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Mitteilung machen, die ihn mit Entzücken und Rührung erfüllte.
Freilich, die Ausgaben im kleinen Hausstande würden sich im nächsten Sommer vergrößern, äußerte Dora bedenklich, nun freue sie sich doppelt ihrer Spargroschen, fügte sie hinzu.„ Du mußt mir schon erlauben, Arvid, von meinen Ersparnissen die kleine Ausstattung für unseren Jungen zu bestreiten- daß es ein Junge sein würde, nahmen die beiden ohne weiteres an es nützt doch nichts," fuhr Dora fort, jetzt schon Geld zur Reise zurückzulegen, denn nach Italien können wir natürlich erst dann, wenn der Junge größer geworden ist."
Für Dora begann nun eine Zeit, in der sie allerhand zierliche kleine Sachen, die zu einer Puppenaussteuer gehörig schienen, arbeitete.
„ Es ist doch erstaunlich, was solch ein kleiner Mensch alles nötig hat," sagte sie eines Tages zu sich selber, als sie ihrer Sparbüchse den letzten Schein entnahm, um ihn einzuwechseln, aber das schadet nichts, daß ich mein Geld bis auf den letzten Heller ausgebe, ich kann ja wieder welches verdienen, und unser Junge soll alles haben, was er braucht, für ihn ist mir das Feinste und Allerbeste gerade gut genug. Ich bin ja sonst so sparsam."
Die blütenweißen Battisthemdchen, die gestickten Lätzchen, die Tücher, Häubchen und Jäckchen, dutzendweise von blaßblauen Seidenbändern zusammengehalten, lagen endlich fertig in einem hellpolierten Schrank, der eigens dazu bestimmt war, die ganze reizende Babyausstattung aufzu= nehmen.
Dora hatte sich mit Nähen und Stricken und auch in der Wirtschaft zu viel zugemutet, sie sah bleich unb müde aus, wenn sie auch, sobald Arvid sich ihretwegen besorgt zeigte, beharrlich leugnete, sich angegriffen zu fühlen.
Sie griff jetzt wieder zu ihrem Pinsel und ihren Farbentuben.
An einem hellen sonnigen Tage im Vorfrühling saß sie an ihrem Arbeitstischchen. Sie kopierte nach einer Vorlage allerhand bunte Vögel und fremdartige, farbenprächtige Blumen.
Da rollte ein Wagen heran und hielt vor dem Hause.
Doras Tante aus der Stadt war es, die ihre Nichte nach längerer Zwischenpause wieder einmal besuchte.
Aber, Dora," sagte sie nach der ersten Begrüßung, wie kannst du nur so unvorsichtig sein und deine Augen und Nerven jetzt so anstrengen! Du siehst sehr angegriffen aus, liebes Kind, und diese bunten Malereien sind nichts für dich. Bedenke doch, daß du dich schonen mußt!"
,, Ach, Tante," erwiderte Dora etwas kleinlaut, Baby braucht noch einen Wagen, und ein solcher ist recht teuer, ich habe mich nach dem Preise erkundigt. Arvid hat augenblicklich so viel Ausgaben, ich mag ihn nicht darum bitten, einen Kinderwagen anzuschaffen, da dachte ich, daß ich mir das Geld doch leicht verdienen kann."
" Leicht? Gutes Kind, das sprichst Du nur so, um mir Sand in die Augen zu streuen. Dein Mann sollte Dir das angreifende Malen verbieten! Früher, als Du noch all' Deine Kräfte beisammen hattest und für die italienische Reise spartest, da mochte es so hingehen mit dem Arbeiten. Nun, jetzt, hast Du Dir die romantische Idee doch hoffentlich aus dem Sinn geschlagen? Du bist eine tüchtige kleine Hausfrau geworden, und der Platz einer solchen ist und bleibt zu Hause in den eigenen vier Wänden. Reisen kostet auch viel Geld. Sieh mich an ich bin eine glückliche Frau und Mutter und bin in meinem Leben nicht
über die Grenzen unserer Provinz Und ich vermisse nichts."
hinausgekommen!
Nun ich vermisse auch nichts," rief Dora fröhlich und mit Ueberzeugung. In ihrem Herzen aber regte sich trotzdem die alte Sehnsucht nach dem Lande ihrer Träume.
„ Ich komme gewiß noch einmal dorthin, ich bin noch so jung, und mein ganzes Leben liegt vor mir," tröstete sie sich.
" Was den Wagen anbetrifft," fuhr die Tante fort, so steht bei uns auf dem Hausboden noch einer von meinen Kindern her. Wenn Ihr den vom Sattler ein wenig auffrischen und ausbessern laßt, so wird Euer Kleiner gewiß nicht weniger süß darin schlafen, als meine Mädel und Jungen es getan. Und auf diese Weise erspart Ihr einen guten Bazen Geld. Immer hübsch praktisch sein, liebes Kind, darin liegt die größte Lebensweisheit! Den Wagen werde ich Euch nächstens schicken, und im übrigen will ich mit deinem Manne reden er soll dir das Malen bis auf weiteres verbieten."
Ja, es war ja besser so, wenn sie sich schonte. Sie fühlte sich in der Tat oft so matt und elend, daß sie dann keinen Finger rühren mochte. In einer Augustnacht wurde ihr Kind geboren. Es war wirklich ein Junge, ein dickes, strammes Kerlchen, das mit lauter Stimme schrie, als es das Licht der Welt erblickte.
Dora erholte sich rasch, und obgleich die Pflege und Wartung des Kleinen sie viel in Anspruch nahm, so fand sie trotzdem Mußestunden, um die ihr so liebe Beschäftigung, das Malen, wieder aufzunehmen. Da sie wirklich sehr geschickt war, besonders im Porzellanmalen, so erhielt sie stets Bestellungen. Es war ihr eine Freude und eine Erleichterung, daß sie etwas zum Haushalt beitragen konnte. Che die Schuld, die Arvid um seines Freundes willen gemacht, abgezahlt war, würden Jahre verstreichen. Doras Krankheit hatte viel gekostet, diese Schäden im mageren Geldbeutel des jungen Paares mußten repariert werden.
Arvid wollte anfangs nichts davon wissen, daß seine Frau manche Ausgabe bestritt, aber sie wußte ihn so liebevoll zu überzeugen, daß es die Pflicht jeder echten und rechten Frau sei, ihrem Manne zu helfen," daß er nachgab.
Von Doras ausländischer Reise war nur noch hier und da die Rede, in solchen Stunden, wo die jungen Leute Luftschlösser bauten.
Als ein Jahr um war und der dunkle Krauskopf Jung- Arvid seine ersten Gehversuche machte, zog der Storch zum zweiten Male mit segenbringendem Flügelschlag über das Dach des ForstHauses und ließ sich dort nieder.
Diesmal war es ein blondes, blauäugiges Mädchen, das er den Eltern in den Wagen legte, der, trotzdem eine längst herangewachsene Generation in ihm geschlafen, noch ganz stattlich aussah.
Der langschnäbelige, rotbeinige Geselle_ge= wöhnte sich nach und nach so daran, seinen Flug zum Forsthause zu nehmen, daß er fast in jedem Jahre dort Einkehr hielt, und jedesmal wurde er, wenn auch nicht gerade mit hellem Jubel, so doch mit Dank gegen Gott empfangen.
„ Kinder sind ein Segen Gottes," tröstete die Tante, als Dora ihr eines Tages fast weinend mitteilte, daß im kommenden Herbst sich zu den sechs Kindern, die fröhlich im Forsthause aufwuchsen, ein siebentes gesellen werde, Kinder sind ein Segen Gottes, ich selber habe acht geboren das Talent dazu liegt, scheint es, in unserer Familie, nur du bist merkwürdigerweise das einzige Kind deiner Eltern, und deine selige Mutter war doch meine leibliche Schwester."( Forts. folgt.)
Burg
Weibertreu.
( Zu nebenstehendem Bilde.)
In allen Tonarten preiſt
man unzählige Burgruinen im lieben deutschen Vaterlande, von deren Schicksal man weiter nichts weiß, als daß sie vermutlich diesem oder jenem Jahrhundert ihre Entstehung verdankten, einem längst ausgestorbenen Rittergeschlechte gehörten und in einer der zahllosen Fehden des Mittelalters oder im dreißigjährigen Kriege und dergl. eingeäschert wurden. Hter und da spinnt wohl die Sage noch weiter aus, was in der Geschichte sich urkundlich nicht belegen läßt.
Anders bei jener Burg, die ein Justinus Kerner mit grünen Epheuranken der Dichtung umgeben hat, von der aber auch die Vaterlandsgeschichte in glaubwürdiger Weise ein Ereignis meldet, wie es prächtiger nicht als Lob deutscher Frauentreue und Klugheit gedacht werden kann.
Viel ist um die Wahrheit der Erzählung von der Weinsberger Weibertreu gestritten worden. Eine als echt anerkannte Urkunde erzählt: Anno 1140 hat König Konrad die Burg Rolfs Winsperc belagert und auch bekummen. Den Weibern tat er vergünſtigen, was jede auf den Schultern Kostbarliches fortbrin
gen mag, das sollten sie mitnehmen. Sie hielten Rat und han in trewen ihre Männer hinabgetragen; dem Herzog Friedrich aber, so dem wehren wollte, sagte der König, ob der Weiber List ergezet, daß ein Königswort nit geändert werden sollt."
Was nun die Geschichtsforscher mit ihrer nüchternen Gelehrsamkeit nicht zuwege gebracht hätten, hat das Dichterauge und der Dichtermund Kerners vermocht; längst, ehe aus vergilbten und verstaubten Papieren die Tatsächlichkeit der obigen einzigartigen Begebenheit herausgefunden war, hat er seinen Landsleuten im engeren und weiteren Sinne die Freude an diesem vermittelt, die Gestalten der Ueberlieferung dro=
ben in alten Burgge
mäuern wieder aufleben lassen.
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Weinsberg mit der Burg Weibertreu.
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