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15.

Aus Hessen und Nachbargebiet.

* Aus dem Kreise Gießen. Die Halmfrüchte stehen allenthalben sehr gut. Leider hat sich aber das Ge­treide infolge der schweren Gewitterregen und der anhal tenden feuchten Witterung sehr start gelagert. Die Maschinen­arbeit wird dadurch beim Abernten sehr erschwert werden. Ein schlimmer Schädling, die so gefürchtete Wühl und Scharrmaus, tritt äußerst zahlreich auf und treibt ihr ver­heerendes Werf, besonders gilt dies vom Lahntal in der Umgebung Gießens. Viele Gemeinden haben an die Land­wirte fostenlos vergifteten Weizen verteilt, um die Plage einzudämmen.

* Laubach. Die Bürgermeisterwahl ist auf den 14. Juli festgesetzt. Als Kandidaten sind aufgestellt: Kaul­mann Ritter und Landwirt Pit.

* Butzbach. Hier tagte der Festausschuß für das Lahntal- Sängerbundesfest, das am 16., 17. und 18. Juli hier stattfindet. Welchen Umfang das Fest annehmen wird, geht aus der Tatsache hervor, daß seitens der Bundesver­Bür eine allein etwa 550-600 Sänger in Quartieren ger- und Massenquartieren unterzubringen sind. Dazu tommen noch als offizielle Festteilnehmer die Vereine der Umgegend. Der große, mit vielen Festwagen ausgestattete Fest z ug wird am Griedelertor aufgestellt, er soll seinen Weg durch Griedelerstraße, Breiter Stein, Färbgasse, Bis­marckstraße, Niederweiselerstraße, Niederweiserler Chaussee nehmen, wo ein Gegenzug geplant ist, dann zurück Nieder­weiselerstraße, Kasernen, Schloß-, Griedelerstraße, Markt­play, Weßlarerstraße nach dem Festplatz.

eien. Anstände wurden nicht vorgefunden. 7. Die Stein­brüche und Steinhauereien auf Grund der Bundesrats- Be­stimmungen vom 31. Mai 1909. Kleinere Anstände bezüg­lich Aushang dieser Verordnung in einigen Steinhauereien sind beseitigt. 8. Gummifabriken. 9. Die Baustellen der Bauhandwerter, betr. der Unterkunftsräume der Arbeiter. Die vorgefundenen Anstände wurden beseitigt. 10. 14 Car­bidlager hinsichtlich der Herstellung, Aufbewahrung und Ver­wendung von Azetylen. Es ergaben sich keine Anstände. 11. Biographen und Kinematographen. 12. Die Bäckereien betr. Kalendertafel, Arbeits- und Ruhezeit der Gehilfen u. Lehrlinge. Anstände ergaben sich nicht. 13. Die Pußmacher­eiwerkstätten hinsichtlich der Beschdftigung der jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen über 16 Jahre. Besondere An­stände ergaben sich nicht. In einzelnen Betrieben fehlten für die neu eingetretenen Arbeiterinnen die Arbeitsbücher, welche jedoch bald angelegt wurden. 14. 39 Betriebe der Weißbinder, Maler und Tüncher betreffs der Verwendung von Blei und bleihaltigen Farben und in bezug auf Be­schäftigung und Ruhepausen der jugendlichen Arbeiter. Die vorgefundenen Anstände hinsichtlich der Führung von Ver­zeichnissen für jugendliche Arbeiter wurden beseitigt. Die Lagerung und Aufbewahrung von Gift und gisthalti­gen Farben in offenen Verkaufsstellen. Anstände ergaben sich nicht. 16. 89 Milchverkäufer in bezug auf Gewicht der Milch, Reinhaltung der Gefäße und Fuhrwerke auf Grund der Milchverkaufsordnung. Hier lag ebenfalls kein Anlaß zum Einschreiten vor. 17. Die Kleiderwertstätten mit 10 Arbeiterinnen und mehr betreffs der Beschäftigung Sams= tags nach 5 Uhr nachmittags. In einem Falle trat Ver­warnung ein. 18. Der Hausierhandel nach 9 Uhr Laden­schluß. 19. 120 Werfstätten mit Motorbetrieb, in denen ju­gendliche Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt werden. In einzelnen Werkstätten fehlten teilweise die Arbeitsbü­cher, außerdem waren in den meisten Betrieben mit 10 Ar­beiter und mehr die Verzeichnisse über die Beschäftigung der jugendlichen Arbeiter sowie der Auszug aus der Ge­werbeordnung nicht vorhanden. Sämtliche Anstände wur­den beseitigt. 20. Die Standorte der Petroleumtantwagen. 21. Borstenlager hinsichtlich Desinfektion ausländischer Bor­sten und Impfung der Arbeiter. 22. Die Steinbrüche in bezug auf Lagerung von Sprengstoffen und betreffs Verkehrs mit Sprengstoffen. Anstände ergaben sich nicht. 23. Die Ziegeleien betreffs der Beschäftigung von jugendlichen Arbeitern und Arbeiterinnen. In den meisten Betrieben wurden Anstände vorgefunden. 24. 36 Barbierstuben betr. der Beschäftigung der Gehilfen und Lehrlinge und der Tä­tigkeit der Meister Sonntagsnachmittags nach 2 Uhr. lag fein Anlaß zum Einschreiten vor. 25. Fellhandlungen und Lumpensortierereien hinsichtlich der Aufenthalts­Ankleideräume. 26. Getreidemühlen in bezug auf Aushang der Bekanntmachung des Bundesrats vom 15. November 1903 betreffend Verwendung von Blei in Getreidemühlen. Es ergaben sich keine Anstände. 27. Die Beschäftigung noch schulpflichtiger Kinder in gewerblichen Betrieben. In fünf Fällen wurde auf Grund des Kinderschutzgesetzes Anzeige erhoben. 28. Die Metzgereien in bezug auf Instandhaltung und Reinlichkeit. Es ergaben sich mehrere Anstände. Die Geschäftsbücher der Güterhändler. 30. Die Bandagi­sten hinsichtlich der Anfertigung von Präservativs. 31. 81 Verkaufsstellen bezüglich gewerbsmäßigen Verkaufs und Auf­bewahrung von Margarine, Margarinekäse und Kunstspeise­fett. Es ergaben sich einige Anstände.

des

E3 und

29.

be=

* Bahnhofsumbau. Mit Abbruch des alten nördlichen Flügel des Bahnhofsgebäudes ist nunmehr gonnen worden, so daß jedenfalls der an dieser Stelle vor­gesehene Neubau binnen furzer Zeit in Angriff genommen werden fann.

-r Viehmarkt. Bei dem am 5. und 6. dl Mts. stattgefundenen Markte waren aufgetrieben: 1798 St. Rind­vich und 304 Schweine. Der nächste Marft sindet am 19. und 20. Juli d. s. statt. Am letzten Tage ist auch Krä­mermarkt.

im

* Einführung von Schulbüchern. Manche Schulbücher weisen in ihren Neuauflagen Aenderungen auf, die man sich nur aus dem Bestreben erklären kann, die Be nutzung der älteren Auflage neben der neueren unmöglich zu machen. Das Gr. Ministerium des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten, hat sich deshalb veranlaßt gesehen, in einem an sämtliche unterstellten Behörden erlassenen Aus­schreiben darauf hinzuweisen, daß seitens der Schule Interesse der Eltern alles zu vermeiden ist, was dieses Be­streben fördern könnte. Ausdrücklich wird bestimmt: 1. daß den Schülern nicht verboten werden darf, ältere Auf­lagen eines eingeführten Lehrbuches zu benußen, wenn sich diese von den neuesten Auflagen nur in unerheblichen und leicht zu berichtigenden Einzelheiten oder gar nur durch die Auflageziffer und die Jahreszahl auf dem Titelblatt unter­scheiden; und 2. daß den Schülern alljährlich spätestens 8 Tage vor dem Schlusse des Schuljahres ein Verzeichnis der im nächsten Schuljahr zu benüßenden Bücher mitzuteilen ist, damit deren Beschaffung rechtzeitig erfolgen kann.

in

!!! Neuerungen bei der Post sind jetzt Vor allem wird nunmehr auf Verlangen Kraft getreten. eine Einlieferungsbescheinigung über gewöhnliche Pakete er­teilt. Die Gebühr für diese Bescheinigung beträgt 10 Pfg. Ueber mehrere zu einer Postpatetadresse gehörende Pakete wird eine gemeinschaftliche Einlieferungsbescheinigung aus­gestellt. Ferner kommen von jetzt ab neue Formulare für Postanweisungen zur Verwendung. Diese haben auch rechts einen 6,7 3entimeter breiten Abschnitt, der als Posteinlie­ferungsschein dient und vom Absender auszufüllen ist. Die neuen Formulare werden ungestempelt sowie mit Zehn- u. Zwanzigpfennigstempel zu den Preisen wie bisher ausge­geben. Die bisherigen Formulare ohne zweiten Abschnitt für die Einlieferung bleiben daneben bestehen, sollen aber fünftig nur dann verwendet werden, wenn Postanweiſun­gen auf Grund von Einlieferungsbüchern oder Verzeichnis sen eingeliefert werden. Bis auf weiteres fönnen auch die alten Formulare für einzelne Postanweisungen benutzt wer

den.

* Post na chrichten. Versetzt: Postrat Milkau von Straßburg( Els.) nach Darmstadt als Ober- Postdiret­tor, Postmeister Supp von Lauterbach nach Pfungstadt, Postsekretär Sissel von Grevenbroich nach Lauterbach unter Uebertragung der Postmeisterstelle. Bestanden hat die Post­assistentenprüfung Postgehilfe Geißler- Alsfeld und die Tele­graphenassistentenprüfung Telegraphengehilfe Rockert in Gie­

ßen.

*

* Butzbach. Ein zahlreiches Trauergefolge hat vor­gestern dem hiesigen Bürger Chr. Weickhardt das letzte Ge­leit gegeben. Der Verstorbene war das älteste attive Mit­glied der hiesigen freiw. Feuerwehr. Mit dem Verstorbe­nen ist ein treuer, pflichteisriger Anhänger des Feuerlösch­wesens dahingegangen, wie sie in unserer Provinz und un­serem Lande äußerst selten sind. Gerbereibesizer Bernh. Grüninger 4., der bereits seit 1896 dem hiesigen Stadtrat angehört, wurde gestern nachmittag bei Ausübung von land­wirtschaftlichen Arbeiten in der Nähe der Taunusstraße von einem Schlaganfall betroffen und war alsbald tot.

ist

* Friedberg. Mit der Renovierung der evangl. Kirche wurde begonnen. Die Gottesdienste werden bis zur Wiederherstellung im Gemeindehaus, im Saale des Jüng­lingsvereins" Feierabend", gehalten.

* Friedberg.. Gestern gegen 3 Uhr nachts hat sich auf der Strecke Friedberg- Gießen oberhalb der steiner­nen Brücke im Viadukt eine weibliche Person vom Zuge überfahren lassen. Die Leiche wurde furchtbar zugerichtet.

* Frankfurt a. M. Die Nachforschungen in Sa­chen der Frankfurt- Friedberger Attentäter sollen ergeben ha­ben, daß die Explosion in der Majerschen Villa zu Frant­furt vermutlich der benachbarten Post gegolten hat. Es sol­len Pläne gefunden worden sein, aus denen hervorgeht, daß Explosionen in benachbarten Grundstücken erfolgen soll­ten, und die Attentäter wollten dann die Gelegenheit be­nußen, die Post zu berauben.

In der Erhebung der Stempelge= bühren für Musikaufführungen, Schaustellungen 2c. jetzt eine andere Ausführungsweise in Kraft getreten. Big­her war es den besonders hierzu bestimmten Beamten über­lassen, je nach ihren Erwägungen die zur Erhebung kom­mende Stempelgebühr in Ansatz zu bringen; der Beamte konnte ab und zugeben, es lag in seiner Machtbefugnis, eine Stempelgebühr von 50 Pfg. bis zu 20 Mart zu er heben. So wurden beispielsweise alle fleinen Veranstaltun= gen mit etwa 1,50 Mt. Stempelgebühren herangezogen, größere bezahlten 4,50 Mt. 2c. Das Ministerium hat nun verfügt, daß für alle fleinen Musikaufführungen 2c. Wirtschaften nicht mehr 1,50 Mt., sondern 4,50 Mt. zu er­heben seien, für größere Unternehmungen 7 Mt. 2c. Auch für Kinematographentheater und ähnliche Unternehmungen sind die Stempelgebühren um das dreieinhalbfache erhöht

worden.

in

*

Langsdorf. Reichs- und Landtagsabgeordne­ter Philipp Köhler ist erheblich erkrankt, so daß er für die nächste Zeit verhindert ist, an Verhandlungen des Land­und Reichstages teilcunehmen.

* Frankfurt a. M. Eine Vorstandssitzung des Landesverbandes hessischer Geflügelzüchter fand hier statt, in der die Vorstandsämter folgendermaßen verteilt wurden: Erster Vorsitzender Müller- Bingen, Stellvertreter Munter= mann- Offenbach und Södler- Nieder- Gmünden, Schriftführer Kranzbühler- Worms und Hildebrand Gettenau, Kassierer Wahlig Klein- Steinheim, Beisitzer Kolb- Lorsch, Falt- Mainz, Engel­Holler- Lauterbach, Hirsch- Westhofen, Mohr- Alzey, Mombach, Jacobi- Lollar, Fint- Zell, Schwan- Gießen, Wolz­Reichelsheim, Spöhrer- Rüsselsheim und Hechler- Bensheim. Auf Antrag des Rheinhessischen Verbandes wurde beschlos= sen, nur alle zwei Jahre eine Landesausstellung abzu= halten.

* Reise nach der Wassertante. Nach den bisher eingelaufenen Anmeldungen findet diese beliebte, all­jährliche Mainzer Fahrt nach Bremen, Bremerhaven, Hel­goland, Hamburg und Kiel auch in diesem Jahre bestimmt statt und zwar vom 20. bis 26. Juli cr. Preis Mt. 100.­einschließlich Hotels, Verpflegung, Wagen- und Dampfer= fahrten und Trinkgelder. Die Mainzer Veranstaltung hat sich durch ihre sachkundige Busammenstellung, ihr reich= haltiges Programm, sowie ihre gemütliche Geselligkeit einen wohlverdienten Ruf erworben und von Jahr zu Jahr in immer weiteren Kreisen eingeführt, man beachte deshalb zur Vermeidung von Irrtümern und Verwechslungen mit anderen ähnlichen Unternehmungen, genau Abfahrtsdatum und Preis( 20. Juli 100 Mt.) und richte Anmeldungen nur an das Reisebureau L. Lyssen hop u. Co., Mainz, woselbst auch das ausführliche Programm ere hältlich ist.

ger anwesend. Nach der von dem Konkursverwalter auf­gestellten Bilanz betragen die Aktiva rund 40 000 Mart. Demgegenüber stehen in Passiva persönliche Schulden rund 108 000 Mt. und die Depotfehlbeträge 138 000 Mt., das sind zusammen rund 246 000 Mt. Es dürften vielleicht 5 bis 10 Prozent in der Masse liegen.

* Mainz. Bei dem Reiterfest der Dragoner ergab die gesamte Einnahme 18 000 Mart. Es verblieben nach Abzug der Kosten von 13 000 Mt. vorbehaltlich näherer Abrechnung 5000 Mt. für die Armen von Mainz. Mil. für die

* Mainz. In der Stadtverordneten- Situng wurde die Anleihe von 16 Millionen Mart bewilligt. Der Antrag stand am 4. Juni schon einmal auf der Tagesordnung, wurde jedoch damals zurückgezogen.

* Worms. Der Zimmermann Mennel wurde im Zustand der Trunkenheit von seiner Frau ermordet, welche ihm mit einem Kartoffelstampfer den Kopf zertrümmerte. Um den Anschein eines Selbstmordes zu erwecken, henkte die Frau ihren Mann auf. Die Unholdin wurde verhaftet.

* Aus der Wetterau. Die Aussichten auf eine gute Kartoffelernte verschlechtern sich von Tag zu Tag. Von der Blattrollfrankheit und Schwarzbeinigkeit sind auf man­chen Feldern bis 33 Prozent der Büsche befallen. Infolge­dessen steigen jetzt schon die Kartoffelpreise. Sehr viel Heu­gras liegt schon seit 14 Tagen aus den nassen Wiesen, es hat in Güte und Menge schon so erheblich eingebüßt, daß es als Futter höchst minderwertig, wenn nicht wertlos ist.

* Mainz. Die örtlichen Verhandlungen zur Er­gänzung des Schiedsspruchs im Baugewerbe, die zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern des Bezirks Mainz, Darmstadt und Wiesbaden hier stattfanden, verliefen resul­tatlos.

Aus aller Welt.

* Berlin. Zwischen Mitgliedern der konservativen Partei und des Zentrums haben vertrauliche Besprechun­gen stattgefunden, die voraussehen lassen, daß Zentrum u. Rechte bei der zweiten Lesung der Reichsversicherungsord nung in der Kommission zu einer Einigung unter sich und mit der Regierung fommen werden und daß das Ergebnis die Annahme der Regierungsvorlage sein dürfte. Insbe­sondere sollen die in der ersten Lesung gestrichenen sicherungsämter, auf die seitens der Regierung entscheiden­der Wert gelegt wird, in der zweiten Lesung angenommen werden, wogegen die Regierung sich noch zu einigen zu­geständnissen, insbesondere bezüglich Regelung der Beiträge für die Krankenkassen verstehen würde.

Ver­

* Berlin. Die Erträgnisse der letzten Reichssteuern sind nach einer vorläufigen Zusammenstellung auch für den Juni wieder erheblich hinter den Voranschlag zurückgeblie­ben. Der Minderertrag verteilt sich auf fast alle Steuer­

arten.

*

Berlin. In kolonialen Kreisen verlautet, daß der zur Zeit in Berlin weilende Gouverneur von Kamerun, Dr. Seiß, zum Unterstaatssekretär im Reichsfolonialamt aus­ersehen sei. Geheimrat Dr. Jagow soll Gouverneur von Südwestafrika werden, während Geheimrat Dr. Gleim als Nachfolger von Dr. Seit nach Kamerun gehen werde. Schließlich soll Geheimrat Dr. Meyer die Stellung des frankheitshalber nach Europa zurückkehrenden langjährigen Gouverneurs von Togo, Grafen von Zech, übernehmen.

Wahl­

* Frankfurt a. D. Der Vorstand des vereins der konservativen Parteten für den Wahlkreis Frankfurt- Lebus beschloß einstimmig, der Hauptversammlung des Wahlvereins als Kandidaten für die bevorstehende Er­sazwahl den Arbeitersekretär Hermann Dunkel vorzuschla­gen.

* Darmstadt. Eine eigentümliche Sitte ist es, daß die Leichen kleiner Kinder durch Frauen auf den Friedhof getragen werden. Vorgestern wollte nun eine 60jährige Frau die Leiche eines vier Monate alten Kindes auf den Friedhof schaffen. Es ging auch glücklich bis in die Wienersstraße, wo die Frau plötzlich einen Schwindel­dem anfall belam, und Frau und Sarg lagen auf Straßenpflaster. Die Aufregung der Eltern des Kindes, die der Leiche gefolgt waren, nn man sich denken. * Darmstadt. Den Militäranwärtern sind in Hessen die Stellen der Gerichtsvollzieher, der Hilfs­gerichtsschreiber bei den Untersuchungsrichtern und der Re­gistratoren bei den Kollegialgerichten vorbehalten. In der letzten Zeit hat nun eine so große Anzahl von Anwärtern die Prüfungen für diese Stellen bestanden, daß das Be­dürfnis auf Jahre hinaus gedeckt ist. Mit Rücksicht auf die Nachteile, die die Ueberfüllung dieser Berufe für die Anwärter und für die Justizverwaltung mit sich bringt, hat das hessische Justizministerium angeordnet, daß zunächst bis zum 1. Januar 1912 Anwärter für diese Stellen zum Vorbereitungsdienst nicht mehr zugelassen werden. Auf be­reits zugelassene Anwärter erstreckt sich diese Maßnahme nicht. Bekanntlich mußte auch der Vorbereitungsdienst für Attuare schon vor einigen Jahren wegen Ueberfüllung ge­schlossen werden.

* Oppenheim. Im Sitzungssaale des Oppen= heimer Landgerichts fand die erste Gläubigerversammlung im Falle Hubert statt. Es waren mehr als 60 Gläubi­

* Leipzig. Hier demonstrierten große Massen sür die Einführung des allgemeinen Wahlrechts zum Stadt= parlament. Das Rathaus, in dem die Stadtverordneten in öffentlicher Situng über die Wahlrechtsvorlage verhandel­ten, war in weiter Umgebung durch dichte Schußmanns­fetten abgesperrt. Ein großer Trupp berittener Schußleute trieb die Demonstranten gewaltsam auseinander.

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bad Fichtelgebi Gebirges und besfelben mit babnlinien, ein renverzeichnis von jedem Ort geben, die ei Tert bieten. Standesam Juni 28. Rutjd Marie 28. Ladie rich

* Köln. Im D- Zuge Paris- Köln ist eine Kölner Dame kurz vor Lüttich ihrer Juwelen im Werte von et wa 15 000 Franten, sowie ihrer Wertpapiere im Betrage. von mehreren tausend Franken gewaltsam beraubt worden. * Köppern i. T. Von einem herben Verluste ist eine Frankfurter Familie namens Frant betroffen worden, die in dem hiesigen Beamtenheim wohnte. Das Dienst­mädchen, welches den Auftrag hatte, auf die beiden Kinder aufzupassen, ließ sie ohne Aussicht und spielte Klavier. Plöblich fehlte der Knabe. Lange suchte man ihn vergeb­lich. Endlich sah man seine Müße auf dem nahen Teiche schwimmen. Der Junge war in den Teich gestürzt und er­trunken.

Kiel. Zwischen dem Bund der Landwirte und den Nationalliberalen in Schleswig sind Verhandlungen im Gange über eine gegenseitige Unterstützung bei den kommen­den Reichstagswahlen.

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London. Eine ständige Organisation der einigten Komitees der Kirchen Deutschlands und Großbri­tanniens zur Förderung freundlicher Beziehungen zwischen beiden Ländern hat sich in London gebildet.

)( Bei der am 29. Juni vom Radfahrer- Verein Bis­march"-Gelsenkirchen veranstalteten Straßenfahrt Gel­senkirchen Bocholt- Wesel- Gelsenkirchen( 150 Kilometer), errang der die vorjährige Meisterschaft von Gelsenkirchen besitzende Kunstfahrer Aug. Gehring auf Brennabor wieder­um den ersten Preis.

Aus dem Gerichtssaal.

Strafkammer.

Gießen, 8. Juli 1910.

mit

Das Schöffengericht Butzbach hat den Nagelschmied Adolf Beuth von Espa wegen Sachbeschädigung u. Tier Euälerei zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt. Er hat einem Landwirt von Griedel im Butzbacher Forsthaus Streit bekommen, wobei sich noch eine Anzahl Gäste aus der Wirt­schäft einmischten und ihn verprügelten. Aus Aerger gab er den Pferden des Landwirts Messerstiche in die Brust. Der Angeklagte beruft sich auf sinnlose Trunkenheit und legte Berufung ein. Das Urteil wurde jedoch bestätigt.

ist

Dem Fuhrknecht Friedrich Weicker 2. aus Hahn Urkundenfälschung, Betrug und Diebstahl zur Last gelegt. Er war bei einem Kohlenhändler zu Buzzbach als Fuhr= mann beschäftigt, hatte aber Gelegenheit, Rechnungsformu­lare auf dem Kontor zu bekommen. Er füllte solche aus, quittierte die Rechnungen mit dem Namen seines Dienstherrn, stahl die Kohlen aus dem Lager und brachte sie den Leu­ten. Zehn Urfundenfälschungen sind ihm nachgewiesen, doch hat er wieder zum Teil das Geld abgeliefert, als die Fir ma ihn mit der Erhebung des Geldes beauftragte, indem sie ihm echte Quittungen mitgab. Der Angeklagte wurde zu einer Gesamtstrafe von 6 Monaten verurteilt, worauf 2 Wochen Untersuchungshaft angerechnet werden.

Der Photograph Heinrich Schwarz aus Frankfurt a. M. hatte in drei Eingaben an das Amtsgericht Fried­berg und an den Justizminister den Rechtsanwalt Schröder und den Gerichts- Assessor Dr. Willenbücher zu Friedberg beleidigt. Die Straffammer hielt ihn für einen Querulan ten, der nicht verantwortlich zu machen ist, weshalb Frei­sprechung erging.

In einem Gerichtstermine zu Grünberg hatte dee Handelsmann Jakob Joseph von Rüddingshausen dem Land­wirt Karl Schlosser aus Bernsfeld zugerulen: Du bist über­haupt zu allem fähig!" Auf Privattlage wurde Joseph we gen Beleidigung zu 50 Mart Geldstrafe verurteilt. Der An­geflagte berief sich auf Wahrnehmung berechtigter Intereffen durch und focht das Urteil an. Da berechtigte Interessen die Aeußerung nicht gewahrt werden konnten, wurde das Urteil bestätigt.

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