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* Kaiser Regiment. Heute sind bei dem hie­sigen Regiment die Rekruten eingetroffen und in die ein­zelnen Kompagnien eingeteilt worden.

* Post na chrichten. Verliehen wurde der Titel " Postsekretär" dem Postverwalter Schäfer- Hungen. Versett wurden die Postassistenten Grunenberg- Tilsit nach Gießen, und Maus- Gießen nach Frankfurt a. M.

** Stadtverordnetenwahl. Dieser Tage fand eine Versammlung der Vertreter der hiesigen Vereine statt, welche die Aufstellung einer bürgerlichen Liste gegen die Stimmen der Freisinnigen und der Bodenreformer be­schloß. Daraufhin brachen die beiden letzteren Gruppen die Verhandlungen ab und entfernten sich aus dem Beratungs­zimmer. Die dadurch bedingte Spaltung unter den bürger­lichen Wählern ist nur zu bedauern.

Hansabunde vereinten Erwerbsgruppen aus Handel, Ge= werbe und Industrie. Es gilt aber vor allem, die einseitige Interessenpolitik des Bundes der Landwirte zu brechen und sie zu ersetzen durch die vom Hansabund vertretene gerechte, das heißt allen Erwerbsständen, einschließlich der Land= wirtschaft, gleichermaßen gerecht werdende Wirtschafts- und Finanzpolitik. Es müssen die Steuern und Lasten unter allen Erwerbsständen nach Maßgabe des Besitzes und der Leistungsfähigkeit gleichmäßig verteilt werden. Große Kreise des deutschen erwerbstätigen Burgertums und auch der Hansabund sind davon überzeugt, daß nur auf solcher Grund­lage das verderbliche Ueberlaufen bürgerlicher Kreise staatsgegnerischen Parteien verhindert werden kann. nächsten Reichstagswahlen werden ferner über die nicht min­der wichtige Frage zu entscheiden haben, ob der deutsche Gewerbestand und das deutsche Bürgertum gewillt sind, mit aller Energie die ihnen zukommende Stellung im Staate d. h. in der Gesetzgebung, Verwaltung und Leitung des Staates, sich zu erkämpfen und dafür Sorge zu tragen, daß die Gleichberechtigung aller Erwerbsstände in Zukunft auch im praktischen Staatsleben die unverrückbare Grundlage der deutschen Politik wird. Wenn das erwerbstätige Bürger­tum jetzt, wo es vor die Entscheidung gestellt wird, ver­sagt oder zaudert, wenn es seine eigene Sache im Stich läßt, dann verdient es die Zurückseßung, die es erfahren hat, und alles, was ihm dann seine zahlreichen Feinde noch in größerem Umfange auferlegen werden. Der Hansabund erwartet daher, daß jedes Mitglied und daß jeder Ange­hörige des deutschen Gewerbestandes seine Pflicht tut. Der Hansabund ist keine politische Partei; er ist eine wirtschaft­liche Vereinigung mit den durch sein Wirtschaftsprogramm bedingten wirtschaftspolitischen Zielen. Es gilt daher, ge­mäß den Richtlinien des Hansabundes, die politischen Par­bei teien, welche allein die Wahlen durchzuführen haben, Aufstellung und Durchsetzung solcher Kandidaten zu unter= stüßen, welche die Gewähr dafür bieten, daß sie in ihrer parlamentarischen Tätigkeit von den Grundgedanken des Hansabundes nicht abweichen werden. Pflicht aber eines jeden Angehörigen des deutschen Gewerbestandes ist es, den Hansabund in größtem Umfang und in opferwilliger Weise bei seiner schweren Arbeit finanziell zu unterstützen und sich am Wahltage seiner Wahlpflicht bewußt zu sein. Wir bitten, die für den Wahlfonds des Hansa- Bundes be­stimmten Gelder entweder direkt an den Hansa- Bund, Ber­lin NW. 7, Dorotheenstraße 45 mit der Bezeichnung, Zen­tralwahlfonds des Hansabundes" oder an die Bank für Handel und Industrie in Berlin W. 56, Schinkelplatz 1- 4 mit der Bezeichnung: Zentralwahlfonds des Hansa- Bun­des" alsbald gelangen zu lassen. Es ist ferner patriotische Pflicht, auch durch persönliche Werbung für die gute Sache des Hansabundes einzutreten."

Zum Barenbesuch in Friedbe g

Der Zar, sowie der Großherzog fuhren am Montag, mittags um 2 Uhr, in 5 Automobilen nach Bierstadt zum Besuche des Fürsten von Bierstadt und kamen um 8 Uhr wieder in das Schloß zurück. An dem gleichen Tage wur­den die Damen des Friedberger Alice- Frauenvereins von der Protektorin dieses Vereins, der Prinzessin Viktoria von Battenberg, in Audienz empfangen.

Dienstag, nachmittags, begaben sich sämtliche Herr= schaften zum Tennisspiel nach Bad- Nauheim. Die Zarin so­wie die Großherzogin schauten, in Rollstühlen sißend, zu. Die drei jüngeren Großfürstinnen vergnügten sich auf der Seewiese mit Ballwerfen.

2.

** Mitteldeutscher Arbeitsnachweis­verband. In Worms findet am Samstag, den 15. Ot­tober, vormittags 11 Uhr, im Stadtverordneten- Sibungs­saale eine Konferenz von Verwaltern und Leitern öffent= licher Arbeitsnachweise in folgender Tagesordnung statt: 1. Einiges aus dem Gebiete der Dienstbotenvermittlung. Re­ferent: Herr Direktor Dr. Busch- Frankfurt a. M., Die Neuorganisation des Arbeitsnachweises im Untermain­freis. Referent: Herr Sekretär Weber- Aschaffenburg. Die Praris der Lehrstellenvermittlung. Referent: Herr Ge­schäftsführer Rohrer- Frankfurt a. M. 4. Der öffentliche Arbeitsnachweis und das am 1. Oktober in Kraft getretene Stellenvermittlergeset. Referent: Herr Dr. Schlotter- Frank­furt a. M. 5. Fragen aus der Praxis. Nachmittags ist eine Besichtigung der Wormser Arbeitsnachweiseinricht­ungen geplant.

Gestern, vormittags um 9 Uhr, traf der Großherzog im Automobil in Frankfurt a. M. ein und stieg im Englischen Hof ab. Hier bestellte er für 1 Uhr ein Lunch für 4 Per­sonen und machte dabei die Mitteilung, daß sich in der Ge­sellschaft der Zar befinden werde. Der Großherzog, der sich in Uniform befand, fuhr dann nach Darmstadt weiter, wo er Audienzen erteilte. Punkt 1 Uhr traf im Automobil der Zar in strengstem Inkognito in Begleitung des Flügelad­jutanten Oberst von Dentelen vor dem Hotel ein. Zehn Minuten später kehrte der Großherzog von Darmstadt nach dem Englischen Hof zurück. Das Luncheon wurde im Sa­lon apart eingenommen. Die Herrschaften unterhielten sich bei Tische sehr lebhaft in russischer, englischer und deutscher Sprache. Am Nachmittag machten der Zar und der Groß­herzog in der Stadt verschiedene Einfäufe um später nach Friedberg zurückzukehren.

Lokales.

Gießen, 13. Oktober 1910. ** Empfangen wurden vom Großherzog ge­stern u. a. der frühere Direktor des städt. Gas- und Was­serwerts in Gießen, Bergen.

3.

* Eine Konferenz der hess. Bergwerts­leiter fand fürzlich in Gießen statt. Bergassessor Kobbe sprach über zweckmäßige Konstruktionen von Schachtklappen. Dipl.- Ing. Münter behandelte in längeren Ausführungen die Verwendung der Benzolmotoren im Erzbergbau. Berg­rat Käbrich hielt einen Vortrag über den Bergmannstag in Aachen. Zum Ort für die nächste Zusammenkunft 8. Januar wurde wiederum Gießen gewählt.

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* Die Oeffentliche Lese halle lieh in dem verflossenen Monat 2052 Bände aus. Der größte Teil der­selben entfiel mit 1104 Stück auf Werke erzählenden In­halts. Die Umgegend borgte aus der Büchersammlung 57 Bände.

| Bund der Landwirte, der hinter Luz und Korell steht, den nationalliberalen Kandidaten wählen wird. Bei der letzten Wahl erhielten die Reformpartei 6455, die Nationalliber­alen 6200 Stimmen. In der Stichwahl siegte dann erstere mit 8868 gegen 7886 Stimmen.

* Ein Papierkasten in der Süd- Anlage wurde von böswilliger Hand in Brand gesteckt. Der gleiche Vor­fall ereignete sich in dem Frühjahr in demselben Stadtteil, ohne daß damals der Täter entdeckt werden konnte. E2 würde sich aus diesem Grunde für die Stadtverwaltung die Ausstellung von Papierkörben aus Drahtgeflecht empfehlen.

Aus Hessen und Nachbargebiet.

* Wieseck. Die 1. Verbandsausstellung des ober­hessischen Geflügel- und Kaninchenzucht- Vereins, verbunden mit einer allgemeinen Produkten Ausstellung, findet hier am 30. Oftober statt. Der Verein Gießen wird eine Kü­chenabteilung einrichten. Neben zahlreichen Geld- und Eh­renpreisen stehen zwei vom Provinzialausschuß der Provinz Oberhessen gestiftete Preise zur Verfügung. Die Ausstellung verspricht nach den Vorbereitungen und den bereits einge­laufenen Anmeldungen recht umfangreich zu werden.

* Friedberg. Der erste weibliche Student ist in unserer Gewerbeakademie mit dem neuen Semester einge­treten.

* Birklar. Die Feldbereinigungsarbeiten in un­serer Gemarkung sind in diesem Sommer zu Ende ge= führt worden. Im Herbst erfolgt die Uebergabe an die Besitzer.

* Bellersheim. Im Gegensatz zu den benach barten Gemarkungen, die nur halbe Erträge an Kartoffeln zu verzeichnen haben, ist hier die Kartoffelernte gut zu nennen. Gute Speisekartoffeln werden mit 6 Mark für das Malter bezahlt.

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* Frankfurt a. M. Der hier veranstaltete Mar­gueritentag zum Besten des Säuglings- Fürsorgevereins hatte einen großartigen Erfolg. Man sah kaum eine Person, die nicht mit der Blume des Tages geschmückt war. Der Er­trag der Veranstaltung dürfte sich auf ungefähr 100 000 Mart belaufen.

* Dutenhofen. Die vom Obst- und Gartenbau­verein des Kreises Wetlar veranstaltete Obst- und Gemüse­ausstellung war außerordentlich stark besucht. Die gute Be­schichung aus den Bürgermeistereien Groß- Rechtenbach und Atzbach bewies, daß in unserer Gegend der Obstbau nicht mehr als Stiefkind der Landwirte gilt.

* Gonterskirchen. Der Wagen eines hiesigen Einwohners überfuhr das 1% jährige Kind des Bäckermei­sters Bech, das sofort tot war.

* Laubach. Kürzlich fand im Rathaussaal durch Herrn Geheimrat Schönfeld von Schotten im Beisein des Stadtvorstandes die Verpflichtung und Einführung des Bür­germeisters Ritter in sein Amt statt.

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* Wezlar. Der Beschluß des deutsch- konservativen Provinzialvereins der Rheinprovinz, eine selbständige kon­servative Kandidatur in Altenkirchen- Weylar aufzustellen, findet bei den Christlich- Sozialen scharfe Abwehr. Die Arbeit", das Organ der Christlich- Sozialen, schreibt jetzt: Altenkirchen- Wetzlar werden die Christlich- Sozialen mit allen zu Gebote stehenden Mitteln verteidigen. Eine konservative Kandidatur in Altenkirchen- Weylar wird mit Sicherheit eine Reihe von christlich- sozialen Kandidaturen in konservativen Kreisen nach sich ziehen. Welche Folgen dies für die kon­servative Partei hat, mögen sich die Herren selbst ausrech­

* Lich. Hunderte Zentner Obst werden gegenwärtig täglich hier verladen. Die Preise sind für den Doppelzent­ner Schöner von Boskoop und andere Reinetten 14 Mart, Barmänen und geflammter Kardinal 12 Mart, Schafnasen 8 Mart, Schüttelobst 6 Mark.

* Lauterbach. Durch die Vermittlung des Kreis­ziegenzuchtvereins wurden dieser Tage 32 Ziegen nach Nie­derösterreich verkauft. Der Verkaufspreis betrug zirka 1900 Mart, ein Beweis, daß dieser Zweig der Landwirtschaft geförte Tiere vorausgesett- recht rentabel ist.

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** Darmstadt. Das Ministerium des Innern hat in einem Rundschreiben an sämtliche Bürgermeistereien des Großherzogtums bestimmt, daß die Burgermeister und Po­lizeibehörden künftig die Beglaubigung von Dant­schreiben und Erklärungen, die angeblich Geheilte für Kurpfuscher und Geheimmittelfabrikanten ausstellen, grund­sätzlich abzulehnen haben.

* Offenbach. In einer Mitgliederversammlung der hiesigen Fortschrittlichen Volkspartei wurde beschlossen, bei der am 24. Oftober stattfindenden Stadtverordnetenwahl mit den Sozialdemokraten zusammenzugehen und das von dem Wahlkomitee der letteren gemachte Angebot über zwei Site anzunehmen.

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* Biedenkopf. Die Fortführung der sogenann­ten Scheldetalbahn von Oberscheld nach Wallau an der Eisenbahnsinie Marburg- Creuzthal macht erfreuliche Fort­schritte. Man glaubt bestimmt, daß die Bahn, die 26,2 Kilometer lang ist, bis zum 1. Juli 1911 betriebsfähig ist.

* Hess. Blumenverkaufs tag. Die Groß­herzogin beabsichtigt am 2. Sonntag vor Weihnachten einen allgemeinen hessischen Blumenverkaufstag zum Besten der Großh. Zentrale für Mutter- und Säuglingsfürsorge in Hessen abzuhalten. Es werden voraussichtlich in allen Städ­ten und auch auf dem Lande Komitees gebildet, die den Propagandatag im einzelnen vorbereiten. An dem genann­ten Tag werden kleine, künstlich hergestellte Blumen zum Preise von 10 Pfennig verkauft. Der Ertrag fließt der Großherzoglichen Zentrale zu. Bei dem großen Interesse, das im ganzen Lande für die Mutter und Säuglingsschuß gebildet, um das Andenken von Professer A. Messel fürsorge besteht, hofft man, daß die Idee auf einen guten Boden fallen wird.

** Säuglingsfürsorge. Die Bestrebungen der hessischen Vereinigung für Säuglingsfürsorge welche be­kanntlich durch höchste Stelle angeregt und weitgehenste För­derung erfahren, sind von recht gutem Erfolge begleitet. Wie wir hören, ist Prof. Dr. Koeppe- Gießen zum ärzt­lichen Direktor dieser Vereinigung bestellt worden, so daß die ärztliche Hauptleitung sich nunmehr hier befindet. Es sollen in verschiedenen Städten des Landes Unterverwalt ungen eingerichtet und den Bestrebungen der Vereinigung in immer weiteren Kreisen Eingang und Anerkennung ver­schafft werden.

* Verboten wurde, zur Bekämpfung der Maul­und Klauenseuche, durch das Kreisamt Gießen bis zum 30. November dieses Jahres der Handel mit Kleinvieh im Um herziehen und bis auf weiteres die Abhaltung von Vieh­märften.

* Mainz. Das Bekleidungsamt des 18. Armee korps wird hierher kommen. In der letzten Stadtverord netensißung wurde die Abtretung von Gelände an die Hee­res- Verwaltung beschlossen.

Aus aller Welt.

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* Labiau. Im Reichstagswahlkreis Labiau- Weh­lau, wo durch den Tod des konservativen Abgeordneten Arendt eine Neuwahl erforderlich geworden ist, wird als gemeinsamer Kandidat der fortschrittlichen Volkspartei und der Nationalliberalen ein Freisinniger aufgestellt werden. * Remscheid. Nach Schluß von Protestversamm­lungen gegen den vom Arbeitgeberverband eingerichteten Ar­beitsnachweis durchzogen die Versammlungsteilnehmer un­ter Absingen der Arbeitermarseillaise die Stadt. Am Kaiser­platz stellte sich ihnen Polizei entgegen. Da die Demon= stranten ein Steinbombardement eräffneten, mußte die Po­lizei wiederholt mit blanker Waffe vorgehen. Eine Anzahl Personen wurde verhaftet, andere erlitten Verletzungen. * Ahrweiler. Zur Beseitigung der durch Hochwasser am 13. Juni in den einzelnen Gemeinden an das der Ahr an Gemeindeeigentum entstandenen Schaden stellten Staat und Provinz 400 000 Mt. in Aussicht. Mit den Wiederherstellungsarbeiten wird wahrscheinlich erst zum Frühjahr begonnen werden.

* Darmstadt. In aller Stille hat sich ein Aus­durch ein Denkmal zu ehren. Messel, ein geborener Hesse, hat durch seine Villen wie durch seine Monumentalbauten der modernen Architektur neue Wege gewiesen. Das Waren­haus Wertheim in Berlin und das Landesmuseum in Darmstadt sind seine hervorragendsten Werke.

* Alsfeld. Die nationalliberale Partei des Wahl­kreises Alsfeld- Lauterbach, der zur Zeit von dem Abgeord neten Bindewald( d. Refp.) im Reichstage vertreten wird, hat den Landwirt Haberkorn- Windhausen als Reichs­tagskandidaten aufgestellt. Haberkorn ist Mitglied des Bun­des der Landwirte. Die Gründe, die zu seiner Aufstellung führten, liegen in folgendem: Da Haberkorn ein Vetter der beiden hess. Landtagsabgeordneten Korell- Angenrod und Luz- Elpenrod ist, die bei der letzten Wahl dem antisemiti= schen Abg. Bindewald in jenem Kreise zum Siege verhol­sen haben, hofft die Partei, daß Luß und Korell nicht ge­gen Haberkorn agitieren werden, und daß dann also der

!! Farmans neue Flugmaschine. Der neue Farman'sche Flugapparat, mit dem der bekannte Aviatiker den Gordon Bennett- Pokal von Amerika zurückgewinnen will, ist vollendet und hat seine ersten Probeflüge geleistet. Der neue Renner der Lüfte ist weitaus träftiger gebaut als die früheren Farmannschen zweidecker und hat einen so starken Motor erhalten, wie ihn bisher noch keine Flugma­schine getragen hat. In der Anordnung des Motors ift eine Aenderung getroffen: er ist näher an der Unterseite an­gebracht; der Apparat zeigt eine gewisse Verwandtschaft mit dem bekannten Antoinetteflieger. Die Maschine entwickelt nicht weniger als 100 Pferdekräfte; aber die ersten Flüge zeigten, daß der Radiator nicht ausreicht, um den 16 3y­linder- Motor zu fühlen. Farman mußte daher einstweilen davon absehen, die ganze Maschinenkraft zu entwickeln. Er ist überzeugt, daß er mit diesem Apparat nach Verbesserung des Radiators eine Geschwindigkeit von 120 Kilometer in der Stunde erzielen wird, ja er bezeichnet diese gewaltige Schnelligkeit als ein Minimum und stützt sich dabei einwandfreie mathematische Berechnungen.

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)( Rund durchs Sauerland und Rund ums Siebengebirge, zwei Radfernfahrten, welche am Sonntag abgehalten wurden, brachten der Marte Brennabor den er= sten Preis. Bei der letztgenannten Fahrt siegte der Bren­naborfahrer H. Bertram mit 32 Minuten Vorsprung.

borfahrer P. Echterhoff und A. Stensißky siegreich. Echter­)( In Gladbeck waren am Sonntag die Brenna­hoff ging aus dem Verfolgungsrennen und Stensibly aus dem 30 Kilometer- Rennen als Sieger hervor.

Stadttheater Gießen.

Dienstag, 11. Oktober.

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Lustspiel in 3 Aften von Viktor Leon und Leo Feld. Heute brachte das Stadttheater seine erste diesjährige Neuheit, das Lustspiel Der große Bame", zur Aufführung, dessen Inhalt im allgemeinen folgender ist: Eine Reihe von Operetten hat den Tondichter Josef Höfer in Wien im Laufe der Jahre zu einer der volkstümlichsten und belieb­testen Persönlichkeiten der Hauptstadt gemacht. Eines Tages führt der Zufall den berühmten Meister mit seinem che maligen Schulkameraden Brandt zusammen, dem das Glück nicht so hold gewesen war. Durch Stephanie Delius, die Gesellschafterin der Mutter Höfers, und durch die Freund­schaft veranlaßt, erbietet sich dem Brandt der Operettendich ter, eine symphonische Dichtung des ersteren, die eine bedeutende Schöpfung erkannt hat, aufzuführen und ihren Erfolg durch die Angabe seines( Höfers) Namen zu verbürgen. Bei der von Brandt seit langem gewünschten Verwirklichung dieses Planes in dem Konzert des philhar­monischen Orchesters erringt das Wert einen starten Erfolg, welcher gleichzeitig eine glänzende Zukunft des Schöpfers in­sofern gewährleistet, als ein Musifverleger sich zu einer so­fortigen Zahlung von 20 000 Mt. und bei Erfolg der Mu­sit zu einer Nachzahlung von 10 000 Mt. verpflichtet hat. Um diesen Kern gruppiert sich äußerst glücklich die Liebe Josef Höfers zu Stephanie Delius, welche den Stoff um zahlreiche Auftritte bereichert, während der zweite Versuch zur Erzielung einer größeren Bühnenwirksamkeit, die Zu­neigung der Tochter Brandtz zu dem Librettisten Last, den beiden Schöpfern wohl weniger gelungen ist, da uns hier das Werk im Gegensatz zu der ersteren Nebenhandlung über das fernere Schicksal der beiden Liebenden im unflaren läßt. Ein zweiter Fehler des Stückes liegt darin, daß die Dichter ganz den glühenden Wunsch Brandts vergessen ha­ben, die Symphonie aufgeführt zu sehen und in der ge= wollten großen Besetzung zu hören. Anstatt dessen geht ters ein Auftritt voraus, der in nichts mehr an den obigen dem Triumph des so lange unbekannt gewesenen Tondich­Wunsch erinnert. Abgesehen von diesen Mängeln wissen die

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