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Zweites Elatt № 54.
Gießener Zeifung
Expedition: Gießen, Seltersweg 83.
deutschen Voltes hatten in einigen Kreisen die Meinung
Volks- Gesundheit und Wolks- Wohlfahrt. entstehen lassen, daß auch die Gesundheit des deutschen Vol
Man ist in vielen Kreisen geneigt, den Wohlstand eines Boltes nach der Fruchtbarkeit des Bodens und dem Klima des betreffenden Landes, nach dem Fleiße und der Sparsamteit seiner Bewohner, nach der Blüte von Handel und Industrie und nach der Ruhe und Ordnung, die in dem Lande herrscht, zu beurteilen. Gewiß sind die genannten Eigenschaften eines Landes und seines Voltes wichtige Faktoren für den Volkswohlstand und sie können nie und nimmer für das Gedeihen des wirtschaftlichen Lebens entbehrt werden. Neben diesen genannten wichtigen Stüßen des Volkswohlstandes darf man aber auch einen anderen großen Faktor im Menschen und Völkerleben nicht vergessen, das ist die Volksgesundheit, die möglichst in allen Voltstreisen vorherrschend sein muß, wenn sich ein echter Wohlstand voll und ganz entwickeln soll, denn Krankheiten und Siechtum fönnen nicht nur den Wohlstand vieler einzelnen Familien vernichten, sondern sie tönnen auch den Wohlstand eines ganzen Voltes untergraben. Zur Voltsgesundheit gehört nicht nur, daß die Krankheiten zu den seltenen Heimsuchungen eines Voltes und seiner Familien zählen, sondern daß auch die überwiegende Mehrheit der Volksgenossen in Gesundheit und Kraft ihre Berufsarbeit erfüllen kann und vor allen Dingen auch zur Erzeugung und Heranbildung eines neuen jungen Geschlechtes fähig ist. Die nicht mehr ganz auf der alten Höhe stehende Wolfsvermehrung in Deutschland, sowie einige voreilige Schlüsse in Bezug auf die Gesundheit und mittlere Lebensdauer des
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Die Freundinnen.
Originalroman von Irene v. Hellmuth. Nachdruck verboten.)
Ms der Vater, schon halb überzeugt, ihr lebhaft zunidte, fuhr sie lachend fort:;, Na, siehst du! Und wenn ich wieder dergleichen merke," dann melde ich es dir Sofort!"
Es gelang ihrem lebhaften Geplauder wirklich, den Vater zu beruhigen. ,, Und von einem einem Verhältnis zwischen dir und diesem Herrn ist also keine Rede?" fragte er noch ein wenig mißtrauisch.
Neinnein, Papa. Gewiß nicht! Du darfst ganz ruhig sein!"
Vollständig versöhnt langten sie zu Hause an.
IV.
Es war ein früber, regnerischer Tag. Sylvia saß mißmutig am Fenster und sah hinaus in das Nebelgeriesel. Den Wald, der jenseits der Straße begann, vermochte man kaum mehr zu unterscheiden. Er schien von einem dichten maffenden Schleier eingehüllt. Die Schwalben sammelten sich schon zum Zuge in das ferne Land. Eifrig, geschäftig flogen sie hin und her, als gäbe es vor der Abreise noch manches zu besorgen.
Sylbia verharrte regungslos auf ihrem Plaße. Der Vater saß stumm im Lehnstuhl am Ofen. Sein Haar war schon völlig ergraut, die Wangen zeigten eine fahle Blässe, bfe Augen lagen tief in den Höhlen. Völlig teilnahmslos blidte er vor sich hin. Auch das Mädchen am Fenster wandte kaum den Kopf, als Frau von Schmettwiß ins Bimmer trat.
Na, natürlich, das konnte ich mir denken, daß du wieder da sizest und die Hände in den Schoß legſt!" rief sie, noch unter der Türe stehend. Ich dachte, wenn man Braut ist und bald heiraten will, hätte man alle Bände voll zu tun!"
Ein forschender Seifenblick streifte die Nichte. Wer sagt dir denn, daß ich bald heiraten will?" fragte das Mädchen ruhig.
tes in einem Rückgange begriffen sei. Diese Meinung ist aber glücklicherweise ein Frrtum, denn die neu berechneten Sterbetafeln in Deutschland zeigen, daß die mittlere Lebensdauer des männlichen Geschlechts in Deutschland sich gegen die Zeit vor etwa vierzig Jahren um etwa 4 Proz. gehoben hat, ebenso ist auch die mittlere Lebensdauer des weiblichen Geschlechtes in diesem Zeitraume gar um etwa fünf Prozent gestiegen. Die wahrscheinliche Lebensdauer für das männliche und weibliche Geschlecht zeigt ferner für die Gegenwart und nächste Zukunft sogar noch günstigere Zahlen, sie ist fast um 10 Prozent gegen die früheren Beiten gestiegen. Erfreulich ist bei dieser Erscheinung nicht nur die Tatsache der Fortdauer und Steigerung der Volksgesundheit und Voltstraft in Deutschland, sondern man fann auch anerkennen, daß die größere soziale Fürsorge, der Arbeiterschuß, die sozialen Versicherungen und die gut orga= nisierte Selbsthülfe recht gute Früchte für die Hebung der Vollsgesundheit getragen haben. Die ganze Gesundheitspflege ist unter der Mitwirkung der Regierungen und Stadtverwaltungen heutzutage ja auch eine viel umfassendere geworden, als in früheren Zeiten, und man weiß heutzutage die gefährlichen Krankheiten, wie Pest, Cholera, gelbes Fieber und Typhus viel eher im Reime zu ersticken oder auf einen kleinen Herd zu beschränken, als in früheren Zeiten. Anerkannt muß auch werden, daß der Kampf gegen den übermäßigen Alkoholgenuß für die Gesundheit des Volkes sicher auch von großem Vorteile gewesen ist, denn man hat doch in sehr vielen Berufskreisen eingesehen, daß
' Rheinisches
der
Samstag, den 9. April 1910.
es besser ist, zur Stärkung des Körpers und Geistes Kaffee und Tee zu trinken statt Schnaps und Bier. Die Bestreb= ungen zur Stärkung der Volksgesundheit in ihrer Gesamt heit haben denn auch dazu geführt, daß die Sterblichkeit, welche in Deutschland vor 40 Jahren auf 1000 Einwohner etwa 31 Todesfälle im Jahre betrug, jetzt auf 19 Todesfälle im Jahre herabgesunken ist.
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,, Nun, ich meine, so sehr lange wird es nicht mehr dauern. Dein Verlobter läßt doch bereits alles herrichten, das ganze Haus wird renoviert und zum Empfang der jungen Herrin festlich geschmückt. Du hast nur zu bestimmen, wann du dort einziehen willst. Hugo wartet bereits mit Ungeduld auf deine Entschließung. Wie eine Fürstin wirst du drüben empfangen werden. Die Leute fönnen gar nicht genug des Rühmens finden, wie schön und nobel alles gemacht wird. Du brauchst nur deine Wäsche mitzubringen, sonst nichts. Mir scheint, du weißt gar nicht, welch großes Glück dir da in den Schoß fällt. Ein anderes Mädchen würde das dankbar anerkennen, würde ihrem Verlobten aus lauter Freude um den Hals fallen. Aber du, nicht einmal hingehen willst du, um dir die Herrlichkeiten zu betrachten."
Sylvia zudte ungeduldig die Achseln.
Liebe Tante, das schickt sich doch nicht," lachte sie spöttisch auf.
Wenn du in meiner Begleitung hingehst, dann kann niemand etwas dagegen einwenden."
,, Das hat doch nicht solche Eile, Tante."
Aber Hugo würde sich freuen, ich weiß es. Er hat sich bei mir bitter über dich beklagt." Sylvia runzelte bie Stirn.
Wirklich? Ah, das werde ich mir verbitten!"
,, Na, na, nur nicht so heftig," lenkte Frau v. Schmettwiß ein. Er sagte ja nichts Schlimmes, nur daß du so fühl und zurückhaltend wärst, gar nicht wie eine Itebende Braut, und daß er sich jede kleine Gunst erst förm lich erzwingen müßte. Und das kann ich aus eigener Ueberzeugung bestätigen. Ich mußte ihm recht geben! Mädchen, befinne dich! Wenn du fortfährst, deinen Bräutigam so zu behandeln, dann löst er vielleicht die Verlobung wieder auf!"
Sylvia lachte bitter.
Sei ohne Sorge, Tante, das wird nicht geschehen. Und wenn er es täte, ich hielte es für kein Unglüd. Es wäre vielleicht das beste für uns beide."
Die Dame schlug entsegt die Hände über dem Kopf zusammen
Na, da hört sich aber alles auf! Ein sehr großes Unglück wäre es sogar! Du weißt nicht, was du sprichst!
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Was willst du denn eigentlich? Ein Prinz wird faum tommen, um dich auf sein Schloß zu führen! Als ob man eine solche Partie wie Hugo von Trostberg auf Weinfelden alle Tage betäme. Der Mensch sig völlig schuldenfrei auf seinem großen Gute, hat weder Eltern noch Geschwister, ist ganz unabhängig, dazu im Besiße eines großen Vermögens, und du du hieltest es für fein Unglück, ihn nicht zu bekommen? Da mache mir einer einen Vers dazu! das verstehe ich nicht! Nun, Schwager," wandte sie fich an Sylvias Vater, der sich mit teiner Silbe an der Unterhaltung beteiligte, so rede doch auch ein Wort, was meinst du denn zu solchem Unsinn?"
Beunruhige doch den Vater nicht, Tante," siel Sylvia rasch ein, noch ist es ja nicht so weit. Ich werde Herrn Hugo v. Trostberg auf Weinfelden heiraten, aber drängen lasse ich mich nicht! Man soll mir Beit laffen."
Die resolute Dame hatte eine scharfe Bemerkung auf der Bunge, als sie sah, wie Sylvia leicht zusammenzudte.
Was hast du denn? fragte sie ne
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Drunten im Hof schwang sich eben Sylvias Bräutigam aus dem Sattel, übergab mit einem furzen Befehl das Pferd einem herbeieilenden Diener und trat rasch ins Haus. Frau v. Schmettwig wollte sich eben topfschüttelnd entfernen, doch Sylvia bat hastig: Bleibe doch hier Tante, du störst uns gewiß nicht!"
Ich habe teine Beit und dann glaubte ich doch schon zu bemerken, daß meine Gegenwart deinem Bräutigam nicht als unbedingt nötig erscheint. Nicht wahr, Hugo?" rief sie lachend dem eben eintretenden, stattlichen Herrn zu, Sie bestehen nicht darauf, daß ich hier bleibe?" Er führte galant die Hand der Dame an die Lippen. Ich fürchte, Sie würden sich langweilen, gnädige Frau, denn ich habe mit Sylvia allerlei zu besprechen, was für Sie doch kaum Interesse haben dürfte."
Ja, ja, das kennt man schon", lachte Frau v. Schmettwih laut, aber wenn die interessante Unterhaltung be endet ist und Sie wollen bei mir eine Tasse Lee trinken; solls mir eine Ehre sein!"
( Bartletung folgt.)


