Der preußische Etat.
Ein sparsamer Staatshaushalt.
Im preußischen Abgeordnetenhause legte gestern, nachdem sich Herr von Bethmann Hollweg als Ministerpräsident durch eine kurze Ansprache eingeführt hatte, der Finanzminister Freiherr von Rheinbaben die Finanzlage des preuBischen Staates dar. Er führte dabei etwa folgendes aus:
Das
delt, der seine vorgesetzte Behörde von seiner Tüchtigkeit überzeugen wollte,
Der Kronprinz und die Kronprinzessin haben sich gestern nachmittag, einer Einladung des Fürsten Pleß folgend, nach Fürstenstein in Schlesien begeben. Heute mittag erfolgt die Weiterreise nach Dels. Die Rückkehr nach VerIin findet am Sonnabend abend statt.
Das preußische Herrenhaus nahm in seiner gestrigen ersten Sizung zunächst die Neuwahl des Präsidiums vor. Es wurden wiedergewählt der bisherige Präsident Fretherr von Manteuffel, der erste Vizepräsident Oberbürger meister a. D. Becker und der zweite Vizepräsident Feiherr von Landsberg. Alsdann vertagte sich das Haus auf Mittwoch.
Zum Straßburger Konflikt. Die Antwort des kaiserlichen Statthalters an den Bischof Dr. Frißen in der Angelegenheit der katholischen Lehrer ist, wie offiziös erklärt wird, deshalb nicht der Deffentlichkeit übergeben worden, weil man auf seiten der Regierung gern alles vermeiden möchte, was den Streit noch verschärfen könnte. Sollte indessen der Fortgang der Erörterungen es geraten erscheinen lassen, diese Zurückhaltung aufzugeben, so wird das Schreiben des Statthalters unverzüglich veröffentlicht werden. In der Sache felbft teilt der Statthalter den prinzipiellen Standpunkt, den Staatssekretär Born v. Bulach den Bischöfen gegenüber eingenommen hat.
sich um den vermißten Angestellten handelt, der bei dem Feuer mehrere Mädchen von dem Flammentode rettete und bei dem letzten Versuch von dem einstürzenden Fußboden in die Tiefe gerissen wurde und so umgekommen ist,
Ein deutscher Durchgänger verhaftet. In Paris wurde gestern ein junger Deutscher namens Gustav 3ickel aus Meißen in Sachsen, der dort Unterschlagungen verübt hatte und dann flüchtig geworden war, verhaftet. Man fand kei thm noch 800 Francs und einen Bankdepotschein über 00 Francs. Die Verhaftung erfolgte auf Veranlassung der deutschen Behörde.
Die ungarische Ministerkrise von neuem akut. Die Mission des Herrn von Lukacs, ein ungarisches Ministerium zustande zu bringen, ist nunmehr endgültig gescheitert. Mit der lückenhaften Ministerliste den Kampf gegen den Reichstag aufzunehmen, dazu hat ihm wohl schließlich der Mut gefehlt. Und so hat er denn das getan, was man längst ron ihm erwartet hatte. Er hat seine Mission in die Hände des Kaisers zurückgelegt. Graf Khuen Hedervary ist zum ungarischen Ministerpräsidenten ernannt worden. Damit bat Kaiser Franz Josef auf einen Politiker zurückgegriffen, der bereits zweimal ungarischer Ministerpräsident gewesen ist, und von dem man anscheinend erwartet, daß er auch der riesigen Schwierigkeiten der gegenwärtigen Situation Herr werden könne.
Che ich zur Begründung des Voranschlags für das Jahr 1910 schreite, darf ich einen Blick auf die beiden vorangehenden Jahre werfen und das tatsächliche finanzielle Ergebnis des Jahres 1908, das voraussichtliche des Jahres 1909 Ihnen in Kürze darlegen. Was das Jahr 1908 betrifft, so habe ich in meiner vorjährigen Etatsrede gesagt, daß das charakteristische, aber betrübende Zeichen dieses Jahres darin besteht, daß der Verkehr der Staatseisenbahnen, namentlich der Güterverkehr, infolge der ausgangs 1908 einsehenden scharfen wirtschaftlichen Depression in sehr erheblichem Maße nachgelassen habe, und infolgedessen auch der Beitrag zurückgegangen ist, den die Eisenbahnen zur Deckung der allgemeinen Staatsbedürfnisse bisher geleistet haben. Ich habe damels die voraussichtlichen Mindereinnahmen der Eisenbahnverwaltung für das Jahr 1908 auf 134 Millionen geschäßt. Und diese Schäßung ist fast genau eingetroffen. Die Eisenbahnverwaltung schließt im Jahre 1908 mit einem Minderüberschuß von 134 Millionen ab. Das zweite, das Ergebnis des Jahres 1908 ungünstig beeinflussende Moment waren die erheblichen Aufwendungen für die Beamtenbesoldungen. Defizit des Jahres 1908 stellt sich auf nicht weniger als 202 Millionen, also im wesentlichen habe ich meine früheren Schäzungen als richtig erwiesen. Was das voraussichtliche Ergebnis des Jahres 1909 anlangt, so stand der Etat dieses Jahres unter dem Druck der Ungunst der wirtschaftlichen Lage. Vorsichtige Veranschlagung war deshalb am Blaze. Erfreulicherweise trat im Laufe des Jahres 1909, besonders in der zweiten Hälfte, die wirtschaftliche Besserung ein. Wir haben eine Aufwärtsbewegung in unserem gesamten wirtschaftlichen Leben zu verzeichnen. Der Minister kam dann auf den neuen Etat zu sprechen. Es wiederhole sich hier ein ähnliches Bild zwar sei eine Besserung gegen das Vorjahr eingetreten, aber die erhöhten Ausgaben hätten auch hier ein Defizit zur Folge gehabt. Man müsse eben in Rechnung ziehen, daß der Staat jezt am Ende einer Periode stehe, in der ganz außergewöhnliche Anforderungen an die Staatsfasse gestellt worden seien. Der Minister sette darauf die Einnahmen und Ausgaben des Eisenbahnetats des näheren auseinander und wandte sich darauf den anderen Einnahmequellen zu. Er berührte auch kurz die Frage der Schiffahrtsgelder u. erklärt mit erhobener Stimme, daß Preußen die in dem Wasserstraßengesek niedergelegten Pläne mit aller Energie zu einem siegreichen Ende führen wolle, unter Beseitigung aller Hemmnisse. Es ist zu erwarten, daß die Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse, die in der letzten Zeit eingetreten ist, anhalten wird. Immerhin beträgt das Defizit für 1910 noch 92 Millionen. Der ausländische Markt wird uns immer mehr verschlossen. Deshalb werden wir vor allem auf eine Stärkung des inländischen Marktes Bedacht nehmen müssen. Vor allem muß die Bundesgenossenschaft zwischen Landwirtschaft und Industrie aufrecht erhalten werden.( Beifall). Es ist die größte Sparsamkeit nötig, wenn wir vermeiden wollen, neue Einnahmequellen zu suchen. In guten Jahren müssen wir Vorsorge treffen und Rücklagen machen, weil wir nicht wissen, vor welche Aufgaben wir gestellt werden. Der neue Etat stellt sich im ganzen auf etwa vier Milliarden. Es muß möglichst gespart werden, um das Defizit auf 92 Millionen zu beschränken. Der Minister erörterte sodann die einzelnen Etats und schloß: Auf dem Wege der Sparsamkeit, der zur Konsolidierung der preußischen Finanzen führt, werben wir weiter fortfahren.
Nächste Sibung Sonnabend, den 15. Januar: Wahl des Präsidiums und der Schriftführer.
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Ruffische Unterschleife. Der russische Intendanturpro= zeß, der augenblicklich in Kasan verhandelt wird und sich gegen 12 Beamte richtet, hat ergeben, daß 47 Prozent des gelieferten Tuches total unbrauchbar waren, ebenso ein gro= ßer Teil anderer Montierungsstücke. Nach einer Ankündi= gung des Senators Garin stehen 67 neue Verhaftungen bevor.
Der russische und der griechische Hof. Am russischen Hofe und in Regierungskreisen herrscht große Besorgnis wegen der Vorgänge in Athen. Man sieht den griechischen Königsthron als erschüttert an. Die Anwesenheit mehrerer griechischer Prinzen in Petersburg erhöht noch die Bedeutung der Athener Meldungen und die Besorgnis um dte Dynastie Griechenlands. Man fürchtet, daß es schon binnen kurzem in Athen zu einer schweren Krise kommen werde.
Der preußische Haushaltsetat für 1910 berechnet die Einnahmen auf 3,837,412,963 Mart, die Ausgaben im Ordinarium auf 3,725,019,542 Marf, im Extraordinarium auf 204,393,421 Mark, zusammen auf 3,929,412,963 Mark; mithin sind die Ausgaben um 92,000,000 Mark höher als die Einnahmen. Der Fehlbetrag soll durch eine Anleihe gedeckt werden.
Rundschau vom Cage.
Politisches.
Selbstmord eines Elfjährigen. In Reinickendorf bei Berlin vergiftete sich gestern abend ein elfjähriger Gemeindeschüler, Sohn eines Selterwasserfabrikanten. Motive konnten bisher von der Polizei noch nicht aufgeklärt werden.
Mordtaten in der Eifel. Auf dem Wege von Stavelot nach der Eisenbahn wurde ein befahrter Landwirt, der feinen Sohn besuchen wollie, von zwet Unbekannten, die sich in einem Hohlwege versteckt gehalten hatten, überfallen, erstochen und beraubt. An der Landstraße nach Weibern fand man einen Schuhmachermeister des Ortes ermordet auf. Anscheinend liegt auch hier ein Raubmord vor.
Eine neue Botschaft Tafts. Ein Neuyorker Blatt will wissen, daß Präsident Taft dem Kongreß eine neue Botschaft übermitteln werde, die ein Gesetz verlangt, um dem Terminhandel in Ackerbauprodukten ein Ende zu machen. Dieses Gesetz soll vom Präsidenten der Landwirtschaftskommission des Repräsentantenhauses vorbereitet werden, der bereits in Uebereinstimmung mit dem Landwirtschaftsminister das Gesetz ausgearbeitet hat. Das Gesez will die Benußung von Post, Telegraph und Telephon im Terminhandel ausschließen. Der Minister für Bost und Telegra= phie soll ermächtigt werden, allen Korporattonen, Etablis sements und allen Privatleuten, die solche Termingeschäfte machen, die Benutzung der Posteinrichtungen zu unterbinden
Kleine Nachrichten.
Wissenschaft, Kunst und Literatur.
Die Zeppelinsche Nordpolfahrt. Das Reichsamt des Innern hat Blättermeldungen zufolge zu der kommenden Sommer stattfindenden Vorexpedition des Zeppelinschen Nordpolarunternehmens den Dampfer„ Poseidon" zur Verfügung gestellt, um von Kiel aus Materialien zur Errichtung der Spitzbergenstation zu beschaffen. Der Dampfer wird jetzt in Geestemünde zu diesem Zwecke umgebaut.
Keine Cholera in Berlin. Zu der choleraverdächtigen Erkrankung des am Sonntag aus Petersburg zugereisten Artisten Rosenthal wird mitgeteilt, daß die bakteriologische Untersuchung den Choleraverdacht nicht bestätigt hat. Das Befinden des Patienten hat sich im Rudolf Virchow- Krankenhaus erheblich gebessert.
Der angebliche Attentatsplan gegen den Kaiser. Wie Berichtet, sollte nach Mitteilungen der„ Rußkoje Slowo" Anfang 1907 in Warschau ein Geheimbund zur Ermordung des deutschen Kaisers gebildet worden sein. Zu diesem Zweck wären dann vier russische Anarchisten nach Charlottenburg gekommen, wo die Pläne unter Beistand des berüchtigten deutschen Anarchisten Senna Hoy festere Ge= stalt angenommen hätten. Eine Berliner Korrespondenz stellt demgegenüber fest, daß in Berlin von der ganzen Angelegenheit nichts bekannt ist und daß es sich ausschließlich um die Erfindung eines russischen Polizeiipibels han
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Der Fall Welshofen
Kriminalroman von M. Kossak.
( Nachdruck verboten.)
Ein Opernfragment Richard Wagners. Das Antiquariat von Ludwig Rosenthal in München bietet in seinem neuesten Katalog das Partitur- Manuskript von Richard Wagners Jugendwerk„ Die Hochzeit" um den Preis vrt 20 000 M zum Kauf aus. Das Titelblatt der Handschrift zeigt folgenden Wortlaut: Fragment einer unvollendeten Oper: Die Hochzeit von Richard Wagner. Dem Würzburger Musikverein zum Andenken verehrt.( Introduktion: Chor und Septett.)" Am Schlusse des 36 Seiten umfaffenden Manuskriptes steht der Vermerk:„ Würzburg, den 1. März 1833. Richard Wagner." Der Entwurf des Operntertes " Die Hochzeit" war während eines Aufenthaltes des noch nicht zwanzigjährigen Wagner in Prag entstanden, die Komposition der ersten Nummer Chor und Septett führte er noch in Leipzig aus, wo er eben seine Studien bet dem Thomaskantor Weinliq abgeschlossen hatte.
Defeft des Lenkballons M. 8". Das neue MilitärLuftschiff„ M. 3" hat bereits einen Defekt im Betriebe. Die auf Dienstag angefeßte Probefahrt vor der Reichsprüfungskommission und dem Inspekteur der Verkehrstruppen, Generalleutnant Freiherr v. Lyncker, konnte deshalb nicht abgehalten werden.
Untergegangener Dampfer. Der Hamburger Dampfer „ Capua" ist auf der Fahrt nach Genua, wie aus aufge= fundenen Schiffstrümmern hervorgeht, in den Stürmen Anfang Dezember mit seiner 23 Mann starken Besatzung untergegangen.
Die„ Lustige Witwe" in Saloniki verboten. Der Walt von Saloniki untersagte wegen eines serbischen Protestes die Aufführung der„ Lustigen Witwe" durch eine Wiener Operettentruppe, gab aber später seine Einwilligung. Die Serben begingen deshalb während der Vorstellung Ausschreitungen und schleuderten auf das Publikum Seffel, faule Gier und Tinte. Polizet und Militär entfernten als= dann die Serben, worauf die Vorstellung unter militärtschem Schutz ihren Fortgang nahm.
Aus den Gerichtssälen.
Das Dienstmädchen als Brandstifterin und Eins brecherin. Ein verbrecherisches Dienstmädchen, das schon längst für das Zuchthaus reif war, mußte sich gestern wegen mehrerer Straftaten vor dem Strafrichter berantworten. Vor der Berliner Strafkammer war die 23jährige ledige Marie Kopp wegen wiederholten einfachen und schweren Diebstahls im strafschärfenden Rückfalle angeklagt. Die Kopp ist trop ihrer Jugend schon wiederholt vorbestraft. In diesen Fällen handelte es sich unt recht schwere Taten, die einen außerordentlich stark ausge= prägten verbrecherischen Trieb der Angeklagten beweisen. So hatte sie als 16jähriges Dienstmädchen das Büfett ihrer Dienstherrschaft erbrochen und daraus 300 Mark gestohlen. Um den Diebstahl zu verdecken legte die Sechzehnjährige dann Feuer an, so daß die ganze Wohnung ausbrannte. Nicht genug damit, die Angeklagte ging sogar so raffiniert vor und zündete in der Nähe befindliche andere Grundstücke an, um nicht erst den Verdacht aufkommen zu lassen, daß die Brandstiftung nur zur Verdeckung eines Diebstahls geschehen sei. In einer anderen Dienststelle drohte die Angeklagte ihrem Dienstherrn nach ihrer Entlassung in Briefen, daß sie es ihm, wenn er nicht 50 Mark zahle, noch ordentlich besorgen wolle. Als die Zahlung nicht erfolgte, schlich sich die Angeklagte in die Wohnung ihres Dienstherrn und zerrschnitt sämtliche Polstermöbel und Betten. Zugleich verübte sie noch einen Dieb. stahl der erst jetzt zur Entdeckung kam. In einem anderen Falle benußte die Angeklagte die Kenntnis der örtlichen Verhältnisse zu einem recht raffiniert ausgeführten nächtlichen Einbruch, mit dem ein alter routinierter Einbrecher alle Ehre einlegen konnte. Die Kriminalpolizei konnte die Verdächtige noch an demselben Tage festnehmen. Auf dem Polizeipräsidium spielte die Angeklagte die entrüstete Unschuld. Auf eine Frage bestritt sie, Geld bet sich zu haben. Bei einer Durchsuchung durch eine Aufseherin wurden jedoch vier Hundertmarkscheine bei ihr gefunden, die sie in einem Taschentuch eingewickelt in ihrem Korsett versteckt hatte. Der Staatsanwalt beantragte eine Zuchthausstrafe von drei Jahren, da die Angeklagte anscheinend eine unverbesserliche und höchst gemeingefährliche Diebin sei. Das
Der Bergarbeiterausstand in England. Dem bisher auf einen Teil der Belegschaft der Gruben in Northumberland beschränkten Streif werden sich, wie es heißt, am Montag sämtliche dort beschäftigten Bergleute anschließen. Er mürde dann etwa 100 000 Arbeiter umfassen.
Als Frida Felix Offers kennen lernte, bestanden zwischen thm und Anita Brusio Beziehungen. Die beiden galten als Brautpaar, obgleich sie sich nicht dafür ausgaben. Anita trat zumal in einem anderen Berliner Varieetee auf, aber sie und Felix trafen sich täglich an einem dritten Ort, Restaurants und Cafees und machten auch zusammen Ausflüge. Er erzählte ganz offen jedermann, der es hören wollte, daß er Anita liebe und keinen höheren Wunsch hege, als sie als seine Gattin zu sehen. Wie er später Frida anvertraut, hatte sie den Termin der Hochzeit aber ständig hinausgerückt. Dann plößlich hatte sie mit ihm gebrochen, weil sie die Bekanntschaft Graf Welshofens gemacht, der sich dazumal für längere Zeit in Berlin aufgehalten und ein großes Interesse für sie an den Tag gelegt. Felix war wie ein Rasender gewesen, er lauerte seiner treulosen Liebsten auf der Straße auf, spionierte ihr nach und machte ihr Szenen. Frida tat das Herz weh, wenn sie sah, wie die Kollegen über ihn lachten. Einmal faßte sie Mut und fragte ihn, ob er es denn garnicht bemerkte, daß er allen zum Gespött diente.
Er stußte, dann fragte er sie: ,, Ja, was geht Sie das denn an, kleines Mädchen?"
Noch ein Opfer des Londoner Warenhausbrandes. Bei den Aufräumungsarbeiten in dem abgebrannten Londoner Warenhause wurde die verkohlte Leiche eines Mannes unter den Trümmern anfoefunden. Man nimmt aut. dah c
,, Es tut mir weh', wenn man über Sie lacht", gab sie naiv zur Antwort.
Er sah sie lange sinnend an, dann reichte er ihr die Hand und sagte: ,, Sie sind ein gutes Kind, kleine Frida, biel besser, als jene italienische Schlange und- wissen Sie, daß Sie auch sehr hübsch sind?"
aber da er viel verdiente, so würde er bald Geld genug beisammen haben, um seiner Mutter eine Rente zu kau= fen. Frida dachte, daß sie als Ehepaar seiner Mutter regelmäßig eine gewisse Summe für ihren Unterhalt schicken könnten, aber da sie zu schüchtern war, scheute sie sich, ihm gegenüber ihren Willen geltend zu machen. Er hatte fa auch auf alle ihre Entwürfe Gegengründe. Als der Winter vorüber war, nahmen beide vorübergehend Engagements an Sommerbühnen an und für den nächsten Winter berpflichteten sie sich dem Direktor der Kaiserhallen" in Wien. Hier trafen sie wieder mit Anti Brusio zusammen. Felix hielt sich der Italienerin scheinbar fern, aber Frida war dessenungeachtet nicht sicher, ob er sich dies Engagement nicht blos deshalb besorgt, um in der Nähe der einst so leidenschaftlichen Geliebten zu sein. Vor kurzem nun war Anitas Verlobung mit Graf Welshofen bekannt geworden. Kurz zuvor hatte Felix seiner Liebsten mitgeteilt, daß er nunmehr das Geld beisammen habe, um seiner Mutter die beabsichtigte Rente zu kaufen. Wenn das geschehen, war er pefuniär unabhängig und konnte seinen blonden Schat heiraten. Zusammen erwarben sie genug, um ein nicht nur sorgenloses, sondern sogar reiches Leben zu führen und sich sogar noch etwas zurückzulegen.
Natürlich war sie durch diese Worte sehr verlegen ge= worden, aber troßdem beglückten sie sie, denn sie hatte den hübschen Menschen eigentlich vom ersten Augenblick an, da sie ihn sah, geliebt. Von da ab suchte er Fridas Gesellschaft und ein paar Wochen später sragte er sie, ob fie seine Frau werden wollte. Sie gab ihm mit Freuden ihr Jawort, nur beunruhigte es sie, daß er die Hochzeit noch auf längere Zeit hinausschieben wollte. Er müßte erst die Zukunft seiner Mutter sicherstellen, meinte er,
Alle diese Dinge zogen am heutigen Abend an ihrem Geist vorüber und wieder und wieder suchte sie sich die Punkte zu vergegenwärtigen, die ihr rätselhaft deuchten. Das war erstens die Frage, was hat er während der beiden Jahre, die er angeblich bei seiner Mutter lebte, getan?" Bweitens ,,, warum wollte er die Heirat aufschieben, bis er die Zukunft seiner Mutter gesichert, für die er doch mit Leichtigkeit auch ohnedies zu sorgen vermochte?"
Mehr aber als alles beunruhigten sie zurzeit die feltsamen Reden, die er an diesem Abend geführt.
Du hättest besser wählen können!"
Das klang ia gerade – ja, großer Gott, das flang als ob er irgend eine Schuld auf der Seele hätte!
Frida fuhr auf, als hätte sie eine Schlange gestochen Wie konnte sie nur solchen Erwägungen Raum geben? Hatte sie nicht heute noch ihrem Geliebten beteuert, daß sie ihm stets vertrauen, daß nichts sie in dem Glauben an ihm wankend machen würde? Sie haßte sich um ihrer häßlichen Gedanken willen, aber seltsam, sie ließ sich nicht zum Schweigen bringen. Frida weinte ihre Kissen naß, ehe sie endlich Schlaf fand.
,, Wirst Du mich immer lieben, nie etwas Schlechtes von mir glauben, was Du auch hören mögest? Wirst Du mir immer vertrauen?"
Als ob er das nicht gewußt hätte, ohne daß sie es ihm besonders zuschwor! Wenn er ehedem so gefühlt hätte, wie heute, würde er sie zu einer glücklichen Frau machen fönnen, sagte er, aber jeßt== Und dann fügte er hinzu:
Am andern Vormittag, als sie eben mit ihrer Freundin Louison zur Probe gehen wollte, klingelte es und ein Kolporteur, der sich damit beschäftigte, in den Häusern Volksromane und schlechte Zeitschriften zu verbreiten, trat ein, um die jungen Damen zu veranlassen, auf eines seiner Blätter zu abonnieren. Sie sagten ihm, daß sie nach seiner Lektüre kein Verlangen trügen, aber der Mann war nicht los zu werden.
Sehr spannende Geschichten stehen in den Journalen, lauter Kriminalgeschichten," erzählte er ihnen. ,, Hier zum Beispiel damit wies er auf ein Blatt ist eine Begebenheit erzählt, die dem Fall Welshofen ausnehmend gleicht. Sie kennen doch die Geschichte von der Ermordung des Grafen, Fräulein?" wandte er sich an Frida. Natürlich habe ich davon gehört," entgegnete das Mädchen. Ja, ich meine, er ist doch vergiftet worden?" sagte Frida ziemlich uninteressiert. Wie sollte er da in seinem Bett überfallen sein und wie hätte er schreien sollen?" ,, Ach, Sie wissen Näheres über den Fall, Fräulein?" fragte der Mann lebhaft. ,, Aber nicht doch, ich weiß nichts, was nicht gang Wien weiß."
Aber vielleicht weiß Ihr Brätigam, der Herr Olfer mehr darüber?" forschte jener, Frida scharf firierend. ,, Mein Bräutigam?" wiederholte sie überrascht. Was wissen Sie von meinem Bräutigam, Herr="
( Fortsetzung folgt.)
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