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Zweites Blatt 39.

Eine Umfrage

Gießener Zeitung

die wir anfangs dieser Woche an mehrere mit dem Er­werbs, Verwaltungs- und Vereinsleben eng verwach­sene Bürger unserer Stadt richteten, ob die Gie­ßener Zeitung" in ihrer jetzigen veränderten Aufmach­ung den Ausgaben eines Lotalblattes für eine Stadt wie Gießen entspricht, hat uns viele gute Antworten gezeitigt. U. a. schreibt uns ein Herr:

. teile Ihnen erg. mit, daß die Gießener Zeitung" nicht allein der Aufgabe eines Lokalblattes entspricht, sondern allgemein als wahres Bedürfnis Indem ich dasselbe gerne empfunden werden dürfte. unterstütze, abonniere ich hiermit auf Ihre Zeitung u. s. w...."

-

Wir danken hiermit allen Einsendern der Antworten auf unsere Umfrage und bitten die gesamte Bürger= schaft um weitere Unterstüßung. Gern unterziehen wir uns den Aufgaben einer bürgerlichen, offenen Presse und zeichnen in dieser Erwartung

Hochachtungsvoll

Redaktion u. Verlag.

Preisausschreiben des Hansabundes.

Von dem Wunsche geleitet, die auf eine Verbesserung seiner wirtschaftlichen Lage gerichteten Bestrebungen des im schweren Rampse befindlichen deutschen gewerblichen Mit­telstandes im Sinne der Richtlinien vom 4. Oktober 1909 nach Kräften zu fördern, hat das Präsidium des Hansa­bundes beschlossen, für die drei besten Arbeiten über die Frage: Durch welche praktisch durchführbaren Maßregeln Lann das für Errichtung und Betrieb kleingewerblicher Un­ternehmungen erforderliche Anlage- und Betriebskapital be­schafft werden?" drei Preise von 2000, 1000 und 600 Mt. auszuseßen. Preisrichter sind die Herren: Dr. phil. Frei­herr von Berlepsch, Staatsminister, als Vorsitzender, Prof. Dr. jur. Crueger, Justizrat, Charlottenburg, Dr. jur. von Mayer, Unterstaatssekretär a. D., o. ö. Professor an der Universität München, Rahardt, Obermeister der Tischler­Innung, Berlin, Dr. phil. Stegemann, Syndikus der Han­belstammer Braunschweig. Die Preisarbeiten sind bis zum 1. Oftober 1910 bei der Geschäftsstelle des Hansabundes ( Berlin NW. 7, Dorotheenstr. 3, 3.) einzureichen, wo auch die näheren Bedingungen jedem zur Verfügung stehen.

Lokales.

Gießen, den 5. März 1910. * Rindviehzucht. Die Herdbuchgesellschaft für das Vogelsberger Rind hat nun glücklich durch Beziehen von gelbem Frankenvieh ihren früheren Plan verwirklichen Tönnen, durch Kreuzung die heimische Gebirgsrasse schwerer und rassiger heraus zu züchten, um die Tiere der Simmen taler Rasse ebenbürtig zu machen.

* Falsches Geld! Wie man erfährt, ist 3. 3. eine große Anzahl gefälschter Zwei- und Fünfmarkstücke im Umlauf. Die Fälschungen betreffen Hamburger Münzen. Die Fünfmartstücke haben die Bezeichnung 1876 1 und find etwas fleiner als die echten Fünfmarkstücke. Die zweimark­stücke stammen aus dem Jahre 1906.

* Volksba d. Im Februar wurden 8839 Bäder berabreicht gegen 8778 im Januar 1910 und 7600 im Fe bruar 1909 oder im Durchschnitt täglich 316 Bäder gegen 283 im Januar 1910 und 271 im Februar 1909. Der Be­juch im einzelnen hat sich wie folgt verteilt: Schwimmbad: 4104 Männer, darunter 806 zu 10 Pfg., 632 Frauen, da runter 101 zu 10 Pfg.; Wannenbäder 1. Kl.: 240 Männer, 65 Frauen, 2. Kl. 817 Männer, 467 Frauen; Brausebäder 1. I.: 905 Männer, 207 Frauen, 2. Kl.: 1020 Männer,

89)

Der Sall Welshofen.

Nachdrud verboten.)

Oh beam etmen fürchterlichen Schred, erzählte DI­fers weiter, ich bon der Briefgeschichte hörte und at Frau Hardegg mir von der Ermordung des Grafen erachte und hinzufügte, daß man glaube, er sei einem Gerbrechen zum Opfer gefallen, hauptsächlich, weil man in seiner Nachttischschublade etwas darauf Sindeu­tendes gefunden, dachte ich mir fofort, daß es mein Brief fet"

., Bm, das dachten Sie! Dann müssen Sie doch bezüg lich des Todd auch gewisse Vermutungen gehegt haben mie?"

Abermals warf Olfers einen seiner mißtrauischen Blicke auf den Detektiv.

Darauf verweigere ich die Antwort," entgegnete er mürrisch.

,, Nun, wir verstehen uns auch so. Aber das können Sie mir doch sagen ob nämlich die Verdi noch etwas über den Todd alias Long- Bell geäußert hat? Er hat die Brusio wiederholt besucht und ist von ihr und der Verdi gegenüber der Köchin als ein Kunsthändler namens Rochus, dazwischen freilich auch als ein ehemaliger Kollege von ihr ausgegeben worden"

tettiv.

Davon weiß ich nichts," unterbrach Olfers den De Ich weiß nur" er schwieg und biß sich auf die Lippen.

Brümmel versuchte noch weiter in den Unglücklichen zu dringen, aber vergebens- jener sette nunmehr allen Teinen Fragen Stillschweigen entgegen. Brümmel Lannte, daß heute nichts mehr aus ihm herauszube­Lommen fei.

er­

Gut, fagte er, so will ich gehen. Vielleicht komme ich morgen wieder. Nur eine Frage noch was in des Simmets Namen hat es für einen Zweck, daß Sie hier in Wien eine doppelte Rolle spielten? Ich meine"- fuhr er fort, als Offers erstaunt auffuhr= warum sind Sie

Expedition: Gießen, Seltersweg 83.

212 Frauen. Dampf- und Heißluftbäder, sowie Massage zusammen 158 Männer, 12 Frauen. Die Personenwage wurde von 180 Personen benußt. Das Bad wurde von 3 Personen besichtigt.

h Vortrag. Donnerstag abend fand hier vor zahlreich erschienenem Publikum der mit Spannung erwar tete Experimental- Vortrag des bekannten Antispiritisten Fly Cumberland statt. Nach einem einleitenden Vortrag, welcher den Erschienenen das Wesen der Sugge stion in umfassender Weise erläuterte, wandten sich die Aus­führungen des Redners der praktischen Anwendung der sug geftiven Beeinflussung zu. Großen Beifall ernteten u. a. die Gedächtnis- und Rechenkünste, welche Fly Cumberland vorführte. Nicht minder interessant waren die Versuche, welche mit der Gedankenübertragung, Sinnestäuschung und dem Spiritismus angestellt wurden. Das Interesse des Pub­likums, das sich wiederholt in lebhaftem Beifall fundgab, hielt bis zum Schluß an. Jedenfalls wird auch später noch Fly- Cumberland auf ein volles Haus rechnen können.

:: Vegetarisches Reform haus. Allenthal­ben erschallt der Ruf: zurück zur Natur!" Wir wissen jetzt, daß nicht nur der Körper davon seinen Nußen hat, wenn er sich frei bewegt, eine Kleidung trägt, die rein dem Zweck entspricht, und eine ihm bekömmliche Ernährung pflegt, auf einmal erweist sich auch der Geist leistungsfähiger und hat nicht mehr mit nervöser Ermüdung zu kämpfen. Wir sind ja nicht so töricht, etwas Nüßliches einzusehen und es nicht zu tun. Also tun wirs. Bislang war in Gießen noch nicht die Gelegenheit geboten, die Rezepte neuer vegetari­scher Kochbücher vollauf anzuwenden. Jetzt liegen die Mit tel dafür zur Auswahl auf. Aber man friegt dort auch Dinge, die so prachtvoll präpariert sind, daß sie das Ko­chen gar nicht nötig haben und sich einzigartig zu ganzen Tagesrationen auf großen Wanderungen eignen: Kraft, Nahrung, Bananen, Feigen, Fruchtsäfte 2c. Und was die Zeit vielleicht am meisten anspricht: die Butter ist so billig geworden und dabei doch so gut, daß jede Hausfrau nur noch Sanitas- Butter oder solche von Walnüssen verwendet. Die schmeckt dann zu dem kräftigen Sanitaskornbrot ganz ausgezeichnet. Es ist wirklich nötig, auf die Existenz dieses Reformhauses aufmerksam zu machen, denn es liegt so be­scheiden in einem Winkel( Neuen Weg), daß man ange= strengt darnach suchen muß. Sucht, denn ihr findet Euch schließlich reichlich belohnt!

Aus Hessen und Nachbargebiet.

* Aus dem Kreis Gießen. Das Gruppen. wasserwerk Dieberg- Gruppe" wird nun auch die Gemeinde Weickertshain mit Wasser versorgen. Ein wahres Meister­stück der Technik wird die Zuleitung bilden, welche die Länge von 4 Kilometer aufweisen soll. Weickertshain hat damit gleich den bereits angeschlossenen Orten Beltershain, Rein­hardshain, Bersrod, Lumda und Stangenrod mit dem alten System gebrochen und wir möchten nur wünschen, daß der Zug der Neuzeit auch an anderen Gemeinden des Kreises nicht vorübergehe.

* But bach. Dem im hiesigen Zellengefängnis seine Strafzeit abbüßenden ehemaligen Offenbacher Stadtrechner Grebe ist vom Großherzog von Hessen ein Viertel der er­fannten Gefängnisstrafe, etwa ein halbes Jahr, auf dem Gnadenwege erlassen worden. Wie bekannt, hatte Grebe zum Nachteil der Stadt Offenbach eine beträchtliche Summe veruntreut.

* Nieder- Mörlen, 1. März. Wohl einer der ältesten Gemeinderechner Oberhessens, Rechner Peter Jakob Möbs hat frankheitshalber sein Amt niedergelegt. 24 Jahre lang hat Möbs seinen verantwortungsvollen Posten treu und gewissenhaft zur Zufriedenheit der Gemeinde und seiner vorgesetzten Behörde ausgefüllt.

Lich, 2. März. Hier im Schlosse finden am 11. Mai d. Js. die Vermählungsfeierlichkeiten der Prinzessin Dorothea zu Solms- Hohensolms- Lich mit dem Prinzen Hermann zu Stolberg- Wernigerode statt. Der Großherzog, die Großherzogin und eine große Reihe Fürstlichkeiten wer­den an der Feier teilnehmen.

* Grünberg, 1. März. Der Neubau eines Bür­gerschulgebäudes ist beschlossene Sache. Das Gebäude soll in die Nähe des bisherigen Schulhauses, die Kosten des Neubaues werden etwa 90 000 mt. betragen. Die Stadt hat das Baugelände, zirka 1000 Quadratmeter für 80 000 Mt.

in der Wilson- Scool unter dem Namen Lanzani Sprachlehrer aufgetreten?"

A.

Wer hat Ihnen das verraten?" stöhnte der junge Mensch.

Einfach Frau Hardegg, deren Namen Ihnen übri­gens bereits einmal während unserer Unterredung ent­fahren ist."

Und nun erzählte er ihm, wie Paula Harbegg don ihrem Interesse an ihrem italienischen Lehrer geleitet, fich in seinem Nugen verwandt hatte.

So viel Teilnahme an einer Stelle, an der man es nicht erwartete, wird einem manchmal," murmelte ber Italiener. So wenig habe ich diese Frau gekannt und dennoch ein milder Ausdrud verschönte seine verhärm ten Züge, ein Ausdruck der Brümmel erkennen ließ, daß das Interesse zwischen Baula und ihm nicht nur auf ihrer Seite bestand.

,, Aber Sie haben meine Frage noch nicht beantwortet," begann Brümmel. Was hatte diese Komödie in der Wil­son- Scool für einen 8wed?"

Komödie nennen Sie das?" fuhr Olfers- Lanzani auf. ,, Mir war es keine Komödie, sondern eine bittere Not­wendigkeit. Ich wollte doch alles tun, um mich aus ben Klauen Todds zu befreien. Ich verdiente zwar viel beim Varietee, aber immer noch nicht genug, um dem Todd meine Schuld so rasch bezahlen zu können, als ich es wünschte. Darum habe ich während der letzten Beit in Berlin wie auch hier an der Wilson- Scool unterrichtet, um meine Einnahmen zu steigern. Außerdem dachte ich auch, daß es mir unter Umständen nüßlich sein könnte, zwei Namen zu besigen, ja, zwei verschiedene Personen zu sein, um gewissermaßen in ein anderes Gewand schlüpfen zu können wenn die Vergangenheit hier ausleben follte. Und nun alles, alles umsonst! Umsonst habe ich gear­beitet, Tag für Tag, in der Schule und beim Varietee, für jenen Schurken, der mir betrügerisch mein sauer erwor­benes Geld abgenommen und mich ins Unglück gestürzt hat. Denn mögen Sie's meinetwegen wissen was Ilegt daran?- Der Todd hat jenem Gendarmen nie auch nur einen Lire gegeben jeden Heller, den er mir für jenen abe gepreßt hat, ist in seine eigene Tasche geflossen. Die Verdi hat mirs erzählt. Sie hat gehört, wie er sich vor der

Samstag, den 5. März 1910.

Durch einen jungen Mann mit einer Legitimation von mir aus werden die Abonnementsgelder

in Gießen

gegen Aushändigung der Quittung von jetzt ab ein­kassiert, also nicht mehr durch die Träger.

Gießener Zeitung Albin Klein.

angelauft. Gelegentlich des diesjährigen Gallusmarktes soll hier eine Geflügel- und Vogel- Ausstellung stattfinden. * Alsfeld, 1. März. Die Renovation des alten Rathauses, als eines bedeutenden Baudenkmals, ist nun­mehr beschlossene Sache. Das Ministerium hat den Kosten­boranschlag in Höhe von 60 000 Wau genehmigt. Mit den Arbeiten wird bald begonnen werden.

* Krofdorf. Hier sind nun die Holzversteigerun gen zum Abschluß gekommen. Während bei der letzten Ge­meindeholzversteigerung Buchenscheithotz durchschnittlich mit 10 Mark und darüber bezaht wurde, tostete dasselbe am Freitag bei der Herrschaft nur bis 8 Mart im Raummeter. Erfreulicherweise sind im allgemeinen die Preise des Brenn­holzes billiger geworden. Offenbar hat der gelinde Winter weniger Brennmaterial beansprucht, dazu bürgert sich auch auf dem Lande immer mehr die Kohlenfeuerung ein.

Oeffentlicher Sprechsaal.

: h: Odffentliche Lesehalle. Der Gießener Lesehallen Verein hat, wie aus seinen Berichten hervor- geht, mit verschiedenen Schwierigkeiten zu kämpfen, was mit Rücksicht auf die große Bedeutung und den hohen Zweck dieser volkstümlichen, gemeinnüßigen Einrichtung sehr zu bedauern ist. In der Hauptsache ist es der Geldpunkt, an dem der gute Willen oftmals unfreiwillig Halt machen und wegen dem er sich Beschränkungen auferlegen muß, die einem gedeihlichen und zweckentsprechenden Ausbau des Un­ternehmens entgegenstehen. Es wäre daher sehr zu wün­schen, daß nicht nur die Bürger unserer Stadt sich- und zwar mit freiwillig erhöhten Beiträgen in größerer An­zahl, als es bisher der Fall ist, an der Mitgliedschaft des Vereins beteiligten, sondern daß auch die kapitalfräftigeren Leute von Zeit zu Zeit dem Verein mit nahmhaften Spen­den in seinem guten Werte unter die Arme griffen. E3 wandert soviel Geld als Unterstützung nach auswärts nicht in andere Staaten unseres deutschen Vaterlandes, son­dern ins Ausland, wo es manchmal oder meistens seinen Zweck und seine Bestimmung verfehlt;- daß man auch einmal für die Heimatstadt etwas opfern fann, wenn die Namen auch nicht gleich in allen Zeitungen öffentlich ver­fündet werden. Natürlich sind auch kleinere Beiträge will kommen und ebenso verdienstlich, wie größere Spenden, doch können erstere ohne die letzteren nicht viel nüßen. In zweiter Linie kämpft der Verein mit den Räumlichkeiten. Diese sind aber auch, offen gestanden, recht beschämend für eine Stadt wie Gießen! Hoffentlich hilft diese bald derweitig aus, wenn auch einstweilen bloß mit dem gegen­überliegenden, demnächst leer werdenden Torhäuschen, der­art, daß das eine Häuschen bloß Bibliothebsräume und Ausleihe, das andere nur Lesezimmer enthalten wird. Die jezigen Bibliotheksräume sind so überfüllt, daß ein Teil der Bücher in der Universitätsbibliothek untergebracht ist, und daß die Ausleihe viel zu ein ist, werden wohl die Be­nußer derselben am besten bestätigen fönnen. Auch das Lese­zimmer ist ganz unwürdig flein im Verhältnis zu seinent Inhalt. Zunächst kommt die Reichhaltigkeit des letzteren gar nicht zur Geltung, sodann geht durch durch die notgedrun gen eintretende allzugroße Ueberfüllung der einzelnen Ab­teilungen die Uebersichtlichkeit vollständig verloren, so daß manche wertvolle Sachen selten oder nie in die Hand ge­nommen werden, während andere, offensichtlicher daliegende,

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nita seiner Betrügerei gerühmt hat. Und als ich por hn hintrat" schrie Olfers, sich wieder in rasendent Born steigernd und ihm seine Niederträchtigkeit vor­warf, erwiderte er mir falt lächelnd, ich möchte ihn doch als Betrüger bei der Polizei anzeigen, ich wüßte ia, was dann für schöne Geschichten auch in bezug auf mich ruch­bar werden würden. Und ich" Offers schlug sich gegen die Stirn mußte schweigen- schweigen!"

Aber vielleicht hat er doch gefürchtet, Sie möchten etwas gegen ihn unternehmen, und das war der Grund warum er den Verdacht des Mordes durch ienen Brief auf Sie lenken wollte", warf Brümmel ein.

Fangen Sie schon wieder davon an?" grollte Olfers. Sie haben doch gehört, daß ich davon nicht sprechen will. Ich bin kein versöhnlicher Mensch und in meinen Adern fließt das rachsüchtige italienische Blut, aber bloß auf einen Argwohn hin flage ich auch meinen Todfeind nicht einer Mordtat an. Denn das ist's doch, wozu Sie mich bringen wollen. Wenn ich frei wäre und der Todd vor mir stände, so" ein tüdisches Feuer glomm in Offers dunklen Augen so möchte er nicht mehr Zeit finden, ein letztes Vaterunser zu beten, aber ihn des Mordes anklagen tu ich nicht. Das wäre falsch, das wäre feige."

Brümmel mußte wieder denken, welch seltsame Gegen­säße in der Brust dieses jungen Menschen wohnten, in dem sich das Blut zweier Rassen mischte. Welch sonder­bare Ehrbegriffe! Er verstand ihn troß allem nicht.

Nun denn, jeßt zum leßten Male adieu, Herr Offers", fagte er, ihm die Hand reichend. Vielen Dank für Ihre Auskünfte. Und seier Sie guten Mutes- Ihre Sache steht nicht schlecht, glauben Sie mir."

Er wandte sich, um zu gehen, als er bereits den Tür­griff in der Hand hatte, hörte er, wie Offers ihn leise, mit gänzlich veränderter, weicher Stimme fragte: Saben Sie meine Kleine gesehen, Herr- ja, ich weiß gar nicht einmal wie Sie heißen." und ohne die Antwort abzu marten, fügte er rasch, wie widerstrebend hinzu: ,, Wenn Sie die Frida sehen sollten, so grüßen Sie sie von mir und sagen Sie ihr, sie soll mich bergessen."

( Fortfeguna folgt.)