den? In den Städten kaum noch. Wir geben zu, daß die Grundsteuer ihres Effettes zum großen Teil verlustig ginge, wenn man den hier und da gewünschten vollen Schuldenabzug, der manchmal bis zu 80 und mehr Pro­zent des Wertes ginge, gestatten würde. Wir glauben je­doch, daß es wohl möglich und durchführbar ist, bei der Grundsteuerveranlagung die Hälfte der Schulden, jedoch höchstens bis zu 35 Prozent des veranlagten Objektwertes abzugsfähig zu erklären. Die Eingabe stimmt ferner dem Antrag der Handwerkskammer zu, die Steuer für Waren­häuser und Filialgeschäfte nicht fakultativ, sondern obliga­torisch zu machen.

flug machten, da neckten uns die andern immerfort mit einem gewissen Herrn, der zu bestimmten Stunden täg­lich an der Schule vorüberging. Da wir, Sylvia und ich, unsere Pläße am Fenster hatten, so konnte es uns na­türlich nicht entgehen, und die anderen behaupteten mit aller Bestimmtheit, daß er seine schmachtenden Blicke ge­rade immer nach unserem Fenster richtet. Das tonn also nur einer von uns gelten, nur wußte man nicht, welcher. Die übermütige Mädchenschar hörte nicht auf, von dem Herrn, dessen Namen keine kannte, zu erzählen. Sie wuß­ten bereits, daß er ,, himmelblaue" Augen und blonde Locken besaß. Auf dem besagten Ausflug trieben es un­sere Mitschülerinnen am buntesten. Als uns endlich die Sache zu apg wurde, da sonderten wir uns von den üb­rigen und blieben weit hinter diesen zurück. Plößlich trat ein funger Mann aus dem Wade hervor unser Un­bekannter. Er hielt sich zuerst in angemessener Entfern­ung, dann aber schritt er höflich grüßend auf uns zu und fragte nach dem Wege. Wir waren jedoch selbst nicht bekannt in der Gegend und konnten teine Auskunft geben; allein der Fremde blieb dicht an unserer Seite. Wir zitterten heimlich, daß eine unserer Mitschülerinnen das kleine, an sich harmlose Abenteuer entdecken könnte. Wir hätten ja keine ruhige Stunde mehr gehabt. Wir ver­langsamten also unsere Schritte, um die andern recht weit vorauszulassen. Nach und nach vergaßen wir unsere Be­sorgnis, denn der Unbekannte wußte so viel zu erzählen, daß wir aus dem Lachen nicht mehr herauskamen und die Zeit wie im Flug verstrich. Doch dabei achtete nie­mand auf den Weg, und zu unserem Schrecken mußten wir bald entdecken, daß wir uns gründlich verlaufen hatten. Dem jungen Manne bereitete das anscheinend großen Spaß, er wußte uns zu trösten und versicherte, er werde uns unversehrt nach Hause bringen. Daß es wegen der Ver­spätung tüchtige Schelte geben würde, wußten wir im Vor­aus, d enn unsere Vorsteherin verstand keinen Spaß. Na, furz and gut, wir kamen glücklich in der Pension an. Als die Stadt vor uns auftauchte, da fragte der Fremde: ,, Ich möchte nun doch gar zu gern wissen, mit wem ich die Ehre hatte und wem ich die angenehm verlebten Stunden verdanke, die ich nie vergessen werde!"

Dabei schaute er immer na Sylvia an, mich würe

Lokales.

Gießen, 14. April 1910.

** Der Großherzog hat dem Postsekretär G. Wenzel in Alsfeld das Ritterkreuz 2. Klasse des Ver­dienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

** Ernannt wurde am 6. April Otto Becker in

digte er kaum eines Blickes mehr. Das war mir zu viel. Er hätte sich doch eigentlich zuerst vorstellen sollen. Ich gab Sylvia heimlich einen Wink, zu schweigen, Inigte und gab vor Lachen halb erstickt, Auskunft: Ich heiße Liese Hasenfraß und hier meine Freundin, Fräulein Anne­marie Bierbalg!" Er berneigte sich, als hätte er das Ernsta hafteste vernommen. ,, Mein Name ist 3ipfel- Martin Sipfel", versicherte er, ohne eine Miene zu verziehen. Wir wußten ja, er sprach ebenfalls die unwahrheit, aber was tats? Er blieb von da an der Herr Zipfel."

Maja machte hell auflachend eine kleine Pause, und Hugo, der sehr ernst zugehört hatte, fragte:

,, Und haben Sie den Herrn noch öfters gesehen?" Allerdings," gab Maja zu, aber immer nur von Fenster aus, denn wir waren ja bewacht wie die Ges fangenen."

Aber damit ist Ihre Geschichte doch nicht zu Ende forschte Hugo sichtlich erregt.

,, Nein, und das ist es eigentlich, weshalb wir so lachen mußten," erzählte Maja weiter. Als ich heute mit meinen Ponys die Straße dahinfuhr, denken Sie, wen ich da treffe? Unsern Herrn Zipfel. Er hat mich auch so­fort wieder erkannt und rief mir lustig zu: ,, Ah guten Tag, Fräulein Hafenfraß, wie gehts Ihrer Freundin, dem Fräulein Bierbalg? Sehr gut, Herr Zipfel," gab ich lachend zurück ,,, ich fahre eben zu ihr." ,, Bitte, bestellen Sie meine untertänigsten Grüße!" rief er wieder. Als mein alter guter Friß hörte, welchen Namen Herr Zipfel mir beilegte, glaubte er natürlich an eine Beleidigung, sprang so schnell er konnte vom Wagen herab und pflanzte sich dicht vor dem erstaunten Herrn auf. Wie sagten Sie, daß das Fräulein heißt?" schrie er ihn erbost an. Na, wie anders als Fräulein Hasenfrak!" gab jener mit einer Grimasse zurück. Ich bitte mir mehr Respekt aus!" schrie Friß wütend. Ich dulde es nicht, daß man mein Fräu lein beleidigt! Das ist Fräulein Reinan, die Tochter des berühmten Fabrikanten Reinau, daß Sie es nur wissen! Merken Sie sich das! Und die Freundin ist Fräulein von Schmettwiß auf Neuntinden!" Sprachs und fletterte be friedigt wieder auf seinen Sib. Das hätten Sie sehen sollen. Erzähle läßt sich das gar nicht so. Es war zu komisch."

Forts. folgt.)

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